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Full text of "Natur und Museum"

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BERICHT 



DER 



SENCKENBERGISCHEN NATURFORSCHENDEN 

GESELLSCHAFT 



IN 



FRANKFURT AM MAIN, 

1904. 



Torn Juni 1903 bin Juni 1904. 



Die Direktion der Senekenbergischen Naturforsehenden 
Gesellschaft beehrt sich biermit, statutengemafi Uiren Bericht iiber 
das verflossene Jahr zu uberreicben. 

Frankfurt a. M., im Juni 1904. 

Die Direktion: 

Dr. med A. Knoblauch, I. Direktor. 
Prof. Dr. med. E. Marx, II. Direktor. 
Dr. phil. J. Guide, I. Sekretar. 
Dr. med. 0. Schnaudigel, II. Sekretar. 



I. Teil. 



Geschaftliche Mitteilnngen. 



'*>u -i^L-J^^i^il 



I- ''■ • '■ 



Jahresfeier 

der 

Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft 

and 

Grundsteinlegung 

zum Neubau des Naturhistorischen Museums 

.am IGt^Mai 1904. 



Akademische Feler. 

In festlicher Weise bat am Sonntag, den 15. Mai 1904, 
im reichgeschmtickten Vogelsaale des Mnseums an der Bleicb- 
straBedie 87. Jahresfeier der Senckenbergischen Natur- 
forschenden Gesellschaft unterdemVorsitz des I. Direktors 
Dr. August Knoblauch stattgefunden. 

Als Vertreter der Kaiserin, der Protektorin der 
Gesellschaft, war der Generalinspekteur der III. Armee- 
inspektion Exzellenz von Lindequist erschienen. Ferner 
waren zugegen der Stadtkommandant Generalleutnan t vonStttlp- 
n a g e 1 , Polizeipr^^ident Scherenberg, Oberbiirgermeister 
Dr. Adickes, Oberpostdirektor Maier, Biirgermeister Dr. 
Varrentrapp, Stadtverordnetenvorsteher Geh. Justizrat Dr. 
Humser, Regierungsrat von Wehrs und zahlreiche Mitglieder 
des Magistrats und der Stadtverordneten -V ersammlung. Als 
Vertreter der benachbarten Universit^ten waren erschienen Geh. 
Rat Prof. Dr. Bauer, Direktor des mineralogischen Instituts, 
aus Marburg, der Rektor der Universit&t Giefien Prof. Dr. 
Brauns und Geh. Rat Prof. Dr. Cur tins, Direktor des che- 
miscben Laboratoriums, aus Heidelberg, ferner die Rektoren 
der Technischen Hochschule zu Darmstadt Prof. Dr. Dingeldey 
and der hiesigen Akademie ftir Sozial- und Handelswissen- 



— 6* — 

schaften Prof. Dr. Bur chard. Als Vorsitzender der Deutschen 
Zoologischen Gesellscliaft war Geh. Rat Prof. Dr. Sp en gel aus 
Giefien auwesend. Sehr zahlreich waren audi die naturwissen- 
schaftlichen Vereine der Nachbarstadte vertreten, niit denen die 
Senckenbergisclie Gesellscliaft in freundschaftliclien Beziehungen 
steht, die Wetterauische Gesellschaft fur die gesamte Natur- 
kunde in Hanau durcli Oberlehrer Dr. Rausenberger, der 
naturhistorisch-medizinische Verein in Heidelberg durch Geh. 
Hofrat Prof. Dr. Btitschli, die Rheinische Naturforschende 
Gesellschaft in Mainz durch Prof. Dr. Nies, die Gesellschaft 
zur Beforderung der gesamten Naturwissenschaften in Marburg 
durch Geh. Rat Prof. Dr, Bauer, der Verein flir Naturkunde 
in Offenbach durch Prof. Dr. Metz, Dr. Bachfeld, R. Engel, 
C. Forger, Dr. Grosch und Prof. Storck und der Nassau- 
ische Verein fur Naturkunde in Wiesbaden durch Geh. San. -Rat 
Dr. Pagenstecher, sowie die Administration der Dr. Sencken- 
bergischen Stiftung und die ihr angegliederten Vereine, der 
hiesige Arztliche und Physikalische Verein und der Verein fiir 
Geographie und Statistik, als deren gemeinsamer Vertreter der 
Wirkl. Geh. Rat Prof. Dr. Scbmidt-Metzler an der Feier 
teilnahm. 

Durch Dienstgeschafte waren leider am Erscheinen ver- 
hindert Kultusminister Dr. Studt, der der Gesellschaft zu der 
Feier seine warmsten Gliickwunsche und fiir ihre wissen- 
schaftlichen Bestrebungen die Hoffnung auf weiteres erfolg- 
reiches Fortschreiten ausgesprochen hatte, Oberprasident von 
Windheim, Regierungsprasident Hengstenberg und der 
Kommandierende General des XVII I. Armeekorps General- 
leutnant von Eichhorn. 

Von zahlreichen korrespondierenden Mitgliedern waren 
Gltickwunschschreiben und Telegramme eingelaufen. 

In seiner BegriiBungsansprache wies der Vorsitzende zu- 
nachst auf die besondere Bedeutung der diesmaligen Jahresfeier 
hin, rait welcher dieGrundsteinlegung zumNeubau des 
Naturhistorischen Museums verbunden war, und hiefi den 
Vertreter der Kaiserin und die glilnzende Festversammlung 
ira Namen der Direktion herzlich willkomraen. Sodann wandte 
sich der Vorsitzende an die zahlreicher als sonst erschienenen 
Mitglieder der Gesellschaft mit folgenden Worten : „Nicht 



— 7* ~ 

zuletzt begruBen wir auch Sie, meine hochgeehrten Damen und 
Herren, die wir mit Stolz und Freude zu unseren Mitgliedern 
zahlen. Auf Ihren Schultern ruht unsere Institution! 
Dei* freundlichen Forderung, die Sie allezeit unseien wissen- 
schaftUchen Bestrebungen zu teil werden lassen, danken wir 
es allein, dafi wir bestrebt sein konnen, gleichen Schritt zu 
iialten mit dem gewaltigeu Aufschwung der Naturwissenschaften, 
dereu Pflegestatte zu sein unser Museum berufen ist. 

Denkeu Sie an die rastlos fortschreitende Aufscliliefiung 
bis dahin unbetretener Gebiete unserer Erde in tropischen 
Kontinenten wie in den Eismeeren der Pole, die uns eine 
neue Tier- und Pflanzenwelt kennen gelehrt hat, und bleiben 
Sie eiugedenk dessen, dafi Ihre Mitarbeit es ist, 
(lie es unserer Gesellschaft ermoglicht, an den 
glauzenden Ergebnissen der Naturforschung einen 
kleinen Anteil zu nehmen. 

In dem freundlichen Wohlwollen und in der tatkraftigen 
Unterstiitzung der Frankfurter Biirgerschaft liegen die starken 
Wurzeln des BlUhens und Gedeihens unserer Gesellschaft. 
87 Jahre hindurch ist uns diese freundliche Gesinnung unserer 
Mitbiirger ununterbrochen zuteil geworden, und hierfiir aufs 
vvarmste zu danken, ist auch heute wieder meine vornehmste 
Pflicht! Bewahren Sie uns dieses wohlwollende In- 
teresse; tragen Sie es hinaus in immer weitere 
Kreise; dann werden wir auch den neuen groBen 
Aufgaben gerecht werden konnen, die schon die 
allernachste Zukunft an uns stellen wird! 

Mit dieser herzlichen Bitte heiBe ich die er- 
lauchte Festversammlung nochmals willkommen/ 

Hierauf hielt Dr. Fritz Romer den hochinteressanten, 
(lurch zahlreiche kiinstlerisch ausgefiihrte Tafeln illustrierten 
und mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Festvortrag: 

Die Haut der Sangetiere- 

(Siehe diesen ,Bericht«, II. Teil, Seite 91—110.) 



Zum Schlusse erstattete der II. Direktor Stabsarzt Prof. 
Dr. Ernst Marx den 



— 8* — 

Jahresbericht 

„Euer Exzellenz! 
Hochansehnliche Versammlung! 

Als wichtigstes Ereignis des verflosseneii 
Jahres sei die groBe Ehre hervorgehoben, die der 
Gesellschaft durch die Ubernabme des Protektorats yon 
Seiten Ibrer Majest&t der Kaiserin und Kdnigin am 23. No- 
vember 1903 zuteil geworden ist 

Ich gedenke dann zunSlchst der vielen und schmerzlichen 
Verluste, die wir durch den Tod zahlreicher Mitglieder er- 
litten haben. 

Wir beklagen aufs tiefste den Heimgang unserer arbei- 
tenden Mitglieder Prof. Dr. E. Askenasy und Konsul 
Dr. 0. Fr. von Moellendorff, weiterhin den Tod unserer 
beitragenden Mitglieder Dr. phil. L. Belli, P. Dondorf , 
Generalkonsul J.Gerson, Dr. jur. R. Goldschmidt, Dr. phil. 
0. Gtircke, Baurat Ph. Holzmann, F. Jordan-de Rouville, 
Architekt F.L. Langeloth, Justizrat Dr. W.Lorey, A. Oster- 
rieth-Laurin, F. Modera, Dr. med. J. Sondheimer, 
Geh. Sanitatsrat Dr. A. Spiefi, Konsul H. von Stiebel, 
R. Sulzbach und S. Una. 

Ferner schieden von uns die ewigen Mitglieder Max 
von Guaita und Wilhelm Metzler, 

Aus der Reihe unserer korrespondierenden Mit- 
glieder haben wir acht hervorragende Gelehrte verloren: 

Am 18. September 1902 starb in Florenz Prof. Adolfo 
Targioni-Tozzetti, welcher seit dem Jahre 1875 unserer 
Gesellschaft als korrespondierendes Mitglied angeh5rte. 

Am 13. Februar 1823 zu Florenz geboren, wandte er sich 
nrspriinglich dem Studium der Botanik zu und besch&ftigte sich 
spftter in fast ausschlieBlicher Weise mit der Zoologie und der 
vergleichenden Anatomie. Durch eine groBe Fttlle von Publi- 
kationen, die besonders die Entomologie betreffen, hat er die 
Wissenschaft in hervorragendem MaBe gefordert. 

Am 5. Marz 1903 starb in St. Petersburg der Direktor 
des Botanischen Museums der Akademie der Wissenschaften 
Prof. Dr. Michail Stephano witsch Woronin. Er war 



— 9* — 

am 2. August 1838 in St. Petersburg geboren und hatte sich 
zunachst dort, spater in Heidelberg und Freiburg dem Studium 
der Botanik gewidmet. Seit 1869 geborte er unserer Gesellschaft 
als korrespondierendes Mitglied an. 

Am 14. Juni 1903 starb in Heidelberg Oeheimrat Prof. 
Dr. Karl Gegenbaur, welcher unserer Oesellschaft seit dem 
Jahre 1869 als Mitglied angehorte. 

Am 21. August 1826 in Wiirzburg geboren und erzogen, 
wandte er sich im Jahre 1845 dem Studium der Naturwissen- 
schaften und der Medizin zu. Im Jahre 1851 legte er in Wiirz- 
burg sein Doktorexamen ab und promovierte mit der Dissertation 
^De limacis evolutione". Ende des Wintersemesters 1853/54 
habilitierte er sich in Wiirzburg fiir Anatomic und Physiologie. 
Im Winter 1855/56 nahm er einen Ruf als Prof. Extraordinarius der 
Zoologie in Jena an und blieb dort bis zum Sommersemester 1873. 
Ira Wintersemester 1873/74 ging er als Nachfolger Fr. Arnolds 
nach Heidelberg, woselbst er bis zu seinem Tode gewirkt hat. 

Die Bedeutung Gegenbaurs ftir die Zoologie und Medizin 
auch nur annahernd darzulegen, ist mit wenigen Worten nicht 
angg.ngig. Er ist durch seine zahlreichen vergleichend-anato- 
mischen Untersuchungen der Sch5pfer der gesamten modernen 
vergleichenden Anatomie geworden. 

Am 14. Juli 1903 verschied in Greifswald der Major a. D. 
Alexander von Homeyer. Er war am 19. Januar 1834 
zu Vorland bei Krim in Neu-Vorpommern geboren. Seine Er- 
ziehung erbielt er in der Kadettenanstalt GroB-Lichterfelde, aus 
der er im Jahre 1852 in die Armee eintrat. Er garnisonierte 
in verschiedenen Stadten des Rheinlandes, so in Trier und 
in Mainz. Ein bedeutungsvolles Ereignis fur seine spatere Ent- 
wickelung war seine Versetzung zu dem in Frankfurt einen Teil 
der Bundesbesatzung bildenden preuBischen Regiment. Hier trat 
er 1857 unserer Gesellschaft als Mitglied bei und verwaltete 
das Amt eines SektionUrs der ornithologischen Samm- 
lung. Trotz seiner Jugend gehorte er schon damals zu den 
bedeutendsten Vogelkennern Deutschlands, da er schon als 
Knabe jede freie Zeit auf die Beobachtung und das Studium 
der Vogelwelt verwandt hatte. 

Im Jahre 1861 wurde v. Homeyer in die Lage ge- 
setzt, eine Forschungsreise nach den Balearen zu unternehmen, 



— i(r — 

die manchen neuen Aufschlafi iiber die Tierwelt jener InseN 
gruppe und der westlichen MittelmeerlS,nder brachte. 1866 focht 
V. Horn eye r bei Skalitz, Schweinschiidel und Eoniggrtltz. 
Im Jahre 1874 leitete er in Gemeinschaft mit Pogge eine von 
der deutschen Geographischen Gesellschaft ausgeriistete Ex- 
pedition nach Westafrika. Bald warf ihn eine heftige Malaria 
auf das Krankenlager, so dafi er, wenn auch reicli mit wissen- 
schaftlicher Ausbeute beladen, zurtickkehren mnfite. 1878 trat 
er als Major in den Ruhestand. Seit dieser Zeit widmete er 
sich ausschliefilich der Zoologie. Seine schon frilher angelegte 
Vogeleiersammlung zahlte zaletzt etwa 12000 Exemplare, 
ungef&hr 1825 Arten angehoreud. Diese Sammlung, die eine 
der bedeutendsten ihrer Art ist, ist nach deni Ableben v. Ho- 
mey ers in den Besitz unseres Museums Ubergegangen. 

Am 4. Oktober 1903 starb in Kassel Prof. Heinrich Mohl, 
Oberlehrer an der Gewerbe- und holieren Handelsschule daselbst 
und Leiter der dortigen meteorologischen Station. Mohl gehorte 
unserer Gesellschaft seit dem Jahre 1866 als Mitglied an. 1832 
in Rauschenberg geboren, studierte er Mathematik und Geologie. 
Von 1853 bis 1856 war er als kurhessischer Landesgeolog tatig. 
Dann war er Lehrer der Mathematik an der Realschule in 
Hofgeismar und siedelte spater nach Kassel liber. Von besonderer 
Bedeutung f iir die Wissenschaft waren seine ausgedehnten Studien 
tiber den Basalt und andere mikroskopische Gesteinsunter- 
suchungen. Zahlreiche Arbeiteu Mohls beschaftigen sich mit 
der Meteorologie, die ihm viel zu verdanken hat. 

Durch einenbeklagenswerten Unglucksfall verlor imDezember 
1903 der Deutsche Konsul in Popoyi.n (Kolumbien) F. C. Leh- 
man n sein Leben; er ertrank im Timbiqui-FlUBchen in der 
Nahe der Stadt Bogotd. L e h m ann hat unserem Museum wieder- 
holt wertvoUe Sammlungen von Reptilien und Amphibien uber- 
wiesen und gehorte unserer Gesellschaft seit 1892 als Mitglied an. 
Am 5. Januar 1904 starb in Munchen Geheimrat Prof. 
Dr. Karl Alfred Ritter von Zittel, der seit 1875 Mitglied 
der Gesellschaft gewesen ist. Er war am 25. Dezember 1839 
zu Balingen in Baden geboren, studierte in Heidelberg und 
Paris und ging 1861 nach Wien, wo er zunachst als Volontar 
an der dortigen geologischen Reichsanstalt bei den in Dalmatien 
veranstalteten Aufnahmen tiitig war. In Wien habilitierte er 



— 11* — 

sich 1863, wurde in demselben Jahre als Professor an die- Poly- 
technische Hocbschule in Karlsruhe und 1866 als Ordentlicher 
Professor der Geologic und Palaontologie an die Universitat 
Miinchen berufen. Von dort aus unternahm er im Winter 1873/74 
als Mitglied der von Rohlf s geleiteten Expedition Forschungen 
in Agypten und der Libyscheu WUste. 1899 erfolgte v. Zittels 
Ernennung zum Vorsitzenden der bayerischen Akademie der 
Wissenschaften und zum Generalkonservator der wissenschaft- 
lichen Sammlungen Bayerns. ^ 

Karl von Zittel gehorte zu den bedeutendsten Pal^on- 
tologen der neueren Zeit und die zahlreichen VeroSentlichungen aus 
seinem Arbeitsgebiet sind Muster einer klaren, kritischen, auf um- 
fassendstem Wissen beruhenden Darstellung. Besonders erwd^hnt sei 
seinzwischen 1876 und 1893 im Verein mit Schimper und Schenk 
herausgeget)enes vierbandiges „Handbuch der Palftontologie". 

SchlieBlich vei*schied am 2. Mai 1904 in Leipzig Geh. Med. 
Rat Dr. Wilhelm His, Professor der Anatomie und Direktor 
•des anatomischen Instituts der Universitat. Er war 1869 zum 
korrespondierenden Mitgliede emannt worden. Am 9. JuU 1831 in 
Basel geborei^ hat His daselbst, in Berlin, Wtirzburg und Wien 
studiert und 1857 die Professur der Anatomie und Physiologie in 
Basel und 1872 die Professur der Anatom4e in Leipzig angetreten. 
Bahnbrechend sind seine ausgezeicUneten Arbeiten auf dem 
Gebiete seines Lehrfachs und der Entwickelungsgeschichte, ins- 
besondere der Entwickelung des NeiTensystems, geworden ; aber 
auch zahlreiche andere Zweige der Medizin und der Natur- 
wissenschaften, vor allem Physiologie und Anthropologie, ver- 
danken die fruchtbarste Forderung dem ungemein vielseitigen 
Forscher, der zu den grofiten seiner Zeit gerechnetwerdenmu 6. 

Allen Verstorbenen wird die Gesellschaft ein dauerndes und 
dankbares Andenken bewahren. 

Aus der Reihe der beitragenden Mitglieder sind 
ferner 8 ausgeschieden : durch Austritt die Herren Dr. med. 
E. Fromm, K. Jung, P. Kullmann und Gebriider Weil; in- 
folge Wegzugs von Frankfurt Fraulein 0. L. Lindley, Dr. med. 
W. Liermann und Dr. med. K. Shiga und durch Ubertritt in die 
Reihe der ewigen Mitglieder Herr R. de Neufville. 

Die Zahl der ausgeschieden en beitragenden Mitglieder be- 
tr^gt also zusammen 26. 



— 12* — 

Neu eingetreten sind dagegen 93 beitragende 
Mitglieder und zwar: 

Herr Dr. med. Franz Alexander, 

J, Heinrich Ludwig Andreae, 

„ Julius Aurnhammer, 

„ Rudolf Bangel, 

„ Dr. med. Karl Baur, 

J, Dr. med. Sigmund Berlizheimer, 
Fraulein Berfha Berthold, 
Herr Carl Bertina, 
Frau Lea Blum, 
Herr Oberlehrer Dr. phil. Wilhelm Boiler, 

„ Eommerzienrat Wunibald Braun, 

„ Oberstabsarzt Dr. Rudolf Brugger, 

„ Prof. Dr. jur. Kurt Burchard, 

„ Adolf Freiherr von Btising-Orville, 

„ Otto Clemm, 

„ Prof. Dr. phil. Francis Curtis, 

„ David Derlam, 

„ Karl Ditter, 

p Justizrat Dr. Erich Dreves, 

„ Martin Dttrer, 

„ Hugo Forchheimer, 

„ Dr. phil. Hans Oeisow, 

„ Oberlehrer K. Gerlach, 

„ Moritz Oetz, 

„ Dr. med. Joseph Gottschalk, 

„ Louis Greb, 

„ Ernst Grieser, 

„ Max von Grunelius, 

„ Dr. med. Karl Grtinwald, 

„ Direktor Adolf Harbers, 

„ Dr. med. Julius Hesd5rffer, 

„ Leopold Hirschler, 

„ Konsul Alfred Hoff, 

„ Dr. med. Ernst Homberger, 

„ Veterinararzt Dr. Alfred Jftger, 
Frau Louis Jay, 
Herr Wolfgang Job, 



— 18* - 

Fran L. M. Jordan-de Rouville, 
Herr Carl Junior, 

, Gen.-Direktor Heinrich Eleyer, 

, Louis Koch, 

, Dr. med. Julius Kohn, 

„ H. Ettnkele, 

„ Dr. med. Arthur Kutz, 

9 Prof. Richard Lambert, 

„ Ludwig Lauterbach, 

„ Leo Lehmann, 

„ Alfred Lejeune, 

„ Nicolas Manskopf, 

„ Alexander Matthes, 

9 Ludo Mayer, 

„ Friedrich Melber, 

„ Prof. Heinrich Morf, 

„ Dr. med. Julius Neuberger, 

„ Adolf Neustadt, 

, Benny Oppenheimer, 

„ Lincoln Menny Oppenheimer, 

„ Stabsarzt Dr. Richard Otto, 

„ Zahnarzt Hans Peters, 

, C. W. Pfeiffer-Belli, 

„ Dr. med. Oskar Pinner, 

y, Prof. Dr. phil. Ludwig Pohle, 

„ Oberlandesgerichtsrat Hermann Quincke, 

„ Dr. med. Julius Raecke, 
Frau Am^lie Grftfin von Reichenbach-Lessonitz, 

geb. Freiin Goler v. Ravensburg, 
Herr Dr. med. Karl Roth, Gerichtsarzt, 

„ August Rother, 

„ Dr. med. Otto Rothschild, 
Herren Saelz & Co., Ingenieure, 
Herr Dr. med. Richard Salomon, 

„ Fritz Schiermann-Steinbrenk, 

, Dr. med. Rudolf Schild, 

„ Oberlandesgerichtsrat Dr. Walter SchSller, 

„ Fritz Sommerlad, 
Frau Konsul H. von Stiebel, 



— 14* — 

Herr Dr. phil. Ignatz Stroof, 
„ Dr. phil. Ernst Teichmann, 
„ Kreistierarzt Dr. phil. Heinrich Thorns, 
„ Prof. Dr. med. Gustav Treupel, 
„ Tierarzt Richard Utendfirfer, 
„ Oberlehrer Dr. phil. Karl V5gler, 
, Alex Wagener, 
, Alfred Weinschenk, 
„ Wetzlar-Fries, 
^ Dr. med. Ludwig Wolff, 
s&mtlich in Frankfurt a. M., sowie 

Herr Dr. phil. Karl Goldstein in Hanau, 
„ Karl Hopf in Niederhochstadt i. T., 
„ E. Fr. Krekel, Forstmeister in Hofheim i. T., 
^ Adolf Laurenze in Grofikarben, 
„ Dr. Lenz, Tierarzt in Aschaffenburg, 
„ Moritz Freiherr von Leonhardi in Grofikarben, 
„ 0. Reinemann, Tierarzt in Hanau, 
„ J. Schaffuit, Apotheker in Rodelheim, 
Die Zahl der beitragenden Mitglieder betrslgt somit am 
heutigen Tage 610. 

Mit dieser Zahl von Mitgliedern ist der hochste Bestand 
erreicht, den die Gesellschaft jemals gehabt hat. 

Zu arbeitenden Mitgliedern wurden ernannt: Dr. 
dent. surg. Fritz Schaeffer, Dr. med. Wilhelm Kallmorgen, 
Hiitteuingenieur Paul Prior, Stadtbaumeister Wilhelm Sattler 
and Martin Diirer. 

In die Reihe der ewigen Mitglieder wurden aufge- 
nommen: Isaak Blum, Eugen Grumbach-Mallebrein 
and Robert de Neufville. Die Zahl der ewigen Mitglieder 
betrSlgt sonach zurzeit 94. 

Zu korrespondierenden Mitgliedern wurden ernannt : 

Pit)f. Dr. Max Weber in Amsterdam, 

Geh. Hofrat Prof, Dr. Max Fiirbringer in Heidelberg, 

Prof. Dr. Hugo de Vries in Amsterdam, 

Dr. Max Schlosser in MUnchen, 

Prof. Dr. B. Klunzinger in Stuttgart, 

Konsul Guido von Schroter in San-Jos6 (Costa-Rica). 

Apotheker Anton Vigener in Wiesbaden, 



— 16* — 

Dr. W. Wolterstorff in Magdeburg, 

Vicomtc Robert du Buysson in Paris und 

Dr. med. Wilhelm Liermann, Direktor des Landkran- 
kenhauses in Dessau, der bereits seit 1893 der Gesellschaft als 
arbeitendes Mitglied angeb5rt hatte. 

Die Zahl der korrespondierenden Mitglieder belS,uft sich 
nimmehr auf 174. 

Zum aufierordentlichen Ehrenmitglied wurde 
schlieBlich Be. Exzellenz der Wirkl. Geh. Rat Prof. Dr. Moritz 
Schmidt-Metzler ernannt. 

Aus der Direktion batten Ende 1903 satzungsgemilfi aus- 
zuscbeiden der II. Direktor Dr. med. E. Roediger und der 
II. Sekretar Dr. pbil. A. Jassoy. An ihre Stelle traten fur 
die nachsten zwei Jahre Stabsarzt Prof. Dr. ErnstMarx und 
Dr. med. Otto Schnaudigel. 

DiediesjahrigeGeneralversammlungfandam27.Februar 
1904 statt. Sie genebmigte, entsprechend dem Antrag der Revisions- 
Kommission, die Rechnungsablage ftir das Jabr 1903 und erteilte 
dem I. Kassierer Alhard Andreae Entlastung. Ferner ge- 
nebmigte die Generalversammlung den Voranschlag ftir 1904, 
der in Einnabmen und Ausgaben mit M. 59 203.74 balanziert. 
Xach dem Dienstalter scbieden aus der Revisions-Kommission die 
Herren Ricbard Nestle und Julius Scbarff aus. An ibre 
Stelle wurden die Herren Moritz von Metzler und Cbarles 
A. Scbarff gewablt. Vorsitzender der Revisions-Kommission 
fur 1904 ist Herr Wilbelm Robmer. 

Von unseren Publikationen sind im Bericbtsjabre er- 
scbienen : 

I. Abbandlungen: 
1. Band XXVII, Heft 2. Voeltzkow, Beitrftge zur Ent- 

wickelungsgescbicbte der Reptilien. V. Epipbyse und Para- 

pbyse bei Krokodilen und Scbildkroten. Mit 2 Tafeln. 

Voeltzkow, Beitrage zur Entwickelungsgescbicbte der 

Reptilien. VI.Gesicbtsbildung undEntwickelungderauBeren 

Korperform bei Chelone imbricaia Scbweigg. Mit 2 Tafeln. 

Me II, die Landplanarien der Madagassiscben Subregion. 

Mit 3 Tafeln und 4 Textfiguren. 

Siebenrock, ScbildkrOten von Madagascar und Aldabra. 

Gesammelt von Prof. Voeltzkow. Mit 3 Tafeln. 



— 16* — 

2. Band XXVII. Heft 3. S t r ah 1 , Beitr&ge zor vergleichenden 
Anatomie der Placenta. 

Tornquist, Uber eine eoc&ne Fauna der Westkttste von 
Madagascar. Mit 11 Tafeln and 4 Textfignren. 

3. Band XXIX. Heft 1. VonReinach, SchildkrStenreste 
aus dem slgyptischen Terti&r. Mit 17 Tafeln. 

II. B e r i c h t f Ur 1 903, im Herbst vorigen Jahres ver5ff entlicht. 
Er enth^lt auBer den geschaftlichen Mitteilungen and den 
Protokollen der wissenschaftlichen Sitzangen folgende Ar- 
beiten und Nekrologe: 

1. Die Originale der pal&ontologischen Sammlung im Sencken- 
bergischen Museum und die auf dieselben beztigliche 
Literatur. ^on Prof. Dr. P. Kinkelin. 

2. Brooksella rhenana n. sp. Das erste Medusenfossil aus 
dem Devon. Von Prof. Dr. F. Kinkelin. (Mit Tafell.) 

3. Beitrilge zur Kenntnis der Hymenopteren - Fauna der 
weiteren Umgegend von Frankfurt a. M. Von Prof, Dr. 
L. von Heyden, K5nigl. PreuB. Major a. D. 

4. Beitr^e zur Kenntnis der Fauna der Umgegend von 
Frankfurt a. M. Uber das Vorkommen des Feuer- 
salamanders, Salamayidra maculosa Laur., im Frankfurter 
Stadtwalde. Von Dr. A. Knoblauch. 

. 5. Geschichte und Beschreibung des botanischen Gartens in 
Frankfurt a. M. Von Prof. Dr. M. Mo bins. (Mit Tafel 
II und III und mit 2 Textfiguren). 

6. Uber Porphyroidschiefer und verwandte Gesteine des Hinter- 
Taunus. Von Prof. Dr. H. B ticking. (Mit Tafel IV— VI.) 

7. Uber den wissenschaftlichen Wert der Schuecken- und 
Muschelschalen. Vortrag, gehalten am 21. Marz 1903 aus 
AnlaB der Ausstellung der von Moellendorffschen 
Konchylien-Sammlung von Prof. Dr. 0. Boettger. 

8. Die Sehorgane der Wirbeltiere. Vortrag, gehalten beim 
Jahresfeste am 17. Mai 1903 von Dr. 0. Schnaudigel. 

9. Die Nekrologe: 

Isaak Blum (mit Portrat) von Prof. Dr. H. Reichenbach. 

Fritz Stiebel, von Sanitatsrat Dr. S. Zimmern. 

Paul Wirsing, von Dr. E. Blumenthal, 

Julius Ziegler, von Dr. W. Kobelt. 

Durch die Munifizenz des Herrn Albert von Reinach 



— 17* — 

war es der Gesellschaft moglich, zur F5rderung der Wissen- 
scimft und zur Ergd.Dzang ihrer palaontologisch-geologischen 
SammluDg eine Forschungsreise in die Libysche Wiiste, 
das Uadi Natrun und in die Fajum-Oase auszurlisten. Die 
Leitung dieser Expedition ruhte in den Handen des Privat- 
dozenten der Pal&ontologie und Geologie an der UniyersitS,t 
Miinchen Freiherrn Dr. E. Stromer-von Reichenbach, der 
bereits vor zwei Jahren an einer von der Kgl. Bayerischeu Aka- 
demie der Wissenschaften nach derselben Gegend entsandten 
Expedition teilgenommen hatte. 

Im Winter 1903/04 wurden 18 wissenschaftliche 
Sitzungen abgehalten. 

Es hielten Vortrage: 
24. Oktober 1903: Dr. A. Jaeger, Veterinararzt : „Die 

Physiologie der Schwimmblase der Fische." 
31. Oktober 1903: Oberlehrer Dr. Th. Neumann: „Gift- 

schlangeu und Schlangengift/ 
7. November 1903: Prof. Dr. M. Mobius: „Die Flora des 

Stifiwassers."* 
21. November 1903: Dr. F. Romer: „Die Anpassung der 

Wale an das Leben im Wasser." 
28. November 1903: Direktor Dr. A. Seitz: „Meine Reise 

nach den Nilghiri-Bergen in Indien.'' 
5. Dezember 1903: Prof. Dr. W. G. Ruppel: „Biologieder 

Tttberkelbazillen." 
12. Dezember 1903: Prof. Dr. R.Hau thai aus La Plata (Argen- 

tinien): ,,Die Bedeutung der Funde in der Grypo- 

theriumhohle bei Ultima-Esperanza. (SUdwest- 

Patagonien).** 
19. Dezember 1903: Oberlehrer Dr. P. Sack: „Bau und 

Lebensweise unserer einheimischen Fliegen.'' 
9. Januar 1904: Prof. Dr. R. Burckhardt, Basel: „Die 

Biologie der Griechen.** 
23. Januar 1904: Dr. K. Vohsen: „Sprache und Natur- 

forschnng." 
30. Januar 1904: Baurat L. Neher: „Der Neubau der 

wissenschaftlichen Institute, insbesondere 

des naturhistorischen Museums, an der Vik- 

toria-Allee." 

2 



— 18* — 

6. Februar 1904: Fr. Winter: „Die SiiBwasserfische 
Mittelearopas und ihre Krankheiten.'' 
20. Februar 1904 : Prof. Dr. A. B r a u e r , Marburg : „ D i e 

Augen der Tiefseefische." 
5. Marz 1904: Oberforster 0. Fleck: „Der Wald im Winter." 
12. Marz 1904: Freiherr Dr. E. Stromer-vou Reichenbach, 
Mttnchen: ^Eine geologische Forschungsreise 
in die Libysche Wiiste." 
19. Marz 1904: Prof. Dr. J. Morgenroth, Mitglied des Instituts 
fiir experimentelle Therapie: „Neuere Forschungen 
iiber Fermente." 
26. Marz 1904: Dr. A. Knoblauch: „Feuersalamander und 
Molche in der Gefangenschaft." 
9. April 1904: Prof. Dr. M. Mobius: ^Matthias Jakob 
Schleiden, zur Feier seines hundertsten Ge- 
burtstages." 
Mit dieser Neuerung, moglichst jeden Samstag eine wissen- 
schaftliche Sitzung abzuhalten, hat die Direktion offenbar 
den Wftnschen zahlreicher Mitglieder entsprochen, 
denn der Besuch war ein so reger, dafi der groBe Horsaal 
stets gefUllt Oder uberfiillt gewesen ist. 

Die Vorlesungen der Dozenten hatten sich einer 
noch regeren Teilnahme zu erfreuen, als dies in den letzten 
Jahren der Fall gewesen ist. So war z. B. die Vorlesung des 
Herrn Prof. Reichenbach von 91 H5rern besucht. 

Folgende Vorlesungen wurden im Winter 1903/04 gehalten : 

Prof. Dr. H. Reichenbach: „Vergleichende Anatomie 

der Wirbeltiere und desMenschenmitBeriick- 

sichtigung der Physiologie (Zellentheorie, 

Theorie derBefruchtung,GrundzugederEnt- 

wickelungsgeschichte, Skelett, Nervensystem 

und Sinnesorgane, Organe der Fortpflanzung).* 

Dr. K. Ostreich, Privatdozent an der Universitat Marburg: 

„Allgemeine Geologic (dieWirkung des Eises 

u. s. w.).'* 

Prof. Dr. M. Mobius (im Auftrage des Dr. Senckenbergischen 

Medizinischen Instituts) : „Eryptogamenkunde, 

II.Teil (Flechten, Moose und Fame) undFort- 

pflanzung der Phanerogamen.^ 



- 19* — 

Im Sommer 1904 lesen: 
Prof. Dr. H. Beichenbach: Fortsetzung der Winter- 

vorlesungen. 
Dr. F. R5mer: „Anleitung zum Sammeln und Kon- 
servieren einheimischer Tiere (mit Exkur- 
sionen)." 
Prof. Dr. M. Mobius: Botanisch-mikroskopischer 

Ubungskursus (Botanisches Praktikum)." 
Prof. Dr. W. Schauf : „Einleitung in die Petrographie." 
Prof. Dr. M. Mobias (im Auftrage des Dr. Senckenbergischen 
Medizinischen lostituts): ^Biologie der Pflanzen, 
ILTeil.* 
Sebr lebhaft war auch der Besuch des Natnrhisto- 
rischen Museums, besonders an den Sonntagen. 

Neben der auch in diesem Jahre unermtidlichen Tjltigkeit 
der SektionSlre traten vor allem diejenigen Arbeiten in 
den Vordergrund, welche die Herstellung einer Schausaram- 
lang ftir das neue Museum bezwecken. Von dem Kustos 
Dr. F.Rom er wurde in Gemeinschaft mit Fran Sondheim 
eine groBe Zahl uberaus wertvoUer und lehrreicher ver- 
gleichend-anatomischer Praparate f&r diesen Teil des 
Museums angefertigt und der Gruudstock ftir eine umfassende 
histoiogisch-mikroskopische Sanimlung gelegt. Eine 
grofie Anzahl von Priiparaten ftir Lehr- und Demonstrations- 
zwecke ist auf diese Weise schon in den Besitz der Gesellschaft 
gekommen und hat es ermoglicht, den Dozenten wertvolles 
Material ftir die Y o r 1 e s u n g e n zur Verf tigung zu stellen. Da 
die Aufgaben nach dieser Richtung bin immer gr5fier und 
dringender wurden, hat die Gesellschaft am 15. April ds. Js. 
einen Assistenten am Museum, Dr. Julius Wilhelmi, an- 
gestelit, der zun^chst ausschliefilich mit den Arbeiten ftir die 
Scbausammlung beschaftigt ist. In hochherziger Weise ist von 
dem Vorstand der Georg und Franziska Speyerschen 
Studienstiftung zur Herstellung dieser Lehr- und Unter- 
richtssammlung der Gesellschaft der Betrag von M. 6500. — 
ttberwiesen worden. 

Auch die Tatigkeit der Konservatoren ward in 
erster Linie durch den Plan der Scbausammlung bediugt. Es 
war n5tig, ihnen weitere Hilfe zu verschaffen und sie zogleich 



— 20* — 

in bezug auf die stets zunehmenden Blireauarbeiten zu ent- 
lasten. Dies gescbah darch die AnstelluDg des Handwerkers 
Radolf Moll, sines zweiten Lehrlings Wilbelm Post 
und der Btireaugehilfin Frl. Ella Schupp. 

Sehr rege war wie immer der Verkehr mit aus- 
w&rtigen Gesellschaf ten und einzelnen Gelehrten; 
aucb die verschiedenen Teile der Sammlungen wurden von 
zablreicben Forscbern teUs an Ort und Stelle, teils aufierbalb 
benutzt. 

In Scbriftenaustauscb ist unsere Gesellscbaft mit 
folgenden Vereinen neu eingetreten: 

Es erbalten den Bericbt: 
University de Rennes, Rennes; 
Albany Museum, Grabamstown, Soutb Afrika; 
Soci6t6 Royale Malacologique, Briissei; 
SocietJt Romana per gli studii zoologici, Rom. 

Abbandlungen und Bericbt erbalten: 
Ungariscbes National-Musenm, Budapest; 
Soci^te Lin6enne, Bordeaux. 

Der von Reinacbpreis ftir die ausgezeicbnetste Arbeit 
aus dem Gebiete der Geologie kam am 10. Januar 1904 zum 
viertenmal zur Verteilung. Eingelaufen waren drei Arbeiten. 
Die Preiskommission, bestebend aus den Herren Professoren 
Boettger, Kinkelin und Kayser-Marburg, bielt zwei dieser 
Arbeiten in gleicber Weise fur wUrdig, preisgekront zu werden. 
Die Verfasser dieser Arbeiten waren cand. rer. nat. Rudolf 
Delkeskamp in Gieiien und Bergreferendar Einecke in 
Halle. Zwiscben ibnen wurde infolgedessen der Preis geteilt. 

Im vorigen Jabre wurde die bereits im letzten „ Bericbt** 
angekUndigte Gebaltsordnung der Beamten von der 
Gesellscbaft angenommen. 

Aucb in dem vergangeneu Jabre sind uns von Freunden 
und Gonnern zablreicbe und wertvolle Gescbenke fiir das 
Museum zuteil geworden, welcbe des Genaueren in den Be- 
ricbten der Sektionare bescbrieben werden sollen. 

Eine grofie Bereicberung bat die botaniscbe Sektion 
dadurcb erfabren, daB Herr Ingenieur A. Askenasy aus dem 
Vermacbtnis seines verstorbenen Bruders, des Prof. Dr. E. Askenasy 
in Heidelberg, uns dessen grofies Herbarium, sowie die Samm- 



— 21* — 

langen anderer pflanzlicher Pr&parate, besonders die Originale 
zu den von der „ Gazelle** gesammelten und vom Verstorbenen 
bearbeiteten Algen zugewiesen hat. 

Aucb der palSlontologischen Abteilung sind wert- 
voUe Geschenke zuteil geworden: durch Herrn A. Askenasy 
die unermiidliche Aufsammlung nnd sorgfaltige Praparatiou von 
Blattein aus dem oberpliocanen BraunkohlenflOtzen des Klar- 
beckens, die wesentliche Beitr^e fiir die Kenntnis der Flora 
jener Zeit liefern werden, und aus dem NachlaB des verstorbenen 
Thurn- und Taxisschen Oberpostsekretars ChristianAnkelein 
eine aufierordentlich umfangreicbe Sammluug schoner Exemplare 
von aus zahlreichen Horizonten stammenden Fossilien. 

Durch die Opferwilligkeit zahlreicher Mitglieder unserer 
Gesellschaft war es moglich, die aufierordentlich wertvolle 
V. Moellendorffsche Konchyliensammlung, die v. Homeyer- 
sche Eiersammlung und die M a n n sche Schmetterlingssammlung 
zu erwerben. 

Zahlreiche Geldzuwendungen seitens unserer Mit- 
glieder haben dazu beigetragen, die bei den st&ndig wachsenden 
Anforderungen tiberaus schwierige pekuniare Lage der Gesell- 
schaft zu erleichtern. So ist es auch besonders freudig 
zu begrlifien, dafi mehrere Mitglieder in dankens- 
werter Weise ihren Jahresbeitrag freiwillig auf 
M50.— Oder M 100.— erhoht haben. 

Wer immer unsere Gesellschaft in ihren Bestrebungen unter- 
stiitzt, der handelt nach dem leuchtenden, nacheiferungswerten 
Vorbild jener edlen, hochherzigen Fran, deren gesegnetes 
Andenken in unserer schnelllebigen und raschvergessenden Zeit 
immer und immer wieder zu beleben, eine Ehrenpflicht unserer 
Gesellschaft ist. Frau Grftfin Louise Bose, geb. Gr&fin 
von Reichenbach-Lessonitz hat durch ihreim Jahre 
1880 errichtete, ausschliefilich Unterrichts- und 
wissenschaftlichen Zwecken dienende^ grofiartige 
Stiftung, deren reiche Ertragnisse griifitenteils 
unserer Gesellschaft zugute kommen, unsere 
Finanzen auf eine gesicherte Grundlage gestellt. 
Die Stiftung ist einer besonderen Verwaltung unterstellt, zu der 
ansererseits unsere beiden Kassierer abgeordnet sind. Der auf 
unsere Gesellschaft fallende Anteil aus den StiftungsertrHgnissen 



— 22* - 

ist in den letzten Jahren, Dachdem eine Reihe von Lasten den 
testamentarischen Bestiromungen gemaB abgetragen ist, stetig 
im Wachsen begriffen and hat es uns bis jetzt erm5glicht, 
wenigstens den allernotwendigsten Aufgaben ge- 
recbt zu werden. 

Ich bin am Ende meiner Ausftihrungen. Ich glaube, die 
Gesellschaft kann mit hoher Befriedigung anf das ver- 
flossene Jahr, welches einen Markstein in ihrer Geschichte bildet, 
zuri'ickblicken. Moge Ihr Interesse an unserer Gesell- 
schaft immer ein lebendiges bleiben, meine hochge- 
ehrten Damen undHerren, und moge unsere Gesell- 
schaft in der Stadt Frankfurt stets das freundliche 
WohlwoUen und die tatkraftige Forderung finden 
wie bisher! Dann, glaube ich, konnen wir ruhig in 
die Zukunft blicken und ohne Zagen an die Vollen- 
dung dessen gehen, was wir begonnen haben!" 



Ein kunstvoU gearbeitetes Modell des neuen Mu- 
seums und der tibrigen an der Viktoria-Allee geplanten Neu- 
bauten der wissenschaftlicben Institute des Senckenbergianums 
war in der Eingangshalle des Museums aufgestellt. 

Nach SchluB des Festaktes fuhrte eine Anzahl Wagen 
der st&dtischen Strafienbahn die Festteilnehmer nach dem Bau- 
platz an der Viktoria-Allee zwischen Kettenhofweg und Jordan- 
straBe, wo bei herriichstem Sonnenschein punktlich um 1 Uhr 
die Feier der 

Grundsteinlegung 
znm Neubau des Naturhistorischen Museums 

ihren Anfang nahm. In schlichter, der Bedeutung der Feier 
angemessener Weise war der Bauplatz mit Fahnen und Guir- 
landen geschmlickt und eine Tribiine fiir die erschienenen Mit- 
glieder und ihre Damen errichtet, deren Zahl sich auf nahezu 
500 belaufen mochte. Auch das Aufzuggeriist iiber dem Grund- 
stein war reich mit Tannengriin ausgesteckt und bildete eine 
Art Laube, in deren Schatten sich die Haupthandlung des 
feierlichen Aktes abspielte. 



— 23* — 

Zanacht bestieg der I. Direktor Dr. August Knoblauch 
die Rednerbuhne uud leitete die bedeutungsvoUe Feier mit 
folgender Ansprache ein : 

„Euer Exzellenz! 
Hochansehnliche Festversammlung! 

„Das Alte stUrzt, es ^.ndert sich die Zeit 
Und neues Leben bliiht aus den Ruinen." 

Schon ist ein Teil der alien Mauer gefallen, die ein 
Halbjahrhundert lang das Gelande der Stiftung Senckenbergs 
umschlossen hat ; bald werden die ehrwurdigen Bauten zwischen 
Eschenheimer Tor und Bronnerstrafie niedergelegt sein, das 
alte Biirgerhospital mit seinem Uhrtfirmchen, bei dessen 
VoUendung der Stifter selbst durch einen uuglucklichen Sturz 
in die Tiefe seinen Tod gefunden hat, das ,,anatomische 
Theater^ des medizinischeu Instituts, das Fiirst Primas 
gewaltsam, aber vergebens zu einer medizinisch-chirurgischen 
Spezialschule zu gestalten versuchte, und auch unser Museum 
wird vom Erdboden verschwinden , dessen Grundsteim am 
16. April 1820 im Beisein des altereu Biirgermeisters von 
Giinderrode und vieler Mitglieder des Senats und der Btirger- 
reprasentation der freien Stadt Frankfurt an derjenigen Stelle 
gelegt worden ist, wo zuvor Senckenbergs Apotheker- 
kiiche, sein ,,Laboratorium chymicum^, gestanden. 

Aber hier an der Viktoria-Allee, auf dem neuerwor- 
benen Grund und Boden der Dr. Senckenbergischen 
Stiftung, werden in aller Ktirze neue, stattliche Bauten 
erstehen und kommenden Geschlechtern kQnden, zu welcher 
BlQte die hochherzige Stiftung eiues Frankfurter 
Burgers und ihre Tochterinstitute sich unter der friedlichen 
Regierung der ersten drei HohenzoUernkaiser des neuerrichteten 
Deutschen Reiches und unter der verstandnisvollen Fiirsorge 
der hohen Behorden unserer Vaterstadt am Anfang des 20. Jahr- 
hunderts entwickelt haben. 

Und wir, die Senckenbergische Naturforschende 
Gesellschaft, wir sind zuerst am Platze erschienen, um den 
Grundstein zu unserem neuen Hause zu legen. 

Es ist ein Markstein in der Geschichte unserer Gesell- 
schaft. Da geziemt es sich, unsere Blicke rUckwSlrts zu lenken 



— 24* — 

auf die Entstehung und EntwickeluDg des Bauprojektes, zu 
dessen Ausfiihrung wir heute schreiten. Zwei Manner aus dem 
Kreise unserer Mitglieder waren es, die fast gleichzeitig im 
Herbst 1897 in hochherziger Weise der Gesellschaft groBe 
Summen i'lberwiesen zur Erweiterung unseres Museums, welche 
die Verwaltung seit langen Jahren als notwendig erkannt, aber 
bei der pekuniaren Lage der Gesellschaft auszufiihren gerechte 
Bedenken getragen hatte. Es wareu Albert Keyl uud Albert 
von Reinach. vSo war niit einem Male der kleine Baufonds, 
den wir in einer Reihe von Jahren aufgesammelt batten, zu 
einer ansehnlichen Hohe angewachsen ; andere hochherzige 
Schenkungen flossen ihm reichlich zu, und heute verfiigen wir 
uber etwas mehr wie 400 000 Mark, die uns die stets bewahrte 
Opferwilligkeit unserer Mitbttrger fiir unseren Bau zur Verf I'lgung 
gestellt hat. 

Ein erstes Projekt, welches einen Anbau an unser jetziges 
Museum der BleichstraBe entlang vorsah, erwies sich als un- 
durchfuhrbar, weil es bei der gleichzeitig geplanten Errichtung 
eines neuen Physikalisch-cheraischen Instituts den weiteren Be- 
trieb des Biirgerhospitals ernstlich gefahrdet und durch die enge 
Bebauung des Stiftungsgel^ndes den Botanischen Garten dem 
Untergang preisgegeben hatte. Bei dieser Sachlage ist die 
Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung im Herbst 1902 
dem Gedanken einer VerauBerung ihres wertvoUen Grundstttckes 
und einer VerJegung unserer samtlichen Institute nach der 
AuBenstadt nahegetreten. Sie fand die tatkrilftigste Forderung 
ihrer Bestrebungen bei dem Oberhaupte unseres stadtischen 
Gemeinwesens, Oberbtirgermeister Dr. Franz Adickes, 
dessen kJarer Blick die Erhaltung und den weiteren Ausbau 
unserer wissenschaftlichen Institute als eine Ehrenpflicht der 
Stadt Frankfurt erkannte. Am 18. August vorigen Jahres, am 
140. Jahrestage der Errichtung der Stiftung Senckenbergs, 
ist der Vertrag zwischen der Stadtgemeinde und der Administration 
unterzeichnet worden, der die Ubernahme des Stiftungsgrund- 
stlicks in stadtischen Besitz regelt und es der Stiftung ermoglicht 
hat, uns diesen Bauplatz an der Viktoria-AUee und auBerdem 
ein Kapital von 800000 Mark zu tiberlassen als Entschadigung 
fUr die Raumung unseres jetzigen Museums und als ZuschuB zu 
den Kosten der Auffiihrung und Einrichtung unseres Neubaues. 



— 26* — 

# 

Die Administration hat hieran keine besonderen Bedingungen 
geknUpf t. Die darch unsere Statuten f estgelegten, unabSlnderlichen 
Grundgesetze, welche die Sicherung unseres Gesellschaftseigen- 
tums betreffen and unser VerhSlltnis zur Dr. Senckenberg- 
iscken Stiftung bestimmen, bleiben also unbertthrt. 

Freudigen Herzens and voll stolzer Zuversicht 
sind wir eingezogen auf unseren neuen Bauplatz 
and voll innigster Dankbarkeit gedenken wir heute 
aller derer, die es uns ermoglicht haben, dieses 
erste Ziel zu erreichen. Unsereu iunigsten Dank den 
Herren Albert Keyl nnd Albert von Reinach, alien 
Gonnern nnd Freunden nuserer Bestrebnngen, die uns reiche 
Mittel zn dem Ban gespendet haben, der Stiftnngsadmini- 
stration and den holien stildtischen Behorden unserer 
lieben Vaterstadt! 

Bereits im Sommer 1899 hatte sich die Gesellschaft an 
eiuige hiesige Architekten urn Einreichung von Planeu zu dem 
damals beabsichtigten Erweiterungsbau gewandt und war bei 
der Benrteiluug derselben durch den Erbauer des Reichstags- 
gebaudes, Geh. Hof- und Baurat Prof.. Dr. Paul Wallot in 
Dresden, in der zuvorkommendsten Weise untersttttzt worden. 
Anf Grand eines von Wallot erstatteten Gutachtens beschlofi 
nnsere Verwaltung am 28. April 1900, die weitere Bearbeilung 
des Projektes and die Ausfiihrung des Banes dem Konigl. Baurat 
Ludwig Neher zu ftbertragen. Dieser BeschluB wurde auf- 
recht erhalten, audi nachdem an Stelle des zuerst geplanten Er- 
weiterungsbaues an der BleichstraBe durch unsere Generalver- 
sammlung am 21. Februar vorigen Jahres die AuffUhrung eines 
Musenms-Neubaues an der Viktoria-Allee beschlossen worden 
war. In unserer wissenschaftlichen Sitzung vom 30. Januar 
dieses Jahres hat Baurat Neher die durch VerwaltungsbeschluB 
vom 16. Januar dieses Jahres genehmigten Plane der Gesellschaft 
vorgelegt und heute Vormittag haben Sie ein M o d e 1 1 unseres 
neaen Museums im Mittelpunkt der geplanten wissenschaft- 
lichen Institute in unserem alten Hause ausgestellt gesehen. 
Zwei Arbeiten Baurat Nehers aus unseren „Berichten** 1901 
und 1904, welche die ausftthrliche Geschichte des Bauprojektes, 
perspektiviscbe Ansichten und zahlreiche Pl^lne enthalten, werden 
wir in dem Grundstein unseres neuen Hanses niederlegen. 



— 26* — 

Am 7. April dieses Jabres ist mil den Erdarbeiten be- 
gonnen worden. Die AusftthruDg derselben und der Maurer- 
arbeiten wurde der hiesigen Firma Gebruder Seeger, die 
Ausflibrung der Steinmetzarbeiten der Firma Philipp Holz- 
mann & Cie. Qbertragen. Die spezielle Bauleitaug ist auf 
Baurat N e h e r s Autrag in die Hande des Architekten S t e p h a u 
Simon gelegt 

Mtige unter Gottes gnadigem Schutze darch 
den Fleifi der Bauarbeiter unser Neubau rascb 
emporwachsen, auf da6 in kurzer Zeit das Museum erstehe, 
welches in Zukunft unsere reichen naturwissenschaftlichen 
Sammlungen beberbergen soil! 

Wir aber, die wir berufen sind, das teuere Venn&chtnis 
unserer Vorganger zu wabren und in dieser grofien Zeit die 
GeschSlfte der Gesellschaft zu fuhren, wir geloben in dieser 
feierlichen Stunde aufs neue, im Sinne der Griinder unserer Ge- 
sellschaft ihre idealen Zwecke nach bestem Eonnen zu f5rdern 
der Wissenschaft zur Ehre, der Vaterstadt zu bleibendem Ruhme, 
alien kommenden Geschlechtern zur Nacheiferung eingedenk der 
Worte Goethes 

„Was Du ererbt von Deinen V^ern hast, 
Erwirb es, um es zu besitzen!" 

Mit diesem Gelobnis bitte ich Euer Exzellenz als Ver- 
treter unserer Allergnadigsten Protektorin Ihrer 
Majestd^t der Deutschen Kaiserin und Konigin von 
Preufien, den Befehl zur Grundsteinlegung zu erteilen." 

Nachdem der Vertreter der Kaiserin, Exzellenz von Linde- 
quist, die Rechte salutierend am Helm, dieser Bitte entsprochen 
hatte, verlas der korrespondierende Sekretar der Gesellschaft 
Dr. med. Otto Schnaudigel mit weithin vernehmbarer Stimme 
die U r k u n d e , die in dem Grundstein niedergelegt werden sollte : 

„3m 3al}vt iStntaufenb munl}utibtvt utib vUv am f6nf« 
itl}nttn bee UTonate X\Xm, im fecbe^el^ntett Oalyvt ber l^tQitvnnQ 
Seiner lITatefi&t bee iE)eutfc^en ^atfere unt> 3i6ntg0 von 
preu^en lOU^etm bc^ Smeiten unt) im pterunbbretftgften 
3al>re bee neuerric^teten £)eutfc^en ^leic^ee, trurbe in (Begeti< 
xvavt bee Perrrecere 3|>rer IfTajefUc bet Deucfc^en ^aiftvin 



— 27* — 

Sngnfte 2>tftof ta, ber ^llergn&btgfien protestor in ber @endFen> 
bergtfc^en naturforfc^enben ©efellfcbaft, bee (Setteralabtumnren 
3etner UTaiefi&t bee ^asfere unb ^^ntge unt) (Benerale ber 
3nfan terie OePar pott 4.inbequtft ber ©run&flein, in &em 
Wefe UrFunbe perfc^IofTen n?ur&e, gelegt utib &amtt uttter tat- 
friftiger 5*rt>erung biirc^ 0ta&t uitb 5Dr. ©endfenbergifdje 
3ttfmng ber Heubau bee natur^tfiortfc^en UTufeume, )tt bem 
^ratiffiirter 43iirger reic^e UTittel gefpen&et, &em beiliegenben 
plane bee 43aumeifier0 ^ubtrig Helper, 3i6ntglicben ^au> 
rare, (^ertc^r ber @endFenbergifc^en Haturforfc^enben (Befell* 
fctaft 190^, 0eire 27 bie 39) gem&^ begonnen. 

XOiv befe[;>Ien btefen ^au btm gn&btgen @c^uQe bee 
tLUm&dftl^cn I tTT6ge er bauern in Me 3a[>r[;>unberte ^tnetn, 
esn fiol^ee £)enFmaI £)eutfcben ^itrgerftnnee, etne pflegefi&tte 
narunt'tfTenfc^afrlic^er ^orfc^ung, esne (l^tuelle ber ^elel^rung 
ffir alle Fommenben (Befc^Iec^ter I 

1>a^ toaltt <Sctt!'' 

In eine kupferneKassette wurden eingeschlossen diese 
Urkunde,*) eine Abschrift der seinerzeit ira Grundstein des 
jetzigen Museums niedergelegten Urkunde,^) die beiden Arbeit en 

') Die Urkunde war schon vorher von dem Vertreter der KaiseriD, den 
Ebreng&sten, den Vertretem der Gesellschaft nnd dem fiaumeiBter, die anch 
«Ue Hammerscbl&ge auf den Grundstein fdhrten (cf. pg. 29*— SI'*'), nnter- 
zeichnet worden. 

*) Die Urkunde, die bei der Grundsteinlegnng des jetzigen Mnsenms 
am Eschenheimer Tor am 16. April 1820 in dem Grundstein verwahrt wurde, 
lautet : 

,,2(16 ba^ t>on n>cilan6 ^ccn Dr. 3ot)ann Cl)cif^ian dend!en< 
berg, t)icft9em vut^mvoll ausubtnbtn ^Cc^te un6 Phys. ord. 6em gleic^ 
gro^en ^reun6e btv ntenf((l>eit unb btv XOi\Ttnf^afttn $uv X^erPoUfommnung 
un6 ^efdr6erun9 btt vattvl^nbif^tn ^tilfunbt Qt^iftttt mtbi^^inifd^t 3nfVttut 
buvdf bit ^tbv&n^ni\Tt unb lafVcn tints 25<iai)n9en ^rieges unb btn tttangel 
an finer Unterf^uQung bergefValt in Vtvfali geratl)en n>ar, ba^ fur bit i£r< 
bolrung bt9 anatomifc^en VCt^attvs unb bts botanifc^en (Bartene nur cine 
un^urd^cnbc Bumme u>ie ts btt geringe :&apitaIf^od! ergab, t>ertDen6et 
n>f rben fonnte, t>creinigten fi^bit an btn genannten 2(nf^alten 
arbciten6en llel)rer mit mehrercn tnitglte6ern berdcnd^en* 
bergtf(|ien dtiftung0'2(6mtnt(Vratton un6 an6ern btm ^tubium 
btv Uatumntfenf(|iaften ergebcnen ^urgern bitftv frticn ^tabt ^uv (Brun* 
bung finer naturforf(|ienbfn (BeffUf(|iaft, n>flcbc aus %^tunQ fur ihr gro$f« 
X>orbil6 \%df bm Vta!t)mtn ,,Sfnd!fnbfrgifcbc" beilfgtf. 



— 28* — 

Baurat Nehers, ein Verzeichnis der Schenker, Heft 1 
des 29. Bandes der ^Abhandlungen'' (Von Reinach, 
„Schildkrotenreste aus dem ftgyptischen Tertiar", mit 17 Tafeln), 
der letzte ^Bericht**, eutbaltend u. a. das Protokoll der 
Generalversammlung vom 21. Februar 1903, welche 
die Verlegung des Museums nach der Viktoria-Allee be- 
schlossen hatte, und eine Arbeit von Prof. M obi us „6eschichte 
und Beschreibung des botanischen Gartens in Frankfurt a. M.", 
sowie die von S5mmerring- und die Tiedemann- 
Medaille der Gesellschaft in Silber. Hierauf wurde die Kassette 
verlotet und in der abgepaBten HOhlung des Grundsteins 
niedergelegt. 

Nachdem der Parlier Ferdinand Seipel den Mortel 
aufgestrichen hatte, wandte er sich an den Baumeister mit den 
Worten: „Im Namen der Zunft uberreiche ich Ihnen 
die Kelle!" Hierauf verstrich Baurat Neher kunstgerecht 
den Mortel und gab den Befehl zur Niederlassung des Deck- 
steins, auf dem Datum und Jalireszabl der Feier in romischen 
ZiSern eingemeifielt sind. Auf das Kommando des Oberparliers 
Peter Neuhaus: „Achtung! Auf!** wurden die Ketten von 
den festlich gekleideteu Maurergesellen angezogen und nun 
senkte sich der Decksteiu, von kundiger Hand gefuhrt, langsam 

t>icfe (BcfeUfc^aft beabftc^tiget : 
J) bit l£cl)altun9 btv ht^tt)tnbtn "Un^aUtn bt^&tndtnhtvQ. nttbiy 3n^tut6 
unb t)at fur bitfts X^erbaltttt^ eine in bier beiliegenbett Btatuten tnv 
l)altcne norm fef^geftQt; 
2) (Irebt fit bat)in mit bent (Bet^ ber n>iirenf(^aftli(^en i£rfenntm§, wtld^t 
bur(( bit tultut ber gefammten VTaturFunbe il)ren Seitgettotfen aUer 
Btaaten <£uropa'6 ^u Cbeil geiDorben, ^Iti^tn Bc^rttt ^u t^alttn, unb 
but6^ 2(nf(^affung unb dfftntlid^t ^enuQung einer allt ^d(^er ber 
natunvitfenfc^aft umfaffenbe Bammlung tl)ren ITtttburgcrn nuQlic^ 
.^u n>erbcn. 
3n btefcc "Uhiid^t conftttuicte (tc^ bic (BefeUf^aft am 22. Vtovtmbtc J$I7. 
t>o6^ batte (te nid^ti^ ^uv 2(u6fubrung ibres plants, ais btn guten VDiUen 
unb bit Fraftige Cb^ttgfett tl)rec ntitglieber. 3bre <£ru>actungen gcunbeten 
fi^ auf u>obIn>oUenbe UntecfluQung, votl^t (te in ber (Bro^mutb ber ^Argec* 
fc^aft biefec fceien ^tabt ^u ^nbtn l)otFte, unb fanb. 

t>ie na(^fo[genben burger ber freten Btabt ^VanFfurt, votl^t rei(^ 
ait tUitttln unb an iifrfenntni^ betfen voas bem t^aterlanbe Uotl) tt^ut in 
fo vitltn ^aUen i%^ bit 2((|itung tbrec tnttbtirgec ecn>orben, baben \'i6^ 
buv6^ etnen fcettDiUigen ^ettcag ^uv ifcbauung tints naturbii^ortf(ben 
tttufeumtf im locale bcc Qend^nbergifcbcn Btiftung mit 2(u63et(^nung l)cr 



- 29* — 

anf das fBr ihn bestimmte Lager. ^) Auf ein Zeichen des Bau- 
meisters Bberreichte sodann der I. Direktor dem Vertreter 
der Kaiserin einen mit Lorbeer und Schleifen reich ge- 
schmQckten Hammer mit denWorten: 

„Hier ist der Hammer, den der verdiente Geolog unseres 
Museums Albert von Reinach ein Menschenalter iang zu 
seinen Forschungen im Taunns gebraucht hat. Wir bitten, 
ihn als Symbol unserer treuen, emsigen Arbeit im 
Dienste der Wissenschaft heute zu benUtz^n!" 

Jetzt trat Exzellenz von Lindequist an den Grund- 
stein und begleitete die iiblichen drei Hanmierschl^e mit dem 
Spruche : 

„Im Allerhochsten^Auftrage der Hohen Protektorin, 

Ihrer Majest&t der Kaiserin, 
Zur F5rderung der Wissenschaft, 
Zur Ehre Gottes!'' 

Dann folgten die geladenen Ehreng&ste: 

Oberbttrgermeister Dr. Adickes: 

„Goethescher Geist erfiille dies Haus: 
Willst du ins Unendliche schreiten, 
Geh nur im Endlicheu nach alien Seiten!** 

t>or0etl)an unb butdf bit tbrem XXaffrntus^Vtv^ti^ni^ befgefugte gefc^enPte 
^ummcn bit iCrbauung fines naturl)iilortf((en ntuftums mdg[i(^ Qtmad^t; 
ron xvtl6^tm ho^l^tv^iQtn ^enel)men bitftv tbltn Vattvlanbsfvtunbt gcgen* 
ipartiger am J9. 'Uptil bts 3al)rc6 J$20 im ^eife^n fdmmtlic^er wivfli6^tv 
unb if I)renmit9lie6ec btv (BefeUf(^ft, fon>ie btv btvmaltn iDoblregierenben 
^vvtn 25ur0ecmei^r, 

^errtt d(|i^ff unb ^tnatov S^itbvid^ Xtlapimilian ^rdl)err 
t>on (Bunbtvvobt ak ^Iterer unb 

^rrn Benatoc Dr. 3ol)ann Peter ^teronimus 4>^4 <^l^ 
iungerer 3urgermet(Ver, 
foivte au4 t>ieler anberer Utttglieber tints bol)en ^nati^ unb loblic^r 
^urgerrepraefentation, im 2(ngeft((t tints gro^ett Zhtils btt ^urgerf(^aft 
mit Jreterlt(^feit im Ua^mtn ^otU* gelegter (Bvunb^tin unb btfftn 3tthalt 
fur eioigc 5etten tin ^tu^nbts t>enFmab[ fein foU." 

') Der Grnndstein ist der Sockel eines der Pfeiler am Ein- 
gangsbogen des Lichthofes; diejenige Fl&che des SteiDS, die Datum and 
Jahreszahl „„ „ 

tMDCCCCIVt 
tr^, ist nach dem Lichthofe zu gerichtet. 



— 80* — 

Geh. Regierungsrat Biirgermeister Dr. Varrentrapp: 
„Tief nud fest sei das Museum der Senckenbergischen 
Naturforschenden Gesellschaft begrUndet auf der Teilnahme 
und Mitarbeit der ganzen BUrgerschaft. 

Wei thin erstrecke es seine segensvoUen Wirkungen 
fiber breite Schichten des Volkes. 

Hoch rage der Ban empor als eine stolze Statte freier 
Wissenschaf t ! ** 

Geh. Justizrat Dr. Hums er als Vorsteher der Stadtver- 
ordnetenversammlung : 

„Ohn' Gottes Gunst 
Alles Bauen umsunst!'' 
Generalleutnant von Stulpnagel: 
„Der Wissenschaf t zur Ehre!" 
Polizeiprasident Scherenberg: 

„Moge dieser Ban zur dankbaren Erinnerung an 
Johann Christian Senckenberg und zu Ehren der Stadt 
Frankfurt den kommenden Geschlechtern ein Denkmal sein!** 
Der Rektor der Uuiversitiit Giefien Prof. Dj*. Brauns als 
Vertreter der Universitaten Giefien, Heidelberg und Marburg: 
pDer Wissenschaft zum Nutzen, 
Frankfurt zur Ehre, 
Deutschland zum Ruhme!'' 
Rektor Prof. Dr. D i n g e 1 d e y als Vertreter der Technischen 
Hochschule zu Darmstadt: 

„Zur Belehrung des Volkes, 
Zur FSrderung der Wissenschaft, 
Zur Zierde der Stadt!" 
Rektor Prof. Dr. Bur chard als Vertreter der hiesigen 
Akademie fiir Sozial- und Handelswissenschaften : 
„Dem Dienste der Wissenschaft, 
Der Vertiefung der Bildung 
Und der Freude an der Natur!" 
Geheimer Sanitatsrat Dr. Pagenstecher-Wiesbadeu als 
Vertreter der naturforschenden Gesellschaften und Vereine von 
Hanau, Heidelberg, Mainz, Marburg, OSenbach und Wiesbaden : 
„Zu Ehren der Stadt, 
Zum Preise des Vaterlandes, 
Zum Wohle der Menschheit ! "" 



— 81* — 

und Wirkl. Geheimrat Prof. Dr. Schmidt-Metzler als Ver- 
treter der Dr. Senckenbergischen Stiftung, des Frankfurter Arzt- 
lichen und Physikaliscben Vereins und des Vereins fttr Geo- 
graphie und Statistik: 

„Dank unserer Allerhochsten Protektorin, 
Rnhm der geliebten Vaterstadt Frankfurt, 
Ehre dem Andenken Senckenbergsl" 

Als Vertreter der Bauherrin sprachen: 

der I. Direktor Dr. August Knoblauch: 

^Zum Andenken an die Gr&nder unserer Gesellschaft, 
Zum Ruhme unserer Mitbiirger, 
Uns und unseren Nachkommen zu Nutz und Frommen !^ 
Major a. D. Prof. Dr. v o n H e y d e n fur die friiheren 
I. Direktoren : 

„Der Naturwissenschaft zum Nutzen! 
Der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft 

zum Bliihen! 
Der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft 

zum Gedeihen in alle Zukunft!^ 
und Prof. Dr. Kinkelin f&r die Sektionare des Museums: 
„Rastlos — vorwarts — zielbewufit!** 

Als letzter fiihrte der Baumeister, Baurat Neher, fftr 
sich, die Bauleitung und die Bauarbeiter drei Hammerschlage 
auf den Grundstein mit den Worten: 

^Indem ich als Baumeister zum letzten Schlag auf den 
Grundstein den Hammer erhebe, tue ich es fUr mich und alle, 
die berufen sind, mit mir an dem hier begonnenen Werk zu 
arbeiten, mit dem Gel5bnis, unsere ganze Kraft einzusetzen znr 
Rechtfertigung des in uns gesetzten Vertrauens und ftir das 
Gelingen der schdnen uns gestellten Aufgabe. 

Als Sinnspruch zum heutigen Tage weiS ich keinen 
treffenderen als den, welchen Frankfurts groBter Sohn 
dereinst meinem GroBvater, dem Grofiherzoglich weimarischen 
Oberbaudirektor Coudray ins Stammbuch geschrieben hat und 
den ich als Familienschatz in meinem Hause bewahre: 

„Zum Beginnen, zum Vollenden Zirckel, Bley und Winckelwage; 
Alles stockt und starrt in Handen, leuchtet nicht der Stern 

dem Tage." 



— 32* — 

M5ge ein guter, giticklicher Stern fiber anserer verant- 
wortungSYollen Arbeit walten, das ist main innigstes HoSen 
uud WuQScheu ! VertrauensvoU gedenke ich beim ersten Hammer- 
schlag des Landesherrn, der uns beschUtzt, beim zweiten 
der Stadt, die uns birgt, beim dritten der Kanst und 
Wissenschaft, der wir dienen! 

Fest wie dieser Grandstein wollen wir balten: 
fest und treu zu Kaiser und Reich — fest und un- 
erm&dlich f&r unser schones Frankfurt — fest und 
ebrlich im Streben nach Wahrbeit in Eunst und 
Wissenschaft!" 

Sodann betrat wieder der I. D i r e k t o r die Rednerbtihne : 
„Nun ist der Grundstein zu unserem neuen Hause gefestigt 
und viele guten Wunsche sind unserer Gesellschaft dargebracht 
worden, ftir die wir aus tiefstem Grunde unseres Herzens 
danken! Moge unser Bau unter der friedlichen Regie- 
rung der Hohenzollern-Konige und Kaiser Jahrhunderte 
tiberdauern zum Segen der Wissenschaft, zum Ruhme Frank- 
furts und zur Ehre des deutschen Namens! So schlieBen wir 
diese erhebende Feier mit dem begeisterten Rufe: Hoch iebe 
Seine Majest^t unser Allergn§,digster Kaiser, Konig 
und Herr Wilhelm 11.'/ 



Von dem Rauplatz an der Viktoria-Allee aus begaben sich 
die Teilnehmer an der Feier in grofier Zabl nach dem nahe- 
gelegenen Palmengarten, in dessen grofiem Saal urn 2 Uhr 
nachmittags das 

Festesseu 
stattfand. 

Den ersten Trinkspruch auf das Kaiserpaar brachte 
Dr. August Knoblauch aus: 

„Euer Exzellenz! 

Hochgeehrte Damen und Herren! 

Vor einer Stunde haben wir den Grundstein zu unserem 
neuen Hause gelegt. In aller Ktirze — so hoffen wir — wird 
der Physikalische Verein, die Senckenbergische Bibliothek und 



— 33* — 

die Jagelstiftnng ein gleiches tan und eine Reibe stattlicher 
Bauten wird sich an der Viktoria-AUee erheben, der Pflege und 
der FSrderung der Wissenschaft geweiht! Solche Frtichte hat 
das Samenkorn gezeitigt, das yor nahezu 150 Jahren Sencken- 
berg dem mtltterlichen Boden seiner Stiftung anvertraut bat. 
„Ad augendam rem patriae medicam^ bat er sie erricbtet, 
„zur F5rderung der Natnr- und Heilkunde in seiner Vater- 
stadt^, nicbt abnend, da6 seine Scbopfnng in kommenden Zeiten 
weit tiber die Grenzen Frankfurts und unseres deutscben Vater- 
landes binaus nutzbringend and f5rdernd wirken werde. Ein 
wesentlicher Bestandteil seines ^mediziniscben Institats^, 
der Lieblingsscb5pfung Senckenbergs, sein Naturalien- 
Kabinett, bat sich — beeinflufit durch die Macht des gdttlicben 
Wortes eines Goethe — zu dem Museum unserer Naturforscbenden 
Gesellschaft entwickelt, die sich zu ehrendem Andenken an den 
unvergeBlichen Stifter die „Senckenbergiscbe" nennt. Zablreicbe 
wissenschaftlicbe Arbeiten sind in einer langen Flncbt von 
Jahren aus unserer Gesellschaft hervorgegangen und sind zum 
Bindeglied geworden, welches uns mit den Naturforscbenden 
Gesellschaften aller Knlturstaaten der Erde vereinigt. 
Denn die Wissenschaft schreitetuberdieScbranken 
der Nationalitaten binweg; sie erstrebt in fried- 
lichem Wetteifer ein gemeinsames Ziel, der Wabr- 
heit zu dienen, die uns frei macht! 

Tief sind von jeher solche Gedanken nicbt blofi in die 
deutsche gelebrte Welt, sondern auch in das deutsche Volk ein- 
gedrungen. Wir wollen und wtinscheu den Frieden mit alien 
Volkern und erblicken in der Wissenschaft eins der starksten 
Hittel, die unberecbtigten nationalen GegensMze zu ttberwinden. 
In diesem Wunsche wissen wir uns, wei6 die ganze deutsche 
Nation sich eins mit unserem geliebten Kaiser, der in der Auf- 
recbterhaltung des Friedens seine vornebmste Aufgabe siebt, 
und darum blicken wir dankerfttllt auf zu dem Oberbaupte 
unseres Staatswesens, das die Krone als Symbol der Macht 
und GroBe des Reiches ehrfUrcbtig und selbstlos 
tragt, dessen milde Hand das Szepter mit Stilrke 
und Gerechtigkeit fttbrt zurWabrung desFriedens! 

Eingedenk der unvergefilichen Worte seines GroBvaters 
Kaiser Wilhelms des Ersten „Das in jedem preuBischen 

3 



— 34* — 

K5uige einwohnende GefUhl fttr Wisseuschaft ist 
auch in Mir lebendig^ nnd in pietatvoUer Erinnerung der 
engen Beziehungen, welche seine erlauchte Mutter, die boch- 
selige Kaiserin Friedricb, mit unserer Gesellscbaft ver- 
bnnden baben, bat unser geliebter Kaiser im vergaugenen 
Herbste seiner boben Gemablin das Protektorat uber unsere 
Gesellscbaft zu iibernehmen gerne gestattet. So geziemt es 
uns, beute bei diesem festlicben AnlaB aucb unserer Aller- 
gnadigsten Protektorin zu gedenken und unsere innigsten 
Wiinsche zu vereinen fiir das Wobl Ibrer Majestaten und des 
ganzen Koniglicheu Hauses! Moge unserem geliebten 
Kaiser ein langes Leben und eine friedlicbe Regie- 
rung bescbieden sein und moge unsere Sencken- 
bergiscbe Naturforscbende Gesellscbaft bli'iben im 
Genusse dieses Friedens in saeculorum saecula, eine 
wabre Pflegestatte naturwissenscbaf tlicber Forscbung 
in unwandelbarer Treue zu Kaiser und Reicb! 

Und nun brause durcb den festlicben Saal ein Ruf wie 
Donnerball: Hocb leben Ibre Majestaten Kaiser 
Wilbelm II. und unsere Allergnadigste Protektorin! 
Hocb, bocb, bocb!" 

Das zweite ^Hocb" gait der Stadt Frankfurt und 
unseren stadtiscben Beborden; es wurde kurz und scbneidig 
von dera II. Direktor Stabsarzt Prof. Dr. E. Marx ausgebracbt: 

„Euer Exzellenz! 
Hocbansebnliche Versammlung! 

Seitdem die Gesellscbaft allj&hrlicb im Mai ihr Jabresfest 
feiert, ist es ein schones Vorrecbt des II. Direktors, an der 
Festtafel den Gefublen der Gesellscbaft Ausdruck zu verleiben, 
die sie der Stadt und ibrem Oberbaupt entgegenbringt. 
Wenn jemals dieses Recbt als ein scbones empfunden ist, so 
glaube icb, mufi es diesmal der Fall sein, wenn wir dank- 
erfttllten Herzens auf die Spanne Zeit zuriickblicken, die zwiscben 
dem vorigen und diesem Jabresfest gelegen ist. Damals war 
die Zukunft der Gesellscbaft nocb keine klare; keiner wuBte, 
was sicb aus den mancherlei Planen ergeben wtirde. Wie 
anders dagegen beute ! Die Zeit der Projekte und Luf tscblSsser 



— 35* — 

ist vorfiber; wir stehen jetzt in der realeu, der schonen Wirk- 
lichkeit. 

Wenn wir dies alles, was wir heute erlebt haben, er- 
reichten, dann danken wir es znm grofien Teil der Stadt 
Frankfurt und ihren Btirgern. Wir sehen es daher als eine 
Auszeichnung und ein gttnstiges Omen flir die Zukunft an, 
daB wir heute die Ebre haben, hier die Herren Oberblirger- 
meister Dr. Adickes und Burgermeister Geheimrat Dr. Varr en- 
trap p begrttfien zu kSnnen. Wir danken den geehrten Herren 
fur ihr Erscheinen, welches uns eine Btirgschaft sein soil fiir 
die guten Beziehungen, die stets zwischen der stadtischenVer- 
waltung und unserer Gesellschaf t bestehen bleiben mogen. 

Wir danken aber auch der Btirgerschaft Prank- 
furts, welche uns auf das tatkrRftigste unterstutzt hat. Nicht 
nur denen gebtihrt unser Dank, die unserer Gesellschaft reiche 
Stiftungen zugewandt haben, sondern auch alien anderen, die 
durch Anteilnahme an unseren wissenschaf tlichen Veranstaltungen 
und durch ihr Interesse an unserem natnrhistorischen Museum 
uns gezeigt haben, daB unsere Bestrebungen auf giinstigen 
Boden fallen. 

Moge dies auch im neuen Heim flir alle Zeiten so bleiben ; 
moge unsere Gesellschaft stets, wie sie es bisher mit Stolz 
sagen konnte, ein wesentlicher Teil Frankfurts selbst 
bleiben und niemals ein fremdes Anh^ngsel werden! 

Ich bitte Sie, sich zu erheben, die Glaser zu leeren und 
einzustimmen in den Ruf: Die Stadt Frankfurt und ihre 
Burgermeister Hurra!" 

Unmittelbar, nachdem das prftchtige Lied „Hoch Frankfurt" 
veiklungen war, erhob sich Oberbttrgermeister Dr. Adickes 
und flihrte in seiner verbindlichen Art etwa folgendes aus: 

„Auf die freund lichen Worte des Vorredners zu an tw or ten, 
ist fiir den Burgermeister der Stadt Frankfurt eine angenehme 
Aufgabe, gewlB angenehmer als manche Aufgabe des Berufes. 
Hilfieich und edel soil der Mensch sein, sagt das Sprichwort. 
Wieviel mehr hat diese Verpflichtung die Stadt Frankfurt, 
sozusagen als moralische Person. Das ist ihr leicht, wenn sie 
einer Gesellschaft helfen soil, wie der Senckenbergischen, die, 
von der Biirgerschaft gelragen, groBe Ziele erreicht hat und 

3* 



— 86* — 

grQBeren Zielen zustrebt. Man kann in der Tat sagen, es ist 
heute fUr die Senckenbergische Gesellschaft zugleich 
ein Erntetag und ein S&etag; ein Erntetag ist es fiir sie, weil 
sie in den letzten Jahren in den Gaben der Btirger die Ernte 
empfangen hat fiir alles, was sie in langer, 87j&hriger 
Tatigkeit fUr Frankfurt geleistet; Saetag ist es, weil 
der Grundstein heute gelegt worden ist zu einem Gebltade, in 
dem der Wissenschaft noch auf mehr Altftren ge- 
opfert werden soil als bisher. Ich glaube, wenn die 
Gesellschaft diesen Stein gelegt hat, dafi sie yerfahren ist wie 
derFeldherr, von dem uns die Geschichte berichtet, 
dafi er seinen Truppen voran in die belagerte Stadt 
den Marschallstab warf, wiewohl er wuBte, dafi es aller 
Anstrengungeu bedurfe, den Marschallsstab wiederzugewinnen. 
Die Gesellschaft vertraute, wie jener Feldherr seinen 
Soldaten, der BUrgerschaft Frankfurts und ich glaube, 
sie wird sich darinnen nicht tauschen. Der heutige 
wundervolle Maientag m5ge ein Symbol sein der 
Zukunft der Gesellschaft! Im lichten Sonnenschein, in 
der begeisterten Stimmung aller moge sie weiter bemtiht sein, 
ihre Ziele zu erreichen ; mijge sie weiter bemtiht sein, den Sinn 
fiir die Wissenschaft in der BUrgerschaft Frankfurts zu heben 
und zu entwickeln! Der freundliche, helle Sonnenschein moge 
die Saaten der Reife entgegenftihren und die jetzige Generation 
der Gesellschaft, deren Vertreter heute in so wunder- 
voller Weise ihren Gefiihlen Ausdruck gegeben 
haben, moge mehr und mehr die Sicherheit gewinnen, da6 in 
kiinftigen Jahrzehnten und Jahrhunderten der Same immer herr- 
licher aufgehe! Ira festen Glauben und Vertrauen auf 
die BUrgerschaft Frankfurts erheben wir die Glaser. 
Stimmen Sie ein in den Euf: Die Senckenbergische 
Naturforschende Gesellschaft lebe hoch!" 

Es folgte der Gesang eines humoristischen Liedes, das 
Prof. Dr. F. Richters zum Dichter hatte, „Der Umzug**, 
namlich aus dem alten Museum am Eschenheimer Tor nach 
der Viktoria-Allee. 

Weitere Toaste brachten Dr. 0. Schnaudigel auf die 
zahlreichen Gaste, Vertreter der benachbarten Universitaten, 



— 37* — 

Akademien and der auswartigen und hiesigen naturwissenschaf t> 
lichen Vereine nud Dr. K. Vohsen anf die Damen aus, die 
zu dem Festmahl in gleich stattlicher Zahl erschienen waren, 
in der sie sonst an den Vorlesungen der Geseiiscbaft and ihren 
wissenschaftlichen Sitzangen teilzunehmen pflegen. Im Namen 
der Gaste dankte mit bewegten Worten der Generalinspektear 
der III. Armeeinspektion Exzelienz von Lindeqaist, 
dessen Hocb nocbmals der Senckenbergiscbeu Natur- 
forschenden Geseiiscbaft gait: 

„Icb bitte, micb einen Augenblick der Wiirde als Vertreter 
Ibrer Majestat der Kaiserin entkieiden za durfen. Sie wissen, 
daB icb Frankfart in kurzer Zeit verlasse and dafi mir das 
Herz bei diesem Gedanken schwer ist. UnwillkUrlicb komme 
icb daraaf zartick, da icb bier vor einem Kreis von Frank- 
furtern das Wort ergreife. Icb bin mit meinem ganzen 
Herzen in der Stadt, in der icb so freandlicb aaf- 
genommen worden bin and wo icb so glucklicbe 
Jabre verlebt babe. Aber icb sprecbe nicht fUr micb, 
sondern fiir die Gaste der Senckenbergiscben Geseiiscbaft. Als 
altester Gast infolge meiner Lebensjabre babe icb das Recbt, 
zu dankeu fiir die liebenswurdige Aufuabme bei der beutigen 
scbouen Feier. Icb tae das im Namen aller Gaste aus voliem 
Herzen. Wir alie wiinscben der Geseiiscbaft, daB sie 
bitiben und gedeiben moge durcb Jabrbunderte bin- 
durcb, dafi sie rubmreicb wirken moge wie bisber 
zur Ebre der Stadt ITrankf art, zum Wobl des Vater- 
landes und der ganzen wissenscbaftlicben Welt. Icb 
bin Mitglied der Geseiiscbaft, aber leider ein recbt trages. Icb 
bin bier ein seltener Gast, nicbt weil mir das Interesse fiir die 
Bestrebungen der Geseiiscbaft, sondern weil mir die Zeit fehlte. 
Und docb gibt es kein scboneres Leben, als wenn man vom 
Morgen bis Abend in seinem Beruf stebt. Das ist der e i n z i g e 
Grand, wesbalb icb micb so selten seben lieiJ. Vielleicbt ist 
es mir vergonnt, da icb jetzt in rubigere militariscbe Verbalt- 
nisse bineinkomme, aucb als Gast der Senckenbergiscben Natur- 
forscbenden Geseiiscbaft bin und wieder lauscben zu durfen. 
(Lebbafter Beifall.) DieSenckenbergiscbeNaturforscbende 
Geseiiscbaft bocb! bocb! bocb!*" 



— 38* — 

Wahrend der Tafel wiirde noch eine Reihe weiterer, zum 
Teil humoristischer Reden gehalten; so sprach der Rektor der 
Universitat Giefieu Prof. Dr. Brauns fiir die Universitaten 
GieBen, Heidelberg und Marburg; Rektor Prof. Dr. Dingeldey- 
Darmstadt iiberbrachte die Giuckwiinsche der Technisclien Hoch- 
schule, Prof. Dr. Bur chard, Rektor der hiesigen Akademie 
fiir Sozial- und Handelswissenschafteu, wlinschte der Gesellschaft 
im Namen der Akademie Bluhen uudGedeihen; Prof. Dr. Nies, 
Oberlehrer am Staatsgymnasium iu Mainz, gedachte der engen 
Beziebungen, die zwischen der Rheinischen Naturforschendeu 
Gesellschaft in Mainz und der Senckenbergischen Gesellschaft 
bestehen. Prof. E. Hart man n gratulierte namens des Physi- 
kalischen Vereins und wurde von dem Wirkl. Geheimen Rat 
Prof. Dr. Schmidt- Me tzler fiir die scherzhafte Riige, daB der 
Physikalische Verein zu gunsten des Museums von der Ad- 
ministration stiefraiitterlich behandelt werde, mit der Aufforde- 
rung abgefertigt, doch auch den Marschallstab ins feind- 
liche Lager zu werfen. 

SchlieBlich gedachte Prof. Dr. Reichenbach der Ver- 
dienste des I. Direktors um das schone Gelingen der Feier und 
brachte ein begeistert aufgenommenes Hoch auf Dr. Knob- 
lauch aus. 

Der Verlauf des Mahles trug ein sehr gemUtliches Ge- 
prage; gemeiuschaftliche Lieder wurden gesungen und nach 
Aufhebung der Tafel wurde in den oberen Salen der Kaffee 
serviert. Ein Rundgang durch den Palmengarten und 
durch desseu neuerrichtete, prachtvoUe Gewachshauser unter 
Ftihrung Dir. A. Sieberts und einiger Mitglieder des Ver- 
waltungsrates beschloB die denkwtirdige Feier. 



— 39* — 



Verteilung der Amter im Jalire 1904. 

Direktion. 

Dr. med. A. Kuoblaach, I. Direktor. i A. Aiidreae-Ton Oranelins, Kassier. 
Stabsarzt Prof. Dr. med. E. M arx, Generalkonsul Stadtrat A. voii 



II. Direktor. 
Dr. phil J. Guide, I. Sekretftr. 
Dr. med. 0. Schnandigel, II. Sekret&r. 



Metzler, Kassier. 
Dr. jar. F. Berg, KoDsolent. 



Reyisions-Kommission. 

W. Rotamer, Vorsitzender. W. Stock. 



G. Minoprio. 



M.Ton Metzler. 



Stadtrat A. Meyer. I Ch. A. Scharff. 

Abgeordncter fftr die Revision der vereinigten Bibliotheken. 
A. Wcis. 

Abgeordn. f&r die KoinmisBioii der vereiiiigteu Bibliotlieken. 

Prof. Dr. H. Keicheubacta. 

Bftelier-Komiuissioii. 

Prof. Dr. F. BictaterH, Vorsitzender. Prof. Dr. U. Beictaenbach. 

Prof. Dr. M. Mdbias. ': Prof. Dr. W. Schauf. 

I 

A. Yon Reiuach. I Dr. F. R5mer. 

Bedaktion der Abhandluugeii. 

D« F. Heyneuiann, Vorsitzender. | HV. Melber. 

Prof. Dr. L. Ton Heyden. i Prof. Dr. M. Mobias. 

Prof. Dr. 0. Boettger. , Dr. F. R5mer. 

Bedaktion des Bericlits. 

Dr. med. A. Kuoblaacta, Vorsitzender. 
Dr. phil. J. Guide. 
Stabsarzt Prof. Dr. £• Marx. 

Bau-Konunission. 

Dr. med. A* Knoblauch, Vorsitzender. R« de NenfYllie. 
A. Andreae-Ton Grauelius* A. yon Reinach. 

Prof. Dr. L. Ton Heyden. 
D. F. Heynemann. 
Dr. phil. A. JaMoy. 



Dr. med. E. Roediger. 
Dr. med. 0. Schnaudigel. 
Dr. phil F. Romer. 



Finanz-KommlHSion. 

Dir. H. Andreae^ Vorsitzender. Dr. med. A. Knoblauch. 

A. Andreae-Ton Gmneliiis. I E. Ladenbnrg. 



0. Hochberg. 
Dr. phiL A. Jaaaoy* 



R. de Nenfyille. 
A. Yon Reinach. 



i 



— 40* — 
Dozeuten. 

j Prof. Dr. H. Beichenbach. 

2oologie • • I and Dr. F. R5mer. 

Botanik Prof. Dr. M. MfibiiiB. 

Mineralogie Prof. Dr. W. Schanf. 

Geologie und Pal^ntologie Prof. Dr. F. Kinkelin. 

Bibliothekare. 

Dr. Fr. (4. Schweuck. Prof. Dr. M. M6biii8« Pb. Thorn. 

KuBtos. 

Dr. phil. F. Rnmer. 

Zoologiseher Assistent. 

Dr. phil J. Wilhelml. 

Sektionftre. 

Vergleichende Anatomie nnd Skelette .... Prof. Dr. H« Beichenbach* 

Saugetiere Dr. W. Kobelt. 

VOgel B. de Neufville. 

Reptilien nnd Batrachier Prof. Dr. 0. Boettger. 

Fische vacat. 

Arthropoden mit AnsschluB der Lepidopteren I Prof. Dr. L. Ton Heyden, 

nnd Krustaceen | A. Wcis nnd Dr. J. Onldc* 

Lepidopteren Hofrat Dr. B. Hagen. 

Krustaceen Prof. Dr. F. Richters. 

D. F. Heyuemann und 



Mollusken 



Dr. W. Kobelt. 



Botanik 



Wirbellose Tiere mit Ansschlufi der Arthro- 

poden und MoHnsken Prof. Dr. H. Beichenbach. 

Prof. Dr. M« MdbiaH and 
M. Dlirer. 

Mineralogie Prof. Dr. W. Schauf. 

Geologie Prof. Dr. F. Kinkelin. 

„,..,,. I Prof. Dr. 0. Boeltger und 

Palaontologie I «. . ^ « .r. ». .. 

^ \ Prof. Dr. F. Kinkelin. 

Mu8eums-Komini8sion. 

Die SektionHre nnd der IT. Direktor. 

Konservatoren. Haudwerker. 

'Adam Koch. Christian Fahlberg. 

August Koch, I Budolf Moll. 

Bareaugehilflu. 

Frl. Ella Schupp. 



Lehrlinge. 

ffermann Franz. 
Wilhelm Post. 



- 41* — 



Verzeichnis der Mitglieder 

der 

Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft. 



I. Stifter. 

Becker, Johannes, Stiftsgftrtner am Dr. Senckenbergischen med. Institot. 1817. 
t 24. November 1833. 

*i. Bethmann, Simon Moritz, Staatsrat. 1818. f 28. Dezember 1826. 

BSgner, Joh. Wilh. Jos,, Dr. med., Mineralog (1817 zweiter SekretHr). 1817. 
t 16. Juni 1868. 

Bless, Joh. Oeorg, Glasermeister, Entomolog. 1817. f 29. Febmar 1820. 

Bach, Joh. Jak. Kasimir, Dr. med. and pbil., Mineralog. 1817. f 13.M&rz 1861. 

Cretfschmar, Phil. Jak., Dr. med., Lehrer der Anatomie am Dr. Sencken- 
bergischen med. Institnt, Lehrer der Zoologie von 1826 bis Ende 1844, 
Physikas und Administrator der Dr. Senckenbergischen Stiftung (1817 
zweiter Direktor). 1817. f 4. Mai 1846. 

^Ehrmann, Joh. Christian, Dr. med., Medizinalrat. 1818. f 13. Angnst 1827. 

Fritz, Joh. Christoph, Schneidermeister, Entomolog. 1817. f 21. Angnst 1836. 

*Fre7reiss,0eorgWilh., Prof. derZoologie in Rio Janeiro. 1818. f I.April 1826. 

*T. Oerning, Joh. Isaak, Qebeimrat, Entomolog. 1818. f 21. Febrnar 1837. 

Himnelins, Joachim Andreas, Bankier. 1818. f 7. Dezember 1862. 

Ton Heyden, Karl Heinr. Georg, Dr. phil, Oberlentnant, nachmals Seboff nnd 
BUrgerraeister, Entomolog (1817 erster Sekret&r). 1817. f 7. Jan. 1866. 

Helm, Joh. Friedr. Ant*, Verwalter der adeligen nralten Gesellschaft des 
Hanses Franenstein, Konchyliolog. 1817. f ^- ^^^^ ^^29. 

*Jassoy, Lndw. Daniel, Dr. jur. 1818. f »• Oktober 1831. 

Kloss, Joh* Oeorg Bnrkhard Franz, Dr. med., Medizinalrat, Prof. 1818. 
t 10. Febmar 1854. 

*Ldhri, Johann Konrad Kaspar, Dr. med., Geheimrat, Stabsarzt. 1818. 
t 2. September 1828. 

^Xetzler, Friedr., Bankier, Geheimer Kommerzienrat 1818. f 11. M&rz 1825. 

Meyer, Bemhard, Dr. med., Hofrat, Ornitholog. 1817. f 1- Januar 1836. 

Xiltenberg, With. Adolf, Dr. phil, Prof., Mineralog. 1817. f 31. Mai 1824. 

*Melber, Joh. Oeorg David, Dr. med. 1818. t 11 August 1824. 

Anmerknng: Die 1818 eingetretenen Herren, welche nacbtr&glich 
unter die Beihe der Stiltar anfgenommen wnrden, sind mit ^ bezeichnet. 



— 42* — 

NeefTf Christian Ernst^ Dr. med., Prof., Lehrer der Botanik, Stifts- und Hospi- 

talarzt am Dr. Senckenbergischen Biirgerhospital. 1817. f 15. Jali 1849. 
Nenbiir^^ Joli.Oeorg, Dr. med., Administrator der Dr.SenckenbergischenStiftung, 

Mineralog nnd Oraitholog (1817 erster Direktor). 1817. f ^o. Mai 1830. 
de NenfYille, Mattaias ^Villi., Dr. med. 1817. f 31. Jnli 1842. 
Reiissy Joli. lYilh., Hospitalmeister am Dr. Senckenbergischen Biirgerhospital. 

1817. t 21.0ktober 1848. 
'^'Riippelly Willit Peter Ednard Simon^ Dr. med., Zoolog nnd Mineralog. 1818. 

t 10. Dezember 1884. 
*v. Soeminerring, Sanmel Tliomas^ Dr. med., Geheimrat, Professor. 1818. 

t 2. M&rz 1830. 
Stein, Job. Kaspar, Apotheker, Botaniker. 1817. f 16. April 1834. 
Stiebely Salomo Friedridi, Dr. med., Geheimer Hofrat, Zoolog. 1817. 

t 20. Mai 1868. 
^Yarrentrapp, Job. Konr., Dr. med., Prof., Physikus und Administrator der 

Dr. Senckenbergischen Stiftung. 1818. f H. Mftrz 1860. 
yeicker, Georg Adolf, Handelsmann, Entomolog. 1817. f l^* ^^^^ l^^^- 
'*'Wenxel, Helnr. Karl, Dr. med., Geheimrat, Prof., Direktor der Primatischen 

medizinisch-chiurgischen Spezialschule. 1818. f 18. Oktuber 1827. 
*¥• Wiescnbiltten, Hciuricb Karl, Freiherr, Konigl. bayr. Oberstleutnnnt, 

Mineralog. 1818. f 8. November 1826. 



II. Ewige Mitglleder.'^) 

Ewige Mitglieder sind seiche, die, austatt den gewObn- 
lichen Beitrag jahrlich zu entrichten, es vorgezogen haben, der 
Gesellschaft ein Kapital zu schenken oder zu vermachen, de ssen 
Zinsen dem Jahresbeitrag mindestens gleichkommeii, 
mit der ausdrlicklicheu Bestinimuug, da6 dieses Kapital ver- 
zinslich augelegt werden mtisse und nur ein Zinsenertrag zur 
Vermehrung und Unterlialtung der Sammlungen verwendet 
werden dttrfe. Die den Namen beigedruckten Jahreszablen be- 
zeichnen die Zeit der Schenkung oder des Vermachtnisses. Die 
Namen siimtlicher ewigen Mitglieder sind auf Mar- 
mortafeln im Museumsgebaude bleibend verzeichnet. 

Hr.Oeorg Melchior Mylins. 1844. 
„ Baron Amschel Mayer t. Rotb- 

scbild. 1845. 
„ Job. Georg Scbmidborn. 1845. 
,. Johanu Daniel Soncbay. 1845. 
„ Alexander y. Betbmann. 1846. 
« Ueinrlch T. Bethmann* 1846. 



Hr.8imon Moritz v. Betbniann.1827. 

, Oeorg Heinr. Scbwendel. 1828. 

„ Job. Friedr. Ant. Helm. 1829. 

„ Georg Lndwig Gontard. 18B0. 
Fran Susanna Elisabetb Betbmann- 

Holweg. 1831. 
Hr.Heinricb Mylins sen. 1844. 



*) II— YI nacb dem Mitgliederbestand am Jahresfeste, 15. Mai 1904. 



— 43* — 



Hr. Dr. jur. Rat Fr. Schlosser. 1847. 
p Stephan t. Gaaita* 1847. 
, H. L. DSbel in Batavia. 1847. 
, 0. H. Haack-Steeg. 1848. 

Dr. J. J. K. Bncli. 1851. 

G. T. St. George. 1853. 

J. A. Gmuelins. 1853. 

P. F. Chr. KrSger. 1854. 

Alexander Gontard. 1854. 

II. Frhr. y. Bethinann. 1854. 

Dr. Ednard RUppell. 1857. 

Dr. Th. Ad. Jak. Em. MttUer. 
1858. 

Julias Nestle. 1860 

Ednard Finger. 1860. 

Dr. jar Ednard Sonchay. 1862. 

J. N. GrSlffcndelch. 1864. 

E. F. K. Blittner. 1865. 

¥. F. Krepp. 1866. 

Jonas Mylins. 1866. 

Konstantin Fellner. 1867. 

Dr. Hermann r. Meyer. 1869. 

W. D. Soemmerring. 1871. 

J. G. H. Petsch. 1871. 

Bernhard Dondorf. 1872. 

Friedrich Karl Rttcker. 1874. 

Dr. Friedrich Hessenberg. 1875. 

Ferdinand Lanrln. 1876. 

Jakob Bernhard Klkoff. 1878. 

Joh. Heinr. Roth. 1878. 

J. Ph. Nikol. Manskopf. 1878. 

Jean No^ dn Fay. 1878. 

Gg. Frledr. Metzler. 1878. 
Frao Louise lYilhelmine Emilie 
Gr&fin Bose, geb. Gr&fin yon 
Reichenbach-Lessonltz. 1880. 
Hr. Karl August Graf Rose. 1880. 
, Gust. Ad. de NeufYlHe. 1881. 
, Adolf Metzler. 1883. 
^ Joh. Frledr. Koch. 1883. 
„ Joh. WUh. Boose. 1884. 
« Adolf Soemmerring. 1886. 
. Jacques Beiss. 1887. 
^ '^Albert Ton Reinach. 1889. 



Hr.Wilhelm Metzler. 1890. 

, *Albert von Metzler. 1891. 

L. 8. Moritz Frhr. t. Bethmaun. 
1891. 

„ Victor Moessinger. 1891. 

, Dr. Ph.Jak.Crelzsclimar. 1891. 

„ Theodor Erckel. 1891. 

, Georg Albert Koyl. 1891. 

, Michael Hey. 1892. 

„ Dr. Otto Ponflck. 1892. 

. Prof Dr. Gg. H. y. Meyer. 1892. 

, Fritz NeumttUer. 1893. 

„ Th. K. Soemmerring. 1894. 

, Dr. med. P. H. Pfefferkorn. 1896. 

. BaronL. A.y. LOwenstelu. 1896. 

Louis Bernus. 1896. 
Fran Ad. yon Brttning. 1896. 
Hr. Friedr. Jaennicke. 1896. 

„ Dr. phil. Wilh. Jaennicke. 1896. 

, P. A. Kesselmeyer. 1897. 

, Chr. G. Ludw. Vogt. 1897. 

, Anton L. A. Hahu. 1897. 

n Moritz L. A. Hahu. 1897. 

, Julius Lejeuue. 1897. 
Frl. Elisabeth Scliultz. 1898. 
Hr. Karl Ebenau. 1898. 

„ Max you Gnalta. 1899. 

„ Walther yom Rath. 1899. 

y, *Prof. Dr. Moritz Schmidt. 1899. 

„ Karl yon Grnnelius. 1900. 

„ Dr. jur. Friedrich Hoerle. 1900. 

, Alfred von NeufvUie. 1900. 

„ Wilh.K.Frhr.y.Rothschild.1901. 

. Marcus M. Goldschmldt. 1902. 

, Paul Siegm. Hertzog. 1902. 

„ Julius Ziegler. 1902. 

, Moritz von Metzler. 1903. 

, Georg Speyer. 1903. 

, Arthur Gwluner. 1903. 

„ Isaak Blum. 1903. 

« Eugen Grumbach-Mallebrein. 
1903. 

„ ^Robert de Neufvllle. 19a3. 

. Dr. pbil. Eugen Lucius. 1904. 



Anmerkung: Die arbeitenden Mitglieder sind mit * beieicbnet. 



— 44* - 



III. Beitrageude Mitglieder. 

a) MitgrUeder, die in Frankfurt wohnen. 



Hr. Abendroth,Moritz, Bucbh&ndl. 1886. 

, Adickes, Franz, Dr. med., Ober- 
bllrgermeister. 1891. 
Fr.Adler, Henriette. 1900. 
Hr. Alexander, Franz, Dr. med. 1904. 

„ Alt, Friedrich, Bachh&ndler. 1894. 

, ♦Alien, Heinrich. 1891. 

„ Andreae, Albert. 1891. 

Andreae, Artbnr. 1882. 

„ Andreae, Heinrich Lud wig. 1904. 

, *Andreae, Hermann, Bankdir. 1873. 

, Andreae, J. M. 1891. 

J, Andreae, Ricbard. 1891. 

„ Andreae, Budolf. 1878. 

, Andreae, Viktor. 1899. 

, ♦Andreae - v. Granelins, Albard. 
1899. 
Fr. Andreae- Lemm6, Karoline Elise. 

1891. 
Hr. Andreae-Passavant, Jean, Kom- 
inerzienrat, Bankdirektor, Ge- 
neralkonsal. 1869. 

a Apolant, Hago, Dr. med. 1903. 

„ V. Arand, Jallus. 1889. 

J, Askenasy, Alex, Ingenieur. 1891. 

„ Anerbach, L., Dr. med. 1886. 

„ ♦Anerbach, S., Dr. med 1895. 
Anffarthscbe Bnchhandlnng. 1874. 
Hr. Aurnbammer, Julias. 1903. 

, Baer, Jos. Moritz, Stadtrat. 1873. 

„ Baer, Max, Generalkonsul. 1897. 

, Baer, M. H., Dr. jur., Justizrat, 
Rechtsanwalt. 1891. 

„ Baer, Simon Leop., Bnchhandler. 
1860. 

, Baer, Theodor, Dr. med. 1902. 

, Baerwald, A., Dr. med. 1901. 

„ Baerwindt, Franz, Dr. med. 1901. 

„ Bangel, Rndolf. 1904. 

„ Bansa, Julias. 1860. 

„ von Bardeleben, Friedr., General- 
major z. D. 1900. 



Hr.^Bardorff, Karl, Dr. med. 1864. 

a Barndt, W., Generalagent. 1902. 

, de Bary, Aug., Dr. med 1903. 

„ de Bary, Jakob, Dr. med., San.- 
Bat. 1866. 

, de Bary, Karl Friedr. 1891. 

„ de Bary-Jeanrenaud, H. 1891. 

, ♦Hastier, Friedrich. 1892. 

, Baunach, Robert. 1900. 

a Banr, Karl, Dr. med. 1904. 

a Bechhold, J. H., Dr. phil. 1885. 

, Becker, H., Dr. phil. 1903. 

, Beer, J. L. 1891. 

a Behrends, Robert, Ingenieur. 1896. 

„ Behrends-Schmidt , Karl, Konsul. 
1896. 

, Beit, Eduard. 1897. 

„ Benario, Jacques, Dr. med. 1897. 

„ Bender, August. 1897. 

„ Berg, Alexander, Dr. jur., Rechts- 
anwalt. 1900. 

I, ♦Berg, Fritz, Dr. jur., Rechtsan- 
walt. 1897. 

„ Berlizheimer, Sigmund, Dr. med. 
1904. 
Frl. Berthold, Bertha. 1903. 
Hr.Bertina, Karl. 1904 

„ Binding, Karl. 1897. 

„ Binding, Konrad. 1892. 

„ Bittelmann, Karl. 1887. 

, Bleicher, H., Dr. phil., Prof. 1903. 

„ ♦Blum, Ferd., Dr. med. 1893. 
Fr.Blum, Lea. 1903. 
Hr. Blumenthal, Adolf. 1883. 

, ♦Blumenthal, E., Dr. med. 1870. 

, ♦Bockenheimer , Jakob, Dr. med., 
Geh. San.-Rat. 1864. 

^ Bode, Paul, Dr. phil, Direktor der 
Klingeroberrealschule. 1895. 

^ Boettger, Bnino. 1891. 

, *Boettger, Oskar, Dr. phil, Prof. 
1874. 



Anmerkung: Die arbeitenden Mitglieder sind mit ♦ bezeichnet. 



— 45* — 



Hr. Boiler, Wilhelm, Dr. phil., Ober- 
lehrer. 1903. 

Bolongaro, Karl. 1860. 

Bonn, Sally. 1891. 

Bonn, WilUam B. 1886. 

BorgDis, AH. Franz. 1891. 

Borgnis, Karl. 1900. 

Braon, Wnnibald, Kommersienrat 
1903. 

Braanfels, Otto, Kommerzienrat, 
Konsul. 1877. 

Brodnitz, Siegfried, Dr.med. 1897. 

Brofft, Franz. 1866. 

BrQckmann, Karl. 1903. 

Brilckmann, Phil. Jakob. 1882. 

Bnigger, Radolf, Dr., Oberstabs- 
arzt. 1904. 

B&cheler, Anton, Dr. med. 1897. 

V. Bttsing-Orville, Adolf, Frhr. 1903. 

Bfitochly, Wilhelm. 1891. 

Bflttel, Wilhelm. 1878. 

Burchard, Kart, Dr. jar.. Prof. 1904. 

Cah6n-Brach,Eagen,Dr med. 1897. 

Cahn, Heinrich. 1878. 

Cahn, Paul. 1903. 

Cann6, Ernst, Dr. med. 1897. 

*Oarl, Aogost, Dr. med , San.-Bat 
1880. 
. Cassian, Karl, Dr. med. 1892. 
^ Clemm, Otto, Bankdirektor. 1903. 
, Cnyrim, Viktor, Dr. med. 1866. 
. Cohen, Edaard. 1900. 
, (;on8tol, Wilhelm. 1891. 
, (;unze, D., Dr. phil. 1891. 
, Curtis, F., Prof, Dr. phil. 1903. 
, Daube, G. L. 1891. 
, Delosea, S. R., Dr. med 1878 
, Demmer, Theodor, Dr. med. 1897. 
„ Derlam, David. 1904. 
, Diesterweg, Moritz. 1883. 
, Dietze, Hermann. 1891. 
. Dietze, Karl. 1875. 
, Ditmar, Karl Theodor. 1891. 
, Ditter, Karl. 190Q. 
, Doctor, Ferdinand. 1892. 
, Dondorf, Karl. 1878. 
. Donner, Karl Philipp. 1873. 



9 

n 
n 



Hr. Dreres, Erich, Dr., Joitlzrat. 1903. 
, Dreyfus, Is. 1891. 
, Drory, William, Direktor. 1897. 
, Da Bois, Aagust. 1891. 
, ♦Dflrer, Martin. 1904. 
„ Ebeling, Hago, Dr. med. 1897. 
, Ebenaa, Fr., Dr. med. 1899. 
, ♦Edinger, L., Dr. med., Prof. 1884. 
, Egan, William. 1891. 
, ♦Ehrlich, P., Dr. med., Prof., Geh. 

Med..Rat. 1887. 
„ Eiermann, Arnold, Dr. med. 1897. 
, Ellinger, Leo. 1891. 
« Ellissen, Moritz Ad. 1891. 
, Enders, M. Otto. 1891. 
. Engelhard, Karl Phil. 1873. 
, Epstein, J., Dr. phil.. Prof. 1890. 
, Eyssen, Remigias Alex. 1882. 
^ Feis, Oswald, Dr. med. 1903. 

Fellner, Otto, Dr. jnr. 1903. 

Fester, Angust, Bankdirektor. 1897. 

Fischer, Karl. 1902. 
. Fischer, Lndwig. 1902. 
„ Fleck, Otto, Oberfttrster. 1903. 
, Fleisch, Karl. 1891. 
Fr. Fleischmann, Siegm. 1903. 
Ur. Flersheim, Albert. 1891. 
, Flersheim, Martin. 1898. 
, Flersheim, Robert. 1872. 
, ♦Plesch, Max, Dr. med.. Prof. 1889. 
, Flinsch, Heinrich, Stadtrat. 1866. 
, FUnsch, W. 1869. 
„ Forchheimer, Hugo. 1903. 
, ♦Franck, E., Direktor. 1899. 
. Frank, Hch., Apotheker. 1891. 
„ Fresenias, Phil., Dr. phil, Apo- 

' theker. 1873. 
„ ♦Freand, Mart., Dr. phil., Prof. 1896. 
, Freyeisen, Willy. 1900. 
, ♦Fridberg,Rob., Dr.med., San.-Rat. 

1873. 
, Fries Sohn, J. S. 1889. 
„ Fritsch, Ph., Dr. med. 1873. 
„ Fald, S., Dr. jur., Jastizrat. 1866. 

Falda, Karl Herm. 1877. 

Fulda, Paul. 1897. 

*G&bler» Bruno, Landrichter. 1900. 



n 
n 



— 46* — 



n 



Hr.Gans, Adolf. 1897. 
„ Gans, Fritz. 1891. 
„ GanSjL., Dr.phil.f Geta.Komuierzien- 

rat. 1891. 
, Geiger, B., Dr. jur., Justizrat. 

1878. 
, Geisow, Hans, Dr. phil. 1904. 
, ♦Gerlach, Karl, Dr. med. 1869. 
Gerlach, K., Oberlehrer. 1903. 
Getz, Moritz. 1904 
„ Goering, Viktor, Direktor des 

Zoolog. Gartens. 1898. 
„ V. Goldammer, F. 1903. 
„ Goldscbmid, J. E. 1901. 
, Goldschmidt, B. M. 1891. 
, Goldschmidt, S. B. 1891. 
„ V. Goldschraidt-Rothschild, Max, 

Generalkonsul. 1891. 
„ Gottschalk, Joseph, Dr. med. 1903. 
„ Grandhomine, Fr., Dr. med. 1903. 
, Greb, Louis. 1903. 
„ Greiff, Jakob, Rektor. 1880. 
„ Grieser, Ernst. 1904. 
„ GroBheim, Karl, Dr., GeneralarzL 

u. Korpsarzt d. XVIII. Armee- 

korps. 1900. 
„ GriinewaldjAugust, Dr.med. 1897. 
„ Griinwald, Karl, Dr. med 1903. 
„ V. Grunelins, Adolf. 1858. 
, V. Gmnelius, Max. 1903. 
„ Y. Gmnelius, M. Ed. 1869. 
„ Gttnzburg, Alfred, Dr. med. 1897. 
„ ♦Guide, Johann, Dr. phil. 1898. 
„ Guttenplan, J., Dr. med. 1888. 
„ Haag, Ferdinand. 1891. 
„ Haberlin, E. J., Dr. jur., Justizrat. 

1871. 
, ♦Hagen,B., Dr.med., Hofrat. 1895. 
„ Hagens, K., Dr., Wirkl. Geh. Ober- 

Justizrat u. Oberlandesgerichts- 

Prasident. UK30. 
„ Hallgarten, Fritz, Dr. phil. 1893. 
, Hallgarten, H. Charles L. 1891. 
„ Hamburger, K., Dr. jur., Geh. Justiz- 
rat. 1891. 
„ Hammeran, Valentin. 1891. 
, Harbers, Adolf, Direktor. 1903. 



Hr.Harbordt, Ad., Dr. med., San.-Rat. 
1891. 
, v.Harnier, E.,Dr., Geh. Justizr. 1866. 
„ Hartmann, Eugen, Professor. 1891. 
„ Hauck, Alex. 1878. 
, Hauck, Georg. 1898. 
„ Hauck, Moritz, Rechtsanwalt. 1874. 
„ Hauck, Otto. 1896. 
„ Haurand, A., Geh. Kommerzienrat. 

1891. 
„ Heicke, Karl, Stadtgarten-Dir.1903. 
, Heimpel-Manskopf, W.E.Aug. 1899. 
„ Heister, Ch. L. 1898. 
„ Henrich, K. F., Kommerzienr. 1873. 
„ Henrich, Ludwig. 1900. 
, ♦Hergenhahn, Eugen, Dr. med. 1897. 
Fr. Herxheimer, Fanny. 1900. 
Hr.Herxheimer, Karl, Dr. med. 1898. 
» Herz-Mills, Ph. Jac, Direktor. 1903. 
„ Herzberg, Karl, Konsul, Bank- 

direktor. 1897. 
9 Hesdorffer, Julius, Dr. med. 1903. 
, Hesse, Hermann. 1900. 
Fr.Hetzer, Thekla. 1899. 
Hrn.Heuer & Schoen. 1891. 
Hr. HeuBenstamm , Karl, Dr. jur., 
BUrgermeister a. D. 1891. 
, *v. Heyden, Lukas, Dr. phil., Prof., 

Major a. D. 1860. 
, V. Heyder, Gg. 1891. 
„ ♦Heynemann, D. F. 1860. 
„ Hirsch, Ferdinand. 1897. 
„ Hirschberg, Max, Dr. med. 1892. 
„ Hirschfeld, Otto H. 1897. 
8 Hirschler, Leopold. 1903. 
„ Hoch8child,Zachary,Direktor. 1897. 
, Hochberg, Otto. 1877. 
, Hof, Adolf, Dr. phil. 1900. 
„ Hoff, Alfred, Konsul. 1903. 
„ Hoff, Karl, Kommerzienrat. 1860. 
u V. Holzhausen, Georg, Frhr. 1867. 
„ Homberger, Ernst, Dr. med. 1904. 
„ Homburger, Aug., Dr. med. 1899. 
^ Homburger, Michael. 1897. 
„ Horkheimer, Fritz. 1892. 
Fr. Horstmann, Elise. 1903. 
Hr. Horstmann, Georg. 1897. 



— 47* — 



Hr.Hack, AngoBt. 1900. 
, ▼. HoveD, Franz, Baurat. 1897. 
, *Habner, Emil, Dr. med. 1895. 
, Hiittenbach, Adolf. 1903. 
, Jacqaet, Hermann. 1891. 
, J&ger, Alfred, Dr., Veterinftrarzt 

1903. 
, Jaeger-Manskopf, Fritz. 1897. 
, *Ja8807, Angnst, Dr. phil., Apo- 
theker. 1891. 
Fr.Jay, Louis. 1903. 
Jeidels, Anna, 1901. 



H 



H 



Fr 
H 



. Jelkmann, Fr., Dr. pbil. 1893. 

Job, Wolfgang. 1903. 
. Jordan - de Hoaville, L. M. 1903. 
.Jangmann, Ednard. 1897. 

Junior, Karl. 1903. 

Jureit, J. C. 1892. 

Kahn jnn., Bernbard. 1897. 

Kabn, Ernst, Dr. med. 1897. 

Kahn, Hermann. 1880. 

Kalb, Moritz. 1891. 

♦Kallmorgen,Wilh., Dr.med. 1897. 

Katz, H. 1891. 

Kayser, Heinr., Dr. med. 1903. 

Kayfier, Fritz, Arcbitekt. 1899. 

Keller, Adolf. 1878. 

Keller, Otto. 1885. 

^Kinkelin, Friedrich, Dr. phil., 
Prof. 1873. 

Kirberger, Emil, Dr. med. 1895. 

Kircbbeim, S., Dr. med. 1873 

Kleinstenber, Paul, Postprakti- 
kant. 1901. 

Kleyer, Heinr., Gen.-Direktor. 1903. 

Klippel, Karl. 1903. 

Klitscber, F. Aug. 1878. 

Klotz, Karl E., Bankdirektor. 1891. 

Knauer, Job. Cbr. 1886. 

Knickenberg, Ernst, Dr. med. 1897. 

*Knoblancb, Aug., Dr. med. 1892. 
. Kocb, geb. von St. George. 1891. 
.Kocb, Karl. 1902. 

Kocb. Louis. 1903. 

Kobn, Julius, Dr. med. 1904. 

K5bler, Hermann. 1891. 

KOmpel, Ednard, Dr. med. 1897. 



Hr.v. K5nig8warter, H., Baron. 1891. 
KQnitzers Bucbbandlung. 1893. 
Hr. Kofimann, Alfred, Bankdirektor. 
1897. 

„ Kotzenberg, Gustav. 1873. 

, Kotzenberg, Karl. 1903. 

„ Kowarzik, Jos., Bildbauer. 1898. 

9 Kramer, Robert, Dr. med. 1897. 

„ Kreuscber, Jakob. 1880. 

„ Kreuzberg, Bobert. 1891. 

, Kttcbler, Ed. 1886. 

, Kilcbler, Fr. Karl. 1900. 

„ Kttnkele, H. 1903. 

, Kugler, Adolf. 1882. 

Q Kulp, Anton Marx. 1891. 

, Kntz, Artbur, Dr. med. 1904. 

9 '^Lacbmann, Bemb., Dr. med. 1885. 

„ Ladenburg, August. 1897. 

, Ladenburg, Ernst. 1897. 

, Lambert, R., Prof., Dr. pbil., 1903. 

„ Lamp6, Eduard, Dr. med. 1897. 

„ Lampe, J. D. W. 1900. 

„ Laqner, Leopold, Dr. med. 1897. 

„ Lautenschlager, Ernst, Stadtrat. 
1900. 

„ Lauterbacb, Ludwig. 1903. 

, Lehmann, Leo. 1903. 

„ Leisewitz, Gilbert. 1903. 

„ Lejeune, A., Dr. med. 1900. 

, Lejeune, Alfred. 1903. 

„ ♦Levy, Max, Dr. pbil. 1893. 

„ ♦Libbertz, Arnold, Dr. med., San.- 
Rat. 1897. 

„ Liebmann, Jakob, Dr. jur., Recbts- 
anwalt. 1897. 

,, Liebmann, Louis, Dr. pbil. 1888. 

„ V. Lindequist, Oskar, Exzellenz, 
General d. Infanterie u.General- 
adjutant Sr. Majest&t d. Kaisers 
und KOnigs, Generalinspekteur 
derlll. Anneeinspektion. 1900. 

„ Lismann, Karl, Dr. pbil., Zabn- 
arzt. 1902. 
Fr. Livingston, Frank. 1897. 
Frl. Livingston, Rose. 1903. 
Hr.*Loretz, Wilb., Dr. med. 1877. 

„ Loticbius, W. Heinr. 1903. 



— 48* — 



ft 
n 



Hr.Maas, Simon, Dr. jar. 1869. 

, Maier, Herm. Heinr. , Direktor . 1 900. 

M Majer, Alexander. 1889. 

„ Majer, Job. Karl. 1854. 

Manskopf, Nicolas. 1903. 

a *Marx, Ernst, Dr. ined., Pro!., Stabs- 
arzt. 1900. 

„ Marx, Karl, Dr. med. 1897. 
Fr.Ton Marx, Matbilde. 1897 
Hr.Matthes, Alexander. 1904 

y, Matti, Alex., Dr. jur., Stadtrat. 1878. 

, May, Ed. Gust. 1873. 

, May, Franz L., Dr. pbil. 1891. 

„ May, Martin. 1866. 

a May, Robert. 1891. 
V. Mayer, Adolf, Freiberr. 1903. 
V. Mayer, Ednard,BacbbandI. 1891. 

„ V. Mayer, Hugo, Freiberr. 1897. 
Frl. Mayer, Josepbine. 1897. 
Hr. Mayer, Ludo. 1903. 

, V. Meister, Herbert, Dr. pbii. 1900. 

, Melber, Friedricb. 1903. 

„ ♦Melber, Walter. 1901. 
Fr.Merton, Albert. 1869. 
Hr.Merton, Hugo. 1901. 

, Merton, W. 1878. 

n Mettenbeiiner,Bemb.,Dr.jur. 1902. 

„ ♦von Mettenbeimer, H., Dr. med. 
1898. 

„ Metzger, L., Dr. med. 1901. 

« Metzler, Hugo. 1892. 

a V. Metzler, Karl. 1869. 

„ Meyer, Anton, Stadtrat. 1892. 

„ Meyer, P., Dr. jur , Ober-Regie- 
rnngsrat. 11K)3. 

„ *¥. Meyer, Edw., Dr med. 1893. 
Fr.Minjon, Sopbie. 1898. 
Hr.Minoprio, Karl Gg. 1869. 

a ♦M5bius, M., Dr. pbil., Prof. 1894. 

„ Moessinger, W. 1891. 

„ Morf, F. H., Dr. pbil , Prof. V,m. 

„ Morgenrotb, Jul., Dr. med., Prof. 
1903. 

a Monson, Jacques. 1891. 

„ Mouson, Job. Daniel. Stadtrat. 1891. 

„ V. Muffling, Wilb.,Freiberr, Polizei- 
Prasident a. D. 1891. 



Hr.MUller, Karl, Berginspektor. 1903. 

» MttUer, Paul. 1878. 

„ Mttller Sobn. A. 1891. 

„ Mumm y. Scbwarzenstein, A. 1869. 

9 Mumm V. Scbwarzenstein, P.H.1873. 

„ Natban, S. 1891. 

„ *Naumann, Edmund, Dr. pbil. 1900. 

„ Nebel, August, Dr. med. 1896. 

„ Neber, Lndwig, Baurat. 1900. 

„ Neisser, Max, Dr. med., Prof. 1900. 
Fr. Neisser, Emma. 1901. 
Hr. Nestle, Hermann. 1900. 

Q Nestle, Ricbard. 1891. 

„ Nestle, Wilbelm. 1903. 

„ Netto, Kurt, Prof., Bergingenieur. 
1897. 

„ Neuberger, Julius, Dr. med. 1903. 

„ Neubiirger, Otto, Dr. med. 1891. 

„ Neubttrger, Tbeod., Dr. med., San.- 
Rat. 1860. 

„ de Neufville, Adolf. 1896. 

„ de Neufville, Eduard. 1900. 
de Neufville, Rud., Dr. pbil. 1900. 
V. Neufville, Adolf. 1896. 

„ v.Neufville, Karl, Gen.-konsul. 1900. 

„ Neustadt, Adolf. 1903. 

q Neustadt, Samuel. 1878. 

„ Niederbofbeim, Heinr. A., Direktor. 
1891. 

„ v. Noorden, K., Dr. med., Prof. 1900. 

„ V Obernberg, Ad., Dr. jur, Stadt- 
rat a D. 1870. 

„ Ocbs, Hermann. 1873. 

„ Oebler, Rud., Dr. med. 1900. 

Q Oppenbeim, Moritz. 1887. 

, Oppenbeimer, Benny. 1903. 

„ Oppenbeimer, Lincoln Menny. 1903. 

„ Oppenbeimer, 0., Dr. med. 1892. 

„ Osterrietb - du Fay, Robert. 1897. 

„ Oswalt, H., Dr., Justizrat. 1873. 

„ Otto, Ricbard, Dr , Stabsarzt. 1904. 

„ Pacbien, Ferd., Dr. jur. 1900. 

, Passavant, G. Herm. 1903. 

„ Passavant-Gontard, R., Kommer- 
zienrat. 1891. 

„ Pauli, Pb., Dr. pbil. Stadtrat. 
1901. 







— 49* — 




n 



Hr.Peipers, G. F. 1892. 
, Peters, UaDS, Zahnarzt. 1904. 
, Petersen, E., Dr. med. 1903. 
, *Petersen, K. Th., Dr. phil, Prof. 

1873. 
, PfeSel, Aag. 1869. 
, Pfeiffer-BeUi, C. W. 1903. 
, Pfeiffer, Ludw. 1901. 
, Pfungst, Arthur, Dr. phil. 1900. 
Pichler, H., Ingeniear. 1892. 
Pinner, Oskar, Dr. med. 1903. 
, Plieninger, Theud., Direktor. 1897. 
, Pohle, L., Dr. phil., Prof. 1903. 
, Ponfick-Salom^, M. 1891. 
„ Popp, Georg, Dr. phil. 1891. 
„ Posen, J. L. 1891. 
, Posen, Sidney. 1898. 
, *Prior,Paal,Utttteningenieur. 1902. 
, Propach, Robert. 1880. 
, Prtimm, Max, Ingeniear. 1900. 
., Quincke, Hermann, Oberlandes- 

gerichtsrat. 1903. 
M Raab, A.., Dr. phil., Apotheker. 1891. 
^ Ravenstein, Simon. 1873. 
Ft. Regnier, Emma, geb. Fischer. 1900. 
Hr.Reh, Robert. 1902. 
, ♦Rehn, J. H., Dr. med., Geh. San.- 

Rat. 1880. 
9 Rehn, Louis, Dr. med.. Prof. 1893. 
Fr. Gr&fin v. Reichenbach - Lessonitz, 
geb. Freiin Gdler v. Ravensburg. 
1903. 
Hr. ^Reichenbach, Heinrich, Dr. phil.. 
Prof. 1872. 
., Reinemer, Karl. 1900. 
„ Reiss, Paul, Justizrat. 1878. 
, Rennau, Otto. 1901. 
, Reutlinger, Jakob. 1891. 
. Richter, Johannes. 1898. 
, ♦Richters, Ferdinand, Dr. phil, 
Prof. 1877. 
Fr.Riese, Karl. 1897. 
Ur.Riese, Otto, Banrat. 1900. 
« Riesser, Eduard. 1891. 
„ Rikoff, Alfons. Dr. phil. 1897. 
. Ritsert, Eduard, Dr. phil., Fabrik- 
direktor. 1897. 



n 



Hr.*Ritter, Franz. 1882. 
„ Ritter, Hermann. 1903. 
"^Roediger, Ernst, Dr. med. 1888. 
Roediger, Paul, Dr. jur. 1891. 
„ ♦ROrig, Ad.,Forstmei8tera.D. 1897. 
, ROfiler, Friedrich, Dr. phil. 1900. 
„ Rofiler, Heinrich, Dr. phil. 1884. 
„ ROfiler, Hektor. 1878. 
„ Roger, Karl, Bankdirektor. 1897. 
„ Rohmer, Wilh. 1901. 
„ Roos, Heinrich. 1899. 
, Roques, Adolf., Dr. phil. 1900. 
9 Roques-Mettenheimer, Etienne. 

1897. 
„ Rosenbaum, E., Dr. med. 1891. 
„ Rosengart, Jos., Dr. med. 1899. 
„ Rosenthal, Rudolf, Dr. jar., 

Rechtsanwalt. 1897. 
„ Roth, Karl, Dr. med., Gerichts- 

arzt. 1903. 
„ Rother, August. 1903. 
„ Rothschild, Otto, Dr. med. 1904. 
„ Rueff, Julius, Apotheker. 1873. 
„ Rumpf, Christian. 1899. 
, Sabarly, Albert 1897. 
„ Sabarly, Karl. 1899. 
„ Sachs, Hans, Dr. med. 1903. 
, ♦Sack, Pius, Dr. phil. 1901. 
Hrn. Saelz & Co., Ingenieure. 1904. 
Hr. Salomon, Bernhard, Prof., General- 

Direktor. 1900. 
„ Salomon, Richard, Dr. med. 1903. 
„ Sandhagen, Wilhelm. 1873. 
„ ♦Sattler, Wilhelm, Stadtbaumeister. 

1892. 
„ ♦Schaffer-Stuckert, Fritz, Dr. dent. 

surg. 1892. 
„ Scharff, Charles A. 1897. 
„ Scharff, Ernst. 1903. 
„ Scharff, Julius. 1900. 
„ Schaub, Karl. 1878. 
„ ♦Schauf,Wilh., Dr. phil, Prof. 1881. 
„ Scheller, Karl, Buchhandler. 1897. 
„ Schepcler, Hermann. 1891. 
, Schiermann-Steinbrenk. Fritz. 1903. 
. Schild, Rudolf. Dr. med. 1903. 
„ Schiller, Gustav. 1902. 

4 



— 60* — 



n 



Hr. SchleuBner, Friedr.,Direktor. 1900. 
„ Schlenfiner, Karl, Dr. phil. 1898. 
. Schlund, Georg. 1891. 

Schmidt-Polez, Anton. 1897. 

*Schmidt-Polex, Fritz, Dr. jur. 1884. 
Sctamidt-Polex, Karl, Dr. jar., 

Justizrat. 1897. 
„ Schmmder, P. A. 1873. 
„ '^Schnaudigel, Otto, Dr. med. 1900. 
„ Schneider, Johannes. 1898. 
, SchQUer, Walter, Dr., Oberlandes- 

gerichtsrat. 1903. 
, Schott, Alfred, Direktor. 1897. 
„ *Schott, Eogen, Dr. med., San.-Rat, 
1872. 

Schott, Theod., Dr. med.. Prof. 1903. 

Schrader, Badolf, Stadtrat. 1900. 

Schttrmann, Adolf. 1891. 
„ Scholze-Hein, Hans. 1891. 
, Schumacher, Heinr. 1885. 
9 Schuster, Bemhard. 1891. 
, Schwarz, Georg Ph. A. 1878. 
„ Schwarzschild, Martin. 1866. 
„ Schwarzschild-Ochs, David. 1891. 
„ Schwenck, Fr. G., Dr. med. 1889. 
, Scriba, Eugen, Dr. med. 1897. 
» Seefrid, Wilh., Direktor. 1891. 
„ Seeger, G., Architekt. 1893. 
„ Seidel, A., Stadtrat. 1891. 
„ ♦Seitz, A., Dr. phil., Direktor d. 

Zoolog. Gartens. 1893. 
„ Seligman, Henry. 1891. 
„ Seuflert, Theod., Dr. med. 1900. 
, Siebert, Arthur, Konsul, Bank- 

direktor. 1900. 
, *Siebert, August, Gartenbaudirekt 

1897. 
„ Siebert, Karl August. 1869. 
„ Siegel, Ernst, Dr. med. 1900. 
„ Siesmayer, Philipp. 1897. 
Sioli, Emil, Dr. med., Direktor der 
Irrenanstalt. 1893. 

Sippel, Albert, Dr. med., Prof. 1896. 

Sittig, Edmund, Oberlehrer. 1900 
« SommerhoS, Louis. 1891. 
, Sommerlad, Fritz. 1904. 
, Sondheim, Moritz. 1897. 



1) 



n 




Hr. Sonnemann, Leopold. 1873. 
, Spiefi, Gustav, Dr. med. 1897. 
„ Stem, Richard, Dr. med. 1893. 
Fr. Stern, Theodor. 1901. 
Hr.Stem, Willy. 1901. 
Fr. V. Stiebel, H., Konsul. 1903. 
Hr.Stiebel, Karl Friedrich. 1903. 
, Stock, Wilhelm. 1882. 
9 Straus, Caesar. 1891. 
„ Straufi, Ernst. 1898. 
, Streng, Wilhelm, Dr. med. 1897. 
, Stroof, Ignatz, Dr. phil. 190S. 
a Sulzbach, Emil. 1878. 
Snlzbach, Karl, Dr. jur. 1891. 
Teichmann, Ernst, Dr. phil. 1903. 
Thebesius, Louis, Dr. jur.. General- 

konsul. 1900. 
Thoma, Phil. 1893. 
Thom6, Robert, Eisenbahn-Direk- 

tions-Pr&sident. 1900. 
Thoms, Heinrich, Dr. phil., Kreis- 

tierarzt. 1904. 
Thorn, Phil. 1900. 
Trenpel, Gustav, Dr. med.. Prof. 
1903. 
„ Trier, Th. 1896. 
Trost, Fritz. 1897. 
Utend5rfer, Richard, Tierarzt. 1904. 
„ Varrentrapp, Adolf, Dr. jur , Geh. 
Reg.-Rat, BUrgermeister. 1900. 
Frl. Velde, Julie, Oberlehrer in. 1902. 
Hr.v. d. Velden, Wilh., Bankdirektor. 
1901. 
, Vfigler, Karl, Dr. phil., Oberlehrer. 

1903. 
„ *Voh8en, Karl, Dr. med. 1886. 
„ Vowinckel, M., Direktor. 1891. 
„ Wagener, Alex. 1904. 
Frau Grafin v. Wartensleben, Gabriele, 

Dr. phil. 1902. 
Hr. Weber, Heinrich, Dr. med. 1897. 
„ *Weigert, Karl, Dr. med., Prof., 

Geh. Med.-Rat. 1885. 
„ Weiller, Jakob Alphons. 1891. 
„ Weiller, Jakob H. 1891. 
, Weinberg, Arthur, Dr. phil. 1897. 
a Weinberg, Karl, Gen.-Konsul. 1897. 



n 

n 



n 



— 61* — 



Hr. Weinschenk, Alfred. 1903. 

, ♦Weis, Albrecht. 1882. 
Weisbrod, Aug., Drackerei. 1891. 
Hr.Weismann, Daniel 1902. 

„ Weismantel, 0., Dr. phil. 1892. 

, Weifi, Georg, Cbemiker. 1902. 

, Weller, Albert, Dr. phil. 1891 

, Wendt, A. H., 1901. 

, Werner, Felix. 1902. 

„ Wertheimber, Julius. 1891. 

, Wertheimber-de Bary, Ernst. 1897. 



Hr. Wetslar-Fries, Emll. 1903. 
„ V. Wild, Rudolf, Dr. med. 1896. 
„ Winter,. Friedr. W. 1900. 
Frl. Winterhalter, EliBab.,Dr.med.l903. 
Hr.Winterwerb, Rud., Dr. jur., Bank- 

direktor. 1900. 
, Wolff, Ludwig, Dr. med. 1904. 
„ Wilst, K. L. 1866. 
' „ Zeltmann, Theod. 1899. 
! „ Zimmem, Siegmund, Dr. med., San.- 
; Rat. 1899. 



b) Miiglieder, die anfierhalb 



Hr. ** Alzheimer, Alois, Dr. med. in 

Mflnchen. 1896. 
, Andreae, Achilles, Dr. phil.. Prof., 

Direktor des R5mer- Museums 

in Hildesheim. 1878. 
Bibliothek, Kdnigl., in BerUn. 1882. 
Hr. V. BrUning, Gustav, Dr. phil. in 

Uochst a. M. 1903. 
Drehwald, Karl, Bankdirektor in 

Offenbach. 1900. 
♦v. Erlanger, Freiherr Carlo in 

Niederingelheim. 1899. 
Fei8t,Fr, Dr. phil.. Prof .in Kiell887. 
Fresenius, Ant., Dr. med., Sanitats- 

rat in Jugenheim. 1893. 
Goldschmidt, Rich., Dr. phil. in 

Mlinchen. 1901. 
Goldstein, Karl, Dr. phil. in Hanau. 

1904. 
▼. Guaita, Georg, Dr. phil. in 

Freiburg i. B. 1898. 
Her&u8,Heinrich in Hanau. 1889. 
Herxheimer, G., Dr. med. in Wies- 
baden. 1901. 
Hopf, Karl in Niederh5chstadt i.T. 

1904. 
Joos, Carlo in Basel.. 1903. 
♦Kobelt, W., Dr. med. et phil. in 

Schwanheim a. M. 1878. 
Krekel, E. Fr., Forstmeister in 

Hofheim i. T. 1904. 
Laubenheimer, August, Dr. phil, 

Prof., Geh. Reg.-Rat, in HOchst 

a. M. 1896. 



Hr. 



3 



Frankforts wohnen. 

Laurenze, Ad. in Grofikarben. 1903. 

Lenz, Dr., Tierarzt in AschaSen- 
burg 1903. 

V. Leonhardiy Moritz, Freiherr in 
Grofikarben. 1904. 

'^Lepsius, B., Dr. phil.. Prof., 
Fabrikdirektor in Griesheim 
a. M. 1883. 

Loewi, Otto, Dr. med., Privatdozent 
in Marburg i. H. 1901. 

M5nckeberg, J. G., Dr. med. in 
Giefien. 1903. 

Raecke, Julius, Dr. med. in Kiel. 
1903. 

Reichard, Adolf, Dr. phil. in Hei- 
delberg. 1901. 

Reinemann, 0., Tierarzt in Hanau. 
1904. 

Reiss, Eduard, Dr. med. in Ham- 
burg. 1903. 

Ruppel, Dr., Prof, in H^chst a. M. 
1903. 

Schaffnit, J., Apotheker in R5del- 
heim. 1903. 

Schmick, Rudolf, Oberbaurat in 
Darmstadt. 1900. 

Scriba, L., in Hochst a. M. 1890. 

Weifi, Julius, in Deidesheim. 1897. 

Wetzel, Heinr.. in Ludwigsburg. 
1864. 

Wittich. Ernst, Dr. phil. in Darm- 
stadt. 1898. 



- 62* — 
IT. Aufierordentliche Ehrenmitglieder. 

1900. Hr. Wallot. Paul, Prof. Dr., Geh. Hof- nnd Baarat in Dresden. 
1903. , Schmidt-Metzler, Moritz, Prof. Dr., Wirkl. QeL Bat, Exzellenz in 
Frankfurt a. M. 



y. Korrespondierendes Ehrenmitglied. 

1866. Bein, J. J., Dr. phil., Geh. Begierungsrat, Professor der Geographie an 
der Universitat Bonn. 



TI. Korrespondierende Hitglieder.*) 

1848. Philippi, Bad. Amadeus, Direkt. des Museo Nacional in Santiago de Chile. 

1850. Scheidel, Sebastian Alexander, Privatier in Bad Weilbach. 

1853. V. K5lliker, Albert, Dr., Geh. Medizinalrat, Exzellenz, Professor emer. 

in Wttrzburg. 
1853. Buchenaa, Franz, Dr. phil., Prof, and Direkt. der Bealschale in Bremen. 
1860. Weinland, Christ. Dav. Friedr., Dr. phil. in Hohen-Wittlingen bei Urach, 

Wtlrtteraberg. 
1860. Weismann, August, Dr. phil, Geh. Uofrat, Professor der Zoologie an 

der Universitftt Freiburg i. B. (von hier). 
1862. Steffan, Phil., Dr. med. in Marburg i. H. (von hier). 

1862. Deichler, J. Christ, Dr. med. in Jugenheim (von hier). 

1863. de Saussure, Henri, Dr. in Genf. 

1868. Homstein, F., Dr. phil.. Professor in Kassel. 

1869. Barboza du Socage, Jos6 Vicente, Lente Catedratico an der Escola 

Polytechnica und Direktor des Museo Nacional in Lissabon. 
1872. Westerlund, Karl Agardh, Dr. phil. in Bonneby, Schweden. 

1872. Hooker, Jos. Dalton, Dr., friiher Direktor des botanischen Gartens in 

Kew bei London. 

1873. Gunther, Albert, Dr., friiher Keeper of the Department of Zoology am 

British Museum (N. H) iu London. 
1873. Sclater, Phil. Lutley, Secretary of the Zoological Society in London. 
1873. V. Leydig, Franz. Dr. med., Geh. Med. -Rat, emerit. Professor der ver- 

gleichenden Anatomic und Zoologie in Wtlrzburg. 
1873. Schmarda, Ludwig Karl, Dr., Hofrat, emerit. Professor in Wien. 
1873. Schwendener, Simon, Dr , Geh. Reg -Eat, Professor der Botanik an der 

Universitat Berlin. 
1873. Fries, Th., Dr., Professor in Upsala. 
1873 Schweinfurth, Georg, Dr., Professor, President der Geographischen 

Gesellschaft in Kairo. 



♦) Die beigefUgte Jahreszahl bedeutet das Jahr der Aufnahme. — Die 
verehrl. Korrespondierenden Mitglieder werden hOflichst ersucht, eine Verlinde- 
rung des Wohnortes oder des Titels der Direktion der Senckenbergischen Natur- 
forschenden Gesellschaft gefalligst anzuzeigen. 



— 53* — 

1874. V. Fritsch, Freiherr Karl Wilhelm Georg, Dr., Qeh. Reg-Rat, Professor 
der Mineralogie und Geologie an der Universitftt, Direktor des mine- 
ralogischen Mosenms, Pr&sident der K. Leopoldino - Karolinischen 
Deutschen Akademie der Natarforscher in Halle a. S. 

1874. Gasser, Emil, Dr. med., Geh. Medizinalrat, Professor der Anatomie and 

Direktor des anatomischen Institats an der UniversiUit Marbarg 
(von hier). 

1875. Bntschli, Johann Adam Otto, Dr. phil., Geh. Hofrat, Professor der 

Zoologie an der Universitllt Heidelberg (von hier). 
1875. Klein, Johann Friedrich Karl, Dr., Geh. Bergrat and Professor an der 

Universitat Berlin. 
1875. Moritz, A., Dr., Direktor des physikalischen Observatoriums in Tiflis. 

1875. Probst, Joseph, Dr. phil., Kapitels-KHmmerer and Pfarrer in Unteressen- 

dorf, Oberamt Waldsee, Wttrttemberg. 

1876. Liversidge, Archibald, Dr., Professor der Chemie and Mineralogie an 

der Universit&t in Sidney, Aastralien. 
1876. Boettger, Hngo, Generalagent, hier. 
1876. Le Jolis, August Franz, Dr., President de la Societe nationale des 

Sciences natarelles et math^mat. in Cherboarg. 
1876. Meyer, Adolf Bemhard, Dr. roed., Geh. Hofrat und Direktor des zoolo- 

gischen und anthropologisch-ethnographischen Museums in Dresden. 

1876. Wetterhan, J. D. in Freiburg i. Br. (von hier). 

1877. V. Volt, Karl, Dr. med., Geh. Rat, Professor der Physiologic an der 

Universit&t Miinchen. 
1877. Becker, L., Oberingenieur in Johannesborg (Transvaal). 
1H78. Chun, Karl, Dr., Professor der Zoologie an der Universitftt Leipzig 

(von hier). 

1880. Jickeli, Karl, Dr. phil. in Hermannstadt. 

1881. Todaro, A., Dr., Professor, Direktor des botanischen Gartens in Palermo. 

1881. Snellen, P. C. F. in Rotterdam. 

1882. Retowski, Otto, k. Staatsrat, Konservator an der Kaiserl. Eremitage 

in St. Petersburg. 

1882. Retzius, Magnus Gustav, Dr. med.. emerit. Professor in Stockholm. 
1KH2. Russ, Ludwig, Dr. in Jassy. 

1883. Koch, Robert, Dr. med., Geh. Medizinalrat, Generalarzt I. Kl. k la 

suite des Sanit&tskorps, o. Honorar-Professor, Direktor des Instituts 

fttr Infektions-Krankheiten, Mitglied des Staatsrats, o. Mitglied des 

K. Gesundheitsamts in Berlin. 
1883. Loretz, Mart. Friedr. Heinr. Herm., Dr. phil., Landesgeolog in Berlin. 
1883. Ranke, Johannes, Dr., Professor der Naturgeschichte, Anthropologic und 

Physiologic an der Universitg.t, GeneralsekretRr der Deutschen anthro- 

pologischen Gesellschaft in MUnchen. 
1883. Jung, Karl, Kaufmann, hier. 

1883. Boulenger, George Albert, F. R. S.. I. Class Assistant am British Museum 

(N H.), Department of Zoology, in London. 

1884. Lortet, Louis, Dr., Professeur de Parasitologic et de Microbiologic 

k la Faculte de M6decine in Lyon. 



— 64* — 

1884. Se. K5nigliche Hoheit Prinz Ladwig Ferdinand von Bayern, Dr. nied. 

in Nymphenbnrg. 
1884. von Eoenen, Adolf, Dr., Oeh. Bergrat, Professor der Geologie und 

Pal&ontologie, Direktor des geologisch-palftontologischen Mnseams 

an der Universit&t 0()ttingen. 
1884. Knoblauch, Ferdinand, friiher Konsnl des Dentschen Reiches in Noumea, 

Neukaledonien, (von hier). 

1884. Miceli, Francesco in Tunis. 

1885. Flemroing, Walther, Dr. med., Geh. Medizinalrat, Professor der Anatomie, 

Direktor des anatom. Instituts und Museums an der Universit&t Kiel. 

1886. von Bedriaga, Jacques, Dr. in Nizza. 

1886. Koemer, Otto, Dr. med., o. Professor der Ohrenheilknnde an der Univer- 

sit&t Rostock (von hier). 

1887. Schinz, Hans, Dr. phil. Professor, Direktor des botan. Gartens in Zttrich. 
1887. Stratz, C. H., Dr. med. im Haag, Holland. 

1887. Breuer, H., Dr., Professor in Montabaur. 

1887. Hesse, Paul, Kaufmann in Venedig. 

1888. von Kimakowicz, Mauritius, Kustos der zoologischen Abteilnng des 

Museums des Siebenbiirgischen Vereins fttr Naturwissenschaften in 
Hermannstadt. 

1888. Zipperlen, A., Dr. med. in Cincinnati, Ohio. 

1888. Brusina, Spiridion, Dr., Professor der Zoologie und Direktor des zoolo- 
gischen National-Museums an der Universitftt Agram. 

1888. Rzehak, Anton, Professor der Pal&ontologie und Geologie an der k. 
und k. technischen Hochschule in Brtinn. 

1888. Reuss, Johann Leonhard, Kaufmann in Kalkutta (von hier). 

1889. Roux, Wilhelm, Dr. med.. Professor der Anatomie und Direktor des 
anatomischen Instituts an der Universit<&t Halle a. S. 

1889. Brandenburg, K. , Oberingenieur der k. ungarischen Staatsbahn inSzegedin, 

Ungarn. 

1890. von Berlepsch, Hans, Graf auf Schlofi Berlepsch, Hessen-Nassau. 

1890. Fritsch, Anton Johann, Dr., Professor der Zoologie und Kustos der zoolo- 
gischen und pal&ontologischen Abteilung des Museums an der Uni- 
versit&t Prag. 

1890. Haacke, Job. Wilh., Dr. phil. in Jena. 

1891. Engelhardt, Hermann, Professor am Realgymnasium in Dresden. 
1891. Fischer, Emil, Dr. phil.. Professor derCliemie an der Universit&t Berlin. 
1891. Hartert, Ernst, Dr. phil.h.c. Curator in charge of the Zoological Museum 

in Tring, Herts, England. 

1891. Strubell, Adolf, Dr. phil., Privatdozent der Zoologie an der Univer- 

sit&t Bonn. 

1892. von Both, Alex., Oberstleutnant z. D. in Kassel. 
1892. Beccari, Eduard, Professor emeritus in Florenz. 

1892. van Beneden, Eduard, Dr., Professor der Zoologie an der Universit&t 

Llittich, Belgien. 
1892. Dohm, Anton, Dr., Geh. Rat, Professor und Direktor der zoologischen 

Station in Neapel. 



— 55* — 

1892. Engler, Heinrich Gastav Adolf, Dr., Geh. Reg.-Rat, Professor der 

Botanlk and Direktor des botanischen Gartens and des botaniscben 

Maseams an der Universit&t Berlin. 
1892. Haeckel, Ernst, Dr., Professor der Zoologie an der Universitftt in Jena. 
1892. M5bias, Karl Angast, Dr., Geh. Reg.-Rat, Professor, Direktor des K<5nigl. 

zoologischen Museams in Berlin. 
1892. Nansen, Fridtjof , Dr., Prof., Direktor der biologischen Station in Christiania. 
1892. Schnlze, Franz Eilhard, Dr., Geh. Reg.-Rat, Professor der Zoologie an 

der Universit&t and Direktor des zoologischen Institats in Berlin. 
1892. Strafibnrger, Edaard, Dr. phil, Geh. Reg.-Rat, Professor der Botanik 

and Direktor des botanischen Gartens an der Universit&t Bonn. 
1892. Suess, Edaard, Dr., Professor der Geologie, Direktor des geologischen 

Museums an der k. a. k. Universit&t Wien. 
1892. Waldeyer, Heinrich Wilhelm Gottfried, Dr. ined., Geh. Medizinalrat, 

Professor der Anatomie an der Universitftt Berlin. 
1892. Fleischmann, Karl, Konsal, Kaufmann in Guatemala. 
1892. Bail, Karl Adolf Emmo Theodor, Dr., Professor, Gymnasial-Ober- 

lehrer a. D. in Danzig. 

1 892. Con wen tz, Hugo Wilhelm, Dr., Professor, Direktor des westpreussischen 

Provinzial-Mnseums in Danzig. 

1893. Verwom, Max, Dr. med., o. Prof. d. Physiologic a. d. Universitftt G5ttingen. 
1893. Koenig, Alexander Ferd., Dr. phil., Tit.-Professor, Priyatdozent der 

Zoologie an der Universit&t Bonn. 
1893. Liermann, Wilh., Dr. med., Dir. d. Landkrankenhauses in Dessau (von hier). 

1893. Noll, Fritz, Dr. phil.. Professor der Botanik an der Universit&t Bonn 

and an der landwirtschaftlichen Akademie Poppelsdorf. 

1894. Urich, F. W., Secretary of the Trinidad Field Naturalists' Club in 

Port of Spain, Trinidad. 
1894. Douglas, James, President of the Copper Queen Company „Arizona** in 

New York. 
1894. Pagenstecher, Arnold, Dr. med., Geh. Sanitiitsrat, Inspektor des KOnigl. 

naturhistorischen Museums in Wiesbaden. 
1894. Dreyer, Ludwig, Dr. phil. in Wiesbaden. 

1894. Dyckerhoff, Rudolf, Fabrikbesitzer in Biebrich a. Rh. 

1895. Kraepelin, Karl Mathias Friedrich, Dr., Professor, Direktor des natur- 

historischen Museums in Hamburg. 
1895. Bolau, Heinrich, Dr., Direktor des zoologischen Gartens in Hamburg. 
1895. Ktlkenthal, Willy, Dr. phil., o. Professor der Zoologie u. Direktor 

des zoologischen Instituts und Museums der Universit&t Breslau. 
1895. Seeley, Harry Govier, Professor of Geography and Lecturer in Geology am 

King's College in London. 
1895. V. Behring, Emil, Dr. med., Wirkl. Geh. Rat, Exzellenz, Professor der 

Hygiene an der Universit&t Marburg i. H. 

1895. Murray, John, Dr. phil., Director of the C'hallenger Expedition Publi- 

cations Office in Edinburgh. 

1896. Scharff, Robert, Dr. phil.. Keeper of the Science and Art Museum in 

Dublin (von hier). 



— 56* — 

1896. Bttcking, Hugo, Dr. pbil , Professor der Mineralogie an der Universitat 

Strafibarg i. E. 
1896. Greim, Georg, Dr. phil., Professor der Geologie an der technischen 

Hochschule in Darmstadt. 
1896. MOller, Alfred, Dr. phil, Forstmeister and Professor der Botanik an 

der Forstakademie in Eberswalde. 
1896. Lepsius, Richard, Dr. phil., Geh. Oberbergrat, Professor der Geologie 

and Mineralogie an der technischen Hochschale, Inspektor der geol. a. 

mineral. Sammlangen am Grofih. Unseam a. Direktor der geolo- 

gischen Landesanstalt fUr das Grofiherzogtam Hessen, in Darmstadt. 

1896. von M6hely, Lajos, Prof., Kastos des k. Nationalmuseams in Budapest. 

1897. Verbeek, Rogier Diederik Marias, Dr. phil. hon. cans., Ing^nienr en 

chef des mines des Indes N^erlai^daises in Baitenzorg, Java. 
1897. Voeltzkow, Alfred, Dr. phil., Professor in Strafibarg i. £. 
1897. Rttst, David, Dr. med. in Hannover. 

1897. Kaiser, Heinr. Dr., Professor an der Kgl. tierftrztlichen Hochschale in 

Hannover. 

1898. V. Ihering, H., Dr., Prof, in S§lo Paalo, Brasilien. 

1898. Forel, A., Dr. med., Prof, in Chigny bei Merges, Kanton Waadt. 

1898. Retter, Apotheker in Samarkand, Tarkestan. 

1898. Sarasin, Fritz, Dr. in Basel. 

1898. Sarasin, Paol, Dr. in Basel. 

1898. Bnrckhardt, Rad., Dr., Professor an der Universit&t Basel. 

1898. Schmiedeknecht, Otto, Dr., Prof, in Blankenbnrg, Thttringen. 

1899. Kossel, Albrecht, Dr. med.. Professor, Direktor des physiolngischen In- 

stitats der Universit&t Heidelberg. 
1899. Maryanski, Modest, Bergingeniear in Santa Maria bei Albany, West- 

aastralien. 
1899. Stirling, James, Government Geologist of Victoria in Melboarne. 
1899. Le Soa6f, Dadley, Director of the Acclimatisation Society, Royal Park 

in Melboarne. 
1899. Martin, Charles James, Dr., Director of the Lister Institute of Preventive 

Medicine, London. 
1899. Eckhard, Konrad, Dr. med. et phil., Geh. Medizinalrat, Prof., Direktor 

des physiologischen Institats an der Universit&t Giefien. 
1899. Strahl, H., Dr. med.. Prof., Direktor des anatomischen Institats in 

Giefien. 
1899. Fischer, Erail, Dr. med. in Zflrich. 
1899. Lenz, H., Dr. phil, Prof., Direktor des natarhistor. Maseams in Lttbeck. 

1899. -Schenck, H., Dr. phil., Professor, Direktor des botanischen Gartens 

in Darmstadt. 

1900. DOnitz, Wilhelm, Dr. med., Geh. Medizinalrat, Prof, in Chariot tenbarg. 
1900. Ladwig, H., Dr. phil, Geh. Regierangsrat, Professor, Direktor des zool. 

and vergleichend-anatomischen Institats and Masenms der Uni- 
versity t Bonn. 
1900. Engelmann, W., Dr. med., Geh. Medizinalrat, Prof., Direktor des physio- 
logischen Institats in Berlin. 



— 67* — 

1900. Hunk, Herm., Dr. med., Professor an der Universit&t Berlin. 

1900. Fresenins, Heinricb, Dr. phil., Professor in Wiesbaden. 

1900. Zinndorf, Jakob in Offenbach. 

1900. Spandel, Erich in Nlimberg. 

19(K). Montelias, Oskar, Dr., Professor in Stockholm. 

1900. Becker, Jago, Direktor in Valencia (Spanien). 

1901. Thilo, Otto, Dr. med. in Riga. 

HK)1. Nissl, Franz, Dr. med., Professor in Heidelberg. 

11K)1. yon Martens, Ednard, Dr«, Qeh. Regiemngsrat, Prof., II. Direktor des 

Kr>nigl. zoologischen Kusenms in Berlin. 

1901. von Wettstein, Rich., Dr., Prof, in Wien. 

1901. Steindachner, Franz, Dr., Hofrat in Wien. 

1901 . Heerwagen, Ang., Dr., Prof., Direktor der Natnrhist. Gesellsch. in NUrnberg. 

1901. V. Graff, Ludw., Dr., Prof., Hofrat in Graz. 
1901. 'DOderlein, Ludw., Dr., Prof, in StraBburg i. Els. 

1901. Simroth, Heinr., Dr., Prof, in Leipzig. 

1901. Schillings, C. G., Weiherhof bei Dttren. 

1901. Lampert, Kurt, Dr., Prof., Oberstudienrat in Stuttgart. 

1901. Friese, Heinrich, Jena. 

1902. Treboul, E., President de la Society nationale des sciences naturelles 

et math^matiques, Cherbourg. 

1902. Schneider, Jakob Sparre, Konserrator am natnrhist. Museum in TromsO. 

HK)2. Kayser, E., Dr., Prof, in Marburg. 

1902. Spengel, J. W., Dr., Prof., Geh. Rat, GieBen. 

1902. Oredner, Herm., Dr., Prof., Geh. Bergrat in Leipzig. 

11K)2. Reis, Otto M.; Landesgeolog in Milnchen. 

1902. Notzny, Albert, Bergwerksdirektor und Bergassessor anf Heinitzgrube 

in Beuthen, Oberschlesien. 

1902. Beyschlag, Franz, Dr.. Prof., Geh. Bergrat in Berlin. 

1902. Schmeisser, K., Geh. Bergrat in Berlin. 

1902. de Man, J. G., Dr. in lerseke, Holland. 

1902. Boveri, Theod., Dr., Prof, in Wtirzburg. 

HK)2. Weidmann, Karl, Kgl. Torfverwalter in Carolinenhorst, Pommem. 

1902. Oestreich, Karl, Dr., Privatdozent in Marburg (von hier). 

1902. Preiss, Paul, Geometer in Ludwigshafen. 

1908. Schaudinn, Fritz, Dr., Regiemngsrat, Privatdozent an der Universitftt 

Berlin. 

190,3. Weber, Max, Dr., Prof, in Amsterdam. 

190.3. FUrbringer, Max, Dr., Prof., Geh. Hofrat in Heidelberg. 

1903. de Vries, Hugo, Dr., Prof, in Amsterdam. 
1903. Schlosser, Max. Dr. in MUnchen. 

1903 Klunzinger, B., Dr., Prof, in Stuttgart. 

1903. V. SchrOter, Guido, Konsul in San Jo8(>, Costa-Rica. 

1904. Vigener, Anton, Apotheker in Wiesbaden. 

1904. Wolterstorff, W., Dr., Kustos des naturhistor. Museums in Magdeburg. 

1904. Vicomte du Buysson, Robert in Paris. 



58* — 



Rechte der Mitglieder. 

Durch die Mitgliedschaft weiden folgende Kechte 
erworben : 

1. Das Naturhistorische Museum an Wochentagen von 8—1 
und 3 — 6 Uhr zu besuchen und Fremde einzuf&hren. 

2. Alle von der Gesellschaft veranstalteten Vorlesungen und 
wissenschaftlichen Sitzungen zu besuchen. 

3. Die vereinigte Senckenbergische Bibliothek zu benutzeu. 
AuBerdem erb<ilt jedes Mitglied alljiUhrlich den ^Bericht^. 



— 59* — 

Ansziig au8 der Bibliothek-Ordniing. 

1. Den Mitgliedern der Senckenbergischen Naturforschenden 
Gesellschaft, sowie denen des Arztlichen Vereins, des 
Pliysikalischen Vereins und des Vereins ftir Geographie 
nnd Statistik steht die Bibliothek an alien Werktagen von 
10—1 Uhr und — Samstag ausgenoramen — von 6—8 Uhr 
zur Benutzuug oRen. Das Ausleihen von Btichern findet 
nur in den Vormittagsstunden statt. 

2. Das Lesezimmer ist dem Publikum zuganglick und jeder- 
mann kann daselbst Biicher zur Einsicht erhalten. Biicher, 
die am Abend im Lesezimmer benutzt werden sollen, mUssen 
bis si)[ltestens 11 Uhr am Voimittage des betreffenden 
Tages scliriftlich bestellt sein. 

3. Zur Entleihung von Btichern sind die hiesigen Mitglieder 
der beteiligten Vereiue und deren Dozenten berechtigt. 
Die Bibliothekare sind gehalten, in zweifelhaften F&llen 
den Ausweis der personlichen Mitgliedschaft diirch die 
Karte zu verlangen. Auswarts wohnende Mitglieder sowie 
andere Personen haben den Biirgschein eines hier wobnenden 
Mitgliedes beizubringen. 

4. An ein Mitglied konnen gleichzeitig hochstens 6 Bande 
ausgeliehen werden ; 2 Broschuren entsprechen 1 Band. 

5. Die Rtickgabe der Bucher an die Bibliothek hat nach 
4 Wochen zu erfolgen; die Entleihungsfrist kann jedoch 
verlangert werden, wenn die Biicher nicht von anderer 
Seite in Anspruch genommen werden. 

6. Jeder Entleiher ist verpflichtet, der von der Bibliothek an 
ihn ergangenen Aufforderung zur Zuriickgabe unbedingt 
Folge zu leisten, ferner im Falle einer Reise von mehr 
als acht Tagen die Bticher vorher zuriickzugeben, wenn 
auch die Entleihungsfrist noch nicht abgelaufen sein sollte. 

7. Auswartige Dozenten erhalten Biicher nur durch Bevoll- 
mftchtigte, die Mitglieder unserer Gesellschaft oder eines 
der genannten Vereine sind und den Versand besorgen. 

8. Am 15. Mai jeden Jahres sind samtliche entliehenen Bticher 
behufs Revision, die Anfang Juni stattfindet, an die 
Bibliothek zurUckzuliefern. 



— 60* — 



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62* — 



ProtokoUe der wissenschaftlichen Sitzungeii. 



24. Oktober 1903. 

Vorsitzender : Dr. August Knoblauch. 

Der Vorsitzende begrtiBt die zahlreich erschienenen Mit- 
glieder und Gaste zu Beginn des Wintersemesters und teilt mit, 
dati f iir dasselbe nahezu alle acht Tage wissenschaftliche Sitzungen 
in Aussicht genommen sind. 

Sodann berichtet der Vorsitzende eingehend liber die Tat ig- 
keit der Gesellschaft in dem abgelaufenen arbeitsreichen 
Sommerhalbjahr. Hochherzige Schenkungen hiesiger Biirger in 
der Hohe von 15000 Mark haben es ermoglicht, die in ihrer Art 
einzige Konchyliensammlung des kiirzlich verstorbenen 
Konsuls Dr. von Mollendorff und die wertvoUe Mannsche 
Schmetterlingssammlung fur das Senckenbergische Museum 
zu erwerben. AUerdings betrug der Ankaufspreis der beideu 
hervorragenden Sammlungen, welche in der letzten wissenschaft- 
lichen Sitzung am 21. Marz d. Js. ausgestellt gewesen sind, das 
doppelte der bis jetzt aufgebrachten Summe und, da die Gesell- 
schaft nicht in der Lage ist, den Rest aus ihren laufenden 
Mitteln zu bestreiten, mu6 sie auf weitere Schenkungen hoch- 
herziger Freunde und Gonner hoffen. 

Nachdem am 18. August d. Js. der Vertrag zwischen der 
Dr. Senckenbergischen Stiftung und der Stadtgemeinde unter- 
zeichnet worden ist, nach welchem der Naturforschenden Ge- 
sellschaft eiu ausreichender Bauplatz an der Viktoria-Allee und 
ein erheblicher ZuschuB zu den Baukosten des neueu Museums 
iiberlassen werden soil, hat die Gesellschaft in den letzten 
Monaten die Vorbereitungsarbeiteu zur Ausftihrung ihres Bau- 
projektes wieder aufgenommen. Eine von Baurat Neher ent- 
worfene Skizze liegt augeublicklich der Verwaltung zur Be- 



— 63* — 

ratung vor. Inzwischen baben die Konservatoren des Moseums 
Adam und August Eoch und die beiden Direktoreu der Ge- 
sellschaft die grofieu Museen in den deutschen Hauptstadten 
besucbt und die Einrichtung derselben, namentlich die Auf- 
stellung der Schausammlungen besichtigt, aof welche mit Recht 
aucb in dem hiesigen neuen Museum ein ganz besonderer Wert 
gelegt werden soil. 

Nach diesem Bericht des Vorsitzenden spricbt VeterinS.r- 
arzt Dr. Alfred Jaeger Uber 

„Die Schwimmblase der Fische." 

Die £rkl&rung der Schwimmblase der Fische umfafit ein- 
mal die Aufgaben, welche dieses Organ dem Fische in seinem 
Elemente zu erfUUen hat, und zweitens die Frage nach der 
Herkunft der Schwimmblasenluft. Beide Probleme batten bisher 
ihrer Losung geharrt; denn das Rd.tsel, das fiber dem Eintritt 
derGase in das Schwimmblasenlumen und ihremAustritt schwebte, 
hatte auch keine befriedigende Losung des Problems von der 
Bedeutung der Schwimmblase aufkommen lassen. 

Es war bisher eine offene Frage, wo und wie die Sauer- 
stoffabscheidung nach dem Binnenraume der Schwimmblase sich 
abspielt und welchen Einflnfi dieselbe auf den Prozentgehalt der 
Schwimmblasenluft an Stickstoff und Eohlensfture ausuben mufi. 

Nach theoretischen Erw^ungen war zunftchst festzustellen, 
welches in der Schwimmblase die SauerstoS abscheidenden 
Organe und welches die Sauerstoff aufnehmenden sind. 

Die Untersuchungen des Vortragendeu haben nun folgende 
Resultate erbracht: 

Es besitzt die Schwimmblase bei den Fischen, wo sie ge- 
sclilossen ist, also keinen Schwimmblasengang aufweist, zwei 
ganz verschiedene Organe, den roten Korper und das Oval. 

Der rote Korper liegt der unteren Schwimmblasenwand 
auf — er ist beim Eroffnen der Schwimmblase sofort an seiner 
roten Farbe zu erkennen — und besteht aus einem euorm ver- 
breiteten und aufierordentlich feinen Blutgefafinetz, das in der 
innersten der drei Membranen, welche die Schwimmblasenwand 
konstituieren, zur Entwickelung gelangt und dessen Maschen 
von Driisenzellen erftillt werden, die zu einem Epithelkorper 
sich zusammenschUefien. 



— 64* — 

Die gewonnenen mikroskopischen Bilder haben nau ge- 
zeigt, daB der rote Korper die fUr die Fuuktionsfslhigkeit der 
Schwiromblase unbedingt erfordeiiiche Sauerstoffdrtise darstellt, 
welche also die Aufgabe hat, den Sauerstoff des Blutes zu ver- 
dichteu and ilin nach dem Binnenraume der Schwimmblase iiber- 
zuf&hren entgegen einem weitaus ii5heren absoluten Partial- 
druck dieses Gases. Demi im Blute betr^t bier die Sauerstoff- 
tension nur Vs Atmospbd.re, wahrend zum Beispiel bei den 
Fischen in den Tiefen des Meeres der Sauerstoff im Schwimm- 
blasenlnmen eine Partialspannung von 40 Atmosphd.ren und 
mehr besitzt. 

In den Blutgefftfien der DrUse gehen die roten Blutkorper- 
chen, die Eleroente des Blutes, unter dem EinfluB der Drtisen- 
zellen — wahrscheinlich dnrch Abscheidnng eines Giftes — zu 
Grunde. Der im vorliegenden Fall hierbei frei werdende Sauer- 
stoff, der vorher an die roten BlutkSrperchen gebunden war, 
ger^t in statu nascendi unter eine relativ sehr hohe Tension 
und zwar nach den Berechnungen des Vortragenden unter eine 
Spannung von zirka vier Atmospharen. Damit ist es unaus- 
bleiblich, daB der Sauerstoff aus den Blutkapillaren nach den 
angrenzenden Driisenepithelien in groBer Dichte iiberdiffundiert. 
Die Driisenepithelien verdichten dann den Sauerstoff noch welter, 
bis er die Spannung im Schwimmblasenluraen erreicht. Demnach 
fUlIt der Anfang der Sauerstoffverdichtung ins Bint und die Be- 
endigung in die Drusenepithelien, bis der Sauerstoff dann schlieB- 
lich in Gasform und in erforderlicher Spannung durch die 
Driisenausftihrungsgange nach dem Schwimmblasenlumen ab- 
geschoben wird. 

Legt man z. B. der Betrachtung den Fall eines Meeres- 
fisches zu Grunde, der sich in 60 m Tiefe aufhalt, so herrscht 
in seiner Schwimmblase ein Druck von 6 Atmospharen — Druck 
von 10 m Wasser =^ 1 Atmosphare. Will nun der Fisch tiefer 
gehen, so kann er dies momentan durch Muskeltatigkeit bewirken, 
will er sich aber auf dem tiefereu Niveau, z. B. in 65 m Tiefe, 
aufhalten, so muB er unbedingt die Schwimmblasenluft vermehren, 
um ihre Spannung auf 6^2 Atmospharen — entsprechend den 
darttber lastenden 65 m Wasser — zu bringen. Denn nur so 
ist er imstande, die GroBe der Schwimmblase, die ja sonst in- 
folge des groBeren AuBendrucks abnehmen wiirde, auf den 



— 66* — 

friiheren Dimensionen zu erhalten, und das ist nach obigen Aus- 
fiihrangen unabweisliches Erfordernis fur die mit einer Schwirom- 
blase ausgerUsteten Fische. Demnach lost im vorliegendeu Falle 
beim Schwlmmen in die Tiefe die Keizung von Nerven die 
T&tigkeit der SaaerstoffdrU»e in der Weise aus, dafi zund.chst 
der Zerfall der roteu Blutkorperchen eingeleitet und dann von 
den Drusenzellen der ihnen bereits unter einem Druck von 
zirka 4 Atmosph&ren zustrOmende Sauerstoff auf eine Spannung 
von 67« Atmospharen gebracht wird. Denn nur in dieser Ver- 
dichtung kann er bei einer Tiefe von 65 m von der Driise nach 
dem Schwimmblasenlumen abgegeben werden und hier die 6as- 
menge vermehren. 

Noch ist zu erwAhnen, dafi bei den Fischen, die keinen 
roten EOrper besitzen, z. B. den Angehorigen des Karpfen- 
geschlechts wie Karpfen, Schleie, Rotfeder, eigenartige, nur 
mikroskopisch sichtbare Zellstrange an der inneren Schwimm- 
blasenflache als Sitz der Sauerstoffabscheidung anzusprechen sind. 

Die entgegengesetzte Funktion wie der rote Korper 
ubernimmt das Oval. Dasselbe ist jedenfalls der flir den Aus- 
tritt des Sauerstoffs aus der Schwimmblase bestimmte Ort, da 
es nach seinem Ban imstande ist, relativ grofie Mengen Gas 
aufzunehmen, und das ist notwendig, wenn der Fisch beim 
Ubergehen in hohere Wasserachichten den Druck der Schwimm- 
blasenluft verringern mufi. Dieses Organ liegt in der hinteren 
Halfte der oberen Schwimmblasenwand und ist bier nach Er- 
offnung der Schwimmblase nur bei genauem Zusehen mit 
blofiem Auge zu erkennen. Es stellt in der inneren Schwimm- 
blasenflache eine ovale Unterbrechung dar, deren Grenzen 
durch einen feinen weifien Saum angedeutet werden. 

Das Oval kann nun durch Wirkung von Muskein geoffnet 
Oder geschlossen werden, so dafi es bald ein grofies Areal ein- 
uimmt, bald ein kleines. Die angestellten Versuche zeigten, dafi 
bei Tieren, die eines natlirlicheu Todes gestorben waren, das Oval 
itark erweitert war, wahrend es sich bei Fischen, die ini vollen 
Besitz ihrer Lebenskrafte plotzlich getotet wurden, auf ein 
Minimum zusammengezogen vorfand. 

Nach dem Gesagten wird also der Fiscli, wenn er nach 
oben schwimmt und sich in dem lioheren Niveau aufhalten 
will, zwecks notwendiger Verminderung der Schwimmblasen- 



— 86* — 

loft das geschlossene Oval mit seiDem aoflerordentlich reichen 
BlutgefaBnetz 5ffneD and bier den in hoher Tension befindlichen 
SaaerstoS ans dem Sckwimmblasenlamen ins Blut Ubertreten lassen. 
Naturlich ist dies als keinebewufiteTsltigkeitdesFischesanzuseben. 

Interessanterweise haben die Fische, die kein Oval be- 
sitzen, einen Schwimmblasengang, der ihnen gestattet, iiber- 
schtissiges Gas aus der Schwimmblase einfach mechanisch zum 
Maule hinaus za entfernen. Oval and Schwimmblasengang 
schliefien sich also gegenseitig ans and sind damit physiologisch 
gleichwertige Apparate. 

Berticksichtigt man schliefilich die erbeblicbe Saaerstoif- 
meuge im Binnenranme der Schwimmblase, so kommt man za 
einem ganz uberraschenden Schlufi. Es mufi die innere Ans- 
kleidang der Schwimmblase unabweislich in der Richtang nach 
aaBen fiir SaaerstoS undarchgangig sein. Anderufalls wUrde 
darch dieselbe anter dem hohen Sanersto&dracke im Schwimm- 
blasenlamen eine so mS,chtige Aafnahme dieses Gases eingeleitet 
werden, dafi wohl keine nar mogliche T&tigkeit der SaaerstoS- 
drttse ihr das Gleichgewicht halten konnte. 

Aaszanehmen von dieser UndarchllLssigkeit fttr SaaerstoS 
ware die innere Uberkleidang des Ovals, die selbstverst^ndlich 
fiir SaaerstoS darchgangig sein mnfi. Dafiir kann aber das 
Oval nach dem Schwimmblasenlnmen bin abgeschlossen werden, 
80 daB, wenn es nicht in Tatigkeit tritt, die Schwimmblase nur 
von sanerstoSundarchlassigem Gewebe ausgekleidet ist. 

Die ganze Tatigkeit der Schwimmblasenorgane, also des 
roten K6rpers and des Ovals, wird oSenbar in der Weise aus- 
gelost, daB einmal bei Aasdehnang der Schwimmblase ttber ein 
gewisses MaB, d. h. beim Schwimmen nach oben, eine be- 
stimmte Art von Nervenfasern in der Schwimmblase gereizt 
wird and OSnung des Ovals and damit SanerstoSaastritt, bezw. 
Ubertritt ins Blat erfolgen. Wird das Volamen der Schwimm- 
blase za klein, d. h. beim Schwimmen in die Tiefe, so wird 
die entgegengesetzt wirkende Art von Nerven erregt and der 
rote Korper znr SaaerstoSabscheidung veranlaBt. 

Nach diesen Erorterungen iiber die Gasvermehrang and 
-Vermiuderung in der Schwimmblase zieht der Redner hieraas 
die Folgeruugen fiir die Funktion der Schwimmblase and zeigt, 
welche Aafgaben dieses Organ dem Fische za erfiillen hat. 



— 67* — 

Zwei Erkl&rungen der Schwimmblase sind es da, die um 
die Oberhand kampfen: Hier Atmungs-, da statisches Organ. 
Letztere Anschauung ist von den meisten Forschern vertreten 
worden; aber auch hier gehen die Meinungen weit auseinander 
und es ist keine Einheitlichkeit in sie za bringen. 

FtLT die AuSassung der Schwimmblase als Atmungsorgan 
haben die Untersachangen des Vortragenden nicht den geringsten 
Anhalt ergeben. Dagegen liegt der Qedanke, daB die Schwimm- 
blase ein statisches Organ vorstellt, sehr nahe. 

Die angestellten Versache beweisen, daB die Fische bei 
den geringsten Ver&nderungen des auf ihnen lastenden Druckes 
eine Anderung der Gr5Be ihrer Schwimmblase erleiden und dafi 
das Volumen der Schwimmblase dem Fischkfirper so angepafit 
ist, daB schon eine VergroBerung derselben um weniger als ein 
F&nftel die Fische an die OberMche treibt. Es l&Bt sich indes 
beweisen, daB die Anpassung noch eine viel genauere ist. 
Man kann nSlmlich beobachten, daB Fische mitten im Wasser 
ruhig dastehen, ohne auch nur eine Flosse zu bewegen. Hier haben 
die Fische ohne Frage das spezifische Gewicht ihrer Umgebung. 

Es mufi demnach die GroBe des mit Gas gefiillten Baumes 
so der Masse des iibrigen Korpers angepaBt sein, daB die Ge- 
samtmasse gerade das spezifische Gewicht des Wassers hat. 
Dieser Zustand ist auch filr das Steigen und Sinken des Fisches 
der gunstigste, denn nun treibt ihn jeder Flossenschlag hinauf 
Oder hinunter. 

Im Fische herrscht Uberali der Druck des umgebenden 
Wassers, denn die Gewebe leiten den Druck wie Wasser. Steigt 
nun der Fisch, so gerat er unter verminderten Druck und (He 
Schwimmblase erweitert sich, der ganze Fisch wird speziflsch 
leichter. Dadurch steigt er von selbst welter. Das 
Umgekehrte flndet beim Sinken statt. Da das Volumen des 
ruhenden oder geradeaus schwimmenden Fisches in alien 
Wassertiefen das gleiche sein muB, erhebt sich die wichtige 
Frage, welche Dienste kann die Schwimmblase dem Fisch beim 
Auf- und Niedersteigen leisten und wie vermag er sie beim 
Ubergang vom Steigen, resp. Sinken zur Ruhe oder znm geradeaus 
Schwimmen wieder auf das alte Volumen zu bringen. 

Was zun&chst den letzten Fall angeht, so ist es klar, daB ein 
Fisch, der im Aufsteigen begriSen war und nun pl5tzlich diese 

5* 



— 68* — 

Bewegang nnterbrechen will, seine Schwimmblase momentan 
verkleinern muB, damit sie aof das Volumen zarttckkehrt, das 
sie Yorher besafi. Denn sonst wtirde er von selbst welter 
stelgen. Dafi bei solch schnellen Volumenswechseln der Schwimm- 
blase die Sauerstoff abscheidenden, resp. aufnehmenden Organe 
derselben nicht in Ansprach genommen werden k5nnen, ist 
gewiB, denn ihre Funktion ist eine relativ za langsame. Da- 
gegen kann der Fisch darch Mnskelkraft seine Schwimm- 
blase zusammenpressen oder darch Erschlaffen erweitem. WiU 
er sich jetzt aaf dem hoheren Niveaa aofhalten, so ist dies 
sogar f&r ihn die einzige Moglicbkeit, dem weiteren Steigen zn 
entgehen, w&hrend ihm, wenn er nach dem Steigen wieder in 
die Tiefe gehen will, selbstverstandlich auch noch die Kraft 
seiner Flossen zu Gebote steht. Aufierdem pafit sich dann der 
neu gewonnenen Hdhe die Schwimmblase durch Sekretion bezw. 
Absorption von SauerstoS an; doch wird, wie gesagt, im An- 
fang immer eine Muskelaktion eintreten mttssen. 

Dieselbe F&higkeit, die Schwimmblase durch Muskelaktion 
zu erweitem oder zu verengern, wird dem Fisch nun auch zu 
statten kommen, wenn er aufsteigen oder sinken will. In der 
Tat kann man beobachten, wie Schleien, Goldfische u.s.w. ohne 
sichtbare Flossenbewegung voUkommen senkrecht steigen oder 
sinken, was wohl nur durch diese Art der Regulierung zu er- 
kl&ren ist. 

Fafit man das Gesagte zusamraen, so ergibt sich: Bei 
pl5tzlichem Hohenwechsel Jlndert der ITisch das 
Volumen seiner Schwimmblase aktiv durch Muskel- 
t&tigkeit. Die endgtiltige Einstellung des Fisches 
auf ein bestimmtes Niveau, auf dem er verharrt, 
ttbernehmen die Organe der Schwimmblase, d. i. roter 
K5rper und Oval. 

Es ist nun evident, dafi dieses VermSgen der Schwimm- 
blasenregulierung durch Muskeltatigkeit nur ein begrenztes ist, 
denn die Kraft der Muskulatur ist beschrankt. Wenn also der 
Fisch durch irgendwelche auBeren Einfltisse tiber die Qrenze, 
bis zu welcher er den Volumensftnderungen seiner Schwimm- 
blase durch Muskeltiitigkeit begegnen kann, hinausgetrieben 
wird, so ist die unausbleibliche Folge, dafi seine willktirliche 
Beweglichkeit aufhort und er nun in die Tiefe versinken bezw. 



— 69* — 

nach der Oberfl&che steigen mufi und zwar mit st&ndig 
wachsender Geschwindigkeit. Ein eklatantes Beispiel hierffir 
bietet der Fang von Tiefseefischen, bei denen beim fortgesetzten 
Heraufziehen die Schwimmblasenloft die Blase entsprecbend dem 
zusebends abnehmenden Wasserdmck derartig ansdehnt, dafi 
die Tiere platzen oder die Eingeweide zam Maule heraos- 
gepreBt werden. 

Der Meeresfisch ist beim Wechsel der Tiefen wesentlich 
aaf den Gebrauch seiner Flossen angewiesen. Daf&r hat aber 
ein solcher Hohenwechsel anch an sich nur eine geringe Wirkung 
an! die passive Erweiternng resp. Verkleinerung der Schwimm- 
blase dnrch den wechselnden Wasserdruck, so dafi der Meeres- 
fisch in den Tiefen seines Elements viel freier in der Anderung 
seiner Hohenlage ist als an der OberflUche resp. der Fisch der 
Binnengew&sser. Differenzen von mehreren Metern Wasser 
werden bei diesen Tiefen keinen in Betracht kommenden Eifekt 
auf die Gr5fie der Schwimmblase ausiiben. Es kommt also fttr 
den Fisch in der Tief e des Meeres nicht die Kraft der Mus- 
kulatnr flir die Grofie der Schwimmblase in Frage, vielmehr 
wird das Schwimmblasenvolnmen hier nnr darch die SauerstoS- 
driise and das Oval regoliert. 

Es ist ferner von der Schwimmblase angenommen worden, 
dafi sie es ist, die die aufrechte Lage des Fisches herbeifiUirt. 
Zwecks Klarstellnng dieser Frage experimentierte und machte 
der Vortragende Schwerpnnktsbestimmungen an fttnf ver- 
schiedenen Fischarten : Barsch, Schleie, Dobel, Plotze and Hecht. 
Die erzielten Resnltate sind dahin zasammenzufassen, da6 bei 
Barsch, Schleie and Dobel die Schwimmblase zum gro£erenTeil die 
obere K5rperh&lfte einnimmt. Infolgedessen mafi sie diese Tiere 
im Gleichgewicht erhalten. Anders bei Plotze und Hecht. Hier 
gibt die Schwimmblase der unteren Korperh&lf te das Ubergewicht, 
so dafi diese Fische nur mit Hilfe der Flossen die aufrechte 
Lage im Wasser bewahren k5nnen. 

Wozu dienen dann aber Rttckeu- und Afterflosse, wenn 
auch ohne sie gewisse Fische mit dem Rticken nach oben zn 
schwimmen vermOgen? Es wird dies an der Hand eines Ver- 
gleichs erl&utert. Segelboote, die eine sehr grofie Segelflache 
besitzen, wUrden bei starkem oder unregelm&fiigem Winddruck 
sehr leicht Gefahr laufen, zu kentern. Um dem vorzubeugen, 



— 70* -- 

l&fit man am Kiel des Bootes eine Holz- oder Eisenplatte, ein 
sogenanntes Schwert, in die Tiefe, um anf diese Weise dem 
starken resp. nnregelm^fiigen Segeldrack einen Gegendruck im 
Wasser bieten za k5nnen. So hat das Boot einen ruhigen, 
gleichm&Bigen Lauf und wird darch knrze Windstofie nicht 
beeintrftchtigt. Analog hierzn funktionieren Rticken- und After- 
flosse bei Barsch, Schleie und Dobel. Hier genligt die Schwimm- 
blase wohl, den Fisch in der Ruhe und bei schwachen Be- 
wegungen im Gleichgewicht zu erhalten, aber bei kriiftigerem 
Schwimmen wtirde er dutch die starken Ruderbewegungen des 
Schwanzes unfehlbar umkippen, wenn nicht Rticken- und After- 
flosse durch ihre Flachenausbreitung diesen energischei*en Be- 
wegungen einen Gegendruck bieten und so ein ruhiges, sicheres 
Schwimmen ermOglichen wttrden. 

Der Schwerpunkt der Schwimmblase liegt vor dem des 
K8rpers, die Schwimmblase also zum groBeren Teil in der 
vorderen Korperhalfte und hierauf ist offenbar die gegen die 
Horizontalebene etwas geneigte Lage zuriickzuf tihren, die die Fische 
im Wasser bei absoluter Ruhe der Flosseu einnehmen. Man wird 
stets finden, daB die Fische, gleichgUltig ob sie einfache oder 
doppelte Schwimmblasen haben, beim sogen. „Stehen" im Wasser 
den Kopf etwas hoher haben wie den Schwanz, z. B. der Hecht. 

Uberlegt man nun die Wirkung, die eine Volumens- 
£lnderung der Schwimmblase bei dieser Lage haben muB, so ist 
es evident, daB z. B. bei Erweiterung dieses Organs die vordere 
K5rperhalfte mehr hiervon betroffen werden muB als die hintere. 
Infolgedessen wird die nur wenig schrUge Lage, die der Fisch- 
kOrper bei der Ruhe im Wasser einnimmt, noch geneigter gegen 
die Horizontalebene werden, wodurch natiirlicherweise der 
Fisch in eine zum Aufsteigen iluBerst gtinstige Lage 
versetzt wird. In entgegengesetzter Richtung spielt sich dieser 
Vorgang ab, wenn der Fisch sinken will. Doch wird hier die 
Kompression der Schwimmblase nur eine beschrRnkte Wirkung 
habefn konnen, denn unter alien UmstHnden wird der Vorder- 
teil des Fischkorpers leichter bleiben als der hintere. Will 
also der Fisch mit dem Kopfe voran in die Tiefe, so muB er 
das durch Tatigkeit der Flossenmuskulatur erzwingen. In der 
Tat beginnt ein solches Absteigen immer mit einem starken 
Schlagen der horizontalen Flossen. 



— 71* — 

Noch mehr ist diese durch die Schwimmblase bedingte 
Erleichterung des Steigens und Sinkens bei Karpfen, Sclileien, 
Rotfedern und einigen and^ren Fischen ansgepr&gt. Bei diesen 
bestebt die Schwimmblase aus einer vorderen and hinteren 
Abteilung, die durch einen SchlieBmuskel von einander ge- 
trennt sind. Ihre Oewebsstruktur la£t mit Sicherheit erkennen, 
dafi diese Tiere durch VolumensHnderungen der vorderen Blase 
den Vorderteil des Korpers spezifisch schwerer oder leichter 
machen und so ein Sinken und Steigen im Wasser bedeutend 
antersttitzen k5nnen. Augenscheinlich hat die Natur diesen 
Vorteil den Fischen gewahrt, die im Gegensatz zu anderen 
sehr voluminos gebaut and daher unbeholfen und zum ge- 
schickten Schwimmen weniger geeignet sind, ftir die also die 
geringe ungleiche Verteilung der Schwimmblase auf die vordere 
und hintere Korperhalfte fiir den vorliegenden Zweck allein 
nicht ausreichend gewesen wUre. 

Auch zwei Familien von Fischen mit einfachen 
Schwimmblasen besitzen besondere Einrichtungen an diesem 
Organ, durch die sie sich das Aufsteigen und das Hinabgehen 
in ihr Element erleichtern; es sind dies die Welse und die 
Schlangenfische (Ophidiiden). Erstere verfiigen am ersten 
Wirbel rechts und links tiber je einen mit diesem durch ein 
Gelenk verbundenen Knochenfortsatz, letztere Uber einen solchen 
an der Basis des zweiten Wirbels und mit Hilfe dieser sind sie 
durch die Tatigkeit besonderer Muskeln in der Lage, den 
vorderen Teil der Schwimmblase verengern und erweitern zu 
konnen. Dieser Apparat ist augenscheinlich wieder bei solchen 
Fischen vorhanden, die ohne ihn stets einen gewissen Kampf 
mit ihren nicht proportionalen Korperkraften — es sei nur an 
den schweren Kopf der Welse erinnert — zu bestehen haben 
wurden. Er wird diesen Tier en dieselbe Aufgabe erf iillen wie die 
vordere Schwimmblase den Angehorigen des Karpfengeschlechts. 

Nach dem Gesagten la6t sich die Bedeutung der Schwimm- 
blase der Fische in folgendem kurzen Uberblick prazisieren: 

In der Schwimmblase sind dreierlei Vorrichtungen vor- 
handen, unter deren bestimmendem Einflu6 das Gasgemenge 
dieses Organs steht 

1. Die Gasdrllse, der sogenannte rote Korper, drUckt den 
SauerstoS, der allein bei einer Yermehrung der Schwimmblasen- 



— 72* — 

laft in Betracht komnit, vom Blnte nach dem Biunentaum der 
Schwimmbiase. 

2. Die Verrainderung der Schwimmblasenluft wird er- 
moglicht bei den Fischen mit geschlossener Schwimmbiase im 
Oval durch Sauerstofflibertritt ins Blut, bei den anderen durcli 
Aasscheidung von Laft durch den Schwimmblasengang. 

3. Die innere Schwimmblasenauskleidung (Plattenepithel) 
ist fiir Sauerstoff undurchlassig. 

Durch diese regulierende Tfttigkeit der Schwimmblasen- 
organe wird der auf den Fisch einwirkende wechselnde Wasser- 
drnck in der Weise paralysiert, daB in alien Wassertiefen das 
Volumen des Fisches das gleiche und sein spezifisches Gewicht 
gleich dem der Umgebung, also = 1, ist. 

31. Oktober 1903. 

Vorsitzender : Dr. August Knoblauch. 
Oberlehrer Dr. Th. Neumann spricht iiber 

„Giftschlangen und Schlangengift." 

Zu alien Zeiten und wohl bei fast alien Volkern haben die 
Schlangen die Aufmerksamkeit der Menschen in hohem Grade 
auf sich gezogen. Wir finden sie in Sprichwortern und Redens- 
arten; sie erscheinen in den MSlrchen und Sagen als redende, 
handelnde Personen; bis in unsere Tage spielen sie im Aber- 
glauben der Leute eine nicht unbedeutende RoUe ; ja, bei 
manchen wilden Volksstjlmmen sind sie sogar die Trftger reli- 
gioser Gebrauche und man erweist ihnen g5ttliche Ehren. 

Der Umstand, dafi manche Schlangen durch ihren Bi6 Tod 
und Verderben bringen konnen, hat am meisten zu Fabeln und 
Ubertreibungen Veranlassung gegeben. Dies ist um so beklagens- 
werter, als dadurch nicht allein der Unwissenheit und dem 
Aberglauben neuer Vorschub geleistet worden ist, sondern weil 
gerade hier mehr als sonst die Unschuldigen mit den Schuldigen 
leiden miissen. Fiir viele scheint es uberhaupt gar keine gift- 
losen, unschadlichen oder gar niitzlichen Schlangen zu geben; 
fiir sie ist eben jede Schlange eine Giftschlange und manch 
harmloses, ja niitzliches Tier, das sich noch lange seines Lebens 
hatte freuen konnen, wenn die Wahrheit bekannt gewesen ware, 



— 73* — 

ist so dem Vorurteiie, dem Basse and der Unwissenheit zam 
Opfer gefallen. 

SelbstverstHndlich gilt ja f Qr die Giftschlangen vieles, was 
auch fUr die giftloseD, ftlr die Schlangen im allgemeinen richt.ig 
ist. So zeicbnen sich alle darch den spitz zulaofenden Schwanz 
and die F^higkeit aus, ihr Maul aaBerordeDtlich weit za dSnen. 
Aach der Baa der WirbeMale and deren grofie seitliche Be- 
weglichkeit, die Art and Weise, wie sie die Rippen and die 
Baachschilder zar Fortbewegang gebraachen, wie die Z&hne 
(nicht die Giftz&hne) im Rachen angebracht sind and verwendet 
werden, wie die Zange gebaat ist and die Dienste eines Tast* 
organs verrichtet, dies alles stimmi bei giftlosen and Giftschlangen 
im allgemeinen fast vollig Uberein. 

Um so mehr Berechtignng hat die Frage, woran man die 
Giftschlangen mit Sicherheit als solche erkennt. Weder der knrze, 
dicke Korper, noch der scharf dreieckige Eopf, noch der rasch 
spitz zalaafende Schwanz finden sich nar bei Giftschlangen, 
and was man von dem farchteinfl56enden, gefahrdrohenden, mit 
Zaaberkraft begabten Blicke dieser Wesen seit alters gesagt 
bat, gehort vollends in das Reich der Fabel. Es mag an alien 
diesen Angaben etwas Wahres sein; keines der erw&hnten 
Merkmale aber geniigt zar erforderlichen zweifellosen Fest- 
stellang, was ftlr ein Tier wir vor nns haben, and so bleibt 
nar noch ein, dafUr aber aach am so antrUglicheres Kennzeichen 
ilbrig, der Besitz der GiftzUhne oder des gesamten Giftapparates. 

Wie die Giftdrttse wahrscheinlich eine Art modifizierter 
SpeicheldrOse ist, so darf man das Schlangengift selbst mit dem 
Mandspeichel vergleichen, ja es wird von vielen Chemikern and 
Physiologen geradeza als eine Art Speichel angesehen, der nach 
and nach seine gefahrdrohenden Eigenschaften angenommen hat. 
Diese Ansicht wird darch den Umstand bestfttigt, da£ es Gift- 
schlangen gibt, deren BiB, obgleich schmerzhaft and von nnan- 
genehmen Folgen begleitet, nicht gef^hrlicher ist als der Stich 
eines Skorpions oder einer Homisse. Das Gift sieht in den 
meisten Fftllen sehr nnschnldig aas, eine wasserklare, oft leicht 
bewegliche, zaweilen aach z&he gelbliche oder grttnliche Flussig- 
keit ohne G^rach and Geschmack, die blanes Lackmaspapier 
rOtet and dadarch ihren sanrea Charakter verr&t. Uber seine 
chemische Zasammensetzang steht so viel fest, dafi es za den 



— 74* — 

EiweiBkdrpern gehort and dafi es aus zwei Hauptbestandteilen 
gebildet ist, deren einer zu den Peptonen gerechnet werden 
mafi, wfthrend der andere grofie Ahnlichkeit mit Globulin auf- 
weist. Jeder einzelne besitzt aber nocli seine eigentUmlichen 
Eigenschaften und Fd.higkeiten, die uns notigen, beide doch als 
ganz besondere, fiir sich stehende und fftr sich zu betrachtende 
K5rper anzusehen. 

Beide lassen sich ohne grofie Schwierigkeit aus dem 
Schlangengift gewinnen, wenn man dasselbe, in etwas destilliertem 
Wasser gelost, in einen Zylinder bringt, dessen unteres, offenes 
Ende mit tieiischer Blase uberbunden ist und in einem anderen 
mit Wasser geftiUten Gefafi stebt. Das Pepton geht dnrch die 
durchld,ssige Scheidewand hindurch, das Globulin bleibt als weiSe 
Masse zurUck, die sich leicht wieder in ein wenig Salzwasser 
auflost. Aus beiden Substanzen IslBt sich durch Mischung das 
ursprtingliche Gift wieder herstellen. 

Versucht man nun, die Wirkung der Einzelbestandteile auf 
den tierischen oder menschlichen Korper festzustellen, so ergibt 
sich das Folgende. Das Peptongift (oder Giftpepton) bringt an 
der Bifistelle selbst nur unbedeuteude Ver^nderungen hervor; 
um so tiefgreifender ist aber seine Einwirkung auf die Gesamt- 
heit des Nervensystems. Von der Wunde an bis zum Zentral- 
nervensystem werden die kleinen wie die grofien Nervenstrange 
von einer Lilhmung befallen, die sich oft mit grauenhafter 
Schnelligkeit verbreitet und die Ursache davon ist, daB alsbald 
ein fuichtbarer Kraf teverfall eintritt, der den Tod zur Folge hat. 
Namentlich werden die Nervenzentren davon betroffen, die die 
Atembewegung beeinflussen und regeln, so daB der Mensch oder 
das Tier, das mit solchem GiftstoS behandelt worden ist, geradezu 
den Erstickungstod sterben muB. 

Ganz andere Wirkung iibt der zweite Hauptbestandteil 
des Schlangengiftes, das Globulingift (oder Giftglobulin), aus. 
Wahrend beim normalen Tiere die BlutgefaBe fiir die Blut- 
flussigkeit vollstHndig undurcliliissig sind und die letztere selbst 
sofort gerinnt, sobald sie mit der Luft in Beriihrung kommt, 
hebt das Globulin des Schlangengiftes beide Eigenschaften sofort 
auf, sowie es auch nur in winziger Menge mit dem Blute, also 
an einer BiBstelle, in Beriihrung kommt, und diese Einwirkung 
lindet nicht nur an der Wunde, sondern nRher und weiter ent- 



— 76* — 

ferut davoii, in schweren Fallen uberall im Korper an hunderten 
YOU Stellen, statt, so dafi es erscheint, als ob der Mensck oder 
(las Tier an innerer Verblutaug zagrunde gegangen w&re. Im 
Geliirn, in der Lunge, in der Leibeshohle, tiberall ist das Blut 
ans den Gef^fien darch die W&nde derselben in die nmliegenden 
Gewebe getreten and ttberall hat es die F&higkeit verloren, zu 
gerinnen, so dafi aucb hier der Tod in vielen Ffiilen eine unans- 
bleibliche Folge ist, streng genommen wieder ein Tod darch 
Ersticken, aber nicht ans denselben Gr&nden, wle im ersten 
Falle, sondern weil die Lange mit Blut gefftllt and somit das 
Atmen unmoglich gemacht ist. 

Nun enthillt das Gift der Cobra und mit ihr vieler anderer 
Schlangen Asiens und Afrikas etwa 98 Prozent Pepton, das der 
Kreuzotter und der Klapperschlange etwa 5 Prozent, wobei in 
jedem Falle der andere GiftstoS den Rest bihlet. So kommt 
es, da6 man leicht auf den ersten Blick schon an den ortlichen 
und allgemeinen Symptomen erkennen kann, welche Schlangenart 
gebissen hat. Allerdings hangt die Wirkung eines Sclilangen- 
bisses noch von gar vielen begleitenden Umstanden ab, von 
der Grufie und dem Alter der Schlange, von der BeschaSenheit 
des gebissenen Menschen oder Tieres, von der Stelle, wo die 
Wunde liegt, von der Witterung, der Jahreszeit u.s.w., nicht 
zum wenigsten auch von der Willenskraft, mit der der gebissene 
Mensch den lahmenden Einfltissen des Giftes Widerstand zu 
leisten entschlossen ist. 

Die Zahl der Gegenmittel ist Legion. Hierbei ist zu be- 
nicksichtigen, dafi es in der Tat eine Reihe Chemikalien gibt, 
die die Wirkung des Schlangengiftes aufheben; einmal sind sie 
aber gewdhnlich nicht zur Hand, wenn weit draufien im Walde 
oder Gebirge jemand gebissen worden ist; ja selbst wenn sie 
angenblicklich bei der Hand sind und so rasch als moglich zur 
Anwendnng gebracht werden, so hat doch in Bruchteilen von 
Sekunden das Gift schon hinreichend die Moglichkeit gehabt, 
seinen unheilvollen EinfluB auszuftben, und die Hilfe kommt zu 
spat ; andererseits aber zerstoren viele solcher Mittel nicht nur 
das Gift, sondern zugleich auch die Gewebe, mit denen sie in 
BerQhrung gebracht werden, und so sind sie schlimmer als nutzlos. 

Am besten hat sich noch Alkohol in grofien Mengen, 
auBerlich wie innerlich, bewahrt, streng genommen, nicht als 



— 76* — 

Gtegenmittel, sondern nur als Stimulans f&r die Nerven, die ja 
durcb das Gift in einen Zastand der Schw&che versetzt, ge- 
l&hmt worden sind and meist im Begriff steben, ihre Td,tigkeit 
ganz einznstellen. 

Gegen die Wirknng des Schlangengiftes anf das Blat 
gibt es bis jetzt noch kein wirklich verl&fiiiches Mittel. Vielleicht 
gelingt es spftter einmal, die Serumbehandlung auch auf diesem 
Gebiete anzuwenden, denn man liat schon festgestellt, dafi 
Tiere, die zwar gebissen worden waren, sich aber erholt 
batten, sp&ter gegen weit grofiere Mengen Schlangengift un- 
empfindlicb blieben und dafi ibr Blat, in andere Tiere ein- 
gespritzt, immunisierende Eigenscbaften aufwies. 

7. Noyember 1903. 

Vorsitzender : Dr. Angnst Knoblaacb. 

Prof. Dr. M. Mobias spricht iiber 

„Die Flora des SiiBwassers." 

Wobl nirgends prftgt sicb der Cbarakter einer Pflanzen- 
genossenscbaft so dentlicb aus wie in der Vegetation eines 
Teicbes oder Sees and zwar wegen der ziemlicb scbarf ge- 
zogenen Grenzen and wegen der Gleicbbeit der von der 
Feachtigkeit bestimmten Lebensverhaltnisse. Von der Pilanzen- 
welt des Meeres anterscbeidet sicb die des Sttfiwassers wesent- 
licb sowobl darcb die verscliiedenen Lebensbedingnngen als 
aacb darcb die verscbiedenen Bestandteile, indem bier die 
BlUtenpflanzen eine viel grofiere Rolle spielen als dort. An 
jedem grSfieren See k5nnen wir drei Gruppen in der Vege- 
tation nnterscheiden : den Ufergttrtel oder das litorale Gebiet, 
dessen antere Grenze bestimmt wird darcb das Eindringen der 
Liclitstrahlen and dessen Pfianzen meistens im Boden fest- 
wurzeln; zweitens das profande Gebiet, das von der unteren 
Grenze des ersteren an die Tiefe des Sees einnimmt and nnr 
aasnabmsweise Pflanzen entb^lt, and drittens das pelagiscbe 
Gebiet, das des freien Wassers, in dessen oberflS.cblicben 
Scbicbten die meistens mikroskopiscb kleinen Algen, das so- 
genannte pflanzlicbe Plankton bildend, schweben. Die grofieren 
freischwimmenden Bliitenpflanzen wie aacb die Wasserlinsen 
finden sicb bei gr5fieren Seen nar in der Nftbe des Ufers, ge- 



— 77* — 

hdren also zam litoralen Gebiet, dessen Vegetation am mannig- 
faltigsten und dessen Flora am artenreichsten ist. Hier konnen 
aach noch verschiedene TiefengBrtei unterschieden werden. 

Es wird unu versucht, die Vegetation in ibren wiclitigsten 
Vertretern zu schildern mit Hilfe von lebendigen und getrock- 
neten Pflanzen, Pr&paraten and Abbildungen, wobei baupt- 
s&chlicb die Verh&ltnisse unserer Gegend oder wenigstens 
Mitteleuropas ber&cksichtigt, die ferneren Zonen nnr gelegentlich 
erwsLbnt werden. Es wird ferner hingewiesen aof die Unter- 
scbiede zwiscben der Pflanzenwelt der gr56eren Seen und der 
kleineren Teicbe, SUmpfe, Flttsse und Oebirgsb&cbe. Scbliefilich 
wird nocb der Verbreitung der SUBwasserpflanzen gedacht, die 
baupts&chiich durcb Tiere erfolgt und zu einer auffallend 
weiten Ausdebnuug des Wobnbezirkes vieler Arten f&hrt. 

21. Noyember 1903. 

Vorsitzender : Dr. E. Roediger. 
Dr. F. Romer spricht fiber 
„Die Anpassung der Wale an dasLeben im Wasser'*. 

Es gibt wobl kaum eine Tiergruppe, fiber die so viel Falsches 
und Fabelhaftes berichtet und geschrieben worden ist, wie fiber 
die Wale oder, wie sie in den zoologischen Bucbern meist noch 
beifien, ,Walfi8che^ 

Zun&chst ist schon der Name „Walflsche^ ganzlich falsch, 
denn mit Fischen haben die Wale nichts zu tun; es sind viel- 
mebr echte S^ugetiere, daher hat man in der neueren 
Literatur aucb diesen unpassenden Namen durch Wal tiere 
oder kurzweg Wale ersetzt. Schon auf den ersten Blick er- 
gibt sich bei den Walen eine groBe Abweichung der aufieren 
Gestalt gegenfiber den landbewohnenden S^ugetieren. Die Merk- 
male, welche ein SiLugetier als solches charakterisieren — das 
Haarkleid, die &u6eren Ohren, die Einteilung des Kdrpers in 
Kopf, Hals, Rumpf und Schwanz, die zwei paar GliedmaBen 
sowie das Gebahren von lebendigen Jungen, welche von der 
Mutter gesd,agt werden, — sind bei den Walen scheinbar gar 
nicht vorhanden oder nur schwer zu beobachten. Ihr Korper 
hat eine spindelformige, fischahnliche Gestalt, ein abgesetzter 
Hals fehlt, der Kopf geht allm&hlich in den Rumpf und dieser 



— 78* — 

wieder ebenso UDmerklich in den Schwanz tkber ; von den Glied- 
maBen fehlen die hinteren GliedmaBen vollstandig, w&hrend die 
Yorderbeine zu Flossen umgewandelt sind, die Haut ist g&nziich 
haarlos und auBere Ohrmuscheln sind nicht vorhanden. 

Das Wasserleben Jiat die &nBere Gestalt sowie auch die 
inneren Organe der Wale md^chtig beeinfluBt und abgeaudert, 
daher audi das sp&te Erkennen ihrer wahren S&ugetiernatur 
and ihrer richtigen Stellung im System der Wirbeltiere. 

Die Umanderungen, welche die einzelnen Organe durch 
den EinfluB des Wasserlebens eriitten haben, warden im einzelnen 
n&her besprochen. Redner gab in seinem Vortrag eine Zasammen- 
fassang der neaeren Waiarbeiten, welche von Professor 
W. Ett ken thai and seinen Schiilem in den letzten zehn Jahren 
geleistet worden sind. Professor W. KUkenthal hat auf seinen 
beiden Reiseu im nordlichen Eismeer in den Jahren 1886 and 
1889 ein grofies und seitenes Material an Walorganen and 
Walembryonen gesammelt und an demselben die einzelnen Teile 
des Walkorpers bearbeitet oder von seinen Schiilern bearbeiten 
lassen. Sodann hatte auch der Vortrageude selbst Gelegenheit, 
an den norwegischen Walstationen die Verarbeitung der Wale 
mitzumachen und durch Sektionen an Riesenwalen den Bau des 
Riesenwalkorpers aus eigener Anschauung kennen zu iernen. 

Zahlreiche Wandtafeln mit Abbildungen von Walen and 
einzelnen Organen, Schadel und ausgestopfte Tiere waren zur 
Erl&uterung des interessanten Yortrages ansgestellt. 

28. November 1903. 

Yorsitzender : Dr. August Knoblauch. 

Yor Eintritt in die Tagesordnung ergreift der Yorsitzende 
das Wort zu einer bedeutungsvollen Mitteilung: 

Ihre Maje8tiit die Kaiserin und Konigiu haben soeben 
auf Wnusch Sr. Majestat des Kaisers das Protektorat fiber 
die Senckenbergische Naturforscheude Uesellschaft fiber- 
iiommen. 

Diese hohe Auszeichnung ist ein Zeichen der 
Allerhochsten Anerkennung der wissenschaftlichen 
Leistungen der Seuckenbergischen Gesellschaft, 
auf welche diese selbst und unsere gesamte 



— 79* — 

Vaterstadt stolz sein dtirfen. Der Vorsitzende ver- 
iiest die kaiserliche Kabinetsordre vom 23. Novem- 
ber and ein Schreiben aus dem Kabinet derKai serin, 
welche bei der Yersammlung eine begeisterte Auf- 
nahme finden. 

Hierauf spricht der Direktor des Zoologischen Gartens 
Dr. A. Seitz fiber 

,,eine Reise in die Nilghiri-Berge in Vorderindien.* 

Nach einer herrlichen Reise bis Ceylon auf dem Dampfer 
,,Bremen" vom Norddeutschen Lloyd, einem der besten Schiffe 
der Erde and mit dem durch seine liebensw&rdige Frenndlich- 
keit and Fttrsorge geradezu berubmten Kapit^n Nierig ging die 
Reise auf der sehr m^6igen englischen „Ethiopia^ bis zur 
Hafenstadt Tuticovin. Ein lingerer Aufenthalt in dieser fast 
nur von Schwarzen bewohnten Stadt ist fur den Europ&er kaum 
moglich und die Uragegend bietet so wenig Sch5nes wie die 
ganze Strecke bis Madras. Wer sich Indien als ein m&rchen- 
haftes Zauberland vorsteilt, wird arg enttHuscht sein und mit 
Betrfibnis den furchtbar schweren Kampf wahrnehmen, den der 
Mensch dort urn seine Existenz ffihrt. Redner sab Kinder 
und junge Weiber im tropischen Sonnenbrand ihr Brot mit 
Steinklopfen an Chausseen verdienen und Hungersnot und Pest 
drlickeu der Bevolkerung den Stempel uns£lglichen Elends auf. 
Von dem cwig heiteren Blick der tippigen Bewohner Ceylons 
ist in Sudindien keine Spur zu finden. Ganz besonders die 
Weiber machen einen kfimmerlichen Eindruck, worin der Vor- 
tragende vornehmlich eine Folge der Uberfruhen Heiraten sieht ; 
die Kindersorgen und schwere Arbeit der selbst noch kindlichen 
Mutter lassen die zum Wachstum und zu kraftiger Entwickelung 
DOtigen Krafte gar nicht aufkommen. AuBerst hinderlich im 
Verkehr and aaeh fftr die europaischen Ansiedler, die mit Ein- 
geborenen zu arbeiten haben, sehr lastig ist das Kastenwesen. 
Die Verschiedenheiten der Abzeichen lassen auf eine groBe Anzahl 
von Gruppen schlieBen, die sich sozial vielfach gegeniiber und ira 
Wege stehen. Kein Angeh5riger einer hohen Klasse darf von 
einem Manne niederer Easte etwas annehmen und selbst die 
von den Fremden — die als unrein gelten — wfthrend der 



— 80* — 

Hungersnot gelieferten Viktuaiien werden von den Vornehmen 
aus religiosen Griinden verschmaht. 

Als nach mehrt&giger Reise die Nilghiri-Berge erreicht 
waren, bezog Dr. Seitz einen Bangalo in den „ Tiger bergen^, 
deren reiche Tier welt eingehend geschildert wird. An iand- 
schaftlichen Schonheiten ist diese Gegend reicli und die obere 
Terrasse des Plateaus wird von einem dem der Ebene nn&hn- 
lichen Menschenstamme, den Toda, bewohnt. Sprache und Sitten 
haben mit denen der Hindu nichts zu tun und kennzeichnen die 
Toda als eine inferiore Rasse, in der manche die Reste einer 
einst weit verbreiteten Urrasse zu finden glaubten.. Bei seinen 
Versuchen, mit Hilfe indischer Fuhrer in das Toda-Gebiet welter 
einzudringen, stiefi Dr. Seitz auf hartn&ckigen Widerstand. 
Zur Illustration des Vortrages waren Vertreter der Nilghiri- 
ITauna aufgestellt und eine von Dr. Seitz zusammengebrachte 
KoUektion buntfarbiger Schmetterlinge aus den „Tigerbergen" 
wurde dem Senckenbergischen Museum vom Vortragenden als 
Geschenk tiberwiesen. 

Zum Schlufi dankt der Vorsitzende dem Redner fur seinen 
interessanten, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag und 
fur seine hochherzige Schenkung, welche die Schmetter- 
lingssammlung des Museums in sehr wUnschenswerter Weise 
erganzt. 

5. Dezember 1903. 

Vorsitzender : Dr. August Knoblauch. 

Professor Dr. W. Ruppel aus Hochst a. M. spricht 
ttber die 

^Biologie der Tuberkelbazillen.** 

Die bakteriologische Forschung beschr^nkte sich anf&nglich 
auf den Nachweis der Mikroorganismen und auf das Studium 
ihrer morphologischen Eigenschaften. Mit dem stetigen Fort- 
schreiten der jungen Wissenschaft traten indessen sehr bald 
wichtige Fragen in den Vordergrund, zu deren Beantwortung 
ein eiugehendes Studium der Lebensvorgange in jenen kleinsten 
aller Lebewesen erforderlich war. Schou die Isolierung und die 
Ziichtung der Bakterien auf kiinstlichen Nahrboden machten es 
notwendig, die fur jede Bakterienart giinstigsten Wachstums- 
und Ziichtungs-Bedingungen ausiindig zu macb^n. Die Ver&nde- 



— 81* — 

rungen, welche viele Bakterienarten in den ihnen dargebotenen 
k&nstlichen Nsirhrsubstraten hervorriefen, waren weiterhin so 
aogenf&lliger Natnr, dafi hierdnrch die bakteriologischen Arbeiten 
immer mehr in biologische Bahnen gelenkt warden. Man er- 
kannte sehr bald, dafi den Mikroorganismen nicht nur ana- 
lytisch abbanende Oder spaltende, sondern auch synthetisch 
aufbauende, nenschaSende Er&fte innewohnten. Diese Studien 
verschaSten uds einen Einblick in das Wesen der G&ruDg und 
der Fanlnis. Bei der Garnng werden die Kohlenhydrate und 
zwar vomehmlich der Zucker durch die Lebenstatigkeit der 
Hefezellen in Alkohol und Eohlensanre zerlegt, w&hrend bei 
der FiLulnis die Eiweifikorper unter dem Einflufi bakterieller 
Zersetzung in tiefgreifender Weise gespalten werden, so dafi 
das kompliziert zusammengesetzte Eiweifimolektil schliefilich in 
chemisch wohl defiuierbare, kristalliniscbe Substanzen zerfallt, 
welche gewissermafien als die Bausteine des grofien Eiweifi- 
molekuls anzusehen sind. Neben diesen Bruchstticken des Ei- 
weifimolekQis aber fanden sich in gefaulten Materien Ver- 
bindungen vor, welche man nicht ohne weiteres als Zerfalls- 
produkte der Eiweifikorper ansprechen konnte, sondern welche 
man als Neubildungen ansehen mufite. Fiir diese neuen Ver- 
bindungen mufite ebeufalls die Lebenstd.tigkeit der Faulnis- 
erreger verantwortlich gemacht werden und es war hierdurch 
der Beweis geliefert, dafi diesen Mikroorganismen entschieden 
aufbauend oder synthetisch wirkende Erafte zuerkannt werden 
miissen. Die bei den FsLulnisvorgangen neugebildeten Ver- 
bindungen hat man wegen ihrer basischen und toxischen Eigen- 
schaften den pflanzlichen Alkaloiden an die Seite gestellt und 
hat ihnen, ihren Fundorten Rechnuug tragend, die Bezeich- 
Qungen Eadaveralkaloide oder Ptomaine beigelegt. Wahreud 
die Ptomaine hinsichtlich ihrer chemischen Eonstitutiou ge- 
wissen Bruchst&cken des EiweifimolekUls immer noch sehr 
nahe stehen und wegen der relativeu Eiufachheit ihrer Zu- 
sammeusetzung die Zurechnung zu deu pflanzlichen Alkaloiden 
eigentlich wenig verdieueu, treten in den EultuiHiissigkeiten 
anderer Bakterienarten neue Verbiudungen auf, von den en wir 
annehmen miissen, dafi ihr chemischer Bau ein hochst kompli- 
zierter ist. Die Erzeugung der Ptomaine ist aufierdem eine 
Fahigkeil, welche einer ganzen Reihe verschiedener Bakterien- 



— 82* — 

arten gemeinschaftlich zukommt, die Bildang jener komplexeren 
Verbindungen dagegen ist eine rein spezifische in dem Sinne, 
dafi eine bestimmte Verbindung dieser Grnppe immer nor von 
einer ganz bestimmten Bakterienart hervorgebracht werden 
kann. Es sind dies die eigentlichen Bakteriengifte oder Toxine, 
von welchen das Dipbtherietoxin and das Tetanustoxin binsicht- 
lich ihrer physiologischen nnd toxikologischen Eigenschaften 
am genauesten studiert worden sind. Die Toxine sind vor 
alien anderen bisber bekaunten mineralischen oder pflanzlichen 
GiftstoSen durcb eine liervorragende Giftigkeit ausgezeichnet. 
Sie vermSgen in ganz erstaunlicben Verdunnnngen bei Ver- 
suchstiereu schwere Vergiftungserscbeinnngen anszulQsen and 
diese Vergiftungserscheiuungen bieten dasselbe Erankbeitsbild 
dar, wie es eine Infektion mit dem entsprechenden lebenden 
Bakterium veranlafit, welchem das betreSende Toxin seine 
Bildung verdankt. Verleibt man einem Organismus die Bak- 
terientoxine in allmablich ansteigenden Dosen ein, so erlangt 
derselbe hierdurcb Giftfestigkeit oder Immunitat and zwar so- 
wohl gegen das betre&ende Toxin als auch gegenUber einer 
Infektion mit dem entsprecbenden Erreger. Bei dieser Gift- 
bebandlung treten im Blute der immunisierten Tiere die 
entsprechenden Gegengifte oder Autitoxine anf, d. h. das 
Blutserum der Tiere gewinnt die Fahigkeit, das zur Vorbe- 
handlung benutzte Toxin sowohl in vitro wie auch im Organismus 
eines anderen Individuums unschadlich zu machen. Durcb die 
Studien der letzten Jahre sind die quantitativen Beziehungen 
zwischen Toxiuen uud Antitoxinen in scharfster Weise fest- 
gelegt worden. Die Bestimmung der Giftigkeit eines Toxins 
und die Bewertung der Antitoxine sind analytische Operationen, 
welche man heutzutage mit Hilfe des Tierexperiments bis zu 
demselben Grade der Genauigkeit ausfuhren kann, wie der 
Chemiker den Gehalt einer Saure- resp. Alkali-Losuug durch 
Titration mit Hilfe eines beliebigen Indikators bestimmt. Die 
Erfolge der Gift- und Antitoxin-Bewertung verdienen um so 
mehr anerkannt zu werden, als man weder Toxine noch Auti- 
toxine bisher in reiner Form herzustellen vermochte. Die Bak- 
teriengifte z. B. besitzen und verwenden wir nur in Form der 
Kulturfliissigkeiten oder allenfalls in Form von Niederschlagen, 
welche man durch AlkohoL Neutralsalze oder andere Fallungs- 



— 83* — 

mittel in diesen Kultarflttssigkeiten erzeugen kaun. Alle diese 
Prsirparate bilden Gemenge der heterogensten Substanzen wie 
Eiweifikorper, Salae, Kohlenhydrate, welche fast ausnabmslos 
dem angewandten N&hrmaterial eDtstammen und unter denen 
das betrefiende Toxin quantitativ jedenfalls nur eine sebr ge- 
ringe Menge ausmacbt. Die Abscheidung der Toxine von diesen 
Stoffen woUte bisher auf keinerlei Weise geliugen. Uber die 
eigentliche chemische Natur der Toxine wissen wir infolge- 
des^en so gut wie nichts und es ist vollkommen willkiirlich, 
die Toxine einer bestimmteu Kategorie chemischer Verbindungen 
unterordnen und sie beispielsweise, wie dies tatsacblich ge- 
schehen ist, den Eiweifikorperu an die Seite stellen zu wollen. 
Die Bezeicbnung der Bakteriengifte als Toxalbumine entbehrt 
bis jetzt noch jeder Begriindung. 

Unter den Bakteriengiften nimmt das Toxin der Tuberkel- 
bazillen eine Ausnahmestellung ein. £s unterscbeidet sich von 
den Toxinen der Diphtherie und des Tetanus durcb seine 
streug spezifiscbe Reaktion. Wahrend namlich das Diphtberie- 
gift und das Tetanusgift ibre eminente Giftigkeit aucb bei nor- 
malen, voUig gesunden Individuen entfalten, ist das Tuberkulose- 
toxin gesunden Menscben und Tieren gegenilber ein relativ 
indifferenter StoS, welcber fast keine Giftreaktioneu auszuloseu 
Termag. Solcbe Individuen dagegen, welcbe Tuberkelbazillen 
in ihrem Organismus beherbergen, also tuberkulos erkraukt 
sind, reagieren auf ungemein geringe Dosen des Giftes mit 
typischen, speziiiscben Vergiftungserscbeinungeu. Es gelingt, 
taberkuiose Versucbstiere mit Dosen von Tuberkulosetoxin zu 
toten, welcbe bei normalen Tieren obne jede Reaktion ver- 
tragen werden. 

Fernerhin ist das Tuberkulosetoxin im Vergleich mit den 
ttbrigeu Bakteriengiften ein gegen alle cbemiscben uud pliysi- 
kalischen EingriSe verbal tnismafiig widerstandsfahiger Korper. 

Diesen beideu Eigenscbaften baben wii* es zu dankeu, daii 
wir iiber die cbemiscbe Natui* des Tuberkulosetoxins nicht 
mebr im Zweifel sind, sonderu uns wolilbegrtiudete Kenutuisse 
seines cbemiscben Baues verscbaSeu kounten. 

Das Tuberkulosetoxin wurde im Jalire 1890 von Robert 
Kocb, dem Entdecker des Tuberkelbazillus, in deu Kultur- 
flussigkeiten der Tuberkelbazillen uachgewiesen. Es tindet seit- 

6* 



— 84* — 

dem in der Form des Kochschen Tuberkulins eine ans- 
gedehnte AnwenduDg in der menschen- und tierftrztlichen 
Praxis, wo es zur diagnostischen Feststellang der Taberkolose, 
aber auch als Heilmittel benutzt wird. Das Kochsche 
Tuberkulin ist keine einheitliche Substanz, es bildet ein 6e- 
misch aller moglichen Stoffe, die dem zur ZUchtuDg der 
Tuberkelbazillen benatzten N&hrmaterial entstammen. Das 
eigentliche Tuberkulosetoxin, auf welchem die spezifische 
Reaktion des Tuberkulins beruht, ist hier nur in sehr ge- 
ringer Menge vorhanden. Diesem Umstande ist es zuzu- 
schreiben, dafi die Versuche, das Tuberknlosetoxin aus dem 
Tuberkulin zu isolieren, anfd.nglich fehlschlugen, wiewohl 
sich Autoritaten wie der verstorbene Physiologe Eiihne 
in Heidelberg mit diesem Problem befafiten. Das Resultat der 
Untersucliungen K & h n e s war fast y511ig ergebnislos. Er f and, 
dafi die Veranderungen, welche die Tuberkelbazillen in ihrem 
fltissigen N&hrboden hervorrufen, aufierst geringe sind. Eine 
geringe Zunahme an echtem Pepton, das Auftreten eines roten, 
dem Tryptophan {Lbnlichen FarbstoSes und einer durch Essig- 
saure fd,llbaren Substanz, welch letztere aber gleichfalls, wie 
spd.ter gefunden wurde, dem zur Herstellung des NHhrbodens 
verwendeten Witteschen Handelspepton entstammte, dies waren 
die einzigen Unterschiede, die E U h n e beim Vergleich des Tuber- 
kulins mit der urspriinglichen Nahrfliissigkeit konstatieren konnte. 
Aus diesem Grunde wandte man sich naturgemafi der Untersuchung 
der Leibessubstanz der Tuberkelbazillen selbst zu. Hierbei 
fand man nun bald die Erkl^rung fUr die Tatsache, dafi von 
den im Zellinnern der Tuberkelbazillen enthaltenen I5slichen 
Sto&en nur so geringe Mengen in die Kulturfliissigkeiten ge- 
langen k5nnen. Die Tuberkelbazillen sind nS,mlich umgeben 
von einer Fett- resp. Wachsschicht, welche fiir FlUssigkeiten 
fast undurchdringlich ist und welche aufierdem die grofie Wider- 
standsf&higkeit der Bazillen gegen chemische und physikalische 
Eingriffe bedingt. Durch die Anwendung der kraftigsten Fett- 
loser wie Alkohol, Ather, Chloroform und Benzol gelingt es, 
die Tuberkelbazillen von ihrem Wachspanzer zu befreien. Der 
Gehalt der Bazillen an Fett resp. Wachs betragt 25 bis 30 
Prozent der Trockeusubstauz der Bazillenleiber. Die chemische 
Untersuchung dieser Substauzen ergab, dafi sich das Tuberkel- 



— 85* — 

bazillen-Fett in charakteristischer Weise von den Fetten 
tierischen oder pflanzlichen Ursprnngs nnterscheidet. Wftbrend 
n&mlich die gewobnlichen Fette esterartige Verbindnngen des 
Gljrzerins mit hoberen Fetts^nren und zwar Yornehmlich der 
Palmitin- nnd der Stearinsirare sind, finden sicb anstelle des 
Olyzerins in den Fetten der Tuberkelbazillen hohere, feste, 
kristalliniscbe Alkobole und zwar der Myrizilalkohol und der 
Cerylalkohol, wSlhrend die Fettsauren durcb die Laurinsaure, 
die Palmitins&ure, die Stearins&ure und die Arachins&ure ver- 
treten sind. 

Von wirklicben Glyzeriden sind jedenfalls nur Spuren 
vertreten, denn der Nachweis des Glyzerins in diesen Wacbs- 
massen gelingt nur mit Hilfe der allei*scharfsten chemischen 
Reagentien. Dieses Fehlen der Glyzeride in dem Fette der 
Tuberkelbazillen ist eine um so auffallendere Tatsache, als die 
Tuberkelbazillen ftir ihr Wachstum gerade des Glyzerins un- 
bedingt bedQrfen. Um Tuberkelbazillen auf fliissigem Mhrboden 
zu zQchten, ist es erforderlich, die Nahrbouillon mit 2 — 4 Prozent 
Glyzerin zu versetzen. Dieser Gehalt an Glyzerin erleidet durch 
die fortschreitende Entwickelung der Eultur eine bestd.Ddige 
Abnahme und kann im Verlaufe von vier Wochen bis auf 80 
Prozent des ursprQnglichen Wertes gesunkeu sein. An Stelle 
des Glyzerins aber findet man in der Nahrbouillon eine ester- 
artige Verbindung dieses dreiwertigen Alkohols mit der Phosphor- 
saure, narolich die Glyzerinphosphorsaure vor. Die Aufgabe, 
welche dem Glyzerin fur die Entwickelung der Tuberkelbazillen 
znfallt, wird durch das Vorkommen der Glyzerinphosphorsaure 
in der Kulturflfissigkeit in folgender Weise erklart. Die Tuberkel- 
bazillen fiihren das Glyzerin mit Hilfe der in der Nahrbouillon stets 
anwesenden Phosphate durch einen synthetischen Vorgang in 
Glyzerinphosphorsaure uber, es wird also hierdurch der ur- 
spriinglich anorganisch gebundene Phosphor in organische Bin- 
dung iibergef ahrt ; das Glyzerin spielt hierbei die Rolle eines 
Phosphor- Cfbertr&gers und man konnte aus diesem Befunde be- 
reita a priori schliefien, dafi der Gehalt der Tuberkelbazillen 
an organischen Phosphorverbindungen ein sehr hoher sein 
mtisse. Schon den oben erwahnten Wachsarten war eine ge- 
ringe Mange von phosphorhaltigen Fetten, namlich von Lecithin 
beigemengt. Der durch die Entfettung aufgeschlossene Zellleib 



— 86* — 

der Tuberkelbazillen aber besteht fast ausschliefilich aus orga- 
nischen Phosphorverbindungen, welche hinsichtlich ihrer che- 
mischen Zasammeusetzung den organischen Phosphorverbindangen 
anderer tierischer und pflaDzlicher Zellen ganz analog gebildet 
sind. Als Bestandteile des Zellkerns tierischer und pflanzlicher 
Zellen kennen wir die Nucleine oder Nucleoproteide, welcbe 
s^mtlich als die Derivate einer organischen PhosphorsSlure, 
namlich der NuclemsSlare, aufzafassen sind. Die Nucle'ins&nre 
ist im Zellkern entweder gepaart mit dem Protamin, einem 
basischen StoS, den man neuerdings als das Prototyp des ein- 
fachsten Eiwei6korpers anspricht, oder mit genuinen Protemen 
und Protamin. Die Verbindungen der Nucleinsaure mit dem 
Protamin werden als die echten Nucleine bezeichnet, die 
komplexeren Verbindungen, welche aufier dem Protamin noch 
beliebige Eiweifik5rper in ihrem MolekUl beherbergen, nennt 
man Nucleoalbumine oder besser Nucleoproteide. Ganz analog 
verhalten sich die phosphorhaltigen Verbindungen, welche wir 
in der Leibessubstanz der Taberkelbazillen aufgefunden haben. 
Auch hier findet sich eine Nucleinsaure, welche der Vortragende 
als Tuberkulinsaure bezeichnet hat, und Verbindungen der Tuber- 
kulinsaure mit einem basischen, dem Protamin analog konsti- 
tuierten Stoff und mit genuinen EiweiBkorpern. Wahrend so eine 
yoUige Analogie zwischen den Tuberkelbazillen und anderen 
tierischen und pflanzlichen Zellen besteht, weichen die in den 
Tuberkelbazillen aufgefundenen Verbindungen hinsichtlich ihrer 
chemischen Eonstitution und ihrem physiologischen Verhalten 
nach von den eutsprechenden Verbindungen anderer Fundorte 
sehr bedeutend ab. Vor alien Dingen sind die Verbindungen 
der Tuberkulinsaure durch die spezifische Reaktion des Tuber- 
kulosetoxins ausgezeichnet, und da die Tuberkulinsllure die 
gemeinschaftliche Komponente aller der obengenannten phosphor- 
haltigen Verbindungen aus den Tuberkelbazillen ist, so lag es 
nahe, gerade diese als die Tragerin der spezifischen Reaktion 
anzusprechen, eine Annahme, welche durch die weiteren Unter- 
suchungen durchaus best^tigt werden soUte. Es gelang, die 
Tuberkulinsaure in freiem Zustande aus den Tuberkelbazillen 
abzuscheiden, und dieser freien Tuberkulinsaure haftet die 
spezifische Reaktion in erhohtem MaBstabe an. Es gelang aber 
auch ferner, die Spaltungsprodukte der Tuberkulinsaure darzu- 



— 87* — 

stellen und anter diesen Spaltungsprodukten spezifisch giftige 
von indifferenten, also nicht spezifischen Stoffen zu untei-sclieiden. 
Bei der Spaltung zerfallt das MolekUl der Tuberkulinsaure zu- 
nSLchst in eine andere organische Phosphorverbindung, welche 
Prof. Ruppel als Tuberculo-Thyminsfture bezeichnet hat, und 
in basische Korper, welche zur Gruppe der AUoxurbasen ge- 
horen und unter welchen namentiich Guanin und Xanthin ge- 
funden wurden. Guanin und Xanthin sind zwei langst bekannte 
Verbindungen, denen keine spezifisch toxischen Eigenschaf ten inne- 
wohnen, wahrend die Tuberculo-Thyminsaure spezifisch giftiger ist 
als die Tuberkulinsaure. Bei weiterer Spaltung zerfWlt die Thymin- 
saure in Phosphorsaure, in Glyzerin und Kohlehydrate. Uberdies 
aber entsteht hierbei eine in hexagonalen Plattchen kristalli- 
sierende Substanz, welche die Eigenschafteu einer Saure und 
einer schwachen Base besitzt, so da6 sie befahigt ist, mit Sauren 
kristallinische Salze, mit den Salzen der Metalle und zwar 
namentiich mit denen des Silbers, des Quecksilbers und des Bleies 
schwer losliche Doppelverbindungen einzugehen. Die weitere 
Spaltung dieser Substanz, welche nur aus Kohlenstoff, Wasser- 
stoff, Stickstoff und Sauerstoff besteht, ist bisher nicht gelungen, 
und da diese Verbindung die spezifische Reaktion des Tuber- 
kulins besitzt, so sind wir bei ihrer verhaltnismafiig einfachen 
molekularen und chemischen Zusammeusetzung berechtigt, sie 
als den denkbar einfachsten Korper anzusehen, welchem die 
spezifische Reaktion des Tuberkulins noch innewohnen kann. 
Prof. Ruppel legte dieser kristallinischen Substanz dieBezeich- 
nung Tuberkulosin bei und ist der Ansicht, daB das Tuber- 
kulosin in freiem Zustande oder eingeschlossen in ein grofieres 
Molekiil iiberall da vorhanden sein mufi, wo die spezifische Tuber- 
kulin-Reaktion nachgewiesen wird. Im Kochschen Tuberkulin bei- 
spielsweiseistdieTragerin der spezifischen Reaktion die Tuberkulo- 
Thyminsaure, welche durch das Darstelluugsverfahren des 
Tuberkulins aus den Tuberkelbazillen und zwar aus der Tuber- 
kulinsaure entstanden ist. Prof. Ruppel hat das Tuberkulosin 
resp. seine komplexeu Verbindungen in Tuberkelbazillen der ver- 
schiedensten Herkunft nachgewiesen. Es fehlte weder in mensch- 
lichen Tuberkelbazillen, noch in den Erregern der Rinder- und 
der HQhner-Tuberkulose und man ware berechtigt, hieraus den 
SchluiJ der Artgleichheit aller Tuberkelbazillen zu Ziehen. 



— 88* — 

Nachdem im vorstehenden eine eingehende Analyse des 
spezifischen Tuberkulose-Giftes gegeben wurde, entsteht nun- 
mehr die Frage, wie es sich mit dem entsprechenden 
Antitoxin verh^lt. Es gelingt tatsftchlich durch Immunisiernng 
von Pferden and Rindern mit den verschiedenen oben be- 
schriebenen Praparaten Antitoxine zu erzeugen, mit welcben 
man die t5dliche Minimaldosis far kleine Versuchstiere und 
selbst ein vielfaches derselben za neutralisieren imstande ist. 
Die Leistung dieser Antitoxine aber mu6 im Vergleich mit der 
eminenten antitoxischen Kraft des Diphtherie- und des Tetanus- 
Heilserums als eine ^ufierst minimale bezeichnet werden. Aber 
selbst wenn wir ein hochgradig wirksames Tuberkulose-Antitoxin 
besafien, so wiirde fiir die therapeutische Bekampfung der 
Tuberkulose hierdurch doch nur wenig gewonnen sein. Die 
Diphtherie, bei deren Bekampfung die antitoxische Serumtherapie 
ihre groBten Triumphe gefeiert hat, ist eine Erkrankung, bei 
welcher die Diphtheriebazillen als solche gar nicht in den er- 
krankten Organismus eindringen; sie siedeln sich an der Ein- 
gangspforte zum Organismus an und kommen nur hier, voUig 
lokalbegrenzt, zur Entwickelung. Von hier aus aber entsenden 
sie in den befallenen Organismus ihre verderblichen, todlichen 
Giftstoffe, welche die Allgemeinerkrankung des Korpers veran- 
lassen. Zerstort man die in den Korper gelangten Giftstoffe 
durch Einverleibung des Antitoxins und stellt auf diese Weise 
wieder normale Verhilltnisse her, so wird der wieder gesundete 
K5rper liber die lokal angesiedelten Bazillen mit Leichtigkeit 
und ohne jedes auBere Hilfsmittel Herr werden. Bei der 
Tuberkulose liegen die Verhaitnisse anders. Hier dringen die 
Bazillen tatsachlich in den Organismus ein und setzen sich in 
irgend einem Organ, in welchem sie die ftir ihre Entwickelung 
giinstigsten Lebeusbedingungen vorfinden, fest und beginnen 
hier langsam, aber sicher ihr Zerstorungswerk. Giftreaktionen 
treten zwar bei tuberkulos Erkrankten gleichfalls auf, sie spielen 
aber nur eine nebensiichliche RoUe. Man hat es deshalb auf- 
gegeben, nach einem antitoxischen Heilserum gegen die Tuber- 
kulose zu suchen und hat in neuester Zeit vielmehr sein Augen- 
merk darauf gerichtet, die in jedem Organismus vorhandenen 
natiirlichen Schutzstoffe zu vermehren und auf diesem Wege 
die Ausbreitung der Tuberkulose prophylaktisch zu bekSLmpfen. 



— 89* — 

Von diesem Gesichtspankte ausgehend hat v. Behring yorge- 
schlageD, alle gesanden Rinder durch eiDe einmalige Injektion 
Yom Menschen stammender Tnberkelbazillen, welche f&r die 
Rinder ein abgeschw&chtes Tnberknlose-Viras darstellen, gegen 
eine sp^tere Infektion zu sch&tzen. Anf den Menschen wird 
dieses Verfahren aber wohl niemals anwendbar sein, da mr 
diesen doch nicht mit lebenden Bazillen-Knlturen behandeln 
kunnen. Wohl aber ware es moglich, dafi von den beschriebenen 
Snbstanzen, die wir ans Tuberkelbazilien in reiner Form ab- 
scheiden konnen, einer oder der anderen die gleiche immuni- 
sierende Kraft innewohnt, wie den lebenden Bazillen selbst. 
Sollte sich diese Hoffnung bestatigen, so wUrde die biologisch- 
chemische Untersuchnng der Tnberkelbazillen auch der thera- 
peutischen Bek&mpfung der Tuberkalose zu gate kommen. 

12. Dezember 1903. 

Vorsitzender: Dr. August Knoblauch. 

Professor Dr. R. Han thai aus La Plata (Argentinien) 
spricht fiber 

nDieBedeutungderFundeinderGrypotheriumhohle 
bei Ultima Esperanza (Sudwestpatagonien).'' 

Nach einigen kurzen, einleitenden Bemerkungen, welche 
die Geschichte der in der H5hle beim Fjord Ultima Esperanza 
gemachten Funde von Resten ausgestorbener Tiere (Grypotheriura, 
Onohippidium usw.) betreffen, schildert der Vortragende zund.chst 
die ortlichen Verhaitnisse der Hfthlengegend. 

Eine Stnnde ostlich vom Fjord Ultima Esperanza erhebt 
sich ein isolierter Hohenzug bis zu 600 Meter Meereshohe. 
An dem steilen, nach Sfidwesteu gewandten Abhange dieses 
Hohenzuges befindet sich in der Hohe von 300 Metern eine 
Terrasse und im Niveau dieser Terrasse sind mehrere H5hlen, 
nischenartig in den Berg hinein sich erstreckend. In Betracht 
kommen vornehmlich zwei Hohlen, von denen aber nur die 
groflere bisher genauer durchsucht worden ist. 

Diese erstreckt sich 200 Meter in den Berg hinein, ist 
80 Meter breit und 30-40 Meter hoch. 

Das Gestein des Berges ist ein Konglomerat mit dunuen 
Lagen eines feineren Sandsteines. Ein aus von der Decke 



— 90* — 

herabgefallenen Tr&mmern gebildeter Schuttwall teilt diese H5hle in 
zwei fast gleiche R&ume. Der Boden des hinteren Raumes besteht 
aas Sand, mehr oder minder lehmig ; alle Grabungen, die bier bisher 
vorgenommen wurden, haben keinerlei Ausbeute geliefert. 

Nar der vordere Raum scheiut Tieren und Menschen znm 
Aufenthalte gedient za haben; denn bier haben Grabungen eine 
reiche Ausbeute von Enochen sowohl lebender als auch ausge- 
storbener Tiere sowie auch von Gegenst&nden, die darauf bin- 
weisen, dafi die Hohle dauernd von Menschen als Wohnung 
benutzt wurde, gegeben. 

In der vorderen Halfte des vorderen Raumes beiindet 
sich ein etwa 6 Meter boher Hilgel und zwischen diesem 
Hiigel und dem oben erw&hnten Schuttwalle, der die Hohle 
in zwei Halften teilt, mnfi der Aufenthaltsort der Tiere ge- 
wesen sein. Hier besteht der Boden aus einer 2 Meter mach- 
tigen Dungschicht, in welcher regeilos zerstreut die Enochen 
sowohl der ausgestorbenen wie lebenden Tiere liegen. Von 
den lebenden Tieren wiegen Hirsch und Guanako vor und 
unter den Resten der ausgestorbenen Tiere ziehen besonders 
die Reste von einer grofien L5wenart {Felis Listai Roth), einer 
kleinen Pferdeart (Onohippidium Saldiasi Roth) und vor allem 
von einem grofien Edentaten {Grypotherium Darwini var. 
domesticum R.) unsere Aufmerksamkeit auf sich und zwar des- 
wegen, weil alles darauf hinweist, dafi diese ausgestorbenen 
Tiere nicht nur gleichzeitig mit dem Menschen gelebt haben, 
sondern dafi die letztere Tierart wahrscheinlich in einer Art 
halbgezahmtem Zustande gehalten wurde. Finden sich doch 
die Spuren des Menschen vornehmlich in der vorderen Hohlen- 
h&lfte in Form einer bis IV2 Meter md.ch tigen Eulturschicht 
zu beiden Seiten des oben erw£lhnten Htigels und ist doch 
diese Eulturschicht scharf getrennt von der Dungschicht, die 
den von den Tieren innegehabten Raum erfUllt. 

Ferner weist die Art und Weise, wie die Reste der 
Tiere, vor allem grofie, isoliert in der Dungschicht liegende 
Pellstiicke von Grypotherium, gefunden werden, darauf bin, 
dafi diese Tiere von den Menschen getotet, abgehautet und 
dann verzehrt wurdeu. 

Auffallend ist, dafi in einer in derNilhe gelegenen, etwas 
kleineren Hohle bisher Reste vom Grypotherium nicht ge- 



— 91* — 

fundeD worden sind, wobl aber von Onohippidiam, Hirsch und 
Guanako. 

Wir haben also hier deu hochinteressanten Fall, dafi eine se£- 
hafte UrbevolkeruDg mit wahrscheinlich in der j&ngeren Diluvialzeit 
ansgestorbenen Tieren zusammenlebte und zwar in einer Weise, 
die auf die ersten AnfSlnge der Haustierzacht schliefien l&fit. 

Dafi die Bey5lkerung sefihaft war, wird nicht nur durch 
die Md.chtigkeit der Kalturschicht wahrscheinlich gemacht, 
sondern auch dnrch den Umstand, dafi sich in unmittelbarer 
Nd,he des Hohlenberges (zwischen dessen Nordwestfufi und 
einem grofien, nahegelegenen See) viele Spuren alter Feuer- 
sUtten gefunden haben, die eine langdauernde Anwesenheit 
der Bewohner voraussetzen. 

Zur ErlSlnterung des hochinteressanten Vortrags dient 
eine reiche Sammlung von Fundstucken aus der 
Hi) hie, von denen einige besonders erw^hnt seien. Von 
Grypotherium Darwini liegt ein grofies F el 1st tick mitsamt 
den eigentHmlichen Hautknochen vor sowie eine SchMelkapsel, 
mehrere Ober- und Unterkiefer and der eigenartige Nasalbogen- 
knochen, welcher den Nasenknochen mit dem Oberkiefer ver- 
band und von dem das Tier seinen Namen bekommen hat, und 
ferner Jochbeine, Schenkelknochen, Wirbel, Klauen und mehrere 
Dungballen. 

Von Fdis Listai, dem grofien Raubtiere, seien erw&hnt 
ein SchEdel, von einem alteren Tiere herriihrend, mit einer 
teilweise vernarbten Verwundung, ein Unterkiefer, ein Fell- 
stQck, an dem sogar die verschiedeue F&rbnng noch gut zu er- 
kennen ist, mehrere einzelne Enochen, einige Z&hne und eine 
XIaue; von Onohippidium SaUiasi ein Unterkieferstttck mit Be- 
zahnung, einzelne Zsirhne und Hufe. 

Von besonderem Interesse sind z wei Enochenpfriemen, 
die in der Dungschicht der Hohle mit anderen Spuren mensch- 
licher TMigkeit gefunden, unzweifelhaft auf ein zeitliches 
und 5rtliches Beisammensein von Mensch und 
Grypotherium hinweisen. 

Eine Anzahl prachtvoUer Photographien des Fjord 
Ultima Esperanza und der einzelnen Hoblen erlautert aufierdem 
den hochinteressanten Vortrag, zu weJchem auch Priuz und 
Prinzessin Friedrich Earl von Hessen erschienen waren. 



— 92* — 

19. Dezember 1903. 

Vorsitzender : Dr. August Knoblauch. 

Oberlehrer Dr. P. Sack spricht fiber 

„Bau- und Lebensweise der eiDheimischen Fliegeu." 

Die Fliegen oder Dipteren haben unter den Insekten- 
sammlern nicht viele Freunde gefunden. Einmal bieten sie nur 
wenig in die Augen fallende Formen, dann aber sind sie audi 
schwieriger zu behandeln, zu konservieren und zu bestimmen. 
Es kann desbalb auch nicht auffallend sein, wenn diese Gruppe 
der Insekten in Laienkreisen nur wenig bekannt ist. Die Auf- 
merksamkeit des Menschen wird nur auf die 4—5 Arten ge- 
lenkt, die, wie unsere Stubenfliege, direkt l&stig sind. Nun 
haben wir aber in Deutschland allein etwa 3000 Arten, die in 
Form und Lebensweise diesen Plagegeistern nur wenig ahneln. 
Viele Arten sehen wie Hummeln aus, andere Ahneln Bienen 
Oder Wespen, andere endlich haben die Gestalt von Wanzen 
Oder Spinnen. Neben den Fliegen, die wie unsere Stubenfliege 
von Flfissigkeiten der verschiedensten Arten leben und deren 
Larven in verfaulenden FflanzenstofEen gefunden werden, gibt 
es solche, die sich nur von Blfitensaft n^hren. Hierher gehOren 
die Syr ph id en oder Schwebefliegen und die Bombyliiden 
Oder Wollschweber. Die Larven der letzteren sind meist 
Schmarotzer bei anderen Insekten. Das ganze Heer der 
Tachinen, die gleichfalls als geschlechtsreife Tiere Blftten- 
besucher sind, schmarotzt im Jugendzustande in den Raupen 
der Schmetterlinge und ist mithin sehr ntitzlich. Diesen gegen- 
tiber sind die Biesfliegen oder Oestriden, deren Larven im 
Darm oder unter der Haut des Wildes, der Kinder und Pferde 
leben, aufierst schadlich. Der jahrliche Verlust, den diese Tiere 
allein in Preufien verursachen, wird auf mehrere Millionen Mark 
geschatzt. Die SchmeiBfliegen (Calliphora) sind meist nur als 
Schftdlinge bekannt, weil sie oft Fleischvorrate unbrauchbar 
machen; im Haushalte der Natur spielen sie aber durch Be- 
seitigung von Aas eine sehr wichtige Rolle. Ganze Gruppen 
von Fliegen endlich saugen als vollkommene Individuen Blut, 
wie die Viehbremsen (Tabaniden) und Schnaken (Culiciden), 
wS^hrend ihre Larven strenge Vegetarier sind. 



— 93^ — 

Von alleD anderen Insekten unterscheiden sich die Fliegen 
durch den Besitz yon zwei and nur zwei Fl&geln. Sie haben 
deshalb den wissenschaftlichen Namen Dipteren oder Zwei- 
flUgler erhalten. Ihre Fltigel sind den Vorderflilgeln der 
Ubrigen Insekten homolog, wfthrend die Hinterflfigel zoriick- 
gebildet sind and die Form eines Trommelstockes besitzen. 
Das Vorhandensein dieser Schwinger l&6t ans vermnten, dafi 
die Fliegen sich ans vierflfigeligen Insektenarten entwickelt 
haben. Darch den Wegfall der HinterflUgel wurde die wirksame 
FlOgelMche bedeatend verkleinert. Urn dieses aaszagleichen, 
m&ssen die Dipteren die Fliigel bedeatend schneller bewegen 
wie die fibrigen Insekten. Man hat die Schwingangszahl ans 
der TonhShe anf etwa 330 in der Sekande bestimmt. Da der 
Verlast des hinteren Flugelpaares aach eine Verschiebnng des 
Schwerpnnktes zar Folge haben mafite, so ist der zweite Brust- 
ring, der die Fi&gel tr^gt, ganz bedeatend vergr5fiert, der dritte 
Brastring and der Hinterieib dagegen bedeatend verkttrzt 
worden. Welche Folge eine Storang des Gleichgewichts fiir 
den Flag der Insekten hat, erkennen wir, wenn wir eine Fliege 
der Schwinger beranben; sie sinkt dann kopfUber zn Boden 
and kann sich nicht mehr erheben. Dies geschieht aber sofort, 
wenn wir durch Anbringnng eines kleinen Wachsstiickchens 
aaf dem Hinterieib das Gleicbgewicht wieder herstellen. Da 
aber das Tier nicht mehr imstande ist, seine Richtang za andern, 
so mUssen wir mit W e i n 1 a n d annehmen, daB jede Ver&nderang 
in der Stellung der Schwinger eine Andernng der Flagrichtang 
zur Folge hat. Infolge Arbeitsteilnng hat demnach der Flag- 
apparat der Dipteren eine sehr bohe Stafe der Entwickelung 
erreicht, wovon sich jeder durch Beobacbtangen selbst liber- 
zeagen kann. 

Die aaf den Fliigeln vorhandenen Adern liefern {fir das 
Bestimmen der Zweifliigler sehr brauchbare Merkmale. Weniger 
ist dies mit den Mundteilen der Fall. Diese sind bei alien 
Fliegen zum Saugen eingerichtet. Die fleischige Unterlippe 
bildet ein Halbrohr, den eigentlichen Kiiasel, das oben von der 
Oberlippe geschlossen wird and bei den blutsangenden Arten 
die Stechborsten enthiLlt. Das Aufsaugen der Fliissigkeit ge* 
schieht durch das Erweitern and Zusammenzieben des oberen 
Teiles der Speiser5hre. Es ist bemerkenswert, daS yollst&ndige 



— 94* — 

Mandwerkzeage nor bei den Dipterenweibchen vorkommen; 
Selbst bei den blatgierigen Bremsen and Stechmttcken konnu^ 
nur die Weibchen stechen nod Blot sangen, wahrend die* 
M&nnchen sich mit Nektar begniigen mUssen. 

Es I&6t sich vermuten, dafi so gewandte Flieger wie die 
Dipteren auch gut entwickelte Sinnesorgane besitzen miissen. 
Doch sind nicht alle Sinne gleich scharf. Trotz der grofien 
Aagen, die bei den M&nnchen fast den ganzen Eopf einnehmen, 
sehen die Fliegen nicht gut. Nur Bewegungen werden leicht 
wahrgenommen, was oSenbar mit dem Bau der Facettenaugen 
zosammenh&ngt. Besonders fein entwickelt ist bei vielenArten 
das Gehor und der Geruch. Als Sitz dieser beiden Sinne be- 
trachtet man die Ffthler. Man findet an ihnen Gruben, in 
denen Nerven mtinden. Es sind dies vennutlich die Enden der 
Geruchsnerven. Man findet sie n&mlich in grofier Zahl bei den 
aasfressenden und blutsaugenden Arten, deren Genichsvenndgen 
bekanntlich sehr entwickelt ist. Nach den Versuchen von 
Alfred Mayer scbeinen die Fiihler auch die Organe des Ge- 
bdrs zu sein. 

Die Form der FUhler ist sehr mannigfaltig und zeigt sehr 
charakteristische Unterschiede, die man gleichfalls in derSyste- 
matik verwendete. Man teilte die Dipteren in Nematoceren 
Oder Langhorner uod Brachyceren oder Kurzhorner ein. Zu 
den ersteren rechnete man alle Fliegen, deren Ftihler mehrals 
drei Glieder besitzen. Die Antennen der letzteren soUten nur 
drei Glieder besitzen. Diese Annahme hat sich als falsch er- 
wiesen. Man unterscheidet deshalb jetzt mit Brauer 
cycloraphe und orthoraphe Dipteren. Die letzteren schlupfen 
durch eine Langsspalte aus der Puppenhaut, wahrend bei den 
ersteren die ersten Ringe der Tonneupuppe wie ein Deckel 
abspringen. Zum Offnen der Tonne besitzen sie eine Stirn- 
blase, deren Rest zeitlebeus als Quernaht auf der Stirne sicht- 
bar bleibt. 

Eine reichhaltige Sammlung meist einheimischer Fliegen, 
der Vertreter der besprochenen Familien, nebst ihren Larven 
und Puppen und eine Anzahl von Wandtafeln erltlutern den 
interessanten Vortrag. 



— 96* — 

9. Jannar 1904. 

Vorsitzender : Dr. August Euoblauch. 

Der Vorsitzende begr&Bt die zahlreich erschienenen Mit- 
glieder in der ersten Sitzung des neuen Jahres und teilt mit, 
daB an Stelle der mit Ende 1903 nach zweij&hriger Amts- 
fuhrung satzungsgem&fi aus der Direktion ausgeschiedenen 
Herren Dr. med. E. Roediger und Dr. phil. A. Jassoy die 
Uerren Stabsarzt Prof. Dr. med. E. Marx als II. Direktor 
and Dr. med. 0. Schn audi gel als U. SekretUr fUr die 
Jahre 1904 und 1905 gew&hit worden sind. 

Das abgelaufene Jahr 1903 hat sich zu einem ganz be- 
sonders erfolgreichen und glUcklichen f&r die Gesellschaft 
gestaltet. Vor allem sind die langj&hrigen Verfaandlungen 
zwischen der Administration der Dr. Senckenbergischeu 
Stiftung und der Stadtgemeinde zu einem befriedigenden 
Abschlufi gekommeu, so dafi in den n&chsten Monaten mit 
der Auffttbrung des Museums-Neubaues an der 
Viktoria-AUee begonnen werden kann. Die Plane fiir 
den Neubau sind fertiggestellt und werden in der 
Sitzung vom 30. Januar von Herrn Baurat Neher vorgelegt 
und erlautert werden. Die Befiirchtung hinsichtlich des Aus- 
tritts zahlreicher Mitglieder, zu der das Projekt der Verlegung 
des Museums anf&nglich Anlafi gegeben liatte, hat sich als un- 
begriindet erwiesen. Die Zahl der ausgeschiedenen Mitglieder — 
4 — hat sich durchaus in den Grenzen der alljahrlich erfolgenden 
Austritte gehalten, dagegen sind im abgelaufenen Jahre 103 
Mitglieder der Gesellschaft ueu beigetreten gegen 
85 Mitglieder in den vorvergangenen drei Jahren 1900—1902 
zusammen. Und dieser sehr erfreuliche Mitgliederzuwachs halt 
an: denn in der ersten Woche des neuen Jahres sind schon 
wieder 3 Mitglieder eingetreten. 

Das stetig wachsende Interesse an den Bestrebungen der 
SeuckenbergischenNaturforsc hen den Gesellschaft, 
welche in der Ubernahme des Protektorats durch die 
Deutsche Eaiserin die allerhochste Anerkennung gefundeu 
haben, hat sich in dankenswerter Weise auch darin geaufiert, 
dafi einzelne Mitglieder der Gesellschaft ihren Jahres- 
beitrag freiwillig auf 50 Mark, bezw. 100 Mark er- 



— 96» — 

h5ht haben. Dieses hochherzige Beispiel wird hoffentlich 
weitere Nacheiferung flnden. Denn nor dann konnen die laufen- 
den Mittel der Gesellschaft zur Durchftthrung der mit der Er- 
richtung des Neubaues notwendig gewordenen Neuernngen — 
Herstellung einer vollig neuen Schausammlnng nach 
biologischen Gesichtspunkten, wie sie z. B. die neueren 
Museen in Altona, Bremen und E5ln besitzen — ann&bernd 
ausreichen, wenn ihre regelm&fiigen jd.hrliclien Einnahmen durch 
eine Steigerang der Mitgliederzahl und eine freiwillige Erhohung 
des Jahresbeitrages sehr erheblich wachsen. 

Vol! Zuversicht ist die Gesellschaft in das neue Jahr ein- 
getreten, in dem freudigen Bewufitsein, dafi das warme Interesse 
der Frankfurter BUrgerschaft an ihren Bestrebungen und an 
der naturwissenschaftlichen Forschung nicht erkalten wird. 

Nach diesen Mitteilungen des Vorsitzenden halt Herr Prof. 
Dr. Rudolf Burckhardt aus Basel, welcher der Gesellschaft 
seit langen Jahren als korrespondierendes Mitglied an- 
geh5rt, einen anziehenden, mit grofiem Beifall aufgenommenen 
Vortrag liber 

„Die Biologic der Griechen." 

(Siehe diesen .Bericht^ U. Teil, Seite 3.) 

23. Jannar 1904. 

Vorsitzender : Dr. August Knoblauch. 

Zunachst verkundet der Vorsitzeude den Beschlufi der 
Direktion vom 16. Januar bezfiglich der diesmaligen Er- 
teilung des von Reinach-Preises. Uber vier Preise ver- 
f&gt die Senckenbergische Naturf orschende Gesell- 
schaft, welche periodisch fttr die ausgezeichnetsten Leistungen 
auf den verschiedenen Gebieten der naturwissenschaftlichen 
Forschung zur Verleihung kommen. Es sind der von Soemmer- 
ring-, Tiedemaun-, Stiebel- und von Reinach-Preis. Der 
letztere, 1892 gestiftet und fur hervorragende Arbeiten in der 
Geologie, Palaontologie und Mineralogie der weiteren Umgebung 
Frankfurts bestimmt, ist in den Jahren 1893, 1895 und 1900 
an die Herren Prof. F. Kink el in -Frankfurt (Geologie), Prof. 
A. Andreae-Hildesheim (Paliiontologie), Prof. W. Schauf- 
Frankfurt und Prof. G. Chelius- Darmstadt (Mineralogie) ver- 
liehen worden und diesmal wiederum filr das Gebiet der 



— 97* — 

Geologie aasgeschriebeu gewesen. Auf Vorschlag der Preis- 
kommissioD, welche aus den Herren Prof. 0. Boettger- 
Frankfurt, Prof. E. K ay ser- Marburg und Prof. F. Kinkelin- 
Frankfurt zusammengesetzt gewesen ist, sind diesmal zwei 
Arbeit en, welche iu gleicher Weise hervorragende Beitrage 
zur Geologie der weiteren Umgebung Frankfurts lieferu, mit 
dem aus 1000 Mark bestehenden Preise, und zwar jede mit 
der Halfte desselben, gekront wordeu, die Arbeiten der Herren: 
R. Delkeskamp, Assistent am mineralogisch-geolo- 
gischen Institut der Universitat GieBen: „Die Genesis 
der Thermalquellen von Ems, Wiesbaden und 
Ereuznach und deren Beziehuug zu den Erz- 
gangen des Taunus und der Pfalz", 

und Einecke, Bergreferendar in Halle a. S. : „ Ist die 

durch Bauer und Wenkenbach bei Geisig, Weyer, 

Wellmich, Werlau und Peterswalde festgelegte 

siidwestliclie Fortsetzung des Holzappeler Gang- 

zuges tatsachlich dort zu suclien?^ 

Zum 1. Oktober 1905 wird der v. Reinach-Preis wiederum, 

diesmal fUr das Gebiet der PalHontologie, ausgeschrieben 

werden. 

Sodann legt der Vorsitzende die in den letzten Monaten 
erschienenen Hefte der gAbliandlungen'^ der Gesellschaft 
vor, uamlich Band 27 Heft 2 und Band 29 Heft 1. 

Das 2. Heft des 27. Bandes enthalt Arbeiten, welche das 
Voeltzkowsche Reisematerial behaudelu, von Prof. Voeltzkow 
selbst, Dr. Me 11 und Dr. Siebenrock. Die Arbeit des 
letzteren befafit sich mit den Scbildkroten von Madagaskar 
und Aldabra, die auf einer Tafel iu einer bisher noch nicht 
erreichten Schonheit und Feinheit abgebildet sind. 

Das 1. Heft des 29. Bandes nimmt eine einzige Arbeit 
des Herrn Albert von Reinach eiu uber die Scbild- 
kroten aus dem ^gyptischen Terti^r. Diese ausge- 
zeichnete Arbeit bildet die Fortsetzung der im 28. Bande der 
Abhandlungen von demselben Autor bearbeiteten Scbild- 
kroten des Mainzer Tertiarbeckens. Das Material zu 
der vorllegenden Arbeit war von den Mtinchener Geologen 
Freiherrn Dr. E. Stromer-von Reichenbach und Dr. 
M. Blanckenhorn auf einer Forschungsreise iu Agypten im 

7 



— 98* — 

Jahre 1901/1902 gesammelt worden. Aafierdem warden noch 
fossile Schildkrdtenpanzer aas dem Senckenbergischen Museam 
und ans dem Koniglichen Museam f&r Natarkande in Berlin, 
aus den gleichen Slgyptischen Tertiiirablagerangen stammend, zar 
Beschreibang herangezogen. Diese hervorragende Arbeit yon 
Reinacks bildet eine willkommene Bereicherung der syste- 
matischen Forschungen tiber das ^gyptische Terti&r, dem von 
den bisher beschriebenen europaischen tertillren SchildkrOten- 
fannen die des Untereocllns von Sheppey in England am 
nd,chsten steht. 

Nach diesenMitteilungen des Vorsitzenden ka.lt Dr.E. Vobsen 
einen auBerordentlick interessanten, mit lebkaftem Beifall aaf- 
genommenen Vortrag: 

^Spracke und Naturforsckang/ 

In Ankniipfung an den Vortrag Professor Burckkardts 
in der letzten wissensckaftlichen Sitzung besprickt der Redner 
die Ansckauung der alten Griecken Uber die menscklicke 
Spracke. Plato und Aristoteles bekerrsckten mit ikren 
Weltansckauungen das Mittelalter. Die Kir eke entsckied den 
sckolastiscken Streit der Nominalisten und Realisten za 
gunsten der letzteren, die in den Worten die wakren Wesen- 
keiten saken. Die erstarkende Naturwissensckaft entwickelte 
sick zunackst okne Riicksickt auf erkenntnistkeoretiscke Fragen. 
Kant erst loste die Frage nack dem Verkaltnis unserer Vernunft 
zur Welt durck Annakme der Materie der Sinuesempfindung als 
des Gegebenen, das von unserer Vernunft in die ikr eigentfim- 
licken Formeu von Zeit, Raura, Kausalitat und Substanz ver- 
wandelt wird. Wir betrackten mit Wundt diese Formen des 
Vernunftdenkens als das (xegebene und seken die Aufgabe der 
Pkysik im weitesteu Sinne in „der Erklarung der Welt als 
Bewegung nack Elimination der subjektiveu Elemente der Sinnes- 
wakrnekmuug, die Aufgabe der Psyckologie darin, die sub- 
jektiveu Elemente der Siniieswabrnebmung unter sick und mit 
den sonstigen, rein subjektiven Tatsacken unserer unmittelbaren 
Erfakrung zu analysieren**. In dieser Analyse spielt die Er- 
klarung der Spracke eine bedeutsame Rolle, indem sie es ja ist, 
durck welcke uuser Deukeu erst muglick wird. Die Frage nack 
dem Ursprung der Spracke uberkaupt mufi dem Sprackf orscker 



— 99* — 

fiberiassen bleiben; der Natnrforscher fragt nach dem Zu- 
standekommen der Sprache im Individuum, das seiner BeobachtuDg 
zug&ngig ist, und stndiert die Sprache als Ausdrucks- 
bewegung. 

Der Vortragende bespricht nun die Bewegungserscheinungen 
der Zelle, des Muskels, der Sprachmuskulatur und ihren Zu- 
sammenhang mit den nerv5sen Zentralorganen. Die wichtigsten 
Bereicherungen unserer Erkenntnis der Sprache entstammen der 
Beobachtung des Kindes und der Pathologic der 
Sprache, die mit der Entdeckung Br ocas im Jahre 1862 
beginnt. Die Bewegungen der kindlichen Sprachmuskulatur 
hinterlassen EUndrlicke in den dem Bewufitsein dienenden Zentren 
der 6ro£hirnrinde, die wir als das sensorische Muskel- 
bewegungszentrum fur Sprachlaute oder „glosso-kinasthe- 
tisches Zentrum'' nach Bastian bezeichnen. Neben diesem 
besteht noch das Zentrum fUr akustische und optische Eiudriicke, 
mit EinschluB der Objekte und Schriftbilder, sowie ein in seiner 
Lokalisation nicht genau bekanutes Zentrum fiir die Bewegungen 
der Hand beim Schreiben, von Bastian „cheiro-kinasthe- 
tiscbes Zentrum'' genannt. Diesen Zentren untergeordnet 
sind die rein reflektorisch oder auf Willensimpulse antwortenden 
Zentren des verlangerten Marks, von denen aus die 
Bewegungen der Sprachnmskeln direkt ausgelost werden. Nur 
so sind Falle erklarbar, in denen bei gut entwickelter Intelligenz 
voUige Stummheit bis zum ftinften oder siebenten Jahre be- 
obachtet wurde, die plotzlich durch eine psychische Erregung 
zum Schwinden kam ; es stellte sich dann die Sprache in kurzer 
Zeit vollst&ndig ein. Die vorschreitende Eutwickelung des 
GroBhirns des Neugeborenen entspricht dieser Auffassung der 
Spraclizentren ; denn erst im siebenten Jahre, wo die Sprach- 
entwickelung vollkommen abgeschlossen ist, hat das Grofihirn 
die Reife seiner Markscheidenentwickelung erreicht : die Bahnen 
sind nun eingeschliffen, auf denen die Eutwickelung des Intellekts 
erfolgt. 

An Hand eines von dem Neurologen Storch erdachten 
Schemas entwickelt der Vortragende den innigen Zusammenhang 
der MuskeltMigkeit mit unseren Sinneswahrnehmungen und 
unserer geistigen Tatigkeit, die sich ja auch im Sprach- 
gebrauch spiegelt, wenn wir geistige und Gemttts-Vorgftnge 

7* 



— 100* - 

mit einer Meiapher als Gedanken- und Gemiits-Bewegungen 
bezeichnen. 

Die Arbeit des Sprachforschers, der die Geschichte 
des menschlichen Denkens schreibt, des Linguisten, der die 
Gesetzmafiigkeiten in bezug auf Laut und Bedeutungswandel, 
die phonetische Seite der Sprache auf Grund physikalischer 
Methoden erforscht, wird erganzt von der Arbeit des Biologen. 
Ilin fuhrt sein Weg bei Erforschung der Bewegungsvorgftnge der 
Sprache zu den tiefsten Problemen des Menschengeistes. Und 
die LosuBg dieser Probleme wird zu einer Weltanschauung ftihren, 
die den Zwiespalt zwischen der Welt der Sinneswahrnehmung 
und des Denkens aufhebt, einen Zwiespalt, der die Menschheit 
jahrtausendelang gepeinigt hat. 

30. Jannar 1904. 

Vorsitzender : Dr. August Knoblauch. 

Baurat L. Neher spricht iiber den 

^Neubau der wissenschaftlichen Institute, insbe- 

sondere des Senckenbergischen Naturhistorischen 

Museums an der Viktoria-Allee." 

(Siehe diesen ,Bericht«, II. Teil, Seite 27.) 

6. Febrnar 1904. 

Vorsitzender: Dr. August Knoblauch. 

Herr Fritz Winter spricht uber 

„Die Stifiwasserf ische von Mitteleuropa und ihre 

Krankheiten." 

Die mitteleuropaischen Sufiwasserfische , welche etwa 
90 Arten angehoren, verteilen sich in der Hauptsache auf die 
Familien der Teleostier oder Knochenfische, nach ihrem 
knochernen Skelett so benannt. Davon gehoren zur Familie 
der Cyprinoiden oder karpfenahnlichen mit nur einer 
Ruckenflosse 48 Arten, wahrend auf die Familie der Salmo- 
niden oder Edelfische, die zwischen Riicken- und Schwanz- 
flosse noch eine Fettflosse haben, nur 18 Arten kommen. Die 
Ubrigen, darunter diejenigen mit doppelter Riickenflosse, wie 



— 101* — 

Zander und Stichling, treten in der Zahl zuriick. Einerseits 
die Variabilit&t — kann man doch aus einem Sclinppen- 
karpfen durch UberfUhren aus schnellflieBendem Wasser in 
einen Teich anfangs einen Spiegelkarpfen, in den n&chsten 
Generationen einen ansgesprochenen Lederkarpfen ohne 
Scbuppen zieben — andererseits die leichte Verbastar- 
dierung der Fische untereinander erschweren aach einem 
geQbten Ichtbyologen die systematische Bestimmnng unserer 
SQBwasserfische ungemein. Das gab mlt die Anregung zur 
Herstellang eines grofien Tafelwerkes, welches in einer bis 
jetzt noch nicht erreichten VoUkommenheit die biidliche Dar- 
stellung der gesamten Fische von Mitteleuropa . nebst ihren 
VarieUten auf 31 Tafeln enthalt. 

Die leichte Variabilit&t der Fische war fttr uns yon grofiem 
Nutzen, indem sie z. B. beim K a r p f e n , unserem altesten Nutz- 
fisch, derschon auf derTafel Theoderichs des GroBen, wie 
F e 1 i X D a h n nachgewiesen hat, gem gesehen wurde, einige Rassen 
durch klinstliche Zuchtwahl entstehen liefi, die durch grofie Renta- 
bilit&t, kleines Skelett, kleine Flossen, hohen Fleischansatz und 
msches Wachstum sich auszeichnen. Im Mittelalter taten sich be- 
sonders die K15ster in der ZUchtuug der Karpfenrassen 
hervor ; um 1543 wird berichtet, daB die Erzbischofe von 
Bamberg Pramien aussetzten fttr Karpfen, die so hochruckig 
sein mnBten, daB sie Tellerform einnahmen. Aus den T^llern 
des Aischgmndes ist heute noch die Aischgrfinder Rasse die 
hocbstrttckige, die auf den Markt kommt. Am verbreitetsten 
ist jedoch die bohmische Rasse, da sie die groBte Widerstands- 
fahigkeit besonders gegen WitterungseinflUsse besitzt. 

Die rationelle Ziichtung der Edelfische ist erst ein 
Produkt der letzten Jahrzebnte. In dem MaBe, wie dieFisch- 
zucbt sich hob, stieg auch das Bed&rfnis nach Erkenntnis der 
zahlreichen Fischkrankheiten. Die bayerische Regierung, welche 
den Schaden erkannte, den Fischerkrankungen jiihrlich in der 
Volksnahmng ausmachen, war weitsichtig genug, ein Institut 
zur biologischen Erforschung der Fischkrank- 
heiten inM&nchen zu errichten, dem Professor Dr. Hofer 
vorsteht. Professor Hofer hatte die Liebenswiirdigkeit, aus 
der Sammlung seiner Anstalt 36 Olbilder von erkrankten Fischen 
zu dem Vortrag zar VerfUgung zu stellen. 



~ 102* — 

Im weiteren Verlauf des Vortrags werden einige Krank- 
heiten in Ursache und Wirkung gescbildert wie Bakterien- 
Seucben, Myxosporidienkrankheiten (die Pockenpest des Karpfens, 
die Beulenseuche der Barbe u. a. m.), ('ostien- und Chilodon- 
krankheit, letztere die verbreitetste Krankheit unserer Ooldfische, 
und andere Erkrankungen. Den meisten epidemischen Krank- 
heiten durch Bakterien und Protozoen liegen ira allgemeinen 
ungtinstige, abschwachende biologische Verhaltnisse zagrunde, 
welclien der Fisch ausgesetzt gewesen war. Besonders nngiinstig 
wirken Sauerstoffmangel und Temperaturveranderungen, worauf 
beim Umsetzen der Fische zu wenig geachtet wird. Ein Fisch 
ist gegen plotzliche Teniperaturabnahme weitaus empfindlicher 
wie ein in der Luft lebendes Tier, denn im freien Wasser 
kommen plotzliche Teraperaturschwankungen niemals vor. Eine 
Verminderung der Temperatur von 3,5 Grad hat schon eine 
leichte Erkaltung der Oberhaut im Gefolge. 

Zu dem Vortrage wird eine Reihe von erkrankten 
Fischen lebend vorgezeigt; einige mikroskopische Pra- 
parate erlautern auBerdem die besprochenen Krankheiten. 
Ferner sind die erwahnten Olbilder von erkrankten 
Fischen so wie die 31 Tafeln des in der hiesigen lithographischen 
Anstalt von Werner & Winter hergestellten Werkes iiber 
die ^Siifiwasserfische von Mitteleuropa" ausgestellt, 
welche der Vortrageude dem Senckenbergischen Museum znm 
Geschenk macht. 

In seinem SchluBwort dankt der Vorsitzende dem Redner 
fiir seine interessanten, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen 
Ausflihrungen und fUr die hochherzige Schenkung der kttnst- 
lerisch ausgefUhrten Tafeln, welche in dem neuen 
Museum bei der Sammlung der mitteleuropaischen Fische Auf- 
stellung finden werden. 

20. Febniar 1904. 

Vorsitzender : Dr. August Knoblauch. 

Professor Dr. August Brauer aus Marburg halt einen 
Vortrag tiber 

„Die Augen der Tiefseefische." 

Nachdem der Redner darauf hingewiesen hat, wie die 
Tiefsee im allgemeinen in bezug auf die Existenzbedingungea 



— 103* — 

zwar darch grofie Einf5nDigkeit ausgezeichnet ist, aber in bezng 
auf die besonderen Lichtverh&ltnisse, welche darch lenchtende 
Organismen geschaffen werden, eine SouderstelluDg gegeniiber 
anderen Gebieten einnimmt, schildert er, wie wahrscheinlich in 
engster Beziehung zn diesem Licht das Auge der Tiere, 
speziell der Fische, sich nmgestaltet hat. Im Gegensatz zu 
f ruber berrschenden Anscbanungen hat besonders das Material, 
das die dentsche Tiefsee-Expedition uns gebracht hat, 
geiehrt, da£ die Fische nicht blind sind oder schlecht sehen, 
sondern im Qegenteil in der gr56ten Zahl auBerordentlich hoch 
entwickelte Augen besitzen, zum Teil sogar viel hoher differen- 
zierte, als sie die Formen, die im Bereich des Sonneulichtes 
leben, besitzen. Besonders fallen zwei Arten von Veranderungen 
auf, einmal eine starke, mitunter enorme Vergrofierung des 
Auges and dann die Umgestaltang zu einem bisher unbekannten 
Augentypus, dem sogenannten Teleskopange. Wahrend das 
gewohnliche Fischauge seitlich gerichtet ist, die kngelformige 
Retina einbeitlich und der Abstand zwischen ihr and der Linse 
gering ist, ist das Teleskopange nach oben oder nach vorn ge- 
richtet, die beiden Augen liegen eng aneinander und stehen 
parallel, sie sind rdhrenformig. Die Linse ist grofi, die Pupille 
stark aufgeweitet, die Retina ist geteilt in eine Hanptretina, 
welche den Grand des Auges einnimmt und in weitem Abstand 
von der Linse liegt, und in eine Nebenretina, welche an 
einer Seite des Rohres in geringer Entfernung von der Linse 
liegt. Die Bedeutnng dieser Veranderungen ist wahrscheinlich 
darin za suchen, dafi die Nebenretina besonders sich bewegende 
und entfernte Objekte sieht und die Annaherung von anderen 
Tieren signalisiert, die Hanptretina dagegen, welche allein ftir 
verschiedene Entfernungen zu akkomodieren imstande ist, ein 
scharfes Bild von nahen GegenstHnden gewinuen kann. Aufierdem 
ermoglicht die gro£e Linse, die weite Pupille und die Tiefe des 
Auges eine stUrkere Ausnutzung der schwachen Lichtquelle. 
Weiter schildert der Redner die interessante Entwickelung des 
Teleskopauges aus dem gew5hnlichen Ange. Sie erfolgt nicht 
dnrch einfache Vertiefung des gewohnlichen Auges sondern 
darch eine eigentiimliche Drehung der Netzhaut und Ii*is, durch 
Verlagerung der Linse and durch eine Teilung der znerst ein- 
heitlicben Betina in die Hanpt- und Nebenretina. 



— 104* — 

Eine Anzahl kiinstlerisch ansgefiibrter Tafein erlautert 
den lehrreichen Vortrag und gibt den zahlreichen Zuh5rern ein 
anschauliclies Bild von der monstrosen Form und dem anato- 
mischen Ban des Auges der Tiefseefische. 

5. M&rz 1904. 

Vorsitzender : Dr. August Knoblauch. 
Oberforster 0. F 1 e c k spricht iiber das anziehende Thema 

„Der Wald im Winter.** 

Wehmtitig, fast klagend in Wort und Melodei, klingt des 
Dichters Lied aus, wenn es den Winter besingt, der die Natur 
ihres schonsten Schmuckes beraubt und die Gefilde weithin mit 
einem Leichentuch bedeckt, der alles Lebende verdorren und 
ei*starren lafit, oder in todahnlichen Schlaf rersenkt und in- 
mitten von Eis und Schnee als gestrenger Herr sein Regiment 
ftthrt. 

Und doch ist der Wechsel der Jahreszeiten durch die 
Neigung der Erdachse gegen den Aquator in Verbindung mit 
der Ekliptik und die hierdurch hervorgerufene, zeitlich ver- 
schiedenartige Erwarmung und Beleuchtung einer Erdgegend 
durch die Sonne naturgesetzlich bestimmt. Winter muB sein, 
ob er sich nun als Kal tew inter wie in unserer Zone auBert, 
Oder ob Regenzeit und Diirreperiode einander ablosen. 

Den Winter hat sich aber die Natur als Heifer auserkoren, 
nm dem allzu iippigen Gedeihen Einhalt zu gebieten, den Kampf 
urns Dasein abzukttrzen und Unvollkommenes zu vernichten, 
und um stets im Werden und Vergehen ein Gleichgewlcht zu 
bewahren. 

Der Wald im Winter aber zeugt so recht von dieser 
erhaltenden und zerstorenden Naturkraft. 

Unsere Laubbolzer haben sich durch Umwandlung des 
Chlorophylls in Xanthophyll und Ansammlung von Pigmenten 
im Zellsaft verfarbt und verlieren durch Zellenschwellung am 
Blattstielgrnnde, bisweilen unter Mitwirkung von Eiskristallen 
innerhalb der Trennungsschicht, ihr Laub. Die Kohlensaure- 
assimilation hat infolgedessen aufgehort; ebenso die Saftleitung 
im Holzteil der Gefafibttndel infolge der Teniperaturemiedrigung. 
Im Holzparenchym haben sich VorrMe an St&rke, die Reserve- 



— 105* — 

stoffe, angesammelt, welche nach Beendigung der Saftruhe den 
Den zn bildenden Organen zugeftkhrt werden. Zam Teil sind 
letztere schon sichtbar (Blatt- and Bltttenknospen) oder ausge- 
bildet (KSltzchen yon Erie, Birke, Aspe, Hasel, Weide). 

Die Nadelb61zer behalten, abgesehen von L&rche, Sumpf- 
zypresse u. a., ihre gegen Winterk&lte geschlitzten, dickzelligen, 
barzreichen Assimilationsorgane und entledigen sich nnr periodisch 
der ftltesten Nadeljahrg&nge. Temperaturerniedrignng and geringe 
Lichtintensit&t lassen aber trotzdem eine Assimilation nicht za. 

Anch die Str&ncher verlieren ihr Lanb im Winter und 
perennierende Kr&uter und Grftser verdorren liber dem Wurzel- 
stock. Eine Ausnahme hiervon machen die wintergrtinen und 
immergrfinen GewSlchse, bei welchen ein allm&blicher Ersatz 
stattfindet, z. B. Ligustrum vulgare, llubtts frnticostis, Hedera 
helix, Spartium scaparium, Vaccininm vitis idaea, Ledum pdlusire, 
Pirola, Vinca u. a. 

Durch den Verlust abfallender Organe flihrt aber der 
Banm dem Boden Ersatz flir entzogene Er&fte wieder 
zu. Das in chemischer und physikalischer Beziehung so niitz- 
liche Produkt dieser Abfallstoffe, die humose Bodendecke, 
wirkt besonders mildemd auf die dem Boden ungttnstigen Extreme 
der Temperatur. Der Bodenfrost ist aber ein Hauptfaktor des 
Verwitternngsprozesses, indem die mechanische Kraft des ge- 
frierenden Wassers auf Qesteine zertrtiramernd wirkt, das Poren- 
volumen der Bodenscbichten vergroBert, die BodenaufschlieBung 
begunstigt. 

Sch&dlich wirkt der Frost als „Barfrost" dadurch, daB auf 
unbedeckten B5den die Eiskristalle junge Pfl^nzchen aus dem 
Boden emporheben und infolge raschen Auftauens am ZurUck- 
sinken hindern. 

Der eigentliche Winterfrost scbadet unseren Waldb9,umen 
in ihrer Vegetationsruhe Wenig, da alle angedeuteten Neu- 
bildungen nach Bedarf geschQtzt sind. Nur ^FrflhfrOste" zer- 
st5ren anyerholzte Triebe (Johannistriebe und Stockausschlage) 
wie bei Robinia, Juglans, AUanihis. 

Radial yerlaufende „Fro8trisse** und „Frostleisten*, die 
durch Schwinden des Imbibitionswassei*s aus den Zellwftnden 
und durch L5sung der eingetretenen Spannung entstehen, kommen 
bei unseren HartbSlzern mit starken Markstrahlen yor. 



— 106* — 

Weit nachteiliger ftir den Wald sind die wegen ihres 
winterlichen Charakters hier zu erw§.hDendeD „Spatfr5ste^ (Mai- 
froste), die neugebildete, zarte Triebe und Bliiten zerstSren 
(Tanne, Fichte, Buche, Eiche, Esche, Obstbfturae). Durch pl5tz- 
liche Temperaturerniedrigung unter den Gefrierpunkt tritt Wasser 
aus den Zellen in die Interzellnlarr&ame beziehangsweise in das 
Lnmen der Blattepidermis u. s. w. und gefriert dort, wSJirend 
die hydrostatische Gewebespannung (Turgoreszenz) nachld.£t. 
Bei plotzlichem Wiederauftauen durch die Sonne kann das 
Wasser nicht mehr zurlicktreten, die Gewebe mtissen vertrocknen. 
Nach der neuen Theorie von Professor Dr. Mo lis ch in Prag 
tritt der Gefriertod durch Zerstorung der Molekularstruktur des 
Protoplasmas infolge der geschilderten Wasserentziehung ein. 

Auch der Schnee wirkt wohMtig und zerstorend im 
Walde. Er schtitzt Jungwfichse, Neubildungen und Boden; er 
fiihrt letzterem die sogenannte Winterfeuchtigkeit zu, ist der 
Lieferant von Ammoniak und schwilcht infolge der allmahlichen 
Schneeschmelze im Wald die Hochwassergefahr ab. Verderblich 
aufiert er sich durch ^Schneedruck^ und „Schneebruch*', indem 
er bei geringerer Kalte, zu wtLsserigen Flocken geballt, fest 
am Baum und Gezweig haftet und schlieBlich durch gewaltige 
Last namentlich Nadelholzer zum Fallen und Brechen bringt. 
Ahnliche SchUden verursachen Rauhreif (Duftanhang) und Eis- 
anhang. 

Sehr verschiedenartig ist das Winter stadium unserer 
kleinen Lebewelt im Walde. 

Von den forstlich schadlichen Schmetterlingen iiber- 
wintert die gefftrchtete Nonne (Liparis mmiacha) als Ei, 
ebenso die durch ihre Gifthaare l^tigen Eichen- und Kiefem- 
prozessionsspinner (Cnetocampa processionea und pinivora) , sowie 
Schwammspinner (Liparis dispar), Ringelspinner (Gastropacha 
neustria) und die Frostspanner {Hibemia defoliaria, Oieimatohia 
brumata und boreata), 

Als Raupe fiberwintert der sehr sch&dliche Kiefernspinner 
(Gastropacha pini), der Harzgallenwickler (Tortrix resinana), 
der Weidenholzbohrer (Cossus ligniperda) und die als Sack- 
tragerin bekannte L^rchenminiermotte (Cokophora lartceUa), 

Im Puppenstadium beflnden sich der Kiefemschw^rmer 
(Sphinx pinastri), die Forleule (Trachea piniperda), der Eiefem- 



— 107* — 

spanner (Fidonia piniaria), der B&rstenspinner (Rotschwanz) 
(Dasychira pudibufida)^ der Eichenwickler (Torti-ix viridana), 
sowie der Mondvogel (Pygaera bucephala). 

Unter den Blattwespen finden wir die erste Generation 
von Lophyrus pint als Larve im tonnchenartigen Cocon, die 
zweite als Pnppe. 

Von den liberaus zahlreiclien forstlich wichtlgen K^fern, 
die in einfaclier, doppelter, einjahriger, zwei- bis fttnfjfthriger 
Generation vorkommen, iiberwintern als Imago die BlattkMer 
(Chrysomeliden) and die meisten Bostrychiden (Borkenkafer) 
wie Hylesinus micansy Hylesinus piniperda (Waldgartner). Von 
den wurzelbrtitenden Hylesinen ((Uer, attenu<itus, augustatusy 
Ugniperda), die in doppelter Generation auftreten, ttberwintern 
Kafer nnd Larve gleichzeitig. Auch bei dem grofien, braunen 
Rasselkafer (Hylobius ahietis) finden wir, entsprechend seiner 
zwei Jahre dauernden Entwickelung, im Winter Kaferlarve, 
Kafer-Vater nnd -Sohn. Melolmiha (Maikafer), die sich be- 
kanntlich in 3--5 Jahren entwickelt, kommt auch als Larve 
und Pappe vor. 

Die genane Eenntnis der einzelnen Stadien dieser SchRd* 
linge ist nicht nur ftir Sammler und Forscher, sondern auch 
fiir den Forstmann von groBer Wichtigkeit, da er seine Vor- 
bengungs- nnd VertilgungsmaBregeIn auf Grund derselben 
namentlich im Winter anordnen mufi. 

Von den gefiederten Waldbewohnern haben uns 
die ZugvSgel verlassen. Die heimisch bleibenden haben zum 
besseren Schntze ein dem Landschaftsbild mehr entsprechendes 
graues und weifies Kleid angelegt wie Buchfink, Goldammer, 
S|)erling, wiihrend sich Meise, Bauml&ufer, Zaunkonig und 
Haher mehr durch das Dickicht schiitzen. Nur der heiser 
kr&chzende Galgenvogel hebt sich in seinem Trauerkleide 
schroff vom Leichentuche der Natur ab. Der Gesang ist ver- 
stummt; Selbsterhaltungstrieb ist die Hauptsache. Und um bei 
uns den Nahmngsmangel zn heben, in sUdlichen L&ndern da- 
gegen die uppigeFftlle zn verringem, hat die Natur selbst die 
Zagvdgel in die Fremde geschickt. 

Auch nnser Wild hat ein warmeres Kleid mit liingeren 
Haaren nnd einer der Natnr mehr angepaBten Farbe bekommen. 
Hirscb nnd Beh haben ihr Gehorn abgeworfen. Auch der Balg 



— 108* — 

von Hase and Raubzeng (Fuchs, Marder, litis, Wiesel) hat sich 
verdichtet nnd befestigt and schQtzt gegen Winterk&Ite. Nar 
der Mangel an Asang macht sich namentlich bei hohem Schnee 
bemerkbar ; schwS^chere Stiicke gehen ein ; ein kr^f tiger Schlag 
wird gezeitigt. Meister Grimbart allein bat sich in seinem Baa 
ein fettes Banchlein angemastet and schl^f t dort den Schlaf des 
Gerechten. 

Doch nan zam edelsten Teil der Schopfang, zam Menschen. 
Des Jagers Welt besteht in Wald and Winter, Wild 
and Weidwerk. Der Jagd Hochsaison ist der Winter. Der 
weiBe Pfad, der dem J^ger pttrschen and spfiren liilft, ist der 
beste Leithand. 

Der Forstmann aber maB neben der Blichse anch Bisser, 
ZoUstock aad Eluppe fuhren. Die Vegetationsrahe, die bessere 
Verwertbarkeit von Natz- and Brennholzern, der bessere Holz- 
transport bei Schnee, die Verfligbarkeit von Arbeitskraften nnd 
anderes wirken bestimmend ftir die winterliche Holzfallang. 
So bringt der Wald dem Besitzer ein gat Stiick Geld ein and 
ernahrt viele taasende von Menschen in der beschslftigangslosen, 
kalten Jahreszeit. 

Der der Rahe bediirftige Mensch aber findet, fern vom 
Danste qaalmender Fabrikschlote, fern vom Getiimmel hastenden, 
nervenzerstorenden Verkehrs, in ozonreicher, keimfreier Lnft, 
in heiliger Waldesstille, was ersacht, Erholang andSeelen- 
frieden. 

Denn gerade im friedlichen Schweigen der Winterpracht 
des Waldes stort ihn kein profanes Gerslasch. Sein Geist be- 
freit sich dort jeglichen Drnckes and nar voUer Begeisterang 
schant er die Natar in ihrem weislichen Wirken, wie sie alles 
erhalt,* neaes Leben vorbereitet and — wie sie znr Herstellang 
des notwendigen Gleichgewichts hinwieder fiir Verzehrang and 
Zerstornng ihrer eigenen Schopfang sorgt. 

12. Marz 1904. 

Vorsitzender : Dr. Aagast Knoblanch. 

Mit warmen Worten begrttBt der Vorsitzende Freiherrn 
Dr. Stromer-von Beichenbach, welcher vor karzem von 
einer pal^ontologischen Forschangsreise nach Unteragypten 
zartkckgekehrt ist. 



— 109* — 

Dr. Stromer hat bereits vor zwei Jahren an einer von 
der Koniglich Bayerischen Akademie der Wissenschaften aus- 
gesandten Expedition nach der gleichen Gegend teilgenommeD. 
Es war also selbstverstHndlicb, dafi ihm die Leitung der von 
der Senckenbergischen Gesellscbaft ausgerUsteten Expedition 
ubertragen warde. 

Der Vorsitzende bedanert lebhaft, dafi Herr Albert 
von Reinacb, welclier darch Schenkung reicber Mittel diese 
Forschungsreise ermoglicht hat, zarzeit aus Gesundheitsriick- 
sichten von Frankfurt abwesend ist, uud hofit, dafi derselbe 
bald vollstd^ndig geneseu zuriickkehren moge, urn selbst die 
Bearbeitnng des reichen Materials an fossiien Schildkroten, die 
Dr. Stromer mitgebracht hat, ubernehmen zu konnen. 

Hieraaf bdrlt Dr. Ernst Stromer-von Reichen bach, 
Privatdozent der Pald.ontologie und Geologic an der UniversitUt 
M&nchen, seinen Vortrag iiber 

„Eine geologische Forschungsreise in die Libysche 

waste." 

Er war im Aaftrage and auf Kosten der Sencken- 
bergischen Natarforschenden Gesellscbaft vom No- 
vember 1903 bis zum Februar d. J. in Agypten und unter- 
nahm von Kairo als Standquartier aufier kleinen Ausflitgen 
zu dem benachbarten Ost- und Westrand des Niltales einige 
mehrwochentliche Touren in den nordostlichen Teil der 
Libyscheu Wtiste: in das Uadi Natrun, Uadi Faregh 
and in die Fajfim-Oase und deren Umgebung. 

Wind und Wetter und die zwar gutmiitigen, aber unzu- 
verlassigen und habgierigen Eingeborenen bereiteteu ihm 
manche Schwierigkeiten, dafUr fand er bei den Europaern viel 
Entgegenkommen und hatte in einem deutschen Naturalien- 
sammler eine vorziigliche Hilfskraft. 

Seine Hauptaufgabe war, versteinerte Reste von Wirbel- 
tieren zu sammeln, die vom Mitteleocan (Alttertiar) an in 
Agypten hHuflg sind. Doch machte er naturlich auch geo- 
graphische und geologische Beobachtungeu und 
sammelte Gesteinsproben und viele versteinerte Reste von 
wirbellosen Tieren (Korallen, Schneckeu, Muscheln, Seeigeln 
und Krebsen) and Pflanzen (verkieselte Holzer und BlattabdrUcke). 



— no* — 

Die geologische Geschichte AgypteDS vom Mitteleoc&n an 
ist vor allem dadurch charakterisiert, da6 ein im Sfiden ge- 
legenes Festland sich allm&hlich nach Norden zu vergr56ert. 
In der Plioc&nzeit (jUngstes Tertiar) jedoch bildeten sich in- 
folge von EinbrUchen die Grabensenkungen des Niltales und 
des Roten Meeres, in welche das Meer eindrang. Erst in der 
Diluvialzeit, wfthrend welcher regenreiche Perioden mit trockenen 
abwechselten, erscheint der Nil in seinem Tale und beginnt 
das Delta aufzuschiitten. Aber schon vom Mitteleocd.n an 
lassen sich in der Libyschen WUste die Spuren eines groBen, 
von Sttden kommenden Stromes, des „Urniles" von Dr. B la nek en- 
horn, verfolgen. Ans seinen Delta-Ablagerungen stammendie 
meisten der gesammelten Reste. 

Ans den rein marinen Schichten des unteren MitteleoclLns 
brachte der Vortragende von Wirbeltierresten nur solche von 
vielen Fischen, Krokodilen, Seekiihen und riesigen Urwalen 
(Zmglodoyi) mit, aus dem oberen Mitteleocftn aber Reste von 
Sdrgefischen, Pauzerwelseu, gavialartigen grofien Krokodilen, 
Schildkroten, Seektthen, kleinen Urwalen, Urraubtieren 
(Creodonten) und von den altesten bekannten Vorfahren der 
Mastodonten und Elefanten (MoeritJierium) , also auch von 
StiBwasser- und Landtieren. In den uutersuchten Obereocftn- 
und noch mehr in den Pliocan-Ablagerungen iiberwiegen 
letztere die marinen Tiere. In ersteren fanden sich n&mlich 
Knochen und Z&hne von vielen Schildkroten, Krokodilen und 
Landsftugetieren (Urraubtieren, Creodonten), Urmastodonten 
(Palaeoftiastodon) , primitiven Huftieren (Ancodus)^ in den 
Pliocftnschichten solche von Welsen, Schildkroten und Kroko- 
dilen, sowie von FluBpferden, Antilopen, dem Kameel und von 
Raubtieren. Im Quart ar endlich sammelte der Reisende SUB- 
wasserkonchylien und Wiederkauerreste. 

Zahlreiche Lichtbilder nach Photographien, welche der 
Vortragende oft unter recht schwierigen Verhaltnissen wahrend 
seiner Reise aufgenommen hat, und die reiche Ausstellung 
der wichtigsten, mitgebrachten Fossilien erlautern 
den interessanten Vortrag, welcher von den zahlreich er- 
schienenen Zuhorern mit groBem Beifall aufgenommen wird. 



— Ill* — 

19. M&rz 1904. 

VorsitzeDder : Dr. August Knoblauch. 

Professor Dr. J. Morgenroth, Mitglied des Eoniglichen 
Instituts f&r experimentelie Therapie, spricht Uber 

,Neuere Forschungen uber ITermente.^ 

Die meisten Nahnmgsstoffe m&ssen, bevor sie von der 
Darmwand aufgenommen und dem Blute zugefQhrt werden, 
chemisch verftndert werden. Diese Ver&nderung besteht in einer 
Spaltung, die zu kleineren Molekiilen ftihrt; aus St&rke ent- 
steht Zucker, aus Eiweifi entstehen Albumosen, Peptone und 
gewisse orgauische SHuren. Wfthrend derartige Spaltungs- 
vorgHnge aufierhalb des Organismus nur durch kr&ftig wirkende 
chemische Agentien, wie z. B. StlureUf zu stande kommen, 
verfQgt der Organismus fiber besondere Hilfsmittel in den 
Fermenten, welche die mannigf achen n5tigen Spaltungen der 
Nahrungsstoffe vollbringen. Es kommen hier vor ailem die auf 
St&rke einwirkenden Diastasen der Speicheldrfisen, das Pepsin 
des Magens und das Trypsin der Bauchspeicheldrfise in Betracht, 
welch letztere Eiweifi verdauen, d. h. chemisch spalten. 
Die eiweifiverdauenden Fermente entstehen in den Zellen der 
Magenschleimhaut und der Bauchspeicheldrfise, sind aber zuerst 
in einer unwirksamen Form, als Profermente vorhanden, 
die erst durch verschiedenartige Einflfisse in die wirksamen 
Fermente fibergeffihrt werden. Die Sekretion der Fermente 
lafit sich auch mikroskopisch an ganz charakteristischen Ver- 
anderungen der Zellen verfolgen. 

In letzter Zeit fanden nun Pawlow und Chepo- 
walluikoff, dafi das Protrypsin durch den an sich unwirksamen 
Darmsaf t in das wirksame Trypsin fibergeffihrt wird. Es liegt hier 
ein zweckmtlfiiges Zusammenwirken zweier Substanzen vor, das 
eine interessante Analogie mit gewissen Erscheinungen auf dem 
Gebiete der Immunit&t zeigt, indem die bakterienzerst5rende 
Kraft des Blutes gleichfalls auf einem ahnlichen koordinierten 
Zusammenwirken zweier Schutzstoffe des Serums beruht. 

Zwischen der Sekretion der Verdauungsfermente und der 
Gehirntatigkeit h5herer Tiere besteht ein enger Zusammenhang, 
indem schon durch den Anblickentsprechender Speisen die Sekretion 
der zu ihrer Verdauung geeigneten Fermente angeregt wird. 



— 112* — 

Ernes der interessanten Probleme der Physiologie bildet 
das Problem der Selbstverdauung des Magens und Darmes. Die 
eiweiBverdauenden Fermente greifen wahrend des Lebens die 
Hagen- und Darmwand, die doch seibst zum groBen Teii aus 
EiweiB besteht, nicht an. Eine SchutzwirkuDg dUrfte hier dem 
im Blate enthaltenen normal vorkommenden Antifermenten 
zukommen, wie sie auch wahrscheinlich im Organismus der 
EiugeweidewUrmer vorhanden sind, denen sie die Moglicbkeit 
gew&hren, in dem an Verdauungsfermenten reichen Darmsaft 
za leben. 

Die Forschungen der letzten Jahre liaben gezeigt, dafi 
fast alle tierischen Organe wahrend des Lebens gleichsam im 
Kampfe mit verdauenden F'ermenten liegen, die in deren eigenem 
Gewebe enthalten sind. Nach dem Tode kann ein Zerfall der 
Organe durch diese Fermente stattfinden, der als Autolyse 
bezeichnet wii*d. Bei dem Schutz des Korpers gegen eindringende 
krankheitserregende Bakterien und bei der Heilung vonKrank- 
heiten (LungenentzUndung) kommt der Autolyse vielleicht eine 
gewisse Rolle zu. Ebenso dUrfte sie von Bedeutung sein ffir 
die Biickbildung von Organen bei der Metamorphose der Tiere. 

Zweifellos sind die autolytischen Fermente durch ihre 
eiweifispaltenden Wirkungen von Bedeutung fiir die Lebens- 
prozesse, es ist aber auch daran zu denken, dafi sie zumAuf- 
ban der Organe beitragen, nachdem in den letzten Jahren die 
synthetischen Funktionen gewisser Fermente erkannt worden sind. 

Es ist eine der wich tigs ten Aufgaben der physiologischen 
Chemie, zu untersuchen, inwieweit sich die chemischen Leistuugen 
der Organismen auf Fermentwirkungen zuriickfiihren lassen. 

26. Mirz 1904. 

Vorsitzeuder : Stabsarzt Prof. Dr. E. Marx. 

Eine reichhaltige Ausstellung lebender Salamander 
und Molche, ihrer Futtertiere und Feinde bildete den Abschlufi 
der diesmaligeu WinterveranstaltUDgen. Ausgestellt waren: 

Salamandra maculosa Laur., Feuer salamander: Er- 
wachsene und halbwiichsige Exemplare aus dem Taunus, der 
Bergstrafie, dem Schwai zwald, aus Tirol und vom Mte. Bre bei 
Lugano (z. T. seit laugen Jahren in der Gefangenschaf t gehalten) ; 
ein dreij^hriges und ein zweijahriges Exemplar, in den Jahren 



— 113* — 

1901 bezw. 1902 aus Larven gezogen (das zweijahrige Exemplar 
ist in der Gefangenschaf t geboreu) ; zahlreiche einjahrige Exem- 
plare, aus Larveu gezogen, daranter zwei Tierchen, die als 
Larven im Frankfurter Stadtwalde im Mai 1903 gefangen warden; 
eine flberwinterte Feuersalamanderlarve, im Juli 1903 bei Niedern- 
hausen im Tauuus gefangen (abuorm lange Dauer des Larven- 
zustandes) und zalilreiche diesj&brige Feuersalamanderlarven (am 
17. MkTz 1904 in der Gefangenschaf t geboren). 

Salamandra cUra Laur., Alpensalamander: Erwaclisene 
und halbwiichsige Exemplare von der Konstanzer Hiitte am 
Patteriol, Arlberg, 1800 m HOhe (leg. Dr. A. Jass oy) und ein ein- 
jahriges Exemplar, in der Gefangenschaf tarn 15. Juni 1903 geboren. 

ScUamandrina perspiciUata (Savi), Brillensalamander: 
Aus Florenz (leg. Prof. Dr. L. Edinge r). 

Molge crisUxia {Laxir.), Kammmolch: Erwachsene Mannchen 
und Weibchen im Hochzeitskleide aus der Umgegend von Frank- 
furt (im Wasser uberwintert) ; ein zweijahriges Exemplar von 
125 mm L&nge und zahlreiche einjahrige Exemplare von 80 — 
105 mm L&nge (als Larven gefangen und dauernd im Wasser 
gehalten). JVi. crisUUa var. carnifex Laur. aus Italien, var. lo^igipes 
Strauch aus Griechenland. 

Molge alpestris{LBim\\ Bergmolch: Erwachsene Mannchen 
und Weibchen im Hochzeitskleide aus der Umgegend von Frankfurt. 

Molge vulgaris {L.), Streifenmolch: Desgl. ; var. meridio- 
nalis Blgr. aus Epirus. 

Molge paimata (Schneid.), Fadenmolch: Im Freien uber- 
winterte vorj&hrige Lai-ven, gefangen am 27. Februar und 
12. Marz 1904 (leg. P. Enghardt in Grlinenplan, Hils bei 
Alfeld a. d. Leine). 

Molge boscae (Lat.), Boskascher Molch: Mannchen und 
Weibchen im Hochzeitskleide aus Portugal. 

Molge marmoraia (Latr.), marmorierter Molch: Mann- 
chen und Weibchen im Hochzeitskleide aus Siidfrankretbb. 

Molge blasii de Tlsle, B 1 a s i u s s c h e r M o 1 c h : Ein jahriges 
Exemplar, in der Gefangenschaft geziichtet von Dr. W. Wolters- 
torf f in Magdeburg (cf M. marmomta aus Porto, $ M. crLstata 
var. carnifex aus Neapel); Bastardeier von 31. cri<itata var. caniif'cj:^ 
aus Neapel, befruchtet von M, inarmorata c? aus Argentan ( Kiablage : 
15—19. Marz 1904). Don. Dr. W. Wolterstorff in Magdeburg. 

8 



— 114* — 

Molge pyrrhogastra Boie, Feaerbauchmolch: Mftnnchen 
UDd Weibchen aus Japan. 

Molge wcUtlii (Michah.), Rippenmolch: Aus Radix (Don. 
Dr. W. Wolterstorff in Magdeburg). 

Femer waren ausgestellt frisch abgelegter Laich und kleine 
Kaulquappen des braunen Grasfrosches, lebende Forellen und Stich- 
linge, Flufikrebse, Wasserasseln, Flohkrebse (Gammarus fluviatUis 
Roesel und G. pulex L.), Daphnien und Cyclopiden, groBe Wasser- 
k&fer (Dyticus marglnalis L., Cyhister Roeseli FiiBly und Hydrophilus 
piceus L.) und Libellen nebst ihren Larven, K5cherfliegenlaryen, 
Schnakenlarven (Cukx pipiens L., Chironomus plumosus L. u. a.), 
sog. Mehlwtirmer und Regenwtirmer, die teils Futtertiere, teils 
Feinde der Salamander- und Molchlarven darstellen. 

An der Hand dieses reichhaltigen lebenden Materials 
hielt Dr. August Knoblauch einen anziehenden Vortrag fiber 

^Feuersalamander undMolche in derGefangenschaft.**) 

Neben dieser Ausstellung lebender Tiere wurde der 
Vortrag durch zahlreiche biologische und entwickelungsgescbicht- 
liche Praparate aus dem Senckenbergischen Museum und 
durch eine Reihe kolorierter Abbildungen erlautert, welche die 
Entwickeluug der Frosche und Kroten, der Molche und Salamander 
und die verschiedenen Farbungs-Spielarten des Feuer- 
salamanders zur Auschauung bringen. 

In seinem SchluBwort gab der Vorsitzende Prof. Dr. Marx 
einen kurzen Riickblick auf den iiuBerst befriedigenden Verlauf 
der wissenscliaftlichen Sitzungen in diesem Winter. Dieselben 
hatten sicb, obwobl sie fast alle acht Tage stattfanden, durch- 
weg eines wesentlich starkeren Besucbes zu erfreuen wie in alien 
frl'iheren Jahren. Dasselbe gilt fi'ir die Vorlesungen der Dozenten 
Prof. Dr. Reich enbach. Prof. Dr. Mobius und Privatdozent 
Dr. Ostreich. Vor allem zeigt sich aber das wachsende 
Interesse, welches der Senckenbergischen Natur- 
forschenden Gesellschaft in alien Kreisen der 
Biirgerschaft entgegengebracht wird, in dem steten 
Anwachsen der Mitgliederzahl, welche in den letzten 
Tagen 600 iiberstiegen hat. 



*) Der Vortrag ist in ,Natar und Haus", 1904, erschknen. 



— 115* — 

9. April 1904. 

Matthias Jakob Schleiden. 
Zar Feier seines hundertsten Geburtstages : 5. April 1904. 

Vorsitzender : Dr. Angust Knoblauch. 

Die hentige auBerordentliche Sitzang gilt dem An- 
denken eines Mannes, der weit tiber das Gebiet seines Spezial- 
f aches, der Botanik, hinaus bahnbrechend gewirkt und der 
ein Menschenalter lang in engen Beziehungen zur Sencken- 
bergischen Naturforschenden Gesellschaft gestanden 
hat. „Am 21. April 1849 wurde der damalige Jenenser Professor 
Schleiden zam korrespondierenden Mitgliede ernannt 
und, nachdem er zu Anfang der 70er Jahre seinen Wohnsitz 
nach Darmstadt, Wiesbaden und schliefilich nach Frankfurt 
verlegt hatte, sind viele unserer Mitglieder ihm pers5nlich uahe 
getreten. In dankbarer Erinnerung dessen, was er der Wissen- 
schaft und uns gewesen ist, baben wir an seinem hundertsten 
Geburtstag in friiher Morgenstunde einen Lorbeerkranz am 
Grab des heimgegangenen Freundes niedergelegt und dankbar 
haben wir es empfunden, dafi auch der Magistrat unserer 
Vaterstadt ein gleiches getan und dafi als Vertreter des 
Magistrats die Herren Btirgermeister Geheimrat Dr. Varren- 
t r a p p und Stadtrat Z i m m m e r zu unserer heutigen Sitzung er- 
schienen sind. Wir feiern Schleiden als den groBen 
Gelehrten, der die Botanik zu einer induktiven 
Wissenschaft erhoben und damit der gesamten Biologie 
zielbewufit und mit tiberraschender Klarheit neue Wege ge- 
wiesen hat, und wir feiern ihn, weil wir mit Stolz bekennen 
dttrfen: Er war unser! Und wenn abermals hundert Jahre 
in die Welt gegangen sein werden, und keiner von uns mehr am 
Leben ist, wird eine andere Generation sein Andenken dank- 
bar ehren, wie wir es heute tun!" 

Nach diesen einleitenden Worten des Vorsilzenden halt 
Prof. Dr. M. M6bius 

die Gedachtuisrede. 

Nachdem der Vortragende zunachst auf die Bedeutung 
Schleidens fiir den Aufschwung der Naturwissenschafteu im 
Yorigen Jahrhundert hingewiesen hat, gibt er einen kurzen 

8* 



— 116* — 

LebensabriB des heute Gefeierten. Die Familie Schleiden 
ist eine norddeutsche; der Grofivater Matthias Jakob, dessen 
Namen der berlihmte Enkel erhielt, war Gutsbesitzer in Kiel, 
der Vater, Andreas Benedikt, Stadtphysikus in Hamburg. 
Matthias, der alteste Sohn, besuchte die Schulen seiner Vater- 
stadt und begab sich 1824 ziim Stadium der Jurisprudenz 
nach Heidelberg, wo er 1826 zum Doktor promoviert wurde. 
Darauf liefi er sich in Hamburg als Advokat nieder, fand 
aber so wenig Geschmack an seinem Berufe, dafi er ihn aufgab 
und Medizin zu studieren beschlofi. Er besuchte zu diesem 
Zweck die Universitat Gottingen, wo ihn der Botaniker Bart- 
ling ftir sein Fach gewann. Das Studium der Botanik setzte 
er dann unter der Leitung seines Onkels Horkel in Berlin 
fort, bis er 1839 nach Jena libersiedelte, wo er den philosophi- 
schen Doktorgrad erwarb und zunachst auBerordentlicher Pro- 
fessor der Botanik, spater (1856) ordentlicher Professor und 
Direktor des botanischen Gartens wurde. In dieser 
seiner Stellung entfaltete er eine sehr reiche Tatigkeit durch 
seine Vorlesungen iiber Botanik, Pharmakognosie und Anthro- 
pologie, durch Unterricht in seinem Laboratorium und vor allem 
durch seine wissenschaftlichen Veroffentlichungen. Von Aka- 
demien und Gesellschaf ten wurden ihm mehrfach Auszeichnungen 
zuteil und auch die Senckenbergische Naturforschende 
Gesellschaft ernannte ihn 1849 zu ihrem korrespon- 
dierenden Mitglied. Slorend wirkten die politischen Un- 
ruhen der Jahre 1848 und 1849 und weitere Umstande ver- 
schiedener Art veranlaBten ihn sogar im Jahre 1862, seine 
Stellung aufzugeben und nach Dresden als Privatmann iiber- 
zusiedeln. Zwar wurde er von hier bald nach Dorpat als 
Professor der Anthropologie berufen, aber ebenso schnell 
kehrte er von dort zuriick und lebte nun in Dresden, Frank- 
furt (1872), Darmstadt, Wiesbaden und wieder in unserm 
Frankfurt, wo er am 23. Juni 1881 nach langerem Leiden 
starb. Die letzte Periode seines Lebens war schriftstellerischer 
Tatigkeit auf den verschiedensteu Gebieten gewidmet. 

Das wichtigste seiner Werke ist sein Lehrbuch, die 
„Grundziige der wissenschaftlichen Botanik", in 
dessen ausfiihrlicher Einleituug er seine induktiveMethode 
darlegt und zeigt, wie die Anschauung die Grundlage f6r alles 



- 117* — 

Wissen abgeben und bei alien Untersuchungen die En t wick - 
lungsgeschichte die Hauptrolle spielen mufi. Naher kann 
auf den Inhalt eines solchen Lehrbuchs nicht eingegangen werden ; 
dagegen wird zu zeigen versucbt, in welcher Weise S c h I e i d e n 
die Lehre von der Zelle als dem Grundorgan des 
Pflanzenkorpers begriindet hat und wie im AnschluB daran 
Schwann die Zelle auch als Grundorgan des tierischen 
Organism us erkannte. Ferner wird die eigentiiniliche Theorie, 
die Schleiden Uber die Befruchtung der Bli'itenpflanze auf- 
gestellt hat, besprochen, eine Theorie, die von vornberein wenige 
Anlianger und viele Gegner fand und von ihrem Urheber 
schlieBlich selbst als Irrtum erkannt wurde. Kr hat aber auch 
dabei unsere Kenntnisse iiber diesen Gegenstand vielfach be- 
reicliert und seine zahlreichen anderen, nur erwahnten Arbeiten 
zeigen, daB er auf fast alien Gebieten der reinwissenschaftlichen 
und der angewandten Botanik t&tig gewesen ist. Schon in 
Jena hat Schleiden durch populare Vortrage die botanischeu 
Probleme dem groBen Publikum verstilndlich zu machen ver- 
sucbt und aus diesen Vortragen ist das frfiher berl'ihmte, in 
6 Auflagen heransgegebene Bnch „Die Pflanzen und ihr 
Leben"* entstanden. Aus der groBen Anzahl popularer Schriften, 
die meistens der sp&teren Periode angehr)ren^ seien nur die 
erwUhnt, die als selbstandige Blicher erschienen sind: Die 
„Studien**, eine Sammlung von meistens physikalischen und 
astronomischen Vortr^gen, ^Das Meer", von wesentlich zoo- 
logischem Inhalt, „Die Rose" und „Das Salz". Im AnschluB 
an die Erw&hnnng dieser und anderer Arbeiten wird Sch lei dens 
Stellung zum Darwinismus, seine philosophische WeltauSassung, 
seine religiose Oberzeugung und seine Ansicht von dem Judentum, 
zu dessen Gunsten er mit seinen beiden letzten Schriften ein- 
getreten ist, kurz angedeutet. SchiieBlich wird erwiihnt, daB 
er viel Verstiindnis fUr die bildende Kunst und groBe Fahig- 
keiten im Zeichnen besaB und sich auch in der Poesie mit 
zwei B£lndchen von Gedichten versucbt hat. 



— 118* - 



Mnsenms-Bericht. 



I. ZoologischeSaminluug. 

1. Die SEn^eiier-Saminlnng'. 

Von den aus dem Zoologischen Garten eingelieferten Tieren 
wurde eine ganze Anzahl gestopft und montiert, auch wurden 
aus den Balgvorraten f ri'iherer Jahre verschiedene Tiere fiir die 
Schausammlnng aufgestellt. 

Die Hauptarbeit erstreckte sicli aber auf die Herstellang 
der groBen Gruppen aus der einheimischen Fauna, woruber 
weiter unten niiheres berichtet ist. 

Geschenke: Karl Kullmann: ein sehr schones PHr- 
chen von Arctoinys marmotta L., das zwischen dem Morteratsch- 
und dem Roaeggletscher erlegt worden war. 

Siegmund von Mumm: einen Cams dingo Blumenb. 

Neue Zoologische Gesellschaft: einen neugeborenen 
Census elaphtis L., Criceius frumeniarius L., Miis rattus Pall., 
Gervus capreolus L., neugeboren, Lagostonuis trichodactyhis Brook., 
Felis ko L., 6 Woclien alt, Sciurns Inlineatns Desm., Mephitis 
xofill/i V. d. Hoev., 2 Monate alt, in Formol. 

Karl Huth: Miis sylvaticus L. 

Karl Hopf, Niederhochstadt am Taunus: neugeborene 
Bernhardiner Hunde und einen Schadel einer rassenreinen eng- 
lischen BuUdogge eigener Ziichtung. 

FSrster Obertreis, Grube Heinitz: einen acht Tage 
alten Dachs. 

Frl. E.Rome r, Mora: mehrere Hausratten. 

Kauf : Neue Zoologische Gesellschaft: Cercopithecus 
worm Schreb., C, l/itettikoferi J Qiit., C. dmnaL., Cercocehus collaris 
Gray, Semnopithecus leneoprymn^is Desm., Mncants cynomolgus, 
Cynoceplmlus hamadryas L. juv., Nasua narica Desm., Felts tigris L, 



— 119* — 

neageboren, Lynx caracal GtildenBt, Herpestes robusUis Gray, 
Cants axarae Wied., C. lagopiis L., Dasynrtis macfilahis Kerr., 
Uidelphys axarae Temm., Hypsiprymniis murinus L., Macropus 
agilis Gould., Bettongia lesueuri Q. et G., Phalangista rulptna L., 
Phocxi viivUna L., Sciurus prevosti Desm., So, niacrurus Penn., 
Arctomys fnarvwtia L., Coelogethys paca L., BLson americanus 
Gm., Connochaetes iaurinus Burch., Tragulus meminna £rxl., 
Tamatidua tetradactyla L. 

Hermann Rolle, Berlin, folgende S&ugetierblllge aus 
Uamauien : Talpa etiropaea var. romanica^ Krinacetis romanictis, 
Ihiiorhis sarmaticus Pall., I\ dombiowskii, Lutreola lutreola L., 
Spermophiliis citiUus L., ilesocricetus newloni Nelir., Oricetus 
uehringi und Ijcptis trafissyhanicus, 

Emil Weiske in Dolsenliain in Sachsen folgende Sauge- 
tiere aus Aastralien und Neu-Guinea, von ihni selbst gesammelt : 
iJactylapsila trivirgata Gray., Phalanger maculaiu£ E. Geoffr., 
I^eiuiockirfis canescetis Waterh., Pogonomys lepidus Thomas und 
Macropus agilis Gould. 

J.F.G.Umlauff in Hamburg: Om karelini Sev.^ Kasbgar, 
Cajtra megaceros Hutton, Himalaja, Ovis moyitanay Nord-Amerika. 

J. Menges in Limburg: Dolichoiis patagonica Shaw. 

Pelzh&ndler Nitsche: eine sehr schone gelbe Varietat des 
litis, Ihiioritis typiis L. 

Zoologische Station in Helder: eine junge Phocaena 
communis Less, in Formalin konserviert. 

Die Lokal-Sammlung. 

In der Lokalsammlung wurde hauptsAchlich an der Vor- 
bereitung der Gruppen aus der einheimischen Tierwelt, welche 
in der Schausammlung des neuen Museums Aufstellung linden 
sullen, gearbeitet. Es ist beabsichtigt, die einheimisclien Tiere 
wie Hirsch, Reh, Fnchs, Dachs, Wildschwein, Harder u.s.w. 
familienweise in ihrer natiirlichen Umgebung zu gruppieren und 
diese Gruppen in besonders gebauten Kojen zur Schau zu 
bringen, wie dies im Baubericht (II. Teil, S. 34 u. 35, Abbildung) 
naher erl&utert ist. Auch soil durch Darstellung der Tiere im 
Sommer- und Winterkleid zur Anschauung gebraclit werden, 
wie Dichte und Farbung des Haarkleides u. dergl. mit den 
Jahreszeiten wechseln. 



4 



— 120* — 

Die Vorbereitungen bestanden nicht nur in einer Programm- 
aufstelluDg, welche Tiere genommen und wie dieselben gruppiert 
warden soUen, sondern auch in einer genauen Modelliening der 
einzelnen Tierfamilien in Ton und Herrichtung solcher Kojen 
in Vio natiirlicher Gr5fie durch unsere Konservatoren. 

Sodann war auf die Erwerbung neuen und frischen Ma- 
terials Bedacht zu nehmen, wobei wir von unserem Sektionilr 
Herrn Robert de Neufville in dankenswerter Weise unter- 
stiitzt wurden. Herr de Neufville lieferte uns eine prachtige 
Hirschkuh mit Kalb, Cervtis elaphus L., in schonem Winterkleid 
und eine RehgeiB mit Kitz, Cer^rus capreolus L., woffir wir auch 
an dieser Stelle unseren verbindlichsten Dank abstatten mochten. 
Die Tiere sind bereits dem Plan der neuen Gruppen entsprechend 
hergerichtet und gestopft. 

Um aber diese Gruppen bis zur Er6ffnung unseres Neu- 
baues fertigzustellen, bediirfen wir noch weiterhin eines guten 
Materiales von verschiedeuen Tieren und wir richten daher an unsere 
jagdaustibenden Mitglieder und Freunde die ergebenste Bitte, 
zur VoUendung dieser Gruppen beizutragen. Zur Kenntnis diene, 
dafi folgende Tiere ganz besonders erwiinscht sind: 

1. Im Sommerkleid: 

Edelhirscb, Cervus elapktis L., MUnnchen, Weibchen 
und Junges; 

Reh, Cervus mpreoliis L., Mannchen und Junges; 

Dachs, Meles tax?is L., Mannchen, Weibchen mit Jungen ; 

Wildschwein, Stis scrofa L., Mannchen, Weibchen 
mit Jungen. 

2. Im Winterkleid: 

Edelhirsch, Cervus elaphus L., Mannchen; 
Dammhirsch, Dama vulgaris L., Mannchen und Weibchen ; 
Reh, Cervus capreolus L., MUnnchen; 
Fuchs, Cants vulpes L., Mannchen. 
Es ist wichtig, da6 die Tiere moglichst frisch und un- 
verletzt in die Bearbeitung durch unsere Konservatoren gelangen. 
Wir sind gerne bereit, auf Benachrichtigung einen PrUparator 
zum Abbalgen des Tieres an Ort und Stelle zu entsenden. 

Geschenke: Robert de Neufville: einen schonen 
Edelmarder, Mustela martes L. 

Prof. Dr. L. E dinger: Sorex fodieus L. 



— 121* — 
2. Die Ter^leicheBd-anatomische SammUng. 

Im verflossenen Jahre kamen zahlreiche Tiere zur ana- 
tomischen Verarbeitang ; namentlich wunle das Material aos 
dem Zoologischen Garten zu den verschiedensten Pr£lparaten 
fQr die Schausammiung nnd die Lehrsammlung benutzt. Aacli 
wurde anatomisches Arbeitsmaterial wie Gehirne, Angen, Znngen 
etc. in reicher Menge konserviert. Die Ausniitzung der be- 
treffenden Tiere richtet sich in erster Linie nach ihrer anato- 
misehen Erhaltung, sodann nach ihrem Wert fUr die Scban- 
sammlang, ob Balg und Skelett fiir diese gebraucht werden. 
Bei alien diesen anatomischen nnd Konservierungsarheiten er- 
freiiten wir nns nach wie vor der bewahrten Hilfe von Fran 
M. Sondheim, welche unsere Sammlung u. a. auch dnrch ver- 
8chiedene grofie nnd sclione anatomische Praparate bereicherte. 

Znr Verarbeitung kamen folgende Tiere: 

Felis caracal Guldenst., Dipus gerboa Oliv., Criceitis fm- 
mentariiis Pall., Lagosiomus triclwdactylns Brook., Ccrcopithecns 
pygeryihnis F. Cnv., Felis fco L , 6 Wocheu alt, Dasyurus 
inaculatujt, IHdclphys axarae Temm., Tamamhui tetradactyla L., 
Macroptis agiUs Gonld., Arctomys marmotia Schreb., Macams 
cynoynolgtis L., Hypsiprymnus murintis 111., Sciums bilineahis 
I^esm., Cercocebus collaris Gray., Coelogenys paca L., Traguhis 
meminna Erxl., Cercopilhecus cephtis^ Qmnocliaetes taurinvs 
Burch, Canis difigo L., Cants lagopiis L., Phoca vitulina L.; Oyiio- 
nycteris collaris 111., Semnopitkecus letwopnjmniis Z., Ara mara- 
cana, Phoenicapierus roseus Pall., Aramides tjpeeaha Vieill, Spi- 
lomis melanotiSy Haliaetus albicilla L., Cereapsis fiovae-hol- 
landiae Lath., Gacatua roseocapilla Vieill., Onis virgo L., Pavo 
crislatiis L., Tropidorhynchus corniculattis ^ Ooura coronata, 
Tesiudo daudini Men*. 

Ferner wnrde eine Anzahi junger Katzen und Hnnde zu 
einer Serie von Praparaten ttber die Zahnentwickelung ver- 
arbeitet nnd fOr die Lehrsammlung aufgestellt. 

Geschenke: Prof. F. Richters: Augen von Pliocaena 
communis Less, in Formol konserviert. 

Geheimrat Prof. Dr. C. Weigert: Menschengehirne in 
Formol. 

Buchhftndler DGrbecker: einen Haarballen aus dem Magen 
eines Kalbe& 



— 122* — 

Dr. med. F. Schnell: eine Placenta. 

Dr. med. H. Weber und Prof. Flesch: verscbiedene 
menschliche Embryonen. 

Prof. Rad. Barckhardt in Basel: PrHparat des Rectums 
von Salmo seUar L. 

Die Prilparate der alteren Lehr- nnd Unterrichtssammlung 
warden einer Durchsicht und ganzlichen Neuordnung nnterzogen, 
da alle PrSlparate in ungeeigneten Glasern nntergebracht und 
seit Jahren nicht revidiert waren. Auch fttr die anatomische 
Sammlung wird eine voUstRndige Teilung in eine Unterrichts- 
oder Lehrsammlung und in eine Sckausammlung durchgeftkhrt, 
indem fttr erstere kleinere Stiicke in handlichen GIftsern mit 
besonderem Etikett aufgestellt werden, wRhrend fiir die Schau- 
sammlung grofiere Stlicke montiert werden. Soweit als mOglich 
werden die Praparate in flachen Glasern mit schwarzem oder 
weiBem Hintergrund aufgestellt. 

Wissenschaf tlicke BenUtzung: Prof. P. Matschie 
in Berlin erhielt 2 Photogiaphieen von BiiffelschMel, Bos caffer 
aus Abessinien, von Rtippell gesammelt. 

Prof. P. M5 bins in Leipzig erhielt 21 vSchadel von M&nncben 
und Weibchen verschiedener Saugetiere zum Vergleich, welche 
bereits wieder zurtickgeschickt wurden. 

Dr. med. J. Draseke in Hamburg erhielt Gehirne von 
Auchenia lama und Camebis dromedariiis in Formalin konserviert. 

Das Zoologische Museum in Miinchen erhielt auf 
Wunsch Lagoihrix mfumatus Spix. zum Vergleich. 

Das Konigl. Museum in Berlin sandte eine Anzahl 
Schadel zurUck, welche von Prof. Matschie zum Vergleich 
entliehen waren. 

Von hiesigen Kiinstlern und Kunstschttlern wurden mehr- 
fach Skelette und Tiere als Vorlage zum Zeichnen benutzt. 

3. Die Vo^el-Sammlnn^. 

UnsereVogelsammlung erhielt in dem verflossenen Jahreeinen 
erheblichen Zuwachs durch den Ankauf der von Homeyerschen 
Eiersammlung, welchen wir liauptsachlich der tatkr^ftigen 
Anregung des Herrn Robert de Neufville verdanken. Auf 
sein Betreiben fand sich eine Reihe von Qonnern der Gesellschaft 
bereit, die Homeyersche Eiersammlung unserem Museum zum 



— 123* — 

Geschenk zu machen. An diesem beteiligten sich aufier dem 
Sektion&r Robert de Neufviile die Herren: Generalkonsal 
Baer, Konrad Binding, Otto Brannfels, Heinrich 
Fiinsch, C. Falda, A. Hauck, 0. Hauck, Geheimrat 
Laubenheimer, Prof. Dr. B. Lepsias, V. MOssinger, 
A. von Reinach and Jastizrat Reis. 

Durch die Hochherzigkeit dieser Herren sind wir in den 
Besitz einer Eiersammlung gelangt, welche 1825 Vogelarten mit 
mehr als 14000 Eier enth&lt. Bereits im Jahre 1858 legte 
Alexander von Homeyer, der damals die Vogelsammlaug 
anseres Masenms verwaltete, den Grand zu dieser Eier- 
sammlang, die er bis za seinem am 14. Jali 1908 erfolgten 
Tode anermiidlich vervollstandigt and erganzt hat. Sie ist 
deshalb so besonders wertvoll, weil sie in der Hauptsache aas 
Eiern palaarktischer Vogelarten besteht, von denen die meisten, 
namentlich die earopaiscken Raabvogel, in grofien Sniten ver- 
treten sind. Die Homeyerscbe Eiersammlung war die drittgrofite 
in deatscbem Privatbesitz and die Gelegenbeit zur Erwerbung 
einer so amfangreichen Sammlung wird so leicht nicht wiederkehren. 

Ferner hat die Vogelsammlung durch Zuwendungen ihres 
Sektionars Rob. de Neofville einen sehr erfreulichen Zu- 
wachs erhalten, wovon in erster Linie pmchtige Kolibris Sappho 
sparganura Shaw. <? von Bolivia, 2 Oreopyra leuc(zspis Gould. <? 
and $ von Panama, 2 Khamphodon naeirius Dumont. <? und $, 
St. Paulo, 2 schOne BeUona cristata L. mit Nest und Eiern, von 
(iranada, 2 Oyanolesbia cyanura caudata Gould, 2 Acestrura 
heliodori Bourc. <? and $, 1 Oxypogon lindeni Boiss cf and einige 
Papageienarten : Bionopsiitaais pyrilm Bp. von Columbien, 2 Fos 
barnea eyanotu <? und $ \V. Buru, 2 Prionitunis montanus <? $, 
P. disc9iru8 Vieill., Philippinen, und Tanygnathtis affinis Wall, 
zu erwahnen sein diirf ten ; ferner das Weibchen eines Paradies- 
vogels Falcindlus meyeri Fiusch, 2 wilde Kanarienvogel Serinu^ 
canaritis L. <? and $ von Riba Brava, 2 Puffmua assimiUs Gould 
<? und $ von Porto Santo, Phasianus pmicipalis Scl. $, Trans- 
kaspien, Henicorhina prosiholetica Scl., Orallaria princeps Scl. 
and Salv., Dendromis ^lacrymosa Lawr., Tachypffonus nictidis^ 
aimus Salv., Panama, Pheucticiis auriventris d'Orb et Lafr. <?, 
Bolivia, TriophHus longirosiris Vieill., Saltaior similis d'Orb. et 
Lafr. (?, Brasilien, Panoplites flavescetis Gm., Helianlhea eos 



— 124* — 

Qould, Bourcieria conradi Bourc, Eulampis holosericeus L., 
einige Nester mit in Formol gehllrteten Jiingen, Diglossopts 
caeruleseens Sc\., Sericossyphaalbiaistatalj^h., Iridomis dubtisia 
Bfr., Xanthoura cyanodorsalis Dubois, Ti/ramsctis chrysops Scl.. 
Pseudocolaptes boissoneanli Lafr. von Colambien. 

Neue Zoologische Gesellschaft schenkte: Accentar 
collaris Scop. <?, Panurus biarmictis L. $, Cardinalis cardinaUs L., 
Siumopastor contra L. cf, Acridoihetes irisiis L. $, Dissemurvs 
daradisetis L. $, Ilyphantornis cucullaius S. Miill., Palaearnis 
rosea Bodd. <?, P. torquata Bodd. <?, Indien, Manorhina garrula 
Lath. <?, Pisorhina scops L. $, Columba oe^ias L., Caccabis saxa- 
tilis chukar Gray $ und Numida meleagris L $. 

Louis Witzel, Comuna B^rza, Runid.nien: Aquila me- 
lanaetvs L. und Bubo btibo L. 

Wohlerschttler Krapf : Amadinu pectoralis Gould. 

Verwalter K.Thomas: Pavo cHstaius L. (Nestjunges). 

W. Hies: Coryihaix meriani Riipp. 

Freiherr von Bevernforde in Grabenstlldt am Chiem- 
see: Pandion haliaetvs L. <?, Falco subbtiteo L., Buteo btdeo L., 
Numenius arctiatus L. <?, Colymbiis cristatus L. <? ?, Oallinula 
porxana und das Nest eines Rohrsllngers. 

Karl Kullmann: Spixa cyanea L. <?, Nordamerika. 

H. Schumacher: Hypochaera nitens ultramarina Gm. 

A. Zeh: Bolborhynchiis lineolaitis Cass. ?, Venezuela, 
PoephiUi gouldiae Gould ?. Australien. 

Karl Huth: 2 federfUfiige porzellanfarbige Zwergkaul- 
h&hner, <? $. 

P. Cahn: Ei von Numida vulturina Hardw., im Zoo- 
logischen Garten gelegt. 

Sanitlltsrat Dr. Libbertz: 2 Eier von Cacaiuamoluecensis, 
in der Gefangenschaft gelegt. 

Kauf: Neue Zoologische Gesellschaft: Parus 
varitis Teram. ASchleg, <?, Japan, Spilomis melanoiis Jerd., Ceylon, 
Oeranaetus melanoletums Vieill. c?, Chili, Bamardius xonarius 
Shaw, c?, Australien, Callipepla sqtiamata Vig. <? ?, Mexiko, 
Oedicnemus bistriattis Wagl. ?, Columbia, Polyplectron germaini 
Elliot <?, Cochinchina, Cbriat«acm/ato L.$,Stidamerika, Dendro- 
cygna javanica Horsf. <?, Java, Metopiana peposaca Vieill. rf, 
Chili, und Chenalopex aegyptiacas L. cT, Nordafrika. 



— 126* — 

J. Menges in Limburg: Nettapus albipeymia Gould $, 
Australien. 

Emil Weiske in Dolsenbain, Sacksen: Loria loriae 
Salvad. <?, DiphyUodes magnifica Penn. $, Amblyornis subalaris 
Sharpe, Neuguinea. 

C. F. QrieBbauer: Bubo bubo L. <?. 

W. F. H. Rosenberg in London: Kmberiza pusilla Pall., 
Alcippe nipalefms Hodgs., Psaroglossa spiloptera Vig., Xantho- 
pygia fnligmosa Vig., 2 Oampsorhy7ichus rufulus Blyth., Am- 
peliceps coronatus Blyth., Palaeomis iyidobumianica und Pyrr- 
hura hoffmanni Cab., Jellapur, Br. N.-Indien. 

Taasch: L. Kuhlmann: 2 Accentor alpinu^ Scop, und 
Nest von Jiegukis igntcapiUus Temm. 

Die Lokal-Sammlung. 

Justizrat Dr. E. Schmidt-Polex schenkte einen schonen 
Auerhahn aus dem Spessart. 

E. Kullmann: Regulus regulm L. 

Ferdinand Haag: 2 Nester mit Gelegen von Acroce- 
phalus artmdinaceus L. und A, sireperus Vieill. 

Pastor Eleinschmidt in Nierstein a.Rh. : 4 CheUdonaria 
urbica L. 

C. Eoch: Nest von Carduelis cardueUs L. 

Prof. Dr. L. E d i n g e r schenkte f Ur die Sektionsbibliothek 
Nanmann, die Vogel Mitteleuropas , Band 1 — 12, sowie 
Haacke und Euhnert, die Tier welt der Erde, Band 1—3. 

Wissenschaftliche Beniitzung: Oskar Neumann 
in Berlin arbeitete vom 9. bis 11. Juni 1903 in der Vogel- 
sammlung. 

E. Hartert in Tring erhielt auf Wunsch 5 Stiick Parser 
italiae rufodorsalis zum Vergleich, welche bereits zuriickgeschickt 
wurden. Diese Sperlinge werden von Hartert als neue Form 
jjPasser italiae senckenbergianus^^ in seinem Werk „ Vogel der 
palaearktischen Fanna^ beschrieben. 

Freiherr Carlo von Erlanger in Berlin erhielt 5 Numida 
piilorhyncha zum Vergleich, welche bereits zurtickgeliefert 
wurden. 

Das Zoologische Museum in Miinchen erhielt auf 
Wunsch des Herrn Hellmayr 4 Crax-Arten zum Vergleich. 



— 126* — 

Amtsrat A. Nehrkorn in Braunschweig and das Zoo- 
logische Institut in Ttibingen erhielten den Eatalog onserer 
Vogelsammlung. 

4. Die Keptilien- and Batrachier-SammliiBg* 

Die zahlreichen Neueingange warden dorchbestimmt and 
zm* Aafstellung vorbereitet and die Heraasgabe eines Nach- 
trages za anseren Katalogen fi)r die nachsten Jahre in Aussicht 
genommen. 

Von besonderem Werte f Qr unsere Sammlang war diesmal 
der Ankaaf eines voll erwachsenen StUckes von Chiamydosaurus 
hngi Gray mit auSallend orangegelber F9.rbang der Brast- 
gegend aus Nordwest-Austraiien, den uns Herr Dir. Ad. Seitz 
vermittelte (ein zweites lebendes Stiick von gleicher GroBe be- 
findet sich noch im Zoologischen Garten), and das G^schenk 
eines pr&chtigen Crotalus confluentus Say aas den westlichen 
Vereinigten Staaten, den wir der Neaen Zoologischen Gesell- 
schaft verdanken. Von sonstigen Geschenken heben wir noch 
hervor das riesige, buntgef&rbte Mslnnchen von Chamaeleon 
melleri (Gray) aas dem zentraien Ostaf rika, das bei Herru J o h. 
Berg in Ltidenscheid einige Zeit in Gefangenschaft gelebt hat, 
and die leachtend ziegelrote, schwarzgestreifte Form der Vipera 
renardi (Christ.) aas Batam, wohl die schonste Otter, die bis 
jetzt in ein Museam gekommen ist. Auch die aas Tacaman 
and dem brasilianischen Staate Sta. Catarina erhaltenen Selten- 
heiten and Novitaten sind sehr beachtenswert. 

Geschenke: Neue Zoologische Gesellschaft, hier: 
Leptodactylus oceUatus (L.) <? aas Brasilien and 4 Hyla versicolor 
Lee, sowie Cry2)tobranchus alleghaniensis (Daad.) aas den 6st- 
lichen Vereinigten Staaten. — Waiter Cinosternum pennsylvanicum 
(Gmel.) <f , Chrysemys scripta (Schopfi) and Emys blandingi (Holbr.) 
aas den Vereinigten Staaten and Testudo graeca L. aas Dal- 
matien ; Physigruxthus lesueuri Gray aas Queensland, 2 Gerrhondus 
caertdeus Wiegm. aus den westlichen Vereinigten Staaten, Ltoce- 
phalus personatus Cope aas San Domingo, Sceloporiis consohrinus 
B. G. and 3 Sc. torqiiatus Wiegm. aas Mexiko, Lacerta ocellata 
Daad. aas Spanien and 2 L. viridis Laar. % aus Sudost-Eoropa, 
3 Algiroides nigropmictaius (D. B.) aus Korfu, Egernia striolata 
Pts. von Queensland and E. whitei (Lac6p.) aus Aastralien and 



— 127* - 

Scincus officmdUs Laar. aus Nord-Afrika ; Tropidonotus natrix 
(L.) var. persa Pall, aus Ost-Europa, 2 Tr. (Nerodia) iaxispUcius 
Holbr. aus den Ostlichen VereiDigten Staaten, Zamenis lineaius 
(Boot.) und Coluber mdanoieucus Daud., C. carats Bole var. 
obsoleta Holbr. und 2 0. guUatus L. aus Mexiko, Liophis andraei 
R. L. aus Cuba, Coronella getulu (L.) typ. und var. sayi Holbr. 
aus Florida, 2 CatUia aestiva (L.) aus den ostlichen Vereinigten 
Staaten, Dryophis myderusans (L.) aus Britisch Ost-Indien, 
Oxyrrhopus doelia (Daud.) aus Brasilien, CoelopeUis mofispessuiana 
(Herm.) aus Nord-Afrika, Naia haie L. typ. aus Agypten, 
3 Elaps fulvius (L.) typ. und 1 var. fUzingeri Jan aus Mexiko und 
Crotalus confluentus Say aus den westlichen Vereinigten Staaten. 

Jos. Scherer in Miinchen: Tachydrofnus iachydromoides 
(Schleg.) und Ewneces marginatus (Hallow.) von Nagasaki auf 
Kinsiu, Japan. 

J. Menges in Limburg (Lahn): Varanus oceUatus Rttpp. 
aus Nordost-Afrika. 

t Theod. Kolb in Madras : Nicoria trijuga (Schweigg.) 
von dort. 

Fabrikant Job. Berg in Lttdenscheid : Chafnaelean meUeri 
(Cjray) <j* aus dem Innern von Ost-Afrika. 

Prof. Dr. 0. Boettger: Molge cristata (Lauv.) var. karelini 
Strch. <? von Batum, J von Poti und var. longipes Strch. <? von 
Lenkoran (Easpisee) und M, viUata (Gray) von Psebai, siimtlich 
aus Transkaukasien; Teratoscincus scincus (Schleg.) und 
Eumeces scutatns (Theob.) von Ai-Dere in Transkaspien und 
eine pracbtvoll ziegelrote, schwarzgestreifte Farbenspielait von 
Vipera renardi (Christ.) aus Batum, Transkaukasien. 

Dr. phil. Baron A. vonReinach: Ruckenschild von Trionyx 
triunguis Forsk., gefunden in jangen Anschwemmungen oberhalb 
Kairo am Nil. 

Dr. med. A. Lu tz in S. Paulo, Brasilien : 2 Paludicolu signi- 
fera (Gir.), Hyla sp. und 14 Bufo sp. pull, von dort. 

Wilh. A. Lindholm in Wiesbaden: Emys orbicularis (L.) 
adult, aus der mittleren Kargalka, einem Nebenflufi der Ssakmara 
im Gouvernement Orenburg. 

Prof. Dr. L. Edinger : Coronella austriaca Laur. von Lugano. 

Apotheker Ad. Kinkelin in Ntirnberg: Gcotrypeks petersi 
(Blgr.) aus Kamerun. 



- 128* — 

Ingenieur Karl Fischer: Vipera berusL. var.presierh. 
vom Eichelberg bei Bad Boll, Wttrttemberg. 

Ingenieur Paul Prior: Felodyks pundatus (Daud .) und 
Molge marmorata (Latr.) <? aus Spanien, 4 M. viridescens (Baf.) 
ans den ostlicben Vereinigten Staaten und Chcdcides iridadylus 
Laur. aus Nord-Afrika. 

B. Kahn jun.: Die von Herm Jos. Steinbach inSalta, 
Provinz Tucuman, Argentinian, gesammelten Arten: Bufo 
spintdosus Wiegm., 3 B. marinus (L.) und JB. variegcUtis (Gthr.), 
sodann Phyllomedusa sauvagei Blgr. — Ferner von ebenda: 
Homonata whUei Blgr., 2 Liolaemtis gracilis (Bell) und 1 nov. gen. 
aff. Hoplocercus n. sp. und Amphisbaena n. sp. eM.plumbea Gray; 
Lystrophis semimidus (D. B.), Dromicus chamissoi (Wiegm.) <? 
und OxyrrhopurS rhombifer D. B. 

Kustos Dr. phil. Fr. Romer : Rana esculenta L. var. ridibunda 
Pall. juv. und Anguis fragilis L. von Rovigno, Istrien, und 3 Lacerta 
muralis Laur. var. litoralis Wern. von der Insel Figarola bei 
Rovigno. 

Oberpostpraktikant Heinr. Bickhardt: Salamandra macu- 
losa Laur. von der Kesselbruchschneise im Frankfurter Wald 
(nachster Fundort bei Frankfurt a. M.l), gesammelt 1901, und 
Corandla austriaca Laur. von Enkheim (ebenfalls unser n&chster 
Fundort!), gesammelt 1904. 

Karl Henrich, Brautechniker : Hydrus platurus (L.) 
var. D. von Mollendo, Siid-Peru. 

Dr. jur. Fritz Berg: Schadel eines erwachsenen Crocodilus 
nUoticus (L.) aus Ost-Afrika. 

Dr. med. Karl Gerlach: Hyla arborea (L.) yslt. japonica 
Schleg. juv., 14 Molge pyrrhogastra Boie und Coluber conspicUlatus 
Boie, samtlich vom Unzengebirge, 2500', bei Nagasaki auf 
Kiusiu, Japan. 

Dr. med. Aug. Knoblauch: Mehrere Rana temporaria L. 
von Niedernhausen (Taunus) und Hyla faber Wied aus S. Paulo 
(Brasilien), von Dr. med. A. Lutz daselbst gesammelt, die er 
einige Zeit hier lebend gehalten hat; Salamandra maculosa Laur., 
Larven aus dem Frankfurter Wald und erwachsene Tiere aus 
dem Taunus, der BergstraBe und dem Schwarzwald, Molge 
cm^a^a (Laur.), Larven und junge Landformen, M.alpestris{L9Mr,\ 
Larven, M, vulgaris (L.), Larven, M. palmata (Schneid.), im Freien 



— 129* — 

uberwinterte Larven, M. inarmoraia (Latr.), erwachsene Tiere, die 
meist zu Entwickelungsreilien fUr die Schaasammlung aufgestellt 
wurden, sowie von alien Arten Material an erwachsenen Tieren ; 
ferner Anguis fragilis L., die fill' die Lebrsammhing beuutzt 
und zu anatomischeu Pr^paraten verarbeitet wurdeD, und 
Trapidanoius nairix (L.) vom M&hlgraben bei Enkbeim. 

C. Weidtmann, K5nigl. Torfverwalter in Caidinenliorst 
(OstpreuBen) : Vipera herns (L.) mit Embryonen in Alkohol, die 
zu eiuem anatomischen Pr^parat ftir die Lehrsammluug ver- 
wandt wnrde. 

Jos. Mailer in Villbach bei Orb: Mehrere lebende V^ma 
berus (L.), die gleichfalls zu anatomischen Praparaten benutzt 
wurden. 

Kauf : Aus 1903: Gecko swMioei Gtbr. cT (im Ubergang 
zu G. subpalmattis Gtbr.) aus Peking. 

Durcb Herrn Direktor Dr. Ad. Seitz: Ein pracbtvoUer 
Cfdiwnjdosaurus kingi Gray adult, aus Nordwest-Australien. 

W. Hies, Missionskaufmann in Kamerun: 2 Crocodilus 
n'doticus Laur. juv., Varanus nilotictAS (L.) juv., Cltamadean parvi- 
hbiis Blgr. <?, Calabariii reinhardti (Scbleg.), Boodon oUvaceus 
(A. Dum.) und 3 B, virgatus (Hallow.), Lycophidium fasciatum 
(Gtbr.) var., 2 SmocepJudus poetisis (Smitb), Chlorophis Mcro- 
dermus Hallow., Grayia smythi (Leach), Dipsiulomorphus blmuVmgi 
(Hallow.) und 2 Naia tnelanoleaca Hallow, von dort. 

H. Frubstorf er, Naturalienbaudler in Berlin: ^ liana 
houlengeri Gtbr. und 4 ii. limnocharis Wiegni., 2 Calojthrynus 
pleurostigma Tscb., 8 Microhyla pulchra (Hallow.), Ophryophryne 
microstoma Blgr., 2 Bufo melanostktus Schneid., 5 Hyla simplex 
Bttgr., Leptobrachium inofUicol<JL Gtbr. und L. hasselti Tsch. ^ 
und 12 Junge, sowie Tylototritofi verrucosus Anders., samtlich von 
Tonkin. — Fenier Damonia subtrijuga (Schlg. M.) aus Siara; 
(itcko veHicdlati^ Laur. juv., 2 Calotvs cf. vemivolor Daiid. (als 
fruJistorferi n. sp. erbalten), Japalura aff. yunnatwusis Anders., 
•i Acanihoaaura fruhstorfcri Weru., Tacliydromus arjiincatns 
Daud., Mabuiau. sp. aff. midtifasciata Kuhl, 2 Lygosomn {Uiuulin) 
maculidum (Blytb), 2 L, {Liolepisma) sikkimcnse (Hlyth) uud 
L. {Honiokpkla) fruhstorfcri Bttgr.; Tropidimotus stolatus (L.) 
juv. und Simotes purpurascens (Schleg.) juv., samtli<:.h aus 
Tonkin. 



— 130* — 

W. Ehrbardt in Kolonie Hansa, Staat Sta. Catarina, 
Brasilien: Leptodadylus poecilochUus (Cope) und 6 L. oceUatus 
(L.), 5 Ceratophrys dorsata Wied, 2 Hyla appendictdcUa Blgr., 
n U, faber Wied, 15 if. mesophaea Hensel, IG H. nasica Cope, 
2 H. albomarginaia Spix, H. bischoffi Blgr., H. afE. fusca Daud., 
2 Siphonops aff. patdensis Bttgr. — Weiter 6 Enyalitis caienatus 
Wied. var. paulista Jhr., Prionodadylus n. sp., Amphisbaena 
darwini D. B., 5 Lepidosternum microcephaium (Wagl.), sowie 
Elaps corcdlinus Wied var. B., samtlich von dort. 

Dr. phil. Franz Werner in Wien: Rana novae-brUannkte 
Wern. (Cotype) aus Neuguinea, JR. oxyrrhynchus Smith aus Usam- 
bara und R. angoleiisis Boc. aus Transvaal, Hyla impura Pts. 
Dor. aus Stephansort, Deutsch-Neuguinea ; Chrysemys concinna 
(Lee.) aus Nord-Carolina und Chr, ornata (Gray) aus Mexiko; 
Tarentola mauritanica (L.) von Zara, Urostrophtis vatUieri D. B. 
aus Sta. Catarina, Ameiva bifrotitata Cope aus den Vereinigten 
Staaten von Kolumbieu, Tachydromus formosanus Blgr. von 
Tamsui, Formosa, Lacerta praticola Eversm. aus Bumanien und 
L. taurica Pall, von Fehertemplom bei Bazias, Stid-Ungarn, so- 
wie 2 Lygosoma (Liolepisma) sikkimense (Blyth) aus Siam; 
endlich Grayia smythi (Leach) vom Kongo. 

Tausch: Dr. phil. Franz Werner in Wien erhielt 13 
Arten von Reptilien und Batrachiern und sandte daftir: Rana 
agilis Thom. von Pola, Istrien, und R. aequeplicata Wern. (Cotype) 
aus Kamerun, MafUidactylus goudoti (Bibr.) und M. rhodoscelis 
(Blgr.), sowie Mantella baroni Blgr. aus Madagaskar, Calltda 
obscura Gthr. aus Ceylon, Bufo jerboa Blgr. aus Nordost-Borneo 
uud B. typhonius (L.) aus Ecuador. — Ferner : Cinixys hotneana 
Bell juv. aus Kamerun; Calotes brevipes Wern. (Cotype) aus 
Tonkin, Cnem'idophorus perplexus B. G. aus Texas, Lacerta 
mosorknsis Kolomb. vou der Baba planina in der Herzegowina, 
Mabiiia ozarii Boc. von der Insel Annobom, West-Afrika, und 
Lygosoma (Riopa) guinee^ise Pts. aus Togo; Tropidonotus natrix 
(L.) var. persa Pall, aus Sarikeui, Kl.-Asien, Zame^iis gemonensis 
Laur. von Zara, Coluber longissimus Laur. von Wien, Chlorophis 
negledus (Pts.) und Rhamphiophis oxyrrhynchus (Eeinh.) aus 
Usambara, sowie Confia coUaris (M6n.) aus Adana in Cilicien. 

Wissenschaftliche Benutzung: Die Lithographische 
Anstalt von Werner & Winter lieferte den Panzer von 



— 131* — 

Testudo ynipl^ra Vaill. % zurtick, der iu unseren Abbandlungen 
Band 27 in einer Arbeit von Kustos Dr. F. Siebenrock ab- 
gebildet ist. 

Dr. Fr. Werner in Wien erhielt auf Wuusch den Kiefer 
von Fleischmannia obscura Bttgr. zum Vergleich und bestatigte, 
dafi diese Schlange opisthoglyph ist (bereits zuriickgeliefert), 
ferner auf Wunsch zum Vergleich Uroplates ebetiaui Bttgr. und 
Liicerta danfordi (Gthr.) (ebenfalls bereits zuriickgelangt). 

Kustos Dr. F. S i e b e n r c k in Wien sandte die Panzer 
von zehn siidafrikanischen Testudo-Axt^xi zuruck, die er zur 
Bearbeitung der Qruppe der T, geonietrtca L. entliehen hatte, 
und erkannte daruuter eine neue Art, die er dem unterzeichneten 
Sektionar zu Ehren benannt hat. 

Stabsarzt Dr. med. Drimer in Berlin erhielt auf Wunsch 
eiue Reihe von Larven der li, escvdenia L. mit Sublimateisessig 
konserviert. 

Dr. phil. Baron A. von Reinach entlieh Ocadia shmmh 
(Gray) nebst Skelett zum Vergleich. 

Hof rat Prof. Dr. Fr. Steindachner in Wien erhielt auf 
Wunsch das Originalstiick von Agama (Stellio) cyanogasttr Riippell 
zum Vergleich. 

Das Zoologische Institut in Erlangen erhielt auf 
Wunsch Material von sieben Eidechsen-Arten zur anatomischen 
Bearbeitung. Prof. Dr. 0. Boettger. 

5. Die Fisch-Sammlnngr* 

Zur Aufstellung in der neueu Schausammlung schenkte 
Herr Fritz Winter 31 kolorierte Tafeln aus dem groBen 
Prachtwerk „die StiBwasserfische von Mitteleuropa", welches 
demnachst von der Lithographischen Anstalt von Werner ^ 
Winter herausgegeben wird. Diese Tafeln wurden mit Ghis 
und schmalem Holzrahmen versehen und werden iu der Schau- 
sammlung zur Ulustrierung der nattirlichen Farben der eiu- 
heimischen Fische dienen. 

Sodann wurde mit der Schaffung einer Sammlung von 
kranken Fischen und Fischki*ankheiten begonnen, wozu die 
Herren F. Winter und Kastellan Wagner vom Physikalischen 
Verein schdne Beitr&ge lieferten. 

Geschenke: Ernst Schick: Ein HaifischgebiB. 

9* 



— 132* — 

Dr. med. CarlGeilach: 50 kleine Fische vom Unzen- 
gebirge bei Nagasaki iu Japan aus 2500 Fnfi Hohe. 

Dr. med. E. Roediger: Eine schon kouservierte Scor- 
poena porcus L. aus der Kieler Buclit. 

Stud. jur. P. Oppenheim: Einen groBen Stechrochen 
Trygon pastmaca Cuv., 1,05 m lang und 70 cm breit, von Helgo- 
land, von dem schoue Schaupraparate vom Zentralnervensystem, 
Magen, Spiraldarm und Uterus gewonnen wurdeu; ferner Cteno- 
labru^ nipestrt^ C. V., Gadus morrhua L., Ammodyies lanceo- 
lattm Less., Motella nmstela Nils., Zoarces vivipams Cuv. 

Prof. Dr. F. B 1 o c h m a n n in Tiibingen : Einen Mtstkhihys 
luxonensis von den Philippinen, das kleinste Wirbeltier der Welt. 

Wilhelm Winheim: Einen Igelfisch. 

F. Winter: Salmo salrelinus var. profundus aus dem 
Bodeusee, Thymallus vulgaris Nils., einjahrig, Oobio fluviaiilis 
Flem., Cobitis taenia L., Coitus gobio L., Oastrosteus aculeatulus 
L., Petromyxon fluviatilis L., Clupea harengus L. mit Schuppen, 
aus der Nordsee, welclie Fische samtlich fur die Lehrsammlung 
verwandt wurdeu. Ferner Oyprinus carpio L., mit I\scicola 
besetzt und Bisstellen von Pi^cicola, pockenkranke Karpfen, 
Epithelioma papillosum^ dessen Erreger Myxobolus cyprini ist, 
Karpfen mit Costienkrankbeit, deren Erreger Costia necal^nx 
Mmoff ist, Regenbogen-Forelle mit Drebkrankheit, deren Erreger 
Myxobolus chondrophagus im GebOrorgan ist. 

Kastellan Wagner: Verschiedeue Fische, die mit Sapro- 
legnien besetzt waren. 

Prof. Kathariner in Freiburg, Schweiz, erhielt Embry- 
onen von Mtcstelus laevis Risso. 

Die k. k. Zoologische Station in Triest sandte die 
gut praparierte Haut eines Mondflsches, (Jrihagoriseus tnola 
Bl. Schn., 1,52 cm lioch und 1,22 cm lang, mit einer Photo- 
graphie und geuaueu Malkugaben, so da6 ein prachtiges Schau- 
stuck daraus gestopft werden kounte. 

Die Zoologische Station iu Rovigno sandte eine 
Centrina salviani Risso von 78 cm Lange in Formol, ebenfalls 
ein schones Stiick fUr die Schausammlung. 

Kauf: Von Dr. F. W'erner iu Wien wurdeu einige 
Hohlenfische und von M. Cialona in Messina eine Serie Lepto- 
cephaliden angekauft. 



— 133* — 

6. Die Gliedertier-Saninilnugr. 

Neben der Erledigung der laufenden Geschafte, welche in 
der EinordnuDg der neuen Erwerbungen, der Durchsicht der ge- 
ordneten Sammlungen and der Erledigung des Tausches and des 
wissenschaftlichen Verkehres mit anderen Maseen and Gelehrten 
bestehen, warde mit der Praparation and Determination der noch 
vorhandenen Bestande sowie deren sammlungsgemaQen Aufstellang 
fortgefahren. Besonders warde die im vorigen Jahr begonnene 
Neaordnang der Hymenoptera and Hemiptera weitergefuhrt. 

Oberlehrer Dr. P. Sack hat freandlicher Weise mit der 
Durchsicht and Ordnung der Dipteren fortgefahren und die 
Familien der Assiliden und Leptiden erledigt. 

Der Assistent Dr. Wilhelmi begann mit der Ausscheidung 
und Aufstellung einer Schausammlung and hat dafl'ir zunachst 
die Skorpione und Myriopoden in Angriff geuommen. 

Geschenke: Prof. Dr. von Heyden: Vier Kasten mit 
Hymenopteren aus dem Taunus und von Soden a. d. Werra; 
ferner 8 wertvoUe Kafer, prachtvoU gefarbt, von den Philippinen 
(von Semper gesammelt); Dipteren von Falkenstein a. T. in 
.-^7 Arten; Orthopteren, Forflculiden, Hymenopteren, Dipteren, 
und Hemipteren von Geh. Rat Rein in Japan und von Prof. Fritsch 
und Geh. Rat Rein in Marokko gesammelt. 

AlbrechtWeis: 171 Dipteren in 108 Arten aus Lugano, 
Airolo und Goschenen. 

Dr. med. Aug. Knoblauch: Eine Entwickeluugsserie der 
Larveu von Df/iiciis marginalis L., eine Suite von (irehausen 
von Phryganiden-Larven, aus dem verschiedensten Material 
gebaut, Lociista viridissimn L. und Nepa vinerm L. 

Tngenieur Paul Prior: Zecken von TcMudo fjraecn, 

Frau M. Sondheim: Ornithotnifia und Milben von Cijpsehm 
apus. 

Louis Frank: Anjns reflerNs aus einem Taubenschlag. 

Dr. med. Karl Gerlach: Verschiedene Insekten vom 
Unzengebirge bei Nagasaki in Japan. 

Prof. Dr. Marx: 100 Insekten aus Kalmbach bei Wildbad. 

Frl. H. Rohrig: Ein Humnielnest in einem Meisennest 
aus einem Staarenkasten ; Kopf von Luciopcrcn mit zahlreic.hen 
Lemeonema an der Zunge, an den Kiefern und an den Kiemen. 

Karl Huth: Eine Raupe von Cossus liyniperih Fabr. 



— 134* — 

Stud. jur. Paul Oppenheim: Viele Larven von Ldna 
populi in Sublimat- Alkohol konserviert ; ferner CapreUa acumini' 
fera, Mysis flexuosay Podocnemis falcattis^ Edotea emarginaiay 
ferner Nephraps ?wrvegtcus, Homarus vulgaris, Cancer pagurus 
und Cardnus maenas mit Saccutina cardnt besetzt, von Helgo- 
land, welche wegen ihrer schonen Konservierung und Erhaltung 
prachtvolle Schaustiicke darstellen. 

Dr. med. E. Roediger: Carctnus maenas hen^di aus der 
Kieler Bucht. 

Prof.Dr.F.Richters: Enocyla pusilla, Trichopteren-Larven 
von Buchen und Liponeura brevirostris Low aus dem Harz. 

H. Feistmann, Offenbach: Holzlause, welche in einer 
Villa durch massenweises Auftreten lastig wurden, von Dr. En- 
derlein in Berlin als Nymphospocus destructor End. in den 
Zool. Jahrb. Abt. f. Syst. Bd. 9, 1904 S. 727 beschrieben. 

D. F. Heynemann: Oryllotalpa vulgaris L. und Sirex 
gigas L. in Alkohol. 

Frau Prof. F 1 e s c h : Eine KoUektion Insekten und Spinnen 
in Alkohol vom Forsthaus Tenne im Taunus. 

Dr. J oh. Guide: Pseudoskorpione von einer Fliege. 

Oberstleutnant a. D. von Both in Cassel: 220 gespannte 
Kafer in 100 Arten. 

Prof. Alex. Koenig in Bonn: Insekten von seiner Reise 
im Sudan. 

Lehrer H. Kehret: Zecken von einer ostindischen Riesen- 
schlange. 

Konsul Guido von SchrSter in San Jos§: 40 Easten 
mit gespannten Schmetterlingen. 

Geometer P. Preiss in Ludwigshafen : 2 monstrose Hirsch- 
kafer mit doppelten Fiihlergliedem. 

Hans Mobius: Cardmis mae^ias und Paguriden in 
Buccinum'Schsileu von Sylt. 

Zoologische Station in Rovigno: Dromia vulgaris 
L., mit Spongien u.s.w. bewachsen. 

Kauf: Missionskaufmann W. Hies in Kamerun: Ver- 
schiedene Goliathkafer. 

H. Fruhstorfer in Berlin: 2 Centurien Kafer aus 
Tongking und eine KoUektion grofier Stabheuschrecken zum 
Aufstellen in der Schausammlung. 



— 135* — 

Ferner warde angekauft die Schmetterlingssamm- 
lung anseres verstorbenen Mitgliedes F. W. Mann, die un- 
gefahr 2500 Arten in etwa 8000 Exemplaren umfaBt. (Uber 
ihren Wert fur unser Museum vergl. den „Bericht" 1903, S. 157*.) 

Wissenschaf tliche Beniitzung: B. du Buysson 
in Paris erhielt 167 Exemplare Chrysididen, welche nach Derter- 
minierung wieder zuriickgesandt wurden. 

Lehrer J. Schilski in Berlin bestimmte die Apion-Avteu, 
worunter ^.ae5^ima/Mw Faust aus Westpreussen, gesammelt von 
Hofrat B. Hagen, fiir Deutscbland neu war. (Sonst nur aus 
dem Kaukasus bekannt.) 

E. Frey-Gessner in Genf erhielt 72 Scolien, welche 
nach Derterminierung wieder zuriickgesandt wurden. 

Ernest Andre in Gray erhielt 97 Mustilliden, welche 
nach Derterminierung wieder zuriickgesandt wurden. 

Kustos F. Kohl in Wien erhielt 276 Stuck Amophila, 
Cerceris^ Larridae, Philanhis u.s.w. zur Bearbeitung. 

Kustos A. Handlirsch in Wien erhielt 89 Bembex-AYteu 
zur Bearbeitung. 

Oberst a. D. von Schonfeld in Eisenach erhielt auf 
Wunsch 134 Oniophag lui- Avteu zur Revision. 

Jean Roux in Basel erhielt auf Wunsch zum Vergleich 
2 Potamon cassiope^ von KUkenthal in Ternate gesammelt. 

EdouardChevreux in Bone, Algier, erhielt auf Wunsch 
konserviertes Material von Oammanis fhiviaiilis Ros. und 0, 
pulex L. aus der Umgegend von Frankfurt. 

Die Sammlung der mikroskopischen Prilparate wurde durch 
Toto-Praparate von Milben, Fliegen u.s.w., sowie durch Prftparate 
von Mundteilen u. s.w. bedeutend vermehrt ; auch hierzu lieferte 
Frau M. Sondheim zahlreiche und wichtige Beitrage. 

Fiir die Sektionsbibliothek wurde u. a. angeschafft: 
Dalla Torre, Catalogus Hymenopterorum, Bd. 1 — 10; Le- 
thierry und Severin, Catalogue des Hemipt^res, Bd. 1 — 3. 

Prof. Dr.v. Heydeu, A.Weis,Dr. B. Hagen, Dr. J. Guide. 

7. Die MoUnsken-Sainmlungr. 

Die malakozoologische Sektion hat im verflossenen Berichts- 
jahre schwer unter der Kranklieit und dem Tode des Sektioniirs 
Dr. 0. F. von Moellendorff gelitten und leidet noch darunter, 



— 136* — 

da es bis jetzt nicht moglich war, einen Ersatz ftir ihn 
za findeD. 

Die Abteilung erhielt folgende Geschenke: 

Dr. med. Karl Gerlach: 14 Schnecken vom Unzen- 
gebirge bei Nagasaki in Japan aus 2500 FuB H5he. 

Dr. med. F. Blum: VUrina pellucida Miill, Hyalinia 
(Conulus) ftilva Miill., H. (VUrea) diapJiana Stud., //. (Folita) 
cellaria MUll., H. nitens Mich, uud H, pura Held von Weissen- 
stein bei Solothurn. 

Dr. med. E. Roediger: Mytilus edidis L , aus der Kieler 
Bucht, gruppenweise zusammengewachsen. 

Frau Prof. Flesch: Helix pomatiah, und Unto pidornm 
L. von Tenne im Taunus. 

L. Pfeiffer aus Darmstadt: Eine Suite Landschnecken 
von Nizza an der Riviera. 

HansMobius: Buccinum undatum L. und Mytilus edulis L., 
mit Tier in Formol aus Sylt. 

Dr. A. Lutz in S&o Paulo, Brasilien: Landschnecken aus 
Brasilien und verschie'dene Nachtschnecken in Alkohol. 

Oberpostpraktikant Bickhardt: Anodonta piscindlis Nils., 
25 Stiick, Anodanta piscinalLs Nils. var. ancUina L., 1 StUck, 
Unio pictorum L., 14 Sttick, U. tumidus Phil., 1 Stttck, in der 
Uberschwemmungszone am Main im Marz 1904 gesammelt. 

H. Fruhstorfer in Berlin: Nacktschnecken aus Tongking 
und Siam, Vvronicelh patriaiiana Heude, 14 Stttck, V. huntera 
C, 10 Stuck, Fhylomycus dendriticus Clp., viele. PA. bilineatus 
Bens., 8 Sttick. 

Zoologische Station in Triest: Pinna squammosa Jj , 
3 schone Stticke von 70, 60 und 45 cm Lange, von denen die 
letztere mit Austernschalen bewachsen ist. 

Dr. (). von Moellendorff : Eine schone Valuta ponsonbyi 
Smith, aus Natal. 

Hofrat Dr. B. Hagen: Eine Suite Landschnecken vom 
Garda-See. 

Paul Hesse in Venedig: Eine Serie Mollusken von der 
Congomundung, dabei die uns noch fehlende Gattung Fischeria 
in zwei Arten. 

Tausch: Zoologisches Institut in Ttibingen sandte 
12 Stiick VitrineUa quenstedti aus der Falkensteiner H5hle bei 



— 137* — 

Urach (E. Hesse Sammler) nnd erhielt daftir die Kataloge unserer 
Reptilien- and VogelsammlaDg. 

Eauf: J. F. G. Umlanff in Hamburg: Argonauta otveni 
in Alkohol. 

H. Paganetti in V5slaa: Dalmatinische Claasilien, sowie 
die seltene Spelaeoconcha paganetti Star. 

H.Preston in London: verschiedene Landkonchylien aas 
Ostafrika and Neagainea. 

Den Ankanf der wertvollen Sammlang von Moellen- 
dorffs (vergl. den „Bericht** 1903 S. 71* and 155*) verdanken 
wir der Hochherzigkeit der Herren W. B. Bonn, Adolf Gans, 
Geh. Komm.-Rat Dr. Leo Gans, Benedikt Goldschmidt, 
Generalkousal v. Goldschmidt-Rothscliild, Charles Hall- 
garten, E. Ladenbarg, Fraa Dr. Lacias, Malako- 
zoologische Gesellschaft, W. Merton, H. v. Mamm, 
Moritz Oppenheim, Albert v. Reinach, Freifran 
V. Rothschild, L. Sonnemann, Fraa G. Speyer, Frau 
Th. Stern, Dr. Arthnr Weinberg and A. H. Wendt. 

Dubletten warden aas der v. Moellendorffschen Sammlang 
im Taasch and Verkaaf abgegeben an die zoologischen Museen 
und Institute von Berlin, Breslan, Dublin, Hamburg, Hildes- 
heim, Jena, K6ln, Wien and Wiesbaden ; ferner an die Herren 
H. Arnold in Nordhausen, F. Holz in Frankfurt, C. Nater- 
mann in Hann. Mttnden, H. Rolle in Berlin und Dr. Wagner 
in Wien. 

Die Kobeltsche Sammlang europiiischer Landschnecken 
wurde u. a. bereichert durch Dr. Kobelts reiclie Ausbeute aus 
der sfidlichen Bunlicata und Calabrien, ferner durcli reiche 
Saiten von Pofnatia, welche Herr Karl Heynemann in 
RumRnieu teils selbst sammelte, teils in der Fastenzeit auf den 
M^rkten kanf en lieB. Audi von Herrn Fabrikant W o h 1 b e r e d t - 
Triebes wurden einige Serien orientalischerFormen in Taasch 
erworben. 

Wissenschaftliche Bentttzung: P.Hesse in Venedig 
erhielt 16 Arten Landschnecken aus Italien, von Dr. Kobelt 1903 
gesammelt, zur anatomischen Bearbeitung. 

Geheimrat Prof. Dr. Rein in Bonn entlieh Sclialen and 
Perlen von MeliagriYia, welche bereits wieder zuriickgesandt 
warden. 



— 138* — 

Geheimrat Prof . V. M a r t e n s in Berlin erhielt Scbalen von 
Hdix cinda Mttll., von Dr. F. Romer 1902 an der Adria ge- 
sammelt, die in der Mhe der oberen Windang ovale L5cher auf- 
weisen. Diese riihren nach v. Martens von K&ferlarven der Gattung 
Drilus her, wortiber v. Martens eine Mitteilung in den Sitzungs- 
berichten der Ges. Naturf. Freunde in Berlin, Jahrg. 1903, S.393, 
veroffentlichte. Ferner: angebohrte Muschelschalen aus der 
Nordsee, Gardium edule L., deren Locher durch NcUica verur- 

sacht sind. _. irr t^ u w 

Dr. W. Kobelt. 



8. Die Sammlnngr der wirbellosen Tiere 
(mit Ansschlafi der Gliedertiere and Mollasken). 

1. Tunicata. In der Grappe der Ascidien wurde aus 
dem vom Knstos F. Romer in Rovigno gesammelten Materiale 
von Frau M. S o n d h e i m eine Reihe mikroskopischer PrS.parate 
and Schnittserien hergestellt. 

Geschenke: Dr. F. Romer und Dr. F. Schaudinn 
aus dem Materiale ihrer Spitzbergen - Expedition : Synoecimi 
(Amarmicium) incnislatum (Sars) von der B^reninsel, Kiikenthalia 
(Ooodairia) borealis (Gottsch.) von Ost-Spitzbergen. 

2. Wtlrmer. Das Einsammeln von parasitischen Wttrmern 
aus den eingelieferten Tieren und bei den Tieren des Zoologischen 
Gartens wurde eifrig fortgesetzt. 

Geschenke: Dr. Aug. Jassoy: Ascaris liimbricoides L., 
Taenia saginata Goeze und Bothriocephaltis latus Brems. in Formol 
konserviert. 

Dr. F. Romer und Dr. F. Schaudinn aus dem Materiale 
ihrer Spitzbergen - Expedition : Dibothriocephaltis schistochUus 
(Germ.) aus dem Darm von Phoca barbata und Dib, cordattis 
Leuck. aus Phoca vitulina^ sowie Schnittserien von genannten 
Wttrmern und von Dib. romeri Zschokke aus dem Darm von 
Trickechus rosma^nis L. 

Dr. med. E. Blumenthal und Geheimrat Prof. Dr. Weigert: 
Taenia saginata Goeze, in Formol konserviert. 

Neue Zoologische Gesellschaf t: Ascaris lumbri- 
coides L. aus dem Orang-Utang, in Sublimat-Alkohol konserviert. 

Stud.jur. P. Oppenheim: Nereis pelagica L. und diverse 
kleine Planarien von Helgoland. 



- 139* — 

Karl Hopf, NiederhOchstadt a. T. : Taenia eucumerina 
Sud. aus dem Darm des Hundes. 

KoDSul G.v. Schroter in San Jose: Bipalium kevense Mos. 
aus einer Lagune in 1500 m Hohe am Abhang des Iraza in 
Costa Rica. 

F. W i n t e r : Pisdcola geometra Bl. von der Schleihe. 

3. Echinodermata. Geschenke: Dr. Robert Hart- 
meyer in Berlin: Echinodermalarven von Messina, welclie zu 
mikroskopischen Praparaten benutzt wurden. 

Dr. med. E. Gerlach: 5 trockene Ophiaren von Nagasaki 
in Japan. 

Dr. med. E. Roediger: 10 Asief^ias rubefis L. aos der 
Kieler Bucht. 

Kauf: J. F. 6. Umlauff in Hamburg: ein groBer Meta- 
crinus rotundaius aus der Sagami-Bay. 

Biologische Anstalt auf Helgoland: Auftrieb mit 
PlutetiS' und Brachiolaria-IjSLVYen^ mit Sublimat-Alkohol kon- 
serviert. 

4. Bryozoa. Geschenke: HansMobius: einen groBen 
Stock von Alcyonidiumgelatinosum J ohnsi.y in Formol konserviert. 

Wissenschaftliche BenUtzung: Prof. Edinger und 
Cand. phil. Epstein entliehen Material, das bereits zuriick- 
geliefert wurde. 

5. Coelenterata. Geschenke: Dr. med. Karl Gerlach: 
6 Hyalanemen (1 m\t Paly ihoa) und 3 Hornschw&mme von Nagasaki 
in Japan. 

Stud. jur. P. Oppenheim: Sarsia tubulosa Less., Oraiero- 
lophus tethys Clark, Eudefidrium rameum Johnst., und ein Glas 
mit Mikroplankton von Helgoland. 

Dr. F. R5mer und Dr. F. Schaudinn aus ihrem Spitz- 
bergen-Material : Mertensia ovum 0. Fabr. und Beroe ctAcumis 
O.Fabr. von Spitzbergen, bearbeitet von Dr. F. Romer in Fauna 
arctica, Bd.HI, 1903. 

Frau Marie Werner geb. Winter: eine Murex mit 
Lochem von Bohrschwilmmen durclisetzt. 

Kauf: J. F. G. Umlauff in Hamburg: Ilyabnema re- 
flexum, H.apertum und H.owstoni aus Japan. 

Oelbermann und Geisseudorfer in Koln a. Rh.: 
einen grofien Hornschwamm in Ringform gewachsen, 1,70 m 



— 140* — 

hoch und 4,60 m Umfang, ein Prachtsttick fttr die Schau- 
sammlung. Ferner eine Topfscherbe niit aufgewachsenem Horn- 
schwamm. 

Zoologische Station in Neapel: 30 verschiedene Tier- 
arten, meist fiir Schnittserien und Toto-Praparate. 

Biologische Anstalt auf Helgoland: Kutonina socialis 
und Sarsia iiibulosa, in Formol konserviert. 

Wissenschaftliche Bentttzung: Dr. Joh. Tliiele 
sandte 80 Arten Spongien der Kiikenthalschen Reiseausbeute 
zuriick, welche er im 25. Bande unserer Abhandlungen bearbeitet 
hat. Daruuter wareu 40 neue Arten. 

Prof. E dinger entlieh verschiedene Medusen zu einem 
Vortrage. 

Die Sammlung der auslandischen Tiere, welche 
lebend in Frankfurt gefunden wurden, ist durch einen Etcscorpitts 
italiciis Hbst., welcher in NuBbauraholz aus der Tiirkei von 
Herrn Lehrer Ph. Meyer in Rodelheim gefangen wurde, und 
durch eine Kaferlarve, wahrscheinlich Hammatichertis (Phce- 
dents) plicatus, aus Quebrachoholz in den FarbstofFwerken von 
Flesch, vermehrt worden. 



Im Sommersemester 1903 wurde von Kustos Dr. F. R^raer 
ein Praktikum „Anleitung zum Sammeln und Konservieren ein- 
heimischer Tiere*' mit acht Teilnehmern abgehalten. 

Im L a b r a 1 r i u m arbeiteten auBer Fran M. Sondheim 
die Herren Tierarzt Utendorfer, Oberlehrer Lowe und 
Schlachthausdirektor Tierarzt Becker aus Hanau. 

Fiir das Laboratorium wurde eine Zentrifuge von A It- 
man n in Berlin angeschafft, ferner flir die Vorlesungen und 
Praktika 5 weitere sog. Kurs-Stative von Leitz in Wetzlar 
mit Tubustrieb und Revolver fiir die Objektive II, IV und VII. 
Zu dem ZeiBschen Mikroskop wurde eine homogone Immersion 
hinzugekauft. 

Die Einrichtung des Assistentenzimmers machte eine er- 
hebliche Vermehrung des Inventars an Instrumenten, PrRparier- 
becken, Glassachen u.s.w. notweudig. Auch wurde eine Reihe 
Fenstertische, Regale, Raupenkasten u. s.w. von unserem Tischler 
Moll im Museum augefertigt. 



— 141* — 

Herr Heinrich Alien scbenkte ein schones Mikrotom 
von Jung nebst Zubehor und Paraffinofen, das uns bei der 
erbubten Benutzung des Laboratoriums sebr willkommen war. 

Fiir die Handbibliotbek des Museums wuide wiederum 
eiue Reibe von Lebr- und Handbilcbern angescbaSt und die 
Sammluug der Arbeiteu, welcbe sicb auf die deutscbe Fauna 
bezieben, fortgesetzt. 

Die Handbibliotbek der Sonderabzuge bat im ver- 
flossenen Jabr eiue erbeblicbe Verraehruug dadurcb erfabreu, 
(lafi wir mit den zoologiscbeu Instituteu in Breslau, Heidelberg, 
Marburg und Leipzig eiueu Tauscbverkebr einricbteten derart, 
dafi uns die Institute aus ibneu bervorgebende Dissertationen 
und Sonderabzuge senden, wabrend sie dafur Separata von 
Arbeiten aus unseren Abbaudlungeu erbalten. Im Tauscbwege 
erbielten wir von Herrn Prof. C b u n in Leipzig eine Reibe von 
Bildern und Karten der deutscben Tief see - Expedition, welcbe 
zur Aufstellnng in der Scbausammlung und zum Gebraucb bei 
Vortragen willkommen sind. Zu demselben Zwecke wurde an- 
gescbaSt Haeckel, Kunstformen der Natur. 

Die Tafelsammlung wurde durcb eiuige systematiscbe 
Tafeln iiber die Sliiiwasseriiscbe Mitteleuropas und iiber die 
an ibnen scbmarotzenden Tiere, feruer durcb 4 Tafeln iiber 
Wale, Umrilizeicbnungeu, Embryouen, Gebirne von der Ober- 
und Unterseite, Haut u. s. w., sowie durcb 5 Tafeln iiber Haare 
und Stacbeln, ibre Stellung und Entwickelung vermebrt. Herr 
b\ Winter scbenkte eine Tafel vom Blutkreislauf des Menscben 
sowie eine Tafel mit Copepoden, die an Fiscben scbmarotzen. 



II. Botaiiisclie Saiiimlung. 

Urn die Ordnung unseres Herbariums bat sicb aucb in 
diesem Jabr Herr M. Diirer wieder sebr verdieiit geniacht, 
der am 4. Mai 1904 zum Sektiouar gewablt worden ist. Herr 
(.-. Kocb bat die Scbausammlung und die anderen nicbt im 
Herbarium auf bewabrten Objekte einer Revision unterzogeu und 
einen Katalog fiir dieselben anzulegen begonneu; fi'ir seine eifrige 
Tatigkeit sei ibm aucb an dieser Stelle der verbindlicbste Dank 
ausgesprocben. Eine groBe Bereicberung bat unsere Sektion da- 
durcb erfabren, daB Herr Ingenieur A. As ken a sy bier aus dem 



— 142* — 

Verma^htnis seines Brnders, des verstorbenen Professors Dr. 
E. Askenasy in Heidelberg, uns dessen groBes Herbarium, 
sowie seine anderen Sammlungen pflanzlicher Objekte und 
mikroskopischen Prftparate gescbenkt bat. Diese Sammlung 
muB leider wegen Mangel an Raum vorlHufig in ihrer Verpackung 
gelassen werden. Besonders ist ferner za erwd,hnen, dafi 
Herr M. Dtirer nun auch sein aus 15 Faszikeln bestehendes 
Kryptogamenherbarium unserem groBen Herbarium einver- 
teibt bat. 

An Geschenken sind weiter eingegangeu: 

Vom Palmengarten: 1. S und % Bllitenstand von 
Nepenthes Mcistersiana, 2. Bltttenrispe von Pandantis furcatus, 
3. Getrockneter Stamm mit Bl&ttern und BlUtenstand von 
Caryota excelscu 

Von der Stadtgartnerei (durch Herrn DirektorHeicke): 
Eine Anzabl grofier Querscheiben von Bitumen aus den Anlagen 
der Stadt. 

Vom Botanischen Garten: 1. Eine Fasziation von 
Digitalis ferruginea. 2. Querscheibe des Stammes von Betula nigra. 

Dr. F. R5mer: 1. Exemplar von Polyporus suaveoleiis, 

2. Stammstiicke von Cibotium Baromex (Pengkaiver Djambir). 

3. Zwei ineinander verwachsene Haselntisse. 

C. Koch: 1. Korksttick mit Flechten aus Teneriifa. 2. 
Zweig von CoUetia cruciata, 3. Narrenzwetschen (Exoascus 
Pruni auf Prumis domestica), 4. Friichte von Pflrsich mit 
Sphaerotheca pannosa, 5. Zweige von Koniferen mit Frttchten 
und Blttten. 6. Zapfen von Picea excelsa, von EichhSrnchen 
angenagt. 7. Zweig von Viburiium Opulus mit zahlreichen 
Krebsstellen. 

Harry Frank: Eine groBe Anzabl Kaktuspflanzen, 
darunter ein groBer Melocacttis. 

Frau Prof. Dr. Ziegler: Mehrere groBe Querscheiben 
von Baumstammen. 

Frl. Thekla StrauB: 1. Frucht von Ceiba pentandra. 
2. Frischer Zapfen von Alnes pectinata. 

Prof. Dr. F. Richters: 4 trockene Polsterpflanzen aus 
Spitzbergen. 

Ph. Reichard: Trockene Baumschwamme aus demSchwarz- 
wald and Spessart. 



— 143* — 

Prof. Dr. Boettger: HandfOrmig geteilte Kartoffel. 
H. Bticking in H5chst: Fasziation vom Kii*8chbaum. 

A. Hocbstrasser in Cronberg: Eine grofie KoUektion 
frischer Pflanzen aus Algier, die, soweit es anging, durch 
Trocknen oder Einsetzen in Formol konserviert warden. 

Dr. W. Kobe It in Schwanheim: Polt/porus spec, aus 
Eboli (Provinz Salerno). 

B. Gtinther: Zweig von On/ptomeria japonica mit Bltiten 
iind Friichten. 

Dr. Lejenne: BlUhende Exemplare von HimofUoglossum 
hircinum, 

K. Prinz in Nieder-Ingelbeim : Fasziationen von Spargeln. 

Deutsche Orientgesellschaf t in Berlin: Probe 
von Emmerspreu, einer alt&gyptischen Getreidesorte von 
Abnsir. 

Tausch: Prof. Dr. H. Schinz in Zttrich: Ein Faszikel 
getrockneter sttdafrikaniscber Pflanzen gegen Pflanzen aus 
nnserem Herbarium. 

Kauf: 1. W. Migula in Karlsruhe: Crypiogamae Oer- 
manmey Au^triae et Helvetiae exsiccaiae, Fasz. XI — XV. 

2. 0. Leonhardt in Stossen i. S. : ca. 125 Nummern 
ausgewahlter Herbarpflanzen. 

3. Von der Stadtforsterei: GroBe Querscheiben aus 
Stammen verschiedener Waldbaume. 

M. Mobius. M. Durer. 

III. Mineralogische Sammlung. 

A. Geschenke: 

Aus dem NachlaB von Chr. Ankelein, Oberpostsekretar 
hier: Melaphyimandelstein, Oberstein: Chalcedon mit Flussig- 
keitseiuschlufi, Uruguay; viele Augitkristalie, augeblich vom 
Fornierich-Krater bei Daun (wohl aus den Leieu am Firmerich), 
damnter scharf und allseitig ausgebildete, einige von auf- 
fallender Grofie; Halbedelsteine (Obersteiner SchiilersammluDg) ; 
Auerbacher Kalkspate; Magnetstein (feldspatfreier Olivingabbro) 
vom Frankenstein i. 0.; ein schoner Mikroklin mit c. 10 cm, 
8 cm, 4 cm KantenlSlngen, Unterafferbach, Spessart (an Ankelein 
durch F. Bitter gelangt); 2 augeschliffene Achate; 2 Heliotrope; 



— 144* — 

angeschliSener Rauchquarz; Jaspis von Mtinzenberg; brauner 
Glimmer, Eifel; 1 grofier Korund, OstindieD, mit gerundeten 
Eanten und eiu kleinerer aus Canada (?) in Granit ; schlesischer 
Chrysopras; Baryte von Mtinzenberg und Wendelsheim (Rhein- 
hessen); Tigeraugen vom Kapland (Quarz nacb Krokydolith) ; 
Augite, Wiilleschberg bei Lissingen (Eifel); Jaspis vom roten 
Hamm (Main). 

Von Ing. Alexander Askenasy, bier: Ein 14 cm 
langes Skalenoeder Ks von Ealkspat, durchscbeinend , mit 
braunen Anwachsstreifen, erworben von Franz Cologna in 
Dorf Gastein bei Lend. Der Kristall staramt von einer ca. 1 m 
langen Platte, die mit einer Menge, z. T. nocli gr5fierer Indi- 
viduen besetzt war. Die Bitte an den Finder um Zusendung 
dieser Platte gegen angemessene Vergfitung war leider er- 
folglos. 

Von Frau Borgnis, bier: Carnotit (K«0 • 2U08 • V2O6 • 
3H2O), radiurahaltig, Montrose County, Colorado; Uranpecherz, 
Gilpin County, Col.; Waschgold rait Quarz, Montana; 3 Sttickcben 
Berggold (4g) in zierlicben Draliten, Cribble Creek; 1 Gangquarz 
mit Gold, Cribble Creek. 

Von C. Ditter, hier: 34 Taunusgesteine, alle in groBem 
Format, surgfUltig gescblagene Handstticke ; 24 Spessartgesteine, 
und 9 Odenwaldgesteine ; 2 Trachyte von Uberach ; Basalt von 
Steinheim ; Trachy t von Dietzenbach ; 2 Quarzporpbyre aus dem 
Murgtal; Granit von Forbach; Rotliegendes von Lichtenthal 
bei Baden-Baden; Ehlite vom Frauensteiu, Taunus; Asbest, 
Vockeuhausen ; Brauneisen und Baryt, Spessart; Kalkspat im 
Kersantit, Gailbach ; Konglomerat, Strafiengabel bei Vilbel ; 
Kalksinter, Unterberg, Vilbel; Baryt und Fluorit, Mathock 
(angeschliffeu) ; 3 Schorlomite und Wollastonit, O.-Schaffhausen ; 
Phillipsit zwischen N.-Rottweil und Breisach; 2 Marmore, 
Bercbtesgaden. Karbonfossilien von Glasgow wurden an 
Professor Kinkelin iiberwiesen. 

Von Ing. Geol. K. Fischer, hier: Quarzit, durch Braun- 
eisen vererzt, Kupperner Tal; ySteinheimit" aus Assenheimer 
Basalt; gediegen Kupfer in schonen Platten, Reichenbach i. 0.; 
poroser Basalt aus einem Bohrloch ostl. von N.-Ursel, n^her 
bei Kahlbach, bei 19 m Tiefe unter Pliocan-Thouen undSanden; 
auch dichter Eisenspat, der bei derselben Bohrung gefordert 



— 145* — 

wurde; Basalt vod der Horstmtible bei Kircbbracht im Vogels* 
berg mit Einscbltisseu eines steinmarkahnlicben Minerales (ahnlicb 
dem Steinheimit Einkelins); Gangquarz vom Wasserstollen bei 
Idstein, beim Hohlen Stein, mit Mangauit und Psilomelau, z. T. 
in scbonen Triimern; Pegmatit mit groBen Turmalinkristallen, 
an der StraBe Ascbaffenburg-Gailbach, Schweinheim gegenuber. 

Von Bankdirektor Arthur Gwinner, Berlin: 2 riesige 
und wohlausgebildete Gipskristalle aus Utah. Die Dimeusionen 
des groBeren einfachen Kristalles sind : 94, 38, 16 cm, die des 
kleineren, eines Zwillings 67, 35, 22 cm, beide nach c gestreckt; 
beide sind fast durchsichtig und zeigen im Innern schune Fort- 
wachsungserscheinungen. Sie war en am Ende der c-Achse mit 
ebener Flache _Lc aufgewachsen. Der Zwilling zeigt uur 
:vP • ocPoc als natttrliche Flachen, am freien Ende einspringende 
Spaltungsflachen nach +P. Der einfache Krystall ist durch 
tlP'/2 • ocPoc • — P • +^l3foc begrenzt. Diese Gipse werden 
eine Zierde des neuen Museums bilden. 

Von V. Hammeran, hier: Kupferkies, Pyrit, Serpeutin 
aus den Gruben von Casarza und Barcona in Ligurien. 

Von Alexander von Heyking in Buenos Aires durch Ver- 
mittelungderMetallurgischen Gesellschaft, hier: Einereich- 
haltige Suite vonKupfererzen aus dem Eevier der Sierra Famatina 
und den benachbarten Gebieten in Argentinieu. Es sind vor- 
wiegend feinkristalline oder dichte, z. T. auch grobkornige 
Erze: Kupferkies. Eisenkies, Gemenge von beiden, viel Bunt- 
kupfer, Malachit, Kieselkupfer, braune Massen aus dem eisernen 
Hut (z. T. mit Kupfervitriol), wenig Bleiglanz, freies Gold auf 
einem Stftck, wfthrend beigelegte Analysen einen betrRchtlichen 
Gehalt an Gold und Silber nachweisen. Uberraschend ist die 
uberaus groBe Verbreitung des Enargites (CusAsS*), der in 
zahlreichen, prUchtigen, stangeiigen und kornigen Aggregaten 
von fahlerzahnlichem Aussehen vorliegt. Qualitative Proben 
mehi'erer StUcke ergaben iibrigens auch die Anweseuheit von 
Antimon. Als Gangart tritt hauptsachlich Quarz auf, ferner 
Baryt und Manganspat. Herr von Heyking, der fiir die Aus- 
beutung dieser argentinischen Lagerstalten, die z. T. schon in 
engUschen Handen sind, deutsches Kapital heranziehen niuchte, 
hat den Wunsch ausgesprochen, daB die Erze Interessenten zu- 
ganglich gemacht wtirden, ein Wunsch, dem durch Aufstellung 

10 



— 146* — 

der ganzen Sammlung, nacb dem die Sachen bestimmt waren, 
in der wegen des seinerzeit geplanten Umbaus ansgerlinmten 
H&lfte des Mineraliensaales und durch eine Zeitungsnotiz 
(Intelligenzblatt) nachgekommen wurde. 

Von W. Hofmeister, hier: 4 angeschliffene Flatten von 
Odenwaider Graniten und Dioriten. 

Von Prof. F. Kink el in: Basalttuff von Urach. 

Dr. W. Kobelt bat auf seiner mittel- und suditalieniscben 
Reise zabkeicbe Gesteine und Mineralien gesammelt: 

Laven vom Monte Somma und Vesuv, darunter auch 
Vesuvlava von 1903 mit Eisenglanz; von der Somma: Glimmer, 
Sanidin, Augit, Olivin, ansgezeicbnete Einscblttsse von weifiem 
Marmor, Bimsstein ; von der Solfatara : zersetztes Kratergestein 
und Realgar; von Monte Nuovo: Tuffe, eine Bombe und einige 
Stiicke, die von einem Strom zu stammen scheinen ; f erner graue 
und gelbe Tuffe (Amalfi, Salerno, StraBe Bojano-Avellino, 
Monte St. Angelo, Posiliptuff bei Neapel) ; Mergelschief er, Kalk- 
steine, Kalkbreccien, Hornstein, Gola di Romagnano; fein- 
schiefrige Mergel, Mergel mit Gips, San Pietro la Croce, Monte 
Conero bei Ancona; Kalkspat, Monte Bulgheria, Basilicata; 
Thonschief er, Nord-Calabrien ; Busento-GeroUe bei Cosenza, aus 
den Silabergen stammend: Granit, Aplit, Gueifi. 

Von Berginspektor Karl Miiller, hier: Erdige und dichte 
Vivianite, auch kugelige Konkretionen, von Weckesheim, Wetterau 
(Braunkohle), vorziigliche Stiicke. 

Von F. Neidlinger, hier: Asbest aus Canada und 
Krokydolith vom Kapland. 

Von L. Pfeiffer, Darmstadt: 5 sehr schone Bohnerz- 
stufen mit Pseudomorphosen von Brauneisen nach Baryt, Kalk- 
spatkrusten und Skalenoedern Rs, Ilsede bei Peine, Hannover. 

Von Ing. Paul Prior, hier: Bleiglanz von Braubach, 
braune und gelbe Zinkblende von ebendaher. 

Von Ober-Ing. Herm. Streng, hier: Grobkorniges Spat- 
eisen, Schoneberg bei Nieder-Scheldern, Siegen; Kalkspat von 
Eichenberg bei Sommerkahl. 

Von Dr. Stromer von Reichenbach: 2 herrliche grofie 
Colestinstufen von Mokattam und eine kleinere, Zahlreiche wohl- 
ausgebildete farblose Kristalle, Drusen in Kalkstein bildend, 
mit den FlachenPcx -xPoc Pec ^P2(oP • Poc • ocP • VsPoc); 



— 147* — 

bei den gr5fiten Individuen ist die Brachyachse (1. Aufstellung) 
3 cm lang. 

Von Frau Prof. Tttrk: Gabbros und Amphibolite, Saas F6e. 

B. Darch Tausch erhalten: 

Von Herrn C. Natermann in Hann. Mtinden: 1 Chalcedon 
mit Wassereinschlufi, Uruguay. 

C. Gekauft: 

Von der Mineralienniederlage der Koniglich Sach- 
sischen Bergakademie in Freiberg folgende bQhmiscbe 6e- 
steine: Sodalitsyenit, Bostonit, Essexit, Phonolith, Tinguait uud 
Tinguaitporphyr, Nephelinporphyr, Camptonit, Mondlialdeit, 
Mondhaldeitbreccie, Monchiquit, Leucitmonchiquit, Gauteit. 
Sodalithgaateit, Trachyt, Aegirintrachyt, Leucitbasanit, Nephelin- 
basanit, Leucit-, Nephelin-, Hauyn- und Sodalithtephrite, Hauyn- 
ophyr und Magmabasalt. 

Von zehn dieser Gesteine wurden durcb Voigt & Hoch- 
gesang Praparate gemacht. 

Ferner von Freiberg : Eine prachtvolle Pyromorpliitgruppe, 
Grube Friedrichsegen bei Eme, nelkenbraune Prismen (z. T. mit P) 
mit fast farblosen Enden und eine kleinere Gruppe mit bis 18 mm 
langen und 10 mm dicken Kristallen, 3 Borazite (oc oc • 0), Wester- 
egeln; Argentit, Freiberg; Almandin (cv 0), Bodo, Norw; Topas, 
San Luis Potosi, Mex. ; Astrolith, ein neues Silikat, Neumark, 
Vogtland; Tridymit, Euganeen ; Stephanit, Freiberg (oP- ocP • 
:>cP'x, undeutliche Domen und Pyramideu); Rauchtopas von 
der Goschenenalp fur pyroelektrische Versuche ; Silber, Freiberg ; 
Wismut mit Wismutocker. 

Von Renter & Steeg: 5 Quarzplatten (einfacher Kristall 
und Zwillinge). 

Von Merck: 300 g Tonletscber Lusung, 100 g Metbylen- 
jodid, 100 g Methylenjodid mit Jod und Jodoform. 

Die Westphalsche Wage, die bisber nur zur I3estim- 
mung des spezilischen Gewichts schwerer LusuDgen ein- 
gerichtet war, wurde vervollstandigt darcb die fi'ir direkte 
Bestimmung des speziiischen Gewichts von Mineralieii uotigen 
Vorrichtungen. 

10* 



— 148* — 

Die seinerzeit Herrn Prof. Brauns in GieBen fiir Her- 

stelliing seines Tafelwerks „Das Mineralreicli^ geliehenen 

Stufen und Einzelkristalle sind samtlich wieder unversehrt hier 

angelaDgt. 

Prof. Dr. W. Schauf. 



IV. tieologisch-palaontologische Sammlung. 

Durch Scheiikung, Tausch und Eauf ist auch diesmal die 
geologiscb-palaontologisciie Sammlung in bedeutendeui Mafie be- 
reichert worden. 

Die wissenschaftlicb bedeutsamste Bereicherung an Fos- 
silien unserer Umgegeud ist uns auch heuer von Herrn Ingenieur 
Alexander Askenasy zugewendet worden, indem er fort- 
fuhr, das sandigtonige Lager in der Baugrube des Klarbeckens 
nach Pflanzenresten, besonders Blattern, zu durchforschen and die 
miihsam herausgelosten aufs sorgfaltigste zu praparieren, wobei 
ihn gelegentlich auch Herr Baron Wolf in Bonn uuterstutzte. 
Ebenso hat auch Herr Ingenieur Paul Timler sich weiter 
bemiiht, aus den Oberpliocanschichten des Klarbeckens Friichte 
'^u gewinnen, und sie dem Museum zugewendet. So wird die 
Kenntnis Uber die Vegetation des westliclien Mitteleuropas zu 
Ende der Tertiarzeit in hohem MaBe genaehrt werden. 

Auch Herr Ingenieur K. Fischer hat fortgefahren, die 
sich bietenden neuen AufschlUsse in und urn Frankfurt zu unter- 
suchen, die Fossilien zu gewinnen und unserer Sammlung zu- 
zufiihren. Da diese Funde besonderes lokales Interesse haben, 
so fl'ihren wir sie auf, soweit sie nicht schon in der Abhand- 
lung: Neue Aufschliisse im Weichbilde der Stadt Frankfurt a. M. 
(dieser Bericht S. 47—58) besprochen sind. 

Aus dem Bohrloch 61 bei Steinbach: Melanopsis callosa 
Al. Br., NerUhui callifera Sandh., Psammohia^)., Congcria hrardi 
Fauj. sp., lialanus stdlaris Al. Br. 

Aus dem Landschneckenkalk von Florsheim eine Suite 
seltenerer Fossilien : StrohUun diptyx Boettg. sp., Strobilus uni- 
plicatus Al. Br. sp., Patula multipUcata, Patula disaUus Al. Br. sp., 
VaU(ynia samlhergeri Desh., Hijalinia dcplaywia ReuB, Hyalinia 
mattiaca n. sp. Boettg., Archaeozonites mit FraBspuren von Okacinay 
Pachylimax sandbcrgerl Boettg., Pupilla impressa Sandb., Pupa 



— 149' — 

tUirtda Al. Br., Ptipa suturalis Sandb., Veiiigo protrada Sandb., 
V. ovatula Sandb., V. kochi Boettg., Leucochilus didymodus 
Al. Br., Isthmia cryiytodus AI. Br., Geckoneneier, Eckzahn und 
iSchienbein von Dremotherium. 

Aus den SiiBwasserschichten des Cyrenenmergels von Nieder- 
Ingelheim: Das Fragment eines Langsknochens. 

Die stratigrapliiscli bedeutsamsten Funde sind die, welche 
bei den vom Stftdtisclien Tiefbauamt im Untermaingebiet vor- 
genommenen Bohrungen von Herrn K. Fischer gemacht 
worden sind : 

1. Gegenliber Dietesheim wurde in 7 m Teufe in einem den 
Oberpliocanscbichten des Klilrbeckeus vollig gleichen, licht- 
grauen Sand die fiir diese Absatze charakteristische Frucht 
von Pseiidonyssa paimiformis Kink, gefiinden. 

2. In lithologisch fthnlichen Absatzen sind im Brunnen la bei 
Dorf Weilbach in ca. L8,75 m Teufe Brauukohlenstammsti'icke 
gefunden worden. Aus einem diesem Sciiichtkomplex an- 
gehorigen Ton hat Herr BMscher Friichtchen, unter denen 
die von Cmpinas die zahheichsten sind, ausgeschlammt. In 
35,4 — 36,0 m Teufe stiefi man auf eine zweite Holzschicht. 

3. Aus eben solchen Scliichten, und zwar aus der Bohrung 
No. 55 bei Eschborn in 48 m Teufe, wurde mir von Herrn 
Stadtbaumeister Sattler eine gut erhaltene NuB (Juylansn.s\).) 
iibergeben. 

4. Die Bohrung No. 45 im Tal des Westerbaches zwischen Esch- 
born und ElisabethenstraBe forderte ebenfalls aus grauen 
Sanden in 46 m Teufe Pflanzenreste — einen stark verletzten 
Zapfen und Holzsti'icke. 

5. Im Versuchsbrunnen III bei Prauuheim, nahe der Bohrung 
No. 55, traf man in 22,6 m Teufe auf ein Holzsti'icke fuhrendes 
Braunkohlentlotz. 

Es sind dies Funde, die die Ausbreitung der OberpliocJin- 
schichten im Osten des Frankfurter Beckens, dann westlich von 
Hiichst a. M. und in der unteren Wetterau nahe dem SlidfuB 
des Taunus beweisen und das oberpliocane Alter von lithologisch 
ahnlichen — sandigen, tonigen und sandigtonigen — kalkfreien 
Schichten am SUdabhang des 'i'aunus bezeugen. 

Bei dieser Gelegenheit sprechen wir den Herren Wasser- 
baudirektor Scheelhaase und Bauinspektor Weber fin- die 



— 160* - 

gutigen Mitteilungen neuer Grabungeu im Frankfurter Gebiet 
unseren verbiDdlicben Dank aus. 

Im Jahre 1894 waren wir in der gliicklichen Lage, tiber 
eine ganz bedeutende Schenkung berichten zu konnen; es ist 
die Schenkung von Herrn Ankelein, dem unermiidlichen und 
gliicklichen Sammler in der Eifel, gemeint. Die schiine mittel- 
devone Fauna von Gerolstein und Pelm wurde dadurch erst in 
unserer Sammlung vertreten. TertiSLre und jurassische Sammlungen 
haben sich dem angeschlossen. Neuerdings noch konnte ich weiter 
von hochwertvollen Gaben, die uns Herr Ankelein zutrug, 
berichten; ich erinnere an Sektionsbericht 1903, pag. 91*. Nun 
trauern wir urn den liebenswurdigen, munifizenten alten Herrn. 
Uberraschend in hohem Grade ist es, welche Sammlungen er 
von neuem in seinem hohen Alter in den letzten acht Jahren 
znsammengebracht hat. Sie geben der ersten Schenkung nichts 
nach. Von den tertiaren Fossilien seien nur folgende genannt: 
der mittelste Zahn eines iVo^?danw5- Gebisses, der Flossenstachel 
eines Aetohates von Eckelsheim and das Zahnchen eines Lepido- 
pides von Weinheim. Unter den Eifeler Fossilien ist die Zahl und 
Mannigfaltigkeit der selbstgesammelten Crinoideen und Brachio- 
poden eine ganz auBerordentliche, was wir audi zur Tausch- 
verweudung sehr schatzen. Dasselbe gilt auch von den triasischen 
und jurassischen Teilen seiner Sammlung ; daraus sei GoniatUes huchi, 
Spiriferina hirsuta und Ammonites spiratiss'nnus hervorgehoben. 

Sehr zu Dank verpflichtet sind wir der Direktion der 
Geologischen Landesanstalt und Bergakademie zu 
Berlin fur eine recht betrachtliche Sendung von CJarbonpflanzen 
von verschiedenen Lokalitaten und Horizonten, wodurch sie 
einem Ersuchen unsererseits nach dieser Seite freigebig aufs 
ausgiebigste entsprach. 

Eine schatzenswerte Gabe an Carbonpflanzen verdanken wir 
auch Herrn Paul Fulda dahier. 

Heuer, wie schon manches Jahr, war unser korrespondie- 
rendes Mitglied Herr Erich Spandel in Niirnberg so liebens- 
wiirdig, von seinen Reisen uns Suiten zuzufuhren. Die heurigen 
stammen aus den oberen Juraschichten des Harzes und aus den 
Bryozoen fiihrenden Oligucanschichten Priabonas. 

Wir diirfen hier wohl auch noch auf die aus der Eberhaidt- 
h5hle bei Ultima Esperanza in Siidwest-Patagonien stammenden 



— 151* — 

Beste des so hochinteressanteu Grypotlierium darwini hinweisen, 
die UDS Herr Prof. K. H a u t b a 1 von La Plata zuge wendet hat. 

Auch dieses Jahr erfreuten wir uns in hohem Grade 
der sacbkundigen und opferfreudigen Beikilfe in der Bestimmuug 
von Fossilien, die in unserer Samralung liegen. Vor Allem 
sprechen wir den verbindliclisten Dank unserem korrespon- 
dierenden Mitglied, Herrn Prof. H. Engelhardt in Dresden, 
aus, der uicbt miide wird, durcb seine Tfttigkeit den Wert 
unserer Sammlung fossiler Pflanzenreste zu erbohen. 

Aus den Congerienscbicbten von Konigsgnad batte Herr 
Gufler uns au£er vielen Koncbylien auch eine kleine Suite 
von Blattabdrlicken gesandt — Fossilien, die von dort nocb 
nicbt bekannt sind. Nacb den Bestimnuingeu Engelbardts 
geboren sie folgenden Ptlanzen an: 

Sphuerui fici Eghdt. Alnus krferstvini Gopp. sp. 

(jrlyptostrohus eiiropams l^opnlns latior Al. Br. 

Brgn. sp. Pojmlus hnlsamoides Giipp. 

Pinus hi*j)ios Ung. Ficus t'diav folia AI. Br. 

Cyitems sp. Planera unycri Kov. sp. 

Poaeites laevis Heer. (Jassm sp. 

Cassia hj/perborea Ung. 
Durcb die Untersucliung der letzten Aufsannnhing in Wieseck, 
die wir Herrn Max Stern bier verdanken, bat sicb die Zabl 
der von dort bekannten Pflanzen betracbtlicb gemebrt. Der Zu- 
sammensetzung dieser Florula nacb zu urteilen, gehort sie siclier 
deni Oligocan an. 

Poaeites lepiihis Heer. ('innamomumrossmaessleriHeer, 

Myriva ?. Cinnainomum lancvolatnm 

Myrira acnminata Ung. Ung. sp. 

QnercHs yoippirti Web. (Unruimomum hnv.hi Heei? 

Salix arcinervia Web. Benzoin atitif/num Heer. 

Ficus lalayes Ung. Andromeda protoyaea Ung. 

Ficus lanceolata Heer. lihamnns dechnii Web. 

Juylans hilinica Ung. liluimnus {cridani Ung.V) 

Juylans acuminata Al. Br. (Jhrysophylluni reiindosum 

Juylans nnyeri Heer? KoBin. sp. 

Laurus lalayes Ung. tiapotavites minor Fitt. 

Laurus pHmiyenia Ung. Cassia phaseolitrs Ung. 



-^ 152* — 

Auch in diesem Jahr hat Herr Prof. Dr. Sterzel in Chemnitz 
wieder einen betrSLchtlichen Teil unserer Carbonpflanzen seiner 
fachkundigeu Durchsicht unterzogen, so da6 wohl im kommenden 
Jahr, also vor dem Auszug ins neue Museum, unsere ganzen 
Vorrftte an Carbon- und Permpflanzen sicher bestimmt sind. 

Auch hier sprechen wir Herrn Konservator Dr. Max 
Schlosser in Munchen unseren verbindlichsten Dank aus fiir 
die so reiche Gabe, die in den Gipsabgtissen der von Baron 
V. Reinach beschriebenen, im MUnchener Museum liegenden, 
fossilen agyptischen Schildkroten besteht. 

Durch die glitige Untersuchung von Herrn Konservator 
Dr. M. Schlosser ist flir das Nordbassin und Weisenau der 
Nachweis von einigen, in der vorjfthrigen Liste noch nicht 
nachgewiesenen Nagern und Insektenfressern sichergestellt. 

In neuerer Zeit werden in dem Florsheimer Landschnecken- 
kalk organische Reste gefunden, die man aus frtiherer Zeit 
nicht kannte. Dazu gehoren Eier von Geckonen in guter Er- 
haltung, ferner die Inkrustationen von Libellenlarven. Herr 
Dr, Diderich von Schlechtendal in Halle a. d. S. hatte 
die Freundlichkeit, die Bearbeitung der nicht unbetrachtlichen 
Aufsammlung soldier Reste zu libernehmen. 

Auch an dieser Stelle spreche ich Herrn Rektor Lienen- 
klaus in Osnabruck unseren Dank aus, sich der aufierordentlich 
mtihsamen Bearbeitung der in den Mainzer Terti^rschichten 
befindlichen Ostrakodenreste unterzogen zu haben. Einer sach- 
kundigeren Hand hatten wir sie nicht Vibergeben konuen. So 
hoffe ich, da6 es sich ermoglicht, daB nun im kommenden Jahres- 
bericht diese wertvoUe Arbeit der Offentlichkeit Ubergeben 
werden kann. 

PalSLontologische Sammlung. 

Geschenke: An Geld: Von Herrn Baron v. Reinach 
fiir eine Tour nach dem Uadi Faregh: 200 Mark. 

An Naturalien: Vom Stadtischen Tiefbauamt 
(Wasserabteilung) durch Herrn Stadtbaumeister Sattler hier: 
Eine schone NuB und Bohrproben (40,5 — 48,5 m Teufe) aus dem 
Braunkohlenflotz von Bohrloch 55, Geniarkung Eschborn, ferner 
Stammstl'icke mit einem Koniferenzapfen aus der Bohning 45 im 
Tal des Westerbaches aus 46 m Teufe. 



— 163* — 

Von Herrn Dii-ektor Franck hier: Eine Suite Fossilien 
aus dem Maschelkalk von Ober- and Niederbronn. Karbonisiertes 
Sigillarien-Stammstnck aus dem Ruhrbecken. 

Von Fraulein G all hier: Ostrea cyaihula mit Balanus ttber- 
zogen vom Zeilst&ck bei Weinheim. 

Von Herrn Schalze-Hein, Zahnarzt hier: Cassidaria 
depressa ans dem Meeressand von Weinheim bei Alzey ; ein Fisch 
vom Gaualgesheimer Kopf; Unionen aus dem Mosbacher Sand. 

Von Hen-n Professor Dr. Kinkelin hier: Eine Suite 
Fossilien aus der unteren Kreide von der Bezeck zwischen 
Andelsbuch und Bezau im Bregenzer Wald; eine Suite Zahne 
aus dem eoc&nen Bohnerz von Oberbuchsiten, Heidenheim und 
Frohnstetten. 

Von Herrn Karl Giitzger, Rentner in Lindau : Eine Suite 
Fossilien von der Bezeck im Bregenzer Wald. 

Von Herrn Oberlehrer Dr. Simon hier: Eine Balano^)hyUia 
auf Meeressandstein von Weinheim. 

Von Herrn Oberingenieur Streng hier: Stenomphalen aus 
dem Cerithienkalk von Florsheim; Lima lincata von Lengfeld. 

Von Herrn S e e g e r & Cie. hier : Ein Mammutbackenzahn 
mit wohlerhaltenen Wurzeln aus dem Lofi der Ringofenziegelei 
von Rodelheim. 

Von Herrn Carl, Ingenieur hier: Zwei Stticke von ver- 
kieseltem Nadelholz aus dem Rotliegenden von Chemnitz. 

Von Herrn Oberlehrer Mich el is hier: Das Prachtexemplar 
eines Peden cf. latissimusy ferner Cyienenmergel von Offenbach, 
gesammelt gelegentlich der Anlage der Wasserleitung. 

Von Herrn Professor Dr. F. Richters hier: Eine fossil- 
reiche Platte sog. Holsteiner Gesteines von Laboe ; Dromieu und 
Bryozoen aus dem Senon von Limhavn in Schweden. 

Von Heri'n Dr. F. ROmer hier: Die Photographic eines 
2 m langen Ichthyosaurus -SchMeh vom Kloster Banz bei 
Bamberg. 

Von Herrn Paul Wirsing, Techniker hier: Eine Suite 
pflanzlicher Fossilien von Salzhausen und Mi'inzenberg, ferner 
eine bearbeiteter jungfossiler Knochen. 

Von Herrn Johannes Miiller, Bauunternehmer hier: 
Eine Prachtplatte voll Mytilus aqniiankus aus dem Cerithien- 
kalk der Offenbacher LandstraBe in Oberrad. 



— 164* — 

Von Herrn Dr. Ferd. Blum hier: Ein Krokodilzahn und 
Pflasterz&hne von Pycnodus hugii ans dem Wei£en Jura von 
Solothurn, ferner Monotis muensteri vom WeiBenstein. 

Von Herrn Karl Kirchhoff hier: Fragment des Ober- 
arms eines groBen Rindes, gespalten, aus einer Sandgrube bei 
Eleinkarben. 

Von Herrn Wilhelm K6rner, Obersekundaner hier : Eiue 
Suite Goniatiten, Orthoceratiten, Cardiolen etc. aus dem Ober- 
devon von Odershausen bei Bad Wildungen. 

Von Herrn Paul Prior, Bergiugenieur hier: Eine Kohlen- 
schieferplatte mit Sphenophyllen. 

Von Herrn Wuhrmann, Ingenieur hier: Steinkerne von 
Gastropoden und Bivalven aus dem Meeressand von Gut Rhein- 
grafenstein am Kehrenbach. 

Von Herrn Dr. G e i s o w hier : Das Sltick eines verkieselten 
Araucarioxylon, 

Von Herrn Stadtbauinspektor A. Koch hier: Eine Suite 
Blattabdriicke aus dem Carbon vom Piesberg bei Osnabrtick. 

Von Herrn Prof. R. Hauthal, La Plata in Argentinien : 
Ein Molar, ein St&ck der Haut mit Haaren und Hautknochen, 
einzelne Hautknochen und Kotballen von Grypotherium aus der 
Eberhardthohle bei Ultima Esperanza, Sudwest-Patagonien. 

Von Herrn Baron von Reinach hier: Aus dem Cambrium 
Lingxda ampla von Dresbach (Minnesota), Discifia sp. von 
Coulome (H6rault), Discina und Lingula von Andrarum 
(Schweden); Lamna- und ChrysophryS'Z&hue^ Ostracoden und 
Foraminiferen aus dem Rupelton von Biidesheira. Trionyxreste 
(Tr. senck^nhergiana) aus dem Unterraiocan von Moghara und 
der GipsabguB eines Porfocncwr/^schadels. Ferner Podocneniis 
stromeri V. Rein, aus dem Mitteleotan des Fajfim (Agypten), 
endlich der Uuterkieferast von Palaeochoerus meisneri von 
Erbenheim. 

Von Herrn Dr. Max Schlosser, Konservator der geo- 
logisch-palslontologischen Sammlungeu des Staates, Miinchen : 
Die Gipsabgiisse der in dem Miiuchener Museum befindlichen 
V. Reinachschen Originale fossiler agyptischer Schildkroten. 

Von Herrn Alexander Askenasy, Ingenieur hier: 
Eine groBe Saramlung selbstpr^parierter Blatter aus dem ober- 
pliocanen Braunkohlenflotzcheu in der Klarbeckenbaugrube. 



— 155* — 

Von Herrn Paul Fulda, Kaofmann hier: Eine schOne 
Suite CarboDpflanzen aus dem Rubrbecken, darunter Lepido- 
deudren, StigmarieB, Sigillarien und Farnbld.tt6r. 

Vom Grofiherzogl. Museum in Darmstadt: Einekleine 
Suite Fossilien (Steinkerne) aus dem Meeressand von Vilbel, 
durch Herrn Assistent Dr. Wittich. 

Von der Direktion der Eonigl. Preufiischen 
Geologischen Landes-Anstalt in Berlin: Eine gr6£ere 
Sammlung pflanzlicher Fossilien von Manebach, ferner aus dem 
Carbon von Wettin, von Westfalen, Harz, Nieder- und Ober- 
schlesien, durch Herrn Geheimen Oberbergrat Schmeiser. 

Von Herrn Thomas, Architekt hier: Fragment eines 
Stofizahnes und Radius vom Mammut aus dem Lo6 von Heddern* 
heini (Falkenhahnsche Ziegelei). 

Von Frftulein Marie Winter hier: Ein Ananchites aus 
der WeiBen Kreide von Dover. 

Von Herrn Pfeifer, Darmstadt: Fossilien aus dem Bohn- 
ei*z von Ilsede (Hannover). 

Von Herrn Direktor Dr. Seitz hier: Einige Kreide- 
fossilien von El Kantara am Atlas zwischen Biskra und Batna. 

Von Herrn Oberstabsarzt Dr. B rugger hier: Leneiscus 
m*tungensis, Lebias p^rptisillus und Podogofuum knorri aus dem 
Oninger SiiBwasserkalk. 

Von Herrn C. Ditter liier: Farnwedel aus dem Carbon der 
Gegend von Glasgow. 

Von Herrn B. Dondorf , Fabrikbesitzer hier: FAn Krebs, 
ein Ajttychiis. LeptolepLs und Ammonit aus Solenhofer Schiefer. 

Von Herrn H. Kleyer, Genevaldirektor hier: Zwei lig- 
nitische Braunkohlensti'icke aus der Brunnenbohrung in der 
Fabrik an der Hochster LandstraBe. 

Von Herrn Hermann Weyland, Primaner hier: Ein 
Zahn von Larntui cuspidata vom Eschbaclier SchloB bei Landau 
und zwei Lamna contortide^is von Feil bei der Ebersburg, 
beide aus dem Meeressand. 

Von Herrn Major Prof. Dr. von Hey den hier: Eine 
Suite von Fossilien aus dem Kalk von Florsheim und Mombach, 
gesammelt von Herrn Senator Dr. Karl v. Heyden. 

Von Herrn Dr. med. E. Roediger hier: Pectenreicher 
Miocankalk von Pont du Gard und Les Baux pr^s Aries, 



— 156* — 

Ealksinter von Pont du Gard und oberer Jurakalk vom Monte 
Tacanaglia bei Nizza. 

Von Herrn Karl Fischer, Ingenieur hier: Eine groBe 
Zahl z. T. sehr seltener, z. T. stratigraphisch wichtiger Fossilien 
aus verschiedenen Aufschlilssen Frankfarts und seiner Um- 
gegend; Fectm aff. scptemradiaftis aus Leithakalk in Ungarn. 
Pahidina vivipara aus dem Sand von Mosbach ; ein Stammsti\ck 
mit Bohrgftngen aus dem Landschneckenkalk von FlQrsheim; 
ferner von da ein Stiick mit inkrustierten Wurzeln. 

Von Herrn A n k e 1 e i n , Oberpostamtssekretftr, nach testa- 
mentarischer Bestimmung: Eine sehr ansehnliche Sammlung 
Petrefakten aus den Devonschichten der Eifel, aus dem Wellen- 
und Muschelkalk von Warth bei Pforzheim, aus dem Schwftbischen 
Jura und dem Mainzer Tertiar. 

Von Herrn Mundermann, Lehrer in Nieder-Iugelheim : 
Ein fragmentarer Unterkieferast und ein Oberarm (distaler Teil) 
von Rhinoceros aus dem Kies und Cyrena convexa^ Ci/fherea 
incrassata, Tympmwt&mus margaritacetis, Potamides pUcatus 
papiUatus aus dem Cyrenenmergel von Nieder-Ingelheim. 

Von HeriTi Erich Spandel, Eigentlimer des General- 
anzeigers in Niirnberg: Eine KoUektion oligocaner Bryozoen 
von Priabona und eine Suite Fossilien aus dem Malm und 
Lias des Harzes. 

Geologische Sammlung. 

Von Herrn K. Gotzger, Rentner in Lindau i. B. : Tufife 
aus der Gegend von Urach. 

Von Herrn Prof. Dr. Kinkelin hier: Erratika von der 
H5he des Pfanders bei Bregenz und Nageltluhgeschiebe mit Ein- 
drttcken von ebendaselbst. 

Von Herrn Oberingenieur H. Streng hier: Spaltenaus- 
fUllungen und Konkretionen in Muschelkalk von Nassig bei 
Wertheim a. M. 

Von Herrn Karl Fischer, Ingenieur hier: Oolithischer 
Kalk von der RendelerstraBe am Priifling in Bornheim; Blasen- 
ztige aus dem Dolerit von Bockeuheim; Sandschliff auf Horn- 
blendebasalt im Bahneinschnitt Urberach ; Trachyt vom Hohen- 
berg bei Dietzenbach mit Rutschflache ; Ammonites raricostcUus in 
nierenformigem Pyrit eingehiillt von Pliensbach bei Boll in 



— 167* — 

Wiirttemberg ; Kalkbank mil Trockenrissen vom Gaualgesheimer 
Kopf ; KalktuS mit BlattabdrUcken von Ahlersbach bei Elm. 

Von Herrn Prof. Dr. v. Hey den hier: Photographie des 
Bilsteines bei Laaterbach in Oberhessen (Basaltbruch). 

Von Herrn Ingenienr Viesohn hier: Ein Klapperstein 
aus diluvialem Kxes von Hattersheim. 

Von Herrn Hermann B5ckler hier: Kugelige Kiesel- 
koukretionen aus der Schotterterrasse an der Gehspitz im 

Stadtwald. 

> 

Von Herrn Prof. Dr. 0. Boettger hier: Junger Meeres- 
kalk mit Pectefi senatorius, 3 km von Knpang auf der Insel 
Timor; Sandschliff auf Hornblendebasalt im Bahneinschnitt von 
Urberach. 

Von Herrn Hofrat Dr. B. Hag en hier: Sog. Koralienkalk, 
Karaug, tatsachlich Foraminiferenkalk von Warrnambul, Slid- 
kuste von Australien. 

Von Herrn Prof. Dr. Schauf hier: Sandschliff auf Horn- 
blendebasalt im Bahneinschnitt von Urberach. 

Von Herrn Mundermann, Lehrer in Nieder-Ingelheim : 
Eine Septarie aus dem Cyrenenmergel von Nieder-Ingelheim. 

Durch Tausch erworben: In betrachtlichem Ma6 hat die 
palaontologische Sammlung auch durch Tausch zugenommen. 
Hierbei wurden Objekte, die uus bisher voilig fehlten, erworben, 
urn teils den Organismus, teils deu von ihm gekennzeichneten 
geologischen Horizont vertreten zu haben. 

Es sei zuerst einer interessanteu Suite aus dem bohmischen 
Obersilur und Devon (E, Fi, Fa unci G2) gedacht, welche 
Hen* Maria Petrobok zusammengebracht und Herr Dr. 
Kobelt durch eine Koucliyliensendung au ihn wett gemacht 
hat. Die hauptsachlichsten Fuudpunkte sind Lochkov, Kosor 
und Sliveuetz. 

Gegen eine Sammlung von Fossiiieu aus den pliocanen 
SiiBwasserseen Slavoniens, Kroatiens, Uugarns, Siebenbiirgens 
und der Krim erhielten wir von Herrn Prof. Dr. E. Kayser 
in Marburg eine Suite Fossiiieu aus dem rheinischen Devon, 
die uns sowohl durch die uns ganz ueuen Arteu als auch 
besonders durch den geologischen Horizont, dem sie ent- 
stammen — Siegener Schichten aus dem Westerwald, aus dem 



— 168* — 

Iberger Kalk bei Langeoaubach und Hercyn aus dem Kellerwald 
— wert sind. Dazu war noch eine fttr die Allgemein-geologische 
SammtuDg erwUnschte, aus dem devoneDSchalstein stammende 
Bombe beigefilgt. 

Gelegentlich der Anwesenheit des HeiTD Prof. R. Ha u- 
tbal von La Plata wurde ein Tauschverkehr ausgemacht, der 
ans in der Folge sowohl Fossilien aus den Devon-, Jura- und 
Kreideschichten Argentiniens wie auch aus den Pampasschichten 
daselbst zuftthren soil. Es ist denn auch sc]ion Eude Dezember 
eine erste, aus 400 Fossilien des rheinischen Devon und Culm 
bestehende Sendung an das National-Maseuro in La Plata abge- 
gangen. Wir sehen mit groBem Interesse der ersten Gegen- 
senduug entgegen. 

Ein weiterer Tauschverkehr ist mit dem Direktor der 
Berner geologischen Sammlung, Herrn Dr. Kissling, abge- 
sprochen. Als erste Gegensenduug steht schon eine gi'56ere Samm- 
lung aus dem Mainzer Becken fertig. 

Eine ebeusolche Sammlung (ca. 170 Arten) hat Herr Prof. 
Dr. Schardt in Neuchatel, mit dem ich .schon langer in leb- 
haftem, gewiB fiir beide ntitzlichem Tauschverkehr stehe, er- 
halten. Mit groBem Interesse selie ich der Gegensenduug 
entgegen, die nach meinem Wuusche diesmal der Allgemeiu- 
geologischen Sammlung zu gute kommen soil. 

Gegen Fossilien aus den Paludinenschichten Slavoniens 
etc. konnte ich von Herrn Riemenschneider eine grofiere 
Zahl der Anodotita komeni Graul von Uslar im Soiling erwerben, 
von deneu ich nun anderen im Tausch anbieten kann. 

Ob der mit Prof. Togo von der Uuiversitat Tokyo ver- 
abredete Tauschverkehr in nachster Zeit, nachdem der japanisch- 
russische Krieg ausgebrochen ist, beginnen wird, ist nun recht 
zweifelhaft geworden. Ich hoffe, durch ihn fossile Vertreter 
aus Trias und Kreide von Japan zu erhalteu. 

Gegen v. Mollendor f f sche Konchylien gingen zwei 
Sternberger Kuchen von Mecklenburg ein. 

Von Herrn Prof. Dr. Gottsche am Naturhistorischen 
Museum in Hamburg ist die langersehnte Sendung eiugegangen, 
die den Beweis liefeite: Gut Ding will Weil haben. Seine Gegen- 
senduug bestand aus einer auserwahlten, groBen Kollektion von 
seltenen Konchylien aus dem norddeutschen Miocslu. 



— 159* — 

Darch Eauf erworben: Von mehreren Arbeitern in 
den Kalkbrtichen bei Fl5rsheim: Mebrere Inkrustationen von 
Libellenlarven; seltenere Gastropoden, darunter: Acme limbata, 
Strobilus unipliccUuSy Helix affinity IL lepidotricha, H. sublenticula, 
Limnaeus thomaei, TorquiUa suhfusiformis etc. u. Psammobia tenuis 
ferner gro6e Mengen von haufigeren Helices und Cyclostomen 
zur GewinnuDg von Papen u. a. aas dem Gerithienkalk, mebrere 
Blattabdr&cke aus dem Rupelton und seltenere Fische und S&uge- 
tierreste von ebendaber. 

Von Petrefaktenb&ndler Lind in Weinheim bei Alzey: 
Eine grofiere Sammlung von selteneren Gastropoden und Bivalven 
au8 dem Meeressand, von ebenda auch AusstellungsstUcke von 
Teredines und Austernbanken ; ferner Mastodon- und Rbinoce- 
rotenz&hne aus dem Eppelsbeimer Sand. 

Von Steinbruchbesitzer Pharion in Steinheim bei Heiden- 
heim: Geweibstiicke nud Skeletteile von Bicroceras, Canon und 
Astragalus von Micromeryx, Milchmolar von Bhinoceros mimUus, 
Oberkiefermolar und Radius von Ith. sansaniefisLs, Unterkiefer- 
ast mit Zabnen von einem unbekannten Sanger; Oberarm und 
Oberschenkel einer ScbildkrSte, durch Herrn K. Fischer. 

Aus dem Rhein beim Baggern gewonnen : Kin oberer Molar 
von Rhifwciros mercki und die Tibia eines jungen Elephas atUiqutis, 

Von Bohrmeister Bausch in Windecken: Ein Mammut- 
molar und Pferdereste aus dem LoB. 

Von Theobald Bootz I in Gimsbach am Glan: Eine Suite 
Gesteine mit Sty loli then und mit Tuten, ferner von permocar- 
bonischem Landschaftensinterkalk. 

Von Job. Ko Bel in Triest: Blattabdriicke und Fische von 
Trifail in Steiermark und ein Cododtis von Lesina. 

Von Ziegelarbeitern in Heddernheim: Kin Mauimutwirbel 
und der Unterkieferast eines diluvialen Rindes aus dem LoB. 

Von Klarbeckenarbeitern : Friichte aus der Klarbecken- 
baugrube. 

VoD F. L. A. Brod in Vilbel: Kine groBere Suite Fossilien 
aus dem Meeressand von Vilbel. 

Ich komme schlieBIich noch auf eine Unternelimuug zu spre- 
chen, die meine Zeit und Arbeit in betrachtlichem MaBe in An- 
spruch genommen hat, so daB es mir fast unmoglich war, die Arbeit, 



— 160* — 

die mir am nS^chsten stand, n&mlich die Bearbeitung der Frttchte 
aus dem Klarbeckenfldtzchen, zn fOrdern. Die Bearbeitung der yon 
Herrn Ingenieur Alexander Askenasy pr&parierten Blatter 
ans derselben Lokalitat hat unser verehrtes korrespondierendes 
Mitglied, Herr Prof H. Engelhardt ftbernommen. Auf meinen 
Antrag beauftragte die Gesellschaft den Privatdozenten Herrn 
Dr. Stromer von Reichenbach in Mtinchen mit einer Saromel- 
reise nach Agypten, besonders nach der Libyschen Wtiste. Hierzu 
uuterstiitzte Hr. Baron v. Re i nach die Gesellschaft in bekannter 
freigebiger Weise. So war neben der Gewinnung von Sauger- 
resten, wie sie in den letzten Jahren die wissenschaftliche Welt 
ttberrascht hatten, die von Schildkr5tenresten das wesentlichste 
Ziel, urn Herrn von Reinach weiteres Material zu lief em, die 
tertiare Schildkrotenfauna Agyptens durch seine sachverstandige 
Bearbeitung noch vollst^ndiger, als es schon durch die eben in 
unseren Abhandlungen (Bd. 29 Heft 1) uiedergelegte Arbeit ge- 
schehen ist^ kennen zu lernen. Nachdem vom Sektionar und 
I. Direktor die Sache in die Wege geleitet war, waren es Korre- 
spondenzen, die ersteren mit dem Reisenden in Verbindung 
erhielten. Nach seiner Rtickkunft sprach Dr. Stromer in 
der wissenschaftlichen Sitzung vom 12. Marz 1904 iiber den 
Verlauf der Reise, und der Sektionar legte den arbeitenden 
Mitgliedern die reiche Ausbeute geordnet vor. Uber die Samm- 
lungsergebnisse der Reise berichtet Dr. Stromer selbst in 
diesem Bericht S. 111. Nun begannen die Korrespondenzen mit 
den Fachmannern, die einzelne Telle der Ausbeute bearbeiten 
sollten, und die Versenduug an dieselben. An Herrn Dr. Stromer 
gingen die Fischreste (PriMis, Fajumia etc.) aus dem Fajiim und 
von Mokattam, auch vom Natrontal, an Herrn Dr. Abel an 
der geologischen Reichsanstalt in Wien die Seekuhreste vom 
Fajiim und von Mokattam. Fiir die verkieselten Stammreste von 
den verschiedenen Lokalitaten konnte ich noch keinen Bearbeiter 
gewinnen, ebenso fi'ir die Bearbeitung (Analyse etc.) derSalze aus 
den Natronseen. Herr Dr. Paul Oppenheini in Charlotteuburg, 
der mit der Bearbeitung der eocanen Fossilien (Gastropoden, 
Bivalveu, Echinoderraen und Korallen) Agyptens beschaftigt ist, 
hatte die Freundlichkeit, sofort die Bestimmung der reichen 
Ausbeute Stroraers zu iibernehmen. Mit Ausnahme weniger 
Objekte, die noch zu zeichnen sind, liegt diese Aufsammlung 



— 161* — 

ans Fajum und Mokattam nan schon bestimmt im Musenm 
— eine wesentliche Erganzung unserer mitteleocftnen Meeres- 
fauna. Die Bearbeitung der Schildkr5ten fallt mit unserem 
sehhlichsten Wunsche zusammen, dem Wunsche, daB Herr 
von Beinach, wie er nach schwerer Erankheit gekraftigt aus 
Italien zurftckkam, nun voller Gesunduug entgegengehe und so 
dnrch seine f achkenntnis diesen Resten erst zu ihrem Wert 
verhelfe. Fttr die Bearbeitung der gut erhaltenen Hirnhohlen- 
ausgtisse von eoc&nen Welsen aus dem Fajfim hoSen wir Herrn 
Prof. Dr. R. Burckhardt in Basel zu interessieren. Die Be- 
arbeitung der recht erheblichen Ausbeute an Zeuglodonresten 
wie die des Moeritherium wird wohl Herr Dr. Stromer tiber- 
nehmen. Herr Professor H. Engelhard t in Dresden hatte, 
wie ja immer, wenn ich ein Anliegen habe, die Freundlichkeit, 
die leider wenigen, aber sehr iuteressanten eoc^nen Blattreste 
aus dem Fajiim zu bearbeiten. Unser korrespondierendes Mit- 
glied Herr Erich Spandel hatte die Giite, die Gesteine vom 
Uadi Natrun und Herrr Prof. Dr. 0. Boettger die Konchylien 
aus dem Uadi Faregh zu untersuchen. Die Gesteine vom Uadi 
Faregh und Uadi Natr&n gingen schliefilich an Herrn Dr. Stromer. 
Um weitere SchildkrOten- und Saugerreste aus dem Uadi 
Faregh zu gewinnen, untemimmt eben in unserem Auftrage auf 
Anregung von Herrn Dr. Stromer und mit Untersttttzung des 
Herrn vonReinach (200 Mark) der Sammler Herr Markgraf 
in Kairo, der Dr. Stromer auf seinen Touren wesentlich unter- 
stUtzt hatte, eine weitere Sammeltour ins Uadi Faregh. Ich 
spreche anch hier Herrn Prof. Dr. E. Fraas in Stuttgart den 
besten Dank aus, diesen in seinem Dienste stehenden, erfahrenen 
Mann uns auch fttr diese Tour abgetreten zu haben. 

Juni 1904, Prof. Dr. F. Kink el in 

Prof. Dr. 0. Boettger. 



11 



— 162* — 



Bibliotheks-Bericht. 



A. Geschenke. 

Die mit * Yenehen«n sind vom Antor gogeben. 

Akademie fUr Sozial- and Handelswissenschaf ten, hier: Bericht 
des Rektors 1901/03. 

— Vorlesungsverzeichnis W. S. 1903/04. S. S. 1904. 

van den Arend, Gerhard, Kotterdam: Fleischer, M., Musci der Flora von 

Boitenzorg. I. 
Askenasy, AL, Ingenieur, hier, ans dem Nachlafi seines verstorbenen 

Bruders Prof. Dr. E. Askenasy in Heidelberg : van Aller, Der Monitor. 

— Arneth, A., System der Geom^trie. 

— Baltzer, R., Theorie and Anwendnng der Determinanten. 

— Baltzer, R., Die Elemente der Mathematik. 

— Bernthsen, A., Lehrbnch der organischen Chemie. 

— Bourdon, M., Elements d'algebre. 11. Edition. 

— Briot-Bouqaet, R., Lemons de g^ometrie analytiqae. 

— David, L., and Skolik, Ch., Die Photographie mit Bromsilbergelatine. 

— Dingeldey, Fr., Topologische Stadien. 

— Doelp, H., Die Determinanten. 

— Duhamel, C, Lehrbuch der reinen Mechanik. 

— Erdmann, B., Die Axiome der Geometrie. 

— Ferrers, N., An elementary treatise on trilinear coordinates. 

— Fiedler, W., Elemente der projektivischea Geometrie. 

— Fort, 0., und SchlQmilch, 0., Lehrbnch der analytischen Geometrie. I. 

— Fr6moire, L., Elementar-Geometrie. 

— Gandtner, 0., Die Elemente der analytischen Geometrie. 

— Ghersi, J., Metodo facili per risolvere i problem! di geometria. 

— Graetz, L., Die Elektrizitat und ihre Anwendnng. 6.Auii. 

— Grelle, Fr., Prinzipien der Arithmetik. 

— Hann, J., Handbach der Klimatologie. 

— Heger, R., Elemente der analytischen Geometrie. 

— Heis, E., Sammlung von Beispielen und Aufgaben. 7. Aufl. 

— Joachimsthal, F.. Elemente der analytischen Geometrie. 

— KanSmann, E. E., Lehrbuch der ebenen Geometrie. 

— Kanffmann, E. F., Lehrbuch der Stereometrie. 3. Aufl. 

— Killing, Wilh., Die nicht euklidischen Raumformen. 

— Klempt, A., Lehrbnch der Algebra. 



.- 163* — 

Askenaiy, Al, Ingenieur, hier, ans dem Nachlafi seines verstorbenen 
Binders Prof. Dr. E. Askenasy in Heidelberg : Erebs, O., Leitfaden der 
Experimentalphyaik. 

— Lacroix, S. F., Anleitong znr Trigonometrie. 

— Lanbenheimer, A., Grnndziige der organischen Chemie. 

— Lef^bure de Fourcy, 9 Abhandlungen ans der Algebra. 

— Legendre, M.^ Elements de g6ometrie. 12. 6d. 

— Lejenne-Dirichlet, P. G , Vorlesungen Uber Zahlentheorie. 

— Lttbsen, H. B., Lfehrbuch der Analysis. 7.Aufl. 

— Lttbsen^ H. B., Einleitong in die Infinitesimal-Bechnung. 

— Liibsen, H. B.« Einleitung iji die Mechanik. 

— Liibsen, H. B., Lebrbuch der Trigonometrie. 

— Meier-Hirsch, Sammlong geometrischer Anfgaben. I. U. 

— Nell, A. M., Fttnfstellige Logarithmen. 

— Pascal, E., I determinant! teoria ed applicazioni. 

— Poncelet, J. V., Lehrbach der Mechanik. 1. 11. 

— Reidt, F., Vorschale der Theorie der Determinanten. 

— Beye, Theod., Die Geometrie der Lage. 1. 

— Biecke, Mathematische Unterhaltangen. 1. 

— fiiemann, B., Partielle Differentialgleichnngen. 

— Bitter, A., Lehrbach der analytischen Mechanik. 

— Roscoe-Schorlemmer, Lehrbach der Chemie. 8. Aafl. 

— Rflblmann, M., GrandzUge der Mechanik. 

— Bilhlmann, M, Hydromechanik. 

— Scarpis, M., Primi elementi della teoria dei manere. 

— SchlQmilch, 0., Compendiam der h^heren Analysis. 

— Schl5milcb, 0., Ubangsbach zam Stadiam der h^heren Analysis. 
Bd. 1—2. 3. Aafl. 

— SchrQder E., Lehrbach der Arithmetik and Algebra. 

— Sohnke, L., Differential- and Integralrechnang. 

— Stump!, C, Physiologischer Ursprang der Raamvorstellang. 

— Witt8tein, Tb., Lehrbach der Differential- and Integralrechnang. 
Ansscbafi fttr Volksvorlesungen, hier: Bericht 1902/03. 
*Bail, Prof., Dr., Danzig: 2 SeparatabdrUcke. 

Bechhold, J. H., Dr. phil., bier: Annuaire par le bareaa des longitades. 
1902. 1903. 

— Baole, A., Lehrbach der Vermessangskande. II. Aafl. 

— Boyer, J., La phothographie et T^tude des nuages. 

— Engel, Tb., Die Schwabenalb and ihr geologischer Aafbau. 

— Fritsche, H., Die t&gliche Periode der erdmagnetischen Elemente. 

— Haid, M., Die modemen Ziele der Erdmessung. 

— Knaaer, F., HandwSrterbach der Zoologie. 

— Kronleld, M., Sch5nbranner Thierbilder. 

— Plomandon, J., Le barom^tre appliqa^ h. la provision da temps. 

— Sachs, A., Wesen and Wert der Miner alogie. 

♦Berwerth, Fr., Prof.Dr, Wien: VerzeichnisderMeteoritenimK.K.Natar- 
blBtoriscben HofmaBeam. 

11* 



*fioalanger, E., Paris: Germinatioii de Tascospore de la truSe. 

— Les myceliam truffiers blancs. 

^Boveri, Theod, Prof. Dr., Wtirzbnrg: Ergebnisse fiber die Konstitntion 
der chromatischen Substans des Zellkerns. 

— fiber das Verbal ten des Protoplasmas bei monocentriscben Mitosen. 
'^Cbicago Press, Chicago: A catalogae of publications. 

♦Chun, C, Prof. Dr., Leipzig: Aus den Tiefen des Weltmeeres. II. Aufl. 

— 50 Separata. 

♦Dorr, F., Direktor der Liebig-Realschule, bier: Jahresbericht 1903/04. 
♦Engelhardt, U., Prof. Dr., Dresden: Terti&rpflanzen von Kleinasien. 
Freibibliothek, bier: 9. Jabresbericht.. 
♦Fresenius, H., Prof. Dr. , Wiesbaden : Bad Ems. 

Friedl&nder&Sobn, Berlin : Register zu Novitates naturae 1881—1885. 
1889. 1892—1903. 

— Naturae novitates 1904, No. 1 ff. 

— Verlagsbericbt 1903. 

♦Fiirbringer, Max, Prof. Dr., Heidelberg : 5 Separata. 
-Gordon, M. 0., Dr. phil, Aberdeen: Tbe geological structure of monzoni. 
♦Graff, L. v., Prof. Dr., Graz: Die Turbellarien als Parasiten und Wirte. 
♦Haeckel, E., Prof. Dr., Jena: Antbropogenie. I— II. 5. Auii. 

— Die Weltrfttsel. 7. Aufl. Dasselbe, Volksausgabe. 
♦Ha gen, B., Hofrat, bier: Die Gajo-L&nder auf Sumatra. 

Hag en, Frau Hofrat, bier: Flora von Ost- und Westpreufien. 1,2. 
♦Hallock-Greenewalt, M. Pb, Dr., Philadelphia : Pulse and Rythm. S. A. 
Heynemann, D. F., bier: Annales musei nationalis Hnngarici. Vol.1, p. 1. 

— Travaux scientifiques de Tuniversit^ de Rennes. Tom. I, fasc. 3. 
♦JUger, Fr., Dr. phil., Offenbach: Uber Oberfl&chengestaltung im Oden- 

wald. Diss, inaug. Heidelberg. 
Jardin botanique de T^tat, Bruxelles: Bulletin. Vol.1, fasc. 4. 
Institut fiir Gemeinwohl, bier: 7. Bericht 1902/03. 
Mineralog - petrograpiscbes Institut, Universit&t Strafiburg: 

Bruhns, W., Verzeichnis der Meteoriten. 

— Bttcking, H., Vulkanische Durchbriiche der Rh5n. 
John Crerar library, Chicago: 9. Report 1903. 

♦Einkelin, F., Prof. Dr., bier: Die Knochenreste in den Grabem, Umen 

und Schtisseln im Graberfeld von Nauheim. 
♦Klein, C, Geh. Bergrat, Berlin: Die Meteoritensammlung der Kgl. Uni- 

versit&t Berlin am 21. Januar 1904. 
K b e 1 1 , W., Dr. med., Schwanheim : RoBmftfilers Iconographie. N. F. VIII, 5, 6. 

IX, 5, 6. X, 3 — 6. 

— Iconographie der Meeresconchylien. Ill, 5, 6. 

— Eri2, M., Beitrage zur Kenntnis des Quarters in BQhmen. 
K5rner, 0., Prof. Dr., Rostock: 21 natnrwissenschaftliche Dissertationen. 
Lampert, K., Prof. Dr., Stuttgart: Mitteilungen aus dem Naturalienkabinet. 

No. 27. 
Malakozoologische Gesellschaft, hier: Natorhistorische Hefte des 
Ungar. Nationalmuseums. Bd. V— XXV. 



— 165* — 

Malakozoologische Gesellschaft, hier: Daday, E. v., Die anatomischen 

VerhUltnisse vou Oyprois dispar. 
Mitteldeatscher Kunstgewerbeverein, hier: Jahresbericht 1902. 
"^ M 5 b i a 8 , Mm Prof. Dr., hier : Gescbichte und BeschreibuDg des botanischen 

Gartens za Frankfurt a. M. 

— Matthias Jakob Schleiden zum 100. Geburtstage. 

— Uber das Welken der Bliltter bei Caladium bieolor and Tropaeolum 
ynaiua. 

— Nekrolog anf Eugen Askenasy. 
Zoologisches Museum, Dresden: Bericht 1900/01. 
^Parkinson, H., Marburger geologisches Institut: (Jber eine neue Culm- 
fauna vom K(3nigsberg bei GieBen. 

*Pieper8 und Snellen: Rotterdam: Enumeration des lepidopt^res de 

Java. S.A. 
* P i 1 s b r y , H. A., Philadelphia : Additions to the Japanese Land Snail Fauna, 
von Reinach, Alb., Baron, hier: Mehrere Nummern des Eorrespondenz- 

blattes flir Anthropologie. 
SchlLffer, Heinrich, l^er: Barbeck, H., Alt-NUrnberg. 

— Boeck, K., Durch Indien ins verschlossene Land Nepal. 

— Brennecke, A., Alt-England. 

— Chun, C, Aus den Tiefen des Weltmeeres. IL Aufl. 

— Cronau, B., Amerika. Bd.l— 2. 

— Deutschland und seine Eolonien. 

— Diercks, G., Gescbichte Spaniens. I— II. 

— Dove, K., Vom Kap zum Nil. 

— Exner, A. H., China. 

— Franzius, G., Kiautschau. 

— FUrst, H., Dentschlands niltzliche und schftdliche VOgel. Atlas. 

— Garren, A., Australasia. I— III. 

— Geyer, D., Unsere Land- und Silflwasser-Mollusken. 

— Glaser, L., Leben und EigentUmlichkeiten in der mittleren und niederen 
Tierwelt. 

— Hellwald, F., Hinterindische L&nder und VOlker. 

— Heuglin, M. Th. v., Reise in das Gebiet des weifien Nil. 

— Kaden, W., Sommerfahrt durch Italien. 

— Kaden, W., Das Schweizerland. 

— KarrstrQm, E. J., 18 Jahre in Sttdafrika. 

— Eaulen, F., Assyrien und Babylonien. 

— Keller, C, Das Leben des Meeres. 

— Kretschmar, Deutsche Volkstrachten. 

— Kflrschner, J., China. 

— Kuhnhardt, E., Wanderjahre eines jungen Hamburgers. 

— Kunstst&tten, bertthmte. No. 1. 3—11. 

— Lamport, K., Das Leben der Binnengewfisser. 

— Lankenau, H. v., Das heutige Rufiland. 1—2. 

— Lindau, P., An der WestkUste Kleinasiens. 

— LutB, K. G., Die Raubvttgel Dentschlands. 



— 166* — 

Sch&!!er, Heinrich, hier : Monographien zur Weltgeschichte. No. 1 —7, 
9—14. 

— Navarra, B, China und die Chinesen. I— II. 

— Rheinlande, die. Jahrg. 1900, 1901. 

— RoskoBchny, H., Alghanistan 1--2. 

— Sachau, E., Reise in Syrien. 

— Sammlung illostrierter Monographien. Bd. 2. 

— Schweiger-Lerchenfeld, A., Griechenland. 

— Schweitzer, G., Bine Beise am die Welt. 

— Siegmnnd, F., Naturgeschichte der drei Reiche. 

— Stein, O., Die Entdeckungsreisen in alter and neaer Zeit. 

— Sven-Hedin, Darch Asiens Wflsten. 1 — 2. 

— Veredarias, Das Buch von der Weltpost. 

— Volz, B., Stanleys Reise darch den dunklen Weltteil. 

— WeiB, H., Kostiimkande. Bd. 1—3. 

— Weifier, L., Bilderatlas zar Weltgeschichte. 

— Wilda, J., Von Hongkong nach Moskaa« 

— Woenig, Fr., Die Pflanzen im alten Agypten. II.Aafl. 

— Wolf, E., Im Innern Chinas. I. 

— Zech, L. von, Das Pferd im gesonden and kranken Zastande. 

— Zsigmondy, E., Im Hochgebirge. 

^Scharff, R., Dr. phil., Dablin: The exploration of the caves of Kesh. 
Schenck, H., Prof. Dr., Darmstadt: Jahresbericht des natarwissenschaft- 

lichen Vereins Darmstadt. 1903. 
*Schultheifi, Fr., Apotheker, Nilrnberg : Ph&nologische Mitteilangen. 1903. 
^Schoateten, H., Brtlssel: Rhynchota Aethiopica. I. 
^Snellen, P. C. T., Rotterdam: Beschrijvingen van nieawe exotische 

Tortricinen. 
'*'Thilo, Otto, Dr. phil., Riga: Die Entstehong der Schwimmblasen. 

— Die Umschaa. 1903. No. 53. 

Tnrnverein, Frankfart: Bericht des Tumrats 1887/88— 1890/91. 1902/03. 
♦Verworn, M., Prof. Dr., G5ttingen: Allgemeine Physiologic. 4. Aafl. 
WeiB, A., hier: Jastus von Liebig, sein Leben and Wirken. Giefien. 1904. 
Z i e g 1 e r , Fran Prof. Dr., hier : B5rnstein, R., Leitfaden der Wetterkande. 

— Ihne, E., Jalias Ziegler ein Lebensbild. 

— Ziegler, J., tJber P. Meermanns Lafttemperatarbeobacbtangen. II. 



B. Die im Tausch erworbenen Schriften werden im n&chsten 

Bericht aufgefOhrt 



- 167* — 
C. Durch Kauf erworben. 

a) Yollsti&ndige Werke and Einzelschriften. 

Die mit * versebenen liegen im Lesezimmer auf; ebenso bei Lielernngs- 

werken and Zeitscbriften. 
Annales des sciences geologiques. Tom. X. XL 
Beitr&ge zur Palaeontologie Osterreich-Ungarns. Bd.VI. 
Dreyer, Fr. : Peneroplis. Leipzig 1898. 

M a a r e r , F r. : Die Epidermis und ihre Abk5mmlinge. Leipzig 1895. 
Kegel, Fr.: Thiiringen. Teil 1— 3. Jena 1892— 1896. 

b) Lieferangswerke : 
Baillon: Histoire des plantes. 
Bibliotbek der LUnderknnde. 
Brandt, Nordiscbes Plankton. 
Br e fold: Mycologiscbe Untersacbangen. 
Bronn: Klassen and Ordnangen des Tierreicbs. 
Catalogae of Scientific Papers. 

Cbelins, C. : Erlclaterangen zur Geologiscben Karte des Grofiberzogtums Hessen. 
Das Tierreicb (Deatscbe Zoolog. Gesellscbaft). 
Engler: Vegetation der Erde. 
Engler: Das Pflanzenreicb. 
Ergebnisse der deatscben Tiefsee-Expedition. 
Ergebnisse der Plankton-Expedition. 
Ergebnisse der Hambarger Magalbaensiscben Sammelreise. 
Faona and Flora des Golfes von Neapel. 
Faana arctica. 

Grandidier: Histoire Natarelle de Madagascar. 
Hintze: Handbacb ftir Mineralogie. 
Letbaea geognostica. 

Leuckart and Oban: Bibliotbeca Zoologica. 
Lindenscbmit Sobn, L. : AltertUmer anserer beidniscben Vorzeit. 
Martini-Cbemnitz: Systematisches Koncbylien-Kabinet. 
Martins a. a.: Flora Brasiliensis. 
Palaeontograpbia Italica. 
Palaeontograpbical Society. 
Rabenborst: Kryptogamenflora. 
Betzias: Biologiscbe Untersacbangen. 

S a r a 8 i n , P. a. F. : Ergebnisse natarwissenscbaftlicber Forscbangen auf Ceylon. 
Scbimper: Mitteilangen aus den Tropen. 
Selenka: Stadien zar Entwicklungsgescbicbte. 
Semper: Reisen im Arcbipel der Pbilippinen. 
Smitb and Kir by: Rbopalocera Exotica, 
^ascbenberg, 0., Dr.: Bibliotbeca Zoologica. 
Tronessart, E. L. : Catalogas mammaliam. Nova editio. 
Tryon: Manual of Concbology. 
Zacbariai: ForBcbungsbericbte aas der Biologiscben Station von PlOn. 



— 168* — 

c) Zeitochriften : 

Abbandlangen der GroBherzoglich Hessischen G^logischen Landesanstalt. 

Abhandlnngen der Schweizerischen Pal&ontologischen Gesellschaft. 

^American Journal of Arts and Sciences. 

'^Anatomischer Anzeiger. 

Annales da Jardin Botanique de Bnitenzorg. 

'^Annales des Sciences Natorelles (Zoolog^e et Botanique). 

Annales de la Soci6t6 Entomologique de France. 

'*'Annals and Magazine of Natural History. 

Arbeiten aus dem zoologischen Institut der Universit&t Wien. 

*Archiv fitr Anatomic und Physiologic. 

'*'Archiy fUr Anthropologie. 

'*'Archiv ftbr die gesamte Physiologie des Menschen und der Tiere. 

^Archiv fttr mikroskopische Anatomic. 

*Archiv ftir Naturgeschichte. 

*Archiv ftir Entwicklungsmechanik. 

* Archly fftr Protistenkunde. 

^Archives de Biologic. 

^Archives de Zoologie exp^rimentale et g^n^rale. 

^Biologisches Centralblatt. 

^Botanischer Jahresbericht. 

'*'Botani8che Jahrblicher ftbr Systematik, Pflanzengeographie und Pflanzen- 

geschichte. 
H^entralblatt ftir Mineralogie. 
Deutsche Entomologische Zeitschrift. 
serological Magazine. 

Jahresberichte fiber die Fortschritte der Physiologie. 
^Journal de PAnatomie et de la Physiologie normales et pathologiques de 

rhomme et des animaux (Duval). 
^Journal fUr Omithologie. 

^Mineralogische und petrographische Mitteilungen. 
*Morphologisches Jahrbucb. 

'*'Nachrichtsblatt der Dentschen Malakozoologischen Gesellschaft. 
The american Naturalist. 
♦Nature. 

♦Naturae novitates. 

♦Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 

♦Neues Jahrbucb ftir Mineralogie, Geologic und Palftontologie. 
Notes from the Ley den Museum. 
♦Palaeontographica. 

♦Zeitschrift fiir Krystallographie und Mineralogie. 
♦Zeitschrift fiir Ethnologic. 
♦Zeitschrift f(ir practische Geologic. 
♦Zeitschrift fiir wissenschaftliche Zoologie. 
Zoological Record of the Zoological Society. 
♦Zoologische Jahrblicher. 



— 169* — 



*Zoologi8cher Jahiesbericht. 
*Zoologi8cher Anzeiger. 
^Zoologischea Zentralblatt. 



Die Anschaff ungen undGeschenke desDr.Senckenbergischen 
Medizinischen Institnts, des Physikalischen, Arztlichen und 6eo- 
graphischen Vereins werden ebenfalls der gemeinsameu Bibliothek 
einverleibt ufid konnen demoach von unserD Mitgliedern beuutzt 
werden. Von den Zeitschriften, welche, neben den schon an- 
gef&hrten, der Gesellschaft zur Verfugung stehen, seien erw&hnt : 

Yon seiten des Dr. SenckenbergiBchen Medizinischen Institnts : 

*Beitr&ge zor pathologischen Anatomie. 

^Botaniscbe Zeitung. 

♦Botaniscbes Centralblatt. 

*Centralblatt ftbr allgemeine Patbologie. 

Correspondenzblatt fflr Zabn&rzte. 

Ergebnisse der allgemeinen Patbologie. 

♦Flora. 

♦Fortscbritte der Medidn. 

♦Jabrbftcber ftir wiBsenscbaftlicbe Botank. 

*Beyue g6n6rale de Botaniqne. 

Wodiensclirift, zalm&rztlicbe. 

Yon seiten des Pliysikalisclien Yereins: 

Apotheker-Zeitang. 

Astronomiscbes Jabrbncb. Berlin. 

Astronomiscbe Nacliricbten. Altona. 

♦Bericbte der Dentscben Cbemiscben Qesellscbaft. Berlin. 

♦Cbemiscbes Centralblatt. Leipzig. 

♦Comptes rendns bebdomadaires. Paris. 

♦Dinglers Polytecbniscbes Journal. Stuttgart. 

♦Elektrotecbniscbe Bundscbau. Frankfurt a. M. 

♦Elektrotecbniscbe 'Zeitscbrift. Berlin. 

♦Fortscbritte der Elektrotecbnik. 

♦Jabresbericbt fiber die Fortscbritte der Cbemie. Giefien. 

Jabresbericbt fiber die Fortscbritte der Physik. 

♦Jabresbericbt iiber die Leistnngen der cbemiscben Technologie. Leipzig. 

♦Journal fthr praktiscbe Cbemie. Leipzig. 

Journal of tbe institution of electrical engineers. 

♦Liebigs Annalen der Cbemie. Leipzig. 

Tlie pbilosopbical magazine. 

♦Meteorologiscbe Zeitsclirift. Wien. 

Pbysikaliscbe Zeitschrift 



— 170* — 

*PoggendorSs Annalen der Physik und Chemie. Leipzig. 

Das Wetter. 

""Zeitschrift ftlr analytische Chemie. Wiesbaden. 

'*'Zeitschrift fiir physikalische Chemie. Leipzig. 

*Zeitschri!t ftlr Instrumentenkunde. Berlin. 

'*'Zeit8chrift !Ur Mathematik und Physik. Leipzig. 

*Zeit8chrift fllr physikalischen nnd chemischen Unterricht. Berlin. 



Yon seiten des Arztllchen Yereins: 

Charity- Annalen. Berlin. 

^Annales d^Ocalistique. 

Annali deiristituto d^Igiene sperimentale. Rom. 

Annales d'Hygi^ne. 

Annales des maladies de Toreille et de larynx. 

^Arbeiten des Kaiserlichen Gesundheitsamts. 

Archiv fiir Hygiene. 

♦Archiv fiir Verdauungskrankheiten. 

Deutsches Archiv fiir klinische Medicin. 

♦Archiv fiir Ohrenheilkunde. 

♦Archiv fiir experimentelle Pathologie und Pharmakologie. 

♦Archiv fiir Psychiatrie. 

♦Archiv fiir Ophthalmologic. 

Archiv fiir Dermatologie and Syphilis. 

Archiv fiir Kinderheilkunde. 

♦Archiv fiir Augenheilkunde. 

Archiv fiir GynHkologie. 

Archiv fiir klinische Chirurgie. 

Archiv fiir pathologische Anatomie. 

Archiv fiir Schiffs- und Tropenhygiene. 

Archives de Laryngologie. 

Archives of Laryngology. 

♦Archives Italiennes de Biologic. 

Archivii Italiani di Laringologia. 

Archivio Italiano.di Otologia. 

♦Beitrage zur klinischen Chirurgie. 

Berliner Aerzte-Correspondenz. 

Bulletin de TAcad^mie royale de M6decine de Belgique. 

Bulletins et M6moires de la Soci6t6 franyaise de Laryngologie. 

Bulletins et M6moires de la Soci6t^ franyaise d^Otologie. 

Centralblatt fiir Bacteriologie und Parasitenkunde. 

Centralblatt fiir Chirurgie. 

Centralblatt fiir Gynakologie. 

Centralblatt fiir innere Medicin. 

♦Centralblatt fiir praktische Augenheilkunde. 

♦Centralblatt fiir Harnkrankheiten. 

♦Centralblatt fiir Physiologic. 



— 171* — 

Centralblatt Mr allgemeine Gesandheitspflcg^e. 

^NeuTologisches Centralblatt. 

Correspondenzblatt der Schweizer Aerzte. 

CorrespoDdenzblatt ftir die Aerzte der Provinz Hessen-Nassau. 

^Fortschritte an! dem Gebiet der R^ntgenstrahlen. 

Gazette m^dicale. 

^Index medicos. 

Jahrbnch fiir Kinderheilknnde. 

^Schmidt^s JahrbUcher der Medicin. 

JabrbQcher der Hamborgischen StaatskrankeDaDStalten. 

*Jahresbericbt fiber die L^istungen der Medicin. 

Jahresbericht Uber die Leistangen des MiliULr-Sanit&tswesens. 

Jahresbericht der Opbthalmologie. 

Jahresbericht Uber die Fortschritte der GynHkologie. 

Jahresbericht Uber die Fortschritte in der Lehre der pathogenen Microorganismen 

^British Medical Journal. 

Joomal o! Laryngology and Rhinology. 

Joomal of Respiratory organs. 

Journal of the sanitary institut. 

The Lancet. 

Medicin der Gegenwart. 

Deutsche Medicinalzeitung. 

M^moires couronn^ de T Academic royale de M^decine de Belgique 

Mitteilongen aus den Grenzgebieten der Medicin und Chirurgie. 

Monatsblatt ftir Offentliche Gesundheitspflege. 

Monatsbliitter fiir Augenheilkunde. 

Monatsschrift ftir Ohrenheilkunde. 

Monatsschrift fiir Offentliche Gesundheitspflege. 

Therapeutische Monatshefte. 

Le mouvement hygi6nique. 

Guy's Hospital Reports. 

^Ophthalmic Hospital Reports. 

Deutsche Praxis. 

*Praktische Arzt, der. 

Reichsmedizinalkalender. 

Revue de Th6rapeutique. 

Revue mensuelle de Laryngologie. 

Hygienische Rundschau. 

Sachverst&ndigen-Zeitnng. 

SammluBg klinischer Vortrftge. 

*Semaine m^dicale. 

Obstetrical Transactions. 

Medico-chirurgicai Transactions. 

Moleschotts Untersuchungen zur Naturlehie. 

Aerztliches Vereinsblatt. 

Vierteljahrschrift ftir Gesundheitspflege. 

Vierteljahrschrift fUr gerichtliche Medicin. 






— 172* — 

Verhandlnngen der Berliner medicinischen Gesellschaft. 

'*'Ver5ffentIichangen des kaiserlichen Geeundheitsamts. 

Berliner klinische Wochenschrift. 

Wiener klinische Wochenschrift. 

Wiener medicinische Wochenschrift. 

Deutsche medicinische Wochenschrift. 

Mtinchener medicinische Wochenschrift. 

Prager medizinische Wochenschrift. 

Berliner tierlLrztliche Wochenschrift. 

^Zeitschrift fttr Biologie. 

Zeitschrift fUr Chirargie. , 

Zeitschrift fttr Fleisch- nnd Milchhygiene. 

Zeitschrift fttr Geburtshilfe and GynHkologie. 

Zeitschrift fttr Gewerbehygiene. 

Zeitschrift fttr klinische Medicin. 

'*'Zeitschrift fttr Erebsforschang. 

Zeitschrift fttr vergleichende Augenheilknnde. 

Zeitschrift fttr Thiermedicin. 

'''Zeitschrift fttr Psychologic and Physiologie der Sinnesorgane. 

Milit&r&rztliche Zeitschrift. 

Zeitschrift fttr Untersnchnng der Nahrungs- and Genussmittel. 

Yon seiten des Yerelns fttr Geographie nnd Statlstik: 

Abhandlangen der k. k. Geographischen Gesellschaft Wien. 

Annalen der Hydrographie. 

Archiv fttr Siebenbttrgische Landeskande. 

Astronomisch-geod&tische Arbeiten. 

Beitr&ge zar Sprach-, Land- and VOIkerkande von Niederl&ndisch-Indien. 

Bericht der Eais. Bass, geographischen Gesellschaft Petersburg. 

Deutsche geographische Better (Bremen). 

BoUettino della Society geografica Italiana. 

Bollettino della Society Africana d'ltalia. 

Boletin de la Sociedad geografica de Madrid. 

Boletin del Instituto geografico Argentino. 

Boletin del Instituto geologico de Mexico. 

Boletin de la Sociedad geografica de Lima. 

Boletim da Sociedade de Geographia de Lisboa. 

Bulletin de la Soci^tfe g^ographique de Paris. 

Bulletin de la Soci6t6 du Nord de la France, Douai. 

Bulletin de la Soci6t6 de Geographic de Marseille. 

Bulletin de la Soci^tfe de Geographie de I'Est, Nancy. 

Bulletin de la Soci6t6 de Geographic commerciale de Bordeaux. 

Bulletin de la Societe Hongroise de geographic Budapest. 

Bulletin de la Societe Languedocienne de Geographic, Montpellier. 

Bulletin de la Societe geographique d'Anvers. 

Balletin de la societe Neuchateloise de geographie. 



— 173* — 

• 

Bulietin de la Soci6t6 Normande de Q^ographie, Rouen. 

Bulletin de la Soci6t6 de G6ographie commerciale, Havre. 

Bulletin der RumUnischen geographischen Gesellschaft. 

Bulletin du comit^ de TAfrique fran^aise. 

Bulletin of the geographical society of California. 

Bulletin of the geographical society of Philadelphia. 

Bulletin of the geological institution Upsala. 

Fennia. Bulletin de la soci6t6 de g^ographie de Finlande. 

Le Globe. 

Jahrbuch des Ungarischen Earpathenyereins. 

Jahrbuch des Siebenbtlrgischen Karpathenvereins. 

Jahresbericht der geographisch-ethnographischen Cresellschaft Zurich. 

Jahresbericht der geographischen Gesellschaft Bern. 

Jahresbericht der geographischen Gesellschaft Greifswald. 

Jahresbericht der geographischen Gesellschaft Miinchen. 

Jahresbericht des Vereins ftlr Erdkunde Dresden. 

Jahresbericht des Vereins filr Erdkunde Metz. 

Jahresbericht des Vereins filr Erdkunde Stettin. 

Jahresbericht des Vereins ftir SiebenbUrgische Landeskunde. 

Journal of the American Geographical Society, New-York. 

Journal of the Geographical Society, Manchester. 

J(^mal of geographical society of London. 

Kundmachungen fUr Seefahrer. 

Mitteilungen aus dem Gebiete des Seewesens. 

Mitteilungen der geographischen Gesellschaft in Hamburg. 

Mitteilungen der geographischen Gesellschaft Liibeck. 

Mitteilungen der geographischen Gesellschaft in Jena. 

Mitteilungen der geographischen Gesellschaft in Wien 

Mitteilungen des Vereins fUr Erdkunde Halle. 

Mitteilungen des K. K. Milit&r-Geographischen Instituts Wien. 

Mitteilungen von Forschungsreisenden. 

Nachrichten filr Seefahrer. 

National Geographic magazine. 

^Petermanns Mitteilungen. 

Pubblicazioni della Specola Vaticana. 

Queensland geographical journal. 

Beyue de la Soci^t^ g^ographique de Tours. 

Srenska Turist F5reningens arsskrift. 

Tijdschrift van het konigl. Nederlandsch Aardrijskundig Genootschap. 

Verhandlungen der Gesellschaft ftir Erdkunde zu Berlin. 

Verhandlungen des deutschen Geographentags. 

Zeitschrift der Gesellschaft fUr Erdkunde zu Berlin. 



— 174* — 



Medaillen-Sammlung. 



Im Berichtsjabre sind folgende Medaillen (meist in Bronze) 
in die Sammlung eingereiht worden: 

Ehrlich-Plakette, Geschenk des Komitees durch 
Prof. Dr. J. Morgenroth. 

Lucius-Medaflle, Gescbenk von Frau Dr. Eugen 
Lucius. 

Nansen-Plakette, angekauft. 

Silberne Medaille der Eaiserl. Russiscben Geo- 
grapbischen Gesellschaf t zu St Petersburg, verliehen 
1890 an Major a. D. Prof. Dr. L. von Hey den und von ibm 
geschenkt. 

Frankfurter Rathaus-Plakette mit den Portraten 
der beiden Blirgermeister, Geschenk der Stadtbibliothek. 

2 Virchow-Medaillen und 1 Virchow-Plakette, 
angekauft. 



Sonstige Geschenke. 



Geh. Hofrat Prof. A. Weismann in Freiburg i. B. : seine 
Buste in Gips, modelliert und im Auftrage des Schenkers 
tiberreicht von J. Kowarzik. 

Geh. Rat Prof. A. von Ko Hiker Exzellenz in Wtirzburg, 
Geh. Rat Prof. F. von Lei dig in Wiirzburg, Geh. Rat Prof. 
F. E. Schuize in Berlin und Geh. Hofrat Prof. A. Weismann 
in Freiburg i. B. schenkten ihre Bilder fur das Museum. 



- 176^ — 



Eugen Askenasy f. 

Von 

Prof. Dr. M. MObius.') 



Der Heidelberger Professor der Botanik Dr. E. Askenasy, 
der •am 24. August 1903 auf einer Ferienreise eines pl5tzlichen 
Todes starb, geborte unserer Gesellschaft seit dem Jahre 1870 
als arbeitendes Mitglied an; er hat frtiher an den Yer- 
waltungsgescbaften und wissenschaftlichen Arbeiten regen Anteil 
genommen und auch mehrere Yortrage gehalten. Askenasy 
war am 5. Mai 1845 in Odessa geboren. Sein Yater war 
russischer Stabsarzt, zog aber dann, um seinen Sohnen eine . 
deutsche Erziehung zu geben, nach Dresden, wo Eugen die 
Elementarschule und das Gymnasium bis Untertertia mit den 
besten Zeugnissen absolvierte. Um seine schwache Gesundheit 
zu kraftigen, sollte er sich der Landwirtschaft widmen und war 
teils in dieser praktisch tatig, teils studierte er sie auf den 
Akademien von Hohenheim bei Stuttgart und Poppelsdorf bei 
Bonn. Auf letzterer gewann ihn Julius Sacb s fiir die Botanik, 
deren Studium er von 1864 an in Heidelberg unter Wilhelm 
Hofmeisters Leitung fortsetzte. Daselbst wurde er 1866 
zum Doktor promo viert und habilitierte sich 1872 als Privat- 
dozent ftir Botanik. Bis zu seinem Tode blieb er auch in 
Heidelberg, wo er 1882 zum Professor extraordinarius und 
1899 zum Professor honorarius ernannt wurde. Als Lehrer 
entfaltete er keine sehr ausgedehnte Tatigkeit, sondern er 
fiihrte mehr das Leben eines Privatgelehrten, indem er sich 
spater in seiner Wohnung sein eigenes Laboratorium ein- 
richtete. Wenn auch die Zahl und der Umfang seiner 

*) Ein aosftihrlicherer Nekrolog von dem gleichen Verfasser ist in den 
fierichten der DeuUchen Botanischen Qesellschaft, Bd. XXI (p. 47) erschienen. 



— 176* — 

Schriften nicht grofi ist, so hat er doch Bedeutendes geleistet 
und jede Arbeit tragt den Stempei des geistreichen und 
gewissenhaften Forschers. Seine Untersuchungen beschaftigen 
sich haupts3.chlich mit der Algenkunde einerseits, mit physio- 
logischen Problemen andrerseits; in letzterer Hinsicht bat 
seine Theorie zur Erklarung des Saftsteigens in den Baumen 
ganz besonderes Aufsehen gemacht. Wahrend die meisten Auf- 
sSltze in verschiedenen Zeitschriften veroffentlicht worden sind, 
hat er auch zwei selbstandige Schriften erscheinen lassen : seine 
Habilitationsschrift, ^Botanisch-morphologische Studien*' betitelt, 
und die ebenfalls 1872 herausgegebenen, sehr lesenswerten 
„Beitrage zur Kritik der Darwinschen Lehre", in denen er sich 
im wesentlichen auf den Standpunkt N age lis stellt. DaB aeine 
Anschauungen in den von der Pal^ontologie beigebrachten Tat- 
sachen eine glanzende BestMigung finden, hat 1875 Neumayr 
ausgesprochen. 

Askenasys vortrefflicher Charakter, sein liebenswiirdiges 
Wesen und seine ganz hervorragende Gelehrsatnkeit werden ihm 
immer ein dankbares Andenken in unserer Gesellschaft und 

# 

ganz besonders bei seinen personlichen Freunden sichern. 



— 177* — 



Otto Franz von Moellendorff f. 

Von 

Dr. W. KobelL') 



Es gibt MSlnner, die geborene Sammler, zum Systematiker 
pr&destiniert sind,* die von Kindesbeinen auf alles, was ihnen 
in der Natur auff&Ut, mitnehmen und zu ordnen versnchen. 
Ein solcher war Dr. Otto Franz von Moellendorff, den 
am 17. August 1903 der Tod viel zu frtih der Wissenscbaft 
entrifi. Geboren am 24. Dezember 1848 zu Hoyerswerda batte 
er von den ersten Jugendjahren an in seinem Vater, dem 
Okonomie-Eommissionsrat und spd.teren Pr&sidenten der Natur- 
forschenden Oesellschaft in GQrlitz, einen Fiihrer, der ibn stets 
auf wissenschaftliches Sammeln hinwies. Das Museum der 
Naturforscbenden Gesellschaft in G5rlitz war des wiBbegierigen 
Knaben liebster Aufenthalt und, als er 1866 die Universitat 
Halle bezog, war es ganz selbstverstandlich, dafi er sich dem 
Studium der Naturwissenscbaft widmete. Da die Familien- 
verb&Itnisse es ihm indessen unrooglich macbten, die wissen- 
scbaftlicbe Earriere einzuscblagen, widmete er sicb dem Studium 
der Cbemie, aber sein Herz blieb immer bei der Zoologie 
und der Trieb, fremde Lftnder zu seben und zu erforscben, lieB 
sicb nicht bannen. Desbalb ergriff er im Jahre 1870 eine sicb 
zuf&llig bietende Gelegenbeit und nabm ein Anerbieten des 
Generalkonsuls Dr. Blau in Serajewo an, ibn als Hauslebrer 
nacb Bosnien zu begleiten. 



^) Auszng ans dem von dem gleichen Verfasser im Nachrichtsblatt d. 
Deaticb. Malakozool. Ges. 1903, No. 11/12 yerdfientlichteD Nekrolog. 

12 



— 178* — 

In dem damals noch tUrkischen and vollig unaufgeschlossenen 
Bosnien land Moellendorff — aufier der seinem bedeutenden 
Lehrtalent sehr zusagenden Stellung und seiner spateren Fran 
and unermttdlichen Mitarbeiterin — ein tiberreiches Feld ftir 
seine naturwissenschaftlichen Neigungen. Schon damals trat er 
in eine enge Verbindung mit der Deutscben Malakozoologischen 
Gesellschaft und in Verkehr mit mir, der dreiBig Jahre lang 
ununterbrochen fortgesetzt worden ist. In seiner Fauna von 
Bosnien, die er 1872 als Dissertation zur Erlangung der 
philosopbischen Doktorwurde schrieb, spielen die Binnenkon- 
chylien eine Hauptrolle. Generalkonsul Dr. Blau, der die un- 
gew5hnliche Begabung seines Hauslehrers erkannte, veranlafite 
ihn, sich der Eonsulatskarriere zuzuwenden, und gab so seinem 
Leben die bestimmende Richtung. Zu&llig schienen damals die 
Aussichten in dieser Laufbahn im ^ufiersten Osten, namentlich 
in China, gUnstiger als im Orient und so meldete sich der neu- 
gebackene Dr. phil. f&r das Reich der Mitte und wanderte 1873 
alsDolmetscher nach Peking. Sein bedeutendes Sprach talent 
and seine F&higkeit, sich fremden Verhd^ltnissen anzupassen 
und fremde Menschen in ihrem Wesen zu verstehen, liefi ihn 
rasch avancieren. Wir finden ihn zunachst in Peking, Tientsin 
und Shanghai, dann als Konsul in Kan ton, Hongkong und 
wieder in Eanton, von wo er 1880 nach Manila verse tzt wurde. 

Schon in China hatte er mit unermUdlicher Ausdauer 
selbst gesammelt und zwar nicht nur Schnecken sondem alle 
Klassen von TiereU; er hatte ferner Chinesen zum Sammeln 
abgerichtet und in erster Linie einige Freunde — Dr. Gerlach, 
Schmacker u. a. -- fiir die Konchylienkunde gewonnen und 
unsere Kenntnis der Binnenkonchylienarten in einer ganz un- 
erwarteten Weise vermehrt. Auf den Philip pi nen war der- 
gleichen kaum zu erwarten; sie waren nach den landl^ufigen 
Ansichten durch C u m i n g , Semper, Jagor, Quadras vdliig 
abgesammelt und kleine Arten gab es dort iiberhaupt nicht. 
Letzteres erschien aller dings dem neuen Konsul nach seinen in 
SMchina gemacbten Erfahrungen trotz der bestimmten Ver- 
sicherung des landeskundigen Quadras einfach unmoglich und 
er sollte rasch Recht behalten. Gerne erzahlte er, wie er bei 
dem ersten gemeinschaftlicben Ausflug nach Montalban bei 
Manila angesichts der Kalkfelsen seinem Begleiter sagte, wenn 



— 179* — 

hier keine Minutien seien, wolle er ihm Reckt geben, wie er 
sich dann am Fufi der Felsen der LiLnge nach auf die Erde 
legte and im Malm w&hlte and wie Quadras daun die erste 
kleine Deckelschnecke fand. Damit war der Bann gebrochen* 
and ein ganz angeahnter Reichtum kleiner Formen belohnte 
das Sammeln. Elf Jahre lang, von 1886 bis 1896, sammelte 
Hoellendorff, soweit es seine Amtsgesch&fte zulieBen, selbst 
and mit seiner UnterstUtzung Qaadras, einige deutsche 
Freande, die er aach hier fUr die Kouchylienkunde gewonnen 
hatte wie Koch aaf Cebu, deutsche Orchideensammler and 
namentlich auch verschiedene Tagalen, die sich bald als sehr 
geeignet, wenn aach aicht immer als absolut zuverl&ssig er- 
wiesen. Um mindestens 800 Arten hat Moellendorff direkt 
Oder indirekt die Molluskenfaana der Philippinen bereichert. 
Kein Opfer war ihm zar Erreichang seines Ziels, der genauen 
Eenntnis des Archipels, zu grofi. 

Leider blieben ihm aber aach die Folgen des langjS^hrigen 
Anfenthaltes in dem Tropenklima nicht erspart, An&mie and 
Herzschw&che meldeten sich aach bei dem rieseDkrd.ftigen 
Manne and im Herbst 1896 blieb ihm keine Wahl mehr als 
die Ubersiedelnng in ein kUhleres Elima. Er warde nach Eowno 
in Litauen yersetzt, nach einem abgelegenen Nest, wo jede 
geistige Anregang fehlte. Doch rastete er auch dort nicht und 
schliefiUch gelang es ihm auch dort, einiges Interesse fiir die 
Heimatforschung zu erwecken and einen naturwissenschaf tlichen 
Klnb za grOnden. 

Da schien ihm ein gUnstigeres Schicksal zu winken. FUr 
die neugegrtindete Akademie fiir Sozial- und Handels- 
wissenschaften in Frankfurt a. M. wurde ein praktiscber 
KoDSulatsbeamter gesucht, der die Vorlesungen uber Konsulats- 
wesen and Uber Handelsgeographie Ubernehmen soUte. Es ge- 
lang, die A uf merksamkeit auf Moellendorff zu lenken, der 
bei seiner langj&hrigen Erfahrung und seinen vielseitigen und 
ganz UDgewdhnlich umfassenden Kenntnissen fur die Stelle 
YorzUglich geeignet erschien. Er nahm mit Freuden an und so 
siedelte er im Oktober 1901 nach Frankfurt Uber. Der Traum 
seines Lebens war erfUllt, eine unabhangige wissenschaftliche 
Stellung an einem Ort gewonnen, wo ein reges geistiges Leben 
berrschte wie an wenigen Universitaten. Mit voUer Kraft warf 

12* 



— 180' — 

sich Moellendorff in die neuen VerhU tnisse ; in der Akademie 
nicht nur, auch in der Senckenbergischen Natur- 
forschendenGesellschaft, deren korrespondierendes Mitglied 
er schon seit 1885 war, in dem Verein ftir naturwissen- 
schaftlicbe Unterbaltung, in der unter seiner Mitwirkung ge- 
grUndeten Anthropologischen Gesellschaft entwickelte er eine 
eifrige, anregende T&tigkeit; er Ubernahm an meiner Stelle die 
Leitung der konchologischen Sektion des Sencken- 
bergischen Museums und begann mit einer Neuordnung 
des dort angesammelten, reichen Materials. Aber nur ein gltick- 
iiches Jahr sollte ihm beschieden sein. Schon im Herbst 1902 
meldeten sich die Symptome der t5dlichen Krankheit, anfangs 
unbedeutend, dann immer schlimmer; von den ersten Tagen 1903 
ab konnte er das Bett nicbt mehr yerlassen ; es war ein Jammer, 
den kr^ftigen Mann bei voUer geistiger Frische korperlich immer 
schwacher werdeu zu sehen. Am 17. August erlftste ihn ein 
sanfter Tod von seinen mit musterhafter Geduld getragenen 
Leiden. 

Moellendorffs Lebensarbeit spiegelt sich in 
seiner Konchyiiensammlung. Neun groBe Doppelschrauke 
fiillten die Sch&tze, die er teils selbst, teils durch einen in 
groBartigster Weise betriebenen Tauschverkehr innerhalb mehr 
als dreifiig Jahren gesammelt hatte. Die Sammlung ist durch- 
gearbeitet wie wenige; unbearbeitetes Material befand sich 
Uberhaupt nicht darin, dafiir die Typen von mindestens 1500 
yon ihm aufgestellten und beschriebenen Arten und benannten 
Lokalformen; aufierdem fast unz^hlbare Exemplare aus der 
Hand anderer Autoren (co-types), die mit dem Besitzer der 
philippinischen Prachtsachen natiirlich bereitwilligst ihre Arten 
austauschten. £s ist gelungen, die Sammlung ein- 
schliefilich der Dubletten und des wissenschaf t- 
lichen Nachlasses ftirdas Seuckenbergische Museum 
zu erwerben und so der Wissenschaft zu erhalten. 
So wird es moglich sein, die angefangene Landkouchylienfauna 
der Philippinen an der Hand des 1901 erschienenen Verzeich- 
nisses zu Ende zu filhren. Auch die angefangene Monographie 
der Agnathen im Martini-Chemnitzchen Kouchylienkabinet hoffe 
ich weiterfUhren zu kOnnen. Aber unwiederbringlich dahin sind 
die Plane, die wir zusammen fiir eine groBangelegte Zoo* 



— 181* — 

geographic der Philippinen gemacht haben imd die uur 
der ausflihren kann, der das Land aus eigener Anschauung 
kennt, dahin so mancher andere Plan, den wir beide zusammen 
noch in die Wirklichkeit zn tibersetzen dacbten! Dahin ist voi: 
allem ftir mich die Hoffnung, dafi der um acht Jahre jiingere 
Mann einmal das weiterfllhren werde, was z^ Ende za fiihren 
ich kaum erwarten kann! 

Moellendorff war eine unbeugsame, gerade, ehrliche 
Natur, vielleicht etwaa rechthaberisch and nicht ftir jeden be- 
qnem im Umgang, aber absolut zaverl^ssig und treu fUr seine 
Freunde, eine Arbeitskraft ersten Ranges und von einer staunens- 
werten Vielseitigkeit. Wenige Wissensgebiete waren ihm fremd, 
aof gar vielen konnte selbst ein Fachmann von ihm lerneu. 
Besonders wSlhrend des ersten Jahrzehntes seines chinesischen 
Aufenthalts hat er verschiedene wichtige linguistische und 
geographische Arbeiten geliefert; seine Karte Nordchinas 
hat bel dem Feldzug gegen Peking wichtige Dienste geleistet. 
Auch die Vdgel und S&ugetiere Nordchinas haben wir durch 
ihn genauer kennen gelernt. Spd,ter konzentrierte er seine 
wissenschaftliche Arbeit mehr und mehr auf die Landschnecken, 
aber gesammelt hat er auch auf den Philippinen alle Tierklassen, 
die ohne mtthsame Preparation zu sammeln waren, und er hat 
seine Ausbeute bereitwilligst und in uneigennutzigster Weise 
den Fachmftnnern zur Verfiigung gestellt. Auch um die Er- 
forschung Neu-Ouineas und in der letzten Zeit Hinterindiens 
hat er sich grofie Verdienste erworben. Die letzte Arbeit, bei 
der ihm der Tod die Feder aus der Hand nahm, war die Be- 
arbeitung der Ausbeuten der russischen Forscher aus Inner- 
china und Tibet. Die Bearbeitung solcher Sammlerausbeuten 
war seine Liebhaberei; selbst zur monographischen Zusammen- 
stellung der philippinischen Mollnskenfauna hat er sich nur 
nach langem Dr&ngen entschlossen. 

Seine Arbeiten sind zum weitaus grofieren Teile in den 
JahrbUchern und dem Nachrichtsblatt der Deutschen Malako- 
zoologischen Oesellschaft sowie in den Jahresberichten der 
Senckenbergischen Gesellschaft enthalten, einiges auch in eng- 
lischen Zeitschriften, den Proceedings of the Zoological Society 
of London, den Proceedings of the Malacological Society, den 
Publikationen des Museums in Calcutta und der Ostasiatischen 



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Gesellschaf t und in den Annalen des Museums der Petersburger 
Akademie. Von der Molluskenfauna der Philippinen, die als 
ErgSlnzung der Semperschen und Teil des grofien Semperschen 
Reisewerkes erschien, hat er nur die Agnathen und Naninen 
Yollenden k5nnen, von der Monographie der Agnatben fiir die 
zweite Auflage d^fi Martini- Cbemnitz die beiden ersten Liefe- 
rungen, welche die Rhytididen enthalten. 



II. TeU : 



Wissenschaftliche Abhandlangen. 



Die Biologie der Griechen. 

Vortrag 
gehalten in der wissenscbaftlichen Sitzang am 9. Januar 1904 

yon 

Professor Dr. Rudolf BurckhardL 



Auf dem internationalen ZoologenkongreB in Berlin 
hatte ich vor zwei Jahren einen Studienfreund wiedergesehen, 
mit dem ich seinerzeit im Leuckartschen Laboratorium zu 
Leipzig gearbeitet hatte. In der Hast des KongreGlebens war 
keine Zeit dazu geblieben, daB wir mehr als uns wiederer- 
kannt hatten, und da mich nichts daran hinderte, folgte ich 
auf der Heimreise der herzlichen Einladung Reinholds, ihn in 
seiner Universitatsstadt zu besuchen, damit wir uns aus- 
sprechen k5nnten. 

Ob wir uns wohl noch verstehen wiirden? So manchen 
Kameraden hatte ich nach langer Pause wiedergesehen und ge- 
hofft, mich mit ihm einer gemeinsamen Unterhaltung zu er- 
freu^. Wie oft schon war ich enttauscht worden, den einen im- 
mer noch auf demselben engen Arbeitsgebiete vorzufinden, dem 
seine Dissertation angehort hatte, zu sehen, wie er alle Erwei- 
terung des Horizontes durch Aufnahme neuer auBerhalb ge- 
legener Stoffmassen und Gedanken ablehnte und stets densel- 
ben Faden fortspann, den der Zufall und das Interesse seines 
Lehrers in ihm angesetzt hatte. Man verstand ihn nur nicht; 
aber iiber dieses von ihm entdeckte Entwickelungsgesetz, dem 
er sein Leben widmete, liefien sich nicht nur Bogen, sondern 
Bande fiillen und wenn er einmal durch einen Glticksfall 
hinaufgetragen werden soUte, so wtirde eine ganze Schule da- 
ran zu arbeiten haben, seinen Gedanken weiter zu verarbeiten. 

Ein anderer war dermaBen mit Berufsgeschaften uber- 
hauft, daB auch ihm keine Zeit zur Umschau tibrig geblieben 



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war und er, muhsam seinen Verpflichtungen nachkommend, ee 
ablehnen muiite, nicht notwendige Studien, ^Unnotigee**, zu 
treiben. Besoldet war er ja; gewissenhaft und pflichteifrig 
versah er sein Museum; mit den Jahrzehnten mulite auch er 
avanzieren und zu seiner verdienten Anerkennung gelangen. 
Wie war es wohl meinem Preunde Reinhold ergangen? Hatte 
er die hohle Gasse hinauf- oder hinabsteigen mlissen? Nun, 
wir werden es ja sehen. 

Mit solchen Gedanken beschaftigt, entstieg ich dem 
Schnellzug, und piinktlich, wie versprochen, empfing er mich 
am Bahnhof. Er versicherte, er habe sich fur den Nachmittag 
frei gemacht und sein Plan s6i, wir wollten sofort nach Tisch 
sein Laboratorium aufsuchen; bei der Hundstagshitze sei man 
nirgends besser aufgehoben als in diesem Halbkeller, der im 
Winter zwar ein elendes Malepartus sei, im iibrigen aber 
prachtvolles Nordlicht zum Mikroskopieren besitze. Ich wil- 
ligte in alle Vorschlage gerne ein; ist es doch gerade die 
Kimst des experimentellen Historikers, das Opfer der Beo- 
bachtung sich in vollem Behagen ausgeben zu lassen, und 
Opfer der Beobachtung sind mir, seit ich die Geschichte mef- 
ner Wissenschaft erforsche, so viele, auch die besten wissen- 
schaftlichen Freunde geworden. Nur aus der lebenden Wissen- 
schaft und den psychologischen Voraussetzungen ihrer Vertre- 
ter schopfen wir die Kraft, Analogic und Widerspruch der uns 
nur tiberlieferungsweise bekannten Vergangenheit sowie die 
Entwickelungsgeschichte unserer Forschung, zu deuten. • 

Wir hatten uns niedergesetzt und ich sah mich im La- 
boratorium meines Studienfreundes um. An Geraumigkeit 
liefi es nichts zu wiinschen ubrig. Auch nicht an Ausriistung. 
Neben den notigsten Requisiten standen einige der rostigen 
Degeneration ihres Skelettes verfallene Aquarien. Mehrere Mi- 
krotome neuester Konstruktion unter Glasgehausen, wertvol- 
len Sammlungsobjekten gleich, ein elektrischer Ofen ftir Ein- 
bettung in Paraffin, der groGe mikrophotographische Apparat 
von Zeifi und die Kohlensaureflaschen, deren Inhalt zum Ge- 
frieren von Schnitten zu dienen hatte. All das verriet den 
moderns ten Betrieb eines Mikroskopikers. 

„Kennst Du schon die neueste Verbesserung des ver- 
schiebbaren Ob jekttisches ; ganz wundervoll namentlich bei 



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ImmerBion; keine momeDtane Verfichwommenheit des Bildes 
ntehr wahrend der Verschiebung selbst. Sieh nur einmal her.** 
Ich mufite mit einiger Beschamung gestehen, dafi ich bis jetzt 
Qoch ohne diesee Hilfsmittel auegekommen sei, tiberhaupt 
ohne verschiebbaren Objekttisch. 

„Nun werde ich Dir also gleich zeigen, welch brillante 
Bilder Du erhUltst; dieee Technik iet einfach grofiartig; so bist 
Du doch absolut sicher, dieselbe Bindegewebsfaser nie ans dem 
Auge zn verlieren.** 

Mein Freund war namlich, wie Sie sehen, Histologe und 
seit Jahren der Struktur und Entwickelung der Bindegewebs- 
fibrille immer mehr auf der Spur. Das war seine Dom&ne; 
hier war er Autorit&t. Eine Eontroverse, in die ihn ein iin- 
bequemer Nebenbuhler verwickelt hatte, da die Arbeit Rein- 
holds aus Versehen einmal einen Tag zu spat in die Zeit- 
schrift gelangt war, hatte nach der voUen 0berzeugung Rein- 
holds mit der Abschlachtung des Gegners geendet. Er hatte 
ja schon fUnf Jahre der 0bung imd Betatigung auf diesem 
schwierigen Gebiete hinter sich, als der andere erst anfing. 
Der Vorsprung war nicht mehr einzuholen. Ein Gliick, dafi 
alles so abgelaufen war; eine Niederlage h§,tte Reinhold in 
seiner Earriere schwer schadigen konnen, da sich gleichzeitig 
mit ihm ein Omithologe des Museums zur Habilitation an- 
gemeldet hatte, „ein Mensch, der nicht einmal die Anatomie 
eines Vogels kannte, geschweige denn von Histologie eine 
Ahnung hatte*'. 

Mein Freund nahm mein Stillschweigen wahr. Nachdem 
ich mich von der Vortrefflichkeit seiner Bindegewebspraparate 
uberzeugt hatte, und da mir weiter keine technischen VervoU- 
komnmungen von Instrumenten zu zeigen waren, schlug er 
vor, wir woUten einen Rundgang durch das Institut antreten. 
Es sei ein gtinstiger Moment, kein Mensch da; es w^re unan- 
genehm, dem Chef zu begegnen, mit dem er sich zwar recht 
gut stehe, der aber die fatale Eigenschaft habe, Gaste um 
ihre Meinung Uber seine Praparate zu fragen und sie nicht 
mehr loszulassen. Wir machten uns also auf, traten den lib- 
lichen Rundgang an und besichtigten das glanzend eingerich- 
tete Institut. Als wir in Reinholds Zimmer zuriickgekehrt 



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waren, fragte er: „Sag' einmal, was machst Du eigentlich? 
Noch immer unverheiratet? Noch immer Extraordinarius? 
Du hast mir ja auch Arbeiten geschickt; aber, off en gestan- 
den, gelesen habe ich nichts. Um Gotteswillen, woher soil 
einer die Zeit nehmen, nur die histoiogische, nur die Litera- 
tur uber Bindegewebe und Mesoderm zu bewaltigen? Wo soli 
es noch liinfuhren, wenn es so weiter geht, wie in den letzten 
zehn Jahren? Ja, ich begreife nicht, warum der Zudrang zu 
unserem Fach stets noch ira Wachsen ist? Dabei ist makro- 
skopisch bekanntlich nichts mehr zu machen, alles ist ausge- 
schopft und in der Histologie sind wir auch bald an der Grenze!" 

Trostlos und leise klangen die letzten Worte aus. „An 
der Grenze" woUte mir ein Echo von den Wanden des grofien 
Raumes zuriicktonen. An der Grenze schien mir der Sprecher 
selbst. Starr ruhte sein Blick auf dem machtigen Mikroskop 
und seine miiden Augenlider fielen herunter. War nicht eben 
noch seine Frage nach meiner Beschaftigung unter dem 
Ausbruch seiner Verzweiflung iiber den Betrieb der Wissen- 
schaft erstickt? Wollte er wirklich wissen, wonach er fragte? 
Konnte ich den Ermiideten wecken und ihm erzahlen, wie und 
womit ich mich seit meiner Studienzeit beschaftigt habe? 
Nein, er konnte mich ja nicht verstehen, bei dem wachen Be- 
wufitsein eines Mikroskopikers sicher nicht. So soUte er in 
sttfiem Traume wenigstens erfahren, worin seine Freudlosig- 
keit und das ebenso ehrliche wie unbefriedigte Ringen so man- 
ches modernen Biologen seinen Grund hat. Im Unterbewufit- 
sein, von den Zwangsvorstellungen seines Berufes frei, so soUte 
er wissen, welches Verhaltnis des Forschers zu seinem Objekte 
unserer Wissenschaft zum Leben verholfen hat und stets eine 
neue Quelle fruchtbarer Anregungen bleiben wird. Mein einst 
60 frohlicher und lebensvoller Freund sollte, hoch uber Zeit 
und Raum erhoben, schauen, wie geniale Menschen eine bio- 
logische Wissenschaft schufen, die, aus der Fiille des Lebens 
geboren, zum hochsten Berufe bestimmt ist, zur Sklaverei 
dem Sklaven wird, dem Freien aber zur Freiheit. 

„Jetzt landen wir an der Insel Kos**, flusterte ich, als 
Reinhold nicht mehr erwachen konnte. Die monotonen Tropfen 
des Wasserhahns verwandelten sich in Ruderschlage und die 
von sechs Ruderern gefuhrte Barke bog in den wohlgeschtttz- 



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ten HafeD der kleinasiatischen Insel ein. Ich fafite Reinhold 
bei der Hand und liefi ihn mit mir hinaufwandern nach der 
Stadt, die, von sanften und duftigen Wellenlinien dee Gebir- 
ge8 umragt, tiber dem steilabfallenden, nordostlichep Vorge- 
birge sich hinzieht. Die Sonne stieg iiber dem H5henzug von 
Halikarnafi empor, und der Morgen brach an, da wir die 
Gaste des Asklepios sein wilrden. Bald standen wir auf der 
Terrasse mit dem weiten Ausblick liber das Gestade JonienB 
und deutlich wie auf der Landkarte trat die seltsam geglie- 
derte Kuete aus der weichenden Dammerung hervor.*) tJber die 
breite Freitreppe stiegen die Patienten herunter, die am Vor- 
abend zum Tempelechlaf zugelaesen waren. Der sie begleitende 
Prieeter fragte Reinhold nach unserem Begehren und da ich 
ihn unterwegB von meinem Vorhaben unterrichtet hatte, ihn 
zunachst mit der Naturforschung der kolschen Mediziner in 
Beruhrung zu bringen, antwortete er dem Priester traumver- 
loren: „Eine Vorlesung wollt«n wir horen". Aber der Grau- 
bart erwiderte: ^Das, junger Freund, gibte bei uns nicht. 
Wer um der Menge willen of fen redet, beginnt kein rUhmlichee 
Unt^rfangen**.') Reinhold blickte mich verlegen an. Ich aber 
8chwieg, um die Heiligkeit des Ortes mit voller Macht auf 
ihn einwirken zu lassen. Dann ftihrte ich ihn nach der Stadt 
in die Hauptstrafie, wo Polybos, der Schwiegersohn des groBen 
Hippokratee wohnte. „Hier lies, bis er kommt", sagte ich und 
driickte ihm eine RoUe in die Hand, nachdem uns der Sklave 
auf meinen Wunsch in die Bibliothek des Herrn geftihrt hatte. 
„Denn auch das Gehim differenziert sich wie die libri- 
gen K5rperteile und entwickelt sich zu einer Art von Bliite.** 
„E8 ist doppelt beim Menschen, in derMitte von einer Scheide- 
haut getrennt, auf seiner Erkrankung beruht die Epilepsie." 
„Die Menschen milssen aber wissen: von ihm aus entspringt 
Freude, Fr5hlichkeit, Lachen und Scherz sowohl als Kummer, 
Unmut, Sorgen und Weinen. Durch das Gehirn nehmen wir 
wahr, begreifen, sehen und hdren wir; es unterscheidet hali- 
lich und ech5n, b5se und gut, angenchm und widerw&rtig. 
Ja, nach seiner Verfassung urteilen wir zu verschiedenen Zei- 
ten verschieden. In ihm bilden sich Wutanf&lle und Delirien, 
Schreckbilder und Furcht bei Tag und Nacht, Traume, Illu- 
sionen und alle Gleichgewichtsstorungen unseres BewuBtseins. 



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Aber so lange das Gehirn nicht beunruhigt wird, ist der 
Mensch bei Verstand." ^) 

Reinhold las und fragte mich erstaunt: „Wie, Du sag- 
test, wir^ seien ins Jahr 420 vor Christi Geburt hinaufgestiegen 
und hier soil schon jemand das alles geschrieben haben? Wo 
waren denn die experimentellen Beweise? Ist nicht, wie ieh 
stets gehort habe, erst Franz Baco von Verulam der Schdpfer 
von Induktion und Experiment?" 

„Bitte lies hier writer," und ich handigte ihm einen 
zweiten Papyrus ein: 

„Wenn man Wasser mit blauem Kupferocker oder mit 
Mennige verriihrt, einem fast verdursteten Tiere — vorztiglich 
einem Schweine — einen grofien Teil davon zu saufen gibt 
und ihm, wahrend es sauft, die Kehle durchschneidet" *) — 

Hier unterbrach Reinhold seine Lekture und blickte mich 
abermals grofi an. In demselben Augenblick aber erschien Po- 
lybos, gefolgt von seinem Assistenten und streckte uns beide 
Hande zum Grulie entgegen: „Folgt mir in den Garten; es 
spriefien die Blumen, alles Leben keimt, heute soUen die Kna- 
ben sehen, was die Hennen seit gestern geleistet haben". Da- 
mit fiihrte er uns hinaus und da salien drei Hiihner, geschirmt 
von einem kleinen Schutzdach. Sein Gehilfe btickte sich imd 
nahm jedem der erschreckten Hiihner ein Ei weg, um die Beute 
in einem Tuche nach dem Hause zu tragen, der kleinen Werk- 
atatte zu, die dem Operationszimmer angebaut war. Hier 
salien drei Jiinglinge von 16 bis 18 Jahren; sie erhoben sich, 
griiliten den hereintretenden Meister ehrerbietig und drangten 
sich nun um seinen Gehilfen, der die Eier aufbrach, um ihnen 
den Embryo des Hiihnchens in drei verschiedenen Altersstufen 
vorzufuhren.^) Reinhold erfafite eine leichte Befangenheit. Er 
hatte ja auch einmal einen embryologischen Kurs mitgemacht. 
Wenn ihn aber Polybos jetzt gefragt hatte, ob er die Er- 
klarung ubernehmen wolle, so hatte er doch verbindlichst ge- 
dankt. Eine Keimscheibe und ein Huhnchen vom zweiten Tag 
hatte er ja auch einmal gesehen, spatere Stadien aber nur in 
mikrotomiertem Zustand kennen gelernt und Huhnchen der 
dritten Woche gar nie in Handen gehabt. Aber Polybos 
fragte ihn zum Gluck nicht, sondern fuhr, auf die eifrigen 
Schuler hinweisend, fort: ^Seht, daneben haben sie zum Ver- 



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gleiche keimende Pflanzen etehen. Denn die Wissenechaft von 
dea auf der Erde wachsenden Pflanzen, so meine ich, ent- 
spricht dem Wiseen der arztlichen Kunst. Unsere Natur nam- 
lich ist gleich dem Lande: die S§.tze der Lehrenden sind gleich 
dem Samen; wer die Jugend schult, gl'eicht dem S^emann, der 
den Acker bestellt; der Ort, wo studiert wird, ist gleich der 
Nahrung, die aue der umgebenden Luft den Pflanzen geboten 
wird, die ArbeitsliiBt ist gleich der Bestellung. All das aber 
bringt die Zeit zur Reife." •) 

Damit fuhrte uns Polybos durch den Operationssaal, 
wo ein anderer seiner Assistenten von zwei Sklaven in den 
Zuriistiingen fur die Behandlung eines Armbruches untersttitzt 
wurde. Zurechtgeschnittene Brettchen wurden gebracht, Bin- 
den bereit gelegt und wir sahen uns einen Augenblick in dem 
lichten Ss^ale um. Zwei Operationstische nahmen die Mitte 
ein; an den Wanden Regale mit Salbenbuchsen, Arzneitopfen, 
Schiisseln und Metallbecken. Der Sklave, welchem imsere Neu- 
gier auffiel, hob von einer'in der Wand eingelassenen Mar- 
morplatte ein Tuch weg und da lag ein ganzes spiegelblankes 
Instrumentarium. Dann wurde der Patient hereingebracht, 
und wir verliefien den Saal, verabschiedeten uns von Polybos 
und sein Assistent geleitete uns durch die Stadt. Auf meinen 
Wunsch gingen wir tiber den Fischmarkt, den ich noch in kei-' 
ner stidlichen Hafenstadt ohne Genufi an der Formenfulle und 
Farbenpracht der Meeresbewohner besucht habe. 

Auf drei breiten treppenartig zum Marktplatz aufstei- 
genden L&ngsreihen von Quadern hielten die Fischer ihre 
frische B^te aus Poseidons Reich fell. Unser Begleiter kaufte 
im Voriibergehen einen machtigen Steinbutt sowie einen Korb 
voU kleiner Muscheln, und lieB beides nach dem Krankenhaus 
des Polybos schicken. Hierauf begann ich mit dem Assisten- 
ten eine langere Unterhaltung liber die verschiedenen Arten 
von Fischen und Schaltieren, die er ebenso sicher mit Namen 
zu bezeichnen wuBte wie wir, auGerdem aber nannte er mir 
von jeder einzelnen Art die diatetische Verwendung, auf die 
der Meist^r den groGten Wert lege/ ) Reinhold trat etwas hin- 
ter uns zuriick; er hatte sonst gestehen mussen, zwar eine 
Sepia von einem Polypen wohl unterscheiden zu konnen; aber 
Fische, nein, das war nie seine Spezialitat gewesen. 



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„Ein elendes Pack tibrigens dieee Fischhandler*", mur- 
melte unser Koer zwischen den Zahnen. „Archippo8 hat in der 
Tat nicht iibertrieben. Und schon fuhlt sich jeder. Fischer 
heutzutage wie ein Feldherr. Nur noch dieKoche sind ihnen 
darin tiber." Mit schalkhaftem Lachen hatte er dies eben noch 
gesagt; dann verabschiedete er sich um sich einem feierlichen 
Zuge anzuschliefien, der die Stadt heraufkam und sich gegen 
das Asklepiosheiligtum bewegte: „Entschuldigt mich. Sie neh- 
men heute meinem Bruder Hippokrates den Eid ab. Ich soUte 
Zeuge sein".®) 

Es schien mir, Reinhold habe nun genug gesehen.und er- 
lebt, um sich Gedanken auf ein Jahr hinaus zu machen. „Wir 
miissen mehr davon sehen", meinte er aber halb neugierig, 
halb unruhig. „Hier leben Menschen, wie wir sie noch in der 
Jugend traumten, als uns die Sonne Homers noch schien, hier 
lebt die Forschung als freie Kunst, wie wir sie uns wohl dach- 
ten, als uns die Begeisterung ftir sie erfafite und als wir be- 
schlossen, uns ihr zu weihen. Wer ahnte damals, dafi alles 
so ganz anders kommen wiirde?!" 

„Beruhige Dich, mein lieber Freund, noch ist es friih 
am Tage, ein Sprung nach Athen und ein Ruck um himdert 
Jahre eine Kleinigkeit. Dort soils t Du nun gleich in voUem 
Glanz seines Ruhmes den erblicken, der fur sechzehnhundert 
Jahre von der organischen Natur genug gesehen und gedacht 
hat, Aristo teles." 

Damit nahm ich Reinhold abermals bei der Hand. WSlh- 
rend er mich treuherzig anschaute, war Kos versohwunden, 
und wir standen an den Pforten des Lykeions in Athen. Durch 
die Saulenhalle betraten wir den Garten, wo im Schatten der 
Baumalleen Gruppen lebhaft gestikulierender Manner und 
Junglinge auf und abspazierten . Unbeachtet gelangten wir 
gerade dicht hinter Aristoteles selbst, der mit Menon eine 
Seitenallee aufgesucht hatte, um mit ihm iiber die Redaktion 
zoologischer Schriften zu konferieren.®) 

„Und nun weifit Du ja, Menon, ich will, dafi auch jedes 
Einzelne an seinem naturlichen Ort sei und sich selbst glie- 
dere, wie ein Organismus. In einer Wissenschaft, wo wir so 
ganz erst am Anfang stehen, dtirfen wir aber darin nicht zu 



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weit gehen; wir erschweren sonst den Nachfolgern die Anf- 
gabe, fortzufahren. Bedenke namentlich dabei, dafi wir die 
Tiergeschichte an den Anfang stellen; sie soil dann zuerst 
einfiihren in die Tierwelt, wie sie uns in ihren einzelnen Er- 
scheinungen entgegentritt und nach dem, was wir aus anderon 
Schriftstellern uber sie erfahren. An zweite Stelle setzen wir, 
sobald die Schrift fertig ist, die ^Teile der Tiere", woraus je- 
der ersehen soil, welche Ursache einem jeden Organ innewohnt, 
an die dritte dann erst die Zeugungs- und Entwickelungsge- 
schichte. Denn es ist nur naturlich, . dafi man zuerst die Er- 
scheinung, dann die Ursachen und zuletzt die Entstehung be- 
trachtet. So erhalten wir das ganze Werk und wenn Du erst 
noch die notigen Umstellungen vorgenommen hast, so dik- 
tiere ich dann die Einleitung.** *®) 

Die weiteren Worte gingen uns verloren, denn da wir 
am Ende der Allee angelangt waren, wag ten wir es nicht, 
dem umkehrenden Meister unter die Augen zu treten. Mit 
einer Wendung nach links gewannen wir die neben der Allee 
entlang laufende SSulenhalle, wo wir uns unbemerkt unter an- 
dere Peripatetiker mischen konnten. Hier wurde die letzte 
Rede eines Isokratesschillers kritisiert, dort die Chancen der 
Wettkampfer fur den nachsten Fackellauf erwogen und damit 
wir nicht wie zwei traurige Marabus unter diesen tempera- 
mentvoUen Menschen wanderten, sagte ich im Anschlufi an 
das oben gehorte Gesprach zu Reinhold: 

„Ha6t Du nun gehort, wie Bucher disponiert werden?** 

„Da6 klang doch etwas sehr nach Schule," erwiderte er 
ilberlegen. 

„Wohl, aber vergifi nicht, dafi hier alles auf Schule und 
Wettkampf angelegt ist, und dann hast Du Dir doch gewifi 
einmal unsere Lehrbiicher daraufhin angesehen, inwiefern ihre 
Gliederung der eines Organismus entspricht?.** 

„Da8 k5nnte ich nicht behaupten, weder dafi ich bisher 
darauf geachtet hatte, noch dafi es so sei. Gott, wer schaut 
denn darauf! Wenn nur die einzelnen Tatsachen richtig sind 
und das Buch moglichst vollstandig ist." 

^Nun ja, auch Aristoteles sagt, fur den Naturforscher 
musse die Kenntnis der Einzelheiten die Grundlage der Er- 
kl&rung bilden.^0 Aber meinst Du wirklich noch, ein Buch 



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bestehe lediglich aus so und bo vielen petite faits, wie es aus 
Buchstaben und Wortbildern zusammengesetzt werde, auf die 
Art der Verbindung aber und auf die Struktur dee Ganzen, 
die Entelechie, um mit dem Meister dort zu reden, komme 
nichte an? Die oberste Gliederung iet ee vielmehr, die Geiet 
und Geistloeigkeit, Bewufitheit und Unbewulitheit dee Ver- 
faeeers verrat. Achte nun einmal darauf, wenn Du Dir in 
Zukunft unsere Literatur beeiehet." 

Wir etanden vor einem Raum, aue dem man durch eine 
Tur nach der Saulenhalle gelangte und der nach einem Gar- 
ten bin eich offnete. Da unterrichtete ein Schuler von Arieto- 
teles, und er war ein trefflicher Zeichner. Eben hatte er ein 
Chamaeleon von der Grofie einee Krokodile in den Sand ekiz- 
ziert und erklarte einigen Epheben die aufiere Form der klei- 
nen Kletterkunstler, die auf einem bereitgeetellten Zweige he- 
rumturnten. Dann nahm er einee der Tierchen, ging' zum Tisch, 
band ee tiber ein Brettchen und hiefi den beieeite eitzenden 
Vorleeer aue einer Abschrift der Tiergeechichte vorleeen: „Da6 
Ghamaeleon hat im ganzen eine Korperbildung wie dieSaurier. 
Die Rippen erstrecken sich abwarte und stolien in der Unter- 
leibegegend miteinander zueammen, wie bei den Fiechen und 
auf. ahnliche Weiee wie bei dieeen erhebt eich der Ruckgrat. 
Sein Geeicht iet dem dee Schweinsaffen am ahnlicheten. Sein 
Schwanz iet langgeetreckt und epitz auelaufend, auch I&fit er 
eich in eeinem groMen Teil der Lange nach wie ein Riemen 
aufroUen. Ee hat langere Beine ale die Eidechee, eo dafi eich 
eein Leib hoher uber den Boden erhebt, doch eind die Be- 
wegungen der Beine eo, wie bei den Sauriern. Jeder Fuli iet 
in zwei H^lften geteilt, welche gegeneinander eine ahnliche 
Stellung haben, wie uneer Daumen dem iibrigen Teil der Hand 
entgegengeetellt iet. Jeder dieeer Telle iet bis auf eine kurze 
Strecke in einige Zehen geepalten, so daB an den vorderen 
Fiilien drei nach innen und zwei nach auGen liegen, an den 
hinteren dagegen zwei nach innen und drei nach aufien. Sie 
haben Krallen ahnlich denen der Raubvogel. Sein ganzer Leib 
iet rauh wie der dee Krokodils. Die Augen liegen in einer 
Hohle, sind sehr grofi, ruud und von einer ahnlichen Haut wie 
der ganze Korper bedeekt. In der Mitte iet zum Sehen ein kleiner 
Raum auegeepart, welchen es niemals mit der Haut bedeekt. 



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Es bewegt das Auge im Kreise und kanYi den Blick nach alien 
Richtungen wenden; so aieht es, was es will. Es vertadert 
die Farbe, indem es sich aufblaht. Sie ist sowohl fast schwarz, 
wie die des Krokodils, als auch gelb nach Art der Saurier, 
beidee scheckt sich prfntherartig. Dieser Farbwechsel erstreckt 
sich uber den ganzen Korper; daran nimmt auch gleichzeitig 
Auge und Schwanz teil. Es bewegt sich so trage wie die 
Schildkroten. Im Sterben wird es gelblich, und dieselbe Farbe 
besitzt es nach dem Tode. Die Lage der Speiserohre und der 
Luftrohre ist dieselbe wie bei den Sauriern. Fleisch hat es 
nirgends aulier kleinen Muskelmassen am Kopf und den Kinn- 
laden, sowie an der Schwanzwurzel. 31ut befindet sich nur 
im Herzen und um die Augen, sowie in der Gegend oberhalb 
dee Herzens und in den von ihm ausgehenden Adern; aber auch 
in diesen nur auf eine ganz kurze Strecke. Das Gehirn liegt 
ein wenig oberhalb der Augen, steht aber mit ihnen in Zu- 
sanmienhang. Nimmt man die aulJere Haut von den Augen 
hinWeg, so sieht man einen ringsumlaufenden durchschinmiern- 
den Teil daran, in Gestalt eines diinnen metallisch glanzenden 
Ringes. Fast durch den ganzen Korper erstrecken sich viele 
st'arke Haute, welche die der ubrigen Organe weit tibertreffen. Die 
Tatigkeit des Atmens dauert, auch wenn es ganz aufgeschnit- 
ten ist, noch geraume Zeit fort, wahrend am Herzen sich 
noch schwache Bewegung bemerkbar macht, und es findet Zu- 
sammenziehung vorzugsweise in der Rippengegend aber auch 
an den ubrigen Teilen des Leibes statt. Eine sichtbare Milz 
besitzt es nicht. Es halt einen Winterschlaf wie die Saurier."^') 
Wir waren in der Tiire stehen geblieben und batten von 
weit^m zugesehen wie unterdessen ein Chamaeleon zergliedert 
wurde. „ Zoologischer Kurs," murmelte Reinhold. Nach dem, 
was er in der kolschen Schule gesehen hatte, war er nicht 
mehr so sehr Uberrascht. Aber die Zeichnung im Sande fes- 
selte ihn; denn sie druckte mit voUer Lebendigkeit im ganzen 
Korper des Tieres eine Bewegung aus, die mit wenigen 
Strichen alles besagte und Reinhold zu voUer Anerkennung 
zwang. Wir traten etwas in die Halle hinein, um die Zeichen 
besser zu besehen. Da war denn auch die Wand mit Figuren 
aller Art bedeckt; insbesondere zunachst neben der Tiire ein 
Riesenbild dee Cephalopodenembryo mit dem charakteristi- 



_ 14 — 

Bchen Dotter zwischen den Fangarmen, der Dotter war mit 
A bezeichnet, die Augen mit B und TJ') Und da standen denn auch 
noch in einem Gefafi mit Meerwasser die Eiertrauben von Lo- 
ligo. Sie waren Reinhold deshalb eine besondere vertraute 
Erscheinung, weil einst sein Arbeitsnachbar an der zoologi- 
schen Station in Neapel sich speziell damit beschaftigt hatte. 
die Cephalopodenentwickelimg an diesem Objekt zu studieren. 

Wir traten in den Garten hinaus, dessen Anlage schon 
verriet, dafi er weniger auf die Gesamtwirkung als auf einen 
beeonderen Zweck berechnet sei. Es war die eigenste Scho- 
pfung Theophrasts, der hier Beete nach Art der agyptifichen 
Pflanzengarten angelegt hatte, um gewisse Krauter jederzeit 
zur Hand zu haben. Hecken von Lorbeer, Erdbeerbaumen, 
Erica arborea und diisteren Steineichen umgaben die ganze 
Anlage. In der Mitte aber, allee mit ihrer Krone majestatisch 
uberschattend erhob sich die Riesenplatane. Ihre Wurzeln 
breiteten sich noch weiter aus als die Aste, wuBte uns der ar- 
beitende Sklave mit dienstfertiger Geschwatzigkeit zu • er- 
z&hlen. Denn als jungst die Wasserleitung, die dem Rande 
des Gartens entlang lauft, nachgesehen wurde, da fanden sich 
noch Wurzelspitzen, dreifiig Ellen weit vom Stamm entfernt. 
Der Meister Theophrast selbst habe es gemessen. 

Der Sklave hatte uns gerne noch vieles erzahlt; so oft 
ich aber die Hand hob, mufite er schweigen. Nur eines sollte 
Reinhold doch nicht entgehen. In den Beeten waren manche 
Pflanzen nach unseren Begriffen wirr durcheinandergesetzt; 
um so mehr fiel auf, daii doch wieder manche nach Familien zu 
Gruppen zusammengefafit waren. Ich befragte dartiber den 
Gartensklaven : „Man imterscheidet Krauter, Stauden, Strau- 
cher, Baume**, sagt der Meister Theophrast; „der Baum aber 
ist das vollkommenste Gewachs, wie der Mensch das voUkom- 
menste Tier", sagt der Meister Theophrast; „der Baum be- 
steht aus der grofiten Zahl von Geweben'*, sagt der Meister 
Theophrast. Hier hob ich die Hand, um abzuschneiden. „Du 
verstehst mich nicht; was ich wissen will, ist: warum hier 
Lilien, Meerzwiebeln, Lauch beisammenstehen, dort Anis, Ko- 
riander. Dill, Kummel und Fenchel." 

„Ach so; weil der Meister Theophrast sagt, sie gehoren 
zu demselben ylvo?. „,GenosS horst Du, wandte ich mich 



— 16 — 

an Reinhold; Geno6, das Gewordene, das Verwandte, der fun- 
damentale Begriff ftir jede entwickelungsgeschichtliche Auf- 
fassung der organischen Natur. In dieser wunderbaren Sprache 
hat das sogar im Munde des Sklaven noch einen bedeutungs- 
vollen Wohlklang und Sinn und ist nicht nur die Schachtel, 
d^ein so viel Spezies, als der Schopfer am Anfang kreiert hat, 
gelegt werden." ^^) 

Fast hatte nun mein Freund Gelegenheit gefunden, eine 
Vorlesung zu horen. In den WandelgSlngen des Lykeions 
pries man da und dort als Ereignis des Tages, dali ein neuer 
Sophist hertibergekommen sei, aus Sizilien naturlich, er uber- 
biete an Malilosigkeit und Zungenfertigkeit alles Dagewesene. 
Ich woUte ihm diesen Genufi fiir den folgenden Tag aufheben 
imd da es Mittag war und himmlisches Maiwetter liefi ich ihn 
bei Essen und Siesta sich ausruhen, wobei ich ihm noch eini- 
ges liber die Prinzipien der aristotelischen Systeme der Bio- 
logie plaudernd einflofite und ihm dabei erklarte, dafi l&nget 
vor Aristoteies bereits in der koischen Schule ein zoologischee 
System existiert hatte.***) 

Die Sonne brannte nicht mehr so heiB und begann 
die Abhange des Lykabettos sich in rot vergoldete und 
violett beschattete Fl&chen zu brechen, als wir uns aber- 
mals dem Lykeion zuwandten. Ich woUte ihm das pro- 
tagoraeische Wort auslegen, dali das MaG aller Dinge der 
Mensch sei.' Hatte doch kein geringerer als Goethe in diesem 
Wort die Grundbedingimg der Naturforschung erkannt, wenn 
er sagte: „Wir mogen an der Natur beobachten, messen, 
rechnen, wagen, wie wir woUen; es ist doch nur unser Mali 
und Gewicht, wie der Mensch das Mali der Dinge ist." Und 
worin anders beruhte denn das tiefe Verstandnis fiir di^ or- 
ganische Natur als darin, dali eben der Blick der Griechen 
sich an den Formen des menschlichen Leibes geschult, die 
Cbung, seines Anblicks sich zu freuen, auf alles Lebende iiber- 
tragen hatte? H^tte doch meinem Freund nur verstandlich 
sein konnen, wie folgerichtig sich die aristotelische Ansicht, 
dafi die Form der Inbegriff des Wesens sei, aus der Kenntnis 
menschlicher Gestalt entsprungen war.**) 

Diesmal war es ein anderer Garten des Lykeions, den 
wir aulsuchten, die Palaestra.*'^) Einige Stufen abwarts 



— 16 — 

ftihrten uns an den Rand der mit Sand bedeckten Palaestra 
und schon entstiegen einem anstolienden Gemach sjwei jugend- 
liche Ringer von 15 Jahren, die olivenbraune Haut gesalbt 
mit 01, um nach einigen Instruktionen des PiLdotriben sich im 
Kampfe zu messen, wahrend die sie begleitenden Padagogen, 
zwei alte Sklaven, wo von der eine schielte und der andere 
einen hohen Rticken hatte, eich flusternd in einer Ecke tiber 
ihre jiingen Herren unterhielten. 

Reinhold iiberflog eine leichte Schamrote, deren Ursache 
ich wohl begriff . Wo hatte er auch Gelegenheit gefunden, bei 
seiner dem Fortschritt der Bindegewebshistologie dienenden 
Wirksamkeit, einen Anblick wahrzunehmen, wie er jetzt sich 
ihm bot? Der Eindruck des Ungewohnten, die Befangenheit 
angesichts der menschlichen SchSnheit in ihrer allernattirlich- 
sten Form, brachten ihn etwas aus der Fassung. 

Unterdessen batten die beiden Ringer den Kampf schon 
begonnen. Der eine hatte sich dem anderen mit vorgebeugtem 
Korper genSlhert und war von ihm bereits zu Boden gedriickt, 
erhob sich aber mit Blitzesschnelle wieder, um den Gegner mit 
beiden HSlnden von der linken Seite zu fassen, wahrend dieser 
rechts austretend, seinem Widerpart liber den Riicken griff. 
So beharrten beide auf einige Augenblicke in ruhigem Gleich- 
gewicht und boten das uniibertreffliche Idealbild einer Ringer- 
gruppe dar, wie sie uns die Plastiker des Altertums veran- 
schaulicht haben, nur durch das ihnen innewohnende Leben 
Uberaus viel schoner und ausdrucksvoller als das schSnste 
Kunstwerk. Aber nicht nur der Typus des Menschen trat in 
gl&nzendster Wirklichkeit meinem Freunde vor Augen. Ich 
selbst wurde erst gewahr, wie richtig Aristoteles urteilte, wenn 
er die verschiedenen Schonheitstypen als gleichberechtigt aner- 
kannt wissen wollte, da die beiden Kampfer in ihrem Korper- 
bau jeder auf seine Weise vollkommen waren. Und wie fein 
war seine Beobachtung gewesen, dali Schenkel und Wade in 
umgekehrten Korrelation ausgebildet seien.^®) Der Kampf ent- 
schied sich, begann aber zwischen einem neu antretenden Paar 
in ahnlicher Art sogleich wieder. 

Wahrend dieser gymnastischen Ubungen schien es mir, 
als ob meinem Freund eine neue Welt aufgehe und als ob er 
zu ahnen beginne, dali Naturforscher, die taglich ihr Auge 



- 17 — 

so am Menschen weideten, auch die iibrigen Organismen mit 
anderen Augen ansehen miifiten. Aber ich wollte seine innere 
Arbeit an sich selbst nicht unterbrechen. Unterdessen hatte 
sich vom Hauptgeb§,ude dee Lykeions her eine Gruppe von 
Peripatetikem angesammelt, die mit beinahe lebhafterer Teii- 
nahme, als mein Freund, der alles zum ersten Male sah, das 
Schauspiel genossen, das ihnen doch ein alltagliches sein mufite. 
Ihnen aber konnte es tausendmal mehr besagen, als uns Hyper- 
bor&em und Barbaren. Die Gewohnung an das Empfinden des 
Formen6ch5nsten und Lebendigsten, die Konzentration ihres 
Vorstellungskreises um das agonale Leben, worin sie von friihe- 
ster Jugend an aufgewachsen waren, und die Hoffnungen fiir 
ihre Kultur beim Anblick des neu heranwachsenden Geschlechts 
— all das erzeugte das natiirlichste Hochgefuhl, eine Intensi- 
tat der Empfindung fiir alles Leben, die wir ebenso reich mit- 
zuempfinden zu stumpf sein mufiten. 

Bei sinkender Sonne erschien der Gymnasiarch und lieQ 
den Ringkampf einstellen, da es Zeit sei, das Gymnasium zu 
schliefien. Die Kampfer ordneten sich zum Heimgehen und in 
ihren verschiedenen Stellungen erinnerten siemeinen Freund an 
die schonsten Bildwerke klassischer Kunst. Stand dort nicht 
der Apoxyomenos? Dort Antinous? Dort Harmodios und 
Aristogeiton? Und Reinhold verstand, warum in Neapel, 
als er einmal seine miiden Augen ausruhen wollte und eines 
Sonntags die antiken Skulpturen des Museums besah, sie ihm 
80 fremdartig vorgekommen waren; er hatte die Vorbilder da- 
fur nie gesehen, jedenfalls nie bewuiit, nie im Zusammenhang 
mit Vorstellungen von der Plastik der gesamten organischen 
Natur. 

Ich uberlieli ihn gerne seiner Reue. War ich doch da- 
von iiberzeugt, sie werde ihn zu der Erkenntnis zurlickfiihren, 
dafi ein Naturforscher allerdings heute an irgend einer Stelle 
seiner Wissenschaft sich griindlich zu vertiefen habe, dali er 
aber dabei seinem Empfinden fiir die Natur, der Aufnahme 
I)e6tandig neuer Sinneseindriicke ihres wechselvoUen Kampf- 
spiels keine Schranken setzen diirfe, wenn ihn jene Vertiefung 
nicht nach dem Gesetz der Tragheit hinabziehen soil. Mein 
Freund war in diese Gefahr geraten; noch konnte ich hoffen, 
dafi er lebensfrisch genug sei, das Gleichgewicht in sich her- 



— 18 — 

zustellen, das allein eine weitere menschlich und kulturell 
wertvolle Entwickelung dee Forschers verbiirgt. Wo und wie 
anders hatte er starkere und gliicklichere Anregungen em- 
pfangen konnen, seiner alten Begeisterung, die unter Sorgen 
verstaubt war, zu neuem Leben zu verhelfen, als wenn er sah, 
wie hier in Griechenland unsere Wissenschaft der Fulle des 
Lebens selbst entquoll? Die Knaben batten das Gymnasium 
verlassen, gefolgt von ihren Padagogen, und schon wandten 
sich auch die Peripatetiker heimwarts zum gemeinsamen Sym- 
posion und verschwanden in den Baumalleen. „E8 ist Zeit, 
daC auch wir gehen/' sagte ich zu Reinhold, „laB uns vor un- 
serer Ruckkehr nur noch einen kurzen Aufenthalt in Alexan- 
drien nehmen, siebenzig Jahre spater. 

Wir standen am friihen Morgen in einem Saulengange 
des anatomischen Instituts. Das vorriet schon der charakte- 
ristische Leichengeruch, der auch im reinlichsten Gebaude 
dieser Art unvermeidlich ist. Allerhand Geratschaften zur 
Suspension der Leichen, einige Seziertische und ein prunk- 
voUes Katheder schmiickten den in rcizenden Proportionen ge- 
haltenen Rundbau, der als Seziersaal diente und nach dem 
Garten bin lag. Alles prangte im reinsten Marmor mit Gold 
verziert. Durch eine zierliche rings die Mauer kronende Ko- 
lonnade stromten die schimmernden Lichtmasscn herab, und 
man hatte beim Bet ret en der wenigen Stufen eher geglaubt, 
in das Badehaus eine« Fiirsten hinabzusteigen, als in einen 
der ernsten Wissenschaft gewidmeten Raum. Am meisten aber 
erregte unsere Neugier ein eigentlicher mit allem Prunk aus- 
gestatteter Thron, der dem Katheder gegeniiber angebracht 
war. Da pflegte Ptolemiios Philadelphos Platz zu nehmen, 
wenn er den Sektionen beiwohnte. 

Es war eine sonderbare Szene gewesen, die sich am 
Vorabend in den Gemachern des Konigs abgespielt hatte. 
Der Finanzminister krankeltc seit langerer Zeit. AUe, 
auch noch so kostbaren Arzneimittel waren erfolglos ver- 
wendet worden. Der Konig woUte und durfte ihn nicht 
verlieren; or besprach daher mit Herophihis die Chancen einer 
Operation. Herophilus aber benwtzte den Anlali, um dem Ko- 
nig einen langst gchegten Wunsch auszusprechen; war das 
doch der Moment, wo der Kouig der Arzte liber dem aller 



— 19 - 

Volker Agyptens stand; die Gelegenheit durfte nicht unbe- 
nutzt vorbeigehen. Zogernd nur hatte Herophilus gestanden, 
die notwendige Vorbedingung fiir einen chirurgischen Eingriff 
sei das Experiment am Lebenden. Dabei konnte man, abge- 
sehen von dem eigentlichen Zweck eine Reihe von Angaben 
dee groGen Hippokrates priifen, die anders nicht zu entschei- 
den seien. Philadelphos aber zauderte nicht lange, und auf 
ein paar Piraten kam es ihra nicht an, gait es doch den Mi- 
nister zu retten. Wahrend wir noch an der Tiire des Sezier- 
saales standen, kamen Sklaven, Bretter mit frisch geschlif- 
fenen Messern tragend; dann wurden Gefafie aller Art 
hereingebracht und am Fufie des Thrones ein Weihrauch- 
becken aufgestellt. Wir schlichen uns langs der Mauer ein, 
um unbemerkt der Sektion zuzusehen, allerdings ohne so recht 
zu ahnen, was kommen wiirde. 

Als alles bereit war, trat Herophilus mit einem kleinen 
Gefolge von Assistenten imd Dienern herein, blickte etwas 
nervos umher und liefi dann seinen Blick fluchtig auf uns haf- 
ten. Er schien einen Moment zu glauben, wir seien die beiden 
ihm verfallenen Schacher; denn ein sarkastisches Lacheln um- 
spielte seinen Mund, als er seinen Irrtum bemerkte, wahrend 
er fortfuhr, das Lokal zu mustern. Er gab dann einem As- 
sistenten leise Befehle und wahrend alles sich im Kreise ord- 
nete, bestieg der Vorleeer das Katheder, um nach Gewohnheit 
die von ihm vorzulesenden Rollen der hippokratischen Schrif- 
tensanunlung bereitzulegen. 

„Heute liesest Du nur, wenn ich frage," bemerkte Hero- 
philus, ^es gibt keine gewohnliche Anatomie." 

Der Kdnig erschien, gefolgt von zwei Edlen und zwei 
Pagen; alles warf sich auf die Erde nieder, und kaum hatte 
Ptolemaus seinen Thronsessel bestiegen, so brachten drei 
Schergen das Opfer der bevorstehenden Vivisektion. Der An- 
blick des geknebelten Seeraubers hatte einen fiir das Leben der 
Anwesenden* zittei'n machen konnen, hatten nicht die schwe- 
ren Fesseln durch ihr Klirren die Zuschauer beruhigt. Der 
trotzige Kopf voU kurzer Locken, das wuchtige Profil, der 
Stiemacken und die athletische Muskulatur liefien keinen Zwei- 
fel darliber, welchem der Anwesenden die Natur selbst die 
Herrscherwiirde zugesprochen hfitte. Ares schien in eigener 

2* 



— 20 — 

Person dazustehen. Der forechende Geiet des Gelehrten hatte 
aber iiber die weltliche Macht des Konigs gesiegt, der Pur- 
pur wiederum iiber die menschliche Bestie voUendeteten Schla- 
ges, die Psyche liber die Physis. So war der Kampf bereits 
entschieden, und der Pirat lag, rasch von der tJbermacht auf 
den Marmortisch geworfen, gefesselt vor den Augen des Ko- 
nigs. Ob er wohl den Schmerz empfinden wiirde, wie wir? 
Reinhold erinnerte sich jener russischen Bauern, die auf die 
heftigsten Ziichtigungen kaum reagierten, und die trotzige Ge- 
fafitheit des Opfers liefi bier dasselbe erwarten. Aufierdem 
hatte ihm Herophilus zugleich mit einer opulenten Mahlzeit 
eine grofie Dosis Mohnsaft reichen lassen, um der D^mpfung 
des Bewufitseins nachzuhelfen.^®) 

Auf einen Wink des Konigs begann der Vivisektor sein 
Werk. Der Langsschnitt der Linea alba entlang bis zum 
Brustbein war im Nu angelegt. Ares knirschte ffirchterlich 
mit seinen diamantenen Z&hnen, leises Stohnen entrang sich 
seinen Lippen. Herophilus liefi die eroffnete Bauchwand aus- 
einanderhalten, um die Peristaltik der Eingeweide zu beob- 
achten und die Art ihrer Bewegung begierig zu verfolgen. 
Was er erwartet hatte, war eingetrof f en : Die Chylusgefafie 
hatten sich infolge der genossenen Mahlzeit angefiillt und er 
sah sie in die driisenartigen Korper eintret^n, ganz so, wic 
er es unter denselben Verhaltnissen einst bei Tieren beobach- 
tet hatte. Er legte beidseitig Querschnitte an und liefi durch 
Schiefstellung des Tisches die Eingeweide nach rechte prola- 
bieren, sodafi der Zw5lffingerdarm, auf dessen Entdeckung 
er nicht wenig stolz war, sichtbar wurde. Schon lieli sich der 
Arterienpuls mit voUer Deutlichkeit beobachten, und die unter 
das warme Zwerchfell gelegteHand erschtitterten die Schlage des 
Herzens. Aber noch suchte der Anatom den Sitz des Blutzen- 
trums in der Leber, und sah er auch die Arterien pulsieren, so 
konnte es doch nur der Lebensgeist, das Pneuma sein, was sie 
bewegte. Noch ehe er die bluttriefende und dampfende Hand zu- 
rUckzog, wurden Ares die Augen verbunden und die verschie- 
denen aus dem unterdriickten Gewinsel heraus gegebenen Ant- 
worten verrieten dem tastenden Anatomen die Empfindlich- 
keitsunterschiede der verschiedenen berlihrten Stellen und die 
Qualit&ten des Schmerzes, Was Herophilus nie in solcher 



- al - 

Mannigfaltigkeit zu unterBcheiden vermocht hatte, daB waren 
die Grade der Harte und Weichheit bei diesem iind jenem 
Organ; jetzt auch erst sah er zum erst en Male die richtige 
Farbung der normalen Gewebe dee lebenden Menschen. Rasch 
suchte er die Stelle sich einzupragen, an der er den lebens- 
gefahrlichen chirurgischen Eingriff an Beinem hohen Patienten 
wagen soUte; dann nickte er mit dem Kopfe und mit einem 
sichem Schnitt eroffnete er das Zwerchfell, um die totliche Wir- 
kung diesefi Schnittes darzutun, da durch das Eindringen der 
Luft in die Pleurahohle die Respiration stillgestellt wurde. 
In demselben Augenblick baumte sich die vorher Bchon krampf- 
haft Bpielende Muskulatur noch einmal auf . Mit hellem Elang 
war unter der Gewalt des rechten Oberarms ein Glied der 
Eisenkette zersprungen. Ares hatte ausgerungen. 

HerophiluB richtete sich jahlingB auf, um Ateni zu 
Bchdpfen. War ee die physische Anstrengung, die ihn ermti- 
det hatte, oder eine Vorahnung, dafi kommende Geschlechter 
ihn als den Wtirger brandmarken wlirden? Sinnend rekapitu- 
lierte er all die Eindriicke, die er mit Auge und Hand wahr- 
genommen hatte, durch die seine personliche Erfahnmg so 
unermelilich bereichert worden war und die ihn in seiner ver- 
antwortungsvoUen Aufgabe lei ten soUten. Er iiberliefi es 
seinen Gehilfen, die weitere Anatomie zu voUenden. Nur ein- 
mal noch legte er Hand an. Er hatte die Schadelhohle er- 
offnen lassen und entnahm ihr gewandt das Gehirn, um es, ab- 
seite gewendet, in seiner eigenen Weise zu zerlegen, so dafi die 
Chorioidealh&ute sichtbar wurden.^^) 

Reinhold war von dem Anblick dessen, was er eben hinter 
8ich hatte, aufs Innerste ergriffen. Fast automatenhaft verliefi 
er den Saal. „Da8 ertragen unsere Nerven nicht mehr,** raunte 
er mir zu, als der zweite Pirat desselben Weges an uns vorbei- 
zog, den der erste gekommen war. Nein, mit diesem Eindruck 
konnte ich ihn nicht von Alexandrien scheiden lassen, nicht 
aus dieeer Folterkammer ihn ins voile Bewufitsein zuriick- 
rufen. Ich brachte ihn also in den koniglichen Garten, wo 
die ausgesuchtesten Pflanzen, die sel tens ten Tiere der ost- 
afrikanischen Ktiste, Libyens, Persiens und Arabiens vereinigt 
waren. Ein Gang durch das Serapeion und das Museion soUte 
ihm von dem Reichtum antiken Wissens, das hier in tausen- 



— 22 — 

den und abertausenden RoUen niedergelegt war, einen Begriff 
geben. Was ich ihm jedoch nicht mehr verschaffen konnte, 
das war der Einblick in eine philosophische Schule vora Range 
der koischen und der peripatetischen. Wobl existierten noch 
Peripatetiker, aber der empirische Boden dee Meisters war 
ihnen langst unter den Fussen entschwunden. 

Es schien mir hohe Zeit, meinen Freund ins Leben zu- 
ruckzufuhren, um von ihm Abschied zu nehmen. So brachtc 
ich ihn denn auf den Stuhl in seinem Laboratorium zuriick, 
nahm seine Hand und rief: ^Reinhold!" Er schlug die Augen 
auf und starrte verwundert in die Feme, als woUte er sich 
vergegenwartigen, was mit ihm geschehen sei. Mir selbst war 
der Mechanismus des Ratsels Nebensache, war es mir doch 
gelungen, ihm dag innere Auge dafur zu offnen, daB die Zeit, 
der wir angehoren, uns nur einen unvoUkommenen Quer^chnitt 
der Wissenschaft veranschaulicht. Wollen wir aber die Wis- 
senschaft als Organismus erfassen und begreifen, so genligt 
die Kenntnis dieses Querschnittes nicht, aucji wenn wir sein 
auBerstes Detail erspiiren; wir miissen tiefer gehen, miissen 
die Entwickelungsgeschichte der Erkenntnis soweit wie mog- 
lich an der Wurzel erfassen, wo sie eben aus dem Keim 
menschlichen Bewulitwerdens nach freier Entfaltung strebt. 
Nur so wird sie zu einer wirklich aktiven Potenz in unserm 
Dasein und in dem der Gesellschaft und befahigt uns, neues 
und organisches wissenschaftliches Leben in denjenigen zum 
Durchbruch bringen zu helfen, die unserer Flirsorge anver- 
traut sind. 

,,Was war das," begann Reinhold zu fragon, als ich 
mich erhob, „bleibe da und erklare mir — " 

„Lieber Freund, ich muli fort, der Zug verlalit die Stadt 
in einer .Viertelstunde. Fiir heute lafi Dir nur das eine ge- 
sagt sein: Historia vitae magistral Auf Wiedersehen, wenn 
Du mich im nachsten Fruhjahr in der alten Humanistenstadt 
am Rheine aufsuchen wirst." 



- 23 - 



Anmerkungen. 

Man wird verstehen, warnm ich mich dnrch die paraenetische Absicht 
meines Vortrags zar erzahlenden DarBtelluDgsform entschlossen gesehen habe. 
Eioe systematische Behandlang des Stoffes verbot sich ebensowohl dnrch die 
Ansdebnnng des Materials, wie durcb den Mangel an geeigneten Vorarbeiten 
nber Geschichte der antiken Biologie. Unter diesen Umst&nden konnte ich 
aber die Zitate, obschon sie vielfach den beaten Ubersetzungen entstammen, 
nicht w5rtlich wiedergeben ; anch musste ich Aatoren redend auftreten lassen. 
ohne dafi der Wortlant mehr als den in ihren Schriften ansgedriickten Ge- 
danken oder den Ton ihnen Uberlielerten Entdeckangen entsprechen konnte. 
Ich verzichte somit von vornherein daranl, Ansprilchen an philologische Ge- 
nanigkeit genfigen zn wollen. Ebensosehr bedarf es eines Wortes der Auf- 
klftmng gegenliber biologischen Fachgenossen. Um MiBverst&ndnissen vor- 
znbeugen, yersicbere ich ausdriicklich, daB es mir darcbans fern liegt, die 
Hilfsmittei der modernen Technik, deren ich mich bekanntlich in zahlreichen 
SpezialnntersQchangen anch bedient habe, herabzusetzen oder sie der Gering- 
schfitzung Unbeteiligter preiszageben. Statt des Mikroskopikers h&tte ebenso 
got ein anderer Spezialist, der den Zusammenhang seiner Spezialitiit mit der 
Gesamtheit der biologischen Disziplinen verloren hat, znm Vorwar! genommen 
werden kOnnen. Man mrd mir aber nicht bestreiten wollen, dafi ein 
tragiscber Konflikt — and zwar nicht nur innerhalb unserer Wissenschaft — 
sich allzaleicht heraasbildet, wo eine Spezialitat, besonders wenn sie von 
grofiem technischen Hilfsmittei abhangig ist, den ibr Ergebenen so voUig 
absorbiert, daB er nicht mehr Herr der Sache bleibt, sondern, von ibr be- 
berrscht, einer pessimistischen Anffassung der Wissenschaft iiberhanpt znm 
Opfer fallt. Gegentlber dieser Verzichtleistnng auf individnelle Werte ini 
wissenschaftlichen Leben scheint mir das wirknngsvollste Gegengewicbt in 
der Besch&ftigang mit der Geschichte der eigenen Wissenschaft gegeben, zii 
dem der Forscher in anderen, philosophiscben, historischen, jnristischen nnd 
theologischen Fftchem eo ipso mehr genr»tigt ist. als er es in unseren Dis- 
ziplinen zn sein scheint. Gerade dem Biologen aber, der unter dem Eindrnck 
der Entwickelnngslehre steht, sollte zabegreifen nicht schwer fallen, daB anch 
der Organismns der Wissenschaft eine Entwickelongsgescbichte hat, die noch 
niemals stndiert worden ist, ohne dafi fUr den Fortscbritt der Wissenschaft 
selbst nene Anregangen daraas entsprungen w&ren. 

^) L. BoB, Reisen nach Kos, Halikarnassos, Rhodos and der Insel 
Cypern, Halle 1852. — Bad. Herzog, Vorl&nfiger Bericht ilber die archiio- 
logische Expedition auf der Insel Kos im Jahre 1902 nnd Von der Kos'schen 
Expedition. Mittlg. z. Gesch. der Med. n. Naturw. 1903. 

') Der hier wiedergegebene Anssprnch entstammt den „Vorschriften^ 
der bippokratischen Sanunlnng. Ich zitiere ihn, wie die weiteren hippokratiscben 
Texte nach der Ubersetfiing yon B. Fuchs, Mtinchen 1895, da sie leiohter 



— 24 — 

zagftnglich ist als die grofien Originaltexte, bemerke aber von vornherein, 
dafi ich die Fuchssche (Jbersetzung jedesinal nor frei mutatis mutandis 
wiedergebe. Ich lasse sie nun aber in diesem Falle auch wortlich folgen, um 
mich dem gegen mein eigenes Yorgehen gerichteten Vorwur! des Hippokratikers 
nicht zu entziehen: I p. 64/65 Eap. XII: ,Wenn man am der Menge willen 
eine Offentiiche Vorlesung veranstalten will, so ist das kein sehr rilhm- 
liches Verlangen, wenigstens hlite man eich, poetieche Zeug- 
nisse zu yerwenden, denn das wilrde ein Unvermdgen in dem MUhe- 
aulwande verraten. Ich verwerle namlich, soweit die Praxis in Betracht 
kommt " 

*) Hippokrates, ^Die heilige Krankheit" (Fuchs, Bd. II p. 554 u. 
p. 561, 562 Kap.VIII u. Kap. XVII). 

*) Hippokrates, ,Das Herz" (Fuchs, Bd. I p. 147 Kap. II). Da es an 
dieser Stelle nur darau! ankommt, zu zeigen, dafi bereits die Hippokratiker 
Experimente beschrieben und daher wohl auch veranstaltet haben, babe ich 
die Fortsetzung, n&mlich den Schlufi, der aus dem Experiment gezogen wird, 
weggelassen, weil er infolge ungenaner Beobachtnng lalsch ist. Schon im 
Altertum wurde er als irrtlimlich erkannt, wie die ausfiihrliche Polemik von 
Aristoteles dagegen zeigt (de partib. anim. 665a). Auch Galens Anschauungen 
Aber den Bau des Nervensystems beruben auf mannigfach angeordneten 
Experimenten (ygl. hierzu u. a. : F. Falk, ^Die geschichtl. Entwicklung der 
experim. Medicin*'. Virchows Archiv Bd. 132. 1893). 

^) Die hippokratische Schrift ^Die Entstehung des Kindes" (Nr. 15b der 
FuchsBchen Obers. Bd. I p. 217 u. ff.) ist ein glftnzender Versuch, die Analogie 
in der Entwickelnng von Pflanze, Tier und Mensch durchzulUhren. Kap. XVIII 
enthftlt die Anleitung zum Stadium der Entwickelnng des HtUinchens im be- 
brttteten Ei. Vgl. hierzu B. Bloch, „Nova Acta Acad. Leop.-Carol.* 1904. 

*) Der einleitende Satz ist aus der in Anm. 5 erwfthnten Verallgemeine- 
rung der Einheit der organischen Entwickelnng zu begrttnden. Das tJbrige 
ist Kap.ni der Schrift ,Das Gesetz'' (Fuchs, Bd.I p. 4). 

^) In der hippokratischen Schrift «Die Diftt" schildert ein koi'scher 
Arzt die verschiedenen Nahrungsmittel, worunter in Kap. XII die Wasser- 
tiere, wie sie auf sttdlichen Fischm&rkten noch heute feilgeboten werden, 
unter Angabe ihres N&hrwertes im Einzelnen. Vgl. hierzu meine in An- 
merkungl5 erw&hnte Schrift. 

8) ,Der Eid«, Fuchs, Bd I p. 1. 

*) tJber die peripatetische Schule und die Art des Unterrichts in ihr 
vgl. E. Zeller, ,Die Philosophie der Griechen", 3. Aufl., II 2. (Jbrigens ist 
der „Ruck um bunder t Jahre" nicht wOrtlich zu nehmen. Die Episode zu 
Kos ware wohl etwas sp&ter als 420 anzusetzen, die im Lykeion dagegen 
etwa ins Jahr 324, da Aristoteles 323 A then verlieB (Zeller 1. c. p. 36 
Anmerkung 1). 

*^) Die hier geschilderte Szene beruht auf folgenden Qnellen: Menon, 
der Schiller von Aristoteles, ist als Redaktor der Schriften des Meistere dorcb 
Entdeckung des Londoner Papyrus 137 und die anschliesaende Literator in 



— 26 — 

den Vordergmnd getreten. Der Inlialt der Besprechong entspricht der Anf- 
iiSBiiDg yon der Disposition der zoologischen Schrilten des Aristoteles, welche 
Titze and v. Frantzias (Arist. vier Bilcher Uber die Telle der Tiere, 
griech. u. deatsch, Leipzig, 1853) mit Erfolg vertreten haben. Man vergleiche 
besonders das I. Bach der Schrift ttber die Teile der Tiere. 

*') Aristoteles, Tiergesch. (heraasgeg. a. fibers, von Anbert und Wiminer, 
1868) I. 36. 

**) Aristoteles. Tiergesch. 11 41—44. Hierbei ist za bemerken, dafi sich 
bei der Ubersetzong yon Anbert and Wimmer eine sinnlose Wiedergabe der 
Stelle xpax6 S'^x^i Z\ov to owjjia eingescblichen hat: ^Sein ganzer Leib ist 
anch (statt: raah) wie der des Krokodils'. 

*^) In der Tiergeschichte weist der Text zweimal an! Zeichnungen 
bin, die ihn begleitet haben and deren Teile wie onsere hentigen Fignren 
Bachstabenbezeichnangen getragen haben mUssen. Die eine dieser Fignren 
veranschaolichte die m&nnlichen Zeogangsorgane (Tiergesch. Ill 9), die andere 
den Embryo der Cephalopoden (ebenda V 891 Anch I 86 verweist Aristoteles 
aa! die Diagramme in den Anatomien. 

^*) Theophrast von Eresos, der SchUler and sp^tere Nachfolger des 
Aristoteles als fianpt der peripatetischen Schule, war ca. 12 bis 16 Jahre 
jtlnger. Es widerspricbt nichts der Annahme, dafi er schon damals, anmittel- 
bar beyor Aristoteles Atben yerliefi, eine gewisse selbstftndige LehrtHtigkeit 
an der Seite des Meisters ansiibte. Dafi er im Komplex des Lykeions einen 
(Garten besessen babe, ist nicht bekannt; man wird mir aber diese Fiktion 
verzeihen in Anbetracht dessen, dafi ich einige Hanpts&tze seiner Botanik ein- 
(ahren wolite, dafi ferner Pflanzeng&rten schon vorher in Agypten existierten 
and dafi endlich keine positiven Angaben dieser Annahme widersprechen. Die 
Platane des Lykeions ist in der Natnrgeschichte der Gew&chse (tJbers. von 
K. Sprengel, 1822) erwtthnt I, 7, 1 ; die Unterscheidnng der Piianzen nach 
dem Habitos I, 3, 1; die Vollkommenheit des Banmes I, 1, 12; die Gewebe 
(gleichartigen Teile) I, 2, 1. 

Soweit ich die botanisch - historische Literatur kenne, ist darao! nicht 
geacbtet worden, dafi Theophrast in der Anfz&hlang einzelner Pflanzen nicht 
regellos yerf&hrt, sondem mehrfach solche aneinanderreiht, die aach wir 
noch za denselben Familien zfthlen (z. B. Gramineen, I, 6, 5, Nadelhi^Izer, I, 
12, 1, Umbellileren, I, 11, 2, Liliaceen, I, 6, 7, Rosaceen, II, 7, 8). £s 
Bind diejenigen Formenkreise, ans denen anch durch die Patres botanici eine 
gewisse Verwandtschaft heraasgeftthlt worden sein muss. Theophrast be- 
zeichnet zwar nicht gerade diese Formenkreise ansdrtlcklich als Gattnngen, 
aber engere, z. B. die Eichen, deren einzelne Arten er nnterscheidet (III, 
8, 1 and IV, 1, 1). Insofem glanbte ich mich berechtigt, diesen Begriff 
aaf jene Formengrnppen Ubertragen za dilrfen, urn so mehr, da er ja anch 
viel reichlicher fflr die Tierwelt von Aristoteles verwendet wird and anfier- 
dem bei Theophrast prinzipiell ebenso (I, 2,4), anch fttr die gesamte Pflanzen- 
welt (I, 2, 3) gebrancht wird, es anfierdem an dieser Stelle nnr aaf 
die Bedeatang der klassischen Ansdracksform fiir einen Formenkreis von 
orgMiischen Individuen ankam. 



— 26 — 

'^) Aristoteles kann nicht mehr als der eigentliche SchOpfer des ersten 
zoologischen Systems betrachtet werden. Ein solches moB vielmehr schoo in 
der koiscben Schule existiert haben. Die aristoteliscbe Systematik bat einen 
laDgen Entwickelungsgang binter sicb, dessen dunkle Sparen sicb verfolgen 
lassen. Das VerdieDst jedocb, anatomiscbe Einteilungsgrttnde der Systematik 
zuerst zn Orunde gelegt und danacb die grtifite Heerscbau iiber die Tierwelt 
organisiert za baben, bleibt ibm unter alien Umst&nden. Vgl. meine Scbrift 
^Das koi'scbe Tiersystem, eine Vorstafe der zoologiscben Systematik des 
Aristoteles". Verb. Natorf. Ges. Basel, Bd. XV 3, 1904. 

'•^) Zeller II. 2 p. 479 u. ff. 

^^) Uber Gymnastik Tgl. die bei R. Fncbs (^Gescb. d. Heilknnde b. d. 
Griecben, Handbncb d. Gescb. d. Medizin", 2 L!g. p. 187 Jena 1901) anfge- 
fttbrte Literatnr. AoBerdem J. L. Ussing, Darstellang des Erziebangs- and 
Unterricbtswesens bei den Griecben. tjbers. Altona 1870. J. B. Egger, 
Begriff der Gymnastik bei den alten Pbiloso^ben and Medizinern. Samen 1903. 

^^) Bis zu welcber Feinbeit die Proportionenlebre des menscblicben 
KOrpers ausgebildet war and wie sie fUr Aristoteies der Ansgangspankt zar 
Bearteilang der tieriscben Proportionen wnrde, gebt ans zablreicben Stellen 
seiner zoologiscben Scbriften bervor. Die bier speziell aufgefUbrte Beobacbtang 
stammt ans der Tiergescbicbte (I. 59), bedarfte aber fUr den Vortrag einer 
leicbten Modifikation. Man vergleicbe aafierdem : I 57, II 25, de partib. IV 9. 

**) Die Wirkang des Opiains war scbon den Alten bekannt. 

'^) Diese Scbilderang einer Vivisektion setzt sicb znsammen ans Be- 
obacbtangen, die tats^cblicb anf Heropbilos' anatomiscbe Stadien znriickgeben 
(Obylasgef&fie, Puis, Plexus cborioidei des Gebirns etc.; and andemteils aus 
den Angaben von Tertullian (de anima 10 1 and Celsas, dessen Angaben 
iiber Hergang and Zweck einer Vivisektion icb in der Darstellang m^glicbst 
gefolgt bia. A. Corn, (^elsi de medicina libri octo. ed. Daremberg. Lipsiae 
1859. Prooem. p. 4, 36 ff n. p. 7, 27 ff. An diese Angaben bat sicb eine nm- 
fangreicbe Literatnr der moraliseben Entriistang angescblossen, die teihveise 
ans gelegentlicben Urteilen bestebt, zn denen sicb beinabe jeder Antor, der 
niit dieser Stelle in Bertibi-nng gekommen ist. veranlafit fUblte ; anderseits aber 
bemiibt sie sicb, den wirklicben Sacbyerbalt zu eraieren, z. B. Fncbs im Rbein, 
Mas. N. F. 52 p. 3S2. Die vorgebracbten Griinde konnten micb jedocb nicbt 
davon iiberzeugen, dafi die Scbilderung des (^elsus eine Erfindnng sei. Wenn 
man bedenkt, welcben Foltern die ersten Cbristen ausgeliefert waren, mag 
aucb immerbin mancber Bericbt auf Ubertreibung bernben, so erscbeint da- 
neben eine rascb and planmafiig darcbgefilbrte Vivisektion beinabe als eine 
Gnade. 



— 27 — 



Der Neubau der wissenschaftlicheii Institute, 
insbesondere des Senckenbergisclien Natur- 
historischen Museums, an der Viktoria-AUee. 

Vortrag, 
gebalten in der wissenschaftlichen Sitzung am 30. Januar 1904 

von 

Ludwig Neher, Egl. Baurat. 

(Mit einer perspektivischen Ansicht, Tal. I bis III and 3 Textfigaren.) 



Sie sind gewohnt, in diesem Saale sich mit den Erschei- 
oungen und 6esch5pfen der grofien ewigen Nator zu beschftftigen. 
Es mag desbalb als Anmafiung erscheinen, wenn ich Sie jetzt 
zar Betracbtnng eines Menscbenwerkes einlade. Docb bat 
der Werdegang and die Entwickelangsgescbicbte desselben 
frir Sie so grofies Interesse, dafi icb wobl auf Ibre glitige Auf- 
merksamkeit flir dasselbe boSen darf. 

Es bandelt sicb ja um die Gestaltung Ihres kiinftigen 
Heinis, an der wir nun seit beinahe ftinf Jahren unter fort- 
wabrend wecbselnden Vorbedingungen und Verbaltnissen arbeiten. 

Als icb vor drei Jabren die Ebre batte, an dieser Stelle 
iiber den Stand unserer Arbeiten zu bericbten. war die Sach- 
lage, kurz gescbildert, die folgende: 

Die Rticksicbt auf den immer mebr zunebmenden Verkebr 
am Eschenbeimer Tor und die beabsicbtigte Durcbf tibrung neuer 
Trambabnlinien durcb die Stif t- und die SenckenbergstraBe batten 
fiir das Senckenbergiscbe Gel&nde die Festsetzung neuer Bau- 
flucbtlinien and damit einen ganz veranderten Bebauungsplan 
notig gemacbt. 

Unser Museum sollte vorn am Escbenbeimer Turro zwiscben 
Bleichstrafie and Stiftstrafie erricbtet werden. 

Auf der norddstlicben Ecke des Grundstilcks — tunlicbst 
entfemt von den EinflUssen und Ei*scbiitterungen durcb die 



elektrische Trtimliahn — sollte das pbysikalisch-chemiscbe 
Institut erstehen, wAhrend zwischen beiden Gebiladen an der 
BleicbstraSe genUgender Raum fflr einen Neaban der Bibliothek 
fibrig blieb. 

Lageplan des Gel&ndes der Dr. Senckenbergischen Stiftur 
am Eschenheimer Tor. 



MftBstab 1 : 1»76. 



„ r \U^^ 



Ein Uauptliindernis in der neuen Baoanlage bildete das 
im Jabre 1863 errichtete grofie Spitalgeb&nde, dessen Um- 
achlieBung von alien Seiten seine Benutzung als Spital immer 
prek&rer machte. 

Daher entsprang der Gedaake, den Spitalbetrieb in die 
AuBenstadt zn verlegen and das Torhandene Qeb&ude durcb An- 
nsd Umbauten fUr die Zwecke der K. Chr. JUgelschen Stiftung and 
zugleicb fUr die Volksvortesungen, eine Volksbibliotbek mit 
Leses&len und fUr wissenschaftliche Vereine nutzbav zn machea. 

Die DurcbfUbrung dieses ganzen Gedankens ist bekaantlich 
aos flnanziellen Grllnden gescbeitert. Ea lohnt sich aber la 



— 29 — 

untersuchen, ob fiir UDsere wissenschaftlichen Institute nicht 
aach aus anderen GrQnden gfinstigere Bedinguugen, als das 
stark angeschnittene Senckenbergische Gel^nde sie noch bieten 
konnte, wfinschenswert waren. 

Ftlr alle projektierten GebStude waren die beiden 
folgenden Umst&nde gleichm&fiig ungtlnstig: 

1. die absolute Unm&glichkeit einer Vergrofierung durch 
Anbauten auf dem vorhandenen Qel&nde; 

2. die Lage an zum Teil gerftuschvollen und verbaltnis- 
m&fiig scbmalen VerkehrsstraBen. (Die Bleichstrafie soil eine 
Breite von 16 m, die Stiftstrafie eine solche von 17 m erhalten; 
die gegenttberliegenden Oeb&ude k5nnen mithin in .der Bleich- 
strafie 17 — 18, in der Stiftstrafie 19—20 m hoch gebaut werden, 
was inzwischen auch teilweise schon geschehen ist.) 

Ffir unser Museum lag aufierdem eine besondere 
Schwierigkeit in dem bedeutenden Gefillle zwischen Stift- und 
Bleichstrafie, das vom Ende des Sfidfliigels bis zum ent- 
sprechenden Ende des NordflQgels annd,hernd 4 m, also beinahe 
die H6he des projektierten Untergeschosses betr&gt, so dafi 
letzteres hOcbstens auf ein Drittel der Bleichstrafien front ftir 
Musenmszwecke verwendbar gewesen w&re. 

Die direkte Zug&nglichkeit des Hofes von der Stiftstrafie 
aus bot die HOglichkeit der Disponieruug der H6rs&le an der 
Rilckseite des Hauses, deren Ausniltzung andererseits durcti die Un- 
mSglichkeit einer Bauerweiterung nach dieser Seite bedingt war. 

Ganz verschieden gestalten sich nun die Verh&ltnisse auf 
dem neuen Gel&nde, das f&r die Erbauong unserer wissenschaft- 
lichen Institute in Aussicht genommen ist. 

Das Gmndst&ck liegt mit seiner Haupt- und Ost-Front 
an der Viktoria-Allee, sfldlich am Kettenhofweg, n5rdlich an 
der Jordanstrafie und stfifit westlich an die alte Bockenheimer 
Gemarkungsgrenze. 

Das der Senckenbergischen Stiftung zufallende 
Stock von 17 000 qm reicht allerdings nicht ganz bis an die 
Gemarkungsgrenze heran, doch besteht die Zusicherung, dafi 
der im Besitz der Stadt bleibende Best ftir etwaige Erweiterung 
der auf dem Senckenbergischen Geld,nde errichteten Bauten 
freigehalten werden soil. 



30 



Die Abgrenzang ist in besonders entgegen- 
kommeDder Weise so vereinbart, daS uoser Museum 
seine SannnlUDgsrAume verdoppeln kaDn, ehe es 
Uberhaupt die vorlaufige Grenze erreicht. 

Lageplan des Gel&ndes 

der Dr. Senckenbergischen Stiftung 

an der Viktoria-AUee. 

MaBstftb 1 : 1875. 



i 



Uer Wunech, womdglich vorne an der Viktoria-Allee zo liegen, 
uod andrerseitsdieNotwendigkeit, sicli dieErweiternag nacb hinten 
zn sicliern, ergaben f&r die aaf dem Gel&nde zu erricbtenden Gebftude 
die aiisgesprocbene Tiefenansdelmuug von Osten nacb Westen. 

Das Pbysikaliscb-chemiscbe Institut entwickelt sich 
dein Kettenhofweg entlang. 



— 31 — 

An der Jordanstrafie liegt vorn das Bibliothekgebaude, 
an das sich das Auditoriengeb&ude der Jtigelstiftung an- 
schlieBen soIL 

Unser Museum wird die Mitte der Front an der 
Viktoria-AUee einnehmen. 

Es wird vorerst einen geraumigen inneren Hof umschlieBen ; 
aber die Hinzufugung eines zweiten Hofes ist noch moglich 
nnter Einhaltung des gesetzlichen Wicties, ehe die vorlauiige 
Eigentumsgrenze erreicht wird. Durch Ankauf des Gelandes 
bis an die Gemarkungsgrenze wilrde sp&ter die Erweiterung 
um einen dritten Hof moglich. 

Der vorlaufig projektierte Neubau wird ohne Anrechnung 
des Lichthofes das Doppelte der bisherigen Aufstellungs-Schrank- 
langen der Sammlungsraume fassen. 

Nach der Hinzuftigung des dritten Hofes wird also das 
Mnseumsgeb^ude eine Yersechsfachung des gegenwartigen Be- 
standes gestatten — wie gesagt ohne Bemessung der Licht- 
hofe, welche zusammen eine nutzbare Bodenfl&che von mindestens 
1500 qm bieten werden. 

Im Gegensatz zu den schmalen Strafienbreiten von 15 bis 
18 m um das alte Gelande hat der Kettenhofweg eine Bauflucht- 
weite von 27 m, die Jordanstrafie von 24, die Viktoria-AUee 
sogar von 75 m. 

Die zuUlssige H5he betrSLgtfiir gegenUberliegendePrivat-Ge- 
b&ude flberall 18 m, auch sind l&ngere zusammenh&ngende Geb&ude- 
fronten an der gegeniiberliegenden Seite der Strafie unzulSlssig. 

Innerhalb des GelS.ndes sind infolge unseres Bebauuugs- 
plans die Nachbarschaftsverh&ltnisse der projektierten Gebaude 
ebenfalls sehr gbnstig. 

Nur einmal treten die drei Hauptgeb&ude auf 15 m Ent- 
fernung aneinander heran, jedoch nur auf 22 m Frontlilnge und 
anter Einhaltung einer Geb&ndehdhe von 17 m. 

Die durchschnittliche Entfemung betr^gt 27 bis 30 m. 

Das Bauprogramm ftkr unser Museum, welches meiner 
Schilderung im Bericht von 1901^) zugrunde lag, hat sich 
unterdessen nur wenig verandert. 

') L. Neher, ,Der projektierte Neubau des Senckenbergischen Natur- 
bistoriechen Museoius m Frankfurt a. M.'' Bericht der S. N. G. 1001, p. 91—100. 



— 32 — 

Immer mehr Wert wurde auf eine grofie Anzahl von 
Arbeitsr&umen fiir einzelne Gelehrte gelegt. 

Die Museamsraume ftir Geologie und Mineralogie mufiten 
and konnten eine bedeutende Erweiterung erfabren. 

Dagegen erwies sich fiir die biologische Schanstel- 
lung aus sp&ter zu erdrternden Grttnden eine Einschr&nkung 
als zttl&ssig, ebenso fur die Botanik, weil ja die Errich- 
tung eines ganz getrennten botanischen Instituts geplant ist. 

Immerhin machten selbstverstandlich die neuen Lage- 
verh&Itnisse manche grundsg.tzliche Anderung der alien Dis- 
positionen erforderlich. 

Am einschneidendsten erwies sich die Notwendigkeit, die 
H or sale in den Vorderbau an der Viktoria-AUee zu bringen, 
einesteils zur Bequemlichkeit des Publikums, andererseits urn 
bei der Erweiterung des Museums ein fiir allemal unbehindert 
zu sein. 

Mit den Hors&Ien mufiten auch die zugehQrige Lehr- 
sammlung und die GeschS^ftsr^ume der Verwaltung 
nach vorne rlicken, wahrend die Rftume der Pr&paratoren, 
fiir welche zum Teil Oberlicht gewiinscht war, in einem provi- 
sorischen leicht transportabelen Anbau und in einem Teil des 
hinteren Querbanes untergebracht wurden. 

Man betritt das Museum in der Mitte der Yorderfront 
durch eine ger&umige Windfanganlage, die geradeaus durch ein 
Windtourniquet mit seitlichen Nottttren in das Hauptvestibiil 
fllhrt (Taf. I). 

Hier liegen — auBer den obligaten Portier- und Garderobe- 
rcLamen — rechts und links die beiden H5rsd,le mit den zu- 
geh5rigen Vorbereitungszimmern. 

Das Publikum betritt jedoch die H5rsMe nicht von der 
Eingangshalle aus, sondern unter den Arkaden von der Nord- 
und Siidseite her, wo unter den ansteigenden Sitzreihen ge- 
rcLumige Windfang- und Garderobeanlagen vorgesehen aind. 

Die Verbindung der Horsale mit dem Eingangsvestibiil 
des Museums wird nur fiir den Fall dienen, dafi mit einem Vor- 
trage Demonstrationen in den Sammluugsrilumen verbunden 
werden soUen. 

Der grofie Horsaal hat einfache Sitze und fafit 240 Zu- 



— 88 — 

hSrer; der kleine HOrsaal hat Sitze mit Schreibpulten und 
faBt 114 ZuhSrer. 

Mit diesem Saal ist die Lehrsammlung verbunden, derart, 
dafi ihre Galerie auf dem Niveau des Eingangs and des Katheders 
liegt, wahrend der Raum selbst auf den Boden des Unter- 
geschosses herabreicht. 

Der Lehrsammlang entsprechen auf der anderen Seite 
des Untergeschosses die Verwa1tuDgsr3.ume mit Sitzungszimmer, 
Archiv u.s.w. 

Das Hauptvestibtii oSnet sofort den Blick auf die 
Gesamtaulage des Baues. 

Man sieht hinter einer Reihe von Doppelsftnlen die Haupt- 
treppe, die in Doppellaufen ins Erdgeschofi und von da ins 
erste ObergeschoB fuhrt. Unter der Haupttreppe durch fiibrt 
geradeaus eine dreiteilige Halle fiber eine 7 m breite Freitreppe 
ins UntergeschoB und gibt einen weiten Durchblick auf den 
mit Glas bedeckten Innenhof (Taf. I). 

• An diesen Hof, in dem die groBen Stttcke der zoologischen 
and pal&ontologischen Abteilung, wie Walfisch, Elefant, Riesen- 
hirsch u.s.w. Aufstellung finden werden, reihen sich mit 
otFenen Hallen rechts das geologische, links das minera- 
iogische und geradeaus nach hinten das pald,ontologische 
Museum. 

Weiter nach rtickwarts an der AuBenfront des Gebaudes 
liegen zunS,chst bei den betrefienden Museen die Arbeitszimmer 
fiir Geologen und Mineralogen, denen sich dann die Arbeits- 
uiid Expeditiousraume der Praparatoren mit einem groBen Auf- 
zag und alien moglichen erwfinschten Bequemlichkeiten, u. a. auch 
einem Bade, anreihen. 

Auch eine Hausmeisterwohnung ist auf der Rtick- 
seite des Hauses vorgesehen. 

Kleinere Treppen vermitteln hier die Verbindung mit 
samtlichen oberen Geschossen, wahrend die Haupttreppe im 
Vorderbau im ersten ObergeschoB endigt und von da durch 
kleinere Nebentreppen eine Fortsetzung nach obeu erhalt. 

Die architektonische Ausbildung aller Museumsraume, so 
auch die des Lichthofes, ist absichtlich einfach gedacht, um mit 
den ausgestellten Gegenstanden nicht in Gegenwirkung zu treteu. 
Der einzige Schmuck des Lichthofes wird in den BogeuschluB- 



— 84 — 

steinen mit charakteristischen Tierkopfen and in einer monn- 
mentalen Widmungstafel tiber der Eingangshalle bestehen. 

Wir kehren durch letztere zuruck ins Haupttreppenhaus 
und steigen zunachst ins ErdgeschoB (Taf.I), das die syste- 
matische und die biologische Schaustellung der zoo- 
logischen Abteilung enthalten wird. 

Im stidlichen Fltigel sind die Sd, age tier e, im nordlichen 
die Vogel, Reptilien, Amphibien und Fische unter- 
gebracht, der verbindende Querflugel enthalt auBer den Zimmern 
des Kustoden und einigen Toiletteraumen die biologische Schau- 
stellung. 

Uber letztere sind inzwischen mannigfache Erwagungen 
gepflogen worden. 

Wiederholte Besichtigungen der Schaustellungen, welchen 
unser System^) in der Hauptsache folgt, haben ergeben, da6 
bis jetzt der angestrebte Erfolg wohl noch nicht vollkommen 
erreicht worden ist. 

Die vollendetste Behandlung der einzelnen Tierprftparate 
hebt den Beschauer doch nicht iiber den Eindruck einer Schau- 
stellung in der Art unserer Ladenerker empor, wenn die Tiere 
nicht in kfUnstlerisch angeordneten Gruppen zusammengestellt 
werden, bei denen auch Uberschneidungen und teilweise Ver- 
deckungen nicht ausgeschlossen \yerden konnen und durfen. 

Eine groiJe Schwierigkeit liegt ferner in der unvermeid- 
lichen Dunkelheit des Plafonds und des Hintergrunds, an denen 
unsere verwohnten Augen unbedingt die kunstliche Soffiten- 
beleuchtung vermissen. 

Kleinere Objekte werden undeutlich, wenn sie mehr als 
8 ra vora Beschauer aufgestellt sind, wahrend die groBen Tiere, 
wenn sie zu tief nach dem Hintergrund geriickt werden, die 
Illusion der Luftperspektive storen. 

^) Das spezielle bauliche System fiir (lie biologische SehausteUung ist 
darch die Textfigur anschaalicb gemacht. Die einzelnen Kojen Qffnen sich 
mit einer Spiegelscheibe nach dem niedrigen Darchgangskorridor mid empfangen 
uber diesen weg ein ausgiebiges bohes Seitenlicht. Diese Art der Belichtang 
ist bei Dioramen. Aquarien u.s.w. schon seit langer Zeit Ublich and 
sicbert eine vorziigliche kiinstleriscbe Wirknng, da alle Blendung des Auges 
durch Spiegelung u. dergl. vermieden ist. Auch praktisch bietet dieses System 
grofie Vorteile, da die Ausgaben filr kost«pielige Glasschranke wegfallen und 
doch eine ganzlich sicherc und staubfreie Aufstellung erzielt wird. 



— 36 — 

Aus diesen Betrachtangen fokte fllr ans, dafi die Eojen 
der biologischeD Schaastellang nur bei sehr grofien OffnuDgs- 
breiten aucb eine gr56ere Tiefe erhalten diirfen, w&hrend sie 
bei kleineren Abmessungen, wie z. B. mit 3,5 m Breite, nicht 
mehr als ebensoviel Tiefe erhalten soil ten. 

Wir haben zwei Kojen mit 3 m Breite and 3,5 m Tiefe, 
zwei mit 6,3 auf 4,7 und eine mit 6,3 aof 5,9 m angenommen. 

Die Erf ahrung wird lehren mftssen, welche Dimensionen ^bei 
dem Querflligel des nachsten Erweiterungsbaues zu wablen sind. 

Der Rundgang durchs ErdgeschoB fiihrt uns wieder in das 
Haupttreppenhaus zuruck, in dem wir nun uber einen stattlichen 
Doppelaufgang ins erste ObergeschoB (Taf . II) steigen. 

Hier liegt an der Vorderfront der Festsaal, der durch 
zwei Stock werke reicht und mit ringsum laufenden Galerien 
versehen ist. Er kann bei rund 210 qm Bodenflache reichlich 
300 ZuhSrern Platz bieten; er eignet sich aber infqlge vor- 
ztiglicher Beleuchtungsverhilltnisse besonders aucli fttr vortiber- 
gehende Ausstellungen'u. dergl. 

Da unsere vorhandenen Mittel zur Ausflihrung eines so 
groBen Baues, wie das Gesamtprojekt am • Eschenheimer Tor 
geworden ware, vorerst nicht ausreichen, kann die systematische 
Schaustellung der zoologischen Abteilung im UntergeschoB und 
ErdgeschoB einstweilen .nicht geniigenden Platz finden; es muBte 
vieimehr ein Teil des ersten Obergeschrfsses mit herangezogen 
warden, derart, daB im Sudfliigel die Gesamtausstellung der 
niederen Tiere, im Nordfliigel das Museum fiir ver- 
gleichende Anatomic und die Skelettsammlung unter- 
gebracht wurden. 

Der ganze westliche Quertrakt dient aber jetzt schon fttr 
die Aufstellung der wissenschaftlichen Sammlung mit 
den zugeh5rigen zahlreichen Arbeitszimmern. 

Die Verbindung mit den nun folgenden Obergeschossen 
wird durch die bereits erwahnten, ubrigens sehr bequemen, vier 
Nebentreppen vermittelt. Fiir den Transport gr5Berer Aus- 
stellungsobjekte dient der schon genannte Aufzug, der deshalb 
eine Weite von 1,2 auf 3,2 ni erhalten hat. 

Das ganze z weite ObergeschoB (Taf. 11) ist aus- 
schlieBlich wissenschaftlichen Zwecken gewidmet. Es enthftlt 
zwei geraumige Laboratorien, fuui Arbeitszimmer, ein 



— 37 — 

photograpbiscbes Ateliec und vor allem sieben grofie 
SSlle zur Unterbringung der wissenschaftlichen 
Sammlang. Drei dieser Sale liegen im Raum des Mansard- 
dacbes and erbalten'bier mittels UDunterbrochener AoeiDander- 
reibang der Fensteroffnungen ein bewahrtes bohes Seitenliclit. 

Eline Hbnlicbe Beleucbtungsart ist aucb den Magazinraumen 
im dritten Obergescbofi zagedacht, das durcb die Dacb- 
aafbauten des Vorderbaues gebildet wird. 

Solcbe Dacbauf baaten soUen sicb spater auf alien Kreuzungen 
der Qaerfliigel mit den Langsflugein erhebeo, so dafi die Magazine 
immer proportional der Erweiterung des Gebaudes ersteben und 
gleichzeitig auf ganz natUrlicbe Weise zur aufieren Belebuug 
des Baues beitragen. 

Eine wichtige Frage fiir uuser Museum und seinen Betrieb 
ist die der Bebeizung. 

Von den zur Zeit gebraucblicben Systemen konnen Warm- 
wasserbeizung und Niederdruckdampfheizung in Betracbt kommen. 
Erstere eignet sicb wegen des okonomiscben Betriebes besonders 
fur die Museumsraume, f&r welcbe eine tunlicbst gleicbmafiige, 
nicbt zu bobe Temperatur verlangt wird. Die Niederdruck- 
Dampfbeizung dagegen empfieblt sicb durcb die wesentlicb ge- 
ringeren Installationskosten und die leicbte Temperaturregulierung 
in den H5rsalen und Laboratorien. 

Die Kesselanlage ist unter dem Eingaugsvestibiil an- 
genommen, so dafi sicb recbts und links, von der Strafie leicbt 
erreicbbar, die Lagerraume fiir das Feuerungsmaterial an- 
schliefien lassen. 

Durcb einen begebbaren Kanal werden die Leitungsrohre 
unter dem ganzen Ban berumgefuhrt. 

Ein bocbangesebener biesiger ludustrieller und Freund 
unserer Institute bat darauf aufmerksam gemacht, dafi durcb 
die Vereinigung so grofier monumentaler Gebaude auf einem 
Grundstiick die Gelegenbeit und Veranlassung zur Anlage einer 
gemeinscbaftlicben Heizzentrale gegeben sei. 

Icb babe desbalb mebrfacbe Erkundigungen iiber bestebende 
Fernbeizwerke, besonders fiber das grofie Ferubeizwerk in 
Dresden eingezogen uud zunRchst die Bestatigung erhalten, 
dafi dasselbe vorziiglicb funktioniert und, was fiir unseren Fall 



— 38 — 

besonders wichtig ware, zum AnschluB aller moglichen Spezial- 
systeme sich eignet. 

Die besonderen Annehmlichkeiten der Fernheizsysteme be- 
stehen ferner in der grofien Betriebsverfeinfachung und der 
KoDzeDtrierung der Raucherzeugung auf eine einzige Stelle. 

Leider habe icb aber aus einem Bericht, den HeiT Kom- 
merzienrat Henneberg,*) der Konstrukteur des Dresdener 
Werkes, im Berliner Architekten- und Ingenieurverein erstattet 
hat, entnommen, da6 andere Gesichtspunkte der Einrichtung 
eines solchen Werkes bei uns jedenfalls Schwierigkeiten bereiten 
werden. 

Herr Henneberg „schickte zunachst einige allgemeine Er- 
lauterungen voraus und erklarte den Begriff des Fernheizwerkes 
— raumliche Trennung der Erzeugungsstelle der Warme und der 
Verbrauchsstelle in verschiedenen Gebauden und zwar auf 
groBere Entfernungen. Moglich geworden ist eine solche Uber- 
tragung erst durch hochgespannten Dampf, den man jetzt mit 
6 bis 8 Atmospharen Druck bei Entfernungen bis 2000 m an- 
wendet, nachdem man gelernt hat, derartige Leitungen mit 
voller Sicherheit, namentlich auch hinsichtlich der unschadlichen 
Ausgleichungen der erheblichen Ausdehnungen der metallischen 
Rohrleitungen durch die Wftrmeunterschiede zu konstruieren. 

Derartige Anlagen werden, wenn sie wirtschaftlich gtinstig 
arbeiten sollen, verbunden mit einer Licht- und Kraft-Zentrale, 
da diese drei Anstalten ihren Hochstbedarf an Dampf nicht zur 
gleichen Zeit haben werden, so dafi sich bei einer solchen Ver- 
bindung mit einer wesentlich kleineren Kesselanlage auskommen 
laBt, als bei drei getrennten, selbstandigen Werken. 

Die Anw^endung des hochgespannten Dampfes ermoglicht 
wesentlich kleinere Leitungen, bedingt einen geringeren Span- 
nungsabfall in den Leitungen, ist also wesentlich wirtschaftlicher 
als Dampf in geringer Spannung. Mit demselben lassen sich 
auBerdem in den verschiedenen Gebauden ganz verschiedene 
Heizsysteme bedienen, so daB also auch alte Anlagen anschluB- 
fahig sind. (Wie z. B. zum Teil in Dresden.) 

In Dresden sind neben der alten Zoll- und Steuerdirektion 
im Femheizwerk auch das Licht- und Kraftwerk vereinigt, von 



^) Deutsche Banzeitung, 36. Jahrg. 1902, pg. 132. 



— 39 — 

welchen aus nun das erstere 6eba.ude, das Kgl. Hoftheater, die 
Gemaldegalerie, der Zwinger, das Kgl. SchloB, die katholische 
Kirche, das Standehaus, die Kunstakademie, das Albertinum, die 
Polizeidirektion u.s.w. mit Warme, Licht und Kraft versorgt 
werden." 

Das Werk ist seit dem 15. Dezember 1900 in Betrieb. 

Wie Sie hieraus ersehen, ergibt sich fiir uns wenig Hoff- 
nung auf die Errichtung einer gemeinschaftlichen Heizzeutrale, 
weil der Konstrukteur selbst deren Rentabilitat von der Ver- 
bindung mit einer Erzeugungsstelle von Kraft und Licht ab- 
hangig macht und eine solche unter den hier gegebenen Ver- 
bal tnissen voraussichtlich auf die allergriifiten Schwierigkeiten 
stoBen wtirde. 

Uber die architektonische Gestaltung der neuen 
Bauanlage sei kurz erwilhnt, da6 in Ubereinstimmung mit Herrn 
Baurat Franz von Hoven, der das Physikalische Institut 
und die Bibliothek erbauen wird, der Stil der alten Sencken- 
bergischen Bauten als Vorbild gewahlt wurde (perspek- 
tivische Ansicht). Dafi jedes der Gebaude deslialb doch seine 
eigenartige Durchbildung erhalten wird, liegt in der Natur der 
Aufgabe selbst. 

Die drei an der Viktoria-Allee liegenden Gebaude sollen 
durcli Arkadengftnge mit einander verbunden werden, die 
als AbschluB des Gebaudes nach der StrafJe und als Uber- 
dachung der Seiteneingange aller drei Gebaude dienen. 

Uber dem Eingang des Physikalisclien Instituts erliebt 
sich die Sternwarte und korrespondierend bei der Bibliothek 
ein Uhrturm fiir die ganze Anlage. 

Im Verein mit den Durchblicken auf die im Hintergrund 
aufsteigenden Mittelbauten des Physikalischen Instituts und des 
Akademiegebaudes werden diese Tiirme, die verbindenden Arkaden 
und unser Museum in der Mitte ein Ganzes bilden, das, so hoffen 
wir, den Freunden unserer Stadt Freude und (ienugtuung be- 
reiten soil. 

Ich schlieBe mit dem Wunsch, daB es uns vergi5nnt sein 
moge, bei der Jahresfeier im Mai den Grundstein und zwei 
Jahre spater den SchluBstein unseres Museums zu legen! 



Ber. d. Smckenb. Naturf. Gts. 1^04. 



t^lTCA^ClOIOil 



HtCrt&b ca. 1 : 460 



Taf. I. 



Neubau-Projekt zum 

Museum der Senckenberg. Naturf. Oesellschaft 

Frankfurt a. M., Viktorla-Allee 



IhSmb ca. 1:460 



Btr. d. Sencienb. Natutf. Gts. 1904. 



Mafiatab ca. 1 : 450 '^^^ 



Taf. II. 



nm 

inrf. Oesellschaft 

wii-Allee 




lOBtf«;cicnoiS. 



1 M T r 



Bfafistab ca. 1 : 460 



MP- 




^gSS^ 



;* 



'I 



I 



41 — 



Ein neuer freilebender Rimdwurm 

aus Patagonien 

l^lectus (Plectotdes) jHitagontcus ii. sp. 

Besohrieben yon 

Dr. J. G. de Man in lerseke (Holland). 

(Hit 6 Textfiguren.) 



? 1 mm. — a = 20. p = 4^/5. y = 9*) 
Vor einigen Tagen schickte Herr Professor R i c li t e r s in 
Frankfurt a. M. mir einen freilebenden Nematodeu zur Bestimmuug. 
Dieser Wurm, welcher sich bald als eine neue Art der Gattung 
Plectus Bast, herausstellte, ein vollkommen entwickeltes Weib- 
chen ohne Eier, wurde von Richters in einem Dungballen des 
Orypotherium Darwini aufgefanden, den Herr Prof. Hauthal 
aus La Plata in der Eberhard-Hohle bei Ultima Esperanza in 
Patagonien gesammelt und bei einem Besuch nach Fraukfuit mit- 
gebracht katte. Das Exemplar liegt in Glycerin eingeschlossen. 
Der Korper, dessen LSlnge, genau gemessen, 0,9844 mm 
betragt, zeigt eine wenig schlanke Gestalt, indem die Breite 
an der ungeffthr in der Mitte gelegenen Geschlechtsoffnung */i7 
der Gesamtlange betragt. Nach vorne hin verjlingt der Korper 
sich zunachst wenig: die Breite am Hinterende des Oesophagus 
betragt ein Neunzehntel der Korperlange, wird dann aber all- 
mahlich kleiner ; an der Grenze des mittleren und hinteren Drittels 
der Mundhohle betragt sie ja nur noch ein Drittel und an 
der Basis der Kopflippen sogar nur ein Ftinftel der Breite in 
der Korpermitte. In demselben Grade nimmt der Wurm nach 

*) Die Mafie Bind in Millimetem resp. Mikromillimetern ausgedrilckt. 
Das Verh&ltnis der K5rperl&nge zur mittleren Dicke wird durch a, das 
VerMltnis der Gesamtlilnge zur Lftnge des Oesophagus, wozu die Mundhohle 
mitgerechnet wird, dnrch p und das Verh&ltnis der KUrperl&nge zur L&nge 
des Schwanzes dorch •( ausgedrilckt. 



— 42 — 

hiuten an Breite ab, so *da6 die letztere am After nur wenig 
mehv als halb so groB ist wie in der Mitte. 

Die Haut ist nicht sehr f ein geringelt ; in der Gegend der 
hinteren Halfte des Oesophagus sind die Rihgel 1,6 |i lang, 
so dafl die Gesamtzahl derselben etwa 600—650 betragen diirfte. 
Vielleicht steht hier iind da eine kleine Borste auf der Haut, 
obgleich nur ein paar am Schwanae beobachtet wurden. Die 
Ringelung erstreckt sich auf samtliche Schichten der Haut. 
Die Seitenmembran (Fig. 1 und 4) ist deutlich, aber im Ver- 
haltnis zur Korperbreite schmal; sie hat nur eine Breite von 
5—6 [i. 

Die Lippenregion des Kopfes ist niedrig (Fig. 3), nur 
3 ji hoch, d. h. etwa ein Viertel des Durehmessers des Kopfes 
an der Basis der Lippen. Die Zahl und der Ban der Lippen 
blieben unsieher. Wahrscheinlich tragt das Tier deren vier 
Oder sechs, denn was man in der Fig. 3 beobachtet, laBt sich 
nicht durch die Existenz von bloB drei Lippen erklSLren. Jede 
Lippe ist niedrig, breit und sclieint in der Mitte vorn ausge- 
buchtet zu sein. Ich meinte an der rechten Seite der Fig. 3 
eine kegelfSrmige Papille auf der hier gelegenen Lippe zu er- 
kennen, aber dies ist wahrscheinlich eine Tauschung. Die Lippen- 
region ist durch eine Einschniirung vom Korper geschieden und 
nicht weit hinter ihr beobachtete ich an dem submedian liegenden 
Wurme jederseits eine 5orste, so da6 wir unserer Art wohl vier 
Oder sechs kurze Kopfborsten zuschreiben dtirfen. 

Die vermutlich prismatische Mundhohle ist, von der Mund- 
offnung ab gemessen, 30 |i lang, d.h. ein Siebentel der Entfernung 
der Mundoffnung vom Hinterende des Oesophagus ; die vorderen 
zwei Drittel sind 4,5 |i breit, die Wande inbegriffen, und wahr- 
scheinlich etwas breiter als das hintere letzte ; auf Fig. 2 ist 
die MundhShle Uberall gleich breit gezeichnet bis zu ihrem 
Hinterende, weil die Form des hintern Drittels mir nicht 
klar wurde. Die Seitenorgane (Fig. 2) sind verhaltnismaBig 
klein, nur 3 |i breit, kreisformig, aber hintenoffen; sie liegen 
in einer Entfernung von 13 (a vom Vorderende des Korpers, 
also unraittelbar vor der Mitte der Mundhohle. 

Der Oesophagus, ein wenig linger als ein Fiinftel des 
K5rpers, schwillt hinten zu einem 25 (a langen Bulbus an, der 
nicht, wie gewohnlich, kugelf5rmig oder ellipsoid, sonderij 



— 43 - 

kegelformig erscheint und mit breiter Basalflache 
gegen das Vorderende des Darmes anschlieBt. Die 
zeDtrale HoKle des, gleich ^ie der Oesophagus, musknlosen 
Balbus hat deutliche Chitinwande und zeigt den fur die Unter- 
gattung Plectoides^) charakteristischen Bau, -dafi diese 
Wande mit parallel zu einander verlaufen'den Quer- 
reihen sehr kleiner Hockerchen besetzt siud. Die 
acht bis zehn Querreihen von Hockerchen sind gebogen und 
eins dieser winzigen Hockerchen, gerade an der Biegungsstelle 
jeder Querreihe, erscheint etwas groBer als die anderen (Fig. 4). 
Audi zeigen di6 Wande des zentralen Hohlraumes eine feine 
Langsstreif ung (Fig. 4). Der Nervenring liegt ein wenig hinter 
(ier Mitte der Entfernung des Vorderendes vom Hinterende des 
Oesophagus und zwar betragt die Entfernung des Vorderendes 
vom Nervenringe 0,122 mm. Der vor demselben gelegene Teil 
des Oesophagus erschien ein wenig breiter als der hinter dem 
Nervenring gelegene und die ChitinwSLnde des Zentrah'ohres 
sind deutlich. (Fig. 1). 

Unmittelbar vor dem Bulbus wird der Oesophagus von 
einem Gebilde umgeben (Fig. 4), in welchem ein geschliingelt 
verlaufender, doppelt konturierter, wohl chitinoser Kanal sicht- 
bar ist; wahrscheinlich liegt hier also eine Driise vor. Ein 
Gefafiporus wurde jedoch nicht gesehen. Vor dieser Druse 
und auch vor dem Nervenringe liegen zahlreiche Zellen zwischen 
dem Oesophagus und dem Muskelschlauche der Korperwand. 
Der Darm hat eine blasse Farbe. 

Die Geschlechtsoffnung liegt unmittelbar vor der Mitte des 
Korpers und stellt sich als ein 17 bis 18 ji breiter Spalt dar, welcher 
also etwas mehr als ein Viertel der Korperbreite einnimmt. Die 
Ohitinwande der Vulva sind ziemlich dick und die gewohnlichen 
Dilatatoren sind deutlich ausgebildet. Die Geschlechtsrohren sind 
paarig symmetrisch mit umgeschlagenen Ovarien und jede ist, von 
der Geschlechtsoffnung bis zur Umbiegungsstelle des Ovariums, 
0,143 mm lang; wahrend der Genitalapparat also noch nicht ein 
Drittel der Korperlange einnimmt, erstreckt sich der postvaginale 
Teil desselben iiber ein Drittel der Entfernung der Geschlechts- 

'j Die neae Untergattang Pleetcfides warde in meiner demn&chst er- 
Bcheinenden Arbeit tiber die von der Belgischen SUdpolar-Expedition gesam- 
melten freilebenden Nematoden fttr zwei neue Plectus-ktitn aofgestellt. 



— 44 — 

5tFnaDg vom After. Die GeschlechtsrShreD erscheinen also relativ 
kurz. Der Schwanz (Fig. 5) ist verlftngert-kegelfonnig, halb so 
lang wie der Oesophagus and yerschin9.1ert sich r^elmUBig bis 
znm HiDterende, welches in ein kurzes Ausftibrungsrohrchen 
fiir die in seiner vorderen Halfte gelegene Schwanzdrtise aus- 
muft (Fig. 6). 

Die vorliegende Art ist dem Plectus (Plecto-ides) ant- 
arcticus de M. aus SliBwasser von Dancoland verwandt, sie 
unterscheidet sich aber von ihm durch die verschiedene 
Gestalt and den Ban der Kopflippen und des Oeso- 
phagealbulbus, auch sind die Hautringel bei Plectus 
an/arc/icM5 dichter beieinander gelegen, weil sie ja 
bei dieser fast gleich groBen Art nar eine LiLnge 
von 0,9 |i zeigen. 

Die Mafie des oben beschriebenen Weibchens von Plectus 
patagonicus, in Teilstrichen des Ocularmikrometers (Obj.VIII, 
Oc.l) von Leitz, sind die folgenden: 

Lange der Mundhohle ISVi 

Entfernung des Vorderendes bis zu der hinteren Grenze 

des Oesophagus 93 

Entfernang des Hinterendes des Oesophagus bis zur 

Geschlechtsoffnung 110 

Entfernung der Geschlechtsoffnung bis zum After . .177 

Lange des Schwanzes 48 

Gesamtlange des Korpers 428 

Korperbreite an der Basis der Lippen 5 

^ an der Grenze des mittleren und hinteren 

Drittels der Mundhohle ... 9 

Korperbreite am Hinterende des Oesophagus ... 23 
„ an der GeschlechtsofEnung . . . ... 25 • 

„ am After 14 

Lange des Oesophagealbulbus 11 

„ J, vorderen Teiles des Genitalapparates . . 62 
„ „ hinteren Teiles desselben 62. 

lerseke, Dezember 1903. 



Erklftrang der Abbildnng«n: 

Weil der Wnnn nicht geo&a l&te»!, BODdsin BnbmediaD liegt, befinden aicb 
ft&intliclie Figuren in dieser Loge. * 

Fig. 1. Oesopb&gealer Teil dea EtirperB. (Leitz, Obj.VJU Oc. 1.) Vergr. 43fi. 

Fig. 2. Kopfende. (LeiiB, iMiinmersion '/u. Oc. I.) Vergr.940, Die Unskel- 
wand dee Oesopbagna setzt sicb, die MundbQble nmfaSBend, bis zu 
den Lippen fort. 

Fig. 3. Vorderster Teil des Kopfes, (Leiti, Olliuin, Vn- Oc. 1,} Vergr. 1875. 
(Die Ifursen BorsUn, welcbe am Kopfende jederseits glejcb binter 
den Lippen etehen (i'ig.2), sind in Fig. 3 weggelassen.) 

Fig. 4. Region des UetopbageatbDlbna. (Leitz, lUimm. '.n. Oc. 1.) Vergr. 94U. 

Fig. 5. Schwani. (Leitz, Obj.VlII, Oc. l.j Vergr. 4 Ho. 

Fig. 6. Scbwanitpitze. (Leitz, Olimm. Vn. Oc. 1.) Vergr. 1250. 



— 46 — 

Das Stiick Grypotherium-Dung, welches Heir Professor 
Ha u thai mir zur raikroskopischen Untersuchung zurVerfiigung 
stellte, gibt beim Aufweichen in Wasser eine tiefbraune Mist- 
jauche, die einen sehr rezenten Eiiidruck macht. Die Haupt- 
masse des pflanzlichen Materials, aus dem der Dung besteht, 
sind Teile von Gramineeu: Halm-Bruchstiicke, Blatt- und 
Spelzenreste; Epidermisgewebe deuten sowohl auf glatte wie 
behaarte Formen bin. Haufig kommen durch Maceration frei- 
gewordene, derbe, verastelte GefaBbiindel eines, wie es scheint, 
kahnformigen Blattgebildes, andererseits derbe, durch die Ver- 
dauung kaum beeinflufite Blatter mit dornigem Rande vor. Ein 
durch seine maanderformigen Zellgrenzen ausgezeichnetes Epi- 
dermisgewebe mit ringformigen Wulsten, auf denen Haare 
standen, deutet auf eine Dicotyledone bin; ebenso eine kleine 
Frucht, die etwa an ein Chenopodium oder einen Rumex er- 
innert. Von Kryptogamen wurde ein Zweigstiick einfes Leber- 
mooses und durchaus unverkennbare Reste einer flachenhaft 
wachsenden Alge, Prasiola, gefunden. Auffallig an diesen 
Prasiola-Uesten ist der Gehalt ilirer Zellen an noch grtinem 
Chlorophyll; im Dunkel der staubtrockenen Hohle kann die 
Frasiola nicht gewachsen sein; vielleicht schiitzte der glatte 
Algenschleim das Chlorophyll vor den verdauenden Saften und 
forderte die Stucke schnell durch den Darmtraktus, von dessen 
Schleimhaut uns hslufig Fetzeu im mikroskopischen Gesichts- 
feld aufstofien. 

AuBer dem oben beschriebenen Nematoden fand ich in, 
oder vielleicht richtiger an dem Dung eine, an ihren Pseudo- 
stigma-Organen leicht kenntliche Oribatiden-Larve. Der interes- 
santeste Fund aber waren ziemlich haufig auftretende Eier, 
die zweifellos einer Ascaris angehoren. Sie ahneln denen von 
Ascaris megalocephala auffallig. 

Prof. Dr. F. Rich ters. 



— 47 — 



Neiie Aiifscliliisse im VVeiclibild der Stadt 

Frankftirt am Main. 



Von 

Karl Fischer. 



L Aufschlufi beim Kanalbau In dein Gelande zwischeii 
Stanfenstrafie und Fried richstrafie. 

Graublaue bi% griine, selten durch Bitumen braun gefarbte, Obere 
sandfreie Letten. GleichmaBig von oben nach unten ausgebildet CerlUilen- 
erscheinen selten Schichtfugen. Stellen sich solche jedocli.ein, *^ ^ *"* 
so sind sie erfiillt mit Versteinerungen, kaum mehr als 20 bis 
25 mm machtig. Morgelbanke und Septarien wurden wenig an- 
getroffen. Unter den hier gefundenen Fossilien nimmt Potamidcs 
plicatns var. piistulata die erste Stelle ein ; man konnte vor- 
zliglich in der Nahe der CronbergerstraBe nur 2 m unter 
Tag ganze Haufwerke auflesen. Hydrobia ventrosa ist in den 
oberen Tonlagen haufig, doch tritt in den unteren auch schon 
Hydrobia obtusa auf. Tympanotomus conicus und Paludina 
phasianella sind selten. Nach alien diesen Fossilfunden wurde 
bei obigen Aufschlussen schon die Schichte ^Cer** des bekannten 
Hafenbauprofils, nach Prof. Kink elin die oberen Cerithien- 
schichten, angeschnitten. Die Liste von samtlichen dort ge- 
sammelten Tertiarfossilien setzt sich zusammen aus: 

1. Potamides plicaius var. pu^tulata (Al. Br.) in Menge 

2. Tijmpanotomus conicus (Boettgr.) 4 Stiick 

3. Paludina phasianella (Boettgr.) 1 StUck 

4. ilelafwpsis callosa (Al. Br.) 1 Stiick 

5. Neritifia fluviaiilis (L.) 2 Stiick 

6. Hydrobia ventrosa (Mont.) in Mepge 

7. Hydrobia obtusa (Sandbgr.) haufig 

8. lliocypris tribullata (Lkls.) haufig 



— 48 — 



Diluvium. 



9. CytheHdea MuUeH (Mztr.) hftufig 

10. Cytheridea sp. 

11. Knochen und Wirbel von Percoiden, wahrscheinlich zu 

Perca moguntma geh5rig. 

' Gleichartige Ablagerungen (mit denselben Konchylien), die 
jedenfalls zusammen in Verbindiing zu bringen sind, .waren be- 
reiU aus nachster Nalie, der Cronberger- und Wohler- 
strafie bekannt. 

Alle diese Tonschichten waren mehr oder weniger von 
diluvialen Sanden bedeckt. Unter der Bockenheimer Land- 
atrafle wurde der blaue Letten bei etwa 7 m unter Terrain 
angetroffen, ein hellgelber, nach unten brauner, etwas lehmiger 
Sand, mit wenig grobem GerolV) bildet hier das Hangende der 
Tertiarschichten. Weiter nach Norden nelimen diese Sedimente 
betrachtlich an Machtigkeit ab. An der Cronberger StraBe 
wird der Letten kaum noch von 1 m Diluvium bedeckt, um 
nachher in der Nahe der B'riedriclistraBe (Kanaltiefe 6,50m) 
vollstandig darunter zu verachwinden. 



Obere 
Ceritliien- 
schichten. 



II. Aiifschlufi beim Kaiialbau in der WaldacbmidtHtrafie 
Ewischen Wittelabacher-AIIee iind Sandweg. 

Gelbe bis griine, fettig sich anfiihlende, sandfreie Letten 
mit massenhaften kleinen gelben Kalkkonkretionen. Eigentliche 
Mergelbanke f ehlen ganz, und treten an deren Stelle „ o 1 i t h - 
La gen", wie solche schon ofters von mir in den Cerithien- 
schichten u a. in der RendelerstraBe und am Grethenweg 
aufgefunden wurden. Fossilien treten nur in diinnen, nach- 
traglich durch Faltung stark verbogenen Lagen auf. Auch hier 
ist, wenn man, wie im vorerwahnten AufschluB, derselben 
Schichteneinteilung folgt, der ^obereCerithien-Horizont" 
erreicht, was mit den friiheren Ergebnissen der Aufschliisse in 
der ZeiBel-, Kosel-, Neuhof-, Burg- und Eichwald- 
straBe iibereinstimnit. 

Im Tertiar gesaramelte Fossilien: 



*) Durch verschiedene Fnnde vonZilhnen des Ekpha.% lyrimigenUis charak- 
terisiert, zieht sich diese mitteldilnviale Tenrasse durch den ganzen Westen 
Frankfnrts langs der Bockenheimer Lands trafie nach Bockenheim. 



— 49 — 



1. Tympanostomtis conicus (B5ttgr.) 1 Sttick 

2. Paludina phasianeUa .(B5ttgr.), in Bruchstiicken hslufig 



3. Congeria Brardi (Fauj. sp.) 

4. Neritina fluviaiUis (L.) 

5. Hydrobia obiusa (Sdgr.) 

6. Corbicnla Faujasii (Desh.) 

7. Mytilus Faujasii (BrongD.) 

8. Oiolithus 

Die Tertiarschichten wareu 
voQ diluvialem Sand iiberlagert. 



in Menge 
3 Stuck 
selten 
2 Stuck 
in Bruchstiicken 
6 Stiick 
hier meist iiur 20 bis 30 cm 



Diluvium. 



III. Aafschlufi beim Ban der Wasserleitung im 
Braunfelsgaficheu am Halnerweg. 

Hellgelbe Kalke, erftillt mit Congeria Brardi und Stein- 
kernen von Potamides plicatus, Tywpanoiovms sub^naryaritaceus 
ist sehr selten. 

Das Diluvium besteht aus eiuer Schicbt von im Maximum 
20 cm Sand, der wahrscbeinlich von der Hohe abgescbwemmt ist. 



Cerithiei- 
scliioliten. 



Diluvium. 



IV. Anfschlufi beiiti Kanalbaii in eiuer neuen Stral^e zwischen 
tirethenweg, Darmstadter- uud Morfelder Landstrafie. 

In der Kanalsoble miirbe, hellgelbe Kalke mit Corbicnla 
Donacina und Cerithium submagaritacenm, beide meist in Stein- 
kernen erhalten. Ks folgten etwas hartere Oolith-Banke, 
Lagen mit Hydrobia inflata und zuletzt lichtblauer, dichter 
barter Pels,') erfi\llt mit Corbicnla Faujasii. im prachtigen 
Schmuck ihrer schneeweiBeii Schale. Die Harte des Gesteius- 
materials machte hier tiberall die Sprengung desselben notwendig. 

Im Tertiar gesammelte Fossilien: 

1. Tyinpanoiomns submargaritaceus (Bttgr.) selten 

2. Potamides plicatics var. pnsinlata (Al. Br.) selten 

3. Congeria Brardi (Fauj. sj).) haufig 

4. Corbicnla Donaeina (Al. Br. sp.j haufig 



Cerithien- 
schichten. 



') Dieee Bank mit Corhindn Faujasii bildet meist das Zwisohenglied 
der ^Hjdrobien-** and ^(yerithienschiohten'', wfthrend (\trbinda Dtmarina sicher 
Dur die letzteren charaliterisiert. 

4 



— 60 — 



Diluvium. 



5. Corbicula Faujasii (Desh.) sehr hftufig 

6. Hydrobia inflata (Fauj. sp.) . hftuflg 

7. Hydrobia sp. 

8. Stenomphaliis ca^icellatus (Thorn, sp.) 1 StQck. 

9. Helix mognntina (Desh.) hslafig 
Stellenweise war das Diluvium als eine diinne Sanddecke, 

uutermengt mit den Verwitterungsprodukten des Kalkes, aus- 
gebildet. 



Uitere 
Hydroblen- 
sohlohten. 



Y. Aiifschlufi beim Kanalbau in der Homburgerstrafie 
zwischen Adalbertstrafie und Terl&ngertem Kettenhofweg. 

Graue bis blaue, selten gelbe, geschichtete sandige Letten, 
durchwachsen von versinterten Algeustocken. Wunderbar zarte 
Bildungen waren es, die die im Wasser lebenden Tiere, wie in 
einem Netz festhielten. Pseudamnicola Ruppelli^ Hydrobia ahirensis 
und Planorbis dealbatm wurden nur in den AlgenknoUen selbst 
angetroffen und konnten erst durch Zerschlagen daraus entfernt 
werden. AuBerdem batten sich zwei Spezies Ostracoden in 
den vorhandenen Hohlraumen zu Milliarden angesiedelt. Was 
die Landkonchylien anbetrifft, so sind sie fast allein an eine 
dunneSchichtlage gebunden, die ausschliefilich aus dem „ Detritus*^ 
der.Sinterbildungen besteht. Wie in den frtiheren Fundstellen 
in der Nahe der Gruneburg und der Schleusenkammer 
zu Niederrad,*) befindet sich diese merkwlirdige Flora dicht 
am Eande der Basaltdecke, durch warme Quellen oder noch 
stattfindende Kohlensaure-Exhalationen in ihrem Wachstum be- 
gtinstigt *) Etwas mehr als 50 m entfernt, an der Ecke der 
Schlofi- und AdalbertstraBe, wurde der Basalt, stark zu einem 
fetten, grunlichen Tone verwittert, in seinen letzten Auslaufern 
nach SUden angetroffen. 

Die nachsten ahnlichen miocanen Ablagerungen mit der- 
selbeu Fauna wurden in der Nahe des Bockenheimer Babn- 
hofs sowie bei einer Bohrung in der Dondorfschen Fabrik 
an der Bockenheimer LandstraBe gefordert. 

») Senckenberg. Bericht 1884. S. 219—280. 

*) Noch jetzt scheinen die Krafte der Tiefe in der N&he der alten 
BasaltergUsse nicht zur Rahe gekommen zu sein, denn eioe bei Erweitemng 
des Klarbeckens ktirzlich erbohrte Quelle tritt mit 15^R. W&rme zuUge. 



ytfflhof-wg^ 



Schnitt NortlsSiid 

lan^derHomburger-Slrassr 



Adalhert-Sfrasse 



Im Tertiiii- gesammelte ITossilJen.') 

1. Psettdamnicola liilppeUi (Bttgr.) z. zalilieich 

2. Pla?torl»s dealhaluii (Al. Br.) 2 Stuck 

3. Htjdrobia aluretisis (Noul.) 3 Stlick 
4a. Vailonia lepida (Rss. s]).) 2 Stiick 
4b. Vailonia Sandbergeri (Desb.) 1 Stiick 

5. Strofnlua uniplicatus {Kl. Br.) 

v&x.semiplicata (Bttgr.) ca. 12 Stiick 

6. Helix Kinkelini (Bttgr.) 3 Stuck 

7. Hyalinia n, sp. 1 Sttick 

8. Leucochilus nouUtiamim (Dup.) 

\a.r. yracilidetis (Sdbgr.) in Menge 

9. Pupitla cupella (Bttgr.) ca. 12 StUck 

10. PupiUa impressa (Sdbg.) 1 Stiick 

11. Vertigo blumi (Bttgr.) 1 Stiick 

12. Vertigo angtiUfera (Bttgr.) zaiilretch 

13. Vertigo callona (Rss.) yur.alheoilus (Silbgr.) zabUeich 

14. Islmia cryptodm (Al. Br.) ii. selten 

15. Cijpris aglutinans (Lkls.) biiufig 



■J Nftcbricht«D-Bl&U d. D, m&laltoiool. Ues. 



— 62 — 

16. Oyprtdopsis Kinkelini (Lkls.) h&uflg 

17. Fischwirbel 1 Stttck 

18. Ein Frtichtchen 

Oeocarpus miocd7ii€us (Kink.) zahlreich. 

Diluvium. 2,50 m Sand und Kies bildeten eine gleichm^fiige Diluvial- 

decke ttber diesen Schichten, wurden aber sclion vor Jahr- 
zehnten abgehoben und fttr Bauzwecke verwaudt. Nach Norden, 
an der Ecke der Jordan- und Homburgerstrafie (siehe Profil) 
macht sich plotzlich eine tiefe Erosionsrinne geltend. Bei beinahe 
7 m Tiefe fand sich noch keine Spur von Terti8.r, auch waren 
die Kiesschichten trocken wie oben, das direkt Hangende des 
Lettens, die wasserfiihrende Schicht, noch lange nicht erreicht. 
Es wird derselbe alte Mainlauf sein, welcher der benachbarten 
Grofien Sandgasse, der jetzigen GroBen Seestrafie, 
ihren Namen gab.^) 



YI. Aufschlflsse beini Kanalbau an der Ecke der Miquelstrafie 
und Eschershelmer Landstrafie sowie einlgen Seitenstrafien 
der Holzhausenstrafie (Hynsperg-, Cronstettenstrafie etc.). 

Untere Graue bis blaue, geschichtete, sandige Letten, zum Ver- 

Hydrobien- ^echseln ahnlich denjenigen von der Homburgerstrafie. 
8c c en. ^jj^g ^^^ j^^^ erwahnte kSLme auch hier zu seinem Recht. 
Nur kann man hier weniger von Algen-Stocken reden; ninde 
versinterte Algenknollen von ca. 1 Zentner Gewicht liegen un- 
regelmafiig in dem gebanderten Letten. Weiter vom Basal t- 
rande entfernt, fristeten die pflanzlichen Lebewesen hier nur 
ein kiimmerliches Dasein. Zugleich rait dem Hinsiechen der 
Kalkalgen nimmt die Fauna der eingeschwemraten Landkoncbylien 
ab, um weiter nach Osten zu voUig verloren zu gehen. Tech- 
nisch wichtig sind diese zelligen Sinterbildungen, indem sie eine 
gauze Gegend trainieren konnen und die aufgenommenen Wasser- 
massen fortleiten wie in einem Rohr. Eine der alten Frankfurter 
Wasserleitungen, die in den Jahren 1828—1834 ausgeftihrte 
Knoblauchs-Galerie verdankt diesem Faktor ihre Entstehung. 



^) Der Fund von Mammnt-Resten, kanm 600 m von hier entfernt and 
in nngef&hr gleicher Meereshdhe, an der SoInisstraBe (Germaoia) I&fit nns 
auch hier die Terrasse mit Elephaa primigenius vermnten. 



— 63 — 

Recht ansehnliche Wassermengen waren es, welche hier ge- 
f5rdert werden moBten. urn wUhrend des Mauerns die Kanal- 
sohle trocken zu legen. H5ren die AlgenbildungeD auf, was 
so ungef&hr in der Nahe der Hynspergstrafie erfolgt, 
so stellt sich alimUhlich wieder der gelbe fossilleere Let ten eiD, 
wie er bei den Strafienbauten an der Hansa-Allee und in 
deren Nahe iiberall zum Vorscbein kam. Nach Nordosten, in der 
Richtang auf den Friedhof, treten feinst geschichtete Cy pr is- 
le tten (Oypris agluiinans) von groBer Maditigkeit in den 
Vordergrund. 

Im Tertiar gesammelte Fossilien: 

1. Leucochilus nouletianum (Dup.) 

VKcgrcunlidens (Sdbgr.) 2 Stiick 

2. Isimiu crypiodtis (Al. Br.) 4 Stlick 

3. Vertigo angulifera 3 Stiick 

4. Vallofiia lepida (Rss sp.) 1 Stiick 

5. Pseudamtiicola Riippelli (Bttgr.) 1 Stiick 

6. Oypris aglutinans (Lkls.) in Menge 

7. Zwei groBe Stammstiicke var. Walchia aus dem Rotliegenden. 
Uberall in dem Gel&nde zwischen der alten Frankfurter Diluvium. 

Gienze, der Eschersheimer und Eckenheimer LandstraBe werden 
die miocanen Schichten von einer oft nur wenige Zentimeter 
machtigen LoBdecke iiberlagert. Meist entkalkt, entbehrt sie 
vollstandig der Fossilien. Nur an einer Stelle, wo die Schicht 
etwas machtiger ausgebildet an der Ecke der CronstettenstraBe 
und Eckenheimer LandstraBe, konnte ich in den iinteren Lagen 
die zwei typischen LoBkonchylien Fvpa mnscmum und Succmea 
oblonga sammeln. 

Eine merkwiirdige Diluvialersclieinung, wie sie schon 
Professor Kinkelin in seinen „Tertiar- und Diluvial- 
bildangen'' pag. 48 aus der Nahe der Friedl)erger Warte 
beschreibt, hatte ich Qelegeuheit, auch hier zu beobachten. Eine 
gelbe Sandader mit ziemlich starker Wasserfiihrung zog sich 
wie ein Keil durch die miocanen Ablagerungen. Bei dem Kanal- 
bau an vei^chiedenen StraBen meist im Querprofil durch- 
schnitten, hatte sie im Westen sowohl an der Eschersheimer 
LandstraBe wie an der Hynspergstrafie eine Breite von un- 
gefahr 6 ra, ostlich rednzierte sich dieses MaB auf etwa 2Vs m. 
Uberall bei diesen Aoschnitten, zeigt auch hier der zahe Letten 



— 54 — 

keinen scharfen Abbruch, sondern die oberen Lagen waren nach 
der Tiefe verschleppt und abgesunken. Sicher haben wir es auch 
an dieser Stelle mit Kluften und Rissen im Tertiar zu tnn, die 
vor Ablagerung des L5sses mit diluvialem Sand zugefullt warden, 
w^hrend die gleichaltrigen hober und frei liegenden Bildungen 
der uachfolgenden Erosion zum Opfer fielen. Auf eine weitere 
Erstreckung uber die Eschersheimer Landstrafie hinaus, 
direkt auf den Affensteiner Ifelsenkeller, mithin den 
Basalt zu, scheint der Umstand hinzudeuten, dafi die Keller 
dieses Gebaudes kaum trocken zu halten sind und nach ld.ngerem 
Regen das Wasser, sich darin aufstauend, das Auspumpen durch 
die stadtische Feuerwehr notwendig macht. 



YII. Aufschlufi beim Kanalbau in der Wittelsbacher Allee. 

Obere Uber 5 m machtige Schichten, ausschliefilich von Hydrobia 

Hydrobien- ventrosa gebildet. Das auf der Halde ausgebreitete Material hat 
schichten. ^^^ weitem den Anschein von grobkornigem Sand. Harte, 
dichte, weifiliche Kalke von derselben Entstehung bilden das 
Liegende dieser Sedimente. An manchen Stellen sind die Ge- 
hause der kleinen Hydrobia in Kupferkies tibergeftthrt, der sich 
dann spilter, durch Vermittlung des Wassers, in Kupfervitriol 
oxydierte und das umgebende Gestein blaugriin farbte. Algen- 
kalke treten hier und da auf, sind aber nur in DtinnschliSen 
als solche zu erkennen. 

Im Tertiar gesammelte Fossilien: 

1. Hydrobia vmtrosa (Mont.) in Menge 

2. Helix stibcannata (Thom.) 2 Stiick 

3. Helix Kinkelini (Bttgr.) ? 1 Sttick 

Diiuvium. Sand bedeckte nur in diinner Lage in der Nslhe der alten 

Klickerbahn die erwahnten tertiaren Schneckenschichten. 
Schon beim Umwerfen der dortigen Pflanzeniander kamen sie 
unter dem Spaten des staunenden Gartners zum Vorschein. 
Eine machtige Diluvialbildung stellt sich erst gegen Nordost in 
der Nahe der ScheidwaldstraBe ein, nimmt aber bald se 
an Machtigkeit zu, dafi die Kanalsohle (6,50 m Teufe) das 
Tertiar nicht mehr erreicht. Diese hellgelben Sande auf dem 
Rode r berg gehoren dem aitesten Diluvium im Weichbilde 



— 56 — 



Frankfarts, der Hosbacher Stnfe mit „Elephas antiqntis" an 
und kaben ein Aquiyalent in der gleichen Bedeckuug des Sachsen- 
hftiiser Bergs, beim Friedhof und an der Isenburger Warte. 



Till. Aufnchlufi bei einem Hausbaa in der Hanauer Land- 

strafie, Ecke Holder! instraiie. 

Gelbe und braune, gebanderte, in Wasser leicht zerfallende, 
mulmige Letten, zum grofiten Tell aus ,JIydrohia ventrosa^^ 
bestehend. 

Ira Tertiar gesammelte Fossilien: 

J. Hydrobia venirosa (Mont.) in Menge 

2. Hydrobia alurensis (Noul.) 2 Stiick 

3. Vallonia Sandbergeri (Desh.) 1 Stuck 

4. Massenh'afte Reste einer unbestimmbaren groBen Helix-Art, 

5. Fisch-Reste. 

Das Diluviura ist nur in geringer Machtigkeit, als 0,70 m Diluviym. 
Kies und Sand abgelagert, was wohl auf die Erosion der mittel- 
diluvialen Schichten durch einen jlingeren Mainarm schlieBen 
laBt. Dagegen wurden gegentiber beim Ban der H older 1 in - 
Schule die vorerwahnten Lettenschichten erst bei 3 m Tiefe 
angetroffen. 



IX. Aufscblali beim Bau der Sachseuhiuser Realsehule am 

Deutsch her rnk ai . 

.... r 4,00 m Lehm erftiUt mit alluvialen Schnecken und 

I Muscheln, Bithynia, Unto, Pisidium etc., 

Diluvium { 0,76 m grober Kies und Sand, Geroll bis faustgroB, 

0,70 m fetter, blauschwarzer Letten, 
0,15 m Schicht, ausschlieBlicli gebildet von „//«/- 

drobia ventrosa^\ 
0,55 m blaugrauer Letten, 

0,28 m Schicht, ausschlieBlich gebildet von „Hy- 
drobia ve?Urosa^^ mit glasklarem Gehiiuse, 
0,60 m Letten, dunkelgrun mit sehr groBen Hy- 
drobien, 

7,03 m. 



Unt. Miocan 



- 56 — 



X. Aufschluli beim Kanalbau in der Brentanostrafie zwischen 

Breutanoplatz und Kettenhofweg. 

1) Brentanostrafie (Kettenhof weg-Eck). 

1,70 m lehmiger Sand, 

80 m hellgelber Sand und Kies, 
2,00 m schwarzer zaherLetten, mitzweiZwischen- 

lagen, von Konchylientrumraern, Fisch- 

resten etc. gebildet, 



Diluvium 






Unt. Miocan 

Hydrobien- 

Schichten 



Diluvium 

Unt. Miocan 

Hydrobien- 

Schichten 



I 
1 



5,50 m. 

2) 25 m weiter nordlich. 

0,60 m etwas lehmiger Sand, 

3,90 m hellgelber Sand und Kies, 

1 ,42 m Letten mit Zwischenschicht von Hydrobien, 

sonst. Konchylientrttmmern und Fischresten 

gebildet, 



5.92 m. 



Diluvium 



3) 65 m weiter nordlich. 

1,10 m etwas lehmiger Sand, 
1,40 m hellgelber Sand, 
3,76 m grober Kies, 



6,26 m. 

Nur 250 m von dem an erster Stelle beschriebenen Auf- 
schluB an der Bockenheimer Landstrafie - Staufen- 
straBe entfernt und 2 m tiefer gelegen, entsprechen hier die 
schwarzen Letten einem hiiheren Horizont, den Hydrobien- 
schichten. Starke Faltung hat hier wie im Hafenbau-Gelande 
diesen grofien Niveauunterschied von wenigstens 25 bis 30 m 
veranlaBt. 

Im Tertiar gesammelte Fossilien: 

1. Melanopsis callosa (Alb. Br.) 1 Stiick 

2. Neritina fluviatilis (L.) 3 Stftck 

3. Co?igeria Brardi (B^auj. sp.) 2 Stack 

4. Hydrobia ventrosa (Mont) h&nflg 

5. Limnetis sp. 1 Stiick 

6. Zahlreiche B'ischreste, darunter ein voUst&ndiger Unter- 

kiefer von „Perca moguniina^^. 



— 57 — 

Auch hier gehoren die iiberlagernden Sand- und Kies- Dilnvinni. 
Schick ten derselben frtibererwahnten Terrasse mit ^^Elephas 
primigenius^' an, die zwischen 5 und 10 m machtig, das ganze 
Gelande zwischen Kettenhofweg und Bockenheimer 
Landstrafie bedeckt 

XI. Aufschlufi bei einem Neubau am Warenhaus Schmoller, 

Ecke Zeil nnd Schafergasse. 

Blaugraue und griinliche, sandige Letten, Wechsellagern Untere 
mit schwarzen, bitumin5sen, geschieferten Tonen. Die sandigen Hydrtblen- 
Schichten sind sehr fossilreich, doch nur ein geringer Prozent- 
satz der Versteinerungen ist gut erhalten. An einigen Exemplaren 
von „Melanopsis callosa^ sind die natiirlicheu Farben erhalten. 
Ahnliche tertiare Ablagerungen (mit Melanopsis) waren beim 
Ban des Hauses Mozart auf der Zeil (gegenuber der Liebfrauen- 
strafie) von Herrn Professor Bottger seinerzeit aufgefunden 
worden. 

Im Tertiar gesammelte Fossilien: 

1. Melanopsis callosa (Thorn.) ca.200Stiick 

2. Neritina colli f era (Sdbgr.) ca.lOOStiick 

3. Paludina Oerhardti 1 Stlick 

4. £'mw^rte/aFrawco/>/r/awa Nov. spec. (Bttgr.)') 6 Stiick 

5. Limneus s^ibpalustri^ (Thorn.) 1 Stiick 

6. Hydrobia ventrosa (Mont.) in Menge 

7. Hydrobia inflala (Fauj. sp.) 2 StUck 

8. Congeria Drardi (Brong.) ca. 201) Stiick 
Ungefahr 1,50 m Sand und Kies, mag hier eine allmahlich Diluvium. 

nach Norden machtiger werdende Diluvialterrasse bilden. Beim 
alten Peterskirchhof ist diese bereits 5 m machtig und bedeckt 
auch hier etwas sandig ausgebildete Hydrobienschichten. 

XII. Aufschluli beim Kanalbau in der Oervinusstrafie^ 
zwischen Leerbacli- nud Koruerstratie. 

Grauer, lehmiger, kalkfreier Sand ohne Fossilien. Kanten- 
gernndete Quarzkorner bilden fast den alleiuigeu Schlaram- 
r&ckstand. Weifigraue Sande, nach unten oft rot und gelb ge- 



') Nachrichtenblatt d. D. Malakozool. Ges. 1904, pag. 100. 



— 58 — 

flammt, waren es, welche anch bei dem Graben eines Brannens 
am verlangerten Taubenbrunnenweg (beim FeldschUtzenhiluscheu) 
zutage gefordeit wurden. Ahnliche Sedimente sind in ITrankfnrts 
Mauern bis jetzt noch nicht angetroffen worden, nur die beim 
Bau des Klarbeckens aufgeschlossenen Sande (Ober-Plioc^u) 
kouute man allenfalls zum Vergleich heranzieheu. 
Diluvium. Nach oben gehen diese Schichten (Gervinusstrafie) obne 

raerkliche Grenze in einen graubraunen Schlick liber, der eine 
ziemlich reichlialtige alluviale Fanna einschlieBt. Sie schliefit 
sich eng derjenigen an, die Herr Professor Kinkelin an der 
Ecke des Oederwegs nnd dem Adlerflychtplatz in schlichigem 
Sand auffand, und die Herr Professor B5ttger im Nachricbten- 
blatt d. D. Malakozoolog. Ges. 1889, pag. 187 beschrieb. 



— 59 — 



Die Eier der Tardigradeii. 

Von 

Professor Dr. F. Rlchters - Frankfurt a. M. 

Mit Tafel IV nnd V. 



Die Tardigraden legen ihre Eier entweder frei ab oder in 
einer bei der Hautang in toto abgestoBenen Cuticula. Der letztere 
Modus der Eiablage ist der haufigere. tJber die Eier der beiden 
marinen Tardigraden-Gattungen Echiniseoides und Lydella sind 
wir nicht unterrichtet. Von den zwanzig Arten der Gattung 
Eckiniscns kennt man die Eiablage von neun Arten; samtlich 
erzeugen sie Gelege in Cuticulis ; ebenso verlialten sicb die Genera 
Mihiesiam und Dip/ioscan; von dem Genus Macrolnotus kennen 
wir dagegen ftinf Arten, die ihre Eier frei ablegen, fiinf, die 
Gelege in Hauts&cken erzeugen, wahrend von zwei Arten iiber 
diesen Punkt nichts bekannt ist. 

Alle Tardigraden-Eier, die in Hautsacken abgelegt werden, 
haben eine glatte Eiscbale; die frei abgelegten sind mit sehr 
verschieden gestalteten Haf tapparaten ^) verseben, denen zweifellos 
die Aufgabe zufallt, zu verhuten, da6 durch Regenwasser die 
Eier aus dem Moosrasen ausgewaschen und an Orte mit un- 
gunstigeren Existenzbedingungen gefUhrt werden. Die in Haut- 
sacken abgelegten Eier bediirfen dieser Schutzvorrichtungen 
nicht, da die Cuticula die zahlreiclien Krallen des Tardigraden 
tragt, welche die Haftapparate vollkomraen ersetzen. 



') Die frei abgelegten, kugeligen Eier eines von mir w&hrend des 
Drackes dieser Zeilen in Moosrasen vom Ganssberg, 66 <^ 50' 5 '' s. Br. (leg. 
VanhOf fen) anfgefandenen, neuen Macrobioten, den ich als Macroh.antarctictis 
beschreiben werde, baben keine Haftapparate; die Oberflache derselben ist 
offenbar klebrig, denn man findet sie entweder an Moosblattcben angebeftet 
oder mit GMteinstrttuimern nnd sonstigem Detritus beklebt. Hierdnrcb ist 
Ersatz fiir die feblenden Haftapparate geschaffen. 



— 60 — 

Im Nachstehenden soil nan zusammengestellt werden, was 
wir zurzeit fiber die Eier der einzelnen Tardigraden-Arten wissen. 

Gattang Echiniscas. 

Soweit bekannt, bei neun Arten, Eier in Hauts£lcken ; die 
Eier sind bald mehr kngelig, bald oval. 

1840. Echiniscus Delleimanni C. A. S. Schultze. 

Gelege 5 bis 8 Eier^ 7s« engl. Linien. 
1840. EchiniseU'S spinulosus Doy^re. 

Annales des sciences nat. 11. ser. Tom. 14, pag. 281 
pi. 12 fig. 9. 

Gelege unbekannt. 
1840. Echiniscus testudo Doyfere. 

Ann. loc. cit. pag. 280 pi. 12 fig. 1—3. 

Eier kugelig oder ein wenig oval, undurchsichtig, 
brannrot, 0,07 bis 0,08 mm, in Cuticula; Zabl anbekannt. 
1840. Echiniscus granulatus Doyfere. 

Ann. loc. cit. pag. 282. 

Gelege unbekannt. 
1840. Echiniscus biunyuis C. A. S. Schultze. 

In „Echinisciis Bellennanni C. A. S. Schultze Berlin 
1840". 

Gelege unbekannt. 
1854. Echinisms victor Ehrenberg. 

Ehrenberg, Mikrogeologie Taf . 35 B. 

Gelege unbekannt. 
1854. Echinisais arctomys Ehrenberg. 

Ehrenberg, Mikrogeologie Taf. 35 B. 

Gelege von mir in Deutschland und Spitzbergen be- 
obachtet, 2 oder 4 Eier, fast kugelig, ca. 48 |i. Taf. IV Fig. 1. 
1861. Echiniscus OrepHni C. A. S. Schultze. 

Gratulations-Schrift, Greifswald 1861. 

Gelege unbekannt. 
1889. Echiniscus filameniosus Plate. 

Zoolog. Jahrb. Bd, III. Morph. Abt, pag. 632. 

Gelege unbekannt. 
1889. Echinisctis mtiseicola Plate. 

Zool. Jahrb. loc. cit. 



— 61 — 

Geleg^e, von mir bei Frankfurt a. M. beobacbtet, ent- 
halten 5 koglige Eier, yon ca. 75 |i Dnrchmesser. 
1889. Echinisctis aculeatus Plate. 

Zool. Jahrb. loc. cit. 

Gelege unbekannt. 
1889. Echiniscus simiUs Plate. 

Zool. Jahrb. loc. cit. 

Gelege unbekannt. 
1902. Echiniscits scrofa Richters. 

Bericht der Senckenbg. Ges. 1902 pag. 9 Taf . 1 Fig. 2. 

Gelege unbekannt. 
1902. Echiniscus quadrispinosus Richters. 

loc. cit. Taf. I Fig. 1. 

Gelege 4 bis 6 Eier. 
1902. Echiniscus inermis Richters. 

loc. cit. Taf. I Fig. 3. 

Gelege unbekannt. 
1902. Echiniscus Duboisi Richters. 

loc. cit. Taf. I Fig. 4. 

Gelege 2 ovale Eier, groB. Durchm. 48 |i. 
1904. Echiniscus Blumi Richters. 

Fauna arctica Bd.III pag. 499 Taf. XV ¥\gA. 

Gelege 4 kuglige Eier, 80 [x. 
1904. Echiniscus Wendli Richters. 

Fauna arctica Bd.m pag. 499 Taf. XV Fig. 3. 

Gelege 4 ovale Eier, 48 |i. 
1904. Echiniscus Oihonnae Richters. 

Fauna arctica Bd.III pag. 499 Taf. XV Fig. 4. 

Gelege 5 kuglige Eier, 64 pi. 
1904. Echiniscus merokensis Richters. 

Fauna arctica. Bd.III pag. 500 Taf. XV Fig. 5. 

Gelege unbekannt. 



Oattung Milnesium. 

Eier in Hauts&cken. 
1840. Milnesium tardigradum Doyfere. 

Annal. d. sc. nat. Paris. II. ser. Tom. 14 pag. 282 
pi. 13 fig. 1. 



-. 62 — 

Doyire hat nur zwei Gelege gesehen, das eine hatte braun- 
rote Eier, das andere farblose ; 0,07 bis 0,08 mm kleiner Durch- 
messer, 0,08 bis 0,09 grofier Durchmesser ; die Gelege enthielten 
ftinf Eier. 

Ich habe sicherlich bei weitem mehr als bundert Gelege 
von den verschiedensten Lokalitaten (Mittel-Europa, Spitzbergen, 
Java) gesehen; sie batten ausnahmslos farblose Eier; die ge- 
ringste Anzahl der Eier war, auf Spitzbergen, 3, die gr5Bte 15; 
auch bei Frankfurt beobachtete ich 14 Eier in einem Gelege, 
auf Java 5. Taf.IV Fig. 2 zeigt die Abbildung eines lehrreichen 
Praparats eines Milnesinm^ das in seine abgestofiene Cuticula 
6 Eier gelegt hatte und gerade im Begriff war, den Hautsack 
zu verlassen, als ich es mittels EssigsSlure abt5tete. Bemerkens- 
wert ist an dem Bilde die Kleinheit der Blutkorperchen ; die- 
selben sind zweifelsohne durch die vorhergehende Eiproduktion 
derartig reduziert. Die Tiere mi'issen eine relativ ungeheure 
Menge Reservenahrung in ihren sogen. Blutkorperchen depo- 
nieren, um gleichzeitig das Material zu 15 Eiern abgeben zu 
konnen, und rd,tselhaft ist es aufierdem, wie das Tier bei der 
Eierablage noch Platz neben einer so grofien Anzahl so grofier 
Eier in dem Hautsack findet. (Vgl. iibrigens Taf. I, Fig. 4.) 
Die Platesche Auffassung der sogen. Blutkorperchen als Fett- 
korper findet eine htibsche Bestatigung durch die Auffindung 
von Lutein in den Blutkorperchen des Macrobiotus coronifer 
(B^auna arctica, Bd.III pag.498), eines gelben Farbstoffes, der 
ira Eigelb, corpus lutcmn der Saugetiere, vielen Fettgeweben 
(Pferdefett etc.) und anderen Reservestoffen vorkommt. 



Oattung Diphascon. 

Eier in Hautsacken. 
1889. Diphascofi chilenense Plate. 

Zool. Jahrb. Bd. III. Morph. Abt. pag. 537. 

Plate ^ufiert sich liber Eier und Eiablage von Diphascon 
nicht ; er war erstaunt uber die GroBe der Dottermasse, die er 
in einem Tier fand und liefi es dahingestellt, ob dieselbe wirk- 
lich nur zur Bildung eines einzigen Eies dienen sollte. 

Ich fand unter Exemplaren aus dem Taunus eins, das 
diese Zweifel 15ste. Das Tier, von 208 (a Lange (Taf. IV Fig. 3) 



— 68 — 

batte ein ca. 60|i im Darchmesser halteDdes, nahezu kugeliges 
Ei in eine abgestofiene Cuticnla gelegt und lag selbst noch 
neben demselben. 

1904. Diphasean spitxbergense Richters. 

Fauna arctica. Bd. Ill pag.506. 
Gelege von 2 Eiern ; farblos ; grofiter Darchmesser 78 (i, 
kleinsier Darchmesser 60 (i. 

Gattang Macrobiotus. 

A. Eier in Haats£lcken. 

1838. Macrobiotus mac7onyx Doyfere. 

Ann. d. sc. nat. Paris. II. ser. Tom. 10. 

Doyfere gibt nichts fiber Form, Zahi und Grofie der Eier 
an, sondern nur, dafi sie in Hautsacken abgelegt werden ; Plate 
bemerkt: in grofierer Zahl; Greeff gibt 20 bis 30 Eier an. 

Taf.IV Fig. 4 zeigt ein Gelege von 12 Eiern aus dem 
Bach des Kopperner Tales im Taunus. 

1839. Macrobiotus Oberkduseri Doyere. 

Ann. d. sc. nat. II. ser. Taf. 14 pag. 286 pi. 14 Fig. 11. 

Uber die Eier des Oberkduseri sagt Doyire : Die farblosen 
Eier sind kugelig, Darchmesser etwa 0,06 mm ; ihre Schale ist 
mil dicken, knrzen, stumpfen Warzen besetzt, die dem Ei genaa 
das Ansehen einer Himbeere geben. 

Die Abbildung, pi. 14 Fig. 15 briugt diese Beschreibung 
nicht sonderlich zum Aasdruck; die Eier erscheinen nach der- 
selben wie mit Kugeln, aber nicht wie mit Warzen besetzt. 
Greeff meint: „Das, was Doyfere als das Ei von M, Oberkduseri 
abbildet, scheint ein anreifes, noch nicht abgelegtes Ei zu sein, 
das rait Farchangskugeln erfnllt ist, bei dem aber die eigen- 
tumliche Bildang der Eischale noch nicht vorhandeu ist.^ 

Ganz abweichend von Doyere ist Greeffs Abbilduug und 
Beschreibung des Oberkduseri-Kies. Er sagt: „Die Eier sind 
kugelig und haben ca. 0;06 mm im Durchmesser. Die auBere 
Eischale ist dicht bedeckt mit feinen, nicht starren Stacheln.'^ 
Leider sagt Greefi nicht dabei, woraus er die Zugehorigkeit des 
Eies zu M. Oberkduseri erkannt hat. Bei frei abgelegten Eiern, 
und um solche handelt es sich ja hier, nach Greeff, mufi man 
entweder den Macrobiotus aus dem Ei haben liervorkonimen 



— 64 — 

sehen oder man roufi das Ei im Muttertier beobachtet haben. 
Dafi man bios eine Macrobiotus-Art wiederholt mit gewissen 
Eiern zusammen gefunden, ist noch kein fester Beweis. 

Ich bin genotigt anzanehmen, dafi auch Greetf sich in 
diesem Fall geirrt hat. Die stacheligen Eier (wenn anch nicht 
mit ganz so vielen Stacheln), welche er beschreibt and abbildet, 
kenne ich aus h^ufiger Anschauung, aus Deutschland und Spitz- 
bergen; es ist mir aber nie gelungeu, ihre Zugehorigkeit zu 
eruieren. Ich habe sie wiederholt monatelang im hangenden 
Tropfen beobachtet, habe sie aber nie zum Ausschltipfen bringen 
konnen. Sie sind zartschaliger und glasiger als frei abgelegte 
Tardigraden-Eier ; ich haite sie tiberhaupt nicht ftir solche. 

Macrobiolus Oberkduseri ist nach meinen Beobachtungen 
keine Art, die frei ablegt, sondern Gelege in Hautsacken er- 
zeugt. Vom Brunhildisstein aaf dem Feldberg im Taunus habe 
ich zwei, von Bellaggio, Villa Serbelloni, ein Gelege, die so 
typisch die eine, fast fadenformige Kralle an den Beinpaaren, 
durch welche Oberhdnseri charakterisiert ist, zeigen, dafi man, 
auch ohne PrUfung des Schlundkopfes, nicht zweifelhaft sein 
kann, mit welcher Macrobiotus-Art man zu tun hat. Das 
Bellaggio-Exemplar zeigt aufierdem die bei Oberhduseri hauiig 
auftretende, kiaftige Granulation der Caticula des Hinterleibs. 
Die Gelege enthalten 2 oder 4 Eier. (Taf.lV, Fig. 6.) 

1866. Macrobiolus tetradactylits Greeff. 

Max Schultze, Arch. f. micr. Anat. Bd. II pag. 119 

Taf. VII Fig. 13. 

Greeff berichtet von Gelegen mit 4 ovalen Eiern. 

Ich habe deren 2, 4, 6 und 8 (Taf. IV Fig. 5) angetroffen ; 
kleinster Diirchmesser 60 (a, grofiter 75 (i. Zweinial fand ich 
Gelege von 2 Eiern (Spitzbergen, Falkenstein i. T.), neben denen 
sich noch das Muttertier in der abgestofienen Cuticula befand; 
in den Eiern aber war der gekriimmte Embryo schon deutlich 
erkennbar. Was das Muttertier veranlassen kann, noch lange 
Zeit nach der Eiablage in der Cuticula bei seinen Eiern zu 
verharren, wobei es doch auf Nahrungsaufnahme verzichten 
mufi, ist schwer zu sagen. 

1900. Macrobiohis omains Richters. 

Bericht der Senckeubg. Ges. 1900, pag. 40 Taf, VI. 



— 66 — 

Uas Gelege dieser jetzt yom St. Gotthardt bis Smeren- 
burg (NW-Spitzbergen) bekannten, hochst zierlichen Form, 
(Taf.IV Fig. 7), besteht nach meinen und Schaudinns Beob- 
achtuDgen stets aus 2 kugelformigen Eiern von ca. 50 |i Durch- 
messer. 

1902. Macrobioius Saiileri Richters. 

Berichtd.Senckenbg.Ge8. 1902, pag.l2 Taf.II Fig.l. 
Die Gelege, welche ich beobachtete, (Taf.IV Fig. 8), ent- 
liielten ebenfalls stets 2 ovale Eier, kleinster Durchmesser 33 (i, 
gr66ter Durchmesser 45 ji. Die Cuticula dieser Gelege ist be- 
sonders gut geeignet, das charakteristische Merkmal dieser Art, 
die gefelderte Cuticula, zu zeigen. 

B. Eier werden frei abgelegt. 

Die Eier der frei ablegenden Arten sind, mit Ausnahme 
vou M. coronifevy der ein ovales Ei hat, kugelformig. 

1834. Macrobioius Hufelandi C. A. S. Schultze. 
Isis von Oken 1834, pag. 708. 
Ann. d. sc. nat. Paris. II. ser. T. 14 pi. 14 Fig. 8. 

Die Zusammengehorigkeit des von Doyere pi. 14 Fig. 8 
abgebildeten Eies mit Maerob, Hufelandi babe ich wiederholt 
beim AusschlUpfen des Tieres aus dem Ei unter dem Deckglas er- 
kannt. Ich totete das Tier dann gewohnlich mit ganz schwacher 
Essigsaure ab und bin daher in der Lage, die Richtigkeit meiner 
Beobachtung durch ein mikroskopisches Praparat zu belegen. 

Die Haftapparate (Taf. V Fig.l) diirfte man vielleicht, ihrer 
Form wegen, mit umgestl'ilpten Likorglasern oder Eierbechern 
vergleichen. Um den der Eischale aufsitzeuden Rand desGlaschens 
bilden ca. 13 radial angeordnete Leisten einen Strahlenkranz, was 
der Obei-flache des Eies ein hochst zierliches Aussehen verleiht. 
Es muB Wunder nehmen, dafi dem so fein beobachtenden 
Doj'ire diese Skulptur ganz entgangen isi. Bei vollen Eiern 
sieht man sie nicht so gut wie bei leeren Kischaleii, bei denen 
andrerseits wegen des Collapses die Becherchen nicht so hervor- 
treten wie bei dem prallen, vollen Ei. Die Haftapparate, deren 
Form und GroBe kleinen Schwankungen unterliegt, sind nicht 
immer in genau derselben Zahl vorhanden ; man zahlt am Rande 
der Eier ca. 19 bis 27; diese Zahl ist aber nicht ganz leicht 
voUkommen sicher festzustellen, da man oft zweifelhaft sein 



— 66 - 

wird, ob man ein etwas hoher oder tiefer stehendes als rand- 
stilndig auffasseu will. 

Durchweg kommen 4 Eier gleichzeitig zur Reife. Doyere 
fand im Ovarium bis 11 Stiick in Eutwickelung; ich besitze ein 
Praparat mit 15. 

Man findet die abgelegten Eier gewohnlich einzeln, aber 
auch in Gruppen von 2, 3, 4; ein einzigesmal beobachtete ich 
8, die zweifellos ein em Gelege angehorten. 

Sehr selten lindet man sie in Cuticula; Doyere hat dies 
eimnal, ich habe es zweimal beobachtet. Es handelt sich hier 
sicherlich urn durch ganz besondere Umstande herbeigefuhrte 
Ausnahmen. 

1904. Macrobiotiis Hufelandi simplex. 

Fauna arctica. Bd.m pag.502 Taf.XVI Fig. 23. 
Diese Varietal (friiher als Doyiria simplex von Plate be- 
zeichnet) scheint sich von der Stammart auch in ihren Eiern 
wesentlich zu unterscheiden. Die FuBplatten der Becherchen, (Taf . V 
Fig. 2) sind winzig klein und die Haf tapparate viel zahlreicher ; man 
zahlt am Rande gegen 40. Die Zugehorigkeit dieser Eier zu 
der Simplex-Form von Hufelandi habe ich beim Ausschlupfen 
bisher nicht beobachten konnen, wohl aber habe ich zweimal 
solche reich verzierte Eier in Muttertieren gesehen (eine Freude, 
die einem, merkwiirdig genug, so selten bliiht) und wiederholt 
habe ich beobachtet, da6 in Kolonien von Hufelandi und Hufelandi 
simplex die Zahl der von mir beobachteten erwachsenen Tiere 
etwa in demselben Verhaltnis stand wie die Zahl der Eier 
(1 simplex auf ca. 30 der Stammform). Die Eier der Stamm- 
form haben bis 80 (a, die der Simplex-Form bis 95 |i Durchmesser. 

1889. Macrobiotus intermedins Plate. 

Zool. Jahrb. Bd. III. Morph. Abt. pag. 535. 
Plate berichtet nichts uber die Eier dieser von ihm in 
Chile und bei Marburg, von mir im Taunus, auf Spitzbergen 
und in der Antarktis beobachteten Art. Wie das ganze Tier 
eine Miniaturausgabe des Hufelandi ist, so auch die Eier. (Taf. V 
Fig. 7). Dieselben haben ganz den Typus der Huf elandi-Eier, haben 
aber nur 45 (i Durchmesser. Den Haftapparaten fehlt, sozusagen, 
der becherformige Teil, so dafi sie groBkopfigen Nageln oder 
Schrauben ^hneln; man zahlt am Rande etwa 20. Ich habe 



— 67 — 

weder das AosschlUpfen noch das Vorkommen der reifen Eier 
im Muttertier beobachtet ; ein Irrtum aber ist, wegen der Klein- 
heit des Eies UDd wegen des gleichzeitigen Vorkommeiis des- 
selben mit intemiedius an so verschiedenen Fundorten 
so gut wie ansgeschiossen. Auf Possession-Island fand ich zuerst 
die Eier; aus ihnen schloB ich auf das Vorkommen von inter- 
medius^ eine Vermutung, die sich sehr bald bestlltigte. 

Ein einziges Mai habe ich 2 Eier in Guticula gefunden. 

An Hufelandi und intermedius reiht sich eine noch un- 
beschriebene Form an, die ich in Material von Possession- 
Island („GauB"-Expedition) fand. Der Fufi der Eierbecher ist 
lang ausgezogen, die FuBpIatte mit yier abwarts gerichteten 
Domen versehen. Von alien bekannten Macrobiotns-Arten hat 
diese entschieden die wirksamsten Anker. 

1904. Macrobioitis coronifer Richters. 

Fauna arctica. Bd.III pag. 504. (Taf . XV Fig. 8 und 9). 
Die Eier (Taf. V Fig. 6) sind wie die erwachsenen Tiere gelb 
(durch Lutein) und, abweichend von alien bisher bekannten, frei ab- 
gelegten Macrobiotus-Eiern, oval; ihr groBer Durchmesser be- 
tragt 176 (x; sie sind mit einem Pelz HuBei-st spitz endender, 
offenbar nicht sehr starrer Dornen bekleidet, die eine feinkornige 
Oberflache haben. Ich beobachtete das Ausschltipfen des carowi/er 
aus diesen Eiern. 

1904. Macrobiottis granulatus Richters. 

Fauna arctica. Bd.III pag. 505. (Taf. XVI. Fig. 27). 

Die kugelformigen Eier (Taf . V Fig. 5) haben ca. 160(i Durch- 
messer. Sie sind mit Gebilden bedeckt, die durch ihre Form an Ge- 
wiirznSLgelchen erinnern. Ihre Basis ist ein wenig verdickt und 
das obere Ende mit 3 bis 5 nach oben und auBen gerichteten 
Zapfen versehen. 

Die Auffindung dieser Eier lieB mich das Vorhandensein 
einer neuen Macrobiotus-Art vermuten. Spater beobachtete ich 
(lirekt das Ausschltipfen der neuen Form aus diesen Eiern. 

1904. Macrobioitis echinogenitus Richters. 

Fauna arctica. Bd.III pag. 503. 
Sternfftrmige Eier (Taf. V Fig. 3), die ich bereits vor vier 
Jahren wiederholt an verschiedenen Lokalitaten im Tauuus beob- 
achtet hatte, machten mich auf die Existenz einer bisher nicht er- 

6* 



— 68 — 

kannten Art aufmerksam. In Spitzbergen fand ich dieselbeu in 
grofier Zahl und beobachtete an ausgeschlupften Jungen, dafi diese 
Eier einer Form angehoren, die gar leicht mit Hufelandi ver- 
wechselt werden kaun und denn nun audi zweifelloe lange 
Jahre mit Hufelandi zusammengeworfen ist. Ich habe in weit 
liber 20 Fallen, in Deutschland und Spitzbergen, entweder die 
Schlundkopfverhaltnisse der Embrj onen im Ei studieren k5nuen 
Oder das Ausscblupfen unter dem Deckglas beobachtet. Ich 
wiederhole an dieser Stelle, was ich, zunachst iiber die Eier, 
die ich in Spitzbergen fand, in der Fauna arctica schrieb: Die 
Eier sind mit zwiebelkuppelformigen, sehr fein punktierten 
Stacheln besetzt; die Zahl der Stacheln ist sehr wechselnd; 
man zahlt am Umkreis 10 bis 17. Die Eier von Spitzbergen 
messen 75 bis 130|x Durchmesser. Bei Betrachtung einer grofieren 
Zahl derselben fiel mir auf, da6 man, der GroBe nach, drei 
Sorten unterscheiden kOnne, solche von ca. 80, 90 und 130 {i. 
In 18 Eiern war der Embryo so weit entwickelt, dafi ich ihn 
teils im Ei auf den Ban des Schlundkopfes untersuchen konnte, 
teils durch leisen Druck des Deckglases die Eihiille sprengen 
und den Embryo zura Austreten bringen konnte. Da ergab sich 
nun die merkwlirdige Tatsache, da6 aus den drei P^isorten drei 
leicht von einauder zu unterscheidende Varietaten des eckino' 
genitiis hervorkommeu. Unter den J 8 von mir beobachteten 
Fallen war keine Ausnahme. 

Aus den groBten Eiern koinmen (ich beobachtete sechs 
Falle) Macrobioten, bei denen jede Reihe der Chitineinlagerungen 
des Schlundkopfes aus drei groBeren Stabchen, die gleichen 
Abstand von einander haben und einer, oft nur punktfonnigen, 
Einlagerung besteht. Die Krallen sind sehr krilftig, wie bei 
alien echinogenitus (und das ist leider nur der eiuzige, nennens- 
werte Uuterschied von IfufelamU, abgesehen von der ganz ab- 
weichenden Form des Eies), nui* an der Basis verwachsen. Die 
groBere Kralle maB ich bei einem Embryo im Ei bereits zu 
10 (1, bei Erwachseneu bis 25 |i ; die beiden Krallen eines Paares 
bilden einen starken Winkel zu einander, gelegentlich fast einen 
rechten. Aus den Eiern von 9U |jl, die am zahlreichsten sich 
finden, kommt (in neun Fallen beobachtet) die haufigste Varietat 
mit nur zwei grofieren, relativ dickeren und einer kornchen- 
formigen Chitineinlagerung des Schlundkopfes. Die Krallen sind 



— 69 — 

weniger krMtig and bilden einen spitzeren Winkel mit einander. 
Die kleinsten Eier (drei Falle beobachtet) erzeugen eine Form 
mit redazierten Mnndwerkzeugen ; der Scblundkopf, der bei den 
beiden anderen Varietaten oval ist, ist hier kugelformig, ent- 
halt gar keine oder nur durch ganz feine Leistchen angedeutete 
EinlageruDgen, die Zahutrager fehlen und die beiden siibei- 
formigen Messer der beiden anderen Varietaten sind durch 
ganz kurze, gerade Zahnrudimente vertreteu, die zur Nalnungs- 
aufnahme nicht mehr in Beziehung stehen. 

Die Eier Aer ieviischenechinogemtus, die ich beobachtete, sind 
wesentlich kleiner als die von Spitzbergen ; sie messen nur ca. 66 [i. 

Auch in der Form scheint das Ei von echmogeniUis sehr 
zu variieren. In Moosen aus Sud-England (Whitfield bei Dover) 
fand ich kiirziich den cchhwgeniius mit Eiern, die der spitz 
Huslaufenden Stacheln eutbehrten und mit stumpfkegelformigen 
Zapfen besetzt waren. Einen weiteren Schritt der Abrundung 
und Verktirzung dieser Zapfen zeigt die Figur 4 Taf.V eines 
Eies aus dem Taunus, das ich auch fur das eines echinoyenitus 
halte, und den SchluB dieser Reihe bildet das Ei, welches Plate 
Taf. XXII Fig. 28 als das Ei von Ilufelandi abbildet. 

Scourfield (Proceedings Zool. Soc. London 1897) hielt die 
Spitzbergener echinogenitus zweifellos auch fiir Ilufelandf) denn 
er beschreibt die Eier des Tardigraden, den er fur Hiifelandi 
liielt: ^Eggs with conical projections, sharp pointed, not blunt, 
as figured by Plate/ 

Es eriibrigt vielleicht noch, auf die Greeffsche Abbildnng 
des Eies von M. Schulixei hinzuweisen. Diese von Greeff auf- 
gestellte Art ist die augenlose Varietat von 3/. Ilufelandi und 
damit stimmt auch recht gut seine Abbildunt;^, die sich, beim 
Vergleich der Form der Haftapparate am Uande und auf der 
Oberflache, als nicht sehr sorgfaltig erweist; im Text gilt die 
Zeichnung als die des Eies von Ilufelandi, Die Abbildunjr, 
welche Lance (Theses, presentees a la faculte des sciences de 
Paris 1896, pi. Ill fig. 16) von dem Ei des OherhdNseri gibt, di'irfte 
eine Kopie der Doyfereschen Zeichnung sein; Uber die Abbildung 
des Eies von Ilufelandi Fig. 17 enthalte ich mich des Urteils. 



vo — 



Tafel-Erklarniig. 



Taf, !¥• 

Tig. 1. Gelege von Erhinisciis arctomys Ehrbg. 

J, 2, MUnesinm tardigrouium, nach der Eiablage ans der ab- 
gestofienen Cuticnla schliipfend. 

, 3. Dipfiascon chilefiense Plate. Eiablage und Hantung. 

w 4. Gelege von Maerobiotus macronyx. 

„ 5. „ „ , tetradariylu^. 

„ 6. „ y, 9 Oberhduseri. 

„ 7. „ . y, omatus, 

„ 8. „ , , Sattleri. 

Anfier Fig. 1 nnd 7 sind samrotliche Abbildungen vom Lithographen 
nach Photogrammen des Verfassers angefertigt. 



Ht'rd.'^-ncknib. .ValiirfOes 



— 72 - 



Tafel-Erklirnng. 



Taf. V. 

Fig. 1. Ei von Macrobiotus Hufdandi. 

, 2. „ „ » „ simplex. 

„ 3. „ „ „ echinogenittis, 

« 4. , wahrscheinlich von einer Variet&t des M. echinogenitus. 

„ 5. , von Maerohiotus granukUus, 

» 6- » » n eoronifer, 

n 7. , , , intermedins. 

, 8. Erhiniscus amifer nov. spec. 

Fig. t — 7 Bind vom Lithographen nach Photogrammen des Verfassers 
angefertigt. 



Bfr d.Sfiickmh Xiiliirftlfs. MCt. 




— 73 — 



Echiniacua conifer noy. spec. 

Von 

Prof. Dr. F. Richters - Frankfurt a. M. 

Mit Taf . V Fig. 8. 



Auf dem Wage von Lagano nach Gandria stehen hart am 
See Olbaume ; in Lebermoosrasen, die auf diesen wachsen, fand 
ich, Ostern 1902, einen neuen Echiniscus^ der durch den Ent- 
wickelungsgrad seiner Anhange ein besonderes Interesse ver- 
dient. Bei anderen Ecbiniscus- Ai ten sind die seitlicben wie die 
ruckenstandigen Anhange entweder starre Dornen oder bieg- 
same Haare. Diese neue Art hat, wie E, arciomys und We?id(i, 
nur ein laterales Haar jederseits (oberhalb des ersten Bein- 
paares), ein Haar, das keinem Eckiniscus fehlt und bei den 
Echinucen^ die eine Metamorphose durchmachen, auch schon 
bei den ausschlupfenden Jungen vorhanden ist. Statt der andern 
Anhange hat die neue Art an denselben Stellen, wo die seit- 
licben Anhange bei andern Arten zu sitzen pflegen, jederseits 
vier konische Zapfen, Bildungen, in denen wir wohi die Vor- 
laufer von Stacheln oder Haaren zu erblicken haben. Wir 
haben hier einen phylogenetisch interessanten Fall, insofern 
E, conifer auf einer Stufe der Ausbildung der lateralen Anhange 
stehen bteibt, die von alien Arten mit seitlichen Anhangen 
sicherlich im Lauf der Entwickelungsgeschichte des Individuums 
durchlaufen wird. Von den bekannten Arten hat nur E. granulaius 
aufier drei lateralen Faden einen solchen konischen Zapfen. 
Doy6re erblickt in ihm ein reduziertes Haar; ich mochte ihn 
ftir ein werdendes Haar oder Dorn halten. Die Echmiscen, 
welche eine Metamorphose zeigen, haben in der Jugend weniger 
Anh&nge als im Alter und daher liegt es wohl naher, die 
konischen Zapfen als werdende und nicht als rudimentare 
Organe aufzufassen oder wir mtifiten es eben vorziehen anzu- 



— 74 — 

nehmen, dafi diese Formen in diesem Punkt schon wieder in 
der Dekadenz sind. 

Die neue Art steht auch darin dem arctomys nabe, daB 
sie der Stachelfalte aaf den Hinterbeinen entbehrt, die sich 
fast bei alien andern Echiniscas-Arten findet. Die Erallen 
tragen keine Dornen. Die Granulieiiing der RQckenschilder ist 
ziemlich grob, die Granula sind runde Knopfchen. 

L&nge 0^2 mm. 

Zwei Gelege, die ich beobachtete, enthielten jedes 3 Eier 
von 45 |i kleinem and 51 (i groBem Darchmesser. 



— 75 — 



Tliermisclie Vegetations-Konstanten. 

Aus (lem Nachlasse von Prof . Dr. Julius Ziegler/) zusammengestellt 

von 

Johanna Ziegler. 



Im Laufe seiner pflanzenphd^nologischeD Studien war mein 
Mann in Ubereinstimmung mit Prof. Hermann Hoffmann 
in GieBen zn der Uberzeugang gekommen, da6 die Sum me 
der taglichen Maxima eines direkt von der Sonne 
bestrahlten Thermometers den geeignetsten ver- 
gieichbaren Ausdruck fiir die zu einer bestimmten 
Vegetation si eistung erforderliche Warmezufuhr 
des entsprechenden Zeitraums liefere.^) 

In verschiedenen Berichten der Senckenbergischen 
Naturf orschenden Geseliscbaft hat er seine diesbezttg- 
lichen Ansichten niedergelegt. Ich verweise auf die Arbeiten: 
Beitrag zur Frage der thermischen Vegetations - Konstanten. 
Bericht 1873/74. Seite 115ff. Uber phanologische Beob- 
achtungen. Bericht 1878/79. Seite 89 ff. tJber thermische 
Vegetations-Konstanten. Bericht 1878/79. Seite 103ff. Pflanzen- 
phanologische Karte der Umgegend von Frankfurt a. M. Be- 
richt 1882/83. Seite 294 ff. und Pflanzenphanologische Beob- 
achtungen zu Frankfurt a. M. Bericht 1891. Seite 21 ff. In 
letzter Abhandlung hat mein Mann Seite 21 eine Arbeit tiber 
die thermischen Vegetations-Konstanten mit den Beobachtungen 
an bestimmten einzelnen Pflanzen in Aussicht gestellt. Das 



^) Dem im vorj&hrigen Bericht (I. Teil p. 171*— 174*) veroffentlichten 
Nekrologe Julius Zieglers von Dr.W. Eobelt war der im ^Jahresbericht 
des Physikalischen Vereins zu Frankfurt a. M. 1901/02" (p. 71—75) erschienene 
Nekrolog yon £. I h n e zugrunde geiegt. Durcb ein Versehen der Redaktions- 
kommission wurde bedanerlicherweise versaumt, hierau! besonders hinzuweisen. 

*) Bericht der Senckenb. Naturf. GeseUschaft. 1873/74. S. 115. 



— 76 — 

Material zu derselben fand ich in seiDem Nachlasse and wird 
dasselbe in folgenden Blattern der Offentlichkeit tibergebeii. 
Wissenschaftliche Schliisse an die Ergebnisse desselben anzu- 
knfipfen, bin ich natUriich nicbt imstande. Ich veroffentliche 
das Material, wie ich es vorfand, unter AnschluB einiger Be- 
rechnungen, die mein Mann beabsichtigte, aber leider nicht 
mehr selbst anstellen konnte. Bei der Sichtung und Berechnung 
untersttitzte mich Herr Dr. W. Boiler auf das bereitwilligste. 
Im Sinne meines Mannes (Bericht 1873/74. Seite 120) stehe 
ich auch davon ab, sftmtliche Beobachtungsdaten zum Abdruck 
gelangen zu lassen, denn fast jede Zahl miiBte ihren Kommentar 
erhalten. Das gesamte Material habe ich der Senckenbergischen 
Naturforschenden Gesellschaft ubergeben. Es liegt dort zur 
Einsicht und eventuellen weiteren Benutzung often. 

Zur Erklarung der nachfolgenden Tabellen bedarf es einiger 
Erlauterungen. Ich entnehme den Text derselben, wenn irgeud 
m5glich, den vorhin genannten Abhandlungen meines Mannes. 

Hoffmann suchte die zu Beginn dieser Arbeit gegebene 
Anschauung dadurch zu beweisen, da6 er vom Jahresanfang, 
(1. Januar), als einem Tage tiefster Winterruhe bis zum Ein- 
tritt der verschiedeuen Vegetationsstufen die taglichen Maximal- 
stSLnde liber Null eines besonnten Thermographen summierte. 
(Bericht 1878/79. Seite 108.) In der Summe der Insolations- 
maxima glaubte er dann einen Ausdruck fiir den Warmever- 
brauch der Pflanze zu finden. Diese Methode lieferte nicht 
tiberall geniigende Resultate. (Bericht 1873/1874. Seite 120). 
Mein Mann fiihrte eine andere Berechnungsweise ein derart, 
da6 er von einem anderen Zeitpunkte der Vegetationsentwicke- 
lung, sofern dieser nur scharf zu bestimmen war, zu zahlen 
begann. So vom Erscheinen der ersten Bliite in 
einem Jahre zahlend bis wiederum zur gleichen 
Phase im darauff olgenden u.s.w.; also vom gleichen 
zum gleichen Vegetationspunkt — von einem Vege- 
tationsjahre zum anderen. (Bericht 1873/74. Seite 121).^) 

Es scheint selbstverstandlich, daB man fiir alle Pflanzen 
und in jedem Vegetationsjahr bei einem und demselben Be- 



') Siebe Siegmnnd Gtinther: Die Phiinologie, ein Grenzg^ebiet zwischen 
Biologie und KUiuakunde. Mttncben 1895. Seite 32. 



— 77 — 

sonnongsthermometer nahezn die gleiche Summe, welche nattir- 
licherweise der mittleren Summe einer grofieren Anzahl von 
Kalenderjahren CDStpricht, welche aber im einzelnen Kalender- 
jahre bedeutend davon abweichen kann, erbalten sollte. 

Andererseits ist zu erwarteD, da6 die HoSmanDsche 
Methode, ausgedehnt auf eine grofiere Anzahl von JahreD, filr 
jede Entwickelungsstufe jeder PflaDze eine konstante Mittelzahl 
fiir dieSummen der Maximaltemperaturen ergeben muB, welche 
ihrerseits als Mittel einem bestimmten Tage entspricht. Und 
dieser Tag ist dann das mittlere Datum des Eintritts der be- 
treffenden Vegetatiousstufe. 

Es ist auch klar, dafi diese Konstanten fUr Pflanzen der- 
selben Gattuug je nach ihrem Standorte, ihrer Nahrungszufuhr 
und Besonnung variieren miissen. 

Diese Konstanten zu ermitteln und auf Grund derselben 
dann die mittleren Eintrittszeiten der einzelnen Vegetations- 
stufen zu berechnen, hatte mein Mann sich zur Aufgabe gestellt. 
Zu diesem Zwecke wurden in unserem Garten, Feldstrafie 8, 
in den Jahren 1869 bis 1902 26 verschiedene Pflanzenarten, 
viele davon in mehreren Exemplaren, auf das Erscheinen der 
ersten Bltite und der ersten Fruchtreife beoba^htet. Bearbeitet 
wurde einstweilen nur das Material 1869 bis 1880. 

Als erste Bliite ist die erste geoffnete Bliite, beziehungs- 
weise das erste Stauben des Kolbchens (Antheren) gemeint, 
(Bericht 1878/79. Seite 92; 1891. Seite 27), dagegen ist die 
erste Fruchtreife, die je nach der Natur der Pflanze eine sehr 
verschiedenartige ist, nicht so leicht und sicher zu bestimmen. 

In der Arbeit: „Beitrag zur therraischen Vegetations- 
Konstanteu" sind Seite 118 nahere Angaben uber die Versuchs- 
pflanzen enthalten. Ich verweise auf dieselben. Spater kamen 
zu den dort aufgefiihrten Pflanzen noch folgende hinzu: Atropa 
IkUadonna, die Tollkirsche, Aster Ameilus, die Sternblume und 
I^enanihes purpurea, der Hasenlattich. (Bericht 1878/79. 
Seite 116). 

AuBer den dort angegebenen Pflanzen wurden an ver- 
schiedenen andereu Ortlichkeiten in Frankfurt a. M. die be- 
treffenden Vegetationsstufen beobachtet, sie sind in den nach- 
folgenden Tabellen, wenn nicht besonders die Ortlichkeit 
*angegeben ist, als ^allgemein'^ bezeichnet. 



— 78 — 

Hand in Hand mit diesen phS^nologischen Beobachtungen 
gingen die meteorologischen, nUmlich die der t&glichen h5chsten 
Temperaturen eines von der Sonne frei bestrahlten Maximum- 
Thermometers. Diese Beobachtungsreihen erstrecken sich auf 
die Jahre 1869 bis 1896 und gehorten gleichfalls zu dem 
wissenschaftlichen Nachlasse meines Mannes. Sie sind im 
Jabresbericht des Physikalischen Vereins fur 1901/1902 ab- 
gedruckt. 

In den dort niedergelegten Tabellen sind fUr genannten 
Zeitraum sowohl die Maxima eines jeden Tages, als auch deren 
Summen vom 1. Januar an verzeichnet, so dafi man fUr jedes 
Datum eines Jahres die bis dahin abgeiaufenen Summen jedes 
Jahres ohne weiteres ablesen kann. 

Einen Teil dieser Tabellen hat mein Mann vor ihrer 
Drucklegung schon in den Arbeiten ^Bericht 1873/74 und 
Bericht 1878/1879** benutzt, in der letzten Arbeit Seite 117 
auch bemerkt, da6 er eine ausgedehntere Veroffentlichung uber 
die thermischen Vegetationskonstanten plane. Die genannten 
Publikationen des Physikalischen Vereins dienen daher einer- 
seits als Belege fQr die frliheren Publikationen und Material 
fttr weitere Bearbeituug derselben, andererseits sind sie die 
Unterlage, auf Grund deren ich die hinterlassenen pflanzen- 
ph&nologischen Aufzeichnungen, welche, wie oben erwilhnt, mein 
Mann noch ver5fEentlichen woUte, in folgenden Tabellen niederlege. 



£rlaaterangen zu deu Tabellen. 

Die erste Tabelle enthiilt fttr 26 Pflanzen nnr Mittelzablen, gewonnen 
auB den in den Jahren 1869 bis 1880 gemachten Beobachtungen fur die • 
Entwickelungsstufe der ersten Bliite (e. Bl.), beziehungsweise der ersten 
Fruchtreife (e. Fr.). Die Versuchspflanze ist entsprechend der Nummer, 
welche sie in iinserem Garten trug, bezeichnet, unter f,a\\geme'm*^ ist das 
allgenieine Auftreten der Entwickelnngsstufe in Frankfurt a. M. verstanden. 
Einige Pflanzen an besondercn Ortlichkeiten sind besonders veimerkt. 

In Kolonne A und B sind dann die Snmmenmittel der tUglicben 
hQchsten St&nde iiber Null eines von der Sonne frei bestrahlten ThermometerSi 
wie diese in unserem Garten beobachtet wurden, verzeichnet und zwar in 
Kolonne A vom 1. Januar des Jahres an, in Kolonne B von der Zeit des t 
Erscheinens der gleichen Entwickelungsstufe im verflossenen Jahre an. 

Vor den Kolonnen sind die Anzahl der Beobachtungsjahre verzeichnet.* 



— 79 - 

Endlich enthUlt Kolonne C and D Monat und Tag des Eintritto der 
betreSenden Entwickelungsstufe in Frankfurt a. M., und zwar bei C be- 
rechnet aus A unter Benutzung der Mittel 1871 — 1895, unter D das an! 
ganz anderem Wege gewonnene Datum (siehe Bericht 1891, Seite 26). 

Die Anwendnng der Mitteltemperaturen 1871—1895 (Berichte des 
Physik. Vereins 1901/02) au! unseren Zeitraum 1869—1880 ist keinesfalls 
einwandfrei, doch dUrften diese Zablen von den Mitteltemperaturen 1869—1880 
wenig abweicben. 

Aus sftmtlichen Beobachtungen einer and derselben Pfianzenart, wenn 
auch von verschiedenen Individuen stammend, wnrde dann gleichfalls eine 
Mittelzabl berechnet. 

Die an! diese Weise durch Hecbnung gewonnenen 
Daten stimmen fast immer ausgezeichnet mit der in D an- 
gegebenen Erf abrungszahl Uberein. 

Ferner ist aus Kolonne B der Tabellen ersichtlicb, 
daS sich ftir alle einzelnen Versuchspflanzen allj&brlicb 
nabezu die gleicbe Summe ergibt. — Tatsacben, welcbe mein 
Mann beweisen wollte. 

Die zweite Gruppe von Tabellen entbalt fUr einige wenige Pflanzen 
die Einzelbeobachtungen. Ich wahlte solche Pflanzen aus, von denen die 
Konstanten sowobl fi'tr die erste Bliite als aucb fUr die erste Fruchtreife be- 
stimmt worden waren. 

Ftir sftmtlicbe in der ersten Gruppe aufgezeicbneten Pflanzen warden 
derartige Tabellen au! Grund der Beobachtungen zusammengestellt und aus 
diescn dann die in Tabellengruppe 1 aufgeftthrten Zablen gewonnen. 

Unsicbere Angaben sind in Klammern ( ) gestellt. 



— 80 — 
Tabello I. 



— 86 — 









Tabellen II. 






1 




Somme 
dor tagUcben hocbsten 






1 


Snmme 
der taglicben bdcbsten 






Stande fiber Nail 




1 


Stande iiber Null 






elBes von dor Sonne 




1 
1 


elnes von der Sonne 






frei bestrafalten 






frei bestrablten 






ThemiometerB 




; 


Thermometers 


Mo- 
Tag 


Jahr 


A. 


B. 


Tag 


Jahr 


A. 1 B. 

1 1 


nat 






von derZei ides 


nat 


1 


vonderZeitdes 






voin 


Erscheinens 








vAtn KrscheinenB 






. , dor gleichen 
i.Januar VegJtatlons- 




I.Januar veBeiations- 






an stafe Inuver- 




, an Btnfe im ver- 






' (loBsenen Jahr 




flossenenJahr 






U-'s. i oCs. 




.; M's. . n^8. 




a) MibeM GroHsuluriaf Stachelbeere. 




£r8te Blfite. Erste Frucbtreife. 






• 


Allgc 


imein. 









1 
7. IV. 1869 


1368,7 




1 1 
(15.) , VI. ; 1869 


• 

3227,8 




1«. IV. 1870 


1350,6 


7634,1 


27. ' VI. 1870 

1 1 


3585,0 


8009,4 


26. 


III. 1 1871 1 


1171,1 


7661.3 


7. 


VII. 1871 


4301,0 


8556,8 


31. III. 


1872 


1281,2 


8516,6 










• 


1. 


IV. 


1873 


1238,5 


8050,5 












3. IV. 1 1874 


1232,5 


7932,9 




1 






13. IV. 


1875 


1324,4 


7791,4 


, 








3. IV. 


1876 


; 1018,3 


7321,9 


27. VI. 


1876 


3364,0 




5. , IV. . 1877 


1187,3 


7942,9 


(4.) VII. 


1877 


3696,4 


8136,3 


8 , IV. ; 1878 


1123,8 


7538,6 


27. VI. 


1878 


3409,3 ' 


7314,9 


7. : IV. ! 1879 


998,9 


7346,0 


15. VII. 1879 


1 3559,4 I 


7621,1 


28. 1 III. t 1880 


1248,0 


7192.3 


27. VI. 1880 


: 3764,8 


7148,1 


llit1 


tel: 4 


1 
. April 


1214,4 

1 


7720,8 


Mitt 


el: 26 


1 
►. Juni , 

1 

1 


3613,4 


7797,8 









No 


. 5. 


• 






26. 


III. 1871 ! 


1171,1 




8. 


VII. 1871 


4346,0 




31. 


III. , 1872 


1281,2 


8516,6 


(21.) VI. 1 1872 


i 3433,3 


749H,S 


2. IV. ! 1873 


1272,0 


8084,0 


(3.) VII. 1873 


3721,0 


8380,9 


(3.)! IV. 1874 


1232,5 


7899,4 


(23). VI. 1874 


3423,4 


7641.3 


16. 


IV. 1876 


1389,9 


7856,9 


(30.) i VI. 1875 , 3595.1 


7871,2 


3. : IV. i 1876 


1048,3. 


7256,4 


28. I VI. 1876 


3403,8 


7406,7 


6. IV. , 1877 


•1217,1 


7972,7 


4. VII. 1877 3696,4 


809(>,5 


8. rV. ' 1878 


1123,8 


2508,8 


28 VI. 1878 , 3444,0 


7349,7 


Uiti 


tel: 4. April 


1217,0 


7870,7 


Mitt 


el : 26. Juni 

1 
1 


3632,9 

1 


7748.6 



- 86 - 



Tag 



Mo- 
nat 




Summe 
der taglichen hOchsten 

Stande iiber Null 

eines von der Sonne 

frei bestrablten 

Thermometera 



A. 

voin 

i.Janaar 

an 







Cs. 



I B. 

vonderZeitdes 
Erscheinens 
der gleicben 
Vegetations- 
stnfe im ver- 
ttosaenen Jabr 

«C8 



Tag 



Mo- 
nat 



Jahr 



Samme 
der tagUchen hdobaten 

Stande ilber NtUl 

eines von der Sonne 

frei bestrablten 

Tbermometers 

B. 

vonderZeitdes 

Erscbelnens 

der gleicben 

Vegetations- 

state im ver- 

dossenen Jahr 



vom 

I.Janaar 

an 



Cs. 



Ribes Crross^ilarfa, Htachelbeere. 



Erste Blttte. 



Erste Fmcbtreife. 









No 


. 6. 








26. 


* 

1 
III. 1 1871 


1171,1 




8. 


VII. 1871 


4346,0 




6. 


IV.' 1872 


1392,2 


8627,6 


(21.) 


VI. 1 1872 


3433,3 


7493,8 


• 2. 


IV. 1873 


1272,0 


7973.0 


(3) VII., 1873 


3721,0 


8380,9 


3. 


IV. 1874 1 1232,5 


7899,4 


29 VI. 1874 


3582,0 


7799,9 


14. 


IV. , 1875 


1346,0 


7813,0 


(30.) VI. , 1875 


3595,1 


7712,6 


3. 


IV. 1876 


1048,3 


7300,3 


29. 


VI. 1876 


3442,9 


7445,8 


9. 


IV. 1877 

1 


1306,3 


8061,9 


4. 


VII. 1877 


3696,4 


8057,4 


8. 


IV. 1878 

1 1 


1 123,8 


7419,6 


28. 


VI. 1878 


3444,0 


7349,7 


Miti 


be] : 5. April 


i 1236,5 

1 . 


7870,7 


Mitt 


el: 27. Juni 


3657,6 


7748,6 

• 







No 


. 7. 








26. ' III. 1871 


1171,1 




9. VII. 


1871 


4392,9 




7. IV. 1872 


1418,8 


8654,2 


(21.) VI. 


1872 


3433,3 


7446,9 


1. IV. 1873 


1238,5 


7912,9 


(3.) VII. 


1873 


3721,0 


8380,9 


3. ; IV, j 1874 


1232,5 


7932,9 


(5) VII. 


1874 


3781,8 


7999,7 


13. IV. 1875 


1324,4 


7791,4 


(30.) ' VI. ' 1875 


3595,1 


7512,8 


3. 1 IV. 1876 


1048,3 


7321,9 


29. VI.. 


1876 


3442,9 


7445,8 


11. i IV. 1877 


1353,3 


8108,9 


1 1 
1 • 






8. IV. 1878 


1123,8 


7472,6 


28. VI. 1878 


3444,0 




Mittel : 5. April 


1238,8 

1 

1 


7885,0 

1 


• 
Mittel: 2^ 


]. Juni 


3687,4 


7757,2 



— 87 — 



Tag 



Mo. 
nat 



Jahr 






Summe 
dor tagliehen hdohsten 

SUnde liber Null 

einM Ton der Sonne 

frei bestrablten 

Tbermometen 

A. I B. 

IvonderZeitdes 

Eracheinens 

der gleioben 

Vec^etations- 

Btofe im ver- 

flossenen Jabr 



vom 

i.Janaar 

an 




Snmme 

.der tagliohon hdchsten 

* Stande fiber Null 

eines von der Sonne 

frei bestrablten 

Thermometera 



A. 



vom 

I.Janaar 

an 



Cs. 



B. 

vonderZeltdea 

Erschelnens 

der gleichen 

Vegetationa- 

Btufe im ver- 

tlossenen Jahr 



h) Ribes liubrtim, Johaniiisbeere. 

Erste Bliite. Erste Frnchtreife. 

Allgemein. 



10. ; IV. 


1869 


1448,1 




(15); VI. ' 18B9 


3227,8 




18. IV. 


1870 


1397,6 


7601,6 


21. VI. ' 1870 


3415,0 


7839^4 


26. III. 

1 


1871 


1171,1 


7614,4 


(5.) VII.; 1871 


4207,3 


8633,1 


31. iiir 


1872 ! 


1281,2 


8516,6 


18. ; VI. 1872 


3:^32,2 


7531,4 


2. IV. 


1873 


1272,0 


8084,0 


24. VI. ; 1873 


3442,0 


8203,0 


9. 


IV. 


1874 


1347,4 


8014,3 


17. 1 VI. I 1874 

1 1 


3231,8 


7728,7 


13. 


IV. 


1875 


1324,4 


7676,5 


14. VI. 


1875 


3138,0 


7605.7 


3. 


IV. 


1876 


1020,4 


7294,0 


13. 


VI 


1876 


2864,9 


7324,9 


4. 


IV. 


1877 


1*163,8 


7947,3 


(22.) 


VI. 


1877 


3300,8 


8239,8 


11. IV. 


1878 


1196,8 


7635,1 


13. VI. 




1878 


2958,3 


7259,6 




9. 


IV. 


1879 


1042,8 


7316,9 


27. 1 VI. 


1879 


3052,2 


7564.8 


29. : III. 

I 


1880 


1279,0 


7179,4 


6. VI. 1880 ' 3126.3 

M 


7017,3 


Mitt 


tel: 4. 


April 


1220,4 


7716,4 


Mitt 


€l: U 


1 
;. Juni 

1 


3274,7 


7722,5 



No. 9. 



; 1 
26. III. , 1871 


1171,1 




4. VII. 


1871 


4167,3 




31. III. ■ 1872 


1281,2 


8516,6 


18. 


VI. 


1872 


3332,2 


7571,4 


2. IV. ! 1873 


1272,0 


8084,0 


24. VI. 


1873 


3442,0 


7203,0 


9. j IV. 


1874 


1347,4 


8014,3 


17. 


VI. 


1874 j 


3231,8 


7728,7 


13. * IV. 


1875 


1324,4 


7676,6 


14. 


VI. 


1875 


3138,0 


7605,7 


3. ; IV. 


1876 


1020,4 


7294,0 


13. 


VI. 


1876 


2864,9 


7324,9 


4. IV. 


1877 


1163,8 


7947,3 


24. 


VI. 


1877 


3365,3 


8304,3 


11. IV. 


1878 


1196,8 


7635,1 


13. 


VI. 


1878 


2958,3 


7195,1 


9. IV. 


1879 


1042,8 


7316,9 


27. 


VI. 


1879 


3052,2 


7564,8 


29. ! III. 

1 


1880 


1279,0 


7179,4 


6. VI. 


1880 


3126,3 


7017,3 


Mittel: 4. 


April 


1209,9 

1 


7751,6 

• 


Mitt 


eh Ic 


►. Juni* 

1 


3267,8 


7501,7 



.Hibe» Rabrum, Johannisbeere. 

ErBCe Blilte. ErsU Fnicbtreile. 

No. 10. 



28. 


III. ! 1871 


1171.1 : 




4. 1 Vll. 


1871 


4167,3 




2. 


IV. 1 1872 


laa.'i.a i 


8668.« 


19. , VI. 


1872 


3363,2 


7602,4 


4. 


IV. i 1873 


131.j,!> 1 


8085.9 


30. VI. 


1873 


3623,0 


7424.7 


11. 


IV. j 1874 


1397,0 1 


8020,0 


2H. , VI. 


1874 


3506,4 


7822,3 


17. 


IV. 1875 


1417,8 : 


7720,3 


19, VI. 


1875 


3278,6 


7471,7 


4. 


IV. 1 1876 


1048..^ ' 


7228,5 


16. 1 VI. 


1876 


2964,2 


7283.6 


10. 


rV. 1 1877 


1329,3 1 


8094,8 


26. 1 VI. 


1877 


3399,4 


8239,1 


14. 


IV. 1 1878 


1281,0 1 


7543,9 


(19.) 1 VI. ' 1878 


3117,5 


7320,2 


10, 


IV. 1879 


1058.8 1 


7248,7 


27. , VI. 1879 


3062,2 


7405,6 


30. 


HI. 1880 


1301.2 1 


718.-1,8 


8. , VI. 1 1880 


3175.8 


7066,8 


Hit 


Ml: 6. April 


12ftl,4 i 


7742,9 


Mittel: It- 


JUDI 


33&1,8 


7515.2 



c) Prttnug avium, H&&klrseh«. 

Erete Blilte, Erst* PmchiTeife. 

AllgemeiD. 



9. IV, 1869 


1419,3 




29. 


VI. 


1869 


2764.6 I 




21. 1 IV. 1 187(1 


1494,4 1 


7727.3 


8, 


VI. 


1870 


2957,4 1 


7845.0 


10. ! IV. j 1871 


1512.0 , 


7858.4 


(7.) 


VI. 


1871 


3194,7 


8078,1 


7. 1 IV, 1 1873 


U18.8 


a:ii3,3 


13.) 


VI. 


1872 


2909,6 1 


8121.4 


1. IV. ' 1873 


1238,5 


7912,9 


21. 


VI. 


1873 


3334,7 1 


8518,3 


10. 1 IV, 1 1874 


1372.2 


8072,6 


16, 


VI. 


1874 


3198,9 


7803,1 


18, 1 IV. 1875 


1446,3 


777.1,6 


8. 


VI. 


187.T 


2954,7 1 


7455,3 


6. 1 IV. 1876 


1IW,5 


72.o8,2 


'- 


VI. 


1876 


27ft->,l , 


7348.4 


9. IV. 1877 


1306,3 


8003,7 


10. 


VI, 


1877 


3192,2 ■ 


8291.0 


14. IV. 1878 


1281,0 1 


7576,8 




VI. 


1878 


2757,0 1 


7166.9 


20. 1 IV. 1879 


1200,6 1 


7390,6 


(■21.i 


VI. 


1879 


2868,7 j 


7582,6 


7. 1 IV. 1880 


1491,6 


7234,2 


(d.t 


VI 


1880 


3111,5 j 


7186,0 


Mittel: 10. April 


136f,3 


7738,3 


Mittel: 2 


Jnni 


2829,1 1 


7763,3 



— 89 — 



Tag 



Mo- 
nat I 



iahr 



Samrne 
der taglichen hdobflten 

Stahde fiber Null 

eines von der Sonne 

frei bestrablten 

Thermometers 

A. I B 

,vonder2^eiide8 

Erscheinens 

I der ^lelcben . 

Ve^etations- 

an stofe im ver- 

HosBenen Jabr 



vom 
i.Januar 



il °Cs. 



Cs. 




Snmme 
der taf^lichen hi^cbsten 

Stande fiber Null 

eines von der Sonne 

frei bestrablten 

Tberinometers 

I B. 

vonderZeitdes 

Rrscheinens 

der ^leicben 

Vegetations- 

stufe im ver- 

flossenen Jabr 

« Cs. 



I.Januar 



Pnunus avium, Sbfikirsche. 



Erste Blttte. 



Erste Fruchtreife. 











No 


. 11. 








1 

12. IV. 


1872 


1 
1523,2 




(3.) VI. 1872 


2909,6 


1 


10. 


IV. : 1873 


1435,7 


8005,7 


(22.) VI. 1873 


3373,8 


8557.4 


14. IV. 1874 


1466,3 


7969,5 


17. 


VI. ' 1874 


3231,8 


7796,9 


19. 


IV. 1875 


1477,9 


7711,1 


9. 


VI. : 1875 


2988,8 


7456,5 


7. 


IV. 


1876 


1135,6 


7255,7 


10. 


VI. 1876 


2806,9 


7416,1 


10. 


IV. 1877 


1339,2 


8007,5 


19. 


VI. ! 1877 


3192,2 


8189.2 


15. rv. 


1878 


1 1313,9 


7576,8 


10. 


VI. 1878 !i 2877,2 


7287,1 


21. i IV. 

1 


1879 


1220,4 


7377,4 


(25.) 


VI. 1879 ' 


2988,9 


7582,6 


11. IV. 

1 


1880 


1566,8 


7289,6 


(7.) VI. ' 1880 


3146,7 


7101,0 


Uitt 


el: 11 


. April 


1386,6 


7649,2 


Mit 


tel : 9. Juni 


1 3057,3 


7673,4 











No. 


12. 








10. 


IV. 


1871 


1512,0 






i 
1 


1 


1 
1 


9. 1 IV. 


1872 


1452,1 


8346,6 


(7.) 


VI. 1872 

1 


, 3006,8 


, 


5. IV. 


1873 


1336,3 


7977,4 


(24.1 


VI. 1873 ' 3442,0 


i 8528,4 


10. IV. 1874 


1372,2 


7974,8 


ll9.) 


VI. 1874 ■ 3303,8 


7800,7 


20. IV. 1875 


1508,9 


. 7836,2 


(10.) 


VI. 1875 ! 3021,0 


1 7416,7 


6. IV. 1876 


1106,5 


7195,6 


10. 


VI. , 1876 


2806.9 


7383,9 


11. 


IV. 1877 


1353,3 


8050,7 


(20.) 


VI. , 1877 


3230,1 


8227,1 


15. 


IV. 1878 


1313,9 


7562,7 


(12.) ' VI. ' 1878 1 


2931,1 


7303,1 


21. 


IV. 


1879 


1220,4 ' 


7377,4 


(25.) 


VI. , 1879 


2988,9 


752K,7 


8. 


IV. ' 1880 


1515,7 1 


7238,5 


(15.) VI. ' 1880 


3111,5 


70<>5,8 


Mitt 


el: 11 


. April 


i 

1369,1 


7737,1 


Mitt 


el : 10. Juni 


3093,6 

1 

1 


7656,8 



- 90 — 



Tag 



Mo- 
nat 



Jahr 



Samme 
der tagliohen bdchBten 

Stande fiber Null 

eines von der Sonne 

frei bestrahlten 

Tbermometers 



A. 



VOID 



l.Januar' 
an I 



B. 

vonderZeitdes 

Erecheinens 

der gleicben 

Vegetationa- 

stafe im ver- 

ttoBsenen Jabr 

«C8. 



d) Cr€U€iegu8 Oxy€ica/ntha, 
Weifidorn. 

Erste Blttte. 



Tag 



Mo. 
nat 



Jahr 



Snmme 
der t&glicben bOchsten 

Stande fiber Null 

eines von der Sonne 

frei beatrablten 

ThermometerB 



A. 

vom 

i.Jannar 

an 



B. 

vonderZeitdes 

Srseheinens 

dor gieicben 

Vegetations- 

stnfe im ver- 

Hossenen Jahr 



e) Prunus sphtosa, 
Schlehe. 

Erste Blttte. 







Allgemein. 






■ 


Allgemein. 




1 

28. 


IV. 


1869 


1960,2 




10. 


IV. 


1869 


1448,1 


■ 


17. 


V. 


1870 


2227,5 


7919,5 










8. 


V. 


1871 


2232,1 


7845,4 


10. 


IV. 1871 


1512,0 




2. V. 


1872 


2066,8 


8241,2 


14. 


IV. 


1872 


1583,3 


8477,8 


8. V. 


1873 


2066,8 


8093.2 


(3.) 


IV. 


1873 


1301,8 


7811,7 


2. V. 


1874 


1944,9 


7817,0 


ao.) 


IV. 


1874 


1372,2 


8009,3 


7. 1 V. 


1875 


1962,3 


7716,9 


21. 


IV. 


1875 


1539,9 


7867.2 


5. 


V. 


1876 


1786,6 


7422,3 


9. 


IV. 


1876 


1190,0 


7248,1 


16. 


V. 


1877 

1 


2123,1 


8140,4 


8. 


IV. 


1877 


1274,7 


7888,6 


4. 


V. 


' 1878 


1830,3 


7309,3 


13. 


IV. 


1878 


1248,8 


7576,2 • 


22. 


V. 


■ 1879 


1987,0 


7627,6 


22. 


IV. 


1879 


1240,8 


7462,9 


29. 


IV. 


1880 


2037,2 


6993,4 


13. 


IV. 


1880 


1623,2 


7325,6 


Mi 


ttel: 


6. Mai 


2018,7 


7738,7 

1 


Mitt 


el: U 


I. April 


1394,1 


7740,8 



— 91 — 



Die Haut der Saiigetiere. 

Vortrag, gehalten beim Jahresfeste 
der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft 

am 15. Mai 1904 



von 

Dr. Fritz R5mer. 



Nachdem Darwin ims durch sein epocbemachendes Buch 
iiber die Entstehung der Arten den einheitlichen Gedanken fttr 
die Zoologie gegeben und Haeckel in seiner ^generellen Mor- 
phologie" ein natiirliches, auf der Erkeuntuis der Blutsverwandt- 
schaft beruhendes System der Tiere entworfen hatte, trat ein 
neuer Zug in der zoologischen Forscbung hervor, das Suchen 
nach einem tieferen stammesgescbicbtlichen Zusammenbang der 
einzelnen Tiergruppen. D.ie Zoologie wurde nunmebr aus einer 
„bescbreibenden" in eine „erkennende" Naturwissenschaft um- 
gewandelt. 

Der Stammesgescbichte oder der Pbylogenie der Wirbel- 
tiere, zu denen wir als oberstes Glied uns selbst, den Menscben, 
zu recbnen baben, bat sich das Interesse der Forscber von 
jeber ans nabeliegenden Grlinden weit mebr zugewandt, als 
alien andern Klassen des Tierreicbes. 

Die vergleicbende Anatomie, die Entwickelungsgescbicbte 
und die Palaontologie, jene drei Gescbicbtsquellen, auf deren 
gleichmtlBiger Verwertung und kritiscber Vergleicbung die 
Resultate der Stammesgescbicbte bei;uben, sind bei den Wirbel- 
tieren von einer grofieren Auzabl tUcbtiger Forscber ge- 
fordert worden und baben eine Menge von wicbtigen Ergebnissen 
geliefert. 

Freilicb baben die hieraus gewonnenen Ansicbten vielfacb 
gewecbselt. Die aufgestellten Stammbaume muBten mit der 
fortschreitenden Forscbung in Einzelbeiten oft korrigiert, manch- 



— 92 — 

mal sogar von Grund auf umgestaltet werden. Aber dieser 
Weclisel wird bleiben, so lange es tiberhaupt eine stammes- 
geschichtliche Forschung gibt. 

Die grofiere Mehrzahl der Zoologen und Anatomen neigt 
heute zu der Ansicht, die hoheren Wirbeltiere — Reptilien, Vogel 
und Saugetiere — die wir mit dem gemeinsamen Namen Amnion- 
tiere bezeichn^n, als zwei divergente Stamme der Wirbeltiere 
aufziifassen, deren geraeinsame Wurzeln in der Amphibien-Klasse 
zusammenlaufen. Diese Amphibien-Ahnen dftrfen wir aber aus ver- 
gleichend-anatoraischen und entwickelungsgeschichtlichenGrunden 
nicht unter den heutigen nackten Amphibien suchen, ^ondern 
unter den ausgestorbenen Panzerlurchen der Stein kohl enzeit, 
den sog. Stegocephalen, deren Haut gepanzert und mit 
knochernen Schuppen bedeckt war. Aus ihnen haben s^ch 
einerseits die Saugetiere entwickelt und als andere Haupt- 
linie, welche nach einer ganz anderen Richtung bin fort- 
schreitend sich umbildete, die artenreiche Gruppe der Reptilien 
und Vogel. 

Wenn auch bei einer vergleichenden Betrachtung von 
lebenden und fossilen Tieren die Hartgebilde, wie Skelettsystero, 
Zfthne, Verknocherungen der Haut, in erster Linie Beriick- 
sichtigung finden, so kann eine Phylogenie doch nur dann An- 
spruch an! VoUstandigkeit und bleibenden Wert haben, wenn 
alle Organe dabei gleichmaBig studiert und zur Begr&ndung 
nutzbar gemacht werden. 

Bei den Wirbeltieren ist aber die Haut erst spM zu phylo- 
genetischen Studien herangezogen worden. 

Die verschiedenen Hautgebilde der hohereu Wirbeltiere, 
die wir bei den Reptilien'als Schuppenpanzer, bei den Vogeln 
als Federkleid und bei den Saugetieren als Haardecke ent- 
wickelt sehen, sind alle drei Horngebilde der Haut, die in phy- 
siologischer Beziehung manche Ahnliclikeit zeigen. Aus Be- 
quemlichkeit und ohne die (jrriinde dafiir im einzelnen zu prtifen, 
hat man lange Zeit Schuppe, Haar und Feder homologisiert 
und in den Schuppen der Reptilien den primitiven Zustand, von 
dem aus Haar und Feder sich entwickelt haben, gesehen. Eleiiie 
Unterschiede in der Entwickelung dieser drei Gebilde kamen da- 
bei nicht in Betracht uyd die Bedenken, da6 das feine Haar 
nicht mit der m^chtigen Feder verglichen und auf dieselbe 



— 93 — 

Schuppe zurtickgeftlhrt werden konne, zerstrente man darch die 
Annahme, da6 das Haar nicht einer ganzen Schuppe, sondem 
nur einem Telle einer solchen entspr&che. 

Dieser entschieden bequeme Standpankt hat sich bis in 
die neueste Zeit erhalten, obwohl schon Gegenbaur in der 
Art der ersten Anlage des Haares einen Grund sah, das Haar 
nicht flir homolog der Schuppe und Feder zu halten. Gegen- 
baur hat aber eine andere phylogenetische Ableitung der Haare 
nicht gefunden. 

Erst in den neueren Hautarbeiten wurden die Besonder- 
heiten in der ersten Anlage des Haares filr so bedeutungsvoU 
erkl&rt, dafi sich seine stammesgeschichtliche Ableitung von 
Schuppen und Federn nicht linger aufiecht erhalten l&Bt. 

Die Haare der Saugetiere sind lediglich aus eigenttimlich 
differenzierten und angeordneten Oberhautzellen zusammengesetzt. 
Die erste Anlage des Haares ist eine rein epidermoidale ; ihr 
erster Anstofi geht von der Oberhaut aus, deren tiefste Zellen- 
lage durch Vermehrung eine zapfenf5rmige Einsenkung nach 
unten in die darunterliegende Unterhaut treibt. Die Beteiligung 
der Unterhaut in Form einer Pappillenbildung tritt aber erst 
sp^ter eiu, nachdem die Anlage der Oberhaut als solider Sprofi 
betr^chtlich in die Tiefe gewachsen ist. 

Der erste Anstofi zur Anlage einer Schuppe und Feder 
geht aber von der Unterhaut aus, weiche durch Vermehrung 
ihrer Zellen an irgend einer Stelle eine papillenartige Erhebung 
gegen die Oberhaut vorwolbt, die sich weit iiber das Niveau der 
Haut erhebt und von der Hornkappe der Oberhaut erst sp^ter 
iiberwachsen wird. Die Haarpapille, weiche als Ern£lhrungs- und 
Befestigungsorgan erst sekundar in die Basis der Oberhaut- 
knospe hineinwachst, ist daher verschieden von der Schuppen- 
papille, weiche primftr die Bildung der Schuppen veranlafit. 
Die Bedeutung dieses Unterschiedes wird uns noch klarer, 
wenn wir nns daran eriunern, dafi die Oberhaut aus dem 
^ufieren Eeimblatt entsteht, die Unterhaut hiugegen aus der 
auBeren Schicht des mittleren Keimblattes (Hautfaserblatt des 
Mesoderms). 

Die ganze Frage nach der phylogenetischen Ableitung der 
Haare ist mit dieser Erkenntnis in ein neues Stadium getreten 
und die Veranlassung zu alien neueren Untersuchungen Uber 



— 94 — 

die Haare und Schuppen ist in Max Webers Arbeit liber 
die vergleichende Anatomie uud Entwickelungsgeschichte der 
Sckuppentiere aus dem Jahre 1891 za suchen. Sie war grund- 
legend fUr die Haar- und Schuppenfrage, denn alle weiteren 
Arbeiteu, welche sick mit diesem Thema befassen, sind direkt 
Oder indirekt auf Webers Arbeit aufgebaut. £s sind dies vor- 
nehmlich die Arbeiten von Emery, Keibel, Maurer, de 
Meijere, B.eh, und ich selbst babe micb auch mit mehreren 
Arbeiten an der Klarung dieser Frage beteiligt. 

Die speziellen Frageu, welche in diesen Arbeiten tiber die 
Phylogenie des Saugetierkleides behandelt werden, bewegen sich 
in zwei ganz verschiedenen Bahnen und diese mUssen auch in 
unserem Vortrage getrennt behandelt werden. 

In erster Linie ist die Frage zu entscheiden, ob die Be- 
ziehungen zwischen Schuppen und Haaren nur topographischer 
Natur sind, oder ob hier ein tieferer phylogenetischer Zusammen- 
haug bestebt, d. h. mit anderen Worten : Deutet die heute noch 
an schuppentragenden S&ugetieren vorhandene Stellung der Haare 
darauf bin, daB die Haare sich ehemals nur zwischen oder unter 
den Schuppen entwickelten oder sind die Haare als umgewandelte 
Schuppen aufzufassen, die aus diesen selbst oder aus Teilen 
derselben hervorgiugen ? 

Die zweite Frage betriSt das Haar als Einzelorgan. Sind 
die Haare etwa aus anderen Hautgebilden niederer Wirbeltiere 
entstanden oder besitzeu sie Uberhaupt keine phylogenetischen 
Vorlaufer und sind ais selbstslndige Neubildungen der Sd,ugetiere 
aufzufassen ? 

Das Haarkleid ist fur die gauze Klasse der Saugetiere 
so charakteristisch, daB Oken die Saugetiere auch ^Haartiere** 
genannt hat. AUerdings kenneu wir eiue Anzahl von Sauge- 
tieren, welche der Haarbedeckung entbehren. Die Haut der 
Wale ist ganzlich nackt; Schuppentier und Gurteltier sind mit 
einem Schuppenpauzer bedeckt, der an die Reptilieu erinnert, 
und bei vieleu anderen Saugetieren zeigt sich eine solche 
Schuppenbildung an eiuzelneu Eorperstellen, namentlich an deu 
Schw^uzen, so z. B. beim Bieber, bei unseren Ratten und Mausen, 
sowie bei manchen Klettertieren. Igel, Stachelschwein und der 
australische Ameisenigel siud mit starren und spitzen Stacheln 
ausgerUstet. 



— 96 — 

Doch ist dieser Mangel der Haare nur ein scheinbarer. 
Bei den genannten Wassers&ugern sind die Haare dnrch An- 
passung an die schwimmende Lebensweise geschwunden, spar- 
liche Uberreste finden sich beim erwachsenen Tier nur noch 
am Eopf, die Embryonen sind aber teilweise noch mit einem 
dichten Haarkleid bedeckt, das wohl zur Anlage, aber nicht 
mehr znm Durchbruch kommt. Die Wale stammen also von 
ecbten Haailieren ab. Ebenso haben manche Dickhllater, wie 
Elephant, Nashom nnd FluBpferd, die Haarbedeckung groBten- 
teils verloren and dnrch eine dicke feste Haut ersetzt. Ver- 
einzelte starre Borsten finden wir aber anch an ihnen Uberall. 
Bei den stachelbewehrten Tieren stehen zwischen den Stacheln 
zahlreiche Haare nnd die Banchseite ist stets mit einem dichten 
Haarkleid versehen. Und ebenso stehen bei den Panzertieren 
nnd an den beschnppten Schwanzen stets zahlreiche Haare 
zwischen nnd nnter den Schuppen. Man kann also behaupten, 
dafi es kein einziges dnrchans haarloses Tier gibt. Die fnnktionelle 
Anpassnng der Haut an verschiedene T&tigkeiten und Existenz- 
bedingnngen fiihrt im Verein mit der progressiven Vererbung zu 
hdchst mannigfaltigen Differenzierungen der Hautgebilde. Trotz 
der verschiedenartigen Ansbildang, in welcher uns die Haare 
bei den einzelnen Tieren begegnen, ist aber der Grundplan des 
Haares doch stets der gleiche. 

Wo Schuppen und Haare zusammen vorkommen, — und 
wir kennen nach den Untersuchungen von Reh wohl iiber 500 
Arten S^ugetiere, an denen dies der Fall ist — treten die Haare 
unter oder auf dem hinteren freien Rand der Schuppen an die 
Oberfl&che . und zwar in der Regel in Gruppen zu dreien oder 
zu mehreren, unter denen sich ein Haar, das sog. Mittelhaar, 
an St&rke und LsLnge hervortut. Die Haargruppen liegen dem- 
gemaS ebenso wie die Schuppen in alternierenden Reihen, sie 
sind dachziegelartig angeordnet. Besonders sind es die Schwanze 
der Sftugetiere, namentlich vieler Nager, welche solche Lage- 
beziehungen zwischen Schuppen und Haaren aufweisen. Weber, 
welcher in seiner schon erwahnten Arbeit tiber die Entwicke- 
lungsgeschichte des Schuppen tier es die hohe phylogenetiscbe 
Bedeutung des gemeinsamen Vorkommens von Schuppen und 
Haaren betonte, hielt die Schuppen fiir das PrimHre, welche 
die Anordnong der Haare bedingen. Er betrachtet die Schuppen 



— 96 — 

der Saugetiere als den Rest einer Mher allgemeiuen Schuppen- 
bekleidung, die man auf nicht zu langem Umwege auf die 
Reptilienschnppe zurtickflihren kaDn. Bei mancben Tieren, wie 
beim Scbuppentier iind Gtirteltier, haben sich die Schuppen in 
spezittscher Weise weiter gebildet. 

Die regelmafiige AnordnuDg der Haare konnen wir iiberall 
da konstatieren, wo sie im Verein mit Schuppen in die Er- 
scheinung treten. Aber auch bei dem dichten Haarkleide der 
schuppenlosen Saugetiere begegnen wir, so regellos die Haar- 
stellung bei oberfl^chlicher Betracbtung auch zu sein scheint, bei 
n&herem Zusehen einer auBerst gleichmafiigen und geregelten 
Anordnung der Haare. Zumeist iiberragt eine Anzahl ld.ngere 
Haare die iibrigen, die sog. Granenhaare, und diese stehen in 
deutlichen Langsreihen. Dazwischen bildet die groBe Masse 
der Wollhaare den eigentlichen Pelz, aber diese stehen auch 
nicht regellos, sondern bilden Gruppen. Durch die ausfilhrlichen 
Untersuchungen von de Meijere sind wir iiber die mannig- 
fache Art der Gruppenstellung der Haare bei den verschiedenen 
Sd^ugetieren unterrichtet. Eine Haargruppe besteht im einfachsten 
Falle aus drei Haaren, einem Mittel- oder Haupthaar und zwei 
Nebenhaaren. Durch Vermehrung der Nebenhaare kommen aber 
auch Gruppen von 5, 8 und mehr Haaren zustande. Die Neben- 
haare konnen aber auch Biischel bilden, wie z. B. beim Schnabel- 
tier, welche dann in bestimmter Anzahl ein Haupthaar umgeben. 
Auch diese BUschel stehen wie die Haargruppen in alternieren- 
den Reihen, und wir brauchen nur die Haut einiger beliebiger 
Saugetiere anzusehen, um diese regelraaBige Anordnung der 
Haare auch auf den unbeschuppten Teilen der Sslugetierhaut 
zu erkennen. Ja selbst beim Menscheu, dessen Haarkleid die 
groBte Reduktiou erfahren hat, sehen wir am Handriicken meist 
zwei, oft auch drei Haare zusammeustehen. 

Die Haare einer Gruppe liegen meist in einer breiten Reihe 
nebeneinander und rufen somit unbedingt den Anschein heiTor, 
als ob sie hinter Schuppen hervortraten. Die Schuppen sind 
aber nicht mehr vorhanden. 

Am schonsten zeigt uns diese vermeintliche Schuppen- 
stellung der Haare ein Embryo von Aulacodus (Romer) und 
von Erithhan (Low eg). Am Riicken, Kopf und an denExtremi- 
taten liegen die Haare in regelmaBigeu alternierenden Gruppen 



— 97 — 

Yon 3 — 12 Haaren, welcbe uubedingt den Anschein erwecken, 
als ob sie hinter Schuppen stttndeD, deim die Uaut zwischen 
den einzelnen Gruppen ist haarlos. Doch ist, wie die mikro- 
skopische Untersuclinng der Haut ergab, keine Spur von Schuppen 
an jenen Stellen vorhanden. Beim Stacbelschwein stehen die 
Stacheln in abnlicben Gruppen von 5—8 oder 10—12 grofieren 
nnd kleineren Stacheln in einer geraden Linie nebeneinauder. 
So entsteht der Anblick eines nach Schuppen sicb regeluden 
Stachelkleides, dem aber die Schuppen entschwunden sind. Beim 
Ameisenigel , dessen Stachelkleid aus 2 Sorten von Stacheln 
besteht, stehen die grofien Stacheln ganz regelmafiig in fast 
gleichgrofien Abstd^nden und bilden deutliche Langsreihen. 

Wenn man nun in Erwagung zieht, dafi die Haare auf 
den beschuppten Teilen der Haut in alternierenden Gruppen 
stehen, und dafi sie auf den unbeschuppten Teilen genau solche 
Gruppen bilden oder sich wenigstens auf eiue derartige An- 
ordnung zuriickftihren lassen, so darf man daraus mit vollem 
Recht schliefien, dafi die jetzt schuppeulosen Teile der Haut 
fr&her gleichfalls Schuppen trugen. Die Schuppen selbst gingen 
verloren, die Anordnung der Haare und Haargruppen, die sich 
mehr oder weniger regelmUfiig an alien Saugetieren iSindet, 
weiSt aber noch auf ihr friiheres Vorhandensein. Das heifit 
mit andern Worten: „die Vorfahren der Saugetiere sind unter 
schuppentragenden, niederen Wirbeltieren zu suchen". Dies ist 
die gemeinsame sichere Basis, auf der alle Forscher, welche in 
den letzten Jahren iiber die Haut der Saugetiere gearbeitet 
haben, tibereinstimmend und einwandsfrei fufien. 

Nachdem wir diese Beziehungen der Haare zu den Schuppen 
kennen gelernt haben, ist die Frage zu erortern, ob diese Be- 
ziehung eine rein topographische ist oder ob hier ein innigeres 
phylogenetisches Verhaltnis vorliegt, das eine Ableitung der 
Haare aus den Schuppen oder aus Teilen derselben rechtfertigt. 
Ich habe mich schou mehrfach zu der ersteu Ansicht bekannt, 
welche die Beziehungen beider Hautgebilde zueiuander nur als 
topographische aufgefafit wissen will. Gegen die stammes- 
geschichtliche Entwickelung des Haares aus einer Schuppe 
sprechen einmal morphologische Bedenken, dafi das feine ruude 
Haar nicht einer m^chtigen flachen Schuppe entsprechen kaun, 
and dann auch entwickelungsgeschichtliche Griinde. Die erste 

7 



— 98 — 

Aniage des Haares ist eine knospenartige Einsenkung der Ober- 
haut, zu welcher die Haarpapille erst sehr viel spater als Be- 
festigungs- und Ernahrungs-Organ hinzukommt. Den ersten 
Anstofi zur BilduDg der Schuppe gibt aber, wie bei der Feder, 
die Papille der Unterhaut. Dieser embryonale Unterscbied, der 
eingangs schon betont wurde, gibt alleiu schon dem Haar eiue 
SonderstelluDg gegentiber der Schuppe und Feder und verlangt, 
daB man die Haare von den Schuppen und Federn trenne. 

Der Ansicht, zwischen Schuppe und Haar als Zwischen- 
stufe den Stachel und die Borste einzuschieben und der An- 
nahme, da6 der Entwickelungsgang „ Schuppe— Stachel — Borste — 
Haar^ lauten miisse, widerspricht unsere genaue Eenntnis von 
der Entwickelungsgeschichte der Stacheln. Bei unserem Igel 
und beim australischen Ameisenigel ist die Aniage des Stachels 
v51Iig gleich der Aniage des Haares, eine rein epidermoidale, 
und erst nachdem der Zapfen der Oberhaut in die Tiefe ge- 
wachsen ist, entwickelt sich an seinem Grunde genau wie beim 
Haar eine Papille zur Befestigung und Ern^hrung. Der ersten 
Aniage kann man es gar nicht ansehen, ob sie zu einem Stachel 
Oder zu einem Haar werden will. Der einzige Unterschied 
zwischen Stachel und Haar besteht darin, da6 beim Stachel die 
einzelnen Schichten starker ausgebildet sind. Dadurch verliert 
der Stachel aber niemals seinen Haarcharakter und wird in 
keiner Beziehung der Schuppe oder der Feder ahnlicher, mit 
denen er also auch nicht in phylogenetische Beziehung gebracht 
werden darf. Die Stacheln und Borsten sind weiter nichts als 
stark entwickelte Haare. 

Wie wir sahen, liegt im Bereich einer Schuppe stets eine 
grofiere Anzahl von Haaren. Wir miifiten also doch mindestens 
die gauze Haargruppe einer Schuppe homolog sein lassen, so 
dass also ein Haar nicht einer ganzen Schuppe, sondern nur 
einem Teil einer solchen entsprache. Dem ist aber entgegen 
zu halten, da 6 uirgendwo eine Andeutung der Sonderung einer 
Schuppe in mehrere Teile zu konstatieren ist. Bei keiner 
Wirbeltieigrnppe ist etwas derartiges beobachtet worden, auch 
nicht bei den Saugetieren, die neben einem Schuppenpanzer ein 
Haarkleid tragen. Sodanu ist als Beweis fUr die phylogenetische 
Ableitung des Haares aus einer Schuppe noch hervorgehoben 
worden, dafi die Haare in der Schuppenpapille wurzeln. Emery 



— 99 — 

fand bei einem Embryo des Gtlrteltieres an den hinteren Ex- 
tremit&ten eine Gruppe von Haaren mitten auf den Haut- 
8childern. Dieser Befnnd will mir aber bei der eigentiimlichen 
sekundaren Natur des Panzers der Giirteltiere nicht besonders 
beweiskr&ftig erscheinen. Die Untersuchung der Entwickelung 
des Panzers der Giirteltiere hat namlich gezeigt, da6 eine jede 
groBere Schuppe, die wir am erwachsenen Tiere selien, durch 
Verschmelzimg mehrerer kleiner Scliuppen eutstanden ist. 
Zwischen diesen sog. Fnrchungsschuppen stehen einzelne Haare, 
die mit der . zunebmenden Verschmelzuug verdrangt werden, 
so dafi schlieBlich nur nocb die Haare am hinteren Rande der 
Schuppen Ubrig bleiben. Die Haare standen zwischen den 
kleinen Schuppen. Es reiht sich also dieser Fall alien anderen 
an. Dasselbe gilt von ClamydophortLs und sonst ist kein Tier 
bekannt, bei dem Haare mitten in der Schuppe aus der Haut 
liervortreten, sondem iiberall da, wo Haare in der Schuppen- 
papille wurzeln, durchbrechen sie die Haut stets auf dem hinteren 
freien Rand der Schuppe. Es ist ja auch ganz erklarlich, dass 
die Haare, die sich an schuppentragendeu Tieren eutwickelten — - 
und darin sind ja alle Forscher einig, dafi die Vorfahren der 
Saugetiere einen Schuppenpanzer besessen habeu — nicht die 
harten und festen Schuppen durchbrechen, soudern nur in den 
Ginsenkungen unter dem hinteren Rande der Schuppen, dort, 
wo die Haut weich und ohue HoruUberzug ist, sich entwickeln 
konnten. Die Beziehung der Haare zu den Schuppen ist also 
eine rein topographische. 

Zu dieser Ansicht fiihrt mich besonders eine biologische 
Erwagung. Das Haarkleid mlissen wir uns doch wohl als einen 
Warmeschutz in einer Zeit der Erdgeschichte entstanden denken, 
als die Abklihlung des Klimas immer mehr zunahm. Da man 
sich nun nicht vorstellen kann, dafi erst nach einem Schwund 
des Schuppenkleides der erste Schritt zur Entwickelung des 
Haarkleides getan wurde, ist man zu der Annahme gezwungeu, 
dafi die Entstehung der Haare wahrscheinlich mit dem Schwund 
der Schuppen Hand in Hand ging, und dafi die Haare bereits 
auftraten, als die Schuppen noch vorhanden waren. Aus 
mechanischen Griiuden konnen sich die Haare zunachst nur 
unter dem hinteren freien Rande der Schuppen entwickelt haben, 
wodurch zugleich die platte Form der Haare, die wir bei 



— 100 — 

manchen S&ngetieren finden, verst&ndlich wird. Hier wird die 
EntwickeluDgsmoglichkeit die grofite gewesen sein, denn die Haare 
wurden hier in ihrer Eutwickelung am wenigsten beeintrHchtigt, 
weil ihre Stellung und RichtuDg mit der der Schuppen fiberein- 
stimmt. Die Ausbreitung der Haare und Haargruppen ist zu- 
n&chst nicht weiter in die Schnppe hinein, sondern nnr fiber 
ihren freien Rand erfolgt. Nacbdem sie an biologischer Be- 
deutung und somit auch an Ausdehnung gewannen und infolge 
dessen mILchtiger und grofier wurden, bedurften sie auch einer 
besseren Befestigung und drangen tiefer in die Schuppenpapille 
ein. Als dann spSLterhin die Schuppen immer mehr an Bedeutung 
verloren und allm&hlich schwanden, haben sich die Haare erst 
ihrer Pl9.tze bemachtigen und allgemein fiber die Haut aus- 
breiten k5nnen. Biologisch ld,fit sich diese Annahme so ver- 
stehen, da6 dem Warmeschutz gegen eine geringe Abkuhlung 
des Elimas durch das sparliche Haarkleid unter dem Rande der 
Schuppen Qentige geleistet wurde. Qegen eine weitere Abnahme 
der Temperatur konnte es aber nicht hinreichenden Schutz ge- 
wahren; es bedurfte dazu eines viel dichteren Haarkleides, 
welches aber erst entstehen konnte, als die Schuppen an Be- 
deutung verloren und schwanden. Aus dem gleichzeitigen Neben- 
einandervorkommen ergibt sich unbedingt, dafi die Beziehung 
der Haare zu den Schuppen nur eine topographische gewesen 
sein kann. 

Die Temperaturabnahme betrachten wir somit als den 
mafigebenden Faktor bei der Entstehung des Haarkleides. Aber 
nicht nur die Entstehung der Haare findet hierdurch ihre Er- 
klSlrung, sondern auch die des warmen Blutes und der Schweifi- 
driise. Tiere mit einem schlecht wUrmeleitenden und deshalb 
warmhaltenden Haarkleid konnten der Abkfihlung des Elimas 
besser trotzen. Die amphibien^hnlichen Vorfahren der S&ugetiere 
mit ihrem wechselwarmen Blut batten aber doch dieses Elllte- 
schutzes gar nicht bedurft, denn sie konnten doch, ebenso wie 
heute uoch die Amphibien und Reptilien, durch Erstarrung and 
Winterschlaf die kfihlere Zeit fiberdauem. Es mufi daher mit 
der Entstehung des Haarkleides eine Erwarmung des Blutes 
gleichzeitig stattgefunden haben oder ihr schon vorangegangen 
sein. Aber mit der Erhohung der Korperw&rme und ihres 
Schutzes allein war auch noch nichts gewonnen; es bedurfte 



— 101 — 

noch eines W&rmeregulationsapparates and das waren die 
Schweifidrdsen. Entstehung des Haarkleides, Erw&rmung des 
Blutes und Entwickelung der Schweifidriisen sind drei wichtige 
nnzertrennlicbe Stufen in der Phylogenie der Sd^ugetiere, welcbe 
einzeln f&r sich genommen nicht zu erkl&ren and zn verstehen 
sind. Sie bilden eine znsammenhangende Gruppe. 

Somit wird nns anch der innige Zusammenhang zwischen 
Haar und SchwelBdrtise, der bei den meisten S^ugetieren kon- 
statiert werden kann, verst&ndlicb. Die Scbweifidruse ist ein 
Anbangsgebilde oder vielmebr ein Zwilling des Haares, denn 
sie entwickelt sich ebenso wie die Talgdrtise aus der Haar- 
anlage. Derselbe Epidermiszapfen entb&lt die gemeinschaft- 
licben Anlagen fttr Haare, Scbweifidriisen und Talgdriisen und 
an den bebaarten E5rperstellen entwickeln sicb meist alle drei 
Gebilde aus ibm. Er kann aber auch gerade so gut nur eine 
Schweifidriise oder nur eine Talgdrtise oder endlicb nur ein 
Haar oder einen Stacbel aus sich hervorgehen lassen. Man be- 
zeichnet daher, den arspriinglich einfachen Oberhantfortsatz, 
besser nicht als Haarkeim, sondern als prim&ren ^Epithelkeim^, 
aus dem sich Haarkeim, Scbweifidriisen- und Talgdrtisen-An- 
lagen abscheiden k5nnen. 

Ursprttngiich kommt jeder Haargrnppe nur eine Schweifi- 
driise zu und an den meisten Tieren, selbst bei manchen h5heren 
Affen, mtindet die Schweifidriise noch in den Haarbalg ein, aus 
dem sie auch ihre Entwickelung nahm. Die selbstHndige Aus- 
mfindung der Schweifidriise ist die Ausnahme und kommt auch 
nur bei wenigen Tieren vor. Meist zeigt ihre Lage zu den 
Haargruppen auch dann noch, dafi sie nrspriinglich an die Haar- 
gmppe gebunden war. Haare und Schweifidrtisen sind nicht 
nur topographisch, sondern auch ontogenetisch und phylogenetisch 
miteinander yerkniipft, und dort wo diese Beziehungen hente 
nicht mehr sichtbar sind, liegen sekundHre Verhaltnisse vor. 

Die erwahnten verschiedenen Stufen in der Phylogenie 
des Haarkleides sehen wir hente noch an verschiedenen Tieren 
in schOnster Deutlichkeit ontogenetisch zum Ausdruck gebracht. 
Beim Stachelschwein gew^hren die in breiten alternierenden 
Gmppen stehenden m9.chtigen Stacheln auf dem Rticken den 
Anblick, als ob sie hinter Schnppen hervortr^ten. Die einzelnen 
Gruppen stehen 1—2 cm yon einander entfernt. Die Schnppen 



— 102 — 

sind aber nicht mehr vorhanden, iind doch ist es zwischen den 
Stachel^uppen auf deu Pl&tzen der ehemaligen Schuppen noch 
nicht zur Entwickelung eines allgemeineu feineren Haarkleides 
gekommen. Die Haut ist dort voUig nackt, denn die wenlgen 
Borsten, mit welchen das Stachelkleid untermischt ist, stehen 
stets dicht vor oder neben den Stacheln. Die Ausbildung der 
machtigen Stacheln mag jegliche weitere Entwickelung der Haare 
verhindert haben. 

Bei den schon erwahnten Embryonen von Atilacodus und 
Eritkixan zeigen die Haargruppen noch dieselbe Anordnung, 
welche sie nach unserer biologischen Erw&gung bei ihrem ersten 
phylogenetiscben Auftreten hinter den Schuppen genommen haben 
miissen; sie haben noch genau den Platz inne, den ihnen die 
Schuppen ehemals yorschrieben. Die Schuppen sind aber g&nz- 
lich geschwunden. Diese Haargruppen entstehen zuerst und 
wenn sie schon eine ziemliche Lange erreicht haben, erscheinen 
zwischen den Haargruppen auf den vermeintlichen Schuppen 
die Anlagen des allgemeineu dichten Haarkleides Uberall auf dem 
ganzen Korper, und zwar liegen sie an dem hinteren Rand der 
Schuppe in der Nahe der groBeren Haare am dichtesten und 
bilden ebenfalls Gruppen, w&hrend sie welter vorn auf der ver- 
meintlichen Schuppe sparlicher und nur vereinzelt auftreten. 
Die Untersuchung einer Anzahl von Balgen ergab nun, dafi an 
den als „Winterfell" bezeichneten Biilgen, namentlich an solchen 
von jUngeren Tieren, ein allgemeines dichtes Haarkleid zwischen 
den anderen Haargruppen vorkommt, w&hrend bei den ^Sommer- 
fellen'' nur einzelne feinere Haare auf den ehemaligen Schuppen^ 
platzen stehen. Die oben skizzierten phylogenetiscben Stadien 
aus der Geschichte der Haarentstehung, die wii* mit der Klima- 
anderung erklaren woUten, wiederholen sich heute noch all- 
jahrlich bei dem Ubergang aus der Winterzeit in die Sommerzeit 
wie beim ersten Auftreten. Eine Temperaturzunahme — Sommer- 
zeit — bringt heute die vielen kleinen Haare auf den Schuppen- 
platzen wieder zum Schwinden, wahrend ehemals eine Tem- 
peraturabnahme ihr erstes Auftreten bedingte und verursachte. 
Gewifi werden auch noch andere Tiere mit ausgesprochenem 
Sommer- und Winterfell in dieser Frage weitere Aufschlftsse geben. 

Nur wenige Tiere haben in ihrer Hautentwicklung solche 
primitiven Zustande bewahrt, an denen wir uns die pbylo- 



— 103 — 

genetischen VorgHnge in der Hant beim Ubergang von einem 
Schnppenpanzer zu einem Haarkleid verstandlich maclieu konnen. 
Vielfach liegen sekundare Verh^ltnisse vor, so uamentlich an 
den beschnppten Schwanzen. Bei der erwachsenen Ratte steht 
nnter dem hinteren Rande einer jeden Schuppe ein starkeres 
Hittelhaar und neben demselben jederseits mehrere seitliche 
Nebenhaare. Die Zahl der Mittelhaare eines jeden Schuppen- 
rlnges — die Schuppen sind n^mlicli in parallelen Ringen ange- 
ordnet, welche nm den ganzen Scbwanz lierumgehen — entspricht 
der Anzabl der Schnppen desselben Ringes. Man wird nun 
geneigt sein, anzunebmen, da6 die Schuppen das Prim^re sind, 
die den Haaren ibren Platz unter dem hinteren Rande vor- 
schreiben. Meine entwickelungsgeschichtlichen Untersuchungen 
haben aber gezeigt, dafi die Haare sich zuerst anlegeu, ehe 
auch nur die Andeutuugen der Schuppen vorhanden sind, von 
denen sie nachher abhangen; sie legen sich in alternierenden 
Gruppen von 4 oder 5 Haaren an, wobei das Mittelhaar zuerst 
anftritt. Erst nachdem die Haare einen hohen Grad der Aus- 
bitdung erlangt haben, erfolgt eine ringformige Erhebuug der 
Dnterhaut, welche den ganzen Schwanz umgreift und sich Uber 
die Haare hinwegschiebt. Die Hornschicht ist ebeufalls zuerst 
fiber dem ganzen Schwanz einheitlich. Sie wird dann von den 
durchbrechenden Haaren zenissen, wodurch dann die Schuppen- 
ringe zwischen den Haaren entstehen. Zweifelsohne laBt sich 
die regelmd^fiige Stellung der Haare schon bei ihrer ersten An- 
lage nur aus einer topographischen Beziehung zu den Schuppen 
erkl&ren. Doch sind zwei Moglichkeiten vorhanden: die Haare 
haben sich einstmals an beschnppten Voifahren entwickelt; es 
trat aber eine Zeit ein, in welcher die Schuppen an Bedeutung 
und Entwickelong verloren, aus welcher Zeit die Haare ihr 
Recht herleiten, sich fruher anzulegen. Als die Schuppen dann 
aus irgend einer Veranlassung wieder in den Vordergrund traten, 
mufiten sie ihre alte Anordnung wieder einnehmen, welche die 
Haare so 8ch5n bewahrt batten. Ihren Platz und die Be- 
herrschung der Haare im ausgebildeten Zustande erwarben sie 
wieder, aber des Rechtes der friiheren Anlage gingen sie ver- 
lastig. Oder aber wir mfissen annehmen, dafi sich die Schuppen 
am Rattenschwanz als Rest eines ehemaligen Schuppenkleides 
erhalteu haben, dann aber, als die Schuppen des fibrigen Korpers 



— 104 — 

von dem Haarkleid ganzlich verdrangt wurden, vor den Haaren 
an Bedeutung zurilcktraten. Die Haare legten sich allm&hlich 
vor ihnen an, aber immer noch in der alien gesetzmSLBigen An- 
ordniing, in welcher sie im erwacbsenen Zustande von ihnen 
abhRngig sind. Auf alle F&lle liegen seknndare Verschiebnngen 
vor nnd wir selien daraus, da6 man nicht jedes Vorkommen 
von Haaren in Verbindung mit Schuppen gleichmaBig phylo- 
genetisch verwerten kann. 

Nachdem wir nunmehr gesehen haben, daB wir fiir die 
Ableitung des Haares aus der Reptilienschnppe keine geniigende 
Basis finden konnten, und beide Haatgebilde nur in topo- 
graphischer Beziehung zueinander stehen, erhebt sich die Frage, 
ob das Haar eine eigene Neubildnng der Haut ist oder ob sich 
andere phylogenetische VorlSLufer des Haares in der Haut 
niederer Wirbeltiere finden. 

Wenn man der Ansicht ist, dafi die Haare als seiche in 
der Haut der SSlugetiere entstanden sind, so sind natOrlich alle 
weiteren Fragen fiber die Herkunft des Haares iiberfltissig. 
Geht man aber von der Voraussetzung aus, daB die S&ugetiere 
sich aus niederen Wirbeltieren entwickelt haben und demgem&fi 
auch die Organe von den Vorfahren tiberkommen sind, so 
wird man folgerichtig auch nach Organen suchen mtissen, 
welche die anatomische Grundlage fiir die Haare abgegeben 
haben k5nnten. 

In diesen Bahnen bewegen sich die Arbeiten von F. Mau- 
rer, fiir den der Ausgangspunkt das Haar als Einzelorgan war, 
und der dadurch ganz neue Gedanken in die Haar- und Schup- 
penfrage brachte. 

Nach Maurer sind auch noch andere Forscher mit An- 
sicht en liber diese Frage hervorgetreten. So hat Emery in 
den Hautzahnchen der Fische die Vorlflufer des Haares erblickt. 
Er stUtzt sich dabei auf die Ubereinstimmung in der ersten 
Anlage beider Gebilde, denn so wie beim Haar beginnt auch 
die Zahnanlage mit der Bildung eines knospenartigen Zapfens 
der Ober]iant. Auch zeigt die Anlage des Ersatzzahnes in der 
Bildung einer neuen Papille manche Ahnlichkeit mit der Anlage 
eines neuen Haares an Stelle eines alten. Damit ist aber die 
Ubereinstimmung erschopft. Weder ist die Zahnpapille mit 
ihrem Nervenreichtum der nervenlosen Haarpapille, noch ist der 



— 105 — 

Schmelz nnd Dentin des Zahnes mil den Elementen des Haares 
irgendwie vergleiclibar. 

Sodann sind von Ley dig die Perlorgane, die auf den 
Scbnppen mancher Fische im Hochzeitskleide anftreten, als Vor- 
l&nfer der Haare in Ansprnch genommen worden. Wenn es 
einerseits schon gewagt erscheint, die Saugetiere hinsichtlicli 
ihres Haarkleides an eine ziemlich abseitsstebende Fiscbgrnppe an- 
zuschliefien, so bat andeierseits aucb die bistologiscbe Unter- 
sucbung ergeben, dafi bierf iir jede Ankniipf ungsmoglicbkeit fehlt. 
Die Perloi^ane stellen keine eigenen Gebilde dar, sondern ent- 
steben als Gebilde ganz binfulliger Art ans Oberbautzellen in 
der Umgebnng der Hautsinnesorgane, wenn diese selbst zu- 
grnnde geben. Endlich ist aucb der Bau der Perlorgane nidit 
geeiguet, die Besonderbeiten im Bau des Haares verstandlicb 
zu macben. 

Eine bessere Grundlage bat die Hypotbese von F. Mau- 
rer, die in den Hautsinnesorganen der niederen Tiere die Vor- 
l&nfer der Haare erblickt. W&brend die erwSlhnten Perloi-gane 
au8 Wucherungen der umliegendeu Oberbautzellen entstehen, 
sind die Hautsinnesorgane selbst die Grundlage ftir das S3.uge- 
tierbaar und der Bau dieses Organes wird uns aus dieser Be- 
ziebung voUkommen klar und verst&ndlicb. 

Diese Hautsinnesorgane finden sicb bei s^mtlicben im 
Wasser lebenden niederen Wirbeltieren. Sie treten bei mancbeu 
Formen in regelm&Bigen Reiben auf, namentlicb am Kopfe und 
am Rampfe in drei L&ngsreihen, entsprecbend dem Verlauf des 
Seitenastes des N. Vagus und zeigen die Tendenz zur Gruppen- 
bildnng. Es steht nicbt immer ein Sinnesorgan a]lein, sondern 
sie steben in Gruppen von 3— 5 in einer Reibe nebeneinander. 
Diese Grnppenstellung ist eine Folge ibrer Vermebrung durcb 
Teilung. An der Stelle, wo spater eine Gruppe von Hautsinnes- 
organen liegt, findet man embryonal nur ein einziges Organ 
angelegt. Durcb Teilung vermebrt sicb ein solches Gebilde 
und die Gruppe, welcbe dann zustande kommt, wird stets durcb 
ein Nervenst&mmcben versorgt, das ursprtinglich zu dem ein- 
zigen Organ verlief, spater aber jedem Organ der Gruppe einen 
Zweig znschickt. Seinem Bau nach stellt jedes Organ in ein- 
fachster Form ein scbarf nmgrenztes knospenfdrmiges Gebilde 
der Oberhaut dar, das im Zentrum Sinneszellen entb&lt, die von 



— 106 — 

langen Epidermiszellen als Sttttz- und Deckzelleu umbtillt werden. 
Die beiden Zellenformen, welche die Sinneskuospe zusammensetzeD, 
reichen an die freie Oberflache der Haut. Durch VergroBerungen 
konuen solche einf acheu Sinnesorgane mannigfach umgestaltet seio, 
stets lassen sie sich aber von der eiufachsten Form ableiten. 

Vergleicht man ein solches Hautsiunesorgau mit einem 
Haar, so ergibt sich eine ganze Reihe von Ubereinstimmungen, 
deren wesentlichste in der Gleichbeit der ersten Anlage beider 
Gebilde liegt. Haar nnd Sinnesorgane sind beide reine Ober- 
hantgebilde, bei welchen die Unterhaut erst in zweiter Linie 
als sttttzender und ernahrender Apparat in Mitt^tigkeit tritt, 
wd^brend, wie wir anfangs sahen, die mannigfachen Schuppen 
und Federn ihren Ausgangspunkt in einer Unterhautpapille 
finden. Ferner stehen die Sinnesorgane in L&ngsreiben und 
bilden Gruppen, die bei den Fischeu in topographischen Be- 
ziehungen zu den Schuppen treten. 

Die Hautsinnesorgane verhalten sich nun bei den Am- 
phibien sehr verschieden. Die Gruppe der Amphibien vermittelt 
bekanntlicb den Ubergang zum Landleben. In der Jugend 
leben sie als kiemenatmende Larven im Wasser ; im er wachsenen 
Zustande gehen sie ans Land und es tritt Lungenatmung ein. 
Die meisten Amphibien fuhren aber in regelmafiig wieder- 
kehrenden Zeitperioden, zur Laichzeit, in altgewohnter Weise 
ein vorttbergehendes Wasserleben. 

Die Hautsinnesorgane erleiden nun bei vielen Amphibien 
eine v5llige Riickbildung, so bei den meisten Fr58chen und 
Salamandern. Bei anderen Gruppen aber, so z. B. bei unseren 
Molchen sinken sie, wenn die Tiere aufs Trockene gehen, in 
die Tiefe. Die Sinneszellen, im Zentrum der Gebilde ange- 
ordnet, nehmen eine tiefe Lage ein, die sie umgebenden Stiitz- 
und Deckzellen verhornen, es tritt reichliche Pigmententwicke- 
lung auf und es bildet sich ein kleiner konischer Hornzapfen, 
welcher einen schiitzenden Wall um die Sinneszellen darstellt. 
In diesem eigentUmlichen Verhalten bleiben die Sinnesorgane 
wd^hrend der ganzen Zeit des Landlebens dieser Tiere. Suchen 
die Tiere das Wasser wieder auf, so nehmen die Sinnesorgane 
wie friiher eine oberMchliche Lage ein, die verhornten Zellen 
werden abgestofien und es bildet sich wieder ein fttr das 
Wasserleben geeignete^ Hautsiunesorgau ans. 



— 107 - 

Wie nun heute die Hautsinnesorgane der Amphibien beim 
Ubergang zum Landlebeu in die Tiefe siokeo und verhorneu, 
so trat auch ehemals, als die Vorfahren der heutigen ScLoge- 
tiere sicli an das Landleben gew5hnten, allmahlich ein Funktions- 
wechsel der Organe ein, die spezifischen Sinneszellen, die in ihrer 
Fanktion abhangig sind vom Wasser als umgebenden Medium, 
gingen zu Grande. Der sie versorgende Nerv schwand all- 
mahlich and die Sttitz- and Deckzellen lieferten dnrcb Ver- 
hornnng den Haarschaft. 

Wenn man ein solches in der Tiefe liegendes Haatsinnes- 
organ mit einem Haar vergleicht, so kann man allerdings zu 
der Uberzeugung kommen, dafi in der Hautsinnesknospe alle 
Teile des Haares in einfachster Weise vorgebildet sind. Die 
bis ins einzelne gehende Ubereinstimmung der verschiedenen 
Schichten eines Haares mit denen der Sinnesknospe machen alle 
Besonderheiten im Bau des Haares verst^ndlich. Das Mark des 
Haarschaftes, das aus unvollkommen verhornten Zellen bestebt, 
repr&sentiert die verktimmerten Reste der Sinneszellen. Die 
darum liegende Rindenschicbte des Haarschaftes ist ableitbar 
von den verhornten Stiitzzellen der Sinnesknospe, das Ober- 
h&atchen des Haares entwickelt sich aus den Deckzellen der 
Sinnesknospe und in der &u6eren und inneren Wurzelscheide 
des Haares findet man den die Sinnesknospe iiberragenden 
Epithelkegel wieder. Naturlich kann auf alle Einzelheiten dieses 
Vergleiches nicht eingegangen werden. Folgt man aber der 
Maarerschen Beweisfllhrung, die auf dem Zusammenwirken 
einer ganzen Reihe von Ubereinstimmungen in der Histologie 
and Entwickelungsgeschichte des Haares und der Hautsinnes- 
organe beraht, kritisch und objektiv, so kann man seiner Hypo- 
these die Anerkennung nicht versagen. Die phylogenetische 
Ableitang des Haares als Einzelorgan aus einem Hautsinnes- 
organ hat eine gentigend sichere Basis erhalten, die natiirlich 
immer nar einen hypothetischen Charakter haben kann, weil ein 
auf direkter Beobachtung gesttitzterBeweis, welcher zeigt, wie eine 
Sinnesknospe zn einem Haar ausw^chst, nieraals zu erbringen ist. 

Aber auch ftir das Zustandekommen der Haargruppen 
finden wir in der Maurerschen Hypothese eine geniigende Er- 
kl&roDg. Wie wir sehen, k5nnen die Hautsinnesorgane sich 
teilen, ihre Grappenstellung ist eine Folge ihrer Vermehrang 



— 108 — 

duich Teilung. Bei den Haaren haben wir die Gruppenstellung 
Uberall konstatieren konnen. Wie uun meine entwickelongs- 
geschichtliche UntersuchuDg der Haut des Ameisenigels gezeigt 
hat, eutsteheu hier die Haaigruppen ebenfalls durch Teilnng. 
Sie kommen dadurch zustande, daB der erste Haarkeim, das 
spatere Mittelhaar, durch Sprossung an seinem oberen Ende die 
Nebenhaare aus sich hervorgehen I9.fit. Beim Ameisenigel, den 
wir wegen anderer anatomischer Merkmale als das niedrigst 
organisierte Sd.ugetier ansehen mllssen, entsteht also eine Haar- 
gruppe durch Teilung von einer einheitlichen Anlage aus. Da 
Haare und Hautsinnesorgane einzig und allein diesen Ent- 
stehungsmodus der Gruppen durch Teilung haben, so ist dieser 
Befund nicht nur ein bedeutungsvoUes Glied in der Kette der 
Ubereinstimmungen beider Gebilde, sondern auch noch ein ganz 
fundamentaler Unterschied gegenUber den Schuppen- und Feder- 
gebilden, welche niemals eine solche Vermehrungsweise zeigeu. 
In der Haut des Ameisenigels flnden sich aber auch noch andere 
primitive Zustd^nde, welche einen Uberraschenden Beweis fUr 
Maurer geliefert haben, das ist die Anordnung der Stacheln 
in L&ngsreihen, der friihe Durchbruch der Stacheln an den 
Seiten des Eorpers.und die papilllbren Erhebungen, die wir als die 
letztenReste eines ehemaligen Schuppenkleides ansprechen mtissen. 
Dieser Befund der Haargruppenbildung beim Ameisenigel, 
der auch zu unserer obigen biologischen Erklarung ftir die Ent- ' 
stehung des Haarkleides pafit, berechtigt uns zu der Annahme, 
dafi dieser Modus der urspriingliche gewesen ist. Dafi er heute 
nicht an weiteren Tieren konstatiert wird, darf uns nicht fiber- 
raschen. Einmal sind nur wenig Tiere auf ihre Haarentwickelung 
hin genau studiert, so noch nicht einmal die Beuteltiere. Dann 
muB die Haarentwickelung immer mehr von dem ursprfinglichen 
Verhalten abweichen, je mehr sich die betreffenden Tiere 
von ihrem Ahnen entfernt haben. Wie wir oben sahen, sind 
die Haare am hinteren Band der Schnppe entstanden. Ihre 
AusdehnungsfM,higkeit war zun^chst begrenzt und konnte nur 
Uber den Schuppenrand in die Breite erfolgen. Dadurch 
haben sich die Nebenhaare aber schnell vom Mittelhaar, ihrem 
Mutterboden, losgelost; sie sind in die Breite gerftckt nnd 
selbst&ndig geworden und legen sich nunmehr dii*ekt von der 
Epidermis aus an. 



— 109 — 

Nachdem wir Dunmehr gesehen haben, auf welchem Wege 
es zar Bildnng des Haares und der Haargrappe kam, bleibt 
uns noch tlbrig, die Verteilung der Haare liber den ganzen Kor- 
per und die Entstehung des Haarkleides zu erortern. Hierfur 
scheint die Mature rsche Lehre zunachst keine geniigende £r- 
klarung zu bieten. 

Unsere Amphibien verlieren mit dem Ubergang zum Land- 
leben die Hautsinnesorgane ; letztere sinken in die Tiefe and 
verschwinden mebr und mehr. Oder sie beschranken sich nur noch 
auf bestimmte Reihen und sind hauptsachlich am Kopf ent- 
wickelt. Von dieser geringen Verteilung der Hautsinnesorgane 
aus ist es schwierig zu einem iiber den ganzen Eorper ver- 
breiteteu Haarkleide zu kommen. Doch steht damit die Tat- 
sacbe im Einklang, dafi sich die Haare am Kopfe der Sauge- 
tiere zuerst und zwar sehr viel friiher als an dem Ubrigen 
Korper anlegen. Auch sind viele von ihnen empf indliche Sinnes- 
organe, die Tasthaare oder Spurhaare an der Schnauze und an 
den Wangen der Sftugetiere. Dann sehen wir auch bei man- 
chen Formen die ersten Haaranlagen in regelmafiigen Langs- 
reiben an den Seiten auftreten, die eine groBe Ahnlichkeit mit 
den L^ngsreihen der Hautsinnesorgane niederer Wirbeltiere 
haben. Spftter erst treten dann iiber den ganzen Korper ver- 
breitete Haaranlagen auf. Mit dem ungleichen Flachenwachs- 
turn der Haut, yerwischen sich diese Reihen mehr und mebr; 
bei manchen Arten, so z. B. beim Ameisenigel, erhalten sie sich 
aber auch wahrend des ganzen Lebens. Bei den Embryonen 
ist die Anordnung der Haare in Reihen stets deutlicher als am 
ausgebildeten Tiere. 

Andererseits kennen wir aber auch Amphibien, so z. B. 
CrypiobrafickuSy bei denen die Hautsinnesorgane viel reichlicher 
entwickelt sind, und bei den meisten Fischen sind sie iiber den 
ganzen Korper verbreitet und bedeCken auch die GliedmaBen, 
wo sie in dichten Massen in Liingsreihen zwischen den Schuppen 
stehen. Wir kennen also jedenfalls wasserbewohnende Wirbel- 
tiere, die ganz mit Hautsinnesorganen bedeckt sind. Im Ver- 
gleich damit ist der Hautsinnesapparat der Amphibien freilich 
ein kHmmerlicher Rest. Aber von den heutigen nackten 
Amphibien darf man dabei auch nicht ausgehen. Diese Gruppe 
stellt bekanntlich den Rest einer friiher sehr formenreichen 



— no — 

Wirbeltierklasse dar, der noch eine weitgehende RftckbilduDg 
erlitten hat und in den meisten Organen reduziert ist. Mit 
diesen Zustanden darf. man die heutigen SS.ugetiere nicht in 
eiuen stammesgeschichtlichen Zusammenhang bringen, sondern wir 
miissen auf deren beschuppte Ahnen zurtickgehen. Diese wasser- 
bewohnenden Vorlaufer beweisen, dafi den heutigen Amphibien die 
Schuppenlosigkeit nicht von vornherein zukommt. Die Schuppen 
sind geschwunden, wahrend die Hautsinnesorgane sich noch in 
Kesten erhalten haben, die eine regelm^Bige Anordnung innehalten. 

Als diese Ahnen betrachten wir die foimenreiche Gruppe 
der Stegocephalen, die durch Credner bekannt gewor- 
denen Panzerlurche der Steinkohlenzeit, die einen wohl ent- 
wickelten Schuppenpanzer besafien. Ihre Larven sind mit 
Kiemen ausgerustet und bei ihnen diirfen wir auch wohl unter 
dem Schutze der Schuppen ilber dem ganzen Korper verbreitete 
Hautsinnesorgane, ^hnlich wie bei den Fischen, vermuten. Yon 
hier aus ist es nicht schwer, sich die Entstehung des liber den 
ganzen Korper verteilten Haarkleides verstandlich zu machen. 

Da die Hautsinnesorgane fossil nicht erhalten bleiben 
konnen, so ist freilich auch der Beweis, dafi die Stegocephalen 
Hautsinnesorgane besessen haben, nicht zu erbringen. Wenn' 
wir ihnen aber auf Grund ihres gut erhaltenen Skelettes und 
ibres Hautpanzers eine Stellung zwischen den heutigen Amphibien 
und Fischen anweisen mUssen, so sind wir auch berechtigt, 
bei ihnen Hautsinnesorgane vorauszusetzen. 

Die Maurersche Hypothese hat uns gleichmafiig den 
SchlUssel zum Verstandnis aller Hautgebilde der hoheren Wirbei- 
tiere gebracht. Die Hautsinnesorgane, welche die Stegocephalen 
von den Fischen her ererbt hatten, haben die Basis fur die 
Entstehung der Haare und Haargruppen abgegeben ; ihre Lage- 
beziehung zu den Schuppen erklart uns die eigentiimliche 
regelmafiige Anordnung der Haare, welche auf einen ehemaligen 
Schuppenpanzer hinweist, und die Schuppen der Stegocephalen 
haben sich in dem Schuppenkleid und seinen Resten, die wir 
bei vielen Saugetieren finden, erhalten, bei einigen-Foruicn sich 
sogar durch Anpassuug weiter ausgebildet. Ebenso sind die 
Schuppen der Stegocephalen auf die divergente Linie der Rep- 
tilieu iibergegangen, die durch Umbilduug die Federn der VOgel 
entstehen liefien. 



— Ill — 



Bericht fiber die Sammlungsergebnisse einer 
palaontologisch-geologisclieiiForscliungsreise 

nacli Agypten, 

Von 

Dr. Ernst Stromer (Munchen). 



Auf Anregung des Herrn A. von Reinach und von ihm 
and der Senckenbergischen Naiurforschenden 6e- 
sellschaft in Frankfurt a. M. mit Mitteln versehen trat ich 
Anfang November 1903 eine dreimonatliche Raise nach Agypten 
an, urn dort haupts^clilick Terti^rfossilien zu sammeln. 
Ich hatte mich dabei des grofiteu Entgegenkommens von alien 
Seiten zu erfreuen, wodnrch mir die erfolgreiche Durcbftihrung 
meines Programmes sehr erleichtert worden ist. Von den zal)l- 
reichen Beh5rden und Privatpersouen, die mich sozulebhaftem 
Dank verpflichteten, erwfthne ich hier nur neben der Verwaltung 
der Senckenbergischen Naiurforschenden Oesellschaft und Herrn 
von Reinach zunachst die Direktion des Osterreichischen 
Lloyd, welche mir eine Fahrpreisermafiigung gewahrte, sodann 
insbesondere den Generaldirektor der agyptischen Survey, Captain 
Lyons in Gizeh bei Kairo, den Direktor des Altertum-Museums 
in Kairo, Mr. Mespero, die Direktion der „Salt & Soda Co." 
in Kairo, speziell Mr. Hooker, ferner Herrn Prof. Schweinfurth 
und meinen KoUegen Herrn Dr. Blanckenhorn. Durch das 
gfitige Entgegenkommen von Herrn Prof. E. Fraas in Stutt- 
gart sowie Herrn Kaufmann Mez in Kairo wurde mir endlich 
ermoglicht, ftir die Dauer meines Aufenthalts in Agypten einen 
tUchtigen Sammler, Herrn Markgraf in Kairo, zu engagieren, 
der mir mit grofiem Eifer und mit Ausdauer sehr gute Dieuste 
geleistet hat. 



— 112 — 

Entsprechend meinen Absichten sammelte ich Dicht nur 
in der n^heren Umgebung von Kairo, am Mokattam und 
bei Abusir. sondern machte auch je zwei gr5fiere Touren in 
das Fa jura und seine Umgebung und in das Natrontal und 
Uadi Faregh. Herr Markgraf war besonders am Mokattam 
fiir mich tatig, begleitete mich aber auch auf den meisten 
grofieren Exkursionen in die Libyscke Wiiste. 

Im Folgenden seien nun kurz die fUr das Senckenbergische 
Museum dabei aufgebracbten Sammlungen dem geologischen 
Alter nach aufgezahit, um eine Ubersicht des gesamten Materials 
zu ermoglichen, da die einzelnen Arten von Objekten getrennt 
und von verschiedenen Herren bearbeitet werden. 

Unterer Mokattam = unteres Mitteleocan (bei Kai ro) : 
Nuramuliten (z. T. auch aus dem Siiden des Fajum), Schnecken- 
Steinkerne, Seeigel, Krabben, Zahne von Haifischen, Roclien, 
Pycnodonten und Knochenfischen, wenige Z&hne von Krokodiliern, 
zwei Schadel und ein Brustkorb von Seekiihen, zwei grofie 
Mesocetiis -Vfirhel, 

Oberer Mokattam = oberes Mitteleocan (im Norden 
des Fajum, z. T. auch bei Abusir bei Kairo) : EUnige Gesteins- 
proben, Blattabdriicke und Kieselholzer, mehrere Koralleu, zahl- 
reiche Muscheln und Schnecken groBtenteils mit erhaltenen 
Schalen, Seeigel, einige Krebsscheeren, Hai-, besonders S&gefisch- 
Reste, viele Welsreste, wenige Schildkrolenpanzerstflcke, einige 
Schlaugenwirbel, umfangreiche Krokodilier- und durftige Seekub- 
Reste, ein Schadel mit Kiefern und Wirbel von Zeuglodon und 
endlich ein Schftdel mit Unterkiefern und Rippen von Moeritherinm, 

Fluviomarin-Stufe = Obereocan (im Norden des 
Fajum): Einige Gesteinsproben, Kieselholzer, mehrere Schild- 
ki-i)tenpanzerteile, einige Krokodilierreste, ein Vogelbecken (?), 
Landsaugetier-Zahne und -Knochen. 

Oligocan (im Norden des Fajum): einige Gesteinsproben 
und Kieselholzer, ein Krokodilschild. 

Untermiocan (Uadi Faregh): Gesteinsproben, wenige 
Muscheln und Schnecken, Schildkrotenreste, ein Brachyodus- 
Unterkiefer und Beckenstuck. 

Mittelpliocan (UadiNatrun, z.T. auch Abusir bei Kairo): 
Gesteinsproben, Muscheln, wenige Schnecken, Seeigel ^CV^j^a^^y, 



— 113 — 

kleine Welsreste, Reste von Krokodiliern, Cheloniern und einer 
Schlange, Knochen und wenige Zaline von Saugetieren, besonders 
vom FluBpferd. 

Quartar (Wiiste vom Natron tal bis zum Fajum, De- 

• pressionsgebiet des Uadi Natrun und des Fajum): Wiistenkiesel, 

Proben von Gesteinsverwitterungen und von Natronsalzen, Kon- 

chylien und Saugetierknochen und bezahnte Kiefer, Feuerstein- 

Werkzeuge. 

Da die Bearbeitung dieser Objekte erst begiunt, laBt sich 
einstweilen nur weniges i'lber sie sagen. Die hautigeren und 
besser erhalteueu Formen der rein marineu unteren und der 
. z. T. brackische, Siifiwasser- und Landbewohner enthaltenden 
oberen Mokattamstufe siud in der Sammlung groBtenteils ver- 
treten; besonderes Interesse beansprucheu daruuter die niclit 
marinen Organismen und dann die sehr primitiven Seekiihe, der 
kleine Urwal (Zenglodou) und der Elephantenahne (Moeritheriinn). 

Diirftig ist leider das brackische Obereocan, Untermiocan 
und besonders das uberhaupt an guteu Resten sehr arme 
Oligocan vertreten ; immerhin sind einige gute Schildkrotenreste 
und Zahne interessanter Landsaugetiere wie von Palaeomdstodon, 
dem Vorlaufer der Mastodonten, eines Creodonten. also eines 
Urraubtieres, und der Anthracotheriden Anrodas und Brachifodus 
in der Sammlung vertreten. 

Von der Konchylienfauna des marinen und brackischen 
"PHocans ist auch nur recht wenig vorhanden; von den Wirbel- 
tieren aber wenigstens zahlreiche, jedoch nicht schone Reste. 

Von den quartaren Objekten sind die samtlich aus dem 
Fajumkessel stammenden Reste von Organismen und neolithischen 
Feuersteinwerkzeuge wohl fast alle von alluvialem Alter, also 
von geringem Wert; die Natronsalze jedoch bieten einiges 
Interesse im Hinblick auf die noch uugekliirte Frage der Salz- 
bildung in der Wiiste. 

Ist demnach die Sammlungsausbeute auch keine glanzende, 
.80 sind dem Museum doch manche neue oder bisher 
in keinem anderen als dem Londoner und Kairiner 
Museum vertretene StUcke zugefiihrt worden. 



— 115 — • 



• 



I n li a 1 1. 



•• ^ N ^ ^ ■ _ 



I. Tell: Geschanilche Mlttellungen. 

Selte 
Jahresfeier der Senckenbergiscben Natarforscbenden Gesellscbaft 

and Grandsteinlegung zam Neabau des Naturbistoriscben 

Museams am 15. Mai 1904: 

Akademiscbe Feier 5* 

Jabresbericbt, erstattet von Prof. Dr.E. Marx, II. Dir. 8* 

Grandsteinlegung zom Neabau des Naturbistoriscben 

Museums 22* 

Festessen 32* 

Verteilung der Amier im Jabre 1904 39* 

Verzeicbnis der Mitglieder: 

I. Stifter 41* 

II. Ewige Mitglieder 42* 

III. Beitragende Mitglieder 44* 

IV. u. V. Aufierordentliche and Korreapondierende Ehreniuitglieder 52* 

VI. Korrespondierende Mitglieder 52* 

RecbtederMitglieder 58* 

AuBzug aus derBibliotbek-Ordnung *. . . 59* 

Bilanz per 31. Dezember 1903 60* 

Ubersicbt der Einnabmen and Ausgaben im Jabre 1903 61* 

ProtokoUe der wissenscbaf tlicben Sitzungen: 

Dr. A. Jaeger: Die Schwimmblase der Fische 63* 

Oberlebrer Dr. Tb. Neumann: Giftscblangen und Scblangengift 72* 

Prof. Dr. M. Mobius: Die Flora des SaBwassers .... 76* 

Dr. F. R m e r : Die Anpassnng der Wale an das Leben im Wasser 77* 

Dr. A. Seitz: Eine Reise in die Nilghiri-Berge in Vorderindien 7i)* 

Prof. Dr. W. Ruppel: Biologie der Tuberkelbazillen . . . 80* 

Prof. Dr. R. Hautbal: Die Bedeutung der Funde in der (Tiyi»o- 

tberiumb5hle bei Ultima Esperanza (SUdwestpatagonien) . . 89* 

Oberlebrer Dr. P. Sack: Bau und Lebensweise der einhei- 

miscben Fliegen 92* 

Erteilung desv. Reinacb-Preisea . 96* 

Dr. K. Vobsen: Sprache und Naturforschung 98* 

F. Winter: Die Sttfiwasserfiscbe von Mitteleuropa und ibre 

Krankbeiten 100* 

Prof. Dr. A. Brauer: Die Augen der Ticfseetiscbe ... 102* 

OberfOrster 0. Fleck: Der Wald im Winter 104* 

Dr. E. Stromer; Eine geologiscbe Forscbungsreise in die 

Libysche Wttste 109* 



• — 116 - 

* tMte 

Prof. Dr. J. 31 r g e n r o t h : Neuere Forsehungen tiber FermeDte 111* 
Dr. A. Knoblauch: Feuersalamander und Molche in der Ge- 

fangenschaft 112*. 

Prof. Dr. M. Mobius: Matthias Jakob Schleiden. Zur 

Feier seinca hundertsten Gebnrtstages: 5. April 1904 ^. . 115* 
Muscums-Hericht: 

I. Zoologische Sammlung 118* 

II. Botanische Sammlung 141* 

III Slineralogisehe Sammlung 14o* 

IV. Geologisch-palaontologische Sammlung 148* 

Bibliotheks-Bericht Ifi2* 

Medaillen-Sammlung 171* 

SonstigeCieschenke 174* 

Nekrologe: 

E u g e n A s k e n a s .V t- Von Prof. Dr. M. M it b i u s . . . . 175* 

Otto Franz von Moellendorff f. Von Dr. W. Kobelt 177* 



IL Teil: WiM8eii8cliaftllclie Ahliniidhingoii. 

1) Dif Biolngie der Grierhen Vortrag. gehalten am 9. JMiuar 1904 

von Prof. Dr. R. Burckhardt 3 

2) Der Neubau der wissenschaftlichen Institute, insbesondere des 

SeuckenbergisL'hen Naturhistorischen Museums, an der Viktoria- 
Allee. Vortrag, gehalten am M). Januar IfKU von Baarat 
L Noher. i^Mii einer perspcktivischen Ansicht, Tafel I— HI 
uml 3 Texttigureu.' 27 

3) Ein neuer freilcbender Kundwurm aus Patagonien. Piectua ( Plecto'idesJ 

paUujonicus n. >p. • Besihrieben von Dr. .1. (t. de Man. (Mit 

l> Textriguren.) 41 

4) Neue Aufscbliisse im Weichbild der ^^radt Frankfurt a. M. Von 

K. Fisiher. (Mit einur Tcxttigur.) 47 

o) Die Eier der Tardigradeii. Von Pr<»f. Dr. F. Kichters. (Eit 

Tafel IV Dn<l V) 59 

t)) KchininvHS vuiiifer n. sp. Von Prof. Dr. F. Riohters. (Mit Tafel V 

Figur 8.1 7» 

7) Thermische Vegetationskonstanten. Aus dem NachlaB von Prof. 

Dr. .Julius Zieglcr, zusammengestellt von Johanna Ziegler 75 

8) Die Haut der Saugetiere. Vortrag. gehalten beim Jahresfeste am 

15. Mai 1904 von Dr. F. Rnmer 91 

9} Bericht Ubcr die Ergebnissc einer geolugisoh-palcLontologiscben 

Forschungsreise nach Agypten. Von Dr. E. Stroma r . . . Ill 



— — -♦••^•♦- » ■^ • 



Dmek tub 0«briiaar Koanar !■ Frsakftirt a. K 



BERICHT 



DER 

SENCKENBERGISCHEN NATURFORSCHENDEN 

GESELLSCHAFT 



IN 



FRANKFURT AM MAIN 

1905. 



Vom Jani 1904 bi8 Jani 1905. 



Die Direktion der Senckenbergischen Natupforschenden 

Gesellsohaft beehrt sicb hiermit, statutengem&B ihren Bericht fiber 
das verflofisene Jabr zu Uberreicben. 

Frankfurt a. H., im Juni 1905. 

Die Direktion: 

Dr. phil. A. Jassoy, I. Direktor. 

Stab8arzt Prof. Dr. med. E. Marx, II. Direktor, 

W. Melber, I. Sekretar. 

Dr. med. 0. Schiiaudigel^ II. Sekretar. 



Exchan-9 

Senr" '.J.-fl-Vn Bibliothok 

JAN 1 3 '36 



LTeil 



Geschaftliche Mitteilungen 



Jahresfeier 

der 

Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft 

am 28. Mai 1905 



Zan&chst begrttfite der derzeitige Vorsitzende Dr. August 
Jassoy in dem reich geschm&ckten Vogelsaale, dem einzigen 
nicht durch Sammlungen y511ig in Anspruch genommenen gr5fieren 
Raum des alien Museums, die Erschienenen mit f olgenden Worten : 

;,Hochansehniiche Versammlung! 

Wir feiem heute die 88. Jahresfeier unserer Gesell- 
schaft, vielleicht die letzte in dem alten Museum; denn wenn 
auch im n&chsten Mai der stattliche NeubauanderViktoria- 
Allee noch nicht bezogen sein kann, so haben doch in dieser 
Zeit alier Voraussicht nach der Umzug und die Neuaufstellung 
der Sammlungen ihren Anfang genommen und in dieser fiber- 
gangszeit werden die alten Museumsr&ume ganz oder wenigstens 
zum Teil geschlossen bleiben mfissen. Es liegt unter solchen 
Umst&nden nicht fern, einmal zurtlckzublicken auf den durch- 
eilten Weg, und da kann ich mit froher Genugtuung feststellen, 
daB unsere Gesellschaft eingedenk der Erfahrung, dafi Stillstand 
RQckschritt bedeutet, in stetiger, gedeihlicher Fortentwickelung 
begritfen war und ist, wie Ihnen im Jahresbericht noch nHher 
dargelegt werden wird. Dieses rtlstige Vorwftrtsschreiten ver- 
danken wir dem unermfidlichen Bienenfleifie zahlreicher f&r die 
Natnrwissenschaften begeisterter Frauen und M&nner, die Tag 
fttr Tag einen grofien Teil ihrer Kraft freiwillig in den Dienst 
unserer Gesellschaft gestellt haben, sowie den fachm&nnisch ge- 
bildeten Gelehrten, die wir dank der Munifizenz unserer G5nner 
in den letzten Jahren mit der Museumspflege betrauen konnten ; 



~ 6* - 

aber ihnen nicht allein. Ein grofier Anteil an dem Aufbl&hen 
unserer Gesellschaft gebiihrt der tatkrd.ftigeD, wohlwoUenden 
Unterstiitzung durch die Frankfurter BUrgerschaft, die 
mit der Liebe und Anhftnglichkeit an die von den 
Vfttern ererbten Einrichtungen Opfermut und prak- 
tischeu Sinn verbindet! 

„Was Du ererbt von Deinen Vfttern hast, 

Erwirb es, um es zu besitzen" 
findet hier voiles Verstilndnis. Wenn dazu ein Beweis n5tig 
wd.re, gerade die letzten Jahre batten zeigen m&ssen, wie eng 
unsere Gesellschaft mit dem Frankfurter BUrgertum 
verwachsen ist. Aus nah und fern kamen und kommen fast 
tS^glich Geschenke, Einladungen, Aufforderungen jeglicher Art, 
die dartun, wie in alien Mndem der Erde Frankfurter 
in rtkhrender Anh&nglichkeit an das alte Museum neben dem 
Eschenheimer Turm denken ! Wir werden fort und fort bestrebt 
sein, uns dieser treuen Gesinnung wlirdig zu erweisenl Ffir 
die zahlreichen neuen Beweise der Zuneigung, die Sie im Jahres- 
berichte im einzelnen beschrieben finden werden, auch an dieser 
Stelle zu danken, ist mir BedQrfnis und Pflicht. Weiteren 
Dank schulden wir den hohen staatlichen und stUdtischen 
Beh5rden, die unseren Anliegen bereitwillig ihr Ohr und ihren 
starken Arm leihen, den Fiirsten, die der Bitte, aus ihren 
herrlichen Jagdgebieten unsere Sammlung der Heimattiere zu 
vermehren, gern nachgekommen sind, den auswftrtigen und aus- 
landischen Gelehrten und Gesellschaften, die uns fort- 
laufend die Resultate ihrer Forschungen im Austausche der 
eigenen Ubermitteln. Ich schlieBe mit der zwar schon oft 
ausgesprochenen. aber immer gleich dringeuden Bitte an Sie, 
hochverehrte Anwesende, mit uns weiter zu wirken wie in der 
ernsten, hingebenden Pflege unserer in stiirmischen Fortschritten 
begriffenen Wissenschaften so in der Erhaltung und FOrderung 
der herzlichen Beziehungen, die uns heute mit Stadt, Staat und 
Ausland verknfipfen und die uns wagen liefien, trotz sehr 
schwieriger fiuanzieller Verh^ltnisse eine als notwendig erkannte, 
gerS^umigere, den neuzeitlichen Anforderungen entsprechende 
Pflegestatte der Naturwissenschaften zu erbauen. Denn nur 
wenn Ihre Mithilfe uns sicher ist, kdnnen wir ruhig und zu- 
versichtiich weiter arbeiten. In dem Vertrauen aber, dafi 



— 7* — 

wir wie stets bisher so aach heate nicht vergeblich 
bitten, heiBe ich Sie herzlich willkommenl^ 

Hierauf hielt Prof. Dr. Aagast Brauer aas Marburg 
den hochinteressanten, darch kUnstlerisch ansgeffthrte Tafeln 
illustrierten and mit grofiem Beifall anfgenommenen Festvortrag 



„Die Lenchtorj^ane der Tiefseeflsche." 

Da die eigenartigen Umbildnngen, die das Ange yieler 
Fische, Krebse und Tintenfische der Tiefsee zeigt, 
bisher nor in dieser Region gefunden worden sind, so mafi man 
annehmen, dafi bier besondere Lebensbedingongen vorhanden 
sind, die in andereu Regionen fehlen. In diesem Fall wird 
man in erster Linie an die besonderen Lichtverh&itnisse, 
den Mangel des Sonnenlichts and seinen Ersatz darch das 
phosphoreszierende Licht der Organismen, denken und es schien 
deshaib wahrscheinlich, dafi eine Untersnchang der Leuchtorgane 
auch einige Anfkl&rang geben wilrde ttber die RUtsel, die das 
Ange bietet. fiber die Resaltate dieser Untersnchang, zn der 
die Deutsche Tiefsee-Expedition ein reiches Material ge- 
liefert hat, berichtet der Vortrag. 

Der erste Teil behandelt die Morphologie der 
Leuchtorgane bei den Tiefsee-Knochenfischen. In be- 
zug auf die Lage, Zahl und Anordnung der Organe herrscht 
eine aufierordentliche Mannigfaltigkeit. Sie finden sich an den 
Enden beweglicher AnhUnge, wie Flossenstrahlen, die von den an- 
dem isoliert, beweglich und stark verl&ngert sind, oder an Barbeln, 
Oder, wie die moisten, unbeweglich in der Haut und zwar meist 
in die Unterhaut verlagert. Gew5hnlich zeigen sie eine fiir die 
Gattungen und selbst Arten verschiedene, aber gesetzm&fiige 
Anordnung entweder in L&ngsreihen oder in Querreihen oder 
in Gruppen ; ihre Zahl wechselt, oft finden sie sich zu Hunderten 
und selbst zu Tausenden am Korper. In bezug auf den Bau 
hat sich als ein wichtiges Resultat ergeben, dafi es sich nicht 
urn augen&hnliche oder elektrische Organe handelt, wie frUher 
oft angenommen wurde, sondern in alien F&Uen urn Drtlsen, 
welche h&uflg allerdings sehr stark modifiziert und zum Teil 



— 8* — 

hoch differenziert sind. Die einfachsten sind Drttsen mit einer 
Form von Drttsenzellen, mit einem zentralen Sinus und einem 
AusfUhrungsgang ; in andern F&llen aber tritt eine weitere 
Ditferenzierang in der Richtnng ein, dafi der Sinus und der Aus- 
f&hrungsgang rfickgebildet wird, ein Teil der Zellen zn licht- 
brechenden KGrpern sich umbUdet, ein anderer nur den 
Leuchtkorper darstellt. Femer bilden andere ektodermale 
und mesodermale Zellen einen Reflektor, Pigmentmantel, einen 
Gallertk5rper und eine comea-artige Membran und die h5chste 
Stufe wird in den FS^Uen erreicht, wo Muskeln mit dem Organ 
in enge Beziehung treten und dasselbe drehen kSnnen. 

Wllhrend binsichtlich der morphologischen VerhUltnisse die 
Untersuchung einigermafien Klarheit hat schatfen kCnnen, bleiben 
die physiologischen in mancher Hinsicht unauf gekl&rt. AIs 
sicher kann hingesteilt werden, dafi die Erzeugung des Lichtes 
an das Sekret von DrUsenzellen gebunden ist und dafi, da die 
meisten Organe geschlossene Drttsen sind, der Lichtvorgang 
intracellular verl&uft. Die Frage, ob der notwendige Sauerstoff 
durch Blutgef&fie zugelQhrt wird, mufi ftir die meisten Organe 
verneint werden, da solche gar nicht oder nur in sehr geringer 
Zahl in die Organe eindringen; bei einigen Organen ist der 
Reichtum an GefUfien dagegen ein so grofier, dafi sie von ihnen 
wie umsponnen erscbeinen und bier eine Bedeutung fiir die 
Erzeugung des Lichtes kaum abzuweisen ist. Ebenso l&fit sich 
die Frage, ob die Lichtproduktion dem Willen des Tieres unter- 
worfen ist, auf Grund der morphologischen Befunde zum Teil 
bejahen, zum Teil verneinen. Wllhrend in die meisten Organe 
Nervenfasern nicht eindringen oder, wenn es der Fall ist, das 
Organ nur durchsetzen, ohne sich in ihm zu ver&steln, und in 
den FSlllen, in denen die Lichtwirkung willk&rlich aufgehoben 
werden kann, dies offenbar nicht durch Unterbrechung der 
Lichterzeugung, sondern durch Abdrehung des ganzen Organs 
geschieht, dringen in die Organe der Scopeliden sicher Nerven- 
fasern ein und umspinnen den Leuchtk5rper. 

Da die Fische der Tiefsee in der Regel tot oder fast tot 
an die OberflS^che gelangen und daher bis jetzt Beobachtungen 
und Experimente an lebenden Tieren nur in ganz unzureichender 
Weise gemacht sind, so lassen sich iiber die biologische Be- 
deutung der Leuchtorgane nur Vermutungen &ufiern. Die ge- 



— 9* - 

w5hnliche Ansicht, dafi das Licht zum Anlocken von BeatetiereD 
Oder znm Abschrecken von Feinden dient, mag vielleicht ffir 
die Organe, die an beweglichen Anh&ngen des Korpers sich 
finden, richtig sein ; ebenso dfirfte die Vermntang zutreffen, dafi 
die suborbital oder postorbital liegenden, drehbaren Organe zum 
Absnchen der Umgebang dienen, wie Scheinwerfer gebraacht 
werden; aber diese Deutungen passen nicht fUr die yielen, oft 
zu Honderten, ja Tausenden am Ramp! liegeDden Organe, da 
Tiere dorch dieses Licht our nach Richtungen gelockt wfirden, 
die nicht in das Gesichtsfeld fallen. Aus der Anordnang 
der Organe, die bald als Qaerstreifong bald als L&ngsstreifung 
Oder als Ttipfelnng oder in noch anderer Art erscheint, aber 
f&r jede Gattang, ja fttr jede Art so gesetzm&fiig and charakte- 
ristisch ist, daB sie systematischen Wert hat, ist vielleicht zu 
scbliefien, dafi diese Anordnang die Bedeutang einer Zeichnung 
des Tieres hat and, da die Organe oft verschieden gebant sind, 
das Licht in yerschiedenen Farben leachtet, die Tiefseefische also 
nicht, wie es gew5hnlich heifit, farblos oder einfach schwarz ge- 
f&rbt sondem im Gegenteil lebhaft bunt sind. Was bei den im 
Bereiche des Sonnenlichts lebenden Tieren darch Pigmente, das 
wtkrde hier dorch verschiedenfarbiges Licht der Leachtorgane 
erreicht. Die Bedeutung dieser F&rbung w&re dann zu suchen 
in erster Linie in einem Erkennen der Artgenossen and in 
einem Anfsuchen der Geschlechter. Fttr eine derartige Ansicht 
spricht aach die Tatsache, dafi bei manchen Arten bestimmte 
Leachtorgane bei mannlichen Tieren stilrker aasgebildet oder 
an anderen Stellen sich finden als bei weiblichen, also die Be- 
deatang sekandd^rer Geschlechtscharaktere besitzen. 

Am interessantesten, aber in ihrer physiologischen Be- 
deutang y5llig r&tselhaft sind Organe, die am Auge gelegen 
sind and dadurch yon alien andern sich unterscheiden, dafi sie 
ihr Licht nicht yom Korper fort werfen sondern in die vordere 
Augenkammer. Da sie sich bei alien leuchtenden Fischen aufier 
den Scopeliden finden and stets die gleichen Beziehungen zum 
Auge zeigen, so mQssen sie eine hohe physiologische Bedeutung 
besitzen. Bis jetzt ist eine Ehnliche Einrichtung noch von keinem 
anderen Tier bekannt geworden. 

Zum Schlusse erstattete der II. Direktor Stabsarzt Prof. 
Dr. Ernst Marx den 



— 10* — 

Jaliresbericht. 

„HochaDsehnliche Versammlung! 

Als wichtigstes Ereignis des vorigen Jahres ist die Gran d- 
steinlegang za iiDserem Museams- Neubau an der 
Viktoria-AUee am 15. Mai 1904 zu erw&hnen. Ihre 
Majest&t die Deatscbe Kaiserin hatte als Protektorin 
der Gesellschaft den Generalinspektenr der III. Armeeinspektion 
Exzellenz von Lindeqaist mit AllerhSchstihrer Vertretnng 
beauf tragt. Aafierdem wohnten zahlreiche Vertreter der hiesigen 
staatlichen and stUdtischen Beh5rden, der benachbarten Uni- 
versit^ten, der Technischen Hochschale in Darmstadt, anserer 
Akademie f&r Sozial- and Handelswissenschaften and hiesiger 
and aasw&rtiger Naturwissenscbaftiicher Vereine der Feier bei. 
Bei anserem gestrigen Randgang durch das neae Maseam baben 
Sie selbst gesehen, wie weit die Arbeiten vorgescbritten sind. 
Da der Baaplan in der Haaptsacbe inne gehalten werden konnte, 
ist der Baa nanmebr im Mauerwerk voUendet, das Dach ist gerich- 
tet and zam grofieren Teile scbon gedeckt. Es bat bereits der 
Verpatz and die innere Aasstattung der R&ame begonneu; 
ein Saal der Schaasammlang im stidlicben Fl&gel des ersten 
Obergescbosses ist ganz fertiggestellt and scbon mit Fenstern 
and Ttiren verseben. In diesem Saale ist vor einigen Tagen 
mit dem Anfscblagen der eisemen ProbeschrSlnke begonnen 
worden, mit deren Lieferang wir zwei biesige and drei aas- 
wartige angesebene Firmen betraat baben. So baben wir 
begrtlndete Aassicht, im Laafe des nUchstjabrigen Sommers mit 
dem Umzag in anser nenes Heim beginnen zu konnen. 

Icb gedenke dann zanacbst der scbmerzlicben Verlaste, die 
wir durch den Tod zahlreicber Mitglieder erlitten baben. 

Wir beklagen aufs tiefste den Heimgang unserer arbeiten- 
den Mitglieder C. von Erlanger, D. F. Heynemann, Dr. 
A. von Reinach, der zugleich der Gesellschaft als ewiges 
Mitglied angebort hatte, und Geh. Med.-Rat Prof. Dr. C. Wei- 
g e r t , weiterbin den Tod unserer beitragenden Mitglieder Prof. 
Dr.phil. A. Andreae, Dr. med. C.Cassian, Dr. med. V.Cnyrim, 
W. Coustol, Dr. med. Ph. Fritsch, V. Hammeran, Frfta- 
lein Tb. Hetzer, Kommerzienrat K. Hoff, R. Kreazberg, 
Geh. Regierungsrat Prof. Dr. pbil. A. Laubenbeimer, Dr. jar. 



— 11* — 

S. Maas, J. K. Majer, P. H, von Mumm, G. F. Peipers, 
C. Sabarly, Dr. med. F.Schwenck, A. Siebert, C.Straus 
and Th. Trier, sowie anseres ewigen Mitgliedes Frau 
C. Rbcker. 

Dr. AchillAndreae, der Direktor des „ ROmer-Museums^ 
zn Hildesbeim, der stets mit unserer Gesellschaft in besonders 
engen Beziehnngen gestanden hat, starb zu Hildesbeim am 
17. Janaar 1905 nach langem and schwerem, mit gr56ter Oe- 
dald ertragenem Leiden im Alter von 45 Jahren. Am 14. No- 
Yember 1859 zu Frankfurt a. M. als Sohn des Bankiers A chill 
Andreae geboren erliielt er seine Jugendbildang an der Muster- 
schule, an der er seine Reifeprttfung bestand. Schon als Schiller 
angeregt dnrch die zoologischen nnd geologischen Vorlesungen, 
die am Senckenbergischen Museum gehalten wurden, entfaltete 
er eine rege SammeltSltigkeit, die namentlich den lebenden Mol- 
lusken und den Versteinerungen gait. Seine Universit&tsstudien 
in Strafiburg und Heidelberg waren vor allem auf die Palftonto- 
logie, Geologie und Mineralogie und die HilfsfSrCher dieser Wissen- 
schaften gerichtet. Aber auch seine schon frUher begonnenen 
Kunststudien wurden nicht vemachl&ssigt und auf zahlreichen 
Reisen in Frankreich und Italien, England, Rufiland, Oriechenland 
und in der Tftrkei, in Algerien, Tunis, Agypten und Nordamerika 
gen&hrt und yervollkommnet. Noch ehe er sich als Privatdozent 
fttr Geologie und PalSlontologie in Heidelberg niedergelassen 
hatte. sehen wir ihn schon mit palaontologischen Spezialarbeiten 
besch&ftigt. Namentlicli sind es die diluvialen und tertiftren 
MoUusken, die fossilen Foraminiferen und auch die Fische des 
Mainzer Beckens, denen er wiederholt und nachhaltig seine Tiitig- 
keit widmete und in denen er sich zur ersten AutoritRt heraus- 
arbeitete. 

Aber auch in anderen Gebieten war der mit Feuereifer 
t&tige Forscher nicht miifiig. Von seinen alteren Arbeiten wollen 
wir hier nur namhaft machen 

1. Arbeiten ttber das Tertiar im Elsafi 1882—1884, nament- 
lich sein wichtiger „Beitrag zur Kenntnis des Elsasser Tertiars". 
StraBburg, 1884, mit separatem Tafelband in 4^. 

2. ,t)ber das Alter des Melanienkalkes und die Herkunft 
des TerUarmeeres im Rheintal*' and „Uber Meeressand und Sep- 



— 12* — 

tarienton (von Flonheim)^ in : Mitt. Comm. 6eol. Landes-Unter- 
suchang von Elsafi-Lothringen, Bd. 1, 1887. 

3. ,Der Dilavialsand von Hangenbieten im Unter-Elsafi/ 
Strafiburg 1884, 4°. Ein besouders prd.chtiges Werk mit pracht- 
voll ausgefiihrten photographischen Tafeln der bei Hangenbieten 
vorkommenden zahlreichen Land- and Stifiwasser-Mollusken, das 
noch heute unentbehrlichste Handbuch fttr die Bestimmnng der 
Schneckenfanna der Plistoc&nzeit. 

4. „Die Glossophoren des Terrain k Chailles der Pfirt/ in: 
Abh. Geol. Spezialkarte von Elsafi-Lothringen, Bd. 4, Heft 3. 
1887. 4<>. 

Die neueren pal&ontologischen Arbeiten Andreaes sind 
s&mtlich in den Schrif ten des R5mer-Museams niedergelegt ; seine 
interessanteste Entdeckung der letzten Jahre ist die einer 
wnnderbar reichen untermioc&nen Landschneckenf anna bei Oppeln 
in Schlesien, der der Verstorbene zwei Nachtr&ge gewidmet hat. 

Seine wichtigste geologisch-mineralogische Abhandlnng ist 
die mit Prof. Dr. W. Konig in GieBen gemeinsam herans- 
gegebene Studie ,,Der Magnetstein vom Frankenstein an der Berg- 
strafie*' in : Abh. der Senckenberg. Naturf. Oeselisch., Bd. 15, p. 59. 

In neuester Zeit hat er auch hervorragende Beitr&ge znr 
zoologischen Erf orschung Innerasiens gelief ert, vor allem wichtige 
Arbeiten tiber die lebende Schneckenwelt des n5rdlicben Chinas. 

In die Zeit als Privatdozent und dann als aafierordentlicher 
Professor an der Heidelberger Hochschale f&Ut nnn eine ttberans 
frnchtbare Tsltigkeit seiner Vermittelnng namentlich des pal&onto- 
logischen Wissensschatzes, den wir der Forschnng der Nord- 
amerikaner verdanken. Keiner war durch seine Vertrantheit 
mit den modernen Kaltursprachen — Englisch, Franzosisch und 
Italienisch sprach und schrieb er wie seine Muttersprache — 
so geeignet, den Studenten diese Fiille des Neuen, das uns 
namentlich Cope und Marsh im fernen Westen der Vereinigten 
Staaten erschlossen batten, mitzuteilen. Keiner auch war so 
hervorragend befahigt, mit dem Stift, dem Pinsel, der photo- 
graphischen Platte und dem Modell seine Referate und For- 
schungen so anschaulich zu machen wie er. 

Aber die Verhaltnisse in Baden wurden zu klein; nach 
fast zehnjahrigera Warten auf eine ordentliche Professur erhielt 
er von dem Grtinder des R5mer-Museums, dem damals noch allein 



— 13* — 

ttbrig gebliebenen der drei Brftder R5mer den Auftrag zar 
Leitnng eines Kanst- and Wissenschafts-Mnseams, das diese ber- 
vorragenden Gelehrten ihrer Vaterstadt eingerichtet batten and za 
aberlassen gedachten. Und Senator RQmer batte inAndreae 
den ricbtigen Mann erkannt. Wer b&tte ancb sonst fiir die Kunst 
des Altertams and der Moderne, fUr den Hildesbeimer Silber- 
fand, ffir die wnnderbar reicben Mttnzscb&tze der dortigen 
Biscb5fe, f&r die reicben Sammlnngen aas prabistoriscber Zeit das 
gleicbe Verst&ndnis and warme Interesse gebabt wie ftir die 
kostbaren and einzig dastebenden KoUektionen von Versteine- 
rangen aas deatscben Gebirgen, die drei begeisterte Forscber 
and Sammler in einem langen Leben zasammengebracbt batten ; 
wer endlicb b&tte daneben nocb Liebe and Verst&ndnis gebabt 
for die selten reicben KoUektionen an lebenden Scbmetterlingen, 
Vogeieiern, Scbnecken and Mascbeln a. s. w., die Andrea e in 
Hildesbeim anter seine Obbat bekam ! Nicbt e i n Mnseam war 
es freilicb, dessen Verwaltang er Qbernabm and gl&nzend durcb- 
gefUbrt bat ; es war eine ganze Anzabl von Maseen, eine kleine 
Stadt, die in ibrer nngleicben Anlage etwas an nnser Germaniscbes 
Mnseam in Nttmberg erinnert. 

Hier bat er seinen eigentlicben Wirknngskreis gefunden 
als Pfleger der Ennst and Wissenscbaft in einem behaglicben 
and knnstsinnigen Bttrgertnm von rabmreicber Vergangenbeit, 
in einer Stadt von berfickender Sch5nheit. Ein gerader Cba- 
rakter, tolerant gegen Andersdenkende, in der Wissenscbaft und 
Kanst Fortscbrittsmann vom Scbeitel bis zur Zebe and gerade 
darcb diese otfen zn Tage liegenden Eigenscbaften Uberall beliebt 
and geebrt. Grofie, weltmanniscbe Auffassnng, Sinn fiir das 
Scbone, Sparsamkeit da, wo sie notig war, aber kein Knansern 
mit den Mitteln — dieses Gepr^ge bat er dem Romer-Maseum, 
einer Zierde der Wunderstadt Hildesbeim, aufgedrtlckt and 
binterlassen. So tranern zwei Stadte, das alte Frankfurt, dem 
er seine barmoniscbe Bildnng verdankt, und Hildesbeim, dem er 
so viel davon geben konnte, am diesen seltenen KUnstler und 
Gelebrten, von dessen Begabnng wir nocb so manche reife Frucht 
b&tten erwarten dUrfen, wenn er uns nicbt so frtihe and jub- 
lings entrissen worden wd.re. 

Aas der Reibe anserer korrespondierenden Mitglieder haben 
wir 6 bervorragende Geiebrte durcb den Tod verloren: 



— 14* — 

Am 23. Jnli 1904 starb in Santiago de Chile Dr. Rndolph 
Amadeus Philippi, geboren am 14. September 1808 zuGharlotten- 
burg, das Uteste korrespondierende Mitglied unserer Gesellschaft 
(seit 1848). Er absolyierte in Berlin das Gymnasium zum grauen 
Kloster, studierte Medizin, promoyierte nach abgelegtem Staats- 
examen im Jahre 1830, horte aber neben seinem Fachstudiam Vor- 
lesungen Uber Naturwissenschaft bei Humboldt, Ritter u. a. 
Dies yeranlafite ibn, sich ausschliefilich den Naturwissenschaften 
zuzuwenden ; schon 1835 flnden wir ihn als Lehrer der Zoologie 
und Botanik an der h5heren Gewerbeschule za Kassel angestellt, 
an der er 1849 zum Direktor ernannt wurde. Beisen nach 
Italien und Sicilien, der Verkehr mit dem als Malakozoologen 
und Geologen berfihmt gewordenen W. Dunker liefien in ihm 
immer mehr den Wunsch der auschliefilichen Bescb&ftigung mit 
der Naturwissenschaft entstehen und so zog er zun&chst nach 
Chile, wo sein Bruder, der sp&ter an der Madelainestrafie er- 
mordete Major von Philippi ans&ssig war. 

Zwei Jahre lang war die Provinz Yaldivia das Feld der 
T&tigkeit Philippis. Reiche Ausbeute an Pflanzen und Tieren, 
namentlich Konchylien gin gen von diesen Reisen nach Deutsch- 
land. Im Jahre 1853 tlbertrug die chilenische Regierung 
Philippi zuerst die Leitung des Lyceums in Yaldivia und 
wenige Monate nachher die des Museums in Santiago neben 
einer Professur fiir Zoologie und Botanik an der dortigen 
UniversitSlt. Dort hat Philippi nun in wahrhaft erstaun- 
licher und bahnbrechender Weise gearbeitet und gewii*kt, ob- 
wohl es ihm durch franzSsische Intriguen manchmal recht sauer 
gemacht wurde. Unter ihm sind erst die naturwissenschaft- 
lichen F^cher in jener Republik zur Geltung gekommen ; durch 
ihn ist aus einem kleinen vernachl&ssigten Naturalien-Kabinet 
ein grofier Museums-Palast entstanden, in dem auch die grofie 
Konchyliensammlung von Philip pi selbst Platz gefunden hat. 

Stets war er ein leuchtendes Vorbild f&r alle j&ngeren 
Kr&fte, die Chile fiir seine h5heren Lehranstalten aus Deutsch- 
land heranzog. Bedeutend ist auch die Zahl der Chilenen, die, 
einst Philippis Schiiler, sich gegenw&rtig in hervorragenden, 
einflufireichen Stellnngen befinden und ihrem Meister in Hoch- 
achtung und in Verehrung anhd.ngen. 



— 15* ~ 

Die Repablik Chile bereitete dem Manue, der den Grand 
zu ihrer natiirwisseiischaftlichen Durchforschung gelegt and die- 
selbe ein haibes Jahrhundert lang hindurcb geleitet, der ihren 
naturwissenschaftlicben Unterricht reformiert hat, ein feierliches 
Leichenbeg&ngnis auf Staatskosten. Die deutsche Wissenschaft 
wird ihm ffir alle Zeiten ein ehrendes Andenken bewahren, in 
erster Linie die Koncbylienkonde, der die meisten seiner Arbeiten 
gewidmet sind. An gr5fieren Werken schrieb Philip pi aofier 
Yerschiedenen Schulbachern in mehreren Auflagen ein „Handbuch 
der Eonchylienkunde and der Malakozoologie^ 1853, ^Reise darch 
die waste Adacama"" 1860 a. a. 

Am 14. August 1904 starb zu Berlin Geh. Beg.-Bat Prof. 
Dr. Ednard von Martens, geboren am 18. April 1831 in 
Stuttgart, korrespondierendes Mitglied seit dem Jahre 1901. 
Auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt vorgebildet besuchte von 
Martens die Uniyersit&ten T&bingen, Mttnchen and Berlin. 
1855 promovierte er in T&bingen zum Dr. med. In Berlin be- 
sch&ftigte er sich dann mit zoologischen Arbeiten and wurde 

1859 zom Kustos am KSnigl. Zoologischen Museum der Universit^t 
emannt. Von seinen weiten Reisen ist besonders die zu nennen, 
die er 1860 — 63 als Teilnehmer der Expedition der Egl. 
preossischen Fregatte ^Thetis** nach Ostasien unternahm. Von 
Martens verwaltete im Museum die Echinodermen, Korallen und 
zuletzt die Mollusken. 1897 wurde er zum II. Direktor des Zoo- 
logischen Museums in Berlin emannt. In der zoologischen Welt 
wird er als einer der bedeutendsten Konchologen gesch^tzt. Mit 
zahlreichen wertyollen Arbeiten, vornehmlich aus dem Gebiet 
der Eonchologie, hat er sich ein dauerndes Gedachtnis gesichert. 

August Le Jolis in Cherbourg, der seit 1876 unserer 
Gesellschaft als korrespondierendes Mitglied angehorte, hat 
sich haupts&chlich mit den Kryptogamen der Umgebung seiner 
Vaterstadt besch&ftigt und 1859 eiue Schrift tiber die Flechten, 

1860 eine fiber Gef&fipflanzen, 1863 eine uber die Meeresalgen 
und 1868 eine fiber die Moose der Umgebung von Cherbourg 
yerSffentlicht. Von diesen ist wohl die Schrift liber die Meeres- 
algen am bedeutendsten und als Algologe ist Le Jolis am 
bekanntesten geworden. Er hat ferner fiber die Gattung Lami- 
naria and fiber die Nomenclatur der Algen geschrieben, auch hat 
er mehrere Arten neu benannt. Ihm zu Ehren hat B o r n e 1 1895 



— 16* — 

eine kleine Floridee Lejolisia mediterranea benannt; die Ab- 
bildung, die er daza gibt, zeigt die FortpflaBzungsorgane der 
Florideen in so typischer Weise, dafi sie in mehrere Lehrbbcher 
Qbergegaagen ist. Auch andere Forscher haben Algen nach ihm 
benannt. In den 90er Jahren hat er noch einige Aufs&tze fiber 
Lebermoose geschrieben. Le Jo lis war der Begr&nder nnd 
st&ndige Sekret&r der natnrwissenschaftlichen Gesellschaft zn 
Cherbourg nnd stand als soicher mit unserer G^ellschaft in 
naher Beziehung. 

Am 20. Februar 1905 starb in Genf im Alter yon 76 Jahren 
Henry de Saussure, korrespondierendes Mitglied seit 1863, 
einer der ausgezeichnetsten Kenner nnd Bearbeiter der Hyme- 
nopteren (besonders der Wespen) nnd Orthopteren, aber auch der 
mexikanischen Myriapoden. Er bereiste l&ngere Jahre mit 
Humbert aus Genf znsammen Mexiko nnd brachte yon diesen 
Reisen eine reiche Ansbeute an Insekten nnd Tansendf&fien heim. 
Mehrere monographische Arbeiten sind yon ihm fiber die sozialen 
nnd solit&ren Wespen nnd zahh*eiche kleinere Bearbeitungen in 
den einschl&gigen Zeitschriften erschienen. Unsere Gesellschaft 
ist dem weltbekannten Forscher Dank schuldig fttr die 5ftere 
Bestimmung yon Material aus unserem Museum, namentlich yon 
den Reiseausbeuten K fi k e n t h a 1 s und Voeltzkows, worfiber 
mehrere Arbeiten Saussures in den beiden Reisewerken 
unserer Abhandlungen, im 21. und 26. Bande, erschienen sind. 

Am 28. Februar 1905 starb in Cincinnati Dr. med. Adolf 
Zipperlen, geboren am 1. Mai 1818 zu Heidenheim in Wfirt- 
temberg, korrespondierendes Mitglied unserer Gesellschaft seit 
1888. Er studierte in Tfibingen Medizin, wurde zuerst prak- 
tischer Arzt in Biedigheim, wanderte aber bereits im Jahre 
1848 mit Familie nach Amerika aus und lieB sich zu Weinsberg 
bei Clintom nieder, um sich dem Weinbau zu widmen. Sp&ter 
wurde er Oberarzt bei der 2. Ohioer Infanteriebrigade der National- 
garde, stand als soicher wd^hrend des Biirgerkrieges drei Jahre 
lang im Felde und nahm als Brigadearzt mit Majorsrang seinen 
Abschied. Nach dem Eriege siedelte er 1865 nach Cincinnati fiber. 

Hier war der Sang und Dichtung liebende, gesellschaftlich 
angelegte, mit grofiem Humor begabte Mann in seinem Fahrwasser. 
Er beteiligte sich ergiebig an allem, was der Uterarisch und 
musikalisch gebildete Teil der deutschen Einwohnerschaft dort 



— 17* — 

anternabm. Die Vorliebe fiir Tiere aller Art brachte ihn in 
einen dauernden Verkehr mit dem Zoologischen Garten, zu dessen 
Direktorium er lange Jahre hindorch gehorte. Schriftstelleriscb 
war er in vielfacber Weise t&tig; zablreicbe interessante Artikel 
erscbienen in deatscben natnrwissenscbaftlicben Zeitscbriften, 
wie „Der zooiogiscbe Garten", „Isis", „Welt der Vogel" u. s. w. 
Er verstand es, seine Beobacbtnngen und Studien in der Tier- 
welt in fesselnder, stets von einem friscben, bnmoristiscben 
Hancb dnrcbwebter Weise wiederzugeben. Die Universitat Tii- 
bingen ernannte ibn bei ibrer 4(X)-j&brigen Jubelfeier zum 
Ebrendoktor. 

Am 28. April 1905 verscbied zu Giefien der Senior der 
mediziniscben Faknlt^t der dortigen UniversitlLt Geb. Med.-Bat 
Prof. Dr. Konrad Eckbard in seinem 84. Lebensjabre. Er 
hat unserer Gesellscbaft seit 1899 als korrespondierendes Mit- 
glied angebdrt. Am 1. Marz 1822 zu Homberg a. d. Efze im 
ebemaligen Eui^iirstentum Hessen geboren studierte Eckbard 
in den Jabren 1845 bis 1849 in Marburg und Berlin vorzugs- 
weise Anatomie uud Pbysiologie. 1849 promovierte er in Mar- 
burg zum Doktor der Pbilosopbie und in dem gleicben Jabre 
erbielt er in Giefien den mediziniscben Doktorgrad. Im Winter 
1848/49 und 1849/50 war er in Marburg und Giefien als Prosektor 
t&tig. Nacbdem er sicb 1849 bei der mediziniscben Fakultat in 
Giefien babilitiert batte, wurde er 1855 zum aufierordentlicben 
Professor emannt. Nocb in demselben Jahre scblug er ehrenvoUe 
Bernfungen nacb Dorpat und Konigsberg aus, worauf im Januar 
1856 seine Emennung zum Ordinarius in Giefien erfolgte. 

So bat Eckbard lllnger wie ein halbes Jabrbundert als 
Lebrer der Anatomie und Pbysiologie an der Giefiener Universitat 
gewirkt und es ist bewundernswert, wie er nocb in den letzten 
Jabren trotz seines boben Alters seinen Posten als Forscber 
und akademiscber Lebrer, bocbverehrt von seinen zablreicben 
ScbUern, voll und ganz ausgefttllt bat. Bis zuletzt bat er sich 
seine aufierordentliche Geistesstilrke bewabrt und auch seine 
pbysiscben Er&fte erlaubten ibm bis in die letzten Monate seines 
Lebens, seinen Lieblingssport, die Jagd, auszu&ben. Eckbards 
wissenscbaftlicbe Bedeutung lag auf dem Gebiete der experimen- 
tellen Pbysiologie, das er meisterbaft beberrscbt und auf dem 
er viel und grofies geleistet bat. Seine zablreicben Publikationeu 

2 



— 18* - 

haben befruchtend auf die allgemeiDe medizinische Wissenscbaft 
gewirkt; sie sind alle fesseind geschriebeD, vielfach mit feinem 
Humor gew&rzt und zeugen ebenso von grofiem FleiBe wie von 
Klarheit und Wahrheit. Die ihn kannten in der BlUte seiner 
Jahre, sprechen mit Begeisterung von diesem Manne; die jfingeren, 
die ihn erst in seinem Alter kennen lemten, haben mit Achtung 
und Ehrfurcht zu ihm aufgeblickt. Seine Vaterstadt Horn- 
berg a. d. Efze hat den verdienten Gelehrten bei der Feier seines 
80. Geburtstags zu ihrem EhrenbUrger ernannt. 

Alien Verstorbenen wird die Gesellschaft ein 
dauerndes und dankbares Andenken bewahreni 

Aus der Reihe der beitragenden Mitglieder sind ferner 16 
ausgeschieden : durch Austritt die Herren D. Deri am, Geh. 
Justizrat S. Fuld, C. Joos, Polizei-Prasident a. D. Freiherr 
W. von Muffling; infolge Wegzugs von Frankfurt H. Bick- 
hardt, Dr. K. Goldstein, Generalarzt k la suite Dr. K. GroB- 
heim, Dr. G. Hof, P. Kleinsteuber, Prof. Dr. R. Lam- 
bert, Prof. Dr. J. Morgenrot, Dr. med. J. Raecke, Tier- 
arzt 0. Reinemann, Tierarzt R. Utendorfer, Chemiker 
G. Weis und durch Ubertritt in die Reihe der ewigen Mit- 
glieder Prof. Dr. W. Kobelt in Schwanheim. 

Die Gesamtzahl der im Berichtsjahre ausgeschiedenen bei- 
tragenden Mitglieder betragt also 38. 

Neueingetreten sinddagegen 175 beitragende Mitglieder 
und zwar 

Herr Dr. med. Siegmund Abraham, 
„ H. E. Ackenhausen, 
„ Dr. pbil. Franz Adler, 

„ Dr. med. Eugen Albrecht, Direktor des Dr. 
Senckenbergischen pathologisch-anatomischen In- 
stitnts, 
„ Dr. Julius Albrecht, Zahnarzt, 
„ Theodor Alexander, 
„ Hans Almeroth, 
„ C. A. Andre, 
FrauAlharda Andreae, 
Herr Rudolf Andreae, 
„ Dr. med. Georg Avellis, 
p Karl Bacher, 



— 19* — 

Herr A. Ton Baumgarten, Kaigerl. Russ. Kammer- 

herr und Generalkonsul,Wirkl. Staatsrat, Exzelleuz, 
„ Konsnl Alexander Baunach, 
„ Dr. med. Ferdinand Bermann, 
„ Heinrich Bickhardt, Oberpostpraktikant, 
„ Gustav Binding, 
„ Jnstizrat Dr. Joseph Binge, 

Bergingenienr Hans Bode, 
„ Dr. med. Henry B5hni, 
„ John B5hme, Zahnarzt, 
„ Heinrich Borchardt, Zahnarzt, 
„ Karl BoB, 
„ Dr. phil. Franz Brann, 
„ Dr. phil. Leonhard Brann, 
„ Richard Brnck, Rechtsanwalt, 
„ Dr. phil. Fritz Bullnheimer, 
„ Albert Cahn, 
Fran Anna Cann6, 
Herr B. B. Gassel, 
„ Generallentnant z. D. Hermann von Chappuis, 

Exzellenz, 
„ Fritz Christ, 
„ Heinrich Clauer, 

„ Gotthold Clansnitzer, Ober- und 6eh. Baurat, 
, Ernst Cnyrim, 
„ Rudolf Cullmann, 
„ Oskar Delliehausen, 
„ Dr. med. Adolf Deutsch, 
„ Richard Diener, 
„ Otto Dondorf, 
« Dr. med. Otto Dornblttth, 
„ Dr. phil. William Drory, 
n Stabsarzt Dr. med. Leo Drttner, 
„ Karl Eckhardt, Bankdirektor, 
„ Hermann von Eichhorn, Generallentnant und 

Kommandierender General des XVIII. Armeekorps, 

Exzellenz, 
„ Jean Eschelbach, 
„ Dr. med. Albert Ettlinger, 



— 20* — 

Herr Rudolf Euler, 

. C. F. Fay, 

^ Dr. jur. Jakob Feist, 

„ Johann Christian Fellner, 

„ Bernhard Flinsch, 

,, Gustav Fl5rsbeim, 

p Dr. med. Karl Frank, 

„ Heinrich Fries, 

„ Moritz von Frisching, 

„ Dr. phil. Ernst Fritzmann, 

„ Leopold Fromberg, 

„ Fritz Gaum, 

„ Karl Adolf Gehring, 

„ Dr. med. dent. George Geist, 
Frau GrUfin Dr. med. Friederica von Geldern, 

„ Geheimrat Elisabeth Getz, 

Herr Karl Gillbausen, 

„ Sanitfttsrat Dr. med. Alexander Gloeckler, 

„ Emil August Glogau, Zahnarzt, 

^ Julius Goldschmidt, 

„ M. S. Goldschmidt, 

„ Richard Goll, 

„ Ludwig Goltermann, 

n Wilhelm Gombel, 

„ Dr. phil. Fritz Grftntz, Oberlehrer, 

„ Karl Graubner, 

„ Ernst Greef, 

„ Waldemar Freiherr von GUnderrode, 

„ Karl Philipp Haack, 

„ Direktor Adolf Haeffner, 

„ Johann Georg Hartmann, 

„ Karl Hartmann, 

„ Franz Hafilacher, Patentanwalt, 

p Max Hauck, 

p Dr. med. Franz Hausmann, 

p Dr. med. Sigmund Heichelheim, 

„ Rudolf Henrich, 

„ Georg Hertzog, 

„ Fritz Hirschhorn, 



— 21* — 

Herr Otto Hofmann, 

„ Moritz W. Hohenemser, 

„ Dr. med. Otto Hohenemser, 
Dr. jar. Robert Hohenemser, 
Herren Holl, Joseph & Co., 
Herr Eduard Holzmann, Ingenienr, 

,. Oberstaatsanwalt Dr. jar. Edaard Hapertz, 

„ Gastav Jaff6, Bechtsanwalt, 

,, Sanit&tsrat Dr. med. Theophil Jaff6, 

„ Jalias Jassoy, 

„ Ladwig Wilhelm Jassoy, 

„ Dr. med. Fritz Jaliasberg, 

„ Dr. jar. Albert Katzenellenbogen, 

„ Heinrich Eissner, 

„ Begiernngsrat Paal Klotz, 

„ Dr. med. Paal Knoblauch, 

„ Stadtrat Earl K5lle, 

„ Dr. med. Albert Koenig, Stadtarzt, 

„ Dr. med. Karl K5nig, 

„ Ladwig Kahlmann, 

„ Earl Kallmann, 

„ Direktor Dr. jar. Philipp Labes, 

„ Fredy Landaaer, 

„ Dr. med. Wilhelm Lapp, 

„ Ferdinand Leuchs-Mack, 

„ William Lindley, Ingeniear, 

„ Earl L&scher, 

„ Generalkonsal Heinrich Mappes, 

n Alfred Merton, 

„ Jakob Meusert, 

„ Dr. phil. Sally Mosessohn, 

„ J. Mftller-Enatz, 

„ Dr. phil. Max Nassaaer, 

„ Dr. jar. Paul Neumann, 

„ L. W. Nies, 

„ Bankdirektor Eduard Oppenheim, 

„ Oskar F. Oppenheimer, 

„ Edaard d'Orville, 

, Gotthard Pabst, 



— 22* — 

Herr Bankdirektor Dr. phil. Alfred Parrisius, 

„ Philipp Passavant, 

„ Georg Peise, 

„ Prof. Dr. med. Max Peschel, 

„ Lucien Picard, 

„ Hartwig Poppelbaum, 

„ Landgericbtsrat Dr. Ludwig Rawitscher, 

„ Dr. Franz Bintelen, 

„ Adolf Ronnefeld, 

J, Dr. phil. Israel Roos, 

n Hermann Roth, 

„ Franz Ruff, Ingenieur, 

„ Gustav Andreas Rampf, 
Fran Marianne Sabarl3^ 
Herr Robert Sauerl&nder, 

y, Stadtrat Gustav Schaumann, 

„ Polizei-Prftsident Fritz Scherenberg, 

, Eduard Schild, 
Frau Rudolf Schmidt, 
Herr Dr. med. Bernhard Scholz, 

„ Earl Schulz, 

,, Dr. phil. Peter Schumacher, 

„ F. W. Schuster-Rabl, Bankier, 

„ Oskar Seeg.er, 

„ Willy Seeger, 
FrauAuguste Seeling, 
Herr Amtsrichter Dr. jur. Milton Seligman, 

„ Ignaz Sichel, 

« Karl Sidler, 

p Oskar Sporleder, 

„ Baron Louis von Steiger, 

p Maier Stern, 

„ Dr. phil. Paul Stern, 

„ Paul Sternberg, 

„ Karl Stoeckicht, 

„ Dr. med. F. Straus, 

p Daniel Szamatolski, 

„ Otto Ulrich, 

„ Oberlandesgericbtsrat Paul Versen, 



— 23* — 

Herr Dr. med. Albert Villaret.Generalarzt und Korp8* 
arzt des XVIII. Armeekorps, 
„ Gottfried Wagner, 

Fraulein Dora Weinrich, 

Herr Justizrat Karl Wertheim, 
„ Dr. philKurt Wiederhold, 
samtlich in Frankfurt a. M. sowie 

Herr Direktor J. Becker in Hanau, 
y, Dr. phil. Rudolf Delkeskamp in Giefien, 
^ Dr. med. K. Grosch in Offenbach a. M., 
„ Prof. Dr. med. G. Port in Heidelberg, 
„ Dr. med. David Rothschild in Bad Soden, 
„ Dr. med. H. Scbmitt in Arheiligen bei Darmstadt. 

Die Zabl der beitragenden Mitglieder betr&gt somit am 
beutigen Tage 747 gegen 610 bei der letzten Jahresfeier. 

Zu arbeitenden Mitgliedern wurden ernannt: 

Dr. med. Eugen Albrecht, Dr. phil. Ernst Teichmann 
und Fritz Winter. 

In die Reihe der ewigen Mitglieder wurden auf- 
genommen : 

Dr. Eugen Lucius, Carlo Freiherr von Erlanger, 
Direktor Otto Dyckerhoff, Rudolph Sulzbach, Johann 
KarlMajer,Dr.EugenAskenasy, Prof. Dr. Achill Andrea e, 
David Friedricb Heynemann, Frau Amalie Kobelt, 
Prof. Dr. Wilhelm Kobelt, P. Hermann von Mumm, 
Philipp Holzmann, Kommerzienrat Karl Hoff, Frau Luise 
Volkert, Julius Wernher und Edgar Speyer. Die Zahl 
der ewigen Mitglieder betr&gt sonach zurzeit 110. 

Die meisten dieser neuen ewigen Mitglieder sind bis 
zu ihrem Tode Jahre- und Jahrzehnte lang beitragende Mit- 
glieder unserer Gesellschaft gewesen und zu ihrem bleibenden 
GedHchtnis haben die Hinterbliebenen in piet&tvoller Gesinnung 
die Namen der Verstorbenen in die Reihe unserer ewigen Mit- 
glieder eintragen lassen. In vielen anderen FUllen sind die 
Frauen und S5hne verstorbener Mitglieder unserer Gesellschaft 
beigetreten. Es zeigt sich hierin deutlich die treue 
Anh&nglichkeit und das warmelnteresse an unserer 
Gesellschaft, der von ihrer GrUndung im Jahre 1817 



~ 24* — 

an zahlreiche Frankfurter Familien nnnmehr dnrch 
mehrere Generationen als Mitglied angehoren. 

Zu korrespondierenden Mitgliedem wurden ernannt: 
Seine Durchlaucht Ftirst Albert von Monaco, 
Prof. Dr. August Brauer in Marburg, 
Prof. Dr. Rudolph Hauthal in La Plata, 
Karl Hagenbeck in Stellingen bei Hamburg, 
Generaloberarzt a. D. Dr. 0. von Linstow in GSttingen, 
Prof. Dr. J. N. Langley in Cambridge, 
Prof. Dr. Jacques L5b in San Francisco, 
Prof. Dr. Gottlieb Haberlandt in Graz. 

Die Zahl der korrespondierenden Mitglieder bel^uft sich 
nunmehr auf 176. 

Aus der Direktiou batten Ende 1904 nach zweijd.hriger 
AmtsfUbrung satzungsgemafi auszuscheiden der I. Direktor Dr. 
med. August Knoblauch und der I. Sekret^r Dr. phil. Johann 
Guide. An ihre Stelle traten ffir die nftchsten zwei Jahre Dr. 
phil. August Jassoy und Bankier Walter Melber. 

Die diesj£lhrige Generalversammlung fand am 22. Febr. 1905 
statt. Sie genehmigte entsprechend dem Antrag der Revisions- 
Kommission die Rechnungsablage ffir das Jahr 1904 und erteilte 
dem I. Kassierer Alhard Andreae-von Grunelius Entlastung. 
Ferner genehmigte die Generalversammlung den Voranschlag 
fi)r 1905, der in Einnahmen und Ausgaben mit M. 61978,52 
balanziert. Nach dem Dienstalter schieden aus der Revisions- 
Kommission die Herren Georg Minoprio und Wilhelm 
Rohmer aus. An ihre Stelle wurden die Herren Robert Oster- 
rieth uud Direktor Wilhelm von den Velden gewd^hlt. 
Vorsitzender der Revisions -Kommission fiir das Jahr 1905 ist 
Herr Stadtrat Anton Meyer. 

• ■ 

Im Winter 1904/05 wurden 18 wissenschaftliche 
Sitzungen abgehalten. Die Sitzungen erfreuten sich eines so 
regen Besuches, da6 der Horsaal 5fters nicht im stande war, 
alien Mitgliedern Raum zu geben. Leider la,6t sich im alten 
Hause eine Anderung nicht treSen ; doch wird die Gesellschaft 
wohl im Herbst 1906 die wissenschaftlichen Sitzungen bereits 
im ueuen Museum abhalten k5nnen und die Platzfrage wird 
alsdann in befriedigender Weise erledigt sein. 



— 25* — 

Es hielten Vortr&ge: 

22. Okt. 1904: Dr. G. Popp: „Neuere naturwissenschaft- 
liche Errungenschaften in ibrer Bedeatung 
fftr die Kriminalistik''. (Mit Licbtbildern.) 

29. Okt. 1904: C. G. Sc billings, Weiberbof bei Dttren: „Die 
Tierwelt der Massai-Hocbl&nder mit be- 
sonderer Berficksichtigung ibres Aussterbens**. 
(Mit Licbtbildern.) 
5. Nov. 1904: Dr. J. Wilbelmi: ^Regeneration and Ent- 
wickelung". 

19. Nov. 1904: Privatdozent Dr. Fr. Drevermann, Mar- 
burg i. H.: „Entstehung und Gescbicbte des 
rbeiniscben Scbiefergebirges". 

26. Nov. 1904: Dr. H.Sachs: „Uber einige tieriscbeGifte". 
3.Dez. 1904: Prof. Dr. M. Verworn, Gottingen: „Pbysio- 
logie des Schlafes*". 

10. Dez. 1904: Dr. E. Albrecbt: „Ziele und Wege der 

Entwickelungsmecbanik^. 
7. Jan. 1905: Dr. F. R5mer: ^Einiges aus der Scbau- 

sammlung des neuen Museums'^. (Ausstellung.) 
14. Jan. 1905: Dr. B. Delkeskamp, Giefien: „Die Genesis 

der Mineralquellen und Thermen'^. (Mit Licbt- 
bildern). 
21. Jan. 1905: Prof. Dr. H. Conwentz, Danzig: „Schutz der 

natftrlicben Landschaft, ibrer Pflanzen- und 

Tierwelt". (Mit Licbtbildern.) 
4. Febr. 1905: Prof. Dr. 6. Greim, Darmstadt: „Die Grund- 
lagen der wissenscbaftlichenWettervorbersage". 

(Mit Licbtbildern.) 
11. Febr. 1905: StadtgartendirektorK.Heicke: „DiePflanzen- 

welt im Eampf ums Dasein gegen die scbad- 

licben Einflftsse der GroBstadt". 
25. Febr. 1905 : Oberstabsarzt Dr. R. Brugger: „Wesen und 

Bedeutung der Eurzsicbtigkeit". 
4. Mftrz 1905 : Oberstudienrat Prof. Dr.K, Lampert, Stuttgart : 

„Das winterlicbe Tierleben des Siifiwassers und 

sein Erwacben im Frftbling^. 

11. M&rz 1905: Dr. L. Laquer: „Die Grundlagen der 

geistigen Minderwertigkeit**. 



— 26* — 

25. M&rzl905: K.Fischer: ^Bergstttrze und Felsscblipfe 
im Gefolge der Eiszeiten*'. 

1. April 1905: Stabsarzt Dr. L. Drtiner: „tJber die Wirbel- 
tbeorie des Schftdels^. 

7. April 1905: Festsitzung zar Erteilung des Soemmer- 
ring-Preises. (Berichterstatter: Prof. Dr. L.Ed inger 
und Prof. Dr. M. Mo bins.) 

Durch Beschlufi der Preiskommission, die aus den Herren 
Dr. E. Albrecht, Prof. Dr. L. Edinger, Prof, Dr.B. Lepsius 
Stabsarzt Prof. Dr. E. Marx, Prof. Dr. M. M obi us und Prof. 
Dr. H. Reichenbach zusammengesetzt gewesen ist, wurde der 
diesmalige Soemmerringpreis dem ordentlichen Professor der 
Botanik und Direktor des botanischen Gartens Dr. 6. H a b e r- 
landt in Graz fiir seine wichtigen Untersuchungen ilber „Die 
Sinnesorgane im Pflanzenreicb zur Perzeption mechanischer 
Reize'', Leipzig, 1901, zuerkannt. 

Von unseren Publikationen sind im Berichtsjahre er- 
schienen : 

I. Abhandlungen: 

1. Band XXVII, Heft 4, H. Lenz, Ostafrikanische Deka- 
poden und Stomatopoden. Mit 2 Tafeln. 

2. Band XXIX, Heft 2 (Anfang) E. Stromer, Geographische 
und Geologische Beobachtung im Uadi-Natrun und Fftregh 
in Agypten. Mit 1 Tafel und mit 1 Karte. 

II. Bericht f Ur 1904, im Herbst vorigen Jahres verofEentlicht. 
Er enth&lt aufier den gesch^lftlichen Mitteilungen und den 
Protokollen der wissenschaftlichen Sitzungen folgende Ar- 
beiten und Nekrologe: 

1. Die Biologic der Griechen. Vortrag, gebalten in der 
wissenschaftlichen Sitzung vom 9. Januar 1904 von Prof. 
Dr. Burckhard. 

2. Der Neubau der wissenschaftlichen Institute, insbesondere 
des Senckenbergischen Naturhistorischen Museums, an der 
Viktoria-AUee. Vortrag, gebalten in der wissenschaftlichen 
Sitzung vom 30. Januar 1904 von L. Neher, Kgl. Baurat. 
(Mit einer perspektivischen Ansicht, Tafel I bis III und 
3 Textfiguren). 



— 27* — 

3. Ein neuer freilebender Rundworm aus Patagonien Plecius 
(Plectoides) patagonicus n. sp. Von Dr. J. G. de Man in 
Jerseke (Holland). (Mit 6 Teztfiguren). 

4. Neue Anfschlilsse im Weichbild der Stadt Frankfurt a. M. 
Von K. Fischer. 

5. Die Eier der Tardigraden. Von Prof. Dr. F. Richters. 
(Mit Tafel IV und V). 

6. Echiniscus conifer nov. spec. Von Prof. Dr. F. Richters. 
(Mit Tafel V, Fig. 8). 

7. Thermische Vegetations- Konstanten. Aus dem Nachlasse 
von Prof. Dr. Julius Ziegler zusammengestellt von 
Johanna Ziegler. 

8. Die Haut der S&ugetiere. Vortrag, gehalten beim Jahres- 
feste am 15. Mai 1904 von Dr. F. Romer. 

9. Bericht fiber die Sammlungsergebnisse einer pal&ontologisch- 
geologischen Forschungsreise nach Agypten. Von Dr. E. 
Stromer. 

10. Die Nekrologe: Eugen Askenasy und Otto Franz 
von Moellendorff. 

III. L. von Heyden, ^Die E&fer von Nassau und Frank- 
furt a. M/, 2. Auflage, 425 Seiten. (Im Selbstverlage der 
Gesellschaft.) Preis M. 6.—. 

IV. Das von der Gesellschaft gemeinsam mit den anderen 
naturwissenschaftlichen Vereinen der Provinz bearbeitete 
^Forstbotanische Merkbuch, Nachweis der beach- 
tens werten und zn schUtzenden urwiichsigen StrHucher, 
Bllume und BestHnde im K5nigreich Preufien. III. Provinz 
Hessen-Nassau. Mit 26 Abbildungen, herausgegeben auf 
Veranlassung des Ministers fQr Landwirtschaft, DomSlnen 
und Forsten.** 210 Seiten. (Im Verlage von Gebrlider 
Bomtraeger in Berlin.) Preis M. 3.60. 

Mit diesem umfangreichen Werk, das Forstmeister Dr. 
A. R5rig bearbeitet hat, ist die Gesellschaft in die Bewegung 
eingetreten, die sich den Naturdenkmalschutz unserer 
Ueimat zum Ziel setzt. Zu diesem Zweck hat sie ferner im 
Jannar d. J. an den Magistrat der Stadt Frankfurt a. M. die 
Bitte gerichtet, die Distrikte 64, 65 u. 66 (Hohebuchen) unseres 
Stadtwaldes, die sich durch eine besonders interessante Flora 
und Fauna auszeichnen, zum besseren Schutze gegen unbeab- 



— 28* — 

sichtigte oder matwillige Beschftdignng einfriedigen zq lassen, 
and hat zugleich anch an die Gemeinde Schwanheim und an 
die KCnigliche Forstaufsichtsbehdrde eine Eingabe gerichtet, die 
die Erhaltnng der nrwftchsigen Distrikte des benachbarten 
Schwanheimer Waldes mit ihrer eigenartigen Vegetation 
und Fauna im gegenw9.rtigen Zustand erstrebt. In dankens- 
werter Weise haben unsere stadtischen BehSrden beschlossen, 
diese Bestrebungen der Gesellschaft nach jeder Richtung bin 
zu f5rdern, w&brend ein Bescheid auf die Eingaben bezfigl. des 
Schwanheimer Waldes noch nicht eingelaufen ist. 

Auch die Vorlesungen der Dozenten erfreuten sich 
einer ilberaus regen Teilname. Folgende Vorlesungen wurden 
im Winter 1904/05 gehalten: 
Prof. Dr. H. Reich en bach: „Bau und Leben der Krebse, 

Spinnen, TausendfUBe und Insekten". 
Prof. Dr. W. S c h a u f : „Petrographie" . (Fortsetzung der Sommer- 

vorlesungen). 
Prof. Dr. M. M 5 bins (im Auftrage des Dr. Senckenbergischen 

Medizinischen Instituts): ^Anatomie und Morphologie der 

Pflanzen". 

Im Sommer 1905 lesen: 

Prof. Dr. H.Reichenbach: Fortsetzung der Wintervorlesungen. 

Dr. F. RSmer: „Zoologisches Praktikum^ (mikroskopisch-zoo- 
tomischer Ubungskursus). 

Prof. Dr. M. M5bius (im Auftrage des Dr. Senckenbergischen 
Medizinischen Instituts): „ Physiologic der Pflanzen'. 

Prof. Dr. F. Kinkelin: „ Geologic von Stidwest-Deutschland, 
besonders die Tertiftr- und Diluvialbildungen mit Exkur- 
sionen'' . 

Sehr lebhaft war der Besuch des naturhistorischenMuseums. 
Es ist im abgelaufenen Jahre, d. h. von Anfang Juni 1904 bis 
Ende Mai 1905, von 20927 Personen besichtigt worden. Ein 
besonderes Interesse hat die Ausstellung der berfthmten Pflanzen- 
Aquarelle der Frankfurter Flora der verstorbenen Blumenmalerin 
Elisabeth Schultz, mit der eine Ausstellung der Zwipfschen 
Schmetterlingsaquarelle verbunden war, gefunden. Diese Sonder- 
ausstellung, die dem Publikum vom 21. August bis 11. September 
zug9.nglich war, ist allein von 7906 Personen besucht gewesen. 



— 29* — 

Neben der stets unermadlichen T&tigkeit der SektionHre 
Dabmen die Arbeiten fftr die weitere VervolistHndiguug der 
vergleichend-anatomischen Sammlang darch den Eustos Dr. 
F. B m e r and Fran M. Sondheim ibren Fortgang. Die vor- 
handenen Best&nde an Skorpionen and Krebsen warden von 
Dr. J. Wilhelmi einer Bearbeitang unterzogen and sowohl 
Pr&parate filr die Schaa- wie flir die Lehr- and Unterrichtssamm- 
lung hergestelit. Za der Veryollst&ndigang der anatomischen 
Pr&parate f Ur die Unterrichtssammlang war auch in diesem Jahre 
der G^seilschaf t yon dem Vorstand der G e o r g and Franziska 
Speyerschen Stadien-Stiftang in hochherziger Weise ein 
Betrag von M. 3000 ftberwiesen worden. 

Die T&tigkeit der Eonservatoren war in erster Linie 
durch den Plan der Schaasammlang bedingt and zwar warde 
vornehmlicb an der Herrichtang der Grnppen fiir die bio- 
logische Aafstellang einheimischer Tiere weiter gearbeitet. 

Im Aaftrag der Gesellschaft hat Dr. Bomer in den Mo- 
oaten Jali bis September aas den Mitteln der von Beinach- 
Stiftang eine Sammelreise an die norwegische EUste 
untemommen, darch die ein reiches Material an Fischen and 
niederen Tieren sowie an anatomischen Pr&paraten fUr die neae 
Schaa- and Unterrichtssammlang dem Mnseam zagefuhrt wor- 
den ist. 

Ende M&rz schied Dr. Wilhelmi aas seiner Stelle als 
zoologischer Maseamsassistent aas, um sich in Neapel weiter f ort- 
znbilden. An seine Stelle wurde Dr. Eugen Wolf aas Tiibingen 
gew&hlt. Za dem 1. April 1905 warde eine neae Assistenten- 
stelie an der geologisch-pal&ontologischen and mineralogischen 
Abteilang des Maseams geschaSen and mit Herrn Dr. Fr. Dre ver- 
mann aas Marbarg, seither Privatdozent and Assistent am geo- 
logisch-pal&ontologischen Instistat der Universitat, besetzt. 

Sehr rege war wie immer der Verkehr mit aasw&rtigen 
Gesellschaften and einzelnen Gelehrten. Auch die ver- 
schiedenen Telle der Sammlungen warden von zahlreichen 
Forschern teils an Ort and Stelle, teils aasserhalb benatzt. 

In Schriften-Austaasch gegen den ^Berichf^ ist ansere 
Gtesellschaf t mit f olgenden Vereinen and Institaten nea eingetreten : 

The Tokyo Botanical Society, Botanical Garden in Tokyo, 

Soci6t6 Boyale Malacologiqae in Brussels 



- 30* — 

The New York Botanical Garden in New York, 

Museum of Natural History in Springfield in Mass. U. S. A., 

Universitftt La Plata in Argentinien, 

Kgl. Versnchs- und Pr&fungsanstalt f&r Wasserversorgung 
und Abw&sserbeseitigung in Berlin. 

Auch in dem vergangenen Jahre sind uns von Freunden 
und GOnnern zahlreiche und wertvoUe Geschenke f&r das 
Museum zu teil geworden, die des genaneren in dem Museums- 
bericht aufgef&hrt werden sollen. 

Die gr5Bte Bereicherung besteht in den durch Erbschaft 
an die Gesellschaft gelangten pal&ontologischen Sammlungen und 
der Bibliothek Dr. A. von Reinachs. Von besonderem Wert ist 
eine KoUektion der terti&ren Schildkr6ten, fast durchaus Originate 
zu seinen Abhandlungen, ferner die devoniscben Fossilien vom 
Nord- und SUdabbang des Taunus, endlich die von Dr. von 
Reinach aus dem hiesigen und auswdrrtigen Rotliegenden er- 
worbenen Fossilien. Durch die Bestimmung Frau vonReinachs, 
dafi alle Bttcher und Schriften ihres verstorbenen Gatten, die 
schon im Besitze der Senckenbergischen Bibliothek sind, der 
pal&ontologischen Sektion zu ftberweisen sind, ist ein bedeutender 
Grundstock fttr eine Sektionsbibliothek geschaffen worden. 

An weiteren Geschenken fftr die geologisch-palSrontologische 
Sammlung sind zu nennen die im letzten Jahre dui'ch Herrn A. 
Askenasy aus dem Oberplioc&n des Kl&rbeckens gewonnenen 
Bl&tter, ferner ein Geschenk unseres korrespondierenden 
Mitgliedes Herrn Erich Spandel in Nftmberg, eine Meduse 
(Rhixomiies admirandus) aus dem lithographischen Schiefer, 
und ein solches von Herrn Prof. Dr. L. Edinger, bestehend in 
einem vorzttglich pr&parierten Schmelzschupper (Lepidotus gigas) 
aus dem Posidonienschiefer von Holzmaden. 

Die mineralogische Sammlung ist durch die ungefahr 
1000 Stttcke z&hlende, wertvoUe Mineraliensammlung des am 
10. M&rz 1904 verstorbenen Mitgliedes Dr. Lndwig Belli, die 
von dessen Hinterbliebenen Frau Caroline Pfeiffer geb. 
Belli und Frau Anna Weise, geb. Belli dem Museum als 
Geschenk ftberwiesen wurde, bedeutend vergr56ert worden. 

Die Schenkung euth&lt fast fttr jede Gruppe des Systems 
ausgezeichnete Vertreter, sodafi jetzt viele Fnndorte durch weit 
ansehnlichere Stufen als frUher repr&sentiert werden kdnnen. 



- 31* — 

Im Sektionsbericht wird n&her aaf einzelnes eingegangen werden. 
Heute sind in anserem Festsaal nar einige auffallende Proben 
TOD Mineralien and Meteoriten ausgestellt worden, die nicht 
verfehlen werden, Ihre Bewundernng zu erregen. Anch einer 
der beiden erstannlichen Gipskiistalle ans Utah, die im vorigen 
Jahre von Herrn Bankdirektor A. Gr winner in Berlin ge- 
scbenkt warden, ist hier aafgestellt. 

FUr die zoologische Schaasammlang sind ans von anseren 
Mitgliedern eine Beihe von pracbtvollen Stticken zar Aafstellang 
in den biologischen Grappen aus der einbeimischen Faana ttber- 
wiesen worden. Wir hoffen, daB aach die Lftcken, die in dem 
daza notwendigen Materiale noch vorbanden sind and aaf die 
wir in dem Maseamsbericbt anter „Lokalsammlang^ binweisen, 
recbt bald aosgeftillt werden. Ebenso ist es nocb ein beson- 
derer Wunscb anseres Maseams, in den Besitz einer groBeren 
Geweihsammlang von anseren einbeimischen Hirscbarten 
namentlicb ans dem Taanas, Spessart and Odenwald za gelangen. 
Der erste gr5fiere Grandstock bierzu ist scbon dadarch gelegt 
worden, daB Seine Exzellenz der Wirklicbe Geheimrat Prof. D. Dr. 
Scbmidt-Metzler seine amf angreicbe Sammlang von Geweihen 
selbstgescbossener Bebe dem Maseam mit dem aasdrticklicben 
Wunscbe letztwillig bestimmt bat, daB andere Jagdlieb- 
haber diesem Beispiel folgen mocbten. 

Von grOfieren Ank&afen sind namentlicb diejenigen far die 
geologiscb-palHontologiscbe Sektion bervorzuheben ein riesiger, 
vorzftglicb pr&parierter Ichthyosaurus nov. spec, mit voUstd^ndig 
erbaltenem Haatsaam, ein ebenso ans dem Scbiefei* heraasge- 
arbeiteter Pachycomus bollensis von bedeatender GroBe and ein 
berrlicbes Exemplar von Pentacrinus subangularis^ alle drei be- 
zogen von B. Haaff in Holzmaden. 

Eine weitere bochberzige Scbenkangist der inneren Ein- 
richtung des neaen Maseams zugedacbt, insofern als die hiesige 
Firma G. Hoffmann sicb bereit erkl&rt hat, s^mtlicbe Wascb- 
tische andToilettenanlagen f Ur das neae Museum kostenlos za liefern. 

Zahlreicbe Geldznwendangen sind uns auch in diesem 
Jahre za teil ge worden and haben die iiberaas schwierige Lage der 
Gesellscbaft in manchen Pankten za erleicbtern gebolfen. E r - 
freulicber and dankenswerter Weise haben sicb 
auch in diesem Jahre mebrere Mitglieder freiwillig 



— 32* — 

bereit erklart, ihren Jahresbeitrag urn das mehr- 
fache des ordentlicben Beitrages za erb5hen. 

Vor allem aber verdient das hochherzige VermUchtnis 
anseres ewigen Mitgliedes Dr. Albert von Beinach 
rUhmende ErwUhnuog. Er, der mit freigiebiger Hand der 
Gesellschaft allj&hrlich tausende gespendet hat, der allezeit mit 
reichen Mitteln eingetreten ist, wenn es gait, wissenschaftliche 
ForschuDgsreisen auszoriisten, wertvolle Sammlungsobjekte zu 
erwerben oder unseren Abhandlangen kanstlerisch ausgefbhrte 
Tafeln beizugeben, er hat nonmehr der Gesellschaft aofier 
seiner palaontologischen Sammlung and seiner reichen natur- 
wissenschaf tlichen Bibliothek letztwillig ein Eapital von M. 150000 
mit der Bestimmung hinterlassen, dafi dessen Zinsen f^ 
Museumszwecke zu verwenden sind, and hat weiterhin M. 30000 
far die innere Einrichtung unseres Neubaues gespendet. 
L&ngst schon war die Gesellschaft dem Entschlafenen, ihrem 
hochherzigsten Gonner, zu nnausloschlichem Danke verpflichtet, 
nicht allein wegen seiner stets oSenen Hand, seiner tatkr&ftigen 
Unterstutzung und seiner treuen, eifrigen Mitarbeit auf wissen- 
schaftlichem Glebiete; Albert von Reinach hat anch von 
seinem Eintritt in unsere Verwaltung an mit dem weiten Blick 
des grofien Kaufmanns organisatorisch in die Verwaltnngs- 
gesch&fte der Gesellschaft eingegriSen und manche Neuernng 
von bleibendem Werte geschaSen. Dauernder wie das schlichte 
Kreuz aus weifiem Marmor, das anf seinem Grabe errichtet 
ist, wird das Andenken des Verblichenen bei unserer 
Gesellschaft bewahrt bleiben. Bei jedem Rtickblick auf unsere 
Geschichte werden wir in Dankbarkeit und Verehrung des Mannes 
gedenken, der den grofiten Teil seiner ungeheueren Arbeitskraft 
in unseren Dienst gestellt hat. Jahr fllr Jahr wird uns die 
von Beinach-Stif tung, der von Reinach-Preis den teuren 
Namen unseres ewigen Mitgliedes nennen, zahlreiche Sammlungs- 
objekte rufen ihn uns taglich zu und niemand wird geologisch 
unsere Landschaft bearbeiten konnen, ohne sich mit den bedeu- 
tenden Abhandlungen vonReinachs vertraut gemacht zu haben. 
Die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft hat mit un- 
ausloschlichenZiigen den Namen von Reinach in ihrErinnemngs- 
buch eingetragen ; sie wird seiner noch gedenken, wenn von uns, den 
Zeitgenossen des Hingeschiedenen, keiner mehr diese Sonne schaut 



— 33* — 

Am 8. November 1904 hatte die Gesellschaft die seltene 
Freude, ein 25-jahriges Dozentenjubilaum zu feiern. 
£in VierteljabrhuDdert war an diesem Tage verflossen, seitdem 
Prof. Dr. H. Reichenbach seine erspriefiliche Lehrtatigkeit 
in der Gesellschaft begonnen hat. A us diesem Anlafi wies 
der I. Direktor zu Beginn der diesmaligen Wintervorlesung 
auf die grofien Verdienste bin, die sich der Jubilar um den 
naturwissenschaftlichen Unterricht und um die Hebung des 
Interesses an den Naturwissenschaften in Frankfurt erworben 
hat, wahrend Seine Exzellenz der Wirkliche Geheimrat Prof. D. 
Dr. Schmidt- Me tzler die Gllickwunsche der Dr. Sencken- 
bergiscben Stiftungsadministration tiberbrachte. 

Unserem ersten Konservator Adam Koch wurde im 
November vorigen Jahres der Konigliche Kronenorden IV. Klasse 
verliehen, eine Auszeichnung, die der bewfthrte Beamte durch 
seine der Gesellschaft seit fast ftinfzig Jahren geleisteten, treuen 
Dienste und durch seine hervorragenden Leistungen auf dem 
Gebiete der Museumstechnik reichlich verdient hat. 

Am 1. Marz 1905 hat unser zweiter Konservator August 
Koch sein 25-j&hriges Dienstjubil^um gefeiert und ist aus 
diesem Anlafi von unseren arbeitenden Mitgliedern im Museum 
begltickwtinscht worden, wahrend ihm der II. Direktor in dank- 
barer Anerkennung seiner langjahrigen, pflichttreuen T^tig- 
keit im Namen der Gesellschaft ein Ehrengeschenk uber- 
reicht hat. 

Am 18. Dezember v. J. fand in feierlicher Weise die 
Ubergabe der von Bildhauer FranzKruger in Marmor aus- 
geftihrten Biiste des am 25. April 1903 verstorbenen langjahrigen 
I. Direktors der Gesellschaft J. Blum statt, die von Freunden 
und Schtilern des Entschlafenen gestiftet worden war. Prof. 
Dr. M. Mo bins hielt die Gedachtnisrede. 

Alles in allem kann die Gesellschaft mit Stolz und Freude 
auf das verflossene Jahr zuriickblicken. Sie hat sich bemtiht. 
ihren Aufgaben nach jeder Richtung hin gerecht zu werden, und 
die wachsende Mitgliederzahl hat gezeigt, dafi dieses 
Bestreben Anerkennung gefunden hat! Moge dieses 
Interesse bei den Mitgliedern der Gesellschaft sich erhalten und 



— 34* - 

in immer weitere Kreise Frankfurts driDgen, damit die Gesell- 
scbaft iin stande ist, das Werk, das sie so viele Jahre bindurcli 
fortgefUhrt bat und das durch uuseren Neubau zanllchst za 
einem gewissen Abschnitt kommen soil, immer waiter aus- 
zubauen I ^ 



(19- Man 1845 — 5. August 1904.1 



— 36* — 



Zn Carl Weigerts Gedachtnis. 

Mit Portrat ♦) 
Von 

Dr. August Homburger. 



Unerwartet and still hat der Tod in der Nacht vom 4. 
ziim 5. Augast 1904 Carl Weigert entfflhrt; hinweg von den 
Freanden, hinweg von der St&tte rastloser Forschung, die er 
in fast zwanzigj&hriger T&tigkeit liebgewonnen, mit der er sich 
untrennbar verbanden ffthlte. Nicht nur darch seine Stellung 
als Leiter des pathologisch-anatomischen Instituts 
der Dr. Senckenbergischen Stiftung war eres; inner- 
lich verknilpfte ihn der historische Grundzug seines Wesens 
mit Entwickelnng und Oeschichte all der Bestrebnngen, die 
in Frank fnrt unter dem Namen Senckenbergs vereinigt 
and anf den Boden seiner Stiftung emporgewachsen sind, 
und mit denen, die an diesem wissenschaftlichen Leben einen 
Anteil hatten. 

Die Senckenbergische Naturforschende &esell- 
schaft ernannte Weigert nnmittelbar nach seiner Ubersie- 
delung nach Frankfurt a. M. am 21. Mai 1885 zum ^arbeitenden 
Mitgliede**; an Stelle Lucaes wurde er in die Kommissionen 
ftir Erteilung des Soemmerring- und des Tiedemann- 
Preises gew&hlt und hat als deren Vorsitzender in den 
Jahren 1887 bis 1903 bei neun Preisverteilungen in den Fest- 
sitzungen Bericht erstattet; er selbst vertrat in den beiden 
Preiskommissionen die F&cher der Anatomie, Histologie, allge- 



*) Das Portr&t ist der Gallerie hervorragender Arzte, Blatt 153, der 
Miinchener Medizinischen Wochenschrift entnommen. Das Clich6 
der von Joseph Kowarzik modellierten Plakette wurde von der Miinz- 
bandlang Adolph Hess Nachf. in Frankfurt a. M. in dankenswerter Weise 
vu Verfttgnog gestellt. 



— 86* — 

meinen Physiologie und Pathologie. In den Abhandlungen 
der Gesellschaft (19. Bd., 1896) hat Weigert veroffentlicht : 
^BeitrlLge znr Kenntnis der normalen menschlichen Neuroglia^, 
in dem Bericht 1885/86: „Die LebenssLofierangen der Zellen 
unter pathologischen Verh&ltnissen, Vortrag gehalten am Jahres- 
feste, den 30. Mai 1886'' and 1893 den Nekrolog ^Georg 
Hermann von Meyer"*). 

F&r den der biologischen Forschung fernerstehenden knttpft 
sich Weigerts Name in erster Linie an eine Reihe mikro- 
skopiscfa - technischer Methoden, die Bakterienfd.rbung 
(1871/75), diejenige des Fibrins (1886), die Fftrbung der Mark- 
scheiden im Nervensystem (1884/85), der Neuroglia (1895), schliefi- 
lich der elastischen Fasern (1898) and, indem dieselben zar 
Darstellang and Diagnose krankhafter Ver&nderangen an den 
Organen des menschlischen EOrpers dienen kOnnen, lassen sie 
ihren Entdecker zan&chst wenigstens als einen Sch5pfer grofi- 
artiger diagnostischer Hilfsmittel, als einen Mehrer unseres 
pathologisch-anatomischen Wissens erscheinen. Um ans ganz 
karz za vergegenw&rtigen, welch ungeahnte Fftlle neaer Tat- 
sachen diese Seite von Weigerts T&tigkeit uns erschlossen 
hat, sei nar an die Erforschang der krankhaften Oerinnungs- 
vorg&nge, der Verbreitangswege des TaberkelbaziUas, der Ent- 
stehang der akaten Miliartuberkulose, vor allem aber daran 
erinnert, dafi der verwickelte, anendlich komplizierte Aafbaa 
des Nervensystems darch die Markscheidenf&rbung uns 
eigentlich erst zug&ngig gemacht warde. 

Weit grOfier aber and umf assender erscheint uns Weigert, 
wenn wir die Grundideen vor uns aufbauen, die ihn bei seinen 
Forschungen geleitet haben, wenn wir die allgemeinen natur- 
wissenschaftlichen Kriterien erkennen, die er sich selbst als 
Richtmafi geschaffen hat. Die pathologische Anatomie ist wohl 
eine deskriptive Wissenschaft, welche die Ver&nderungen be- 
schreibt, die bestimmten Krankheitszust&nden zugrunde liegen; 
durch neue Methoden schafft sie neue und feinere Kenntnisse 
fiber Krankheit und Krankheitsverlauf und f5rdert so, indem 
sie Klarheit ttber deren Wesen verbreitet, das eigentliche &rzt- 
liche K5nnen. Fttr Weigert waren hiermit aber die Grenzen 

*) £in vollstlUidiges Verzeichnis der ^rbeiten Weigerts gibt 
E. Albrecht in seinem Nachrnf : Verhdlg. d. D. Path. Qesellscfa. 1904, p. 188. 



- 37* — 

seines Arbeitsf eldes nicht abgesteckt ; er begnttgte sich nicht da- 
mit, frisches Tatsachenmaterial zu den festgefttgten Best&nden 
anseres Wissens zu h&nfen, das Entdeckte zu beschreiben und 
abzuschliefien, urn neuen Objekten sich zuzuwenden. Im normal 
Bestehenden das normale Warden, im krankhaft Ver&nderten 
das krankhafte Geschehen und in allem Existenten und Wer- 
denden das Gesetzm&fiige zu erkennen, war sein Bestreben. 
Die pathologische Anatomie gestaltete sich unter seiner Hand 
aos der Lehre von den krankhaften VerHndemngen zur Lehre 
vom Leben unter krankhaften Bedingungen. Ein auf 
breitester Basis aufgebautes, grofies Werk ^Pathologische 
Biologie^, in dem das gesamte Zellleben vom Gesichtspunkte 
der Pathologie aus eine umfassende Darstellung erfahren soUte, 
kam nicht mehr zum Abschlufi. Die grundlegenden Gedanken 
aber hat Weigert im Jahre 1896 auf der Naturforscherver- 
sammlung in Frankfurt in seinem beriihmt gewordenen Vortrage 
„Neue Fragestellungen in der pathologischen Ana- 
tomie' zum Ausdrnck gebracht. Nene, d. h. im wesentlichen 
biologisebe Fragestellungen: er gingvon den einfachsten 
Bedingungen jeglicher Lebensvorg^nge ttberhaupt aus, vom Ge- 
setz der Erhaltung der Energie, von ihren Erscheinungsformen, 
der kinetischen und potentiellen, und den Vorg&ngen, die 
sie an der lebenden Materie bewirkt, der funktionellen, nutri- 
tiven, formativen Zellt&tigkeit. Er sprach als erster die An- 
sicht aus, daB diese drei Formen der Lebensvorg^nge nicht 
durch Reize gleicher Art und nur verschiedener St&rke ausge- 
I5st werden; er war der erste, der erkannte, dafi zwischen der 
Funktion einerseits, der Nutrition und Formation andererseits 
ein fundamentaler Unterschied, ja ein vollendeter Gegensatz be- 
steht. Denn bei der Funktion wird Zellmaterial verbraucht; 
bei Vermehrung von Zellvolumen und Zellzahl wird lebende 
Substanz erzeugt. Dementsprechend unterscheidet Weigert 
zwischen diesen letzteren bioplastischen und den ersteren, 
lebende Substanz aufbrauchenden, katabiotischen Prozessen. 
Wenn es nun richtig w^re, dafi ^.uSere Reize, sefern sie nur 
stark genug sind, bioplastische VorgHnge ausl5sen k5nnten, 
wenn es richtig w&re, dafi krankhafte Zellwucherungen solchen 
aufieren Reizen allein ihre Entstehung verdanken, so w&re da- 
mit gesagt, dafi diese von sich aus bioplastische Energie er- 



— 38* — 

zeogen, und dies wOrde, wie Weigert betont, eine Art Ur- 
zeugung. eine Generatio aequivoca, bedeuten. Durch diese einf ache 
tlberlegung war eigentlich die alte Lehre von der Entstehung 
krankhafter Zellbildungen durch Beize gest&rzt. 

Aber nicht nor einzareifien gait es, sondern besseres auf- 
zubauen; und so sehen wir, wie Weigert eine FUlle neuer 
Gesichtspankte aus der skizzierten Uberlegung entwickelt. Mit 
scharfer Logik folgert er: wo bioplastische Vorg&nge sich ab* 
spielen, wo insbesondere formative Prozesse etabliert sind, mafi 
kinetische Energie im Spiele sein, die zuvor als ruhende poten- 
tielle Energie die immanente Kraftladong der Gewebe bildete; 
infolgedessen mufi normalerweise durch bestimmte Spannungs- 
verb&ltnisse der Gewebe zu einander die fJberfUhrung poten- 
tieller Energie in kinetische verhindert werden und erst die 
Wegschaffung dieser Hindemisse macht die Umwandlung mOglich ; 
die Beseitigung noimaler WiderstHnde ist die Voraussetzung 
zur Entstehung pathologischer Bildungen. Vom Standpunkt des 
gesunden Organismus aus kann aber eine solche Beseitigung 
immer nur eine Sch&dignng sein. Also diese und nicht der Beiz 
ist die Vorbedingnng zu jeglichem krankbaften Geschehen; die 
^ufieren Beize sind es nicht, nach denen zu faragen ist, sondern 
die prim&re SchMigung; ihren Ort und ihre Art aufzusuchen, 
war die neue Aufgabe, die ftlr die pathologischen Ver&nderungen 
nunmehr gestellt war. Nicht irgend ein bekanntes oder unbe- 
kanntes llufieres Agens bringt etwa bei der cbronischen Nie- 
renentztindung oder der Herzmuskelentartung eine Wucherung des 
Bindegewebes hervor ; vielmehr triSt eine Sch&digung bestimmter 
Art die Parenchymzellen der Organe, fiihrt in anatomisch er- 
kennbarer Weise deren Untergang herbei und verschiebt so die 
Spannungsverh&ltnisse der Gewebe. Mit dem Untergang des 
einen Organelements verschwindet das Hindernis, das im 
Bahmen des normalen Gef&ges die anderen Gewebe verhindert, 
die ihnen innewohnende Energie zur Entfaltuug zu bringen. 
Die Wucherung des Bindegewebes deckt den Defekt, der durch 
den Schwund des Parenchyms entstanden war, als narbige Aus- 
fttUung und die gleiche BoIIe spielt im zentralen Nervensystem 
die Neuroglia ; sie zeigt nirgends eine prim&re Massenanbildung, 
die imstande ware, die Nervenfasern und Ganglienzellen etwa 
durch Druck zu vernichten, zu iiberwuchern ; sondern unter der 



- 39* — 

Wirkung gewisser Noxen gehen Nervenzellen und Fasern zu- 
grunde and dann tritt eine reparatorische, defektdeckende Ver- 
mehruDg der Neuroglia auf. Ein allgemeines biologisches 
Gesetz tut sich kund in jeder solchen Ersatzbildung ; sie be- 
schr&nkt sich nicht darauf, die Masse des Ausgefallenen eben 
zu ersetzen, sondern durchweg wird lebende Substanz im 
Uberschufi gebildet. So allgemein ist dieses Prinzip, dafi es 
sich, wie Ehrlich zu zeigen vermochte, auch gel tend erweist 
fiir die Bildung der Schutzstoffe des Organismus, der Antitoxine, 
gegentiber den Qiften der pathogenen Bakterieu. 

Fttr die Erkenntnis der Schadigungen und Neubildungen 
ist aber unbedingtes Erfordernis die Verdeutlichung der Gewebe, 
ihre Darstellung durch spezifische chemische Reaktionen, durch 
elektive F&rbungen und eben hierin liegt die gro6e, all- 
gemeine Bedeutung der yon Weigert geschaffenen tinktoriellen 
Hilfsmittel. 

In wunderbarer Art hat er nun selbst Kritik angelegt an 
diese seine Sch&digungstheorie ; war sie richtig, so muBte sie 
Analogien haben in noimalen Vorg^ngen ; denn alles Patbo- 
logische hat ein normales Analogon. Diese Analogie 
ist nicht nur vorhanden ; sie ist eine durchg^ngige. Zwar scheint 
die bioplastische Energie der Zellen mit AbschluS der Wachs- 
tumsperiode erloschen ; aber es scheint nur so. Sie ist potentia 
vorhanden ; denn best^ndig gehen im normalen Organismus Zellen 
zugrunde und dieser Untergang ftihrt wieder ruhende Energie 
in kinetische, bioplastische liber zum Ersatz des in normaler 
Tatigkeit verbrauchten. Die Funktion ist die physiolo- 
gische Schadigung; der ihr folgende bioplastische 
ProzeB ist die physiologische Neubildung. 

Eine zweite Konsequenz mufite sein, daB katabiotische 
Vorgange, die nicht zur Schaffung lebender Substanz sonderu 
zum Verbrauch solcher ftihren, also die Zellfunktionen, sehr wohl 
durch auBere Reize ausgelost werden konnen. Aber die Theorie 
bringt noch fiir eine ganz andere Art von Erscheinungen eine 
merkwurdige Einsicht; bioplastische, formative, nutritive Pro- 
zesse ftihren zu lebenden Produkten, zu groBeren, zu neuen 
Zellen; die funktionellen, katabiotischen aber zu toten Produkten; 
die Zelle erzeugt iu Ausubung ihrer Funktion nur 
lebloses Material. 



— 40* — 

Die Sttttzsnbstanzen des TierkOrpers wie Bindegewebe, 
Neuroglia, elastische Fasern, Haare, Knochen und Elfenbein and 
aus dem Leben der Pflanze wie Kork und Holz, Starke and 
Zellulose sind klassische Beispiele. Die aaBerste Folgerang 
aber ist die: normale Fanktion fUhrt zam Verbraacb 
und durch Aktivierung der bioplastischen Energie 
zum Ersatz; im Lanf des Lebens aber wird diese 
aafgebraucbt und immer groBer wird die Differenz 
zwischen Verbrauch und Ersatz bis schliefilich der 
Tod eintritt als letzte Konsequenz dieses Mifiver- 
h&ltnisses. 

So hat Weigert auf den Grundbegriffen der Energie- 
formen and der Elementararten der ZelMtigkeit ein Gebaude 
zu errichten begonnen, das in einheitlicher Zusammenftigung 
die Gesamtheit des pathologischen Geschehens im weitesten 
Sinne umfassen soUte. Ein tiefes pbilosophisches Bedttrfnis 
spricht aus seiner Lehre; aber nicht in dem Sinne, den man 
gewOhnlich mit dem Worte ^Naturphiiosophie" verbindet. Auch 
fragte er nicht nach dem Absolutum, dem Ding an sich, noch 
nach dem Willen in der Natur, noch schliefilich nach dem Ver- 
h&ltnis von Korper und Seele. Philosophie bedeutete ftir ihu 
nur Erkenntniskritik und sein pbilosophisches BedUrfnis war 
das BedUrfnis nach KausalitUt innerhalb der Relationen unserer 
Erkenntnis. Gleichwohl sprach er nur selten liber allgemeine 
Probleme; aber manchmal gelang es doch, ihn dazu zu bewegen. 
Wenn an triiben Winternachmittagen die frtth hereinbrechende 
Dunkelheit dazu notigte, vorzeitig die Arbeit am Mikroskop ab- 
zubrechen, und es kam dann einer seiner Schftler herein zu ihm 
mit einer verniinftigen Prage, so mochte er wohl darauf ein- 
gehen. Ein zweiter kam hinzu, zu hOren, was da verhandelt 
wurde, und bald hatte sich die ganze Schar der Praktikanten 
um ihn versammelt. An ein unscheinbares Moment anknbpfend 
entwickelte Weigert dann weitragende Gesichtspunkte, um- 
fassende Perspektiven ; aus alien Gebieten zog er Beweismaterial 
heran, erlauterte in vornehmer, sachlicher Wiirdigung entgegen- 
stehende Ansichten in immer gleich liebenswiirdigem Tone, be- 
lehrend, aber nie lehrhaft. Und wenn er fiihlte, dafi er anregend 
gewirkt und Verstandnis gefunden, gar dafi er tiberzeugt hatte 
und Anhanger geworben, dann leuchtete aus seinen Augen die 



— 41* — 

reine, abgeklftrte Freude desaen, dem die Verbreitung einer neuen 
Wahrbeit bOchstes Ziel ist. Ein wundersames BUd eJDbeitlicher 
iDoerer G-eschlossenheit als Forscber und Mensch stand er vor 
una uDd auf dieser ungetr&bten Reinbeit seines Wesens berubte 
die unwiderateblicbe Wirkaog, die er anf jeden austibte, dem 
es vergOnot war, ibm nftber za treten. So baben wir ibn 
gekaont nod klar und lauter lebt in uns fort die 
Erinoerung an diesen wunderbareu, uuvergefilicben 
MannI 



Carlo Freiherr von Erlan^er 



— 43* — 



Carlo von Erlanger f. 

Mit Portrat. 
Von 

Dr. W. Kobelt. 



Ein eigentiimliches Verh&ngnis waltet Uber der Sencken- 
bergiftchen Naturforschenden Gesellschaf t. Es ist ihr, unterst&tzt 
von dem gewaltigen Aofschwang, den das wissenschaftliche 
Leben in Frankfurt nimmt, endlich gelungen, die alte, l&ngst zu 
eng gewordene Schale zn sprengen und sich eine nene Heimat 
za grilnden, die es ihr erm6glichen wird, unabh&ngig vom Staate 
and nar getragen von der Frankfurter Bttrger- 
schaft, der Naturwissenschaft ebensolche Dienste za leisten 
wie die naturwissenschaftliche Fakult&t irgend einer bedeutenden 
Universit&t, als wUrdiges Olied der freien Hochschule Frankfurt. 
Aber gerade im Augenblick, vfo das Ziel erreicht scheint, vro 
der Neubau an der Viktoria-Allee machtig in die H5he gewachsen 
ist und die Bahn offen liegt fUr den Fortschritt, ratft das 
t&ckische Schicksal eine Reihe von Mannern weg, deren Mit- 
ai'beit kaum zu ersetzen ist, weil sie eine freiwillige, von der 
Begeisterung fUr die Wissenschaft und fiir unsere Gesellschaft 
getragene wai*: Blum, Julius Ziegler, Otto Franz von 
Moellendorff, Weigert, Heynemann, von Reinach 
baben die letzten Jahre uns weggenommen, alles alte, erprobte, 
treae Mitarbeiter. Das verflossene Jahr hat uns aber auch eins der 
j&ngsten arbeitenden Mitglieder entrissen und dieser Yerlust triSt 
uns besonders schvirer. Carlo von Erlanger war fUr den 
Anfienstehenden ein hotfnungsvoller, tUchtiger Ornitholog, dem es 
seine reichen Mittel erlaubten, rascher als andere etwas TUchtiges 
zu leisten. Fiir die Senckenbergische Gesellschaft war er 



— 44* — 

mehr. WasEduard Riippell fUr das alte Museum gewesen, 
das wUre menschlichem Ermessen nach Carlo von Erianger 
ftir das neue geworden. Er hatte das Zeug dazu, materiel! 
wie geistig; und weuu das Studium ihn auch vorlS^ufig nocb 
an Berlin mil seinen Fachgelehrten und seinen reichen Sammlungen 
fesselte, er ftihlte sich immer als Frankfurter und hing mit 
alien Fasern an seiner Heimatstadt; daB er, wenn er das Reisen 
und Selbstsammeln einmal aufg&be, seine Arbeitskraft der 
Senckenbergischen Gesellschaft, deren ^arbeitendes Mitglied^ 
er im Jahre 1899 geworden, widmen werde, stand fftr ihn fest. 

Er war eben ein geborener Sammler. Schon bei dem vier- 
jahrigen Knaben trat der Sanmieltrieb in den Yordergrund und 
schon damals, als er die Geschiebe am Rheinufer und die 
Versteinerungen der Kalkschichten von Nieder-Ingelheim zu- 
sammenlas und in seiner kindlichen Weise ordnete, zeigte sich 
ein Zug, der durch sein ganzes Leben fUr ihn charakteristisch 
blieb. Er „konnte nicht genng bekommen**; ein Exemplar 
von einer Sorte genilgte ihm nicht; er muBte ganze Reihen 
haben und daraus entwickelte sich die^ Neigung zum Serieu- 
sammeln, zum Arbeiten mit gr5Beren Mengen von Individuen 
einer Ait, der er immer treu geblieben ist. Immer und immer 
wieder hat er es beklagt, daB das prachtvolle, von RQppell 
mitgebrachte Vogelmaterial zersplittert worden ist, um dafilr 
einzelne St&cke beliebiger Arten ffir die Schausammlnng einzu- 
tauschen, und so freigebig er seine reiche Ausbeute aus 
anderen Tierklassen an die Fachleute yerteilte, von seinen 
V5geln gab er kein StQck ab, auch da nicht, wo er groBe 
Mengen yon einem Fundort besaB. Als er mir die auf seiner 
letzten Reise gesammelten Mollusken zur Bearbeitung ttbergab, 
stellte er mir nur die eine Bedingung, daB das Material soviel als 
moglich ungeteilt bleibe und ich Dubletten nur im Notfalle und 
nur von den in groBer Zahl vorhandenen Arten abg&be. 

Auch die spezielle Vorliebe ftir die V5gel trat schon bei 
dem Kinde hervor ; Porzellanvogel waren sein liebstes Spielzeug 
und auch bei diesen fiel es seinen Eltern auf, daB er immer 
mehrere von einer Art haben muBte. Als Gymnasiast in 
Frankfurt war er ein hsLufiger Gast im Senckenbergischen 
Museum, aber seine Besuche galten weniger der Sammlung als 
den Konservatoren, die ihn zum Abbalgen und Praparieren an- 



— 45* — 

leiteten. Dafi er im humanistischen Gymnasium mit seinen 
naturwissenschaftlichen Neigungen als Musterschiiler gegolten, 
l&fit sich kaum vermuten ; aber er blieb auch nicht zurttck, anch 
nicht im Darmstftdter Gymnasium und konnte 1891 die Universi- 
t&t Lausanne beziehen. Auch dort widmete er sich natUrlich 
ausschlieBlich der Naturwissenschaft und speziell der Vogel- 
kunde. 

Der Wunsch, unsere Zugv5gel in ihrer Heimat siidlich vom 
Mittelmeer kennen zu lernen, liefi ihn gleich von vornherein 
seine Aufmerksamkeit auf Nordafrika richten. Kaum 20 Jahre 
alt schloB er sich dem bekannten J&ger und Sammler Spatz 
zu einer Sammelreise nach Sttdtunis an. Sie sollte nur ein 
Versucb, eine Vorbereitung ffir grofiere Unternehmungen sein, 
brachte aber doch schon reiche Resultate. Yier Monate lang 
durchwanderte die kleine Jagdkarawane das Land einwHrts von 
der Ecke der groBen Syrte: yon Gabes fiber El-Hamma 
nach Kebilli sfidlich des Salzsees Schott-el-Fedjedi und nach 
Douz, dann zurttck nach Kebilli und fiber den Schott-el-Djerid 
nach Gafsa und von da wieder nach Gabes. Auf der Karte 
erscheint das durchreiste Gebiet als ein kleines Stfickchen, aber 
es geh5rt zu den interessantesten Teilen Nordafrikas und war 
teilweise noch nie von wissenschaftlich gebildeten Europ&em 
betreten worden; Kebilli und Douz sfidlich des Schottgebietes 
gaben besonders interessante Resultate. Die Hauptsache aber 
war, dafi v. Erlanger die Technik des Wfistenreisens unter 
der Leitung eines erfahrenen Wfistenwanderes und Wfistenj&gers 
kennen lernte. Er hat es leider nicht ftir n5tig gehalten, dem 
gr5Beren Publikum fiber die Reise zu berichten; aber in dem 
Bericht fiber seine zweite Wfistenreise sagt er darfiber: „Un- 
vergefilich waren die Eindrficke, welche diese hochinteressante 
Reise in mil* zurficklieB. Der stille Wunsch, sie zu erneuern, 
blieb seitdem in mir lebendig. Unwiderstehlich zog es mich 
immer wieder in Gedanken zu jener unendlichen, gewaltigen 
Wfiste hin. Brehm hat wahrlich recht; wer einmal dieWfiste 
sah, kehrt zu ihr zurfick, auch wenn er sich wohl bewufit ist, 
dafi grofie Strapazen seiner barren, lurch tbare Hitze am Tage 
und eine so empfindliche Kalte zur Nacht, daB der in die 
dicksten Decken eingehfillte Wanderer selbst unter schfitzendem 
Zeltdach den Schlaf nicht findet. Dazu die Qualen des Durstes 



— 46* — 

und maDcherlei andere Plagen, die an sich allein schon bin- 
reichen, den verwdhnten Eoi'op^er im hochsten Grade miiJmatig 
zu machen.^ 

Die Reise hatte dem jungen Forscher aber auch vor allem 
gezeigt, dafi ihm zu einer grtindlichen Durchforschung Nord- 
afiikas noch gar manches fehle, and mit der ihm eigenen 
Energie ging er sofort nach seiner Rttckkehr daran, die L&cken 
seiner Kenntnisse anszafUlIen. Anderthalb Jahre lang lag er in 
Cambridge dem Spezialstudium der nordafrikanischen Vogelwelt 
ob and benatzte dabei in ausgiebigster Weise die Schfttze des 
Britischen Museums in London. Im Frtthjahr 1895 bezog er 
das orientalische Seminar in Berlin und trieb dort sechs Monate 
Arabisch. Dafi er dabei auch die Suahelisprache erlernte, be- 
weist, dafi er schon damals an eine Reise sfidlich der Sahara 
dachte. Im Frtthjahr 1896 begann er, ernstliche Vorbereitungen 
zu einer zweiten grOfieren, selbst9.ndigen Reise zu treffen ; manche 
Stunde haben wir damals Dber den Reiseplan verplaudert, d^ 
in grofiartiger Weise angelegt, durch das ganze Schottgebiet 
mindestens bis Biskra und vielleicht bis Laghouat auf kaum 
begangenen Pfaden ffihren soUte. Das Mifitrauen der franz5si- 
schen Milit^rbehOrden hat ihn trotz der gewichtigsten Empfeh- 
lungen nur zum Teil zur Ausftihrung gelangen lassen. 

Am 30. Oktober 1896 traf der Reisende in Gabes ein, 
wo Uerr S p a t z mittlerweile schon alle n5tigen Vorbereitungen 
getroSen hatte. Ein Diener und der Pr&parator Hilgert be- 
gleiteten ihn, eine Anzahl arabischer JUger aus dem Stamme 
der Waremma hatte Spatz angeworben. So konnte schon am 
3. November die Reise angetreten werden. v. Erlanger 
hat tiber sie einen hochinteressanten, kurzen Bericht erstattet, 
aber als Anhang zu seinem ausgezeichneten Spezialwerk ,Eine 
ornithologische Forschungsreise durch Tnnesien*', 
das nur Fachleuten in die H&nde kommt; eine Separatausgabe 
ftir das grofiere Publikum ist leider nicht erschienen. Infolge 
der oben angedeuteten Schwierigkeiten seitens der Milit&r- 
behorden mufiten sich v. Erlangers Forschungen auf den 58t- 
lichen Teil Nordafrikas beschr&nken ; der Reisende kam deshalb 
zweimal nach Oabes zuriick und die Reise zerflel in drei Ab- 
teilungen. Die erste war gewissermafien die Probe auf die 
Ausrttstung der Karawane ; sie fUhrte langs der Ktiste ndrdlicfa 



— 47» — 

zu den Vogelinseln von KneiB und Mahar^s, dann zuriick stid- 
lich ebenfalls der Kttste entlang nach Zarat and wieder nach 
Gabes. 

Die Kara wane bewfthrte sich und so konnte am 9. Dezember 
die eigentliche Hauptreise angetreten werden nach dem groBen 
Danengebiet stidwestlich der Schotts, der Heimat der damals 
noch kanm bekannten weiBen Gazelle (Oaxella loderi). Der 
Weg fUhrte anf schon bekannter Route nach Kebilli, dem fran- 
zosischen Grenzfort, und dann „nach ErfttUung der uns auferlegten 
Bedingungen und Formalitaten ^ der argwohnischenMilitd.rbehorden 
nach Djimna und Douz. Hier, am Hauptort des Stammes der 
Merasigk, begann die eigentliche Wtistenreise ; es warden noch 
eine Anzahl Eamele gemietet, die Reitpferde mit Meharris ver- 
tauscht and noch fiinf arabische Jager angeworben, auch zum 
Schutz der Kara wane ; denn das Sandgebiet ist streitiges Land 
zwischen den Merasigk, den Tuareg und den Schambas und 
schon manchmal mit Blut getr^nkt worden. £s war ein be- 
schwerliches Wandern fiber die bis 100 Meter hohen Dttnen; 
die N^chte waren bitter kalt und heftige Sandsttlrme erschwerten 
das Vorwd.rtskommen. Aber die Ausbeute war bef riedigend ; auBer 
zahlreichen V5geln fanden sich in der Sandwuste die drei Ga- 
zellenarten h^ufig und in der Steinwiiste graste das M^hnen- 
schaf {Ovis tragelaphus)^ in Algerien nur ein Bewohner der 
hohen Gebirge. Nur einmal wurde eine Beduinenansiedelung 
angetroSen, Leute vom Stamm der Ouremma, welche in der 
entsetzlichen Wtlste aushalten. Aber bei ihnen traf der Reisende 
einige von der franzosischen Regierung abgesandte Spahis, welche 
die Wfist6ns5hne veranlassen soUten, nach dem Grenzgebiet 
gegen Tripolis iiberzusiedeln und dort als Grenzhttter zu dienen. 
In der NSLhe ihrer Niederlassung — die tunesischen Beduinen sind 
aus Arabern und Berbern gemengt und haben feste Wohn- 
statten — auf einer steinigen Ebene am FuB des Gebirges Gur- 
Rham liegt die Walstatt, auf welcher gewohnlich die K&mpfe 
der Tuareg, der 5stlichen Merasigk und der westlichen Scham- 
bas ausgefochten werden. Auch damals waren wieder Streitig- 
keiten ausgebrochen, aber es war noch nicht zu direkten Feindselig- 
keiten gekommen und die Reisenden erreichten gliicklich am 
19. Jannar das Fort Tatahouin, wo es zum erstenmal wieder Wasser 
in beliebiger Menge gab. Hier fanden sich die vorausgesandten 



— 48* — 

Reitpferde vor, die Merasigk woi'den entlassen und am 27. JaDuar 
traf die Karawane glUcklich wieder in Gabes ein. 

Die Weiterreise von Gabes liber Gafsa nach El-Kef war 
im Vergleich zur WUstenfahrt eigentlich eine bequeme und ge- 
fahrlose, wenn sie auch durch die einsetzende Friihjahrsregen- 
periode and zuletzt durch die Hitze anstrengend genug wurde. 
Vierzehn Tage wurden noch dem Korkeicbenwald gewidmet, 
der ganz Nordtunis erftillt. Am 7. Juli war die Karawane 
mit der reichen Ausbeute in Tunis vereinigt. 

Die gefSkhrliche Reise war ohne emstlichen Unf all verlauf en ; 
aber eine Bootfahrt nach der vor Cap Bon gel^enen Insel 
Namoura h&tte urn ein Haar breit der Laufbahn des jungen 
Forschers schon damals ein Ziel gesetzt. Bei einer Kahnfahrt 
nach einem FelsenriS setzte einer der furchtbaren Sttirme ein, 
wegen deren das Grenzgebiet zwischen den beiden HUften des 
Mittelmeeres bertichtigt ist, und nur ein Umspringen des Windes, 
das den Kahn in der Nahe einer Tonnara ans Land warf, 
rettete den Reisenden und seine Begleiter. 

Die Bearbeitung der sehr reichen Vogelausbeute veranlafite 
V. Erlanger, fUr langere Zeit seinen Wohnsitz in Berlin zu 
nehmen, doch besuchte er auch mehrfach die Museen in London, 
Tring und Paris. In den Jahrgftngen 1898 und 1899 des Joui-- 
nals fUr Ornithologie veroSeutlichte er seine wissenschaftlichen 
Resultate; sie sind auch in einem stattlichen Bande, den der 
junge Forscher dankerftillt seinen Eltern widmete, erschienen 
und haben bei den Fachgenossen die verdiente Anerkennung 
gefunden. 

Schon w&hrend der Bearbeitung der Reiseausbeute fafite 
Carlo von Erlanger den Plan zu einer grofiartigen wissen- 
schaftlichen Expedition, welche ihm aus den Landern sUdlich 
von Abessinien zwischen dem oberen Nil, Deutsch-Ostafrika und 
dem Somaliland ein ebenso reiches Vogelmaterial beschaffen 
soUte, wie er es aus Nordafrika besaB. Sie soUte aber auch 
zum guten Teil unbetretenes Gebiet durchziehen und diesmal 
nicht nur die Vogel und Sd.ugetiere sondern alle Tierkiassen 
und auch Pflanzen und Mineralien beriicksichtigen. Der Reise- 
plan ging dahin, zuerst Sudabessinien genauer zu erforschen 
und von da iiber die noch kaum bekannte Seenkette, welche 
wohl dem altesten Laufe des Nil entspricht, zum Rudolfsee 



— 49* — 

und von da nach dem deutschen Gebiete in Ostafrika durchzu- 
dringen. Die Reise war auf etwa zwei Jahre berechnet und 
von vornherein in grofiem Stile geplant. Aufier dem erprobten 
Afrikareisenden Neumann und dem schon in der Sahara be- 
wahrten Praparator Hilgert nahmen an derselben noch teil 
der Kartograph Holtermuller und der Arzt Dr. Ellerbeck. 
Es bedurfte langer und kostspieliger Vorbereitungen, ehe die 
Reise angetreten werden konnte. Zunachst gait es, vom Negus 
Menelik die Erlaubnis zum Betreten Abessiniens und zur freien 
Bewegung in demselben zu erlangen. Sie wurde schon am 
11. August 1899 erteilt und auch die englische Regierung ge- 
stattete die Reise durch das englische Schutzgebiet zwischen 
der Kuste und Abessinien und durch das Somaliland. Dann 
mufite im Voraus eine betrachtliche Zahl bewaffneter Begleiter 
angeworben, Kamele beschafft und die ganze Ausriistung fur 
etwa 120 Personen auf mindestens zwei Jahre besorgt werden. 
Anfang November 1899 war alles erledigt und wurde die Ge- 
samtausriistung mit dem Dampfer „Herzog" nach Aden verladen 
und drei Wochen spater war alles zum Aufbruch von dort vor- 
bereitet. Aber eine Erkrankung des Kartographen zwang zu 
langerem Aufenthalt, der zu einem zehntagigen Ausflug ins 
Innere von SUdarabien nach El-Hota, der Hauptstadt des 
„unabhangigen** Sultanats Kabady, Gelegenheit gab, und erst 
am 2. Januar 1900 landete die Expedition auf afrikanischem 
Boden in Zeila. 

Hier war alles gut vorbereitet, aber es gab wie immer 
bei solchen Unternehmungen allerhand unangenehme Verzo- 
gerungen, ehe man aufbrechen konnte. Von dem Ausflug nach 
Sudarabien hatten samtliche Europaer eine Malaria-Infektion 
mitgebracht, die zum StilUiegen zwang. Wahrend desselben 
wurden auf den Rat des englischen Gouverneurs noch dreifiig 
Gallas vom Stamme der Issa angeworben, um nicht von den 
Somalis allein abzuhangen und etwaigen Rebellionsgeliisten ent- 
gegentreten zu konnen, eine VorsichtsmaBregel, die englische 
Reisende langst als unentbehrlich erkannt haben. Als dann 
der Aufbruch endlich erfolgt war, zwang eine schwere Ver- 
letzung, die der Praparator durch Losgehen seines eigenen 
Gewehres erlitt, zu einem dreiwoclientlichen Aufenthalt an dem 
Brunnen Dadab, der allerdings zu griindlicher Erforschung der 



- 60* — 

Umgegend verwandt wurde. So gelangte v. Erlanger erst 
am 3. M&rz in die abessinische Grenzstadt Djeldessa und 
von da in drei Tagemftrschen tiber angebautes Gelftnde nach 
Harar, der Residenz des abessinischen Statthalters Ras 
Makonen. 

Hier erwartete die G&ste des Negus ein feierlicher Em- 
pfang; in dem Regierungsgebd.ade konnten sie sich von den 
Strapazen der Reise erholen und in der gesunden Luft — 
1850 m tiber dem Meeresspiegel -- das arabische Fieber los- 
werden. Zeit batten sie genug, denn sie beabsichtigten, die 
Reise nach Adis-Abeba, der Residenz des Negus, auf einem von 
Europ&ern noch nie betretenen Wege zu macben, und dazu war 
eine besondere Erlaubnis n5tig. Eine Expedition nach dem eine 
Quadratmeile groBen See Haramaja gab eine sehr reiche Aus- 
beute an seltenen WasservOgeln und noch lohnender erwies 
sich eine Besteigung des 3000 m hohen Berges Gara Mulata, 
den bis 2000 m H5he dichter Urwald bedeckt. 

Erst am 3. April traf die erbetene Erlaubnis des Negus 
ein. Noch konnten die Reisenden den feierlichen Einzng des 
Statthalters Rasmatsch (Un terstatth alter) Ben ti mitmachen, 
der von einem siegreichen Eampfe gegen die Ogaden und den 
Mahdi zurtickkehrte ; dann ging es endlich welter. Zuerst durch 
das Land der Argobba, die im Gegensatz zu den Abessiniem 
in festen Steinhausern wohnen, in das Quellgebiet des Webbi 
zu den nomadischen Ennia-Galla. Bel Biar-Woroba wurde der 
sudlichste Punkt des Weges erreicht und vierzehn Tage sp&ter 
der Flufi Webbi selbst. Die Regengflsse batten schon ein be- 
trachtliches Steigen des Wassers bewirkt und die Uberschreitnng 
des Flusses erschwert; doch gelang dieselbe ohne Unglficksf&lle, 
nahm aber zwei voile Tage in Anspruch. Nun aber kam das 
von dem englischen Gouverneur vorausgesagte Ereignls; die 
Somali streikten und erkl3.rten, nach Hause gehen zu wollen. 
Das wurde ihnen denn sofort gestattet, sie brachen auch auf 
und schwammen uber den Flufi zuruck. Da sie aber weder 
WaSen noch Tauschmittel batten, kamen sie schon nach elnigen 
Stunden wieder zurtick und baten um Wiederannahme ; die 
Karawane kouute weiter ziehen und erreichte am 15. Jnni die 
heilige Stadt Scheikh-Hussein, das Zentrum des Gebietes der 
Arussi-Galla, 



- 51* — 

Hier gab es wieder einen dreiwSchentlichen Aafenthalt 
nnd der abessinische Statthalter in Ginir, Waldegabriel, 
benahm sich im Anfang recht nnfreundlich. Doch Underte er 
sich rasch and am 5. Juli konnte der Marsch nach der kaiser- 
lichen Besidenz angetreten werden. Er ftihrte an dem den 
Gallas heiligen, mit dichtem Urwald bedeckten Berge Abu-el- 
Eassim vorfiber, dessen 3200 m hohe Spitze die Reisenden er- 
stiegen, nnd dann tiber die grasbewachsene Hochebene von 
Diddah, eine in der Regenzeit ^nfierst beschwerliche Reise, an! 
welcher yiele Lasttiere zngrnnde gingen. Ancb der Ubergang 
fiber den angeschwollenen Hawasch war sehr schwierig and 
kostete zwei voile Tage. Dann wnrde das Land frenndlicher, 
besser angebant, and am 16. August, acht Monate nach dem 
Anfbrach von Zeila, war Adis-Abeba erreicht. 

Bei dem Negus Menelik, dem ,|erobernden L6wen vom 
Stamme Juda^, dem Nachkommen Salomos and der K5nigin 
von Saba, fand y. Erlanger einen sehr freundlichen Em- 
pfang and erhielt die Erlaubnis, das ganze dem Einflufi des 
Negus unterstehende Gebiet zu bereisen. Drei Monate blieb 
er in der Residenz selbst, die nicht eigentlich eine Stadt sondern 
ein grofies Lager ist, wartete die Beendigung der Regenzeit ab 
und ersetzte die Verluste an Lasttieren. Auch die Somali 
wurden abgelohnt, an ihre Stelle traten 120 Abessinier, an 
Stelle der Eamele, die sich im Gebirg nicht sonderlich bew&hi t 
hatten, 180 Maultiere. Die Expedition trennte sich fibrigens 
hier ; Neumann ging dem Nordabhang des abessinischen Hoch- 
landes entlang zum Nil, v. Erlanger wandte sich dem noch 
sehr wenig bekannten Seengebiet zu, das die grofien zentral- 
afrikanischen Seen im Gebiete des oberen Nil mit dem Hawasch 
verbindet. Dieses Gebiet hat ein ganz besonderes Interesse 
dadurch, dafi es wahrscheinlich den Gew&ssern des Sudan als 
Weg zum Roten Meere oder zum Nordende des Arabischen 
Meerbusens diente, ehe der Nil sich seinen heutigen Weg durch 
das nubische Sandsteiuplateau zum Mittelmeer bahnte und die 
Oase Agypten bildete. 

Dieses Gebiet ist erst neuerdings von Menelik erobert 
and damit zug&nglich gemacht worden. Zunachst wurde der 
den Christen heilige Berg Sekwala besucht, dessen Heiligkeit 
sicher aus vorchristlicher Zeit stammt ; im See an seinem Fufie 

4* 



— 52* — 

suchen die Auss&tzigen, deren Zahl in Abessinien sehr grofi ist, 
Heilung. Bei der Riickkehr von einer Inselgrappe im Saai-See 
brachte ein pl5tzlicher Sturm die Beisenden in die grOfite Ge- 
fahr ; die Rohrboote, die anfier dem F&hrmann nnr einen Mann 
fassen, warden nach alien Richtangen zerstrent^ erreichten aber 
schliefilich alle glUcklich das Land. Die Landschaft war wander- 
sch5n and reich an Pflanzen and Tieren, doch schwer za passieren ; 
aber die Entdeckang einiger neaen Stau-Becken and die Aufkl&rang 
des Verhaltnisses der bekannten zueinander lohnten reichlich 
dafiir. In Abera, der Residenz des abessinischen Unterstatt- 
halters B a 1 s c h a, wurde den Reisenden ein gl^nzender Empf ang 
zuteil. Er sandte auch, als in den wildreichen Gebieten 
zwischen dem Sagan-Flusse und Ginir die Manltiere in Menge 
dem Stich der giftigen Tsetse-Fliege erlagen, bunderte von 
Lasttr^gern zur Bef5rderang des Gep&ckes. 

Einen wehmiitigen Eindrack auf die Reisenden machte 
es, als sie bei Burdji das Grab des Fiirsten Raspoli aaffanden, 
den hier 1893 ein Elefant getotet. Sie s^uberten es von 
Dorngestrupp and erneaerten das schon vermoderte Ereaz. 

Nach vierwochentlichem Marsche wurde Ginir erreicht; 
Pr&parator Hilger war fiber Harar dorthin vorausgegangen 
und hatte eine neue Kamelkarawane zusammengestellt. Der 
Unterstatthalter begrfiBte v. Erlanger als alien Freund und 
unterstfitzte ihn in jeder Weise. Am 17. Mtkrz konnte die neue 
Karawane aufbrechen : 120 Somalis und 60 Abessinier, alle mit 
Hinterladern bewaSnet, geleiteten 230 Kamele, 95 Maultiere, 
25 Esel, 12 Pferde and 60 Ochsen. Zun^chst ging es noch 
durch ein Gebiet, das die Oberherrlichkeit des Negus anerkennt 
und an den wichtigeren Platzen mit Truppen besetzt ist, aber 
der Untertanenverstand ist bier und da noch recht ungenfigend 
entwickelt. Am 19. Mftrz wurde der wasserreiche Web ttber- 
schritten; eine merkwfirdige Hohlenbildung, in denen er ein 
Felsplateau durchbricht, die sogenannten Wyndlaw-H5hlen, ge- 
stattet den Ubergang trockenen Fufies. Sonst sind Flufifiber- 
schreitungen hier schwierig und gef^hrlich nicht nur wegen 
der natfirlichen Wasserscheu der Kamele sondem auch wegen 
der massenhaft auftretenden, riesigen Krokodile. Beim Dbergang 
fiber den Ganale, den Oberlauf des Djuba, wurde vor den Augen 
seiner Kameraden ein Somali von einem Erokodil vom Ufer 



— 68* — 

weg geholt and fortgeschleppt, obwohl man alles getan hatte, 
um durch Schlagen mit Stangen and Abfeuern von Gewehren die 
Bestien zu yerscheachen. Die Kara wane brauchte fUnf Tage, 
am diesen FluB za passieren. 

Am 28. April wurde die Route erreicht, die Donaldson- 
Smith nach dem Radolfsee gezogen war. Das Siidufer dieses 
Sees war auch das n&chste Reiseziel v. Erlangers; von da 
wollte er Deutsch - Ostaf rika erreichen. Aber auf der einge- 
schlagenen Roate herrschte ein furchtbarer Wassermangel and 
die Wasserstelle von El-Mok, auf die man gerechnet, bestand 
nur aus einigen Pfiitzen iibelriechenden Wassers, die nicht ent- 
fernt ausreichten. Wollte man die Karawane vom sicheren 
Untergange retten, so blieb nur der Versuch, durch die Lorian- 
Ebene Bordera zu erreichen. Aber das ganze Siidsomaliland 
befand sich unterFtthrung des „tollen Mullah" Mohamed-ben- 
Abdulla in vollem Auf stand and auch dort war kein Uber- 
flu£ an Wasser. Von dem Stamme der Gurra gelang es nocb, 
eine AnzahlWassergefllBe zu erlangen, und so wurde der Marsch 
angetreten. Menscben wurden kaum angetroSen, um so mehr 
Giraffeu. Hier erlegte v. Erlanger die riesige Giraffe mit 
fiinf Stirnzapfen, die eine Zierde unseres Museums bildet. Unter 
furchtbaren Entbehrungen wurde endlich Bordera erreicht, die 
Hauptniederlassung der Ogaden-Somalis, ein ungastlicher und 
iibelbertichtigter Fleck Erde. Hier fand von der Decken 
1865 seinen Tod und wurde einige Monate vor der Ankunft 
der Karawane der englische Subcommissioner J e n n e r erschlagen ; 
auch der Italiener Bottego fiel in dieser Gegend. v. Erlanger 
hatte besseres Glttck. Der Shirrh von Bordera, durch seine 
Geschenke gtinstig gestimmt und durch sein energisches Auf- 
treten and die gate Bewaffnung eingeschiichtert, gab ihm seinen 
Sohn and zehn Mullahs mit und mit diesen erreichte die Expedition 
am 29. Juli das englische Gebiet, wo sie mit nicht geringer 
Verwunderung empfangen wurde. Da6 esv. Erlanger gelang, 
das Gebiet der aufst&ndischen Somalis ohne jeden Kampf zu 
darchziehen, ist eine der groBartigsten Leistungen in der Ge- 
schichte der Afrikaforschung. Malaria und Moskitos machten 
diesen letzten Teil der Reise zu einer furchtbaren Strapaze; 
doch lief auch er ohne schwere Verluste ab. Die ganze Reise 
kostete tiberhaupt nur sieben Mann: einer ertrank bei einem 



— 64* — 

Flufittbergang, ein zweiter flel einem Erokodil znm Opfer, ein 
dritter starb an ErschCpfang, einer an Dysenteric, drei an 
Malaria. Am 10. Jali 1901 wurde die MeereskQste bei Gk)bwen 
erreicht. Ein englischer Regierungsdampfer brachte die Expe- 
dition nach Mombasa, wo sie der Reichspostdampfer „Reicbstag*' 
aufnahm. In Agypten traf v. Erlanger seine Eltern, die ihm 
anf die Freudenkunde von seiner glUcklichen Anknnft im zivili- 
sierten Gebiete entgegengeeilt waren, and in ihrer Begieitung 
legte er das letzte Sttick seiner Reise zurUck. 

Fragen wir nach den Resultaten der Reise, so mttssen 
wir dieselben als sehr bedentend sowohl in naturwissenschaft- 
licher als in geographischer Hinsicht anerkennen. Anfier circa 
8000 sorgsam pr^parierten Vogelb&lgen und etwa 1000 S&uge- 
tieren sowie einer Anzahl lebender Tiere, welche nnser Frank- 
furter Zoologischer Garten erhielt, brachte y. Erlanger 
mindestens 20000 Insekten and sehr reiches Material aas alien 
m5glichen Tierklassen mit, namentlich aach Reptilien and 
Moliasken ; keine Tierklasse ist ganz unberficksichtigt geblieben. 
Das gesammelte Herbar enth&lt gegen 3000 Arten. Von der Aas- 
beute hat v. E r 1 a n g e r nnr die V 5gel zarttckbehalten, am sie 
selbst za bearbeiten; alles andere hat er mit der grOfiten Libe- 
ralit&t an Spezialforscher verteilt und denselben bezBglich 
Bearbeitung and VeroSentlichung y5llig freie Hand gelassen. 
Die Bearbeitung der geographischen Resultate hat Sprig ad e 
in Beriin tibernommen; sie liegt bereits im zweiten Hefte 
der Zeitschrift der Gesellschaft fttr Erdkande in Berlin 1904 
vor. Mit bewundemswerter Ausdauer hat der Topograph 
HoltermUIler die Routen aufgenommen; aach ohne astro- 
nomische Beobachtungen ist eine merkwfirdige Genauigkeit 
erzielt worden; bei einer Routenl&nge von 2 700 Eilometem, 
die nur mit Uhr, Eompafi und Schrittz&hlen aufgenommen 
warden, stimmen die Endpunkte und die Schnittpunkte mit 
mteren Routen in der bef riedigendsten Weise. Besonders die Reise 
von Harar nach Adis-Abeba and durch das sUdliche Somali- 
land fiihren vielfach durch unbetretenes Gebiet and die Auf- 
nahmen in dem noch kaum bekannten Seengebiet zwischen dem 
Hawasch und dem Rudolfsee werden ffir die Zoogeographie 
Nordostafrikas von der gr5fiten Bedeutung sein. Scbade, dafi 
der Reisende sie nicht mehr selbst bearbeiten sollte. 



— 55* — 

Carlo von Erlanger ging, sobald er sich einigermafien 
von den Strapazen und den Folgen der Malaria erholt hatte, 
mit Feuereifer an die Bearbeitung des riesigen Vogelmaterials. 
Kaum dafi er sich Zeit nahm, durch einige Vortrage — einer 
davon wurde in Fraokfurt gehalten und ist in den Berichten 
der Senckenbergischen Gesellschaft (1902, p. 155) abgedruckt — 
der wissenschaftlichen Welt einen Uberblick iiber die Resultate 
seiner Reise zu geben. Reisen zwischen den Haiiptmuseen 
Europas znr Vergleichung und BestimmuDg seiner Vogel — 
und er nahm es damit sehr genau und griindlich — wechselten 
mit eifrigen Arbeiten in Berlin. Im Aprilheft des Journals fiir 
Ornithologie 1904 konnte er das erste Heft seiner ^Beitrage 
zur Vogelfauna Nordostafrikas** veroffentlichen ; es ura- 
faBt die Raubvogel und ist mit 19 von Kleinschmidt ge- 
zeichneten lithographischen Tafeln ausgestattet. Zwei weitere 
Hefte liegen druckfertig vor und warten nur auf die VoUendung 
der Zeichnungen. Der junge Forscher soUte ibr Erscheinen 
nicht mehr erleben. Den Gefahren der Wiiste und der Tropen 
war er glttcklich entgangen; ein Automobilunfall, herbeigefilhrt 
durch die Verkettung einer Anzahl fiir sich unbedeuteuder 
Zuf^lligkeiten, machte der kaum begonnenen, glanzenden wissen- 
schaftlichen Laufbahn ein Ende. Er ruhe in Frieden; sein 
Andenken wird in der Geschichte der Erforschung Afrikas, 
der geographischen wie der naturwissenschaftlichen, unvergessen 
bleiben I 

Fiir das grofie Publikum hat v. Er la nger nie geschrieben. 
DaB er es gekonnt hatte, beweisen die in seine wissenschaftlichen 
Arbeiten eingestreuten Schilderungen, seine Vortrage und Er- 
zslhlungen. Er hatte auch in Aussicht genommen, nach Beendi- 
gung der Bearbeitung der Vogelausbeute eine Beschreibung 
seiner Reise herauszugeben ; Tagebiicher und Brief e an die 
Eltern enthalten Material genug fttr eine solche. Hoffen wir, 
daB der Plan zur Ausfiihrung kommt. Es ware ein Denkmal, 
wie es ein Mann von dem Schlage Carlo von Erlangers 
wohl verdient. 



David Friedrich Heynemann 

in Mai 1829 — ij.Oktober 1904) 



— 57* — 



D. F. Heyneinann f- 

Mit Portriit. 
Von 

Dr. W. Kobelt *). 

Am 15. Oktober 1904 ist David Friedricli Heynemann, 
das alteste Mitglied uuserer Seuckenbergischen ^aturforschendeii 
Gesellschaft, im 76. Lebeusjahie sanft entschlafen. Kiinstler 
von Natur, aber ebeuso sehr audi eifriger Naturforscher und 
Sammler, Kaufmanu vou Beruf, hat er es verstaudeD, die ver- 
schiedenen Seiten seiues Wesens gleichniaBig und gleich grund- 
lich auszubilden und sich eine geachtete Stellung zu erwerben 
unter seinen Berufsgenossen wie unter den Kiinstlern, den 
Numisraatikern, den Naturforschern und unter den letzteren 
weit iiber die Grenzen seiner Vaterstadt hinaus. 

Heynemann war am 24. Mai 1829 in Hanau geboren. 
Sein Vater, Goldschmied von Beruf, aber spater Kaufmann 
geworden, war in naturwissenscliaftlichen Kreisen wohl bekannt 
als Tierliebhaber und besonders als Vogelliebhaber, bei dem 
man immer Stubenvogel fand, die zu den feinen und seltenen 
gehorten. Durch ilin wurde der begabte Sohu sclion frtih an 
das Beobachten der Natur gewohnt. Den grofiteu EinfluB auf 
deuselben ubte aber ein Nacbbar des Hauses, der Pfarrer 
T r in t hammer aus, auch ein Naturforscher, den das Schicksal 
in den Chorrock gezwangt hatte. Mit einem gleichaltrigen 
Soliue desselben — das Jahr 1848 hat ihn nacli Amerika ver- 
schlagen und er ist dort als Farmer bei Milwaukee friih 

*) Nach einem von dem gleichen Verfasser im „Nachrichtsblatt der 
Dentschen Malakozoologischen GeseUschaft/ 1905, Heft 1 ver(3fientUchten 
Nekrolog. 



— 58* - 

gestorben — und einem Dritten im Bunde, Heinrich Haes, 
der iu England als Kaufmann lebt, sammelte Heynemann, 
was zu sammein war. Gerne b&tte er studiert oder wlire 
Klinstler geworden; aber der Vater hatte ihn zum Kaufmann 
bestimmt und nach dessen frdhem Tode konnte vom Studium 
keine Rede mehr sein. Heynemann trat, nachdem er zwei 
Jahre in dem GeschMt eines Onkels in England zogebracht, 
zun&chst in das bekannte lithographische Geschftft von Dondorf, 
dann in das Merceriewarengeschd.ft von C. Mettenheimer ein, 
in dem er in verhSlItnismaBig kurzer Zeit eine leitende Stellung 
erwarb, die er bis zur Auflosung des GeschSlftes beibehielt. 
Spater ttbernahm er die Zentralagentur der Vereinigten eng- 
lischen N&hfadenfabriken and hat dieselbe bis zu seinem Ende 
geftihrt. Sein Leben flofi ruhig dahin und ohne besondere ^ufiere 
Schicksale. Seine bervorragende Arbeitskraft blieb bis ins hohe 
Alter ungeschw&cht ; erst in den letzten Jabren mahnten einige 
Schwindelanf&Ue zur Vorsicht; aber noch bis zur letzten Zeit 
konnte man den riistigen, geistesfrischen Alten in seinen Muse- 
stunden an der Staffelei finden und es war ihm beschieden, von 
seiner letzten malakologischen Arbeit fiber die Verbreitung der 
Nack-tschnecken noch den ersten Druckbogen zu sehen. Am 
1. Oktober machte er mit mir noch einen anderthalbstUndigen 
Gang durch den Schwanheimer Wald ; zwei Tage sp&ter kamen 
die Schwindelan&lle wieder und am 15. Oktober schlummerte 
er sanft und ruhig ein. 

Wann und wie Heynemann zum Studium der Mollusken 
und namentlich der damals arg vernachUissigten Nacktschnecken 
gekommen, habe ich nie recht erfahren. Jedenfalls hatte er 
schon in Hanau, wo damals die Wetterauische Gesellschaft fi\r 
Naturkunde eine lebhafte T^tigkeit entfaltete, gesammelt. In 
Frankfurt fand er besonders in der Senckenbergischen 
Naturforschenden Gesellschaft ein reges wissenschaft- 
liches Leben vor und er verstand es rasch, sich in ihren Kreisen 
Geltung zu verschaffen. An der Griindung des Vereins fiir 
naturwissenschaftliche Unterhaltung (^Kftwwern- 
schachtel") im Jahre 1859 war Heynemann in erster Linie 
beteiligt und hat auch jahrelang auf die Ziele und Bestrebungen 
des Vereins einen maBgebenden EinfluB ausgetibt. 1860 ver- 
5Sentlichte er in den Malakozoologischen Bl£Lttern seine erste 



- 59* - 

Arbeit; sie behandelte das Vorkommen des damals noch kaum 
ans Deatschland bekannten Limax variegattis, Vod da bis 
1885 erschien eine gaDze Beihe von Schriften, die den Namen 
Heynemann za einem der geachtetsten auf dem Gebiete der 
Nacktschneckenkande machten. 

Seit dem Anfang der sechziger Jahre trag sich Heynemann 
mit dem Qedanken, die deutschen Malakozoologen, deren Zahl 
ja damals noch viel gr&Ser war als heute, za einer Qesellschaft 
za vereinigen. Uberh&ufang mit Arbeit liefi ihn aber den Plan 
immer wieder hinaasscbieben. Erst als die Belgier den Gedanken 
aafnahmen and eine belgische Oesellschaft grUndeten, entschlofi 
er sich, voranzugehen. Ich hatte gelegentlich der in Frankfnrt 
1867 stattfindenden Versammlung dentscher Naturforscher and 
Arzte seine Bekanntschaft gemacht and war von da ab in regem 
Verkehr mit ihm geblieben, der fur mich als griinen Anf&nger 
von der gr5fiten Wichtigkeit war. Als ich im August 1868 
wieder einmal durch Frankfurt kam, entwickelte er mir seinen 
Plan and erkl&rte sich bereit, sofort vorzugehen, wenn ich die 
Redaktion des Vereinsblattes und die Leitung des Tauschvereins 
Ubeiiiehmen woUte. Dazu war ich gerne bereit und so erfolgte 
noch im gleichen Jahre die GrUndung der DeutschenMalako- 
zoologischen Gesellschaf t, deren Pr&sident Heynemann 
bis za seinem Tode geblieben ist. Kurz nachher bot sich mir 
Gelegenheit, die Stelle eines Vereinsarztes in Schwanheim zu 
Ubernehmen, und von da ab haben wir gemeinsam gearbeitet, 
bis der Tod ihn abrief. 

Bis 1885 hatte Heynemann eine ftthrende Stellung in 
der Nacktschneckenforschung eingenommen. Aber dem peinlich 
gewissenhaften Manne war es mehr und mehr unangenehm ge- 
worden, dafi eine neue Richtung aufkam, die die Untersuchungen 
aaf die feinere Anatomie ausdehnte, ein Gebiet, auf das er 
nicht folgen zu kOnnen glaubte. So entschloB er sich, der 
Malakozoologie Valet zu sagen ; seine zusammenfassende Arbeit 
fiber die nackten Landpulmonaten des Erdbodens sollte ein end- 
gfiltiger Abschied von den Nacktschnecken sein; aber sie war 
es doch nur teilweise. Zwar trat in seinen beiden letzten 
Jabrzehnten die stets gepflegte Olmalerei, in der er bedeutendes 
leistete, so dafi seine Arbeiten gar manchmal mit denen seines 
Lebrers H o e f 1 e r verwechselt wurden, mehr in den Vordergrund 



— 60* — 

und der Sammeltrieb wendete sich der Namismatik zu, in der 
sich Heynemann auch bald eine angesehene Stellung erwarb. 
Aber bald iiberzeugte er sich auch, dafi in einer Hinsicht wenig- 
stens sein ZurUcktreten eine Lacke gelassen hatte, and so 
entschlofi er sich in den ueunziger Jahren, seine Arbeit von 
1885 wieder aufzunehmen and wenigstens bis zum Ende des 
Jahrhunderts fortzafiihren. Es war ihm vergonnt, seinen Plan 
anszaf tlhren and das Manuskript zu beenden ; der erste gedruckte 
Bogen seiner Arbeit bber „Die geographische Verbreitung der 
Nacktschnecken/ die im 30. Bande unserer Abhandlungen er- 
scheinen wird, wurde ihm noch an das Sterbelager gebracht 
und er schied mit der Gewifiheit, dafi auch diese Arbeit nicht 
vergeblich gewesen sei. 

Aufier in der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft 
hat Heynemann auch in unserer Senckenbergischen 
Naturforschenden Gesellschaft eine sehr einflufireiche 
Stellung eingenommen. Unmittelbar nach seinem Eintritt wurde 
er am 10. Dezember 1859 zum ^arbeitenden Mitglied^ ernannt 
und im Jahre 1869 ttbernahm er die Verwaltung der Konchylien- 
sammlung des Museums. Daneben hat er eine besonders er- 
spriefilich£ Tatigkeit in der Redaktionskommission ftir die 
Abhandlungen entfaltet, in der er von 1884—1895 and seit 1899 
den Vorsitz fuhrte. Auch in der Baukommission war er unab- 
lUssig t^ig, nachdem er bereits in einem am 25. Oktober 1884 
gehaltenen Vortrag „Uber naturwissenschaftliche Museen and 
ihre Einrichtungen" auf die Notwendigkeit der Errichtung eines 
Museumsneubaues und der Trennung der wissenschaftlichen 
Sammlung von der Schausammlung hingewiesen hatte. In 
zwei Amtsperioden, 1884 u. 85 and 1888 u. 89, bekleidete 
Heynemann das Amt des II. Direktors. Er war zagleich 
der eigentliche Begriinder und eifrigste FOrderer unserer 
Medaillensammlung, deren Anf &nge er in einer zusammen- 
fassenden Arbeit im Bericht 1900 beschrieben hat. Eine weitere 
Arbeit, die die zahlreichen, in den letzten fiinf Jahren der 
Sammlung eingereihten Medaillen beschreiben sollte, hat 
Heynemann nahezu druckfertig hinterlassen ; sie wird, auf 
des Entschlaf enen Wunsch von Dr. E. R o e d i g e r voUendet, in 
unserem n&chstjahrigen Berichte erscheinen. Die kiinstlerische 
Gestaltung einer Denkmtinze zur Erinnerung an die gl&ozeude 



— 61* — 

Feier der Grundsteinlegnng zn unserem Museamsneubau am 
15. Mai 1904 war Heynemanns letzte Sorge; der Entwurf 
eines grofien Olbildes fttr das neue Museum, das Mammut in 
anserer Gegend darstellend. stand auf seiner Staffelei, als der 
Tod ibm den Pinsel aus der Hand nahm. 

Heynemann war eine lioclibegabte Natur und von 
kindlich reinem, ediem Charakter, ein absolut zuverlHssiger 
Freund, mild im Urteil, rastlos in seiner Tatigkeit, unermudlich 
in der Durchfuhrung dessen, was er einmal begonnen. Sein 
Andenken wird in Ehren bleiben bei alien, die ihn kannten, 
und auch die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft 
wird seiner stets in Treue und Dankbarkeit gedenken! 



— 63* — 



Znm Andenken 

an 

Dr. phD. Albert von Reinach. 

Hit Portr&t. 
Von 

Professor Dr. F. Kinkelin. 



Nach langem, qaalvollem Leiden hat ein der Wissenschaft 
und dem Oemeinwohl geweihtes Leben am 12. Janaar 1905 mit 
dem Tode Dr. Albert von Reinachs geendet. 

Als Ultester Sohn des Bankiers Adolph von Reinach 
dahier war er am 7. November 1842 geboren. Im Hasselschen 
Institat in Frankfurt a. M. erhielt er eine gute wissenschaftliche 
Erziehnng. Dem vHterlichen Wansche gemllfi soUte er Bankier 
werden. Doch interessierte sich v. Reinach ftir Naturwissen- 
schaften, vor allem fiir Geologie nnd Bergwesen. So besuclite 
er zwei Jahre die chemische Abteilung des Polytechnikums in 
Karlsruhe und ebensolange die Bergakademie in Freiburg i. S. 
Seine Lehrer aus jener Zeit, deren er sich oft und gern er- 
innerte, waren Professor F. San dberger, Dr. Th. Petersen 
und Professor Dr. Bernhard von Cotta. Seinen Vater zu 
unterstUtzen, mufite er dann doch die Tlltigkeit eines Berg- 
ingenieurs mit der des Bankiers vertauschen; 1861 trat er in 
das viLterliche Bankhaus ein, wurde 1872 Teilhaber und fiihrte 
es nach dem Ableben seines Vaters unter der Firma Ad. Albert 
von Reinach & Cie. bis zur Zession desselben an die Allgemeioe 
Elsftsser Bank-Gesellschaft von 1877 bis zum 1. Januar 1886. 

Im Jahre 1875 vermahlte er sich mit Antonie Bolongaro- 
Crevenna, einer kunstsinnigen und tatkr&ftigen Dame, die 
ihren Mann bei seinen gemeinnUtzigen Bestrebungen wesentlich 
unterst&tzte. 



- 64* — 

Ein nervoses Leiden veranlaBte v. Reinach, sein Bank- 
geschaft abziigeben imd auf der Holie des Stauffens bei Epp- 
stein im Taunus eine Villa zu bauen, die er fernerbin wahrend 
der Sommermonate bewolinte. Mit Vorliebe lag er bier zeit- 
weise dem edlen Weidwerk ob. Docli sein Tatigkeitsdrang 
suclite nacli ernsteren Aufgaben, die es rait sicli bringen, 
besonders im Freien zu sein. Die Wabl fiel natiirlich anf das 
Stndiuin der Geologie. Seit 1886 begleitete v. Reinach dann 
F. Kinkelin beini Begehen der Tertiiir- und Diluvialbildmigen 
ara siidlichen und nordlichen Taunusbang und in der Wetterau 
und spater H. Grebe bei seinen geologischen Aufnahmen in 
der Rheinprovinz, wobei er mit dem Direktor der PreuBischen 
Geologischen Landesanstalt Prof. Dr. Bey rich bekannt wurde. 
Im Jahre 1892 trat v. Reinach als Mitarbeiter in die Geo- 
logische Landesanstalt ein. Derzeit mit geologischen Aufnahmen 
beauftragt, durchforschte er vorerst mit intensivstem Eifer die 
ostliche Wetterau und die West- und Si'idseite des Vogelsberges. 
Wesentlich trug zur Sicherung seiner Aufnahmen bei, daB 
V. Reinach auf seine Kosten eine groBe Anzahl von Bohrungen 
vornehmen lieB. 

1899 kameu seine Karten von Blatt Windecken, Hanau 
und Hi'itteugesaB mit Erlauterungen heraus. Bieten sie mauch 
Neues iiber Schichtenbau und Schichtenfolge, so sei doch aus 
Blatt Hanau besonders auf seine Behandlung der diluvialen 
Sedimente hingewiesen; audi erinnere ich an seine Entdeckung 
des marinen ]\Iitte]oligocans bei Biidesheim und die Bekanntgabe 
weitstreichender Verwerfungen in diesem Gebiete. Hier kam 
V. Reinach in nahere Beziehung mit Prof. Dr. B ticking 
in StraBburg i. E., der ilin auch in petrographischen Fragen 
des Taunus beraten hat. 

Um sich weiteren Blick iiber die Verbreitung des Perm- 
systemes und der Taunusgebilde zu schaffen, wurden Reisen 
uach der Saar-Nahegegeiid. nach England, nach Frankreidi 
(Autun, Lodeve, nach den Ardenncn und der Bretagne) unter- 
nommen ; hier trat er in nahere Beziehung rait den Professoren 
Gosselet und Barrois (Lille), die er dann auch durch den 
Taunus fUhrte. Wichtige Arbeiten, teils in den Abhandlungen 
der geologischen Landesanstalt, teils in der Zeitschrift der 
deutschen geologischen Gesellschaft i^nbliziert, sind der Erfolg 



— 65* — 

dieser Reisen im Zusammenhang mit seinen heimatlichen 
Studien. Dem Rotliegenden, besonders aber dem geologiscben 
Ban des rechtsrheinischen Taunas im weiteaten Sinn gait ein 
jahrelanges Stadium. Es sei nur herausgehoben, dafi v. Rein a ch 
den Taunas als ein von vielen Verwerfangen gestortes Gebirg 
erkannte. Haben Milch ond Schauf die Oenesis der 
Eochschen Hornblendesericitschiefer and der SericitgneiBe 
aufgekl&rt und Franz Ritter die Kenntnis der Taunas- 
gesteine in mineralogischer Beziehung gef5rdert, so ist es 
V. Reinach, der die Phyllite Kochs zusammen mit liegender 
Arkose und Konglomerat nach ihrem geologiscben Alter als 
tiefstes Unterdevon, als sog. Gedinnien, erkannt hat, welche 
Orientierung er auch darch seine Entdeckung schon lange ver- 
geblich gesuchter Fossilien belegen konnte. So fUhrte er den 
Nachweis, dafi die petrographiscbe Beschaffenheit der Taunus- 
gesteine in voliem Parallelismus mit der der Ardennen ist. 
Auch die oberen Schichten des m&chtigen Unterdevons, die 
Coblenzschichten, werden in ihrer Gliederung durch seine Bear- 
beitung des nSrdlichen Taanus, wobei er bei Bestimmung der 
Fossilien von Dr. Alexander Fuchs unterstiitzt wurde, 
wesentliche FSrderung erfahren. 

An sich fiber den komplizierten Bau des Taanus und seine 
Schichtenfolge im klaren, mufite v. Reinach vor iVs Jahren, 
durch ein schweres Herzleiden gezwungen, die Studien im 
Revier aufgeben. Aber auch w&hrend seiner Erankheit arbeitete 
er soweit irgend moglich. Davon zeugt u. a. eine h5chst 
interessante Arbeit, die vor 3 Monaten erschien : „Uber Wasser- 
gewinnung im mittleren und 5stlichen Taunus.^ Mehreren 
Taunusorten wie Wiesbaden, E5nigstein, Cronberg, Homburg 
v. d. H5he und der Saalburg, auch Frankfurt war er in der Be- 
schaffung von Trinkwasser behilflich. 

Zu schmerzlich war es flir den unermtidlichen Forscher, 
seine grdfite Arbeit, die, wie schon angedeutet, uber Bau und 
Schichtenfolge des Taunus sehr bedeutsames bringen wird und 
fast voUendet vorliegt, nicht mehr selbst dem Druck bbergeben 
zu kSnnen. In einer Earte an mich bezeichnete er es als 
seinen letzten Wunsch, die Taunusarbeit noch publizieren zu 
k5nnen. Einer geflLlligen Mitteilung yon Herm Landesgeolog 
Dr. A. Leppla, der die letzten Jahre yielfach mit v. Reinach 



— 66* — 

gemeinsam gearbeitet hat, verdanke ich folgende Notiz: ^Im 
Arcbiy der Geologiscben Landesanstalt liegen vor: Neube- 
arbeitungen der BlS,tter Homburg, Feldberg, Idsteiu, Platte, 
Konigstein, Wiesbaden, z. T. ganz, z. T. nur halb durch Herrn 
V. Reinach bearbeitet. Daza sollen noch Aufnahmen im 
Blatt Rodelheim, Hochbeim, Frankfurt and Usingen kommen. 
Aa£erdem sind noch im Besitze der Landesanstalt zwei Auf- 
nahmeberichte, von denen einer im Druck ist and in einigen 
Monaten zur Veroffentlichang kommen wird. Ihr Inhalt bezieht 
sich aaf die Aafnahmen des Herrn v. Reinach am StidfaB 
des Taanns." 

Aber nicht blofi als Stratigraph bat sich v. Reinach in 
hohem Mafie verdient gemacht sondern auch als PalHontolog. 
In der Beurteilung fossiler Schildkroten ist v. Reinach wohl 
erste Autoritd.t. Die Arbeiten Uber die Schildkr5ten unseres 
Tertiarbeckens sowohl wie auch liber die Agypteus schmiicken 
die Abhandlungen der Senckenbergischen Naturforschenden 
Gesellschaft. Welche F5rderang stand auch nach dieser Seite 
der historischen Geologie wie der PalHontologie in Aossicht, 
nachdem neues, reiches Material durch die Reise von Dr. 8 1 r omer- 
V. Reichenbachin der Libyschen WUste dem Senckenbergischen 
Museum, mit wesentlicher Unterstii tzung v. R e i n a c h s, zugegangen 
ist. Nur der grofiten Sachkenntnis , aber auch unendlicher 
Geduld konnte es gelingen, die kleinen TrUmmer der Schild- 
krotenpanzer wieder in ihren friiheren Zusammenhang zu bringen 
und vereinzelte Triimmer zu deuten. Bei seinem Einai'beiten 
in das schwierige Studium der fossilen Schildkr5ten stand ihm 
0. Boettger treulich zur Seite. 

So f5rderte v. Reinach die Wissenschaft, die heimatliche 
Landschaft und in Sonderheit unsere Gesellschaft durch sein 
personliches Wissen und Schaffen. 

Innerhalb der Senckenbergischen Gesellschaft bet&tigte 
sich v. Reinach noch in mannigfachster Weise. Reiche 
Stiftungen, die er aus eigenster Einsicht und Initiative grUndete, 
kamen der Ordnung der Sammlungen des Senckenbergischen 
Museums im hQchsten Grade zugute, da sie einerseits far die 
Honorierung wissenschaftlicher Museumsarbeiten bestimmt waren, 
andererseits fUr die Anstellung standiger wissenschaftlicher 
Beamten. Besonders der geologisch - pal&ontologische Teil 



— 67* — 

UDseres Mnseums hat sich in hohem Mafie seiner munifizenten 
F5rderang zu erfreuen gehabt. So konnte die Qesellschaft 1896 
mit Ehren vor der deutschen Naturforscherversammlung und 
1900 vor der deutschen geologischen Gesellschaft bestehen. 
Es ist ein Haaptverdienst v. Reinachs. 

Mit einem anderen Mitgliede unserer Gesellschaft, dem 
HeriTi G. Albert Keyl ist es 1897 vor alien Albert von 
Reinach gewesen, der durch eineweitere, gro£artige SchenkuDg 
an die Gesellschaft den ersten Anstofi zum Museamsneubau 
gab, den er im weiteren noch nicht nur mit seinem wertvollen 
Rat sondem auch durch nochmalige groBe Beisteuer ge- 
f5rdert hat. Mit frischer Hoffnung konnte die Gesellschaft durch 
diese Tat v. Reinachs, die in der Folge in der opferwilligen 
Biirgerschaft Frankfnrts lebhaftes Echo fand, an die Erfiillung 
des seit langen Jahren gehegten Wunsches gehen, die in zu 
beschr&nktem Raum eingeengten, wachsenden Sch^tze fiir die 
Belehrung der Beschauer giinstiger aufzustellen und rationell 
nnterzubringen. 

Eine fernere Stiftung — im Jahre 1890 — ist der 
vonReinac h-P r e i s, der bereits viermal vergeben worden ist. 
Er ist bestimmt, alle zwei Jahre die beste Arbeit aus den 
Gebieten der Geologie, der PalHontologie und der Mineralogie, 
soweit sie die weitere Umgegend Frankfurts behandelt, zu 
prUmiieren. 

So wirkte v. Reinach segensreich nach den ver- 
schiedensten Richtungen ohne die geringste Pratension. 

Die h5chste akademische Ehrung, die ihm am 2. Juli 1904 
von der philosophischen Fakultd.t der Universit&t Marburg ge- 
worden ist — der Doctor honoris causa — ist vollauf verdient. 
Das in lateinischer Sprache abgefa£te Diplom ubertragt 
auf den „Hochgelehrten Herrn Baron und Biirger der Stadt 
Frankfurt a. M. den Rang, die Rechte und Privilegien eines 
Doktors der Philosophie und Magisters der freien KUnste". 

„Die Ehrung gilt dem Manne, der nicht nur die 
ftltesten Gesteinsbildungen des Taunusgebirges, sondern 
auch die jlingeren Gesteinsbildungen des Mainzer Beckens 
mit grfindlichster Gelehrsamkeit und glUcklichstem Erfolg 
durchforscht und Uber die versteinerten Schildkroten ein- 
gehende und ergebnisreiche Untersuchungen angestellt hat. 

6* 



— 68* — 

dann aber auch, ein z welter M&cen, das weite Gebiet 
aller naturwissenschaftlichen and insbesondere geologischen 
Studien mit freigebiger Hand unaufh5rlich unterstiitzt 
und fCrdert. . . .* 

Dafi ein Mann, der so reich an Lebensgiitern, so eifrig, 
so fleifiig arbeitete, dafi er seine Freunde wegen wissenschaftlicher 
Fragen am frllhen Morgen aufsuchte, ja aus dem Bett holte, 
kennzeichnet den Verstorbenen wohl am besten. £r war ein FrUh- 
aufsteher und kannte keine Ermiidung. In Sonnenglut, bei 
Wind und Wetter war er im Bevier, von fr&hmorgens bis zom 
Abend in intensiver k5rperlicher, wie geistiger T&tigkeit, ftkr 
seine k5rperlichen ErMte wohl zu sehr. 

Von seinen Reisen mit einzig wissenschaf tlichem Interesse 
mu£ ich noch der nacb Bufiland, nach dem Ural gedenken — 
1897 als Teilnehmer am internationalen Geologenkongrefi in 
St.-Petersburg ; ffir diese Reise lernte er Russisch. Der ms- 
sischen Sprache Herr, konnte er die Exkursionen nach eigener Wahl 
bestimmen. Sein Hauptzweck war, das Perm- und Garbonsystem 
in ihren verschiedenen Abteilungen im Ural and an der Kama 
zu studieren. Wie sehr neben seinem Spezialstudium ihn auf 
seinen Reisen auch der Mensch and die Landschaft, die Natur 
besch&f tigte , davon zeugen u. a. seine lebhaft and kritisch 
scbildernden, liebenswiirdigen Briefe an seine Fran. Einige 
Zeilen aus einem solchen, im Hafen von Kasan geschrieben, 
seieu hier wiedergegeben : 

„Wie hat sich seit Perm alles ver&ndert, ich bin 
wieder im SlidenI Die hei£e Sonne zeigt, dafi hier noch 
Sommer herrscht, wie vor 14 Tagen, als wir Uber Samara 
nach dem Ural fuhren. Auf dem kleinen Dampfer war 
die Gesellschaft ganz nett; wir kannten uns alle schnell, 
and traf ich sogar eine deutsche Dame, welche wegen des 
Elimas ihre Stelle als Qoavernante in Perm verlassen 
hatte und in neue Stelle nach Kasan fahr. Die E^ma 
bietet oft sch5ne Ausblicke, der Strom wird immer maje- 
statischer, mit der Weiterfahrt nach SQden wechs^lt aach 
der Baumwachs, statt Birke und Tanne konunt die Eiche 
und Buche, auch Apfel- und Birnb&nme prangen mit 
schonen FrQchten. Gestern Donnerstag Nachmittag stieg 
ich in Elabouga, einem kleinen St&dtchen ans Land, am 



— 69* — 

Steine zn klopfen. Es war ein prachtvoller Tag, Sonnen- 
schein and etwas Wind. Ich arbeitete am Berg hinauf 
and wieder hinanter, bis die Sonne urn 8 Uhr nnter- 
gegangen war. Dann ging ich in ein kleines, mllfiig sauberes 
Wirtshaus am Ufer and bestellte mir Sterlet zum Nacht- 
essen. Ich saB vor dem Wirtshaus an der Kama, der 
Mond ging auf and spiegelte sich in der zitternden Flut, in der 
Feme ert5nte eine Drehorgel mit mir unbekannten Weisen ; 
es war ein herrlicher Abend, endlich einmal allein und 
nicht n5tig, mit Nachbaren zu sprechen. — Sterlet ist der 
KOnig der Fische, ein herrliches Aroma charakterisiert 
*das weiBgelbe, etwas fette Fleisch, das obne GrMe. Die 
Leute stellten mir noch etwas ganz frischen, ongesalzenen 
Kaviar und den Samowar auf den Tisch. Um lOVs Uhr 
kam das andere Dampfboot, mit dem ich weiter fuhr. Es 
ist ein langsames Schiff und bin ich der einzige Passagier 
I. Klasse. Das Deck und Zwischendeck liegt aber voll 
Menschen, die sich da h&uslich eingerichtet haben. Der 
Russe reist mit seinem Bett und Eochzeug, namentlich 
immer mit Teekessel, das warme Wasser nimmt er aus 
der Maschine, ein grofier Eindersegen scheint auch an der 
Tagesordnung zu sein, iiberall schreit and krabbelt das 
kleine Volk her am. Einem lieben kleinen Madchen erz&hlte 
ich die sch5ne Geschichte von Sonne and Mond; es ver- 
stand mich und hatte sein Vergntigen; die Aussprache 
,des Russischen geht also auch besser. Heute frtth sah 
ich meine Steine durch and fand gute Petrefakten darin. 
Vor einer halben Stunde sind wir im Hafen von Kasan 
angekommen und fahren jetzt auf der stattlichen Wolga, 
die etwa zweimal so breit als der Rhein ist. Ich habe 
keine Zeitnach Kasan hineinzugehen, da die Stadt eineinhalb 
Stunden vom Hafen entfernt auf der H5he liegt. Ich sehe 
ihre yieien Kirchen mit den grUnen und vergoldeten D&chern 
heritberblinken. Oleich geht es weiter und will ich diesen 
Brief noch vorher zur Post geben. Heute abend bleibe 
ich in einem kleinen Ort Wasobia und fahre dann morgen 
Mittag weiter nach Nischni Nowgorod^. 
Mehr der Erholung galten seine j&hrlichen Friihjahrsreisen 
mit seiner Fraa nach der Riviera, nach Rom und anderen Orten 



— 70* — . 

Italiens ; auf einer dieser Reisen vor zwanzig Jahren haben sie 
das grofie Erdbebeo in Nizza miterlebt. Auch von da brachte 
er stets schS^tzbare Bereicherang fUr die pal&ontologische Samm- 
lung des Museums und dasselbe gilt auch von der weitesten, 
mit seiner Frau unternommenen Tour nach Agypten und Syrien — 
Genua, Alexandria, Kairo, Beirut, liber denLibanon nach Damaskus, 
tiber Jaffa nach Jerusalem, Konstantinopel, Messina, zurfick nach 
Genua. Von dieser Reise stammt u. a. auch das Material zu 
der Abhandlung des Verfassers „Beitr3,ge zur Eenntnis der 
Geologic von Syrien ** in dem Senckenbergischen Bericht 1898. 
Von der Riviera holte sich v. Reinach u. a., wie er 
mir erzahlte, die Beobachtung, von welch verschiedener Gesteins- 
beschaffenheit die in nllchster Nahe gelegenen recenten marinen 
Sedimente sein k5nnen ; es erkl&rt dies seine Vorstellung ttber 
die TertiS^rablagerungen am Sudfufi des Taunus; so h&lt er es 
fiir moglich und tatsd^chlich, da£ zur selben Zeit im Binnensee 
der Hydrobienzeit total kalkfi*eie Sandtone einerseits und Kalk- 
mergel oder sandfreie Kalke andererseits unmittelbar neben 
einander oder in geringer Entfernung abgelagert wurden. 

Seine Forschungsresultate liebte v. Reinach vor allem 
im Verein fiir naturwissenschaftliche Unterhaltung mitzuteilen. 
Sehr vielseitig und lebhaft, anregend und im Urteil klar, wie 
er war, war er in diesem Freundeskreis hochgeschfttzt und stets 
freudig begriifit. 

Welch lebhaftes Interesse v. Reinach auch einem 
Nachbargebiet der Geologic, der Prfthistorie, schenkte, bejveist 
seine sch5ne Sammlung von Steinwaffen etc. aus der Taunus- 
landschaft ; dieselbe, ein Vermachtnis an Se. Majest&t den Kaiser, 
wird ins Saalburg- Museum gelangen. In seinem Besitze befand 
sich begreiflicherweise eine iiberaus reiche Biichersammlung ; 
besonders sind palftontologische Werke ttber das Devonsystem, 
ferner die Geologic von Frankreich, England und RaSland 
gut vertreten. Hervorragend ist ferner die Sammlung fast aller 
seiner Originale tertiarer Schildkroten. Bedeutende Sammlungen 
von Fossilien stammen aus dem Perm (von Autun a. a. 0.); am 
umfangreichsten ist die Sammlung des ganzen Materials, das 
seinen Arbeiten iiber das Rotliegende und Devon unserer Gtegend 
zu grunde liegt. AUes war von v. Reinach schon bei Leb- 
zeiten ftir das Senckenbergische Museum bestimmt. 



— 71* — 

Schon der Eintritt in sein schones Heim an der Tannus- 
anlage, das er sich vor 16 Jahren gebaut bat, zeugt, daB in 
ihm die Kanst gepflegt wiirde ; nicht nur Gelehrte, aach Masiker, 
Maler, Bildhauer fanden sich in ihm zusammen und mancher 
Gelehrte und mancher Ktinstler wurde darch y. Keinach 
gef5rdert. Er gehorte Qberhaupt zu den Wohltatern, die nach 
alien Richtungen verst^ndig und im Stillen wirkten. 

Solchem Mann konnten M&ere Ehrungen nicht tehlen; 
seine vielseitigen Leistungen wurden allseits anerkannt. Mehrere 
Jahre geh5rte er dem Vorstande des Physikalischen Vereines 
an. 1888 wurde er zum wirklichen Mitglied der Senckenbergischen 
Naturforschenden Gesellschaft und 1889 zum Mitglied der 
Kaiserlich Leopoldino-Carolinischen Akademie der Naturforscher 
emannt, deren Wahlspruch „Nunquam otiosum^ stets der seinige 
gewesen war. 

Die aufierordentlichen Leistungen im Dienste der freiwilligen 
Krankenpflege in den Kriegen 1866 und 1870/71 wurden vom 
Kaiser durch die Verleihung des eisernen Kreuzes und von 
Bayern mit dem Militarverdienstorden belohnt, seine verdienst- 
Yolien Bemtihungen urn die Gri\ndung desKriegerheims inEppstein 
wurden durch den Kronenorden geehrt und zuletzt erhielt er 
noch ftir seine Verdienste auf wissenschaftlichem Gebiete den 
roten Adlerorden. Als belgischer Konsul wurde er auch mit 
einem hohen Orden dekoriert. Schliefilich sei erwahnt, da£ ihm 
zu Ehren benannt sind : Psetidamnicola reinachi von Prof. Dr. 
Boettger, Palaeonycieris reinachi von Prof. Dr. Kinkelin, Pristis 
fCoprisiis) reinachi von Dr. Stromer-v. Reichenbach, Piychogasier 
reinachi von Medizinalrat Dr. 0. Roger. 

Diese von Freundeshand gewidmeten Zeilen mochte ich 
schlieBen mit den treffenden Worten Dr. Jassoys, des der- 
zeitigen I. Direktors der Senckenbergischen Naturforschenden 
Gesellschaft, die als Leidtragende unter den zahlreichen, das 
Grab umstehenden Korporationen voranstand: „Im Auftrage 
der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft widme ich 
diesen Eranz unserem zu friih dahingeschiedenen Mitgliede und 
Freunde. Ich mufite befiirchten, gegen den Willen um stilles 
Begr&bnis des teueren Verstorbenen zu handeln, wenn ich Ihnen 
an diesem offenen Grabe die auBerordentlichen Verdienste dieses 
seltenen Maunes um die Naturforschende Gesellschaft auseinander- 



— 72* - 

setzen woUte. Eins aber darf ich Sie versichern: dauernder 
wie das Monument aus Erz and Stein, welches sich an dieser 
Stelle erheben wird, wird das Andenken des Verblicbenen bei 
unserer Gesellschaf t bewahrt bleiben ! Bei jedem Kttckblick anf 
unsere Geschichte werden wir in Dankbarkeit und Verehrong 
des Mannes gedenken, der den grOfiten Teil seiner ungeheuren 
Arbeitskraft in unseren Dienst gestellt hatte. Jahr fQr Jahr 
wird uns die von Reinach-Stiftnng, der vonReinacii- 
P r e i s den Namen unseres ewigen Mitgliedes nennen, zahlreiche 
Sammlungsobjekte rafen ihn uns t&glich zu und niemand wird geo- 
logisch unsere Landschaft bearbeiten k5nnen, ohne sich mit den 
bedeutenden Abhandlungen y. Reinachs yertraut zu machen. 
Die Senckenbergische Naturforschende Oesellschaft hat mit un- 
auslOschlichen Ztigen den Namen y. Reinach in ihr Erinnerungs- 
buch eingetragen ; sie wird seiner noch gedenken, wenn yon uns, 
den Zeitgenossen des Hingeschiedenen, keiner mehr diese Sonne 
schaut/ 

Februar 1905. 



— 73* - 



Terzelehnis der geologisehen Schriften A. t. Beinachs.'*') 

1887 Das Lorsbacher Tal (eine Lokalskizze), mit einer Tafel. 

Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk. in Wiesbaden. 
1890 Parallelisierung des siidlichen Taunus mit den Ardennen 

and der Bretague. 

Uber den Zasammenhang des Eotliegenden des Saar-Nahe- 

gebietes mit demjenigen der Wetterau. 

Zeitschr. d. deutsch. geol. Ges. 

Das Bohrloch im neuen Wiesbadener Schlachthaus. Jahrb. 

d. Nass. Ver. f. Naturk. in Wiesbaden. 

Geologisches aus der unteren Maingegend. Senckenb. Ber. 
1892 Das Rotliegende im Siiden und Westen des franz5sischen 

Centralplateans. Zeitschr. d. deutsch. geolog. Ges. 

Das Rotliegende in der Wetterau und sein Anschlufi an 

das Saar-Nahegebiet. 

Erl&uterungen zur Geologischen t]fbersichtskarte der Rand- 

gebirge des Mainzer Beckens mit besonderer Beriicksichtigung 

des Rotliegenden. 

Abhandl. d. K5nigl. Preufi. Geolog. Landesanstalt. N. Folge 

Heft 8. 

Der Untergrund von Hanau und seiner Umgebung. Ber. 

d. Wetterau. Ges. f. d. ges. Naturk. in Hanau. 
1894 Resultate einiger Bohrungen, die in den Jahren 1891 bis 

1893 in der Umgebung von Frankfurt ausgeftihrt wurden. 

Senckenb. Ber. 
1896 tJber Diluvialablagerungen im unteren Maintal. (Protokoll- 

auszug). Zeitschr. d. deutsch. geol. Ges. 

1899 ErldrUterungen zu den geologischen Spezialkarten von 
PreuBen etc. 

von Blatt Windecken I 
„ „ Httttenges&fi i mit 3 Karten. 
y, y, Hanau | 

1900 Uber einige Versteinerungsfundpunkte im Bereiche des 
Taunus. 



*) Das kiinstlerisch ausgefUhrte, wohlgetroffene Portrftt v. Reinachs 
dank^D wir der Gttte von Fraa v. Reinach. 



- 74* — 

Exkursion am Nachmittag des 15. September in den vor- 

deren Taunus. 

Exkursion in die 5stliche Wetterau nach der Versammlung 

der Deutschen geolog. Ges. 

Zeitschr. der deutsch. geolog. Ges. 

Geologisches aus dem Taunusgebirg. Vortrag in der 

5ffentlichen Versammlung der balneologischen Gesellschaft 

in Frankfurt a. M. 

VerOffentlichungen der Hufeland'schen Ges. in Berlin. 

Schildkrotenreste im Mainzer Tertiarbecken. Abhandl. d. 

Senckenb. Naturf. Ges. Bd. XXVIII mit 44 Tafeln. 

1902 Der Schlaferskopfstollen bei Wiesbaden. Jahrb. d. K5nigl. 
Preufi. Geolog. Landesanstalt Bd. XXII Heft 1 fttr 1901. 

1903 Neuere Aufschltisse im Tertiar des Taunusvorlandes. 
Jahrb. d. Konigl. Preufi. Geol. Landesanstalt Bd. XXIV 
Heft 1 fur 1903. 

Zoologischer Anzeiger Bd. XXVI, 18. Mai. 

Schildkroten aus dem jlgyptischen Tertiar. Abhandl. d. 

Senckenb. Naturf. Ges. Bd. XXIX mit 17 Tafeln. 

1904 tJber die zur Wassergewinnung im mittleren und Ostlichen 
Taunus angelegten StoUen. Abhandl. d. K6nigl. Preufi. 
Geolog. Landesanstalt. N. Folge Heft 42 mit einer Tafel. 



— 75* — 



Verteiliiiig der Amter im Jahre 1905, 



Direktion. 

Dr. phil. A. Jassoy, I. Direktor. ' A. Andreae-von Grnnelinft, Eassier. 

Stabsarzt Prof. Dr. med. £• Marx, Generalkonsnl Stadtrat A, von 

II. Direktor. | Metzler, Kassier. 

W, Melber, I. Sekret&r. . Dr. jar. F. Bergr, Konsnient. 

Dr. med. 0. Schnandigrel, II. SekreUr. ' 

ReTisions-Kommission. 

Stadtrat A* Meyer, Vorsitzender. | Ch. A. Scharif. 
W. Stock. R. Osterrieth. 



M. Ton Metzler. 



Direktor W. von der Velden. 



Abgeordneter f&r die Reyisioii der vereinigten Bibliothekeu. 

Dr. phil. J. Guide. 

Abgeordn. fQr die Kommission der vereinigten Bibliothekeu. 

Prof. Dr. H. Reichenbach. 

BQeher-Kommission. 



Prof. Dr. P. RIchters, Vorsitzender. 
Prof. Dr. M. MSbing. 
Prof. Dr. H« Reichenbach. 



Prof. Dr. W. Schanf. 
Dr. F. R5mer. 



Redaktion der Abhandlongen. 



W. Melber, Vorsitzender. 
Prof. Dr. 0. Boett«rer. 
Prof. Dr. L. Ton Heyden. 



Prof. Dr. M. Mdbins. 
Prof. Dr. H. Reichenbach. 
Dr. F. R5mer. 



Redaktion des Berichts. 

Dr. med. A. Knoblauch, Vorsitzender. 
Stabsarzt Prof. Dr. E. Marx. 
W. Melber. 

Bao-Konimi8sion. 

Dr. med. A* Knoblauch, Vorsitzender. - 1 Prof. Dr. H. Reichenbach. 
A. Andreae-Ton Qmnellus. Dr. med. E. Roedigrcr. 

Prof. Dr. L. von Heyden* ! Dr. med. 0. Schnandigel. 

Dr. phil. A. Jassoy. Dr. phil. F. RGnier. 

R. de Neuff Ule. | 

Finanz-Kommission. 

Direktor H* Andreae, Vorsitzender. I Dr. med. A. Knoblauch. 
A. Andreae-Ton Grunellns. E. Ladenburgr. 



0. Hdchberir* 
Dr. phil. A. Jawoy. 



R. de Nenfville. 



~ 76* - 
Dozenten. 



Prof. Dr. H. Reiohenbaeb< 
nnd Dr. F. Rdmer. 



Zoologie 

Botanik Prof. Dr. M. M5biag» 

Mineralogie Prof. Dr. W. Schanf. 

Geologie and Pal&ontologie Prof. Dr. F* Kinkelin* 

Bibliothekare. 

Prof. Dr. M. MSblns. Ph. Thorn. 

Kostos. 

Dr. phil. F. R5mer. 



Zoologischer Assistent. 

Dr. phil. E. Wolf. 



Geologisch-pal&ont. Assistent. 

Dr. phil. Fr. DreYenuMiii* 



Arthropoden mil AnsschlnB der Lepidopteren 
and Krastaceen 



Sebtionftre. 

Vergleichende Anatomie and Skelette .... Prof. Dr. H. Reiohenbaoh. 

Sftagetiere Prof. Dr. W. Kobelt. 

V5gel R. de NenfYille. 

Reptilian and Batrachier Prof. Dr. 0« Boettger. 

Fische vacat. 

Prof. Dr. L. Ton Heyden, 
A. Weis, Dr. J. aside and 
Dr. P. Sack. 

Lepidopteren vacat. 

Krastaceen Prof. Dr. F. Richten. 

MoUasken Prof . Dr. W. Kobolt. 

Wirbellose Tiere mit Aasschlafi der Arthro- 
poden and Mollasken Prof. Dr. H. Releheiibach« 

^ ^ ., ( Prof. Dr. M, MSbins and 

Botanik I ^ ^u 

I M«Dttrer. 

Mineralogie Prof. Dr. W* Sohanf. 

Geologie Prof. Dr. F. KiBkelin. 

„,..,,. 1 Prof. Dr. 0. Boottger and 

Palaontologie | p^^^^ ^^^ ^^ ^,^ J^,^^ 



HoHeums-Kommisslon . 

Die Sektionftre and der 11. DIrektor. 



Konservatoren. 

Adam Koch. 
Augnst Koch. 



Handwerker. 

Christian Fahlbergr* 
Radolf Moil. 



Lehrllnge. 

Hermann Frani. 
Wilhelm Post. 



Bureaugehilflu. 

Frl. Ella Schnpp. 



— 77* — 



Verzeichnis der Stifter 

der 

Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft. 



Becker, JohaiiBes, StiltsgHrtner am Dr. Senckenbergischen med. Institut. 1817. 
t 24. November 1833. 

*f . Betkmmnii, Simon Moriti, Staatsrat. 1818. f 28. Dezember 1826. 

Bttirner, Jok. Wilk. Jos., Dr. med., Mineralog (1817 zweiter Sekretttr). 1817. 
t 16. Jnni 1868. 

Bloss, Jok. Oeorg, Glasermeister, Entomolog. 1817. f 29. Febmar 1820. 

Back, Jok. Jak. Kasimir, Dr. med. and phil., Mineralog. 1817. f 13.Mftrz 1851. 

Cretssckmar, Pkll. Jak., Dr. med., Lehrer der Anatomie am Dr. Sencken- 
bergischen med. Institut, Lehrer der Zoologie von 1826 bis Ende 1844, 
Physikos and Administrator der Dr. Senckenbergischen Stiftang (1817 
zweiter Direktor). 1817. f 4- Mai 1845. 

*EknnaBii, Jok. Ckristian, Dr. med., Medizinalrat. 1818. f 13. Aagust 1827. 

Fritz, Jok. Ckristopk, Schneidermeister, Entomolog. 1817. f 21. Aagust 1835. 

*FrejrreiM,OeorgWilk., Prof, der Zoologie in Bio Janeiro. 1818. f I.April 1825. 

*Y. Geming, Jok. Isaak, Qeheimrat, Entomolog. 1818. f 21. Februar 1837. 

^Gmnelius, Joackim Andreas, Bankier. 1818. f 7. Dezember 1852. 

von Hejden, Karl Heinr. Georg, Dr. phil, Oberleutnant, nachmals Sch5S und 
BOrgermeister, Entomolog (1817 erster Sekret&r). 1817. t7. Jan. 1866. 

Helm, Jok. Friedr. Ant., Verwalter der adeligen uralten Gesellschaft des 
Hauses Frauenstein, Konchyliolog. 1817. f ^- M&rz 1829. 

^JassojT, Lndw. Daniel, Dr. jur. 1818. f ^- Oktober 1831. 

KloM, Jok. Oeorg Bnrkkard Franz, Dr. med., Medizinalrat, Prof. 1818. 
t 10. Februar 1854. 

*L5krl, Jokann Konrad Kaspar, Dr. med., Geheimrat, Stabsarzt. 1818. 
t 2. September 1828. 

*Metzler, Friedr., Bankier, Geheimer Kommerzienrat. 1818. f ^1* Mftrz 1825. 

Meyer, Bemkard, Dr. med., Hofrat, Omitholog. 1817. f ^- Januar 1836. 

MUtenberg, Wilk. Adolf, Dr. phil. Prof., Mineralog. 1817. f 31. Mai 1824. 

*Melber, Jok. Georg Dayid, Dr. med. 1818. f 11. Aagust 1824. 



Anmerkang: Die 1818 eingetretenen Mitglieder, die nachtrftglich 
onter die Beibe der Stifter aofgenommen warden, sind mit * bezeichnet. 



- 78* — 

Neeff, ChrisUan Eni8t, Dr. med., Prof., Lehrer der Botanik, Stifts- and Hospi- 

talarzt am Dr. Senckenbergischen Bfirgerhospital. 1817. f 15. Jnli 1849. 
Nenbargr^ Job. Qeorgr, Dr. med. , Administrator der Dr.Senckenbergiachen Stiftnng, 

Mineralog and Omitholog (1817 erster Direktor). 1817. f 86. Mai 1830. 
de NeafYUIe, Malhias Wllh., Dr. med. 1817. f 31. Jali 1842. 
Ream, Job. Wllb«, Hospitalmeister am Dr. Senckenbergischen Bftrgerhospital. 

1817. t 21. Oktober 1848. 
■^Rttppell, Wilb. Peter Ednard Simon, Dr. med., Zoolog and Mineralog. 1818. 

t 10. Dezember 1884. 
*T. Soemmerring, Samvel Tbonas, Dr. med., Geheimrat, Professor. 1818. 

t 2. Mftrz 1830. 
Stein, Job. Kaspar, Apotheker, Botaniker. 1817. f 16. April 1834. 
Stiebel) Salomo Friedricb, Dr. med., Geheimer Hofrat, Zoolog. 1817. 

t 20. Mai 1868. 
^Yarrentrappy Job. Konr., Dr. med., Prof., Physikus and Administrator der 

Dr. Senckenbergischen Stiftnng. 1818. f 11. Mttrz 1860. 
Vdlcker, Georg Adolf, Handelsmann, Entomolog. 1817. f 19. Jali 1826. 
^Weniel, Ueinr. Karl, Dr. med., Geheimrat, Prof., Direktor der Primadschen 

• medizinisch-chirnrgischen Spezialschnle. 1818. f 1^- Oktober 1827. 
*v. Wiesenbtttten, Heinrich Karl, Freiherr, K5nigl. bayr. Oberstlentnant, 

Mineralog. 1818. f ^- November 1826. 



— 79* — 



Verzeiclmis der Mitglieder. 

I. Ewige Mitglieder.*) 

An Stelle der Entrichtung eioes Jahresbeitrages haben 
manche Mitglieder vorgezogen, der Gesellschaft ein Kapital 
za schenken, dessen Zinsen dem Jahresbeitrag min- 
destens gleichkommen, mit der Bestimmung, daB dieses 
Kapital yerzinslich angelegt werden mtisse und nur die Zinsen 
fiir die Zwecke der Gesellschaft zur Verwendung kommen dttrfen. 

Solcbe Mitglieder entrichten demnach aach iiber den Tod 
hinaus einen Jahresbeitrag und werden nach einem alten Sprach- 
gebraach als„EwigeMitglieder"der Gesellschaft bezeichne t. 

Vielfach wird diese altehrwiirdige Einrichtung, die der 
Gesellschaft einen daaernden Mitgliederstamm sichert 
and daher flir sie von hohem Werte ist, von den AngehOrigen 
yerstorbener Mitglieder benutzt, urn das Andenken an ihre Toten 
bleibend in dem Senckenbergischen Museum wach zu 
halten, zumal die Namen s^mtlicher „ewigen Mitglieder '^ nicht 
nur den jedesmaligen Jahresbericht zieren, sondern aach auf 
Marmortafelnin der Eingangshalle des Museums mit goldenen 
Buchstaben eingegraben sind. Die beigefttgten Jahreszahlen 
bezeichnen das Jahr der Schenkung oder des Vermiichtnisses. 



Simon Moriias v. Bethmann. 1827. 

Qeorg Heinr. Schwendel. 1828. 

Joh. Friedr. Ant. Helm. 1829. 

Georg Lndwig: Gontard. 1830. 

Fraa Susanna Eligabetli Betlimanii- 
Holweg. 1831. 

Ueinricli Mylins sen. 1844. 

Georg Melchlor Mylins. 1844. 

Baron Amschel Mayer v. Roth- 
schild. 1845. 

Joh* Georif Schmidboru. 1845. 

Johann Daniel Sonchay. 1845. 

Alexander y. Bethmann. 1846. 

Heinrich y« Bethmann. 1846. 

Dr. jar. Bat Fr. Schlosser. 1847. 

Stephan v. Gnaita. 1847. 

H. L. D»bel in Batavia. 1847. 



G. H. Hanck-Steegr. 1848. 

Dr. J. J. K. Bucli. 1851. 

G. Y. St. Georgre. 1853. 

J. A. Gmuelins. 1853. 

P. F. Chr. KrSgrer. 1854. 

Alexander Gontard. 1854. 

M. Frhr. y. Bethmann. 1854. 

Dr. Ednard Rilppell. 1857. 

Dr. Th. Ad. Jak. Em. Milller. 1858. 

Jolius Nestle. 1860. 

Ednard Finger. 1860. 

Dr. jar Ednard Sonchay. 1862. 

J. N. Gr&ffendeich. 1864. 

£. F. K. BUttner. 1865. 

K. F. Krepp. 1866. 

Jonas Mylins. 1866. 

Konstantin Fellner. 1867. 



*) I— V nach dem Mitgliederbestand am Jahresfeste, 28. Mai 1905. 
Anmerkang: Die arbeitenden Mitglieder sind mit * bezeicbnet. 



— 80* — 



Dr. Hermann t. Meyer. 1869. 

W. D. Soemmerrlnir* 1B71. 

J. e. H. Petsch. 1871. 

Bernhard Dondorf. 1872. 

Friedrich Karl Rttcken 1874. 

Dr. Friedrich Hessenberir* 1875. 

Ferdinand Lanrin. 1876. 

Jakob Bernhard RIkoff. 1878. 

Joh. Heinr. Both. 1878. 

J. Ph. Nikol. Mangkopf. 1878. 

Jean No^ dn Fay. 1878. 

Ggr. Friedr. Metiler. 1878. 

Fran Lonise Wilhelmine Emllie 
Griifin Bose, geb. Grftfin von 
Beichenbach-LesBonitz. 1880. 

Karl Angnst Graf Bose. 1880. 

Gnst. Ad. de NeufvlUe. 1881. 

Adolf Metzler. 1883. 

Joh. Friedr. Kooh. 1883. 

Joh. Wilh. Boose. 1884. 

Adolf Soemmerrinif. 1886. 

Jacqnes Reiss. 1887. 

Dr. Albert Yon Reinach. 1889. 

Wilhelm Metzler. 1890. 

^Albert Ton Metzler. 1891. 

L. S. Moritz Frhr. v. Bethmanu. 
1891. 

Victor Moessini^er. 1891. 

Dr. Ph. Jak. Cretzschmar. 1891. 

Theodor Erckel. 1891. 

GeoriT Albert Keyl. 1891. 

Michael Hey. 1892. 

Dr. Otto Ponflck. 1892. 

Prof. Dr. Qg. H. t. Meyer. 1892. 

Fritz NenmttUer. 1893. 

Th. K. Soemmerringr. 1894. 

Dr. med. P. H. Pfefferkorn. 1896. 

Baron L. A. t. Ldwenstein. 1896. 

Lonis Bernns. 1896. 

Fran Ad. Ton Brttninip. 1896. 

Friedr. Jaennicke. 1896. 



Dr. phil. Wilh. Jaennicke. 1896. 
P. A. Kesseimeyer. 1897. 
Ghr. G. Lndw. Yoirt. 1897. 
Anton L. A. Mahn. 1897. 
Moritz L. A. Hahn. 1897. 
Jnlins Lejenne. 1897. 
Frl. Elisabeth Schnltz. 1898. 
Karl Ebenan. 1898. 
Max Ton Gnaita. 1899. 
Walther rom Bath. 1899. 
*Prof . D. Dr. Moritz Schmidt. 1899. 
Karl Yon Gmnelins. 1900. 
Dr. jar. Friedrich Hoarle. 1900. 
Alflred yon NenfYille. 1900. 
Wilh. K. Frhr. t. Bothsehild. 1901. 
Marcus M. Goldschmidt. 1902. 
Panl Siegm. Hertzog. 1902. 
Prof. Dr. JnUns Ziegrler. 1902. 
Moritz Ton Metzler. 1903. 
9eorg Speyer. 1903. 
Arthur Girinner. 1903. 
Isaak Blum. 1903. 
Eugren Grnmbach-MaUebrein. 1903. 
*Bobert de NeufYlUe. 1903. 
Dr. phil. Eugen Lucius. 1904. 
Carlo T. Erlangrer. 1904. 
Oskar Dyckerhoff. 1904. 
Budolph Sulzbach. 1904. 
Johann Karl Major. 1904. 
Prof. Dr. Eugen Askenasy. 1904. 
D. F. Heynemann. 1904. 
Fran AmaUe Kobelt. 1904. 
*Prof. Dr. Wilhelm Kobelt. 1904. 
P. Hermann y. Mnmm. 1904. 
Philipp Holzmann. 1904. 
Prof. Dr. Achill Andreae. 1905. 
Fran Lnlse Yolkert. 1905. 
Karl Hoff. 1905. 
Julius Wemher. 1905. 
Edgrar Speyer. 1905. 



— 81* — 



n. Beitragende Hitglieder. 

a) Mit^lieder, die in Frankfort wohnen. 

Abendroth, MoriU, Bnchh&ndl. 1886. ! Bacher, Karl. 1904. 



Abrabam, Siegmond, Dr. med. 1904. 

Aokenhansen, H. E. 1905. 

Adiclces, Franz, Dr. med., Oberbtirger- 

meiflter. 1891. 
Adler, Franz, Dr. phil. 1904. 
Fran Adler, Henriette. 1900. 
*Albrecht. Engen, Dr. med., Direktor 

des Dr. Senckenbergischen 

pathologisch-anatomiBchen In- 

Btitats. 1904. 
Albrecbt, Julias, Dr., Zahnarzt. 1904. 
Alexander, Franz, Dr. med. 1904. 
Alexander, Tbeodor. 1904. 
Almeroth, Hans. 1905. 
Alt, Friedricb, Bnchb&ndler. 1894. 
*Alten, Heinrich. 1891. 
Andr6, C. A. 1904. 
Andreae, Albert. 1891. 
Fran Andreae, Alharda. 1905. 
Andreae, Arthur. 1882. 
Andreae, Heinrich Lndwig. 1904. 
^Andreae, Hermann, Bankdir. 1873. 
Andreae, J. M. 1891. 
Andreae, Richard. 1891. 
Andreae, Rndolf. 1878. 
Andreae, Rndolf. 1904. 
Andreae, Viktor. 1899. 
*Andreae-v. Gmnelins, Alhard. 1899. 
Fran Andreae-Lemm6, Karoline Elise. 

1891. 
Andreae-Passavan t, Jean, Kommerzien- 

rat, Bankdirektor, General- 

konsnl. 1869. 
Apolant, Hogo, Dr. med. 1903. 
Y. Arand, Jolios. 1889. 
Askenasy, Alex., Ingenieur. 1891. 
Anerbach, L., Dr. med. 1886. 
*Anerbach, S., Dr. med. 1895. 
AnffarthBche Bnchhandlnng. 1874. 
Aumhammer, Jnlins. 1908. 
Avellis, Georg, Dr. med., 1904. 



Baer, Jos. Moritz, Stadtrat. 1873. 

Baer, Max, G^neralkonsul. 1897. 

Baer, M. H., Dr. jur., Justizrat, Rechts- 
anwalt. 1891. 

Baer , Simon Loop., Bnchh&ndler. 1860. 

Baer, Theodor, Dr. med. 1902. 

Baerwald, A., Dr. med. 1901. 

Baerwindt, Franz, Dr. med. 1901. 

Bangel, Rndolf. 1904. 

Bansa, Jnlins. 1860. 

von Bardeleben, Friedr., General- 
major z. D. 1900. 

♦Bardorff, Karl, Dr. med. 1864. 

Bamdt, W., Generalagent. 1902. 

de Bary, Aug., Dr. med. 1903. 

de Bary, Jakob, Dr. med., San.-Rat. 
1866. 

de Bary, Karl Friedr. 1891. 

de Bary-Jeanrenaud, H. 1891. 

♦Bastier, Friedrich. 1892. 

v. Banmgarten, A., Kaiserl. Russ. 
Kammerherr u. Generalkonsnl, 
Wirkl. Staatsrat, Exzell. 1904. 

Baunach, Alexander, Konsnl. 1904. 

Baunach, Robert. 1900. 

Baur, Karl, Dr. med. 1904. 

Bechhold, J. H., Dr. phil. 1885. 

Becker, H., Dr. phil. 1903. 

Beer, J. L. 1891. 

Behrends, Robert, Ingenieur. 1896. 

Behrends-Schmidt, Karl, Konsul. 1896. 

Beit, Eduard. 1897. 

Benario, Jacques, Dr. med. 1897. 

Bender, August. 1897. 

Berg, Alexander, Dr. jur., Rechts- 
anwalt. 1900. 

*Berg, Fritz, Dr. jur., Rechtsanwalt. 
1897. 

Berlizheimer, Sigmund, Dr. med. 1904. 

Bermann, Ferdinand, Dr. med. 1904. 

Frl. Berthold, Bertha. 1903. 



Anmerkung: Die arbeitenden Mitglieder sind mit * bezeichnet. 

6 



— 82* — 



Bertina, Karl. 1904. 

BindiDg, Gastav. 1904. 

Binding, Karl. 1897. 

Binding, Konrad. 1892. 

Binge, .Tosepb, Dr., Jastizrat. 1904. 

Bittelmann, Karl. 1887. 

Bleicher, H., Dr. phil., Prof. 1903. 

♦Blum, Ferd., Dr. med. 1893. 

Fran Blnm, Lea. 1903. 

Blumenthal, Adolf. 1883. 

♦Blumenthal, E., Dr. med. 1870. 

♦Bockenheimer, Jakob, Dr. med., Geh. 

San.-Rat. 1864. 
Bode, Hans, Bergingenieur. 1905. 
Bode, Paul, Dr. phil., Direktor der 

Klingeroberrealschnle. 1895. 
Boettger, Bruno. 1891. 
♦Boettger, Oskar, Dr. phil.. Prof. 1874. 
BOhm, Henry, Dr. med. 1904. 
B5hme, John, Zabnarzt. 1904. 
Boiler, Wilhelm, Dr. phil., Oberlehrer. 

1903. 
Bolongaro, Karl. 1860. 
Bonn, Sally. 1891. 
Bonn, William B. 1886. 
Borchardt, Heinrich, Zabnarzt. 1904. 
Borgnis, Alf. Franz. 1891. 
Borgnis, Karl. 1900. 
Bobs, Karl. 1904. 
Braun, Franz, Dr. phil. 1904. 
Braun, Leonhard, Dr. phil. 1904 
Braun , Wunibald , Kommerzienrat. 

1903. 
Braunfels , Otto , Kommerzienrat , 

Konsul. 1877. 
Brodnitz, Siegfried, Dr. med. 1897. 
Brofft, Franz. 1866. 
Bruck, Bichard, Bechtsanwalt. 1904. 
Brttckmann, Karl. 1903. 
Brttckmann, Phil. Jakob. 1882. 
Brugger, Rudolf, Dr., Oberstabsarzt. 

1904. 
Bttcbeler, Anton, Dr. med. 1897. 
V. Bftsing-Orvilie, Adolf, Frhr. 1903. 
Btttscbly, Wilhelm. 1891. 
Battel, Wilhelm. 1878. 
Bullnbeimer, Fritz, Dr, phil. 1904. 



Burchard, Kurt. Dr. jur., Prof. 1904. 
Cahen-Brach, Eugen, Dr. med. 1897. 
Cahn, Albert. 1905. 
Cahn, Heinrich. 187H. 
Cahn, Paul. 1903. 
Frau Cann^, Anna. 1905. 
Cann6, Ernst, Dr. med. 1897. 
♦Carl, August, Dr. med., San.-Rat 

1880. 
Cassel, B. B. 1905. 
V. Chappuis , Hermann , General - 

leutnant z. D., Exzellenz. 1904. 
Christ, Fritz. 1905. 
Claner, Heinrich. 1904. 
Clausoitzer, Gotthold, Ober- nnd Geh. 

Baurat. 1905. 
Clemm, Otto, Bankdirektor. 1903. 
Cnyrim, Ernst. 1904. 
Cohen, Eduard. 1900. 
Cnllmann, Rudolf. 1905. 
Cunze. D., Dr. phil. 1891. 
Curtis, F., Dr. phil., Prof. 1903. 
Daube, G. L. 1891. 
Delliehauseu, Oskar. 1904. 
Delosea, S. R., Dr. med. 1878. 
Demmer, Theodor, Dr. med. 1897. 
Deutsch, Adolf, Dr. med. 1904. 
Diener, Richard. 1905. 
Diesterweg, Moritz. 1883. 
Dietze, Hermann. 1891. 
Dietze, Karl. 1875. 
Ditmar, Karl Theodor. 1891. 
Ditter, Karl. 1903. 
Doctor, Ferdinand. 1892. 
Dondorf, Karl. 1878. 
Dondorf, Otto. 1905. 
Donner, Karl Philipp. 1873. 
Domblilth, Otto, Dr. med. 1904. 
Dreves, Erich, Dr., Justizrat. 1903 
Dreyfus, Is. 1891. 
Drory, William, Direktor. 1897. 
Drory, William, Dr. phil. 1904. 
Drttner, Leo, Dr. med., Stabsarzt. 1904. 
Du Bois, August. 1891. 
♦Dttrer, Martin. 1904. 
Ebeling, Hugo, Dr. med. 1897. 
Ebenau, Fr., Dr. med. 1899. 



— 83^ — 



Eckbardt, Karl, Bankdirektor. 1904. 
^Edinger, L., Dr. med., Prof. 1884. 
Egan, WiUiam. 1891. 
♦Ehrlich, P., Dr. med., Prof., Geh. 

Med..fiat. 1887. 
V. Eichhorn, Hermann, Generallentnant 

and Kommandierender General 

d.XVlII. Armeekorps, Exzelienz. 

1906. 
Eiermann, Arnold, Dr. med. 1897. 
Ellinger, Leo. 1891. 
ElliBsen, Moritz Ad. 1891. 
Enders, M. Otto. 1891. 
Engelhard, Karl Phil. 1873. 
Epstein, J., Dr. phil.. Prof. 1890. 
Eschelbach, Jean. 1904. 
Ettlinger, Albert, Dr. med. 1904. 
Enler, Radolf. 1904. 
Eyssen, Remigius Alex. 1882. 
Fay, C. F. 1904. 
Feis, Oswald, Dr. med. 1903. 
Feist, Jakob, Dr. jar. 1905. 
Fellner, Johann Christian. 1905. 
Fellner, Otto, Dr. jur. 1903. 
Fester, August, Bankdirektor. 1897. 
Fischer, Karl. 1902. 
Fischer, Lndwig. 1902. 
Fleck, Otto, Oberfdrster. 1903. 
Fleisch, EarL 1891. 
Fran Fleischmann, Siegm. 1903. 
Flersheim, Albert. 1891. 
Flersheim, Martin. 1898. 
Flersheim, Robert. 1872. 
♦Flesch, Max, Dr. med.. Prof. 1889. 
Flinsch, Bemhard. 1905. 
Flinsch, Heinrich, Stodtrat. 1866. 
Flinsch, W. 1869. 
Fldrsheim, Gostav. 1904. 
Forchheimer, Hugo. 1903. 
*Franck, £., Direktor. 1899. 
Frank, Hch., Apotheker. 1891. 
Frank, Karl, Dr. med. 1904. 
Fresenius, Phil, Dr. phil., Apotheker. 

1873. 
♦Freund, Mart., Dr. phil. Prof. 1896. 
Freyeisen, WUly. 1900. 
*Fridberg,R., Dr. med., San.-Rat. 1873. 



Fries, Heinrich. 1905. 

Fries Sohn, J. S. 1889. 

V. Frisching, Moritz. 1905. 

Fritzmann, Ernst, Dr. phil. 1905. 

Fromberg, Leopold. 1904. 

Fulda, Karl Herm. 1877. 

Fulda, Paul 1897. 

*Gabler, Bruno, Landrichter. 1900. 

Gans, Adolf. 1897. 

Gans, Fritz. 1891. 

Gans, L., Dr. phil, Geh. Kommerzien- 
rat. 1891. 

Gaum, Fritz. 1905. 

Gehring, Karl Adolf. 1905. 

Geiger, B., Dr. jur., Justizrat. 1878. 

Geisow, Hans, Dr. phil 1904. 

Geist, George, Dr. med. dent. 1905. 

Frau Grafin v. Geldern, Friederica, 
Dr. med. 1904. 

*Gerlach, Karl, Dr. med. 1869. 

Gerlach, K., Oberlehrer. 1903. 

Frau Getz, Elisabeth, Geheimr. 1905. 

Getz, Moritz. 1904. 

Gillhausen, Karl 1905. 

Gloeckler, Alexander, Dr. med., San.- 
Rat. 1905. 

Glogau, Emil August, Zahnarzt. 1904. 

Goering, Viktor, Direktor dee Zoolog. 
Gartens. 1898.; 

V. Goldammer, F. 1903. 

Goldsohmid, J. £. 1901. 

Goldschmidt, B. M. 1891. 

Goldschmidt, Julius. 1905. 

Goldschmidt, M. 8. 1905. 

Goldschmidt, S. B. 1891. 

V. Goldschmidt - Rothschild , Max , 
Generalkonsul 1891. 

GoU, Richard. 1905. 

Goltermann, Ludwig. 1904. 

Gombel, Wilhelm. 1904. 

Gottschalk, Joseph, Dr. med. 1903. 

Grandhomme, Fr., Dr. med. 1903. 

Gr&ntz, Fritz, Dr. phil, Oberlehrer. 
1904. 

Graubner, Karl. 1905. 

Greef, Ernst. 1905. 

Greb, Louis. 1903. 

6* 



— 84* 



Greiff, Jakob, Bektor. 1880. 

Grieser, Ernst. 1904. 

Grilnewald, August, Dr. med. 1897. 

Grttnwald, Karl, Dr. med. 190a 

Y. Gnmelios, Adolf. 1858. 

Y. Gnmelias, Max. 1903. 

Y. Gronelios, M. Ed. 1869. 

Y. GtLnderrode, Waldemar, Freiherr. 

1905. 
GtUusburg, Alfred, Dr. med. 1897. 
*Giilde, Johann, Dr. phil. 1898. 
Gattenplan, J., Dr. med. 1888. 
Haack, Karl Philipp. 1905. 
Haag, Ferdinand. 1891. 
H&berlin, E. J., Dr. jar., Jnstizrat. 

1871. 
Haeffner, Adolf, Direktor. 1904. 
*Hagen, B., Dr. med., Hofrat 1895. 
Hagens, K., Dr., Wirkl. Geh. Ober- 

Jastizrat a. Oberlandesgericbts- 

Prftsident. 1900. 
Hallgarten, Fritz, Dr. phil. 1893. 
Hallgarten, H. Charles L. 1891. 
Hamburger, K., Dr. jur., Geh. Jnstiz- 
rat. 1891. 
flarbers, Adolf, Direktor. 1903. 
Harbordt, Ad., Dr. med., San. -Rat. 

1891. 
Y.Hamier, E., Dr., Geh. Jnstizr. 1866. 
Hartmann, Eogen, Professor. 1891. 
Hartmann, Johann Georg. 1905. 
Hartmann, Karl. 1905. 
Hafilacher, Franz, Patentanwalt. 1905. 
Hanck, Alex. 1878. 
Hanck, Georg. 1898. 
Hanck, Max. 1905. 
Hauck, Moritz, Bechtsanwalt. 1874. 
Hanck, Otto. 1896. 
Hanrand, A«, Geh. Kommersienrat. 

1891. 
Hansmann, Franz, Dr. med. 1904. 
Heichelheim, Sigmnnd, Dr. med. 1904. 
Heicke , Karl , Stadtgartendirektor. 

1903. 
Heimpel-Manskopf, W. E. Ang. 1899. 
Heister, Ch. L. 1898. 
Henrich, K. F., Kommerzienrat. 1873. 



Henrich, Lndwig. 1900. 
Henrich, Radolf. 1905. 
*Hergenhahn, Eogen, Dr. med. 1897. 
Hertsog, Georg. 1905. 
Fran Herxheimer, Fanny. 1900. 
Herxheimer, Karl, Dr. med. 1898. 
Hen-Mills, Ph. Jac, Direktor. 1903. 
Herzberg, Karl, Konsnl, Bankdirektor. 

1897. 
HesdOrffer, Jnlius, Dr. med. 1903. 
Hesse, Hermann. 1900. 
Hener A Schoen. 1891. 
Henfienstamm, Karl, Dr. jur., Bflrger- 

meister a. D. 1891. 
*v. Hejden, Lokas, Dr. phiL, Prof., 

Major a. D. 1860. 
V. Heyder, Gg. 1891. 
Hirsch, Ferdinand. 1897. 
Hirschberg, Max, Dr. med., San.-Rat. 

1892. 
Hirschfeld, Otto H. 1897. 
Hirschhom, Fritz. 1905. 
Hirscbler, Leopold. 1903. 
Hochschild, Zachary, Direktor. 1897. 
HOchberg, Otto. 1877. 
Hoff, Alfred, Konsnl. 1903. 
Hofmann, Otto. 1905. 
Hohenemser, Moritz W. 1905. 
Hohenemser, Otto, Dr. med. 1904. 
Hohenemser, Robert, Dr. jnr. 1905. 
Holl, Joseph, & Co. 1905. 
Y. Holzhausen, Georg, Frfar. 1867. 
Holzmann, Edaard, Ingenieor. 1905. 
Homberger, Ernst, Dr. med. 1904. 
Homborger, Aug., Dr. med. 1899. 
Hombnrger, Michael. 1897. 
Horkheimer, Fritz. 1892. 
Fran Horstmann, Blise. 1908. 
Horstmann, Georg. 1887. 
Hnck, Angnst. 1900. 
Y. HoYsn, Franz, Baorat. 1897. 
*Htlbner, Emil, Dr. med. 1895. 
HUttenbach, Adolf. 1903. 
Hnpertz, Ednard, Dr. Jnr., Obentaats- 

anwalt. 1905. 
Jacquet, Hermann. 1891. 
Jatf^, GnvtaY, Bechtsanwalt 1905. 



— 85* — 



Jaff6, Theophil, Dr. mod., San.-Rat. 

1906. 
Jftger, Alfred, Dr., Veterini&rarzt. 1903. 
Jaeger-lianskopf, Frits. 1897. 
*Ja88oy, August, Dr. phil, Apotheker. 

1891. 
JasBoy, Jalius. 1905. 
Jassoy, Ladwig Wilhelm. 1906. 
Fraa Jay, Louis. 1903. 
Fraa Jeidels, Anna, 1901. 
Jelkmann, Fr., Dr. phil. 1893. 
Job, Wolfgang. 1903. 
Fran Jordan - de Ronville, L. M. 1903. 
Jaliusberg, Frits, Dr. med. 1904. 
Jongmann, Ednard. 1897. 
Junior, Karl. 1903. 
Jureit, J. C. 1892. 
Kahn jnn., Bombard. 1897. 
Kahn, Ernst, Dr. med. 1897. 
Kahn, Hermann. 1880. 
Kalb, Moritz. 1891. 
♦Kallmorgen, Wilh., Dr. med. 1897. 
Katz, H. 1891. 

Katzenellenbogen, Albert, Dr. jur. 1906. 
Kayser, Heinr., Dr. med. 1903. 
KayBer, Fritz, Architekt. 1899. 
Keller, Adolf. 1878. 
Keller, Otto. 1886. 
♦Kinkelin, Friedrich, Dr. phil., Prof. 

1873. 
Kirberger, Emil, Dr. med. 1895. 
Kirchheim, S., Dr. med. 1873. 
Kissner, Heinricb. 1904. 
Kleyer, Heinr., Gen.-Direktor. 1903. 
Klippel, Karl. 1903. 
Klitscher, F. Aug. 1878. 
Klotz, Karl E., Bankdirektor. 1891. 
Klotz, Paul, Regierungsrat. 1905. 
Knauer, Job. Chr. 1886. 
Knickenberg, Ernst, Dr. med. 1897. 
^Lnoblauch, Aug., Dr. med. 1892. 
Knoblauch, Paul, Dr. med. 1905. 
Frau Koch, geb. von St. George. 1891. 
Koch, Karl. 1902. 
Koch, Louis. 1903. 
KOhler, Hermann. 1891. 
KOUe, Karl, Stadtrat. 1906. 



KOmpel, Bduard, Dr. med. 1897. 
K5nig, Albert, Dr. med., Stadtarzt. 

1906. 
K5nig, Karl, Dr. med. 1904. 
y. KOnigswarter, H., Baron. 1891. 
KQnitzers Buchhandlung. 1893. 
Kohn, Julius, Dr. med. 1904. 
Kofimann, Alfred, Bankdirektor. 1897. 
Kotzenberg, Gustav. 1873. 
Kotzenberg, Karl. 1903. 
Kowarzik, Jos., Bildhauer. 1898. 
Kramer, Robert, Dr. med. 1897. 
Kreuscher, Jakob. 1880. 
Kiichler, Ed. 1886. 
Kttchler, Fr. Karl. 1900. 
Kiinkele, H. 1903. 
Kugler, Adolf. 1882. 
Kuhlmann, Ludwig. 1906. 
KuUmann, Karl. 1904. 
Kulp, Anton Marx. 1891. 
Kntz, Arthur, Dr. med. 1904. 
Labes, Philipp, Dr. jur., Direktor. 1906. 
*Lachmann, Bemh., Dr. med. 1886 
Ladenburg, August. 1897. 
Ladenburg, Ernst. 1897. 
Lamp6, Eduard, Dr. med. 1897. 
Lampe, J. D. W. 1900. 
Landauer, Fredy. 1906. 
Lapp, Wilhelm, Dr. med. 1904. 
Laquer, Leopold, Dr. med. 1897. 
Lantenschlager, Ernst, Stadtrat. 1900. 
Lauterbach, Ludwig. 1903. 
Lehmann, Leo. 1903. 
Leisewitz, Gilbert. 1903. 
Lejeune, A., Dr. med. 1900. 
Lejeune, Alfred. 1903. 
Leuchs-Mack, Ferdinand. 1905. 
♦Levy, Max, Dr. phil. 1893. 
♦Libbertz, Arnold, Dr. med., San.-Rat. 

1897. 
Liebmann, Jakob, Dr. jur., Recbts- 

anwalt. 1897. 
Liebmann, Louis, Dr. phil. 1888. 
Lindley, William, Ingenieur. 1904. 
Lismann, Karl, Dr. phil., Zahnarzt. 

1902. 
Frau Livingston, Frank. 1897. 



— 86» — 



Frl. Livingston, Rose. 1903. 
♦LoretE, Wilh., Dr. med., San.-Rat. 1877. 
Lotichius, W. Heinr. ltK)3. 
Lilscher, Karl. 1905. 
Maier, Herm. Heinr., Direktor. 1900. 
Major, Alexander. 1889. 
Manskopf. Nicolas. 1903. 
Mappes, Heinricb, Generalkonsul. 1905. 
*Marx, Ernst, Dr. med., Prof., Stabs- 

arzt. 1900. 
Marx, Karl, Dr. med. 1897. 
Frau von Marx, Mathilde. 1897. 
Matthes, Alexander. 1904. 
Matti, Alex., Dr. jur., Stadtrat. 1878. 
May, Ed. Gust. 1873. 
May, Franz L., Dr. phil. 1891. 
May. Martin. 1866. 
May, Robert. 1891. 
V. Mayer, Adolf, Freiherr. 1903. 
Y. Mayer, Ednard, Buchh&ndler. 1891. 
V. Mayer, Hugo, Freiherr. 1897. 
Mayer, Lndo. 1903. 
V. Meister, Herbert, Dr. phil. 1900. 
Melber, Friedrich. 1903. 
♦Melber, Walter. 1901. 
Fran Merton, Albert. 1869. 
Merton, Alfred. 1905. 
Merton, Hngo. 1901. 
Merton, W. 1878. 
Mettenbeimer, Bernh., Dr. jur. 1902. 
*yon Mettenbeimer, H., Dr. med. 1898. 
Metzger, L., Dr. med. 1901. 
Metzler, Hugo. 1892. 
V. Metzler, Karl. 1869. 
Meusert, Jakob. 1905. 
Meyer, Anton, Stadtrat. 1892. 
Meyer, P., Dr. jur, Ober-Regiemngs- 

rat. 1903. 
♦v. Meyer, Edw., Dr. med. 1893. 
Frau Minjon, Sophie. 1898. 
Minoprio, Karl Gg. 1869. 
M5bius, M., Dr. phil.. Prof. 1894. 
Moessinger, W. 1891. 
Morf, F. H., Dr. phil.. Prof. 1903. 
Mosessohn, Sally, Dr. phil. 1904. 
Mouson, Jacques. 1891. 
Mouson, Job. Daniel, Stadtrat. 1891. 



Mttller-Knatz, J. 1906. 

Mttller, Karl, Berginspektor. 1903. 

Mtlller, Paul. 1878. 

Mtlller Sohn, A. 1891. 

Mumm Y. Schwarzenstein, A. 1869. 

Nassaner, Max, Dr. phil. 1905. 

Nathan, S. 1891. 

^Naumann, Edmund, Dr. phil. 1900. 

Nebel, August, Dr. med. 1896. 

Neher, Ludwig, Baurat. 1900. 

Frau Neisser, Emma. 1901. 

Neisser, Max, Dr. med., Prof. 1900. 

Nestle, Hermann. 1900. 

Nestle, Richard. 1891. 

Nestle, Wilhelm. 1903. 

Netto, Kurt, Prof., Bergingraieur. 

1897. 
Neuberger, Julius, Dr. med. 1903. 
Neubttrger, Otto, Dr. med. 1891. 
NeubUrger, Theod., Dr. med., San.-Rat 

1860. 
de Neufville, Adolf. 1896. 
de NeufYille, Eduard. 1900. 
de NeufYille, Rud., Dr. phil. 1900. 
V. NeufYille, Adolf. 1896. 
Y. NeufYille, Karl, Gen.-Konsul. 1900. 
Neumann, Paul, Dr. Jur. 1905. 
Neustodt, Adolf. 19a3. 
Neustadt, Samuel. 1878. 
Niederhofheim, Heinr. A., Direktor. 

1891. 
Nies, L. W. 1904. 
V. Noorden, K., Dr. med.. Prof. 1900. 
V. Obemberg, Ad., Dr. jur., Stadtrat 

a. D. 1870. 
Ochs, Hermann. 1873. 
Oehler, Rud., Dr. med. 1900. 
Oppenheim, Ednard, Bankdirekt. 1905. 
Oppenheim, Moritz. 1887. 
Oppenheimer, Benny. 1903. 
Oppenheimer, Lincoln Menny. 1903. 
Oppenheimer, 0., Dr. med. 1892. 
Oppenheimer, Oskar F. 1905. 
d^Orville, Ednard*. 1905. 
Osterrieth - du Fay, Robert, 1897. 
Oswalt, H., Dr., Justizrat. 1873. 
Otto, Richard, Dr., Stabsarst 1904. 



~ 87 



4-. 



Pabst, Gotthard. 1904. 
Pachten, Ferd., Dr. jur. 1900. 
ParrisiuB, Alfred, Dr. phil., fiank- 

direktor. 1904. 
Pasaavant, G. Herm. 1903. 
Passavant, Philipp. 1905. 
Passayant-Gontard, R., Kommerzien- 

rat. 1891. 
Pauli, Ph., Dr. phil, Stadtrat. 1901. 
Peise, Georg. 1905. 
Peschel, Max, Dr. med., Prof. 1904. 
Peters, Hans, Zahnarzt. 1904. 
Petersen, E., Dr. med. 1903. 
•Petersen, K. Th., Dr. phil., Prof. 1873. 
Pfeffel, Ang. 1869. 
Pfeiifer, Ludw. 1901. 
Pfeiffer-Belli, C.W. 1903. 
Pfnngst, Arthur, Dr. phil. 1900. 
Picard, Lacien. 1905. 
Pichler, H., Ingenienr. 1892. 
Pinner, Oskar, Dr. med., San.-Bat. 1903. 
Plieninger, Theod., Direktor. 1897. 
Pohle, L., Dr. phil, Prof. 1903. 
Ponfick-Salom6, M. 1891. 
Popp, Georg, Dr. phil. 1891. 
Poppelbaam, Hartwig. 1905. 
Posen, J. L. 1891. 
Posen, Sidney. 1898. 
♦Prior, Paul, Htttteningenieur. 1902. 
Propach, Robert. 1880. 
Prtlmm, Max, Ingenieur. 1900. 
Quincke, Hermann ,0berlandesgericht8- 

rat. 1903. 
Raab, A.., Dr. phil, Apotheker. 1891. 
Ravenstein, Simon. 1873. 
Rawitacher, Ludwig, Dr. jur., Land- 

gerichtsrat. 1904. 
FrauRegnier,Emma,geb.Fi8cher. 1900. 
Reh, Robert. 1902. 
*Rehn, J. H., Dr. med., Geh. San.-Rat. 

1880. 
Rehn, Louis, Dr. med., Prof. 1893. 
Fran Grftfin ▼. Reichenbach-Lessonitz, 

geb. Freiin GOler v. Ravensbnrg. 

1903. 
♦Reichenbach, Heinrich, Dr. phil, Prol 

1872. 



Reinemer, Earl 1900. 
Reiss, Paul, Justizrat. 1878. 
Rennau, Otto. 1901. 
Reutlinger, Jakob. 1891. 
Richter, Johannes. 1898. 
♦Richters, Ferdinand, Dr. phil, Prof. 

1877. 
Frau Riese, Karl 1897. 
Riese, Otto, Baurat. 1900. 
Riesser, Edoard. 1891. 
Rikoff, Alfons, Dr. phil 1897. 
Rintelen, Franz, Dr. 1904. 
Ritsert, Eduard, Dr. phil, Fabrik- 

direktor. 1897. 
♦Ritter, Franz. 1882. 
Ritter, Hermann. 1903. 
♦Roediger, Ernst, Dr. med. 1888. 
Roediger, Paul, Dr. jur. 1891. 
♦Rttrig, Ad., Dr. med., Forstmeister 

a. D. 1897. 
RQfiler, Friedrich, Dr. phil. 1900. 
ROfiler, Heinrich, Dr. phil 1884. 
RQfiler, Hektor. 1878. 
Roger, Karl, Bankdirektor. 1897. 
Rohmer, Wilhelm. 1901. 
Ronnefeld, Adolf. 1905. 
RooB, Heinrich. 1899. 
Roos, Israel, Dr. phil 1905. 
Roques, Adolf., Dr. phil 1900. 
Roques-Mettenheimer, Etienne. 1897. 
Rosenbaum, E., Dr. med. 1891. 
Rosengart, Jos., Dr. med. 1899. 
Rosenthal Rudolf, Dr. jur., Rechts- 

anwalt. 1897. 
Roth, Hermann. 1905. 
Roth, Karl, Dr. med., Gerichtsarzt. 

1903. 
Rother, August. 1903. 
Rothschild, Otto, Dr. med. 1904. 
Rueff, Julius, Apotheker. 1873. 
Roff, Franz, Ingenieor. 1905. 
Rumpf, Christian. 1899. 
Rumpf, Gustav Andreas. 1905. 
Sabarly, Albert. 1897. 
Frau Sabarly, Marianne. 1905. 
Sachs, Hans, Dr. med. 1903. 
♦Sack, Pius, Dr. phil 1901. 



— 88* — 



Saelz A Co., Ing^enienre. 1904. 
Salomon, Bernhard, Pro!., General- 

direktor. 1900. 
Sandhagen, Wilhelm. 1873. 
*Sattler, Wilbelm, Stadtbanmeister. 

1892. 
Saaerl&nder, Robert. 1904. 
♦Schaffer - Stuckert , Fritz, Dr. dent. 

surg. 1892. 
Scbarff, Charles A. 1897. 
Scbarff, Ernst. 1903. 
Scbarff, Jnlios, Bankdirektor. 1900. 
Scbanb, &arl. 1878. 
♦Scbauf, Wilb., Dr. pbil, Prof. 1881. 
Scbanmann, Gustay, Stadtrat. 1904. 
Scbeller, Karl, Bncbbftndler. 1897. 
Scbepeler, Hermann. 1891. 
Scberenberg, Fritz, Polizei-Prftsident. 

1906. 
Scbiermann - Steinbrenk, Fritz. 1903. 
Scbild, Ednard 1904. 
Scbild, Rudolf, Dr. med. 1903. 
Scbiller, Gastav. 1902. 
Scbleofiner, Friedr., Direktor. 1900. 
ScblenBner, Karl, Dr. pbil. 1898. 
Scblund, Georg. 1891. 
Fran Scbmidt, Rndolf. 1904. 
Scbmidt-Polex, Anton. 1897. 
♦Scbmidt-Polex, Fritz, Dr. jnr. 1884. 
Scbmidt-Polex, Karl, Dr. jar., Justiz- 

rat. 1897. 
Scbm5lder, P. A. 1873. 
♦Scbnaudigel, Otto, Dr. med. 1900. 
Scbneider, Jobannes. 1898. 
Scboller, Walter, Dr., Oberlandes- 

gericbtsrat. 1903. 
Scbolz, Bernhard, Dr. med. 1904. 
Scbott, Alfred, Direktor. 1897. 
♦Scbott, Eugen, Dr. med. , San.-Rat, 

1872. 
Scbott, Tbeod., Dr. med.. Prof. 1903. 
Scbrader, Rudolf, St«dtrat. 1900. 
ScbUrmann, Adolf. 1891. 
Scbnlz, Karl. 1905. 
Scbulze-Hein, Hans. 1891. 
Schumacber, Heinr. 1885. 
Scbnmacber, Peter, Dr. pbil. 1905. 



Scbuster, Bernbard. 1891. 
Scbuster-Rabl, F. W., Bankier. 1905. 
Scbwarz, Georg Pb. A. 1878. 
Scbwarzscbild, Martin. 1866. 
ScbwarzBcbild-Ocbs, David. 1891. 
Scriba, Engen, Dr. med. 1897, 
Seefrid, Wilb., Direktor. 1891. 
Seeger, G., Arcbitekt. 1893. 
Seeger, Oskar. 1904. 
Seeger, Willy. 1904. 
Fran Seeling, Angnste. 1904. 
Seidel, A., Stadtrat. 1891. 
*Seitz, A., Dr. pbil., Direktor des 

Zoolog. Gartens. 1893. 
Seligman, Henry. 1891. 
Seligman, Milton, Dr. Jar., Amta- 

ricbter. 1905. 
Seuffert, Tbeod., Dr. med. 1900. 
Sicbel, Ignaz. 1905. 
Sidler, Karl. 1905. 
*Siebert, Aug., G^rtenbaudirekt. 1897. 
Siebert, Karl August. 1869. 
Siegel, Ernst, Dr. med. 1900. 
Siesmayer, Pbilipp. 1897. 
Sioli, Emil, Dr. med., Direktor der 

Irrenanstalt. 1893. 
Sippel, Albert, Dr. med., Prof. 1896. 
Sittig, Edmund, Oberlebrer. 'l900. 
Solm, Ricbard, Dr. med. 1903. 
SommerboS, Louis. 1891. 
Sommerlad, Fritz. 1904. 
Sondbeim, Moritz. 1897. 
Sonnemann, Leopold. 1873. 
SpieB, Gustav, Dr. med.. Prof. 1897. 
Sporleder, Oskar. 1905. 
V. Steiger, Louis, Baron. 1905. 
Stem, Maier. 1905. 
Stem, Paul, Dr. pbil. 1905. 
Stem, Ricbard, Dr. med. 1893. 
Frau Stem, Tbeodor. 190L 
Stem, Willy. 1901. 
Sternberg, Paul. 1905. 
Frau V. Stiebel, H., Konsul. 1903. 
Stiebel, Karl Friedricb. 1903. 
Stock, Wilbelm. 1882. 
Stoeckicbt, Karl. 1905. 
Straus, F., Dr. med. 1904. 



— 89* — 



Straufi, Ernst. 1898. 
Streng, Wilhelm, Dr. med. 1897. 
Stroof, Ignats, Dr. phil. 1903. 
Salzbach, Emil. 1878. 
Snlzbach, Karl, Dr. jar. 1891. 
Szamat61ski, Daniel. 1905. 
*Teichroann, Ernst, Dr. phil. 1903. 
Thebesios, Louis, Dr. jar., General- 

konsnl. 1900. 
Thoma, Phil. 1893. 
Thom6 , Bobert , Eisenbahn - Direk- 

tions-Prtoident. 1900. 
Tbonis, Heinrich, Dr. phil., Kreis- 

tierarzt. 1904. 
Thorn, Philipp. 1900. 
Treapel, Gostav, Dr. med., Prof. 1903. 
TroBt, Fritz. 1897. 
Ulrich, Otto. 1902. 
Varrentrapp , Adolf , Dr. jar. , Geh. 

Reg.-Bat, Bttrgermeister. 1900. 
Frl. Velde, Jalie, Oberlehrerin. 1902. 
T. d. Velden, Wilh. , Bankdirektor. 

1901. 
Versen, Panl, Oberlandesgerichtsrat. 

1904. 
Villaret, Albert, Dr. med., Generalarzt 

and Korpsarzt d. XVIII. Armee- 

korps. 1905. 
V6gler, Karl, Dr. phil., Oberlehrer. 

1903. 
♦Vohsen, Karl, Dr. med. 1886. 
Vowinckel, M., Direktor. 1891. 
Wagener, Alex 1904. 



Wagner, Gottfried. 1905. 

Fran Gr&fin v. Wartensleben, Gabriele, 
Dr. phil. 1902. 

Weber, Heinrich, Dr. med. 1897. 

Weiller, Jakob Alphons. 1891. 

Weiller, Jakob H. 1891. 

Weinberg, Arthur, Dr. phil. 1897. 

Weinberg, Karl, Gen.-Konsul. 1897. 

Frl. Weinrich, Dora. 1904. 

Weinschenk, Alfred. 1903. 

♦Weis, Albrecht. 1882. 

Weisbrod, Aug., Druckerei. 1891. 

Weismann, Daniel. 1902. 

Weismantel, 0., Dr. phil. 1892. 

Weller, Albert, Dr. phil. 1891. 

Wendt, A. H. 1901. 

Werner, Felix. 1902. 

Wertheim, Karl, Justizrat. 1904. 

Wertheimber, Julius. 1891. 

Wertheimber-de Bary, Ernst 1897. 

Wetzlar-Fries, Emil. 1903. 

Wiederhold, Kurt, Dr. phil. 1904. 

V. Wild, Budolf, Dr. med. 1896. 

♦Winter, Friedr. W. 1900. 

Frl. Winterhalter, Elisab., Dr. med. 
1903. 

Winterwerb, Bud., Dr. jur., Bank- 
direktor. 1900. 

Wolff, Ludwig, Dr. med. 1904. 

Wtist, K. L. 1866. 

Zeltmann, Theod. 1899. 

Zimmern, Siegmand, Dr. med., San.- 
Bat. 1899. 



b) Mitglleder, die anierhalb Frankfarts wohnen. 



♦Alzheimer, Alois, Dr. med. in Mttnchen. 

1896. 
Becker, J., Direktor in Hanau. 1904. 
Bibliothek, Kttnigl, in Berlin. 1882. 
y. BrUning, Gustay, Dr. phil. in 

H5chst a. M. 1903. 
Delkeskamp, Budolf, Dr. phil., Privat- 

dozent in Giessen. 1904. 
Drehwald, Karl, Bankdirektor in 

Offenbach. 1900. 
Feist, Fr., Dr. phil, Prof, in Kiel. 

1887. 



Fresenius, Ant., Dr. med., Sanit&tsrat 
in Jugenheim. 1893. 

Goldschmidt, Rich., Dr. phil., Privat- 
dozent in Mttnchen. 1901. 

Grosch, K., Dr. med. in Offenbach a. M. 
1904 

V. Guaita, Georg, Dr. phil. in Frei- 
burg i. B. 1898. 

Her&us, Heinrich in Hanau. 1889. 

Herxheimer, G., Dr. med. in Wies- 
baden. 1901. 

Hopf,Karl inNiederhOchstadti.T. 1904. 



— 90* — 



Krekel, E. Fr., Forstmeister in Hof- 
heim i. T. 1904. 

Laurenze, Ad. in Qrofikarben. 1903. 

Lenz, Dr., Tierarzt in Aschatfenbarg 
1903. 

Y. Leonbardi, Moritz, Freiberr in Qrofi- 
karben. 1904. 

^Lepsins, B., Dr. pbil., Prof., Fabrik- 
direktor in Qriesbeim a. If. 
1883. 

V. Lindeqnist, Oskar, General der In- 
fanterie and Qeneraladjutant 
Sr. MajestUt des Kaisers und 
K5nig8, Generalinspektenr der 
III. Armeeinspektion, Exzellenz, 
in Hannover. 

Loewi, Otto, Dr. med., Privatdozent 
in Wien. 1901, 

Frl. Mayer, Josepbine in Langen- 
scbwalbacb. 1897. 

MOnckeberg, J. G., Dr. med. in Giefien. 
1903. 



Port, G., Dr. med.. Prof, in Heidel- 
berg. 1904. 

Reicbard, Adolf, Dr. pbil. in Heidel- 
berg. 1901. 

Reiss, Ednard, Dr. med. in Mttncben. 
1903. 

Rotbscbild, David, Dr. med. in Bad 
Soden. 1904. 

Ruppel, Dr. pbil., Prof, in Httcbst a. If. 
1903. 

Scbaffnit, J., Apotbeker in Rddelbeim. 
1903. 

Scbmick, Radolf, Oberbanrat in Darm- 
stadt 1900. 

Scbmitt, H., Dr. med. in Arbeiligen 
bei Darmstodt. 1904. 

Scriba, L. in HOchst a. M. 1890 

Weifi, Julius in Deidesbeim. 1897. 

Wetzel, Heinr. in Ludwigsburg. 1864. 

Witticb, Ernst, Dr. pbil. in Darm- 
stadt. 1898. 



— 91» — 
m. Aufierordentliche Ehrenmltglieder. 

1900. Wallot, Paul, Prof., Dr. phil., Geh. Hof- und Baurat in Dresden. 
1903. Schmidt-Metzler, Moritz, Prof., D., Dr. med., Wirkl. Qeh. Rat, Exzellenz 
in Frankfurt a. M. 



IT. Korrespondierendes Ehrenmitglied. 

1866. Rein, J. J., Dr. phil., Geh. Regierungsrat, Professor der Geographic an 
der Universit&t Bonn. 



y. Korrespondlerende Mitglleder. *) 

1850. Scheidel, Sebastian Alexander, Privatier in Bad Weilbach. 

1853. V. Kdlliker, Albert, Dr., Geh. Med.-Rat, Exzellenz, Prof. emer. in Wttrz- 

burg. 
1853. Buchenau, Franz, Prof., Dr. phil., Direktor der Realschule in Bremen. 
I860. Weinland, Christ. Day. Friedr., Dr. phil. in Hohen-Wittlingen bei Urach, 

Wttrttemberg. 
1860. Weismann, August, Dr. phil, Geh. Hof rat. Prof, der Zoologie und 

Direktor des zool. Instituts der Universit&t Freiburg i. B. (von hier). 
1862. Stetfan, Phil, Dr. med. in Marburg i. H. (von hier). 
1862. Deichler, J. Christ., Dr. med. in Jugenheim (von hier). 

1868. Homstein, F., Dr. phil, Prof, in Kassel 

1869. Barboza du Bocage, Jos^ Vicente, Lente Catedratico an der Escola 

Polytechnica und Direktor des Museo Nacional in Lissabon. 
1872. Westerlund, Karl Agardh, Dr. phil. in Ronneby, Schweden. 

1872. Hooker, Jos. Dalton, Dr., frtiher Direktor des botanischen Gartens in 

Kew bei London. 

1873. Gttnther, Albert, Dr., frilher Keeper of the Department of Zoology am 

British Museum (N. H.) in London. 
1873. Sclater, Phil. Lutley, Secretary of the Zoological Society in London. 
1873. V. Leydig, Franz, Dr. med., Geh. Med.-Rat, Prof. emer. der vergleichen- 

den Anatomie und Zoologie in Wttrzburg. 
1873. Schmarda, Ludwig Karl, Dr., Hofrat, Prof. emer. in Wien. 
1873. Schwendener, Simon, Dr., Geh. Reg.-Rat, Prof, der Botanik und Direktor 

des hot. Instituts der Universit&t Berlin. 
1873. Fries, Th., Dr., Prof, in Upsala. 
1873. Schweinfnrth, Georg, Prof., Dr., Pr&sident der Geographischen Gesell- 

schaft in Kairo. 



*) Die beigeftigte Jahreszahl bedeutet das Jahr der Emennung. — Die 
verehrl Korrespondierenden Mitglieder werden hOflichst gebeten, eine Ver&nde- 
rung des Wohnortes oder des Titels der Direktion der Senckenbergischen Natur- 
forschenden Gesellschaft gef&lligst anzuzeigen. 



- 92* — 

1874 V. Fritsch, Freiherr Karl Wilhelm Oeorg, Dr., Oeh. Reg.-Rat, Prof, der 
Mineralogie and Geolog^e, Direktor des mineralogischeii Maseams 
der Universit&t, Pr&sident der K. Leopoldino-KaroliniBchen Dentschen 
Akademie der Naturforscher Id Halle a. S. 

1874. Gasser, Emil, Dr. med., Geh. Med.-Rat, Prof, der Anatomie and Direk- 

tor des anat. Instituts der Universitilt Marburg (von hier). 

1875. Btttschli, Johann Adam Otto, Dr. phil., Geh. Hofrat, Prof, der Zoolugie 

and Direktor des zool. Instituts der Universit&t Heidelberg (von hier). 
1875. Klein, Johann Friedrich Karl, Dr., Geh. Bergrat und Prof, der Minera- 

logie an der Universit&t Berlin. 
1875. Moritz, A., Dr., Direktor des physikalischen Observatoriums in Tiflis. 

1875. Probst, Joseph, Dr. phil, Kapitels-K&mmerer und Pfarrer in Unteressen- 

dorf, Oberamt Waldsee, Wttrttemberg. 

1876. Liversidge, Archibald, Dr., Prof, der Chemie und Mineralogie an der 

Universitftt Sidney, Australien. 
1876. Boettger, Hugo, Generalagent, hier. 
1876. Meyer, Adolf Bernhard, Dr. med., Geh. Hofrat and Direktor des zool. 

und anthrop.-ethnogr. Museums in Dresden. 

1876. Wetterhan, J. D. in Freiburg i. Br. (von hier). 

1877. V. Voit, Karl, Dr. med., Geh. Rat, Prof, der Physiologie an der Uni- 

versitilt Mfinchen. * 

1877. Becker, L., Oberingenieur in Johannesburg (Transvaal). 

1878. Chun, Karl, Dr., Prof, der Zoologie und Direktor des zool. Instituts 

der Universit&t Leipzig (von hier). 

1880. Jickeli, Karl, Dr. phil. in Hermannstadt. 

1881. Todaro, A., Prof. Dr., Direktor des botanischen Gartens in Palermo. 

1881. Snellen, P. C. F. in Rotterdam. 

1882. Retowski, Otto, k. Staatsrat, Konservator an der Kaiserl. Eremitage 

in St. -Petersburg. 
1882. Retzius, Magnus Gustav, Dr. med , Prof. emer. in Stockholm. 

1882. Russ, Ludwig, Dr. in Jassy. 

1883. Koch, Robert, Prof., Dr. med., Geh. Med -Rat, Generalarzt I. Kl. k la 

suite des Sanit&tskorps, o. Mitglied des K. Gesundheitsamts in Berlin. 
1883. Loretz, Mart. Friedr. Heinr. Herm., Dr. phil., Landesgeolog in Berlin. 
1883. Ranke, Johannes, Dr., Prof, der Anthropologic an der Universitftt 

Mttnehen, Generalsekret&r der Deutschen anthropol. Gesellschaft. 
1883. Jung, Karl, Kaufmann, hier. 

1883. Bonlenger, George Albert, F. R. S.. I. Class Assistant am British Museum 

(N. H.), Department of Zoology, in London. 

1884. Lortet, Louis, Dr., Professeur de Parasitologic et de Microbiologie 

k la Faculty de M6decine in Lyon. 
1884. Se. K5nigliche Hoheit Prinz Ludwig Ferdinand von Bayem, Dr. med. 

in Nymphenburg. 
1884. von Koenen, Adolf, Dr., Geh. Bergrat, Prof, der Geologic and Paltton- 

tologie, Direktor des geol.-palftont. Museums der Universitttt GOttingen. 
1884. Knoblauch, Ferdinand, frtlher Konsul des Deutschen Reiches in Noumea, 

Neukaledonien, (von hier). 



— 93* - 

1884. Miceliy Francesco in TnniB. 

1885. Flemming, Walther, Dr. med., Geh. Med.-Rat, Prof. emer. in Kiel. 

1886. yon Bedria^, Jacques, Dr. in Nizza. 

1886. Koemer, Otto, Dr. med., Prof, der Ohrenheilkunde an der UniversiUit 

Bostock (yon hier). 

1887. Schinz, Hans, Di, phil.. Prof, der Botanik and Direktor des botan. 

Qartens der Uniyersitftt Ziirich. 
1887. Stratz, C. H., Dr. med. im Haag, Holland. 
1887. Breuer, H., Dr., Prof, in Montabanr. 

1887. Hesse, Paul, Kaofmann in Yenedig. 

1888. yon Kimakowicz, Mauritins, Knstos der zool. Abteilung des Museums 

des Siebenbfirgischen Vereins ffir Naturw. in Hermannstadt. 
1888. Brusina, Spiridion, Dr., Prof, der Zoologie und Direktor des zool. 

National-Museums der Uniyersit&t Agram. 
1888. Rzehak, Anton, Prof, der Pal&ontologie und Qeologie an der tech- 

nischen Hochschule in Brttnn. 

1888. Reuss, Johann Leonhard, Kaufmann in Kalkutta (yon hier). 

1889. Boux, Wilhelm, Dr. med., Prof, der Anatomie und Direktor des anat. 

Instituts der UniyersitUt Halle a. S. 

1889. Brandenburg, K , Oberingenieur der k. ungarischen Staatsbahn in Szegedin. 

1890. yon Berlepsch, Hans, Qraf auf Schlofi Berlepsch, Hessen-Nassau. 
1890. Fritsch, Anton Johann, Dr., Prof, der Zoologie und Kustos der zool. 

und pal&ont. Abteilung des Museums der Uniyersit&t Prag. 

1890. Haacke, Joh. Wilh., Dr. phil. in Lingen bei Ems. 

1891. Engelhardt, Hermann, Prof, am Realgymnasium in Dresden. 

1891. Fischer, Emil, Dr. phil., Prof, der Chemie an der Uniyersit&t Berlin. 
1891. Hartert, Ernst, Dr. phil.h. c. Curator in charge of the Zoological Museum 
in Tring, Herts. 

1891. Strubell, Adolf, Dr. phil., Priyatdozent der Zoologie an der Uniyer- 

sit&t Bonn. 

1892. yon Both. Alex., Oberstleutnant z. D. in Schwerin. 
1892. Beccari, Eduard, Prof. emer. Florenz. 

1892. yan Beneden, Eduard, Dr., Prof, der Zoologie an der Uniyersit&t Liittich. 
1892. Dohm, Anton, Prof, Dr., Geh. Bat und Direktor der zoologischen 

Station in Neapel. 
1892. Engler, Heinrich Gustay Adolf, Dr., Geh. Beg.-Rat, Professor der Botanik 

und Direktor des bot. Gartens und des bot. Museums der Uniyersitftt 

Berlin. 
1892. Haeokel, Ernst, Dr., Prof, der Zoologie and Direktor des zoologischen 

Instituts der Uniyersit&t Jena. 
1892. Mdbias, Karl August, Dr., Geh. Beg.-Bat, Prof, der Zoologie und 

Direktor des zoologischen Museums der Uniyersit&t Berlin. 
1892. Nansen, Fridtjof , Prof., Dr., Direktor der biologischen Station in Christiania. 
1892. Schulze, Franz Eilhard, Dr., Geh. Reg. -Rat, Professor der Zoologie und 

Direktor des zoologischen Instituts der Uniyersit&t Berlin. 
1892. Strafiburger, Eduard, Dr. phil, Geh. Reg.-Rat, Prof, der Botanik und 

Direktor des bot. Gartens der Uniyersit&t Bonn. 



— 94* — 

1892. Snefi, Ednard, Dr., Prof, der Qeologie nnd Direktor des geologischen 

Museums der Universitttt Wien. 
1892. Waldeyer, Heinrich Wilhelm Qottfried, Dr. med., Qeh. Med.-Rat, Prof. 

der Anatomie nnd Direktor des anatomischen Instituts der Universi- 

t&t Berlin. 
1892. Fleischmann, Karl, Konsul, Kaufmann in Guatemala. 
1892. Bail, Karl Adolf Emmo Theodor, Prof., Dr., Qymnasial - Oberlehrer 

a. D. in Danzig. 

1892. Conwentz, Hugo Wilhelm, Prof., Dr., Direktor des westpreuss. Pro- 

vinzial-Museums in Danzig. 

1893. Verworn, Max, Dr. med.. Prof, der Physiologie und Direktor des physiol. 

Instituts der Universit&t Q5ttingen. 
1893. Koenig, Alexander Ferd., Prof., Dr. phil., Privatdozent der Zoologie 

an der UniversitUt Bonn. 
1893. Liermann, Wilh., Dr. med., Dir. d. Landkrankenhauses in Dessau (von hier). 

1893. Noll, Fritz, Dr. pbil., Prof, der Botanik an der Universit&t Bonn und 

an der landwirtschaftlichen Akademie Poppelsdorf. 

1894. Urich, F. W., Secretary of the Trinidad Field Naturalists' Club in 

Port of Spain, Trinidad. 
1894. Douglas, James, President of the Copper Queen Company „Arizona" in 

New York. 
1894. Pagenstecher, Arnold, Dr. med., Geh. San.-Rat, Inspektor des natnr- 

historischen Museums in Wiesbaden. 
1894. Dreyer, Ludwig, Dr. phil. in Wiesbaden. 

1894. Dyckerhoff, Rudolf, Dr. ing., Fabrikbesitzer in Biebrich a. Rh. 

1895. Kraepelin, Karl Mathias Friedrich, Prof., Dr., Direktor des natnr- 

historischen Museums in Hamburg. 
1895. Bolau, Heinrich, Dr., Direktor des zoologischen Gartens in Hamburg. 
1895. Kttkenthal, Willy, Dr. phil., Prof, der Zoologie und Direktor des zool. 

Instituts und Museums der Universit&t Breslau. 
1895. Seeley, Harry Govier, Professor of Geography and Lecturer in Geology am 

King's College in London. 
1895. y. Behring, Emil, Dr. med., Wirkl. Geh. Rat, Exzellenz, Prof, der 

Hygiene an der Universitftt Marburg i. H. 

1895. Murray, John, Dr. phil.. Director of the Challenger Expedition Publi- 

cations Office in Edinburgh. 

1896. Scharff, Robert, Dr. phil., Keeper of the Science and Art Museum in 

Dublin (von hier). 

1896. Bttcking, Hugo, Dr. ^il. Prof, der Mineralogie an der Universit&t 
Strafiburg i. E. 

1896. Greim, Georg, Dr. phil., Prof, der Geologie an der technischen Hoch- 
schule in Darmstadt. 

1896. M51ler, Alfred, Dr. phil, Forstmeister und Professor der Botanik an 
der Forstakademie in Eberswalde. 

1896. Lepsius, Richard, Dr. phil., Geh. Oberbergrat, Prof, der Geologie und 
Mineralogie an der technischen Hochschule und Direktor der geolo- 
gischen Landesanstalt filr das Grofiherzogtum Hessen in Darmstadt. 



— 96^ — 

18%. von M^hely, Lajos, Prof., Kustos des Nationalmaseums in Budapest. 

1897. Verbeek, Rogier Diederik Marias, Dr. phil h. c, Ing^nienr en chef 

des mines des Indes N^erlandaises in Buitenzorg, Java. 

1897. Voeltzkow, Alfred, Prof., Dr. phil., in Berlin. 

1897. Rtlst, David, Dr. med. in Hannover. 

1897. Kaiser, Heinr., Dr., Prof, an der tier&rztlichen Hochschule in Hannover. 

1898. V. Ihering, H., Prof., Dr., Direktor des Museums in S§lo Paulo, Bra- 

silien. 

1898. Forel, A., Dr. med.. Prof, in Chigny bei Morges, Kanton'Waadt. 

1898. Better, Apotheker in Samarkand, Turkestan. 

1898. Sarasin, Fritz, Dr. in Basel. 

1898. Sarasin, Panl, Dr. in Basel. 

1898. Burckhardt, Bud., Prof., Dr., Privatdozent an der Universit&t Basel. 

1898. Schmiedeknecht, Otto, Prof., Dr., Blankenburg in Thttringen. 

1899. Kossel, Albrecbt, Dr. med., Prof, der Physiologic und Direktor des 

physiologischen Institnts der Universitftt Heidelberg. 

1899. Maryanski, Modest, Bergingenieor in Santa Maria bei Albany, West- 
australien. 

1899. Stirling, James, Government Geologist of Victoria in Melbourne. 

1899. Le SouSf, Dudley, Director of the Acclimatisation Society, Boyal Park 
in Melbourne. 

1899. Martin, Charles James, Dr., Director of the Lister Institute of Preventive 
Medicine in London. 

1899. Strahl, H., Dr. med.. Prof, der Anatomie nnd Direktor des anat. In- 
stitnts der Universitftt Giefien. 

1899. Fischer, Emil, Dr. med. in Zurich. 

1899. Lenz, H., Prof., Dr. phil., Direktor des naturhistor. Museums in Lttbeck. 

1899. Schenck, H., Dr. phil., Prof, der Botanik nnd Direktor des bot. Gartens 

in Darmstadt. 

1900. Ddnitz, Wilhelm, Prof., Dr. med., Geh. Med.-Rat in Charlottenburg. 
1900. Ludwig, H., Dr. phil., Geh. Reg.-Rat, Prof, der Zoologie und Direktor 

des zool. Listituts und Museums der Universitftt Bonn. 
1900. Engelmann, W., Dr. med., Geh. Med.-Rat, Prof, der Physiologie und 

Direktor des physiol. Instituts der Universitftt Berlin. 
1900. Munk, Herm., Dr. med., Prof, der Physiologie an der Universitftt Berlin. 
1900. Fresenius, Heinrich, Dr. phil., Prof, in Wiesbaden. 
1900. Zinndorf, Jakob in Offenbach. 
1900. Spandel, Erich in Nttrnberg. 
1900. Montelitts, Oskar, Dr., Prof, in Stockholm. 

1900. Becker, Jago, Direktor in Valencia (Spanien). 

1901. ThUo, Otto, Dr. med. in Riga. 

1901. Nissl, Franz, Dr. med., Prof, der Psychiatric und Direktor der psychia- 

trischen Klinik der Universitftt Heidelberg. 
1901. von Wettstein, Rich., Dr., Prof, in Wien. 
1901. Steindachner, Franz, Dr. phil., Geh. Hofrat, Intendant des K. K. 

naturhist. Hofmusenms in Wien. 
1901 . Heerwagen, Aug., Dr., Prof., Direktor der Naturhist. Geseilsch. in Niimberg 



— 96* — 

1901. y. Graff, Ludw., Dr., Hofrat, Prof, der Zoologie and Direktor des 

Eool. Institnts der UniyersiUlt Graz. 
1901. D5derleiii, Ladw., Dr., Prof, in Strafiburg i. Els. 
1901. Simroth, Heinr., Dr., Prof, in Leipzig. 
1901. Schillings, C. G., Weiherhof bei Dtlren. 
1901. Lampert, Kurt, Prof., Dr., Oberstndienrat and Vorstand des Nataralien- 

Kabinets in Stattgart. 

1901. Friese, Heinricb, in Jena. 

1902. Tr6boal, E., President de la Soci6t6 nationale des sciences naturelles 

et math6matique8, Cherboarg. 
1902. Schneider, Jakob Sparre, Direktor des tfaseums in Tromsd. 
1902. Kayser, E., Dr., Prof, der Geologie and Pal&ontologie and Direktor 

des Geol. Institnts der Uniyersit&t Marbarg. 
1902. Spengel, J. W., Dr., Geh. Bat, Prof, der Zoologie and Direktor des 

zool. Institnts der UniyersitUt Giefien. 
1902. Credner, Herm., Dr., Prof., Geh. Bergrat in Leipzig. 
1902. Reis, Otto M., Landesgeolog in Ifttnchen. 
1902. Notzny, Albert, Bergwerksdirektor nnd Bergassessor aaf Heinitzgmbe 

in Benthen, Oberschlesien. 
1902. Beyschlag, Franz, Prof., Dr., Geh. Bergrat, wissensch. Direktor der 

geol. Landesanstalt in Berlin. 
1902. Schmeisser, K., Geh. Bergrat, I. Direktor der geol. Landesanstalt and 

Bergakademie in Berlin. 
1902. de Man, J. G., Dr. in lerseke, Holland. 
1902. Boyeri, Theod., Dr., Prof, der Zoologie and Direktor des zool. Institnts 

der Uniyersit&t Wlirzburg. 
1902. Weidmann, Earl, Kgl. Torfyerwalter in Carolinenhorst, Pommem. 
1902. Oestreich, Karl, Dr., Priyatdozent in Marbnrg (yon hier). 

1902. Preiss, Paul, Geometer in Ludwigshafen. 

1903. Schaudinn, Fritz, Dr., Regierungsrat, Priyatdozent an der UniyersiUit 

Berlin. 
1903. Weber, Max, Dr., Prof, der Geologie nnd Direktor des zool. Institnts 

in Amsterdam. 
1903. FUrbringer, Max, Dr., Geh. Hofrat, Prof, der Anatomie und Direktor 

des anatomischen Institnts der Uniyersitftt Heidelberg. 
1903. de Vries, Hugo, Dr., Prof, der Botanik in Amsterdam. 
1903. Schlosser, Max, Dr., Kustos der pal&ont. Sammlong in Mtlnchen. 
1903. Klunzinger, B., Dr., Prof. emer. in Stuttgart. 

1903. y. SchrOter, Guido, Konsnl des dentschen Beichee In San Jos^, Costa- 

Rica. 

1904. Vigener, Anton, Apotheker in Wiesbaden. 

1904. Wolterstorff, W., Dr., Kustos des naturhistor. Museums in Magdeburg. 

1904. Vicomte du Buysson, Robert in Paris. 

1904. Seine Durchlaucht Fiirst Albert yon Monaco in Monte Carlo. 

1904. Brauer, August, Prof., Dr., Priyatdozent an der Uniyersit&t Marbarg. 

1905. Hanthal, Rudolf, Prof., Dr., Direktor des Rdmermnseums in Hildesheim. 
1905. Hagenbeck, Karl, in Stellingen bei Hamburg. 



— 97^ — 

1905. y. Linstow, Otto, Dr. med., Generaloberarzt a. D. in G^ttingen. 
1905. Langley, J. N., Prof., Dr. in Cambridge. 
1905. L5b, Jacques, Prof., Dr. in San Francisco. 

1905. Haberlandt, Gottlieb, Dr., Prof, der Botanik and Direktor des bot. 
Gartens der Uniyersitftt Graz. 



Rechte der Mitglieder. 

Durch die Mitgliedschaft werden folgende Rechte er- 
worben : 

1. Das Naturhistorische Museum an Wochentagen von 
8 — 1 und 3—6 Uhr zu besuchen und Fremde ein- 
zuf&hren. 

2. Alle von der Gesellschaft veranstalteten Vorlesungen 
und wissenschaftlichen Sitzungen zu besuchen. 

3. Die vereinigte Senckenbergische Bibliothek zu benutzen. 
AuBerdem erh&lt jedes Mitglied alljahrlich den ^Bericht*'. 



— 98* — 

Auszng ans der Bibliothek-Ordnnng. 

1. Den Mitgliedern der Senckenbergiscben Naturforscbenden 
Gesellscbaft, sowie denen des Arztlicben Vereins, des 
Pbysikalischen Vereins nnd des Vereins f&r Geograpbie 
and Statistik stebt die Bibliotbek an alien Werktagen von 
10 — 1 Ubr nnd — Samstag ausgenommen — von 6—8 Ubr 
zur Benutzung offen. Das Ausleiben von Bficbern findet 
nor in den Vormittagsstnnden statt. 

2. Das Lesezimmer ist dem Publiknm zng&ngig nnd jeder- 
mann kann daselbst BQcber znr Einsicbt erbalten. B&cber, 
die am Abend im Lesezimmer benntzt werden sollen, mftssen 
bis sp&testens 11 Ubr am Vormittage des betreffenden 
Tages scbriftlicb bestellt sein. 

3. Znr Entleibnng von Btlcbem sind die biesigen Ifitglieder 
der beteiligten Vereine nnd deren Dozenten berecbtigt. 
Die Bibliotbekare sind gebalten, in zweifelbaften F&llen 
den Answeis der persOnlicben Mitgliedscbaft dnrcb die 
Karte zn verlangen. Answ&rts wobnende Mitglieder sowie 
andere Personen baben den BUrgscbein eines bier wobnenden 
Mitgliedes beiznbringen. 

4. An ein Mitglied kOnnen gleicbzeitig b5cbstens 6 Bande 
ansgelieben werden ; 2 Broscb&ren entsprecben 1 Band. 

5. Die BQckgabe der BQcber an die Bibliotbek bat nacb 
4 Wocben zn erfolgen; die Entleibnngsfrist kann jedocb 
verl&ngert werden, wenn die BQcber nicbt von anderer 
Seite in Ansprncb genommen werden. 

6. Jeder Entleiber ist verpflicbtet, der von der Bibliotbek an 
ibn ergangenen Aufforderung zur ZurQckgabe unbedingt 
Folge zn leisten, femer im Falle einer Beise von mehr 
als acbt Tagen die BQcber vorber znrftckzngeben, wenn 
ancb die Entleibungsfrist nocb nicbt abgelanfen sein sollte. 

7. Answ&rtige Dozenten erbalten BQcber nnr dnrcb Bevoll- 
m&cbtigte, die Mitglieder nnserer Gesellscbaft oder eines 
der genannten Vereine sind nnd den Versand besorgen. 

8. Am 15. Mai jeden Jabres sind s&mtlicbe entliebenen BQcber 
bebnfs Revision, die Anfang Jnni stattfindet, an die 
Bibliotbek zurQckzuliefern. 



— 1>9* — 



Bilanz 

■■4 . 

tJbersicht der Einnahmen nnd Ansgaben. 



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— 102* — 



Protokolle der wissenschaftliclien Sitziingen. 



L SItzang vom 22. Oktober 1904. 

Vorsitzender : Dr. August Knoblauch. 

Der Vorsitzende begrflfit zun&chst die zahlreich eUBchieiie- 
nen Mitglieder und ihre Damen zu Beginn des Wintersemesters 
uud gedenkt sodann mit warmen Worten der scbweren Verluste, 
die die V erwaltung in den letzten Wochen dnrch den Tod der 
arbeitenden Mitglieder Geh. Med.-Bat Prof. Dr. C. Weigert, 
G. von Erlanger und D. F. Heynemann erlitten hat*. 

Des weiterMi berichtet der Vorsitzende eingehend fiber djte 
T&tigkeit der Gesellschaft in dem abgelaufenea, 
arbeitsreichen Sommerhalbjahr. Der Museumsneiib$i| 
an der Viktoria-Allee, zu dem am 15. Mai d. Ja. der 
Grnndstein gelegt worden ist, ist inzwischen mftchtig in die 
H&he gewachsen, so dafi die beiden Seitenfl&gel und der hintefe 
Quertrakt voraussichtlich nocb vor Winter unter Dach kommen 
werden. 

Die Arbeiten der Sektion&re . und Beamten innerhalb dels 
Museums waren vorwiegend der Einrichtung des Neubaues ge? 
widmet, besonders der Herrichtung der neuen Schau- 
sammlung, f&r die zahlreiche Mitglieder der Gesellschaft in 
dankenswerter Weise bestrebt gewesen sind, Material sowohl 
an niederen Tferen wie auch an einheimischen VOgeln und S&uge- 
tieren.zu beschaSen. Gerade die heimische Fauna soil ja 
im neuen Museum besondere Berftcksichtigung finden und in 
grofien biologischen Gruppen zur Anschauung gebracht w^den. 
AUein das hierzu erforderliche Material zu gewinnen, ist nicht 
leicht. Es ist tats&chlich weniger schwi^rig, z. B. eine Giraffe 
Oder einen Eisb&ren zu erlangen wie iinser einheimiscl]|es Rot- 



— lOB* — 

wild, degsen Geweihe uosere J&ger als Jagdtroph&en za be- 
wahren pflegen. So ist es besonders erfreulich, dafi dem Mnseom 
in den letzten Wochen ein prachtvoUer Spessarthirsch, ein 
Zehnender aus dem Taunas nnd ein alter fetter Dachs aus 
Oberhessen als Geschenke Qberwiesen worden sind. Gerade 
jetzt in der Jagdsaison sei desbalb ein Appell an 
alle hochherzigen Freunde des edlen Weidwerkes 
gerichtet, das Mnsenm in seinem Vorhaben zu nnter- 
statzen nnd ihm einheimisches Wild znr Anfstellung 
in der nenen Schansammlnng zn Qberlassen. 

Ebenso ist es ein besonderer Wunsch der Gesellschaf t, im 
Hinblick anf das neue Musenm in den Besitz einer voUst&ndigen 
Geweihsammlnng nnseres einheimischen Botwildes 
zu gelangen, dnrch die die Geweihbildnng nnd Geweihentwick- 
Inng vom SpieBer bis znm Achtzehnender zur Anschannng ge- 
bracht werden konnte. 

Denselben Zweck, reiches Material besonders anFischen 
nnd niederen Tieren sowie an anatomischen Prftpa- 
raten fQr die nene Schau- nnd Unterrichtssammlnng zn be- 
schaffen, hat eine Sammelreise an die norwegische Kftste 
verf olgt, die Knstos Dr. R 5 m e r in den Monaten Jnli bis Sep- 
tember im Auftrage der Gesellschaft nnd ans den Mitteln der 
v. Beinach-Stiftnng nnternommen hat. 

Hieranf hftlt Gerichtschemiker Dr. G. Popp einen an- 
ziehenden Vortrag fiber: 

„Nenere natnrwissenschaftliche Errnngenschaften 
in ihrer Bedentnng fttr die Kriminalistik. 

Der bedeutende Anf schwung anf alien Gebieten der Natur- 
wissenschaften, der sich bekanntermafien in den letzten Dezen- 
nien voUzogen hat, hat nicht nur einen m&chtigen Einflufi anf 
nnser ganzes Knltnrleben ansge&bt, indem er znm Teil nnsere 
alten Anschannngen fiber Weltall nnd Menschheit umgestfirzt, 
znm Teil dieselben in neue Bahnen gelenkt hat, sondern er 
macht sich aneh in denjenigen Disziplinen geltend, die sonst 
Strang konservativ an alten Formen haften, wie in der Theo- 
logie nnd in der Jnrisprndenz. 

In letzterer ist es namentlich die Kriminalwissen- 
schaft, die sich der Natnrwissenschaften in immer wachsendem 



Mafie bedient und von den neaeren Forschungen and unter- 
snchangstechnischen Hilfsmitteln Nntzen gezogen hat. 

Die Kriminalogie hat als eine ihrer Unterabteilangen nach 
Grofi die Eriminalistik, die sich einerseits mit der Er- 
scheinungslehre des Verbrechens and anderaeits mit der Unter- 
snchungskande befaBt. Letztere stand bis yor wenigen 
Jahren wissenschaftlich auf einer sehr niedrigen Stufe and man 
begnUgte sich bei der Nachforschang von Verbrechen meist mit 
den Wahmehmangen , die sabalterne Kriminalbeamte innerhalb 
des Kreises ihrer meist oberfl&chlichen Allgemeinbildang za 
machen vermochten. 

Da, wo es unvermeidiich war, zog man wohl einen Arzt 
zar Erstattang eines Gutachtens heran; doch liefi man ihn in 
4en seltensten F&llen einen wesentlichen Anteil an dem Unter- 
sachungsgang selbst nehmen. Die Mitwirkang des Ghemikers 
beschrd.nkte sich meist aaf die Untersachnng von Leichenteilen 
aaf Gifte, yon Medikamenten, Nahrnngsmitteln u. s. w., ohne daB 
er aber im Ubrigen sich weiter an der Voruntersuchung betei- 
ligt h&tte. 

Erst im letzten Dezenniam hat man sich gewQhnt, aafier 
dem Arzt aach andere geschulte Mikroskopiker and Natarwissen- 
schaftler heranzaziehen^ and man erkannte bald, wie wichtig 
die Mitwirkang derselben im Kriminalfall von erster Stnnde an 
und in innigem Eonnex mit dem Untersnchangsrichter za sein 
vermag. 

Die heatigen Darlegungen des Redners verfolgen den Zweck, 
an der Hand von einigen Beispielen aas der Praxis zu 
zeigen, wie frachtbringend sich die Verwendang von Mikroskop 
und Photographie unter Berticksichtigang der neaeren natar- 
wissenschaftlichen Erkenntnisse fttr die Kriminalforschnng er- 
wiesen hat. 

Es wUrde za weit fiihren, hier daraaf einzagehen, welche 
Fortschritte die Chemie, die Elektrochemie, die Bakteriologie 
and die wissenschaftliche Photographie in den letzten Jahren 
gemacht haben und inwiefern diese Fortschritte in einzelnen 
Fallen fUr die Kriminalforschnng von Nntzen zu sein vermOgen. 
Doch erinnert der Kedner daran, daB es hente zum Beispiel 
m5glich geworden ist, mit Hilfe der Elektrolyse and nachfol- 
gender Anwendung von chemischen. Reaktionen noch ein Mil- 



— 105» — 

lionstel Gramm Arsen mit Sicherheit nachzuweisen , ja, 
dafi man durch Zttchtang verschiedener Schimmelpilze auf dem 
arsenbaltigen N&hrboden noch Arsen in einer Verdtinnung von 
1 : 10000000 darch eine Geruchsentwickelung wahrnehmen kann. 
Ebenso geringe Spuren von anderen Giften lassen sich noch in 
der Wirknng erkennen, die sie unter dem Mikroskop auf Mikro- 
organismen auszailben verm5gen, und endlich hat die Biochemie 
in neuerer Zeit die Differenzierung verschiedener Blutarten in 
Blutflecken, ja in mehrere Jahrtausende alien Mumien er- 
mOglicht. 

Auf diese Verhftltnisse kommt der Vortragende an der Hand 
der am Lichtschirm vorgefUhrten Beispiele ans seiner Praxis 
als Gerichtschemiker welter zu sprechen. 

Das erste Bild zeigt einen Fleck in der Jacke einer Kinds- 
m5rderin, die die stattgehabte Geburt leugnete. Die mikro- 
chemische Analyse der herausgeschnittenen Flecke ermoglichte es, 
festznstellen, dafi diese Flecke darch Franenmilch veranlafit 
warden and nicht darch eine andere ser5se K()rperflUssigkeit ; 
denn die Flecke enthielten, anf Trockensubstanz mit 2 Prozent 
Wassergehalt berechnet, 21,22 Prozent Milcheiwelfi, 18,6 Pro- 
zent Fett, 48,8 Prozent Hilchzucker. Ferner ergab die mikro- 
skopische Prttfnng eines wd.sserigen Auszages aas den Flecken, 
dafi in denselben zahlreiche Milchkttgelchen vorhanden waren, 
dabei aber keine ColostrumkQrper. Es konnte auf diese 
Weise noch monatelang nach dem Entstehen der Flecke die 
angebliche Provenienz derselben aaf ihre Richtigkeit geprQft 
werden. 

Eine sehr vielseitige Anwendung findet die mikroskopische 
Untersachang von Schriften und die mikrochemische Analyse 
der dazu benutzten Tinte. Es ist aber in vielen Fallen nicht 
notwendig, die Schrift an der betreSenden Stelle durch chemische 
Reagentien za zerstSren, sondern die orthochromatische 
Mikrophotographie l&fit feine, dem Auge nicht ohne wei- 
teres sichtbare Farbenuuterschiede auf der photographischen 
Platte, zur Erscheinung bringen. Dadurch ist es dem Unter- 
sttcher m5glich, objektiv den Beweis zu erbringen, ob in einer 
Urknnde EinfUgungen stattgefunden haben, ob dieselben kUrzere 
Oder l&ngere Zeit nach Anfertigung der Urkunde geschrieben 



- 106* — 

warden, ob andere Tinte dazu yerwandt wordeu ist oder was 
selbst nach Aasl5schuDg der Schrift mit Ghemikalien oder anter 
Umst&nden auch nach Rasuren an der betreSenden Stelle ge- 
standen hat. 

Findet man unter der Lupe an einem des Gebrauchs als 
Mordwaffe verd&chtigen Messer Stofff&den, die bei oberfl&ch- 
licher Betrachtung nach Analogie der Farbe and Faser mit dem 
durchstochenen KleidangsstUck Ubereinstimmen kOnnen, so er- 
m5glicht die Mikrophotographie, objektiv den Beweis der Identitftt 
far jeden Laien klar za erbringen. Namentlich aber ist die 
Erbringang des Identit&tsbeweises jetzt m5glich in bezag aaf die 
Farbe and zwar durch Anwendang der Photographie in 
natUrlichen Farben, die k&rzlich darch Dr. E5nig in den 
H5chster Farbwerken aaf eine sehr yollkommene Stafe gebracht 
worden ist. 

Die Untersachang yon Blatflecken darch das Mikroskop 
sowie darch chemische Reaktionen allein war seither nnr in 
yereinzelten F&llen genttgend beweiskr&f tig ; denn die Frage, 
ob das yorgef andene Bint Menschenblnt sei, war bisher kaam 
mit Sicherheit za ICsen. Erst die biochemische Methode yon 
Uhienhnth, Wassermann and SchUtze zeigte mit Hilfe 
des Sernms yon Tieren, die mit der nacbzaweisenden Blntart 
yorbehandelt warden, einen Weg znr einwandfreien Differen- 
zierang der yerschiedenen Eiweifiarten and damit anch der Pro- 
yenienzeines yorgef nndenen Blatfleckes. Es ist nach Weichardt 
selbst gelangen, ASen- and Menschenblnt sowie das Blat yer- 
schiedener menschlicher Indiyidnen darch Verfeinerang der 
Uhlenhuthschen Methode za differenzieren. Parallel mit dieser 
Methode geht die yon Landsteiner and Richter angegebene 
DiSerenzierungsmethode, die darauf beraht, daB Menschenblnt 
darch heterologe Blutarten agglutiniert wird. 

Zur Aufsachang unscheinbarer Blntfleckea sind darcli den 
Redner farbige Lichtfilter, d. h. gefarbte Glasplatten oder 
Gtelatinefolien, die zwischen Auge and Gegenstand eingeschaltet 
werden, in yielen Fallen mit Erfolg benatzt worden and die 
Fermentreaktionen gegenUber Leakofarbstoffen and Wasserstofi- 
saperoxyd erm5glichten es, die gefnndenen Flecke an Ort and 
Stelle einer klaren Vorprtifung zu anterziehen. 



— 107* — 

Der Yortragende wendet sich dann zu der in den letzten 
Jahren schon yielfach mit Erf olg angewandten Daktyloskopie, 
d. h. der Erf orschung der Zeichnungen der Papillarlinien an den 
Fingerspitzeii, deren Mannigfaltigkeit zur Identiflzierung von 
Personen im allgemeinen Polizeidienst sowohl wie auch namentlich 
anf Grand yon hinteriassenen FingerabdrUcken am Orte des 
Verbrechens ein sicheres Hilfsmittel bietet. 

Zahlreicbe Licbtbilder illnstrieren diese AusfUhrungen 
and beweisen den Natzen, d^n die moderne Naturwissen- 
sebaft bei der Aafdeckang and Klarstellung von 
Veirbrechen za leisten vermag. 

II. SitzBDg Tom 29. Oktober 1904. 

Yorsitzender : Dr. August Knoblauch. 

Mit herzlichen Worten begrilfit der Yorsitzende den be- 
kannten Afrikaforscher Karl Schillings aus Weiherhof bei 
Daren, 4er seit einer Beihe von Jahren der Senckenbergischen 
Gesellschaft als korrespondierendes Mitglied angehort. 
Mit Blitzlieht und Bttchse hat Schillings za wiederhol- 
ten Malen die Massai-Steppen vom Kilimandjaro zum Yiktoriasee 
durchstreif t and w&hrend seines Auf enthaltes in Dentsehostaf rika 
mit ojiv^rgleichlichem Mat seine ganze Kraft in den Dienst 
der. Jd^e gestellt, das GroBtierleben der afrikanischen 
Wildnis.anOrt and Stelle selbst in photographischen 
Apgenblicksaufnahmen festznlegen. So hat er der 
Wissenschaft einen kostbaren Schatz unanfechtbarer ^Urkunden 
deirMatar^ gesammelt, die fUr alle Zeiten einen nnverg&nglichen 
Wert besitzen. Aber auch reiches Material an S&ugetieren und 
V5geln hat Schillings aus dem &quatorialen Ostafrika heim- 
gebracht and damit freigebig den Berliner Zoologischen Garten 
and verschiedene naturhistorische Museen Dentschlands bedacht. 
Aach das hiesige Museum besitzt reiche SchHtze 
aas seiner Attsbeute, vor allem eine prachtvolle, alte Giraffe, 
die den Namen des ktthnen Forschers Giraffa schiUi9igsi Mtsch. 
tr&gt, eine Zebra*Familie, zahlreiche Antilopen and Gazellen, 
Hy&nen and andere Tiene, die in der Schausammlung dea neuen 
Museums zu einer biologischen Gruppe ,,Deutschostafrikanisches 
Tierieben" vereinigt werden soUen. FUr diese zahlreichen Zu- 



— 108* — 

wendungen spricht der Vorsitzende dem Redner den warmen 
Dank der Oesellschaft aus. 

Hierauf h&lt Herr Karl Schillings einen dnrch pracbt- 
YoUe, znm Teil farbige Licbtbilder erlftaterten, hocbinteressanten 
Vortrag, der von den anBerordentlich zablreich erschienenen 
Zubdrein mit lebhaftem Beifall anfgenommen wird: 

,DieTierwelt der Massai-Hocbl&nder mit besonderer 
Beriicksicbtigung ibres Anssterbens.^ 

In seiner Einleitang scbildert der Redner znn&cbst die 
Landscbaft der yon ibm bereisten Gebiete Deatscbostafrikas. 
Pbotograpbiscbe Anfnabmen der Massai-Steppen mit yortiber* 
ziebenden Earawanen, in der Feme grane Berge nnd der m&cbtige 
Eilimandjaro, wecbseln ab mit tropiscben Seelandscbaften und 
mit pildern des afrikaniscben Urwaldes. Sodann bespricbt der 
Redner das Verfabren des Pbotograpbierens in derWildnis 
and die grofien Scbwierigkeiten , denen dasselbe begegnet. 
Schillings bat sicb nicbt nur anf Tagesaufnahmen mitteis 
Fempbotograpbie (bis zu einer Entfemnng yon 600 Meter) be- 
scbrfttkkt, zn denen ibm die yorzttglicben Apparate der optiscben 
Anstalt C. P. Ooerz in Friedenan zur VerfQgnng standen; er 
bat ancb eigenartige, selbstt&tige Vorricbtnngen ersonnen, dnrch 
die ed erm5glicbt worden ist, die wilden Tiere bei Nacht 
aus allern&chster N&be mitteis Blitzlicht anfzn- 
nehmen. So ist es gelnngen, das Tierleben der Wildnis in 
seinen charakteristiscben ZQgen auf die pbotograpbiscbe I^atte 
zu bannen and ansgezeichnete Bilder zu schaSen, die mit ge- 
radezu plastiscber Klarbeit die Fanna des Hqnatorialen Ostafrika 
zur Ansebanung bringen. 

In ungebeuren Scharen sammelt sicb nnser beimischer 
Storcb in den weiten Ebenen am Viktoriasee, um die Rftck- 
reise fiber das Mittelmeer in die nordische Heimat an^treten; 
zabllose Flamingos beleben den Salzsnmpf der Massai-Steppe 
und an den ttberbSlngenden Zweigen boch tlber dem Wasserspiegel 
sind die knnstvollen Nester derWeberyOgel bef estigt. Oanze 
Rudel Straufie yerlieren sicb in der weiten Steppe; Grappen 
von Geiern streiten sicb zetemd mit Hyftnen and Schakalen 
um die verwesende Beute und eine Herde yon Payianen 
tummelt sicb spielend zwiscben den gestrUpp-bewachsenen Felsen. 



- 109^ - 

Die versehiedenfiteB Antilopen- and Gazellen-Arten 
bewohnen die weiten Ebenen der Massai-Hochlftnder. Soweit 
das Aage reicht, scheint die Steppe von Wild belebt; bald sind 
es einzelne Tiere, bald ganze Herden. In der klaren Lnft lafit 
sich jedes einzelne Stttck erkennen, nur wo darch tausende von 
Hofen der Stanb aufgewirbelt wird, verschwimmt das Bild in 
einer andarchsichtigen Wolke. Es sind Weifibartgnus, Kah- 
antilopen and Zebras. In Herden geht das pr&chtige Tiger- 
pferd znr Tr&nke, voran der ftthrende Zebrahengst, vorsichtig 
and sichemd; ihm folgt die Masse der Herde, wenn sie kein 
Warnraf des Leittieres in das Dnnkel des Urwaldes znriick- 
scheacht. Zor selben Trftnke wie Zebra and Gazelle schleicht 
aach der Leopard and der L5we, and nicht einzeln ; Schil- 
lings konnte, als einer der ersten, das radelweise Zasammenr 
leben des L5wen in der Wildnis beobachten. Seine Lowenaof- 
nahmen zeigen imposante Qestalten des K5nigs der Tiere, einen 
alten M&hnenlttwen an der TrUnke, eine L5win, die einen 
Esel beschleicht, L5we and LQwin beim NiederreiSen eines 
Stieres a. a. 

Am gewaltigsten treten nns aber jene Riesen des &qaa- 
torialen Afrikas entgegen, die ans anmaten wie tlberbleibsel 
ans einer Iftngst entschwandenen Zeit, Giraffe, Elefant, Flufi- 
pferd and Nashorn; ein ganzes Radel Giraffen, dicht an- 
einander gedrftngt im lichten Mimosenwalde, ein alter Giraffen- 
hengst in Gemeinscbaft mit zwei gewaltigen Elefantenballen 
mit m&chtigen Stofiz&hnen, Flafipferde schwimmend and aaf 
einsamem Pfade nftchtlich zar Asang ziehend, das zweihornige 
Bhinozeros im Anstarm aaf den mit grofiter Seelenrahe 
photographierenden Sch&tzen. 

So tritt nns aas diesen Bildern das Tierleben entgegen, 
wie es aogenblicklich noch im Norden des riesigen Kilimandjaro 
dem Ai^^e des kahnen Forschers sich darbietet. Aber mit dem 
Vordringen der Kaltar in das Innere des danklen Erdteils wird 
der Wildbestand jener Steppen and Urwftlder mehr and mehr 
gelichtet and bald genag werden jene gigantischen Formen 
der zentralafrikanischen Faana der Vergangenheit angeh5ren. 
Dann werden Schillings' Lichtbilder sichere Kande geben 
k&nnen von dem reidien Tierleben, das heate noch in den 
MassaifAochl&ndern entwickelt ist. 



— 110* — 

III. Sitzmig TOin 5. NoTember 1904. 

Vorsitzeoder : Dr. August Knoblauch. 
Dr. J. Wilhelmi spricht iiber: 

^Regeneration und Entwickelung''. 

AJle Organismen verf alien dem Tode, aber an Stella des 
ZerstOrten spriefit neues Leben. Dieses ewige „ Warden und 
Vergehen* in der Natur bezeichnet Goethe so treSand mit 
den Worten: „Das Leben ist die scbSnste Erfindung der Natur 
und der Tod ist ihr Kunstgriff, viel Leben zu haben^. Fast 
m5chte es uns aber scheinen^ als ob nur die hdheren Tiere 
den Tod erleiden. Wfthrend n&mlich die niederen Tiere, die 
einzelligen, sich durch Teilung fortpflanzen, wird bei den hOheren 
Tieren das Leben nur durch einen kleinen Teil, den Keim, auf 
die Nachkommen vererbt. Durch diesen ProzeB werden ebenso 
viel neue Tiere geschaffen, als alte zugrunde gehen. Denselben 
Wechsel sehen wir in dem LebensprozeB des einzelnen Indivi- 
duums, in den Erscheinungen des StoSwechsels. Verbrauoh und 
Ersatz des Stoffes in besonderen Fallen, wie z. B. NeulnlduDg 
von roten BlutkSi-perchen (Regeneration im angerra Sinne), 
Geweihneubildung und H&utungen der Oliedartiera (ph3^iologi8cha 
Regeneration) leiten uns zu der eigentlichen Regeneration, deren 
Ursache eine aufiergewShnliche oder pathologische ist. 

Die Fahigkeit der Regeneration ist im ganzen Tier- 
reieh wait verbreitet und entspricht der Zweckm&fiigkeit, wie 
die folgenden Beispiele zeigen w^den. Die ainzatligen Tiere 
kann man beliebig zerschneiden und alle Stftcke waohsen, wenn 
sie einen Teil des Kernes enthalten, zu volikommenen Tieren 
aus. Hier erhebt sich die Regeneration nicht viel fiber die Err 
scheinung der ungeschlechtlichen Fortpflanzung durch Tailung. 
Bekannt ist die Regenerationsf&higkeit unserer S&fiwasser* 
poly pen, die man in die kleinsten Stftcke serhackan kaan; 
alle Teilstfickchen wachsen wieder zu volikommenen Individuen 
aus. Auch die W U r m e r besitzen znm grofien Teil eina bedau- 
tende Regenerationsfahigkeit. DieVersuche von Morgan, LSb, 
Voigt u. a. haben gezeigt, dafi die Planariden (S&ftwasser- 
tnrbellarien) nahezu jede Verst&mmelung mit vollstftndiger Wia^ 
derherstellung beantwoi-ten. Alle Teilstftcke einer zersdmitlanan 
Planaride bilden in kurzer Zeit den Kopf mit G-ehim und Augaii 



- Ill* - 

and alle Organsysteme wieder. Durch Einschnitte lassen sicb 
an beliebigen Stellen des Tieres Bildungen vod K&pfen mit Ge- 
hirn and Angen hervorrnfen (Heteromorphose) and so kann 
man Planariden mit mehreren K5pfen and Schwftnzen zttchten. 
Diese Versache hat der Vortragende, wie die aafgesteiiten Pra- 
parate zeigen, wiederholt. 

Besonders deatlich lafit sich die Zweckmftfiigkeit der Re- 
generation bei den Krabben and anderen Gliedertieren er- 
kennen, die an! Selbstampatation eingerichtete Extremitlkten 
besitzen (Antotomie). Bei Salamanderlarven, denen von 
Wasserk&fern a. s. w. leicht der Schwanz and die Beine ab- 
gebissen werden, bilden sich die yerlorengegangenen Teile in 
nicht zn langer Zeit neu. 

Da also gerade die leicht verletzbaren Teile am besten 
regeneriert werden, so mUssen wir die Regeneration als eine 
sehr n&tzliche Eigenschaft der Tiere betrachten. Da 
sie aber in sehr ungleicher Weise auf die einzelnen Tiere ver- 
teilt ist, so steht sie demnach in keinem Verh&ltnis znr Orga- 
nisationshOhe der Tiere, sondem h&ngt von der Art der Ver- 
letzbarkeit des betreffenden Teiles and der Verletzangswahr- 
scheinlichkeit ab; sie ist demnach eine Anpassnng an die 
Lebensbedingnngen, also sekand&r erworben. Da es sich 
bei der Regeneration am die Neubildang der verschiedensten 
Gewebe nad die Umbildang eines Teiles des alten Gewebes 
handelt, so liegt ein Vergleich der Regenerationserscheinnngen 
mit denen der embryonalen Entwickelang nahe. 

Die angeschlechtliche Fortpflanznng der einzelnen Tiere 
darch Zellteilung (Amitose) deckt sich im wesentlichen mit den 
Brscheinangen der Regeneration derselben. Alle hOheren Tiere 
entwickein sich ebenfalls durch Zellteilang einer einzelnen Zelle, 
der £!izelle ; die Vorg&nge bei dieser Kern- and Zellteilang sind 
freilich wesentlich kompliziertere (Karyokinese). Bevor die Ei- 
zelie befrachtungsf&hig ist, mnfi sie eine Reihe von Ver&nde- 
rongen, die Reif eerscheinnngen^ darchmachen . Die E i r e i f u n g 
besteht im wesentlichen in der Vierteilang der Eizelle, indem 
sich drei kleinere Zellen (Richtungsk5rper) mit je einem Viertel 
Aer in dem nrsprllnglichen Eikern liegenden Vererbungssubstanz 
(Eemscbleifen) absondem. Ganz &hnlich verl&uft die Bildung 
der Samenzellen aas den Urkeimzellen. Darch zweimalige Tei- 



— 112* — 

lung derselben (Spermatocyten erster und zweiter Ordnung) ent- 
stehen vier Zellen (Spermatiden), die je ein Viertel der in dem 
Kern der nrspr&nglichen Eeimzelle liegenden Vererbungssubstanz 
enthalten. Die durch komplizierte Vorg&nge der £ern- nnd 
Kernschleifenteilung (Aquations- and Rednktionstheorie) bei der 
Eireifang erfolgte Entfernung von dreiviertel der nrfipr&nglichen 
£ernschleifenzahl bewirkt also, dafi nun bei der Vereinigung 
der mftnnlichen und weiblichen Zelle (Befruchtung) die Ver- 
erbungssubstanzen (Kernschleifen) yon mannlicher und weiblicher 
Seite in gleicher Anzahl zusammenkommen. Nach der Befruch- 
tung, deren Wesen in der Vereinigung des Kernes der Samen- 
und der Eizelle besteht^ beginnt die regehnftfiige Zellteilung 
(Blastula) und Sonderung zu den Keimbld,ttem (Gastrulation). 
Die bei der weiteren Entwickeiung beobachtete Erscheinung, 
dafi h5here Tiere Organe niedriger organisierter Tiere embryonal 
Yoriibergehend aufweisen, lehrt, dafi bei derEntwickelung 
des einzelnen Individuums (Ontogenie) die Entwicke- 
iung des Stammes (Phylogenie) teilweise wiederholt 
wird (biogenetisches Grundgesetz) ; erwd.hnt sei hier die Ahn- 
lichkeit des menschlichen Embryos mit den niedrigsten Wirbel- 
tieren, den Fiscben, bezUglich der Kiemenspalten, dea Herzens, 
der Arterienbogen und der Skelettbiidung. 

Die f rbhere Annahme, dafi jeder Organismus von Anfang an 
in alien seinen Teilen vorhanden sei (PrS^formationstheorie) und 
zur Entwickeiung nur des Wachstums und der Entfaltung (Evo- 
lutio) bediirfe (Tiieorie der Lehre von der Einschachtelung), 
wurde durch den Nachweis der Neubildung (Epigenesis) aller 
Teile des Embryos umgestofien. Diese Theorie ist nun in neuer 
Zeit durch Weismann insofem wieder etwas modifiziert wor- 
den, als ftir die Zellen immerhin eine Verschiedenheit ihrer 
Anlage, ihrer Erbmasse, angenommen werden mufi (NeoprSAr- 
mismus). 

Mit den Vorg&ngen der embryonalen Entwickeiung decken 
sich nun die Erscheinungen der Regeneration nicht, indem ver- 
loren gegangene Teile durchaus nicht immer aus der Anlage 
regeneriert werden, aus der sie embryonal hervorgegangen sind. 
Diese Anlagen sind wohl gleicher Abstammung, aber zur Er- 
kl&rung der Regeneration mufi eine Um- und R&ckdifferenzie- 
rung der Anlage angenommen werden. 



— 113* — 

Zar ErI&uterung des Vortrags sind zahlreiche im Museum 
neu angefertigte Prftparate von der Embryonalentwicke- 
luDg aufgestellt, ferner die verschiedenen Kegenerations- 
stadien der Seesterne, Regeneration der Regenwttrmer, 
Krebse, Amphibien undReptilien sowie neu augefertigte 
Taf eln mit Zeichnungen von der Regeneration und Hetero- 
morphose der Planariden, Autotomie der Krebse 
and von der Spermatogenese. Auch durch zahlreiche mikro- 
skopische Pr&parate mit erkl&renden Zeichnungen wird 
die Regeneration und Heteromorphose bei WUrmern und die 
Samenbildnng , Eireifung, Eifurchung und Embryonalentwicke- 
lung zur Anschauung gebracht. 

lY. Sitznng vom 19. NoTember 1904. 

Vorsitzender : Dr. August Knoblauch. 

Privatdozent Dr. phil. Fr. Drevermann aus Marburg i. H. 
spricht Uber die 

^Entstehung und Geschichte des rheinischen 

Schiefergebirges/ 

In Nordwestdeutschland liegt ein Gebirgskomplex, der im 
wesentlichen aus sehr alten Gesteinen besteht und den wir 
deshaib als geoiogische und geographische Einheit 
auffassen dUrfen. Dieses sogenannte ^rheinische Schiefer- 
gebirge*' erstreckt sich von der Diemel und Eder bis zur 
Maas, ja in seinen ftufiersten Ausld.ufern bis an den Armelkanal. 
E2s setzt sich fast vollkommen aus gefalteten devonischen 
Gesteinen zusammen, die im ganzen von Nordosten nach SUd- 
westen streichen, wobei aber zahllose St5rungen die Erkennung 
des Anfbaues ganz aufierordentlich komplizieren. Das Gebirge 
hat im Laufe der Erdgeschichte alle moglichen Wandlungen 
dnrchlaufen, die der Vortragende an der Hand zahlreicher 
Karten nud Profile bespricht. 

Von derUrgeschichte des Gebirges wissen wir gar 
nichts. Die &ltesten Gesteine des ganzen Komplexes 
liegen am Sbdhang des Taunus und auch linksrheinisch haben 
sich im hohen Venn und an anderen Orten einige alte Gebirgs- 
keme erfaalten. Sehr alte Gesteine finden sich auch im Keller- 
wald and in einem scbmalen Zuge, der sich von dort aus nach 

a 



— 114* — 

dem Westerwald fortsetzt; aber all diese ftltesten Bausteine 
des ganzen Gebirges sind noch recht wenig bekannt. Besser 
wird es, wenn wir in das Devon eintreten; in dieser Zeit 
wurden die Gesteine abgelagert, die der Hauptsache nach das 
ganze Gebirge zusammensetzen. Zur Unterdevonzeit bedeckte 
ein f laches Meer mit sandigem Boden ganz Nordwestdeatsch- 
land; zaliUose Tiere bewohnten seine Fluten and hinterlieBen 
uns ihre Schalen als wertvoUe Dokamente bis auf die heatige 
Zeit. Ziemlich einheitlicli flndet sich diese Tierwelt im Osten 
und Westen, im SUden und Norden des ganzen Gebietes wieder, 
so daB wir grofie Differenzen in der Meerestiefe nicht annebmen 
diirfen. Zur Mitteldevonzeit wurde es anders; linksrheinisch 
ein flaches Meer, das in der Aachener Gegend wohl an die 
Kilste brandete (vielleicht an das hohe Venn, das als Insel aus 
den Wellen herausragte) ; rechtsrheinisch im Norden ebenfalls 
ein flaches Meer wie im Unterdevon, im SUden aber offenei 
tief e See mit einer ganz abweichenden Tierwelt. Im jfingeren 
Mitteldevon ragten an vielen Stellen md.chtige Korallen- 
rif f e aus den Wogen empor, an denen eine reiche Faona lebte. 
Zur Oberdevonzeit werden die Verhftltnisse noch komplizierter. 
Zusammenbangend mit gewaltigen untermeerischen Ausbrbcben 
vulkanischer Gesteine fanden bedeutende Schwankungen des 
Meeresbodens statt and so kommt es, dafi wir Tiefsee- und 
Flachmeerbildungen, Rifffauna und Tierwelt des offenen Meeres 
an vielen Orten in geringer Entfernung nebeneinander finden. 
Zu Beginn der Steinkohlenzeit dauerten llhnliche Verhftlt- 
nisse noch an; dann hob sich der Boden langsam, das Meer 
trat zurUck und es entstand der Kontinent, auf dem sich 
die wichtigen Steinkohlenlager, besonders der Ruhr- and Saar- 
gegend in grofien Siimpfen bildeten. Manchmal brach das Meer 
noch ttber seine Ufer herein und trug auch Meerestiere in diese 
SUmpfe. Gegen den Schlufi der Steinkohlenzeit aber spielten 
sich die grofiartigen tektonischen Vorg&nge ab, denen das 
Schiefergebirge als solches seine Entstehung verdankt. 
Zum erstenmale seit der Urzeit wurde unsere Gegend in aus- 
gedehntestem Mafie von den Schrumpf ungserscheinungen in der 
Erdkruste betroSen und so enstand ein riesiges Gebirge von 
alpinem Gharakter, das man direkt die ,pal&ozoischen 
Alpen^ genannt hat. So wurde aus einem Kontinent, der sich 



- 116* - 

aas wesentlich horizontalen Gesteinsschichten zusammensetzte, 
ein Gebirge mit wilden, zerrissenen Formen, deren 
Scbonheit wohl den schroffsten und steilsteu FelseDgipfeln der 
Jetztzeit kaum nachgestanden haben diirfte. Sofort aber mit 
der AufrichtaDg des Gebirges setzte auch die zerst5rende 
Wirkung des Wassers ein und die E r o s i o n bemtihte sich, die 
alpine Landschaft wieder langsam abzutragen. In den n&chsten 
Formationen blieb unser Gebiet von groBen Revolutionen un- 
beriihrt. Zwar m5gen wohl die WUstensttirme der Perm- und 
Triaszeit auch um die Gipfel der westdeutschen Alpen getost 
haben und gewaltige Eruptionen feurig-fliissigen Hateriales 
fanden namentlich noch im Saargebiet statt. Aber auch das 
Jurameer drang noch nicht wieder in das Innere des Schiefer- 
gebirges ein und erst zur jiingeren Kreidezeit verliefi im 
Norden das Meer seine Ufer; es brach weithin Uber das Land 
und seine Brandungswoge ebnete hier das ohnehin durch die 
Erosion flacher gewordene Gebirge voUkommen ein. Eine reiche 
marine Tierwelt zog wieder in unser Gebiet ein; aber diese 
Herrlichkeit war nur von kurzer Dauer. Zu Beginn der Neu- 
zeit der Erdgeschichte war ganz Norddeutschland wieder 
Festland. Sp&ter erf olgte dann der letzte Meereseinbrnch; 
ein breiter Arm verband Nord- und Siidmeer, er folgte etwa 
dem Ost- und SUdrand unser es Gebirges. Schon bald nachher 
trat das Meer wieder zurUck und der Meeresarm 15ste sich in 
eine Anzahl sich langsam aussUBender Becken auf, deren be- 
deutendstes gerade unserer Gegend durch die zahllosen Ver- 
steinerungeu, die es hinterlieB, zu ihrer geologischen Beruhmtheit 
verholfen hat. Auch die groBen Basaltausbrilche des 
Westerwaldes, der Rhon, des Vogelsberges stammen 
aus jener Zeit ; sie geben uns Zeugnis von einer Uberaus grofien 
Steigerung der vulkanischen T&tigkeit. In den Siimpfeu mit 
ihren riesigen Urw&ldern lebten das Dinotherium und das 
Mastodon unter einem fast tropischen Klima. Aber 
bald wurde es k&lter; die nordische Eiszeit riickte berau und, 
obwohl die Eismasse unser Gebirg nur am Nordrand direkt 
berbhrte, brachte sie doch ein kaltes, uuwirtliches Klima mit 
sich. Nach dem Mckzug des Eises entwickelte sich in Nord- 
deutschland ein Tundren- und Steppengebiet; Tiere, die 
jetzt in den weiten Steppen Asiens heimisch sind, siedelten sich 

8* 



— 116* — 

neben dem Mammut, dem wollhaarigen Rhinozeros, dem 
Riesenhirsch und anderen gewaltigen TiereD der Eiszeit 
bei UDS an. Mehr und mehr n&hern sich die Verh&Itnisse den 
jetzt herrachenden und anch die ersten sicheren Spuren 
des Menschen beweisen, dafi er zur Diluvialzeit unser 
Gebiet bewobnt hat. Er k&mpfte mit den wilden Tieren; er 
rottete sie aus oder machte sie sich dienstbar und da mit 
tritt die Geologie ihre Stelleals forschende Wissen- 
schaft der ArchHologie und der Geschichte ab. 

Y. Sitzung Yom 26. Noyeinber 1904. 

Vorsitzender: Dr. August Knoblauch. 

Dr. med. Hans Sachs, Assistent am Kgl. Institut flir 
experimentelle Therapie, spricht 

„Uber einige tierische Gifte/ 

Unter den in fast alien Klassen des Tierreichs verbreiteten 
GiftstoSen haben in letzter Zeit besonders diejenigen das In- 
teresse der Forschung in Anspruch genommen, die zu den 
Toxin en gehoren. Es sind dies die Gifte der Schlangen, 
Spinnen, Kr5ten, der Skorpione und einiger Fische. 
Ihnen alien kommt eine Reihe gemeinsamer Eigenschaften zu, 
die fiir die Gruppe der Toxine charakteristisch sind. Was sind 
nun Toxine? Unter der Bezeichnung „ Toxine^ werden Gifte 
tierischen oder pflanzlichen (besonders bakteriellen) Ur- 
sprungs zusammengefafit, die in chemischer Hinsicht so gut 
wie unbekannt sind. Sie sind HuBerst empfindlich gegen gering- 
fUgige physikalische oder chemische EingriSe, besonders gegen 
Erw&rmen, und ausgezeichnet durch eine aufierordentlich hobe 
Giftigkeit, die diejenige der Ubrigen Gifte bei weitem Ubertiifft. 
Von den chemisch bekannten Giften unterscheiden sie sich prin- 
zipiell durch die Fllhigkeit, in dem durch sie vergifteten, aber 
die Vergiftung tiberlebenden Organismus die Bildung von Anti- 
toxin en (Gegengiften) auszuI5sen, die in das Blut gelangen 
und dort als Schutzstoffe kreisen. Die Antitoxine haben nftmlich 
die Fahigkeit, diejenigen Toxine, durch die sie erzeugt sind, in 
spezifischer Weise zu beeinflussen und ihre Giftigkeit aufzuheben. 
Zu jedem Toxin geh5rt ein Antitoxin. Die grSfite 
praktische Bedeatung haben die Antitoxine des Diphtberiegiftes 



^ 117* — 

erlangt, deren denkwUrdige EntdeckuDg durch Emit von 
Be bring der Ausgangspunkt der serum therapeutiscben Bestre- 
bangen geworden ist. Das Dipbtberiebeilseruro stellt nicbts 
anderes dar als die Blutflftssigkeit von Pferden, denen Dipbtberie- 
toxin eingespritzt wurde und die darauf mit der Produktion von 
Antitoxin reagiert baben. Den Mecbanismus der Antitoxin- 
bildnng erkl&rt die von Paul Ebrlicb aufgestellte „Seiten- 
kettentbeorie^. Nacb dieser Tbeorie stellen die Antitoxine 
normale Bestandteile des Zellprotoplasmas dar, die durcb ibre 
cbemiscbe Eigenart befftbigt sind, sicb mit cbemisch verwandten 
Stoffen zu vereinigen. Man nennt sie in einer der Cbemie ent- 
lebnten Ausdrucksweise die ^^Seitenketten'^ des Protoplasmas. 
Die Seitenketten dienen im normalen Leben pbysiologiscben 
Fanktionen, insbesondere der N&brstoffaafnabme, und vermitteln 
durcb eine zuf&llige, fUr den Organismus verb&ngnisvolle cbemiscbe 
Verwandtscbaft zu einer Atomgruppe des GiftmolekiUs die Gif t- 
bindung und Giftwirkung. Durcb die stattgebabte Bindung des 
Giftes sind sie aber aufierFunktion gesetzt; durcb den Funkt ions- 
verlnst wird ibre Regeneration und Uberregeneration 
(Weigert) veranlaBt, die eine scbliefilicbe Abstofiung der Uber- 
m&Big erzeugten Seitenketten in die Blutbabn zur Folge bat. 
Die nun im Blute befindlicben Seitenketten sind die Anti- 
toxine, die Scbutzstoffe des Blutes. Durcb ibre cbemiscbe 
Verwandtscbaft zum Gifte fangen sie dieses scbon in der Blut- 
babn ab und lassen es gar nicbt an die Zelle berantreten. 

Die tieriscbenToxine baben nun die erwd^bnten Eigen- 
scbaften mit der ganzen Gruppe der Toxine gemein. Was ibre 
Erforscbung in letzter Zeit sebr gefordert bat, ist der Umstand, 
dafi sie aucb Blutgifte sind, deren Wirkungen man im Keagens- 
glas studieren kann, obne den komplizierten lebenden Tierkorper 
als Indikator zu benutzen. Man nimmt die zu untersucbende 
Zellspezies, in nnserem Falle also das Blut, aus dem lebenden 
Organismus beraus und unterwirft sie im Reagensglas der Ein- 
wirkung des Giftes. Die Zellen des Blutes sind ftir derartige 
Untersucbungen besonders geeignet, weil man bei ibnen die 
Zellscb&digungen &u£erst leicbt erkennen kann. 

Die toxinartigen Gifte tiben besonders zwei markante 
Wirkungen auf das Blut aus. Sie k5nnen die Blutzellen zu 
grdfieren Hanfen zusammenkleben — man bezeicbnet diesen 



^ 118* — 

Vorgang als Agglutination — oder aber sie toten die Blat- 
zellen ab and der eingetretene Zelltod dokumentiert sich bei 
den roten Blutkorperchen in besonders auffd.IIiger Weise durch 
den Vorgang der H&molyse. Das abgestorbene Protoplasma 
wird n&mlicb fiir den von ihm eingeschlossenen roten Blutfarb- 
stoff, das Hamoglobin, darchlSlssig. Das H&moglobin diffundiert 
hindurch und 15st sich in der die Zellen umgebenden FlUssigkeit 
mit durchsichtig roter Farbe. Das vorher „deckfarbene* Blut 
ist ^lackfarben^ geworden. Das Lackfarbenwerden des Blntes 
(die H^molyse) kann also direkt als Indikator fur den einge- 
tretenen Zelltod gelten. 

Zu den in dieser Weise als Blntgifte wirkeuden tierischen 
Toxinen gehort zunHchst das Gift einiger Spinnen. Wabres 
und Falscbes ging gerade auf diesem Gebiet im Volksglanben 
und in der Wissenschaft vielfach durcbeinander. In der Yolks- 
meinung bat besonders die in Stiditalien einheimische Tarantel 
immer als sehr gef^hrlich gegolten. Tats&chlich erzeugt der 
Tarantelbifi nur eine geringfiigige EntzUndung an der Bifi- 
stelle, ohne daB allgemeine Krankheitserscheinungen auftreten. 
Die Erscheinungen der Tanzwut, des Tarantismus, haben aller- 
dings im Mittelalter im groBten Umfange bestanden. Nur sind 
sie nicht als Folge des Tarantelbisses anzusehen, sondern gelten 
heute als der Ausdruck einer nerv5sen tlberreiztheit der Be- 
v5lkerung, die durch geringfiigige Hufiere Anl&sse wie den Bifi 
einer Spinne eine Art von Nervenkrankheit verursachte, die sich 
gleichsam epidemisch verbreitete. Als wirkliche Gift spinnen 
scheinen nur zwei Gattungen in Betracht zu kommen, die Gat- 
tung Laihrodektes und die Gattung Epeira, Die wichtigsten 
Vertreter der Gattung Laihrodektes sind die italienische 
Malmignatte (L. iredecimgutiaius) und die in Sildrufiland and 
Asien vorkommende Karakurte (L. erebtis). Besonders sollen 
die russischen Spinnen nicht nur kleinere Tiere sondern auch 
Pferde, Kamele und Kinder t5ten konnen. Selbst ttber Todesf&Ue 
beim Menschen mvA berichtet. Der wirksame Giftbestandteil 
ist ein echtes Toxin. Ein ganz analoges Toxin enthUt unsere 
gewohnliche Kreuzspinne (Epeira di<uiema). In diesem Fall 
hat also der alte Volksglaube an die Giftigkeit der Kreuzspinne 
mehr Berechtiguug, als man gelten lassen wollte. AUerdings 
ist die Kreuzspinne durch ihre schwachen Bifiwerkzeoge and 



— 119* — 

darch den Umstand, dafi sie nor wenig oder nichts yon dem 
in der Leibessnbstanz enthaltenen Gifte beim BiB von sich gibt, 
fttr den Menschen wenig gef&hrlich. Kinder soil man aber 
jedenfalls, wie Kobert meint, vor dem Anfassen der Ereuz- 
spinnen wegen der leichteren Verletzbarkeit der Hant warnen. 
Das Spinnengift ist ein Blntgift von ganz an£erordentIicher 
Wirksamkeit. Es bewirkt schon in den geringsten Mengen 
H&molyse. So enth&lt eine einzige Ereazspinne im Gewicht 
von etwa IVi Gramm genttgend Gift, am 2Vi Liter Blat voll- 
st&ndig zu zerst5ren. Das Erenzspinnengift (Arachnolysin) 
wirkt aber nicht anf alle Blutarten in gleicher Weise ein. Die 
Blutzellen der verschieden Tierspezies differieren anfierordentlich 
in ihrer Empflndlichkeit. Einige Blatarten erweisen sich Uber- 
haupt vollst&ndig resistent; sie sind immnn gegenttber dem 
Erenzspinnengift. AIs Ursache dieser Giftresistenz hat sich 
heraosgestellt, daB diese Blutarten das Gift gar nicht aufzn- 
nehmen verm5gen, so dafi letzterem gar keine Gelegenheit 
gegeben wird, seine Wirkung zu entfalten. Es fehlen diesen 
Zellen die giftverankemden Seitenketten, die die giftempfind- 
lichen Zellen eben besitzen. Der Mangel an geeigneten Seiten- 
ketten kann also eine natttrliche Immunit&t (Gif tf estigkeit) 
bedingen. Das Vorbandensein der Seitenketten und damit die 
Giftempflndlichkeit kann auch bei derselben Tierspezies je nach 
dem Lebensalter verschieden sein. So sind die Blutzellen ganz 
junger Hahner resistent gegenilber dem Erenzspinnengift and 
erst die w&hrend des Lebens gebildeten Blutzellen erlangen 
allm&hlich ihre hochgradige Empflndlichkeit. 

Ein verschiedenes Veriialten der einzelnen Blutarten hat sich 
auch gegenUber den Schlangengiften erweisen lassen. 
Jedoch hat sich herausgestellt, dafi es sich hierbei nur urn 
scheinbare DiSerenzen der Empflndlichkeit handelt. In den 
Schlangengiften mufi man vier von einander unabhilngige Gift- 
komponenten unterscheiden : 

1. das Neurotoxin, das anf die Zellen des Gehirns wirkt 
und den Tod der Tiere herbeiftihrt, 

2. das H&morrhagin, das Risse in den W&nden der Blut- 
gef&fie und starke EntzUndungsreize an der Bifistelle 
verursacht, 

3. das Hikmagglutinin, das die Blutzellen agglutiniert, und 



- 120* - 

4. das Hg,inolysin, das die L5sang der roten Blatkdrper- 
Chen bewirkt. 

All diese GiftkomponenteD sind Toxine; man kann mit 
dem Gifte immunisieren, d. h. man erh&lt ein wirksames Anti- 
toxin. Das Schlangengiftantitoxin ist bei der grofien 
Verbreitung der Giftscblangen als wirksamstes G^enmittel zn 
praktischer Bedeutung gelangt. Man hat das zuerst von 
Calmette hergestellte Heilser um, das ^Antiyenin*', besonders 
in Indien, wo die Brillenschlange {Cobra, Naja iripudians) eine 
so verheerende Rolle spielt, vielfach angewendet. 

Besonders interessante AafschlUsse baben die Unter- 
suchungen der letzten Jahre fiber die Wirkung des Schlangen- 
giftes auf das Blut gebracht. Die Wirkang des Schlangengiftes 
auf das Blut hat aber mit der t5dlichen Wirkang des Schlangen- 
bisses nicbts zu tun. Die schweren Krankheitserscheinungen 
und der Tod werden durch andere Giftbestandteile, besonders 
durch das Nervengift verursacht. Man mufi also die Giftigkeit 
im Tierk5rper und die giftige Einwirkung auf das Blut streng 
auseinanderhalten. Es hat sich gezeigt, dafi die Blutzellen nur 
einiger Tierarten durch das Schlangengif t gelSst werden, w&hrend 
bei den meisten Blutarten die Hllmolyse ausbleibt. Als Ursache 
dieser Di&erenz haben sich ganz eigentfimliche Verhftltnisse 
ergeben. Es hat sich n&mlich gezeigt, daB das Schlangengif t 
an und fttr sich fiberhaupt nicht die roten Blutzellen zu zer- 
st5ren vermag. Es ist, so wie es die Natur liefert, eine un- 
wirksame Substanz, die erst durch eine Art von Aktivierung 
zum Blutgifte wird. Der aktivierende, die h&molytische Wirkang 
des Schlangengif ts bedingende StofE ist das Lecithin. Das 
Lecithin ist ein komplizierter, phosphorhaltiger chemischer E5r- 
per, der im Pflanzen- und Tierreich weit verbreitet vorkommt. 
Dieses weit verbreitete Vorkommen des Lecithins spricht schon 
ffir seine hohe pbysiologische Bedeutung. Und in der Tat wird 
dem Lecithin zum Aufbau der phosphorhaltigen Zellsubstanzen 
fur die Entwickelung und das Wachstum der lebenden Organis- 
men eine bedeutungs voile Rolle allgemein zugesprochen. Das 
Lecithin ist nun zwar, wie die chemische Analyse gezeigt hat, 
in den Zellen aller Blutarten in gleicher Weise yorhanden. 
Jedoch kommt es in der Kegel nicht f rei yor, sondern in mehr 
Oder weniger lockerer Verbindung mit anderen Stoffen, dem 



-- 121* — 

Eiweifi, H&moglobin u. s. w. Aber die Festigkeit der Bindung 
schwankt bei den einzelnen Blatarten. Bei manchen ist sie so 
gering, dafi das Lecithin ffir das Schlangengift ohne weiteres 
zur VerfUgung steht; das Schlangengift kann das Lecithin an 
sich reiBen und wird dadurch zum BIntgift. Bei anderen Blut- 
arten ist das Lecithin so fest in der Zelle gebunden, dafi es fiir 
das Schlangengift nicht disponibel ist, und diese Blntarten er- 
weisen sich eben scheinbar resistent. In Wirklichkeit aber unter- 
liegt jedes Blut in der gleichen Weise dem Schlangengift, wenn 
man nur in den F&Uen, in denen das in der Zelle befindliche 
Lecithin nicht verftigbar ist, dem Schlangengift etwas Lecithin 
hinzof&gt. Dorch diese merkwurdige Beziehung des Lecithins 
zum Schlangengift ist auch eine Gelegenheit geboten, das Leci- 
thin in den Geweben auf diese neue Weise zu untersuchen, die 
fiber die Art der chemischen Bindung dieser physiologisch wich- 
tigen Substanz im Organismus Auskunft geben kann. So hat 
sich bereits erweisen lassen, dafi in bezug auf die Empfindlich- 
keit des Blutes gegenttber dem Schlangengift auch bei derselben 
Spezies je nach dem Lebensalter Unterschiede bestehen. Das 
Blut des Rinderf5tus wird durch Schlangengift an und fUr sich 
gel5st, w&hrend das Rinderblut nach der Geburt bereits un- 
empfindlich geworden und erst mit Hilfe des Lecithinzusatzes 
durch Schlangengift angreifbar ist. Das Lecithin mufi also w^h- 
rend des f5talen Lebens in den Blutzellen lockerer gebunden 
und leichter disponibel sein als im Blute Erwachsener. Und 
diese Differenz des f5talen LecithinstofEwechsels entspricht yolU 
st&ndig der Bedeutung des Lecithins als Aufbaumittel fiir das 
Wachstum des K5rpers. Fttr diese Aufgabe mufi es eben in 
der Periode schnelleren Wachstums durch eine lockere Bindung 
besser gerttstet sein. 

Es ist auch gelungen, die Verbindung, zu der sich Schlangen- 
gift und Lecithin vereinigen, das sogenannte Schlangengift- 
lecithid, darznstellen. Die neu erhaltene Substanz unter- 
scheidet sich sowohl yom Schlangengift als auch vom Lecithin 
durch charakteristische chemische Eigenschaften. Da sie im 
Gegensatz zum Schlangengift in Chloroform loslich ist, kann 
man sie aus der wasserigen Giftl5sung getrennt erhalten. Die 
Giftl58ung hat dann ihre Eigenschaft als Blutgift verloren, be- 
hUt aber ihre auf dem Vorhandensein des Nervengiftes beruhende 



— 122* — 

F&higkeit, Tiere zu tSten. Man gelangt also anf diese Weise 
aach zar Trennung der beiden GiftkomponeDten. 

Die Erscheinang, dafi durch das Zosammenwirken zweier 
an sich ungiftiger Sabstanzen erst ein eigentliches Gift entsteht, 
ist in der Natur weit verbreitet. Ebenso wie das Schlangengift 
verh&lt sich aach das Skorpionengift, das als Blutgif t gleich- 
falls erst durch Lecithin zar Wirkung gelangt. 

Dann aber ist ein analoger zweiteiliger Ban charakteristisch 
fUr eine grofie Gmppe von Giften, die im Tierreich allgemein 
verbreitet yorkommen und denen eine groBe praktische Bedeu- 
tung zakommt. Es sind die zellt5tenden Substanzen des Blut- 
seraras, die sowohl auf K5rperzellen anderer Art als aach anf 
Bakterien giftig wirken. Da man solche F&higkeiten im Blut- 
serum der Tiere dnrch Immanisiernng mit Bakterien gegen diese 
gef&hrlichen Zerst5rer des Lebens kttnstlich hervorrufen kann, 
so stehen sie in der Serumforschang im Vordergrund des Inter- 
esses. Sie werden schon jetzt vielfach als wirksame Stoffe gewisser 
Heilsera verwandt and anf sie grilnden sich weitere Hoff- 
nungen anf eine erfolgreiche Bek&mpfnng der Infek- 
tionskrankheiten. 

TI. SItzang vom 3. Bezember 1904. 

Vorsitzender : Dr. Angast Knoblaach. 

Der Vorsitzende begrilBt zan&chst mit herzlichen Worten 
das korrespondierende Mitglied Prof. Dr. Max Verworn aus 
G5ttingen, dessen ausgezeichnete Arbeit ,Die Bewegang der 
lebendigen Substanz** am 7. April 1893 mit dem S5mmerring- 
preis gekr5nt worden ist. 

Hieranf halt Prof. Verworn einen hochinteressanten, 
von den zahlreichen Zuhorern mit lebhaftem Beifall aafgenom- 
menen Vortrag: 

^Physiologie des Schlafes^. 

Nach einem karzen Uberblick iiber die yerschiedenen 
Theorien des Schlafes, wie sie in der Wissenscbaft ge- 
SluBert worden sind, er5rtert der Vortragende zan&cbst die 
Frage, welche Telle desKSrpers am Schlafe beteiligt 
sind. Die Maskeln and andere Organe ohne Aatomatie, die 
w&hrend des Schlafes rnhen, schlafen nnr sekundftr; prim&r 



— 123* - 

dagegen schl&ft das Nervensystem, das ihre T&tigkeit und 
Robe beberrscht. Aber aucb im Nervensystem scblafen nur 
bestimmte Gebiete, speziell dieGrofibirnrinde. Diese mttssen 
wir nach pbysiologiscben und patbologiscben Erfabrungen am 
Menscben als denjenigen Teil des Nervensystems auffassen, mit 
dem die Bewafitseinserscbeinangen in engerer Beziehung stehen. 
Der Scblaf aber ist cbarakterisiert durcb das Er- 
loscben der Bewufitseinsfunktionen. Fragen wir 
weiter, welcbe Elemente der GroBbirnrinde speziell an den 
BewuBtseinserscbeinungen beteiligt sind, ob Ganglienzellen oder 
Nervenfibrillen, so milssen wir im Gegensatz zu der nenerdings 
ge&aBerten Ansicbt, die die Nervenfasern bierfiir in Ansprucb 
nebmen will, an der bisberigen, durcb die Untersucbung der 
Ermttdnngserscbeinungen und durcb andere Erfabrungen gut 
begrilndeten Anscbauung festhalten, daB die spezifiscb nerv5sen 
Prozesse, durcb die das BewuBtsein bedingt ist, sicb in den 
Ganglienzellen selbst abspielen. Studien ttber die Vorg&nge 
in den Ganglienzellen baben ergeben, daB die BewuBtseins- 
erscbeinungen nur rait dissimilatoriscb erregenden 
Reizwirkungen verknUpft sind, daB alle anderen Prozesse 
in der Ganglienzelle wie die L&bmungen, Hemmungen, Narkose- 
znst&nde u.s.w. nicbt durcb die Nervenfasern von einer Ganglien- 
zelle zu anderen geleitet werden. Eine solcbe Leitung der 
Erregungen ist aber n5tig um die Ganglienzellen der verscbie- 
denen Rindengebiete mit einander assoziativ zu verknUpfen und 
damit die Bedingung fttr die Bildung von Vorstellungs- 
und Gedankenreihen berzustellen. Dissimilatoriscb er- 
regende Reize, wie sie w&brend des Wacbzustandes am Tage 
durcb die Sinnesorgane andauernd auf die Ganglienzellen 
einwirken, ermilden und erscb5pfen aber die Ganglienzellen und 
setzen damit ibre Erregbarkeit berab. Das ist das eine 
Moment, das bei der Entstebung des Scblafes in 
Betracbt kommt. Das andere, das nocb wicbtiger speziell 
ffir die Bestimmung des Zeitpunktes des Einschlafens ist, liegt 
in der Ausscbaltung der Sinnesreize. Infolge dieses 
Vorganges, der durcb einen Akt der SelbstreguUerung im K5rper 
ausg^lOst wird, sinkt die dissimilatorische Erregung in den 
Ganglienzellen in kurzer Zeit stark ab und nun beginnt nacb 
dem allgemeinen Gesetz der inneren Selbststeuerung 



— 124* — 

des Stoff- und Energiewechsels der lebendigen 
Substanz durch Uberwiegen der Assimilation die ErhoIuDg 
der Ganglienzellen. Damit steigt die Erregbarkeit allm&hlich 
in den Ganglienzellen wieder an bis zum Erwachen. Der Schlaf 
ist also am tiefsten unmittelbar nach dem Einscblafen nnd am 
flachsten gegen Morgen. Mit der Narkose hat der Schlaf 
nichts za tun; beide sind zwar mit BewuBtlosigkeit verknttpft; 
aber der Schlaf bedeutet Erholung, die Narkose L&hmung. Die 
Traume repr&sentieren partielle WachzustS^nde der GroBhirn- 
rinde, die durch ftufiere Reize oder durch langsames Abklingen 
der Erregung in ihren Ganglienzellen bedingt sind. Eine fiber- 
natfirliche Wahrkraft kommt den Tr&umen selbstverst&ndlich 
nicht zu. 

yn. Sitzung Yom 10. Dezember 1904. 

Vorsitzender : Dr. August Knoblauch. 

Dr. Eugen Albrecht, Direktor des Dr. Senckenbergi- 
schen pathologisch-anatomischen Instituts, spricht fiber: 

^Ziele und Wege der Entwickelungsmecbanik^. 

Der Vortragende definiert die Entwickelungsmecbanik als 
die Forschung nach den Gesetzen und Ursacben der organischen 
Formbildung , insbesondere der Keimesentwickelung. 
Haupts&chliche Methode ist das Experiment, daneben die 
Untersuchung der von der Natur selbst in Form von Abarten 
und Mifibildungen angestellten ^Experimente**, der Ergebnisse 
ktinstlicher Zfichtung sowie der von der vergleichenden 
Anatomic und von der Pal&ontologie beigebrachten Tat- 
sachen. An der Hand eines summarischen tlberblickes fiber den 
Lauf der Keimentwickelung werden die Hauptaufgaben der 
Entwickelungsmecbanik kurz erlSlutert und eine Anzahl ihrer 
bisherigen Ergebnisse besprochen. 

Vor allem wichtig ist die Trennung der &ufieren von 
den inneren Ursachen der Entwickelung. Die ersteren 
wie Temperatur, Licht, chemische BeschafEenheit der Umgebung, 
Schwerkraft u. s. w. verm5gen zwar tiefgehende Unterschiede 
der Entwickelung zu erzeugen; aber sie stellen doch in der 
Hauptsache nur Bedingungen oder Reize dar, unter deren Ein- 
wirkungen das verwickelte Spiel der inneren Ursachen verschie- 



— 125* — 

dene Richtangen einscblagt. So wirken Wtlrme, blaue Strahlen- 
arten and gewisse chemische StoSe wachstunif5rdernd; 
K&lte wirkt he mm end; darch entsprecliende Temperatur- 
beeinflussang lassen sich z. B. aas Schmetterlingspuppen 
die Formen siidlichen und ndrdlichen Elimas, primitivere Formen 
a. s. w. von Schmetterlingen erzielen, deren abgeanderte Zeich- 
nung sich zum Teil aach bei Anfhebung der abnormen Be- 
dingungen auf die n^chste Generation vererbt. Eine ^erbliche 
tJbertragbarkeit*' wenigstens Yon gewissen chemisch bedingten 
Grundrichtungen der Entwickelnng ist durch diese und &hn1iche, 
z. B. durch FUtterungsversuche an Raupen erwiesen. 
Wahrscheinlich handelt es sich hierbei aber um direkte Beein- 
flussung der Eeimzellen im Sinne „chemischer Umstimmung*^ 
durch die ftufieren Einflttsse, nicht um eine Wirkung bestimmter 
Organyer&nderungen auf bestimmte, entsprechende Telle der 
Keimzelle. 

Bei Besprechung der innerenUrsachen wird besonders 
die Bedeutung der m&nnlichen and weiblichen Keimzelle fUr die 
Entwickelnng und die Eigenschaften des werdenden Eeimes, die 
F&higkeit der einzelnen Abschnitte der befruchteten Eizelle und 
der ersten Teilungsstadien in ihren Grundzfigen er5rtert, und 
es wird die Entstehung einzehier Abnormit£tten , Mifibildungen 
und Geschwulstbildungen gedeutet. FUr den weiteren Verlauf 
der Entwickelung ist von besonderem Belang die Untersuchung 
der gegenseitigen Abhilngigkeit bezw. SelbstHndigkeit der ein- 
zelnen organbildenden Zellgruppen und des oft tiberraschend 
grofien Umbildungs- und Anpassung8verm5gens der embryo- 
nalen Zellen. 

Im Anschlusse an eine kurze Besprechung einzelner beson- 
ders merkwiirdiger Regenerations^- und Reparations- 
vorg&nge, die von einzelnen Forschern als Ausgang ftir einen 
neuen Vitalismus und eine neue Teleologie des Orga- 
nise hen genommen werden, charakterisiert der Vortragende die 
Aufgaben und Grenzen der Biologie aberhaupt. Neo- 
vitalismus and Teleologie sind nur Neuentdeckun- 
gen der uralten Wahrheit, daB uns der letzteGrund 
und die Zweckm&Bigkeit des Organischen unerkltlr- 
bar sind und bleiben milssen. Unsere biologische Aufgabe 
kann nur die Feststellang aller auffindbaren GesetzmUBig- 



— 126* — 

keiten und ihre Zarttckftihrang aaf allgemeinere Gesetzlich- 
keiten sein. Wie weit hier eine Rtickftihrung des Organischen 
auf Anorganisches moglich sein wird, ist eine Frage an die 
Zukunf t, die heute weder durch ein mechanistisches noch dorch 
ein vitalistisches Dogma entschieden werden kann. 

Tin. Sitznng vom 7. Janoar 1905. 

Vorsitzender : Dr. Augast Jassoy. 

Der Vorsitzende heifit die zahlreich erschienenen Mitglieder 
zum Jahresbeginn willkommen und gibt der Hoffnung Aosdruck, 
dafi sie das so stark gewachsene Interesse an der Oesellschaft 
aach weiterhiu bet^tigen mochten. An Stelle des satzungsgem&B 
ausgeschiedenen ersten Direktors Dr. A. Knoblaach ist fttr die 
Jahre 1905 and 1906 Dr. A. Jassoy getreten, an Stelle des 
ei*sten SekretS^rs Dr. J. Guide, dessen Amtszeit gleichfalls ab* 
gelauf en war, Bankier W. M e 1 b e r. Der Vorsitzende dankt den 
ausgeschiedenen Herren ftir ihre erfolgreiche MUhewaltung und 
konstatiert, dafi die Gesellschaft unter der letzten 
Direktion einer ganz ungeahnten Biate entgegen- 
geftihrt wurde, diesichineinemgroSenMitgliederzuwachs, 
einer starken Vermehrung der Sammlungen, in dem all- 
seitig befriedigenden Abkommen mit der Dr. Senckenbergi- 
schen Stiftung und den st&dtischen Beh5rden wie in 
der raschen Inangriffnahme und Aufftihrung des dringend not- 
wendig gewordenen Museumsneubaues dokumentiert hat. 

Hierauf halt Dr. Fritz Romer, der Kustos des Museums, 
einen mit grofiem Beif all auf genommenen Vortrag : 

„£iniges aus der Schausammlung des neuen 

Museums/ 

In den letzten Jahren ist in den Berichten und Reden der 
Gesellschaft so oft von dem neuen Museum und dessen Schau- 
sammlung gesprochen worden, dafi es nunmehr angebracht er- 
scheint, einiges aus der neuen Schausammlung vorzuf&hren und 
zu berichten, wie sie werden soil und was sie bezweckt. 

Der Begriff „Schausammlung'^ ist noch nicht sehr alt; 
denn unsere grdfiten deutscheu naturhistorischen Museen in 
Berlin und Hamburg haben eine eigentliche Schausammlung erst 



— 127* — 

seit etwa 20 Jabren. Die meisten deutschen Maseen sind zu 
Anfang des vorigen Jahrhunderts oder wenig frtther gegi*undet 
worden in einer Zeit, als Deutschland arm war. Die Mittel fUr 
die Mnseen waren knapp and Stellnngen fUr Berufszoologen 
gab es nicht viele. Das Seisen war anfierordentlich schwierig 
und kostspielig ; die Handelsbeziehangen zu ttberseeischen Lllndern 
fehlten noch und somit gab es fUr die Museen wenig Gelegen- 
heiten, Material zu erhalten. Meist waren die Museen froh, 
wenn sie aberhaupt irgend etwas zum Aufstellen in den Schau- 
schr&nken erwerben konnten, and es ergab sich von selbst, da£ 
alles ausgestopf t, montiert und zu Schaustucken yerarbeitet wurde. 

Mit dem gewaltigen Aufschwung, den Deutschland 1870 
genommen, mehrten sich mit dem zunehmenden Wohlstand nicht 
nur die Mittel sondern auch das Interesse an den Wissenschaf ten, 
speziell an der Naturwissenschaft. Die groBe Zahl der Handels- 
and Kriegsschiffe gibt jd.hrlich Tausenden Gelegenheit, in die 
weite Welt zu ziehen; zahlreiche Reichsbeamte schlagen im 
Auslande ihren Wohnsitz auf, und unsere Eolonien fUhren all- 
j&hrlich viele junge Leute in die Pracht der Tropen und bringen 
sie in uamittelbare Berfthrung mit einer herrlichen Natur. Das 
Deutsche Beich rlistete mehrfach Expeditionen aus; Privatleute 
untemahmen aus eigenen Mitteln wissenschaftliche Beisen und, 
seitdem Anton Dohrn im Jahre 1871 die zoologische Station 
in Neapel gegrUndet hat, sind nach ihrem Vorbild an den E&sten 
Europas allein liber dreifiig zoologische Stationen entstanden. 

AUe diese Umst&nde gaben Veranlassung und Gelegenheit, 
f&r die Museen zu arbeiten und zu sammeln. Dazu mehrten 
sich noch in Deutschland die Museumszoologen wie die Privat- 
zoologen, die die Eingange aus den fremden Landern bestimmten, 
die neuen Arten mit dem Namen des Sammlers benannten und 
damit immer wiedemm zu neuen Beobachtungen und zu neuen 
Sammlungen anregten. So ist ja auch die Reptiliensammlung 
des Senckenbergischen Museums, die viele Hunderte von Originalen 
and Typen enth&lt, in der Hauptsache dadurch zustande ge- 
kommen, daB Prof. Dr. 0. Boettger, der Verwalter der Samm- 
lang,die zahlreichen Frankfurter, die im Auslande leben, viele deut- 
sche Konsuln u. a. zum Sammeln anzuregen und anzuleiten wuBte. 

So wuchsen in den achtziger und neunziger Jahren alle 
Museumssammlungen rapid an und es machte sich sehr bald 



— 128* — 

Platzmangel geltend. Zu diesen aoBeren Qrttnden fUr dieVer- 
mehrang kamen noch ^wissenschaftliche*', die ebenso ein 
Anstaaen des Materiales bedingten. Die Systematik bat sich 
in den letzten Jahrzehnten ungemein yertieft. Nach Linne 
hielten wir die Tierarten f Qr feststehende, wohl charakterisierte 
nnd seharf von einander unterschiedene Einheiten. Bei dieser 
Anffassung gentlgten wenige Vertreter einer Art; die Ubrigen 
Exemplare warden als Dubletten an andere Mnseen abgegeben 
und aaf Angabe der Fondorte legte man keinen Wert. Seit 
Darwin and H a e c k e 1 haben wir nns die Arten aber vorza- 
stellen als einige wenige ans bekannte Brachstticke eines 
einzigen zasammenhllngenden Reiches. Wenn wir alle Formen 
kennen wUrden, die existieren and frtiher existiert haben, also 
alle lebenden and aasgestorbenen Tiere, dann wftrden 
Artgrenzen nicht vorhanden sein. Jede einzelne Form wttrde 
ohne scharfe Grenze in die andere ttbergehen and jede Grappe 
einen liickenlosen, reichverzweigten Stammbaum bilden, in dem 
natfirliche scharfe Abgrenznngen nicht vorhanden sind. 

Mit dieser Erkenntnis warde die so oft verachtete, trockene 
Systematik zu einer tieferen stammesgeschichtlicben For- 
schnng, ans der ^beschreibenden*' Natnrwissenschaft wurde 
eine ,,erkennende*^. Dieses Eindringen basiert aber anf einem 
groBeren Material and macht immer wieder neaes Material not- 
wendig. Es erfordert aber aach ein sorgf&ltig gesammeltes 
Material mit genanester Fnndortsangabe, da manche Arten an 
bestimmten Orten eine besondere Form oder F&rbnng annehmen 
and zn ^Lokalformen*" werden kSnnen. Um das zn ent- 
scheiden, sind recht viele Vertreter einer Art von mdglichst 
vielen Lokalitaten notwendig. So verlangen die Eoncbologen 
von jeder Schneckenai*t ein ganzes Kastchen voU Exemplare 
and die Spezialkollegen, die sich mit der Systematik der Hom- 
meln befassen, bei denen die Varialionsbreite der Art aofier- 
ordentlich groB ist, legen ftir jede Ait einen besonderen Kasten 
an and halten ihre Sammlang nicht fiir reichhaltig, wenn nicht 
jede Art mit wenigstens hnndert Exemplaren vertreten ist. Ffir 
eine wissenschaftliche Vogelsammlang genttgt es nicht, von jeder 
Art MUnnchen and Weibchen za besitzen, sondern diese mOssen 
ebenso wie die Jungen im Sommerkleid, Winterkleid, Hochzeits- 
kleid and in alien UbergaugsfHrbnngen vorhanden sein. 



— 129* — 

Solche amfangreicben Sammlungen lassen sich nicht mehr 
in der frfther fiblichen, breiten Weise aufstellen; sie zwingen 
die Mnseen, eine Trennung einzaf fihren zwischen einer S c h a a - 
sammlang and einer wissenschaftlichen Sammlang, 
znmal anch solche Reihen yon Tieren bei dem gr5fieren Publikum, 
das die Mnseen in den knrzen Besnchszeiten besichtigt, Er- 
mftdung hevorrnfen nnd ein tieferes Eindringen unm5glich 
machen w&rden. Solche ansgedehnten Sammlnngen verftthren 
leicht zn einer oberfl&chlichen Betrachtung und zn flUchtigem 
Vorbeigehen. Die Schansammlnng darf daher nicht zn grofi 
sein; sie soil nnr einen Anszng ans dem Tierreich darstellen, 
es soUen nnr die wichtigsten Tierarten, besonders hervorragende, 
sch&dliche oder n&tzliche n. s. w. Vertreter znr Anschannng ge- 
bracht werden. Diese wenigen Exemplare sind aber in modernen 
Qlasschr&nken in ttbersichtlicher Weise, wom5g]ich mit bio- 
logischer Umgebnng, mit Nestem, Eiem, Jnngen n. s. w. anfzn- 
stellen. Besonderer Wert mnfi anf eine klare nnd knrze 
Etikettiemng gelegt werden, die neben dem wissenschaftlichen 
anch den dentschen Namen enth&lt, wo ein solcher vorhanden 
ist. Znr leicht faBlichen Darstellung der Verbreitnng der 
Tiere dienen kleine K&rtchen mit der Umrifizeichnnng der Erde, 
anf denen das Verbreitnngsgebiet mit roter Farbe eingetragen ist. 

Das ganze groBe Material wird dann in den h5heren 
Stockwerken des Mnsenms in dichtere, magazinartige Anfstellnng 
als wissenschaftliche Sammlnng vereinigt und dient zu speziellen 
Forschnngszwecken. Diese Magazine sind fbr gewShnlich dem 
gr5Seren Pnbliknm nicht ge5Suet, kSnnen aber natUrlich von 
jedem, der sich dafttr interessiert oder der darin arbeiten will, 
benfitzt werden. 

Ein anderes Prinzip ist fUr die Sammlnng der ein- 
heimischen Tiere, die sog. ^Lokalsammlung** eingeftihrt 
worden. Hier sollen m5glichst alle in der n^heren Umgegend 
oder in Dentschland vorkommenden Arten ausgestellt sein, wenn 
dieses Ziel anch bei den niederen Tieren, bei dem grofien Heer 
der Insekten, niemals zn erreichen ist. Die Lokalsammlung 
nnseres Mnsenms, die vor 25 Jahren yon unserem Konservator 
Adam Koch gegr&ndet wnrde and anderen Mnseen als Mnster 
gedient hat, enth&lt in den S&ngetieren und V5geln schon 
recht interessante Vertreter nnd viele hftbsche biologische 

9 



— lao* — 

Grappen. Aber selbst das Sammeln einheimischer Tiere erfordert 
groBe 2ieitrdrame, da die meisten Stticke Gelegenheitsfande sind. 
Noch viel mehr gilt dies fDr die marinen und exotischen Tiere, 
deren Erwerbung von dem Zafall und dem GlUck abfa&ngt. 

Von den Krebsen hat das Museum in den letzten Jahren 
durch ein Zusammenwirken mancher glUcklichen Umst&nde eine 
Menge von sch&nen Schaustticken erhalten und deshalb werden 
vom Vortragenden auch die Krebse fUr die heutige Schaustellung 
gew&hlt und als Musterbeispiele fiir Schaustttcke vorgefUhrt. 
Ein prachtiger Hummer aus Helgoland, den das Museum der 
Gtite des Herrn Moritz Oppenheim verdankt, und ein Pr&- 
parat yon einer abgelegten Hummerhaut geben dem Vortragenden 
Veranlassung, ausfiihrliclier Uber den Hummer und Hummerfang, 
uber seine Fortpflanzung und Entwickelung, von der noch recht 
wenig bekannt ist, zu sprechen und darzulegen, wieviel aus 
der Geschichte eines solchen Tieres auf den den Pr&paraten bei- 
gegebenen ErkUlrungskarten gesagt werden kann. Vom Taschen- 
krebs, der in den Nordseestadten einen st&ndigeu Marktartikel 
bildet, von der Meerspinne, Maja squinado^ die in den Hafen- 
st&dten des Mittelmeeres das ganze Jahr fiber als Volksnahrung 
zum Verkaufe angeboten wird, von der nordischen Seekrabbe, 
besonders aber vom japanischen Inselkrebs, Macrocheira kaem- 
pferi, der mit 1,60 Meter langen Scherenbeinen fiber 3 Meter 
klaftert, sind herrliche Schaustficke in vorzfiglicher Montierung 
ausgestellt und geben einen kleinen Einblick, wie es in der 
Schausammlung des neuen Museums aussehen wird. M&chtige 
Schaustficke, wie sie kaum in anderen Museen zu flnden sind, 
pr&sentiert die Gruppe der Rankenkrebse, der EInten- 
muscheln, die an Balken und allerlei schwimmenden Gegen- 
stilnden angewachsen sind und von den Stromungen in alle 
Meeresteile fortgefuhrt werden. Solche Stficke sind natfirlich 
Seltenheiten und konnen nur im Laufe der Jahre zusammen- 
kommen. 

Eine andere Methode, die Schausammlung des Museums 
durch schoue Prtlparate zu bereichern, besteht darin, dafi das 
Museum selbst Sammelreisen ausrfistet Die Sencken- 
bergische Naturforschende Gesellschaft ist in dem 
glficklichen Besitz der Ruppell-Stiftung, aus deren Zinsen 
ausscbliefilich solche wissenschaftUchen Beisen veranstaltet werden 



— 131* — 

sollen; sie yerf&gt aufierdem iiber die von Reinach- 
Stif tiing, deren ErtrHgnisse ebenfalls wiederholt zu Sammel- 
reisen yerwandt worden sind. 1902 berichtete Dr. F. R5mer 
fiber seine f&r das Mnsenm nnternommene Reise an die Adria 
ond ftthrte die Ausbeute in einer groBen Schanstellnng yor. 
1903 nnternahm Dr. Stromer-yon Reichenbach ans MUn- 
chen im Anftrage der Gesellschaft eine geologisch-paltlonto- 
logische Forscbnngsreise in die Libysche Wfiste, die dem Museum 
ein reiches Material an fossilen Schildkroten und interessanten 
Wirbeltierresten zngeffihrt hat. Im Juli und August 1904 be- 
trante die Verwaltung der Gesellschaft Dr. R5mer wiederum 
mit einer Sammelreise an die norwegische Ktiste, nm ans der 
Fauna des Nordmeeres eine gr5fiere Sammlung zu konseryieren. 
Hanpts&chlich gait es, den Fischreichtum der norwegischen Kfiste 
znr Darstellung der Anatomie der interessanten Vertreter, wie 
Haiflsch, Seekatze, Dorsch, Seewolf u. s. w. nutzbar zu machen. 
Eine Ffille yon schonen, in geschliffenen GUlsern auf entspre- 
chendem Hintergmnd montierten Pr&paraten aus der Entwicke- 
loBg and Anatomie der Fische, Leber, Magen, Spiraldarm u. s. w., 
resoltieren aus dieser Reise. Der Vortragende yerbreitet sich 
anch fiber die Art des Arbeitens an der norwegischen Kttste, 
die im Gegensatz zu der Forschung an der Adria sehr yiel be- 
schwerlicher und zeitranbender ist, und schildert seinen Anf- 
enthalt im Inselgebiet yon Espeyar im siidlichen Norwegen, 
wo er faanptsftchlich mit Tiefseeleinen arbeitete; um Rochen, 
Haie u. s. w. zu erhalten. Trotz stUrmischer Tage war der Auf- 
enthalt ergebnisreich und interessant, wenn auch an die An- 
sprucbslosigkeit des Sammlers grofie Anforderungen gestellt 
werden mufiten. 

IX. 8Itzong yom 14. Janaar 1905. 

Vorsitzender : Dr. August Jassoy. 

Vor Beginn des Vortrags erfllUt der Vorsitzende die trau- 
rige Pflicht, des ewigen Mitgliedes zu gedenken, das der Tod 
in der Nacht znm 12. Januar auf immer aus der Mitte der Ge- 
sellschaft gerissen hat, Dr. Albert youReinachs. Seit sei- 
nem Eintritt in die Gesellschaft als arbeitendes Mitglied im 
Jahre 1888 hat der Verstorbene mit dem praktischen Blick des 
grofien Eauf manns in die GeschS^fte eingegriffen und wesent- 

9* 



— 132* — 

lich dazu mitgeholfen, die Gesellschaft za dem zu machen, was 
sie heute ist. Von berufener Seite wird sp&ter ein Lebensbild 
des Entschlaf enen '*') gebracht werden, dessen wissenschaft- 
liche Arbeiten mehr als einen Band der ,,Abhandlangen* 
der Gesellschaft fiillen, dessen hochherzige Schenkungen 
ihn in die Reihe ihrer groBten WohlUter stellen, dessen Sinnen 
undDenken bis zum letzten Atemzug derSenckenbergischen 
Gesellschaft und der geologisch-palSLontoIogischen 
Erforschung seines Lieblingsgebietes, des Taunus, ge- 
golten hat. Ihm verdankt die Gesellschaft die erste Anregung 
zum Neuban des naturhistorischen Museums, zu dessen 
Baufonds er selbst im Herbst 1897 den bei weitem groBten Bei- 
trag gezeichnet hat. Von Schritt zu Schritt ist er mit gr5fitem 
Interesse den langwierigen Verhandlungen mit der Dr. Sencken- 
bergischen Stiftung und den st&dtischen Beh5rden gefolgt, aberall 
fordemd und vorwftrts drangend, bis das Ziel glUcklich erreicht 
war. Nun ist er uns genommen; aber so lange die Sencken- 
bergische Naturforschende Gesellschaft bestehen wird, wird sie 
dankbar Dr. vonReinachs gedenken als eines ihrer grofiten 
Gelehrten, Wohltftter und Forderer. 

Ein eigenttimlicher Zufall hat es gefUgt, daB der nun fol- 
gende Redner Privatdozent Dr. Rudolf Delkeskamp aus 
GieBen, der unter Vorftthrung zahlreicber Ldchtbilder fiber 

„Die Genesis der Mineralquellen und Thermen^ 

berichtet, zugleich der letztjllhrige Preistr&ger des von Rei- 
nach-Preises ist, eines Preises, den der Verstorbene 1890 
abwechselud fUr die gediegenste Arbeit auf den Gebieten der 
Geologie, Mineralogie und Palaontologie unserer engeren Heimat 
gestiftet hat. 

HeiBe Quellen entstammen den Tief en der Erde ; das wuBten 
schou die Alten. Das heiBe Wasser aber sollte jenem Kreislaufe 
des Wassers angeh6ren, den man seit langer Zeit erdacht hatte 
und der jetzt noch sich allgemeiner Anerkennung erfreut. Wie 
sollte aber der hydrostatische Druck allein genttgen, jene un- 
geheueren Wassermassen emporzuschleudern , die zum Beispiel 
von den KarlsbaderThermen td,glich gef 5rdert werden und 
die durch ihre hohe Temperatur (59 Grad) auf eine Ursprungs- 

*) Siehe diesen ,Bericht^ S. 63*. 



— 133* - 

tiefe von zirka 2000 Meter yerweisen? Lllngst waren Zweifel 
anfgetaacht, bis endlich C. S u e fi den Bann brach und in einem 
Vortrage Uber die Karlsbader Thermen eine neae Auffassung 
Yom Wesen der heifien Qaellen skizzierte, deren Ausarbeitung 
er j&ngeren Fachgenossen anempfahl. Auf seine Anregung bin 
antemahm Redner die Weiterausbauung and Umgestaltang der- 
selben, die in der von der Gesellschaft preisgekr5nten Arbeit 
fiber die Tannnsb&der praktische Anwendnng gefnnden hat. 

Die Erfahrung des Brnnnentechnikers findet Erklllrung in 
der Theorie und diese kommt selbsUlndig zu Schlufifolgerungen, 
wie sie sich in der Praxis des Technikers nach vielem Hin- und 
Herirren wllhrend langj&hriger Beobachtungen herausbildeten. 
Els gibt vulkanische Quellen, deren Wasser und Salze 
juvenil sind, d. h. zum ersten Male die Erdoberfl&che erreichen 
and anzug&ngigen Tiefen entstammen. Sie haben nichts mit 
dem Wasser zu tun, das yon den Wolken stamraend als Regen 
zur Erde f&llt, einsickert und schliefilich als aufsteigende Quelle, 
folgend dem faydrostatischen Drucke, wieder die Erdoberfl&che 
erreicht oder, wenn es sich auf Bergen sammelt, absteigend die 
T&ler and Ebenen bew^ssert und so die vadosen Quellen speist. 
Die juvenilen Qaellen treten neugeboren aus der Tiefe der Erde 
hervor, am die Hydrosph&re zu vermehren und der Geosph&re 
neae MineralstofFe zuzufUhren. 

Im Gegensatz zu ihnen stehen die vadosen Quellen 
die vom Regenwasser gespeist werden und ihren Salzgehalt der 
Auslaogung von Gesteinen verdanken. Sie sind schwankend in 
der Ergiebigkeit und Salzftthrung. Die juvenilen Quellen zeigen 
Sommer wie Winter dieselbe Konzentration und Ergiebigkeit. 
Bei den vadosen Quellen Ytk&t sich eine Abhilngigkeit von der 
Niederschlagsmenge im Infiltrationsgebiete deutlich erkennen ; die 
juvenilen aber entstammen magmatischen Massen in den tiefen 
Regionen der Erdkruste. Wasser und Salze sind Produkte 
der postvulkanischen Ph&nomene, die Sublimationen, Erzgang- 
ffillungen, heifie D&mpfe und juvenile Wasser liefern. 

Der Gehalt des Magmas an Wasser und den ftir die Quellen 
sonst charakteristischen Stoffen wird auf Grund der Kant- 
Laplaceschen Theorie und der neueren Forschungen fiber 
das Wesen der vulkanischen Erscheinungen erwiesen. Auf dem 
Wege zur ErdoberflUche bilden die juvenilen D&mpf e und Quellen 



- 134* - 

vielfach AbsMze, die je nach Beschaffenheit and Intensit&t der 
Exhalationen Erzg&nge and -Lager von der yerschiedensten Form 
gebildet haben, und so finden sich als charakteristische Neben- 
erscheinungen der juvenilen Qaellen tektonische Spalten, 
Eruptiygesteine, Erz- und Mineralg&nge (Homstein- 
gd.Dge) und Eaolinlager, die in genetischer Beziehung zu den 
Quellen stehen. Infolge des allmkhlichen Nachlassens der In- 
tensit&t der postyulkaniscben Ph&nomene lassen auch die juye- 
nilen Quellen in langen Zeiten einen Riickgang in der SalzfQh- 
rung und Temperatur erkennen. Die heifien, bor- and fluor- 
baltigen Fumarolen und die kalten Kohlensftuerlinge stellen die 
Endglieder einer Beihe dar, deren yerschiedene Olieder alle 
juyenilen Quellen umfassen. Eine grofie Menge yon Mineral- 
quellen fiihren juyenile und yadose Bestandteile. So ist yon 
den EohlensHuerlingen meist nur die Kohlensfture juyenil, Wasser 
und Salze sind yados. 

Zur Feststellung des Charakters einer Quelle ist die Tem- 
peratur derselben nicht mafigebend. Es gibt yadose Thermen 
und juyenile kalte Wasser. Nur die Schwankungen im relatiyen 
Salzgehalt sind mafigebend, das heiBt also die Eonstanz im 
Salzgehalt in Zeiten yerschiedener Niederschlagsmenge im Jahre. 
In Ereuznach und Marienbad wurden diese Untersuchungen im 
Auftrage der Badeyerwaltungen durchgeffihrt. Weitere Quellen 
sind in AngriS genommen. 

Zur Entscheidung dieser fiir den Techniker so ungemein 
wichtigen Fragen ist aber eine genaue Eontrolle fiber die Qaellen 
notwendig, deren Einffihrung ffir das gauze Badewesen yon 
grofier Bedeutung wd.re. 

Auf diese interessanten Ausffibrungen des Vortragenden 
folgt die Demonstration einer groBeren Anzabl yon Lichtbil- 
(leru und eines instruktiyen Materials yon Sintern yon Geysim 
und Mineralquellen und Schlamm, die durch eine sachgem&fie 
Erklftrung erlftutert wird. 

X. Sitzang yom 21. Janaar 1905. 

Vorsitzender : Dr. August Jassoy. 

Der Vorsitzende leitet die Sitzung mit folgenden Worten ein : 
^Zuuiichst dankeich unserem korrespondierenden Mitgliede Herrn 
Prof. Dr. H. Conwentz aus Danzig, dem Direktor des West- 



— 135* — 

preuBischen Provinzialmuseums, fiir die gro6e Bereitwilligkeit, 
mit der er sich ffir den heutigen Vortrag zur Verf iigung unserer 
Gesellschaft gestellt hat. In weite Ereise hinaus ist bereits des 
Vortragenden verdienstvoUe Anregung gedrungen, die Natur- 
denkmftler der Heimat zu schiitzen and zu pflegen; 
sie hat die vollste Anerkennung des preuBischen Kultusmini- 
steriums gefunden. von dem Herr Prof. Conwentz seit Jahren 
mit dieser Angelegenheit betraut ist. Auch unsere Gesell- 
schaft hat aof Anregung des Herrn Ministers fiir Landwirt- 
schaft, PomS^nen und Forsten gemeinsam mit den iibrigen natur- 
wissenschaftlichen Vereinen der Provinz — als erste Vorarbeit 
wirksamen Naturdenkmalschutzes — aufgenommen, was unsere 
engere Heimat noch von urw&chsigen und seltenen 6e- 
w&chsen aufweist. Herr Forstmeister Dr. A. Rorig hat in 
m&hsamer Arbeit das Material gesichtet, vermehrt und druckf ertig 
zusammen gestellt ; es wird demnS^chst als ^Forstbotanisches Merk- 
buch fflr die Provinz Hessen-Nassau** im Verlage von Gebrfider 
Borntr&ger in Berlin erscheinen. Weitere Schritte werden folgen 
mfissen, wie sie bereits in unserem hessischen Nachbar- 
staate, der als erster voranging, getan worden sind. Dort 
sind durch Gesetz vom 16. Juli 1902, den Denkmalschutz be- 
tret[end, hervorragende Naturobjekte in staatliche 
Pflege genommen. In alien Landesteilen des GroBherzog- 
turns wurden Wald- und Wiesenfl&chen mit seltenen aussterben- 
den Pflanzen, Bheininseln mit Auwald, Moore und FelsvorsprQnge 
fflr nnantastbar erklS.rt und so ein erster Schutzwall gegen 
das Vordringen der alles nivellierenden Kultur des Bodens wie 
gegen die v5llige Ausrottung der seltenen Tier- und Pflanzen- 
welt errichtet. 

Wir hoffen, daB auch unsere sta,dtischen Behorden 
sich bereit finden lassen, durch dichte Einz&unung eines wenn 
auch noch so kleinen Teiles des Frankfurter Stadtwaldes — etwa 
in derGegend des ,,M5rderbrunnens^ — zu diesen Bestrebungen 
beizutragen, ehe es fttr immer zu spat sein wird! Eine hier- 
auf bezfigliche Eingabe werden wir dem Magistrate 
baldigst vorlegen. 

Auch die urwttehsigen Distrikte des westlichen Schwan- 
heimerWaldes mit ihrer eigenartigen Vegetation und Fauna 
sind von boher wissenschaftlicher Bedeutung als „Naturdenk- 



- 186^ - 

mftler^. Wir werden ein Gesach am ihre Erhaltnng im 
gegenw&rtigen Zustand alsbald auch an die Gemeinde 
Schwanheim und an die Efinigliche ForstaafsichtsbehSrde 
richten. Wir hoffen, da6 der heutige Vortrag des am den Heimat- 
schntz so verdienten Gelehrten die bohen staatlichen und 
stUdtischen Behorden wie weite Kreise der Bfirgerschaft 
Uberzeugen wird, wie eilig and wichtig die Sache ist, 
f&r die wir einzutreten nns bernfen f&hlen!" 

Nach diesen einleitenden Worten des Vorsitzenden h&lt 
Prof. Dr. H. Con wen tz einen von zahlreichen, z. T. farbigen 
Lichtbildern begleiteten Vortrag: 

^Schutz der natfirlichen Landschaft, ihrer 
Pflanzen- and Tierwelt." 

Der Vortragende geht davon ans, dafi die arspr&ngliche 
Natnr darch die fortschreitende Enltar bei ans wie Qberall 
immer mebr ver&ndert, beeintr&chtigt and stellenweise vemichtet 
wird. Vom wirtschaftlichen Standpankt ist es erfrenlich, dafi 
die Naturkr&fte in so intensiver Weise ausgenfitzt werden ; aber 
vom wissenscbaftlichen and &sthetischen Standpankt ist es be- 
klagenswert, dafi bervorragende Denkm&ler der Natar an- 
wiederbringlich dahinschwinden. 

In dem ersten Teile des Vortrages ffihrt der Redner aus 
den verschiedensten Teilen Deutschlands and anderer L&nder 
zahlreiche Beispiele dafttr an, dafi die SchSnheiten and Selten- 
heiten in den einzelnen Gebieten der Natur in ihrem Weiter- 
bestehen bedroht werden. Die WasserfUlle and Strom- 
schnellen sind ganz besonders der Gefahr aasgesetzt, dem 
Ansturm der Industrie zu unterliegen. Ihr Wasser wird zum 
Kraf tbetrieb abgeleitet und FabrikgebHude ragen, wo das Auge 
sich an der keuschen Natur erfreuen m5chte, in aufdringUcher 
Weise empor. Es ist so weit gekommen, dafi bei uns Uberhaupt 
kaum noch ein Wasserfall unverSlndert besteht. Selbstverst&nd* 
licb darf nichts gescheben, um diese Wasserkrftfte jeder Nutzung 
zu entziehen ; aber es ist doch w&nschenswert, dafi bier oder da 
eine bervorragende Stromschnelle oder ein ausgezeichneter 
Wasserfall in der urspriinglichen Sch&nheit bewahrt bleibt. 
Ebenso sind die Felsbildungen, namentlich die Baumateriid 
li^fernden Gesteinsarten wie Granit, Basalt, Sandstein, Ealkstein 



•^ 137* - 

a. 8. w., Srtlich in ihrem Bestand gefllhrdet. Beispielsweise reiht 
8ich im Elbsandsteingebirge am Stromufer zuweileu kilo- 
meterweit ein Steinbruch an den anderen und die vielgepriesene 
Natarschonheit der S&chsischen Schweiz ist stellen- 
weise za einem Zerrbild der Natar geworden. Auch am Bhein 
and in anderen Gebieten ist so manches Landschaftsbild durch 
Abban bedroht, teilweise schon entstellt. 

Besonders gefd.hrdet ist der Wald; der Privatwald, well 
er oft sachkundiger Oberaufsicht entbehrt, and der Staatswald, 
weil hierin vielfach Eahlschlag herrscht. Dnrch Abhieb werden 
die arwBchsigen BiLume nahezu gd,nzlich vernichtet; zu- 
gleich entschwindet das Unterholz and die Qbrige Pflanzenwelt. 
Statt des Waldes kommt dnrch Neuanpflanznng die kUnstliche 
Forst zostande, die nar nach den Grundsfttzen des Ertrages 
angelegt vfirA. Wie die 6ew&chse sch^n^inden auch die Tiere 
des Waldes, da sie der nattirlichen Lebensbedingangen be- 
raabt werden ; denn von der betr&chtlichen Zahl yon Arten, die 
einst den Wald belebten, flndet sich in den kilnstlichen Forsten 
nar ein geringer Prozentsatz wieder. Sie mtkssen aasster- 
ben, wenn nicht Reservate geschaffen werden, wo 
die natfirlichen Bedingnngen zn ihrer Existenz tun- 
lichst anverftndert bleiben. 

Die industrielle Ausnfitzung macht auch vor den herr- 
lichsten Aussichtspunkten nicht Halt. Sie entstellt sie 
darch Zahnrad- and Schwebebahnen, elektrische AufzUge, Stau- 
werke, bekr5nt ihre H5hen mit Gasth&usem, Tiirmen und 
minder wertigen Denkmalern. Auch hier r^umt der Redner 
wJllig berechtigte Forderungen ein; er k&mpft nur gegen die 
Qeschmacksverirrungen, gegen die Entstellung, wo die Natur 
in ihrer Gr5fie und Jungfr^ulichkeit weit mslchtiger wirkt. 

Aber nicht allein aus wirtschaftlichen Griinden wird die 
Landschaft and Lebewelt erheblich beeintr^chtigt ; auch dem 
Mangel an Bildung, der Unkenntnis oder dem Un- 
verstand ist schon manch Denkmal der Natur zum Opfer 
gefallen. Es werden bestimmte F&Ue angefiihrt, in denen auch 
bei ans Standorte bemerkenswerter Pflanzen durch SchUler ver- 
nichtet, Best&nde seltener Tiere durch Jagdliebhaber dezimiert 
wurden u. a. m. 



— 138* - 

Sodann geht der Redner auf den zweiten Teil seines 
Vortrages ttber, worin er die Aufgaben einer planm&fiigen 
Natardenkmalpflege skizziert and die Wege zeigt, wie 
dieselbe wirksam gefordert werden k5nne. Im allgemeinen 
entstehen hierftkr dreierlei Aufgaben, wie Prof. Conwentz 
schon in seinem ^Forstbotanischen Merkbnch fttr die 
Provinz WestpreuBen* hervorgehoben hat, Inventari- 
sierung der Naturdenkm&ler, Herausgabe von 
illustrierten Merkbfichern und anderen Ver5t[ent- 
lichungen sowie Schntzvorkehrangen im Gel&nde. Um 
diese Aufgaben zu I6sen, bieten sich drei verschiedene Wege, 
die freiwillige, die administrative and die gesetzgeberiscbe 
Naturdenkmalpflege. 

Erstens also der Weg freiwilliger Mitwirkung 
durch Einzelpersonen and Vereine. Wie beispielsweise F&rst 
Pntbus den Bestand der Insel Yilm und F&rst Schwarzen- 
berg eine ansehnliche Fl&che am Knbany im B5hmerwald 
unbertihrt erhftlt, wie Fttrst Stolberg- Wernigerode die 
Genehmigung zum Ban der Walpurgishalle auf dem Brocken 
versagte, mSchten weitere Grandbesitzer entsprechende Vor- 
kehrungen treffen. Insbesondere erw&cbst den natur- 
forschenden and verwandten Vereinen bier eine 
dankbare Aufgabe. Viele sind schon mit gutem Beispiel voran- 
gegangen; manche haben die Aufgabe sogar direkt in ihre 
Statuten aufgenommen. 

Der zweite Weg zeigt sich in der administrativen 
Mitwirkung. Manche G e m e i n d e verf iigt Uber ansehnlichen 
Besitz an Wasser, Felsen, Wald u. s.w. and k5nnte ohne 
weiteres anordnen, dafi hierin vorhandene Natur- 
denkmSller erhalten bleiben. Ferner ist der Staat 
besonders in der Lage, diese Bestrebungen wirksam zu fGrdem, 
zumal er der gr5fite Grandbesitzer ist und sein verschieden- 
artiger Besitz sich ttber das ganze Land erstreckt. Im Wege 
der Verwaltung m&fiten kleine Reservate verschiedener Art 
tnnlichst in jedem Landesteil eingerichtet werden; dort einSee, 
Bach Oder Flufiabschnitt; da eine Kfistenpartie, Dtine oder 
Endmor&ne ; bier eine Moor-, Heide- oder Waldfl&che ; dort ein 
Fundort seltener Pflanzen- oder Tierarten u.s. w. Sodann m&6ten 
alle Zweige der Verwaltung angeregt werden, die in 



- 139* - 

ihrem Ressort vorbandenen DenkwUrdigkeiten der Natur auf- 
zanehmen and filr deren Schutz za sorgen. Der Vortragende 
ftthrt auch bemerkenswerte Beispiele daffir an, dafi mancbe 
Zweige der Staatsverwaltung scbon in dieser oder &hnlicber 
Bichtang t&tig gewesen sind; es besteht daber kein Zweifel, 
dafi sie sicb aach zu weiteren Mafiuabmen zar Pflege von Natur- 
denkmS^lern bereit finden lassen werden. 

Was scbliefilicb die legislative Mitwirkung betrifft, 
so erinnert Bedner an eine Beibe von Staats-und Beicbs- 
gesetzen, die das beregte Gebiet streifen. Weiter ist eine 
neue gesetzlicbe Bestimmung anzustreben, welche die Enteignung 
von Grand and Boden znm Schutze von NatardenkmUlern er- 
ni5glicht. Aber der Scbwerpnnkt der ganzen Bestrebnngen ist 
nicht an! das Qebiet der Gesetzgebung sondem aof das Gebiet 
der freiwilligen and administrativen Mitwirknng zn verlegen. 

Der Vortragende schopft aus einer FUlle von Beobacb- 
tangen, die er znm grOfiten Teil selbst seit Jabren an Ort and 
Stelie angestellt bat; daneben ist ihm weiteres Material, teil- 
weise aacb ans anderen Ld.ndern and Staaten, auf amtlicbem 
Wege zagHngig gemacbt worden. Hervorragende Beispiele 
werden darcb bunte Licbtbilder veranschanlicbt, die za 
diesem Zwecke nach der Natnr nea ausgefiibrt sind and znm 
Teil erst in einer spHteren grofieren Scbrift ttber diesen Gegen- 
stand ver5Sentlicbt werden sollen. 

XI. Sftznng vom 4. Febraar 1905. 

Vorsitzender : Dr. August Jassoy. 

Prof. Dr. G. Greim aus Darmstadt, der der Gesellscbaft 
seit Jabren als korrespondierendes Mitglied angebort, bsllt einen 
bocbinteressanten Vortrag uber: 

„Die Grundlagen der wissenschaftlichen 

Wettervorhersage" 
anter Vorffibrung zablreicher Licbtbilder. 

Der Vortragende streift zunSlcbst kurz die frtiheren Ver- 
sache der Wettervorbersage ohne wissenschaftliche Grundlage 
and wendet sicb dann zu dem beutigen Stand der Wetter- 
vorbersage. Es ist dabei vor allem pr&zis festzustellen, 
wornm es sicb in der vorliegenden Frage handelt. Dies wird 
dahin beantwortet, dafi es nar wicbtig ist, die Wetter- 



— 140* - 

ver&nderangen vorherzusagen. Die Mittel, die uns hierzu 
zur Verffigung stehen, werden alsdann genauer besprochen, 
n&mlich dieWettertelegraphie and die auf Grand derselben 
gezeichneten Wetterkarten, woran sich eine karze An- 
leitung zam Lesen und zam Verstllndnis derselben anschliefit. 
Solche Wetterkarten werden vorgeftlhrt, urn die Abh&ngigkeit 
der Verteilung der meteorologischen Faktoren von einander, 
insbesondere in den zwei Haupttypen der sogenannten „ Wetter- 
lag e", in den Depressionen und Hocbdruckgebieten , klar- 
zustellen. Auf Qrund der Luftdruckkarten wird bier 
jedesmal das Verhalten der Winde, der Bew5lkung, der Nieder- 
schlUge usw. besprochen und schon auf die grofiere oder ge- 
ringere Bestftndigkeit der betreffenden Wetterlage, insbesondere 
auch auf das Wandern der Depressionen aufanerksam 
gemacht. Aus der Erkenntnis, dafi mit der verschiedenen Ver- 
teilung des Luftdrucks auch ganz verschiedenes Wetter bei 
uns herrscht, ergibt sich von selbst der Wunsch, die Verteilung 
des Luftdrucks zu kennen und zu klassifizieren, um danach die 
Wetterlagen ebenfalls einzuteilen. Von den verschiedenen Ver- 
suchen hierzu wird aufTeisserencdeBorts Aktions-Zentren 
der Atmosph&re hingewiesen und dann das van Bebberscbe 
System der Einteilung in ffinf Wettertypen, das sich auf die 
Lage des Hochdruckgebietes grfindet, ausftlhrlicher und an 
reichlichen, als Lichtbilder vorgeffthrten Wetterkarten erlftutert. 
Als Schlufi wird kurz die praktische Anwendung des Vor- 
gefuhrten besprochen, auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die der 
sicheren Wettervorhersage im Weg stehen, und einige Grttnde daf &r 
angegeben. Hierbei wird auf die wichtige Unterst&tzung aufmerk- 
sam gemacht, die der Vorhersage durch Qrtliche Beobachtungen 
erwachsen kann, und zugleich werden mit einigen Worten kritisch 
und zahlenm^fiig die bis jetzt erreichten Resultate beleuchtet. 

XII. Sltzang Yom 11. Febraar 1906. 

Vorsitzender : Dr. August Jassoy. 
Stadtgartendirektor Karl Heicke spricht ttber: 

„Die Pflanzenwelt im Kampf ums Dasein gegen die 
schadlichen Einfliisse der Grofistadt^. 

Wenn der Stadtbewohner auf das Land hinauskommt, macht 
er die Wahrnehmung, dafi unter dem Einflufi aller der Umst&nde, 



— 141* - 

die man unter der Bezeichnung ^Landluft^ zusammenzufassen 
gewolint ist, sich die Menschen korperlich ganz anders ent- 
wickeln als in der Stadt. Hat man dann nach lllngerem Land- 
anfenthalt die EindrUcke der Pflanzenwelt in ihrer Gesamtheit 
and in ibren einzelnen Bestandteilen mit nach Hause gebracbt, 
so macht man die Entdecknng, dafi das, was man in der Stadt 
in G&rten and Anlagen an Pflanzen um sich sieht, in yieler 
Hinsicht hinter dem Bilde der Pflanzenwelt draofien auf dem 
Lande, im Wald and Feld zuriicksteht. Daran ist die dem 
Pflanzen wachs nachteilige ^^Stadtluft^ schnld, wie man zu- 
sammenfassend die verschiedenen nachteiligen Einfltisse der 
Grofistadt anf die Pflanzenwelt bezeichnen kann. 

Die dnrch den Ranch zablreicher Schornsteine vernnrei- 
nigte Lnft tragt einen Haaptteil der Schuld. Seit die Stein- 
kohlenfenerang uberall allgemein geworden ist und dabei 
anch Kohlen geringer Gate in Menge verbraucht werden, ge- 
langen allj&hrlich nngehenere Mengen Banchgase in die Luft, 
onter denen die infolge des Schwefelgehaltes der Steinkohle sich 
bildende schweflige Saure ein den Pflanzen h5chst gef&hr- 
liehes Gift bildet. WUhrend man schon l&ngst daraaf Bedacht 
nimmt, die festen und flUssigen Abfallstoffe der menschlichen 
Hauswirtschaf t anf geeignete Weise nnsch&dlich zn machen, and 
neaerdings sehr der Verunreinigung der WasserlHufe dnrch die 
Abw&sser der St&dte und der Fabrikbetriebe zu steuem bemUht 
ist, geschieht im allgemeinen sehr wenig zur Unschadlich- 
machung der gasf5rmigen Abfallstoffe, die man fast 
allenthalben unbehindert in die Atmosph&re gelangen l&fit Nicht 
nur in der Umgebung von HUttenwerken und industriellen Grofi- 
betrieben wird dadurch der Pflanzenwuchs erheblich geschlldigt, 
wie man an den sogenannten Banchbl5fienin ihrer Umgebung 
erkennt, sondem anch in der Stadt ist dies der Fall. 

Die schweflige S&ure, die nicht etwa den Boden ver- 
giftet, wie man vielfach annahm, sondem dnrch die Oberhaut 
der Bl&tter in das Parencbymgewebe eindringt und die Chi or o- 
pbyllkdrner zerstort, ist durch zabhreiche, nach verschiedenen 
Ricbtnngen sich erstreckende Versuche als ein Pflanzenverderber 
ersten Ranges erkannt worden. Schon in einer einmillionfachen 
Verd&nnang ist sie im stande, Pflanzen zu vernichten, wenn sie 
wfthrend einiger Wochen t&glich etwa Vjt Stande auf sie ein- 



— 142* - 

wirken kann. Sie wirkt am nacbteiligsten, wenn der Chlorophyll- 
apparat der Bl&tter in lebhafter T&tigkeit ist, also besonders 
im Sommer and bei Sonnenschein. Nicht alle Pflanzen sind in- 
dessen gleicb empflndlich gegen sie; die immergrtinen Nadel- 
b5lzer werden am nacbteiligsten beeinflafit, Lanbh5lzer stiehen 
in der Mitte and krantartige Pflanzen scbeinen verh&ltnisiiilLfiig 
am wenigsten darnnter za leiden. Aafierlich erkennt man die 
Einwirkung der schwefligen S^lnre an allerband Flecken and 
Verfarbnngen der Bl&tter and krantartigen Pflanzenteile, die 
auf den ersten Blick leicht mit Frostsch&den oder mit den Ein- 
wirkungen pflanzlicber and tierischer Parasiten verwechMlt 
werden kdnnen, aber bei genaner Untersachang sich mit Sicher- 
belt auf ihren wabren Ursprung zarttckf ttbren lassen. Das vorzei- 
tige Abfallen der Lanbbl&tter an B&umen and Str&acbern, 
ebe der Herbst da ist, mufi neben der Trockenbeit in der 
Hauptsacbe der schwefligen S&nre zar Last gelegt werden ; dafi 
die Nadelholzer in der NUhe der Stadt kanm zwei Jahrg&nge 
ibre Nadeln zu halten vermOgen, rfihrt ebenfails davon her. 
Die Beeintrftcbtignng der Blattorgane hat bei den betref- 
fenden Pflanzen eine mangelhafte ErnHhrang des Hoizes wu 
Folge, die Jabresringe bleiben klein, ja es kann zom Absterben 
ganzer Zweige and Aste kommen and schiiefllich der Tod des 
Indiyidnams eintreten. 

Ferner wirken die znr Erleichternng des Verkehrs 
and znr Hebang der Gesnndheit getroffenen Mafinah- 
men imStadtgebiet and andere Einrichtangen nachteilig anf 
das Pflanzenleben. Darch die Vorkehrangen znr Abftlhrang 
desTagwassers (D&cher, Dachrinnen, Straiienpflaster, EaniUe) 
wird verbindert, dafi im Stadtgebiet Niederschlagwasser in er- 
heblichen Mengen in den Boden gelangt, darch die 6r&ben der 
zahlreichen Leitungen (Kan&le, Oas- and Wasserieitongen, 
Kabel) entsteht ein weitverzweigtes Drainagenetz . das ein 
erhebliches Sinken des Grundwasserstandes znr Folge 
hat. Die Pflanzen leiden daher in der Stadt sehr darch 
Trockenheit. 

Bei der Herstellnng der Graben werden ihre W arz el- 
organ e vielfach erheblich besch&digt. Auch bringen manche 
Leitnngen, insbesondere die Gasleitnngen, Stoffe in den Boden, 
die giftig f&r die Pflanzen sind. Lenchtgas ist sehr geffthr- 



— 143* - 

lich, wenn es aus den niemals ganz dichten Leitungen in den 
Boden gelangt und mit Pflanzenwurzeln in Bertthrung kommt. 
Schon geringe Mengen t5ten in kurzer Zeit grofie Baame. 

Flngstanb und Rufi lagern sich auf die Bl£Ltter ab 
and kleben, wenn Feuchtigkeit hinzutritt, als schmieriger Uber- 
zug auf ihnen, die Spalt5f!nungen verstopfend und die Funktion 
der Blatter erschwerend. Die feste Oberflache der 
Strafien und Wege schliefit den Boden Uber den Baum- 
wurzeln von der Luft ab; es wird der Austausch der Luft im 
Boden behindert und die Arbeit der Wurzeln dadurch nachteilig 
beeinfluBt. Die Schadlinge, Raupen und E&fer, Pilze und 
Krankheit, befallen die Pflanzen leicbter und sind in ihren 
Wirkungen verderblicher als bei Pflanzen, die unter normalen 
Existenzbedingungen sich befinden. 

Da es unmoglich erscheint, die Pflanzen im Bereiche der 
Stadt vor all diesen nachteiligen Einfliisseu zu bewahren, so 
muti die Bekampf ung der Schadlicbkeiten auf indirektem 
Wege angestrebt werden. Es miissen die Existenzbedingungen 
der Pflanzen nach Moglicbkeit verbessert und gehoben, die 
Pflanzen durch ausreicbende Ernahrung, kiinstliche Bew&sserung 
und dergleichen gekraftigt werden, so dafi sie im stande sind, 
die sch&dlicben Einfliisse einigermafien zu Uberwinden. Trotz- 
dem wird auf manchen typischen Vertreter unserer heimischen 
Pflanzenwelt verzichtet werden miissen, manchen kann man nur 
in schw&chlichen und ktimmerlichen Exemplaren eine Zeitlang 
erhalten. Die Buche, die Linde, die Weifitanne, die Kiefer 
kommen teils gar nicht, teils nur in besonders giinstiger Lage 
fort. EingefUhrte AuslSlnder scheinen stellenweise besser aus- 
zuhalten als einheimische Arten ; von alien aber gilt, dafi selbst 
ihre besten Vertreter im Bezirk der Grofistadt nicht heran- 
reichen an ihre Artgenossen draufien in Lagen, die nicht dem 
Einflufi der ^Stadtluff" ausgesetzt sind. 

Diese Erkenntnis mu£ dahin fiihren, dafi man 
alle Vertreter der Pflanzenwelt, die sich von alters 
her noch hier und da zu halten vermocht haben, 
piet&tvoll pflegt und hegt und sie nicht kurzerhand 
einem manchmal kaum ins Gewicht fallenden Ver- 
kehrsbed&rfnisse opfert. 



— 144* — 

XIII. Sitzung Yom 26. Februar 1906. 

Vorsitzender : Dr. August Jassoy. 
Oberstabsarzt Dr. R. Brugger spricbt iiber: 
„Wesen und Bedeutung der Eurzsichtigkeit^. 

Bei alien Kulturvolkern und zu alien Zeiten hat es eine 
Eurzsichtigkeit gegeben; schon Aristoteles berichtet, 
dafi kurzsichtige Menschen die Augen zukneifen, um besser 
seheu zu k5nnen, und dafi sie mit besonders kleinen Buchstaben 
schreiben; Theophrast erw&hnt, dafi der Tyrann Dionys 
kurzsichtig gewesen sei, und unter den Sklayen des Altertums 
waren besonders die auf den Bibliotheken besch&ftigten Schreiber 
von diesem Leiden befallen. Vom Altertum bis in die Neuzeit 
wurde die Kurzsichtigkeit durch eine ,Schw&che der Innervation^ 
erklart, wie es schon Galen getan hatte. Die christlichen 
und arabischen Arzte des Mittelalters bielten an dieser Auf- 
fassung fest und nirgends flnden wir den Versuch einer 
physikalischen ErklSlrung des Ph&nomens oder eine 
rationelle Behandlung desselben. Erst im 16. Jahrhundert 
werden Konkavbrillen fttr Kurzsichtige empfohlen und 
Kepler hat zuerst 1604 die optische ErkULrung gegeben. 
Aber dem 19. Jahrhundert war es vorbehalten, Wesen und 
Bedeutung der Kurzsichtigkeit genauer zu erkl&ren. 

Wir wissen von zahlreichen M^nnem der Oeschichte, daB 
sie kurzsichtig gewesen sind, so von Papst Leo X., Leo- 
nardo da Vinci, Zwingli, ^Oustav Adolf, Napoleon L, 
Ooethe u. a. 

An der Hand vortrefflich ausgeftthrter Tafeln, die den 
anatomischen Bau und den dioptrischen Apparat des Auges 
veranschaulichen , von anatomischen Mode 11 en, mikro- 
skopischen und makroskopischen Pr&paraten von gesunden 
und kurzsichtigen Augen erl&utert der Vortragende das Wesen 
der Kurzsichtigkeit. Sie ist weitaus in den meisten F&llen die 
Folge einer Achsenverl&ngerung des Augapfels an seinem 
hinteren Pol, seltener von starkerer Brechung der Augenmedien. 
Wahrend im normalen Auge parallel auffallende Strahlen in 
der Netzhant zusammenfallen, treSen sie sich bei dem kurz- 
sichtigen Auge schon vor der Netzhaut, so dafi auf dieser 
Zerstreuungskreise zustande kommen. Exakte UntersnchoDgen 



— 146* - 

haben ergeben, dafi das Auge des Neugeborenen meist 
weitsichtig ist and da£ es erst durch das Wachstum normal- 
sichtig wird, indem sich der L&Dgsdorchmesser des Auges all- 
mfthlich vergrSfiert. Unter bestimmten Einflttssen, die bis jetzt 
nor zum Teil erkannt sind, nnter denen aber zweifeUos die 
Naharbeit in der Schule eine wichtige BoUe spielt, ttber- 
schreitet das Wachstum des Aogapfels im L&ngsdorchmesser 
die Norm, so dafi aus dem orspriinglich weitsichtigen Auge des 
Nengeborenen erst ein normalsichtiges und schliefilich ein kurz- 
sichtiges Auge wird. Statistische Ermittelungen haben ergeben, 
dafi die Earzsichtigkeit in der ersten Kindheit nur in einem 
geringen Prozentsatz vorhanden ist; mit der Naharbeit in der 
Schule nimmt sie rasch zu, schliefilich sind 50 — 60 Prozent 
aller Gtebildeten bei uns in Deutschland kurzsichtig. Man hat 
deshalb in der Naharbeit eine wesentliche Ursache des Ent- 
stehens der Eurzsichtigkeit erkannt; dafi sie aber nicht die 
alleinige Ursache sein kann, geht daraus hervor, dafi von 
anderen Forschem, so auch von dem Vortragenden bei Bauem, 
die niemals eine Schule besucht haben, bei polnischen Dienst- 
m&dchen und Spreew&lderinnen, die nicht lesen und schreiben 
konnten, sehr hohe Grade von Kurzsichtigkeit festgestellt 
worden sind. 

Geringe Grade von Eurzsichtigkeit sind fUr den Tfikgev 
ohne besondere Bedeutung, da sie durch entsprechende Eonkav- 
glftser voUst&ndig koriigiert werden kdnnen. Eine geringgradige 
Eurzsichtigkeit wird sogar vielfach als ein gewisser Vorteil 
empfunden, insofern sie ein sehr scharfes Sehen in der N&he 
ohne Anstrengung der Akkomodation erm5glicht und das Ein- 
treten der Fernsichtigkeit im hOberen Alter hinausschiebt. 
Stftrkere Grade der Eurzsichtigkeit fiihren jedoch h&uflg zu 
einer Abnahme des Sehyerm5gens und — glticklicherweise nur 
in seltenen F&Uen — zur Erblindung. Wenn also auch die 
Eurzsichtigkeit von einem gewissen Vorteil ftir alternde Gelehrte 
sein mag, so ist sie doch zweifeUos eine schwere Sch&digung, 
die, wenn ihrer Verbreitung kein Einhalt getan wird, die Wehr- 
haftigkeit der Nation ernstlich bedroht. In jedem Fall ist es 
unzulftssig, die Eurzsichtigkeit als eine zweckmUfiige An- 
pas sung an die Eultur und an das kulturelle Leben auf- 
zufassen, oder, wie es Stilling in einer geistvollen, aber 



— 146* — 

namentlich von anthropologischer Seite angegriSenen und in 
manchen Punkten widerlegten Hypothese versucht hat, in ihr 
iediglich eine Rassenfrage za erblicken. Vielmehr mofi mit 
alien Mitteln der Hygiene, insbesondere in der Schule, der wir 
unser Teuerstes, unsere lieben Kinder, anvertrauen, darnach 
gestrebt werden, einer weiteren Yerbreitung der Kurzsiditigkeit 
entgegen zu arbeiten. OlQcklicherweise ist anch bereits dnrch 
hygienische Mafiregeln, wie sie in der neuesten Zeit in den 
von mancher Seite bespQttelten „Schnlpaltoten^ eingefOhrt aind, 
der Prozentsatz der knrzsichtigen Schnlkinder in einigen grOfieren 
StIUlten Deatschlands erheblich znrttckgegangen. 

Eine prachtvoUe KoUektion von Handzeichnungen des 
infolge der Kurzsichtigkeit krankhaft ver&nderten Augen- 
hintergrandes, die Oberstabsarzt Dr. Brngger in wahrer 
Ktknstlerschaft selbst angefertigt hat, erl&ntert den hoch- 
interessanten Vortrag, der von den zahlreich erschienenen Zu- 
hOrem mit lebhaftem Beifall anfgenommen wird. 

XIY. Sitznng yom 4. M&rz 1905. 

Vorsitzender : Dr. August Jassoy. 

Mit herzlichen Worten begrQBt zun&chst der Vorsitzende 
den Bedner des Abends , Oberstudienrat Prof. Dr. Kurt 
Lampert, Vorstand des K5niglichen Naturalienkabinetts in 
Stuttgart, der der Gesellschaft seit einer Reihe yon Jahren als 
korrespondierendes Mitglied angeh5rt. Hierauf h&lt 
Prof. Dr. Lampert den angekiindigten Vortrag: 

„Das winterliche Tierleben des Sfifiwassers und sein 

Erwachen im Frfihling''. 

Der Redner ftkhrt in der Einleitung die Znh5rer hinans 
anf die spiegelnde Fl&che eines gefrorenen Sees. Tot 
und leer scheiut das Wasser und die winterliche Einsamkeit 
bildet einen schroffen Gegensatz zu dem sommerlicben Leben, 
das der Redner in einzelnen Ztigen vorf&hrt. Wo sind aUe die 
Tiere hingeschwunden, die hier im Sommer zu beobachten sind? 
Wie bringen Uberhaupt die Bewohner unserer Gew&sser, der 
Siimpfe, Teiche und Seen, der QueUen, B£lche und Flfisse den 
Winter zu? Der Redner erinnert zuu&chst an die physikali- 
scben Verh&ltnisse der Gew&sser im Winter. Sehr 



~ 147* — 

seichte TQinpel kdnnen y5Uig ausfrieien bis tief in den 6nmd 
hinein; aber schon mS,fiig tiefe stehende Gew&sser frieren be- 
kanntlich nie aus, sondern onter der Eisdecke, die ein schlechter 
Wftrmeleiter ist, liegt die Wassertemperatar uber Null and bat 
in grSfierer Tiefe die Temperatar der gr5fiten Dichtigkeit des 
Wassers, -|-4 Grad Celsius, was besonders von alien tief en 
Gew&ssern gilt. Quell en bewahren das ganze Jahr fiber, aucb 
im heiBen Sommer, die gleiche Temperatur und die anderen 
fliefienden 6ew&sser sind darch ihre Bewegung meistens 
vor dem Zofrieren geschiltzt. Schon hieraus lafit sich schlieBen, 
dafi die Tierwelt in den verschiedenen Qew&ssem sich verschieden 
verhalten wird. Am meisten ver&ndert sich das faunistische 
fiild im Winter in weniger tief en Gew&ssern, zu denen 
ja die Mehrzahl unserer Wasserbecken geh5rt und denen sich in 
bezug anf die physikalischen Verh&ltnisse die Uferzone der 
grofien Seebecken anschlie£t. Auch hier schl&gt die Natur 
die verschiedensten Wege ein , um ihre Geschopf e die schlimme 
Jahreszeit ttberstehen zu lassen. Unter Anf&hrung von Bei- 
spielen schildert der Redner, wie die einen Tiere in einen 
Winterschlaf verf alien, entweder im Schlamm des Teiches 
Oder sogar zu diesem Zweck das Land aof suchend. Bei anderen 
ist wenigstens die Lebenst&tigkeit herabgesetzt, ohne dafi es 
zu einem eigentlichen Winterschlaf kommt. Bei einer dritten 
Kategorie wird zwar das Individuum aus der Liste der Lebenden 
gestrichen, allein in winterbartenEiern oder Dauerkeimen 
wird die Erhaltung der Art gew&hrleistet. Diese Schutz- 
einrichtung als Anpassung an die physikalischen Verhaltnisse 
des Wohnortes and der auf diese Weise sich ergebende regel- 
m&fiige Wechsel zwischen verschiedenen Fortpflanzungsarten 
gehdrt mit zu den interessantesten Kapiteln der modernen 
Wissenschaft der Seenkunde. Fttr eine Anzahl SUB- 
wassertiere endUch aber bedeutet die winterliche Zeit durchaus 
nicht die Zeit der Buhe, sondern sie sind auch im Winter in 
voUer Lebenst&tigkeit, ja filr manche f&Ut sogar die 
Fortpfianzungsperiode in den Winter. Unter ihnen sind 
sogar Arten, die nur in der kalten Jahreszeit ihre Existenzbediu- 
gungen finden ; erw&rmen sich unter den Strahlen der steigenden 
Fillhlingssonne die seichten Gew^sser, so sterben sie ab. Fiir 
die Mehrzahl der Bewohner unserer GewHsser beginnt aber 

10* 



— 148* — 

dann neues Leben. Die Winterschl&fer erwachen; aus den 
Dauerkeimen und Eiern entstehen neae Individaen and bald 
IieiTscht wieder das reiche, iippige Leben des Frfihlings. 

XV. Sitzang vom 11. Mirz 1905. 

Vorsitzender : Dr. August Jassoy. 
Dr. med. L. Laquer spricbt iiber: 

„Die Grundlagen der geistigen Minderwertigkeit.^ 

Geistig bochwertige Gtehirne sind leider noch wenig er- 
forscbt ; geistig unterwertige Denkorgane baben reiches Material 
fttr die Forschung ergeben. Ausgehend von den anatomischen 
Hirnbefunden bei der im spMeren Leben durch Krankheit 
erworbenen Geistesschw&che (progressive Paralyse), die wir in 
den letzten Jahren besonders deu Forschnngen von Weigert, 
Nifil und Alzheimer verdanken, bespricht der Vortragende 
die anatomischen und anthropologischen Grundlagen der drei 
wesentlichen Formen der angeborenen geistigen Minderweitig- 
keit, der Idiotie (Bl5dsinns-Formen) , der Imbezillit&t 
(Schwachsinn) und der Debilit^t (Beschr&nktheit). Er schildert 
des n&heren die bei Idioten bestehenden geistigen Defekte im 
Gebiete des Verstandes, des Geftihls und der Willensvorgftnge 
und die Veranderungen im Ban des Gehirns, die sie bedingen. 
Es sind zumeist mehr krankhaft entzUndliche Vorg&nge, urn die 
es sich bier handelt, als atavistische RUckschl&ge in fr&here 
tierische Entwickelungsstufen des Menschengeschlechtes. Der 
Vortragende verteidigt die modernen Anschauungen Guddens 
und Weygandts gegeniiber der alten Virchowschen Lehre, 
dafi die Entwickelung des Gehirns von den Wachstumsverh&lt- 
nissen des Schadels abh£lngig sei (frtthzeitige Verkn5cherang 
u. s. w.) Die Sache verhalt sich gerade umgekehrt. An der 
Hand der Schilderung der Wasserk5pfe (Hydrocephalen-Gehirne) 
und der Mikrocephalen (kleink5pfige Gehirne), die der Bedner 
an einer Reihe yon Zeichnungen, besonders nach Fleschs 
Arbeiten demonstriert, rUt er zur Vorsicht bei R&ckschlfissen 
auf geistige Fahigkeiten aus SchSldelanomalien. 

Eine ausfiihrliche Darstellung widmet Dr. Laquer sodann 
dem Kretinismus, jener in verschiedenen, besonders ge- 
birgigen Gegenden endemisch auftretenden geistigen und kOrper- 



lichen Zwerghaftigkeit mit schlaSer, welker Hant and 
Eropfbildnng. Der Zasaroroenhang der kretinosen Entartang 
mit bakterienhaltigem Trinkwasser, das Eropf erzeagt, und mit 
Oiftwirkungen, die durch ZerstOrung oder SchUdigung der ent- 
giftend wirkenden SchilddrUse im Stoffwechsel entstehen, fUbrt 
ihn znr WUrdigang der Blamschen Vei*suche an Tieren und 
der Kocher-Reverdinschen Erfahrangen an Menschen, 
denen die gesamte SchilddrUse wegen gefahrdrohender An- 
schwellnng entfernt worden war and die dadnrch geistige and 
k5rperliche Kr&fte einbUfiten. 

Die fttr die Entstehang der Idiotie and der Imbezillit&t 
sehr wesentlichen Momente der Erblichkeit and Entartung 
leiteten dann fiber za den schalHrztlichen Beobachtnngen 
Dr. Laqaers an den schwachsinnigen Schalkindern der Frank- 
furter Hilfsschnlen. Die kSrperlichen Gebrechen. und Mi6- 
bildungen, Entailungsmerkmale, die sich dort finden, werden 
ausffihrlich erOrtert und ihre Bedeutung ftir die intellektuellen 
F&higkeiten gewertet. Der Vortragende rtihmt die Leitnng und 
die Organisation sowie auch die baulichen VerhRltnisse in diesen 
Frankfurter Musteranstalten. 

Zum Schlusse geht Dr. Laquer auf die Wichtigkeit der von 
derftrztlichenWissenschaft erhobenen Bef unde ftlr diePftdagogik 
und far die soziale Hygiene ein. Er weist nach, ein wie 
groBes Kontingent die Schwachsinnigen zur Kriminalitllt 
stellen, wie sich ans ihnen ein grofier Teil der jugendlichen und 
rQckf&Uigen Rechtsbrecher, Bettler und Vagabunden sowie auch 
der Prostituierten rekrutiert. Auch die FahnenflUchtigen und 
G^horsamsverweigerer unter den Rekruten sind h&ufig Imbezille. 

Da auf dem Boden der geistigen Minderwertigkeit a]le 
die extrasozialen und antisozialen Elemente erwachsen, die die 
Gesellschaft in besonderen Arbeitsschulen und Anstalten ver- 
sorgen oder unsch&dlich machen mufi, so mu6 in richtiger Er- 
kenntnis dieser von P&dagogik und Heilkunde in harmonischem 
Zusammenwirken wissenschaftlich begrtindeten Tatsachen von 
alien Seiten her der Kampf gegen den Alkoholismus, 
gegen die Verbreitung der Oeschlechtskrankheiten 
and gegen die Tuberkulose als wesentlichste Ursachen der 
Degeneration und der Minderwertigkeit einsetzen, wenn das 
Menschengeschlecht an Geist und Eorper stark bleiben soil. 



— 160* — 

XTI. Httznng Tom 29. M&rz 1906. 

Vorsitzender : Dr. August Jassoy. 
Karl Fischer spricht ttber: 

^BergstUrze uud Felsschlipfe im Gefolge 

der Eiszeiten.*' 

Das Diluvium oder dieEiszeit stellt die vorletzte Periode 
in unserer-Erdgeschichte dar. Es gehOrt ihm die Qesamt- 
heit der meist lockeren Ger5]le, Sand- und Lehmbildnngen an. 
W^hrend des gr56ten Teiles dieser Zeitepoche war der ganze 
europftische Norden vom Inlandeis, die Alpen dagegen you 
m&chtigen Gletschern bedeckt. Man nimmt nun nach neueren 
Untersuchungen eine viermaligeEiszeit an, deren Abs&tze 
getrennt werden durch Sedimente, die in wirtlicheren Zeiten 
(den Interglazialzeiten) entstanden sind. Diese mnfiten 
infolge der ungeheueren, beim jedesmaligen RUckzug der Glet- 
scher entstehenden Wassermassen Zeiten starker Erosion 
sein. Gegen diese Gletscherstr5me sind selbst der m&chtige 
Rhein mit seinen NebenflBssen kleine B&che, wenn man bedenkt, 
daB der diluviale Rhein die ganze Ebene in ihrer voUen Breite 
durchflutete. Was diese gewaltigen Kolosse an lebendiger Kraft 
besafien und in welcher Weise sie den Untergrund, fiber den 
sie sich wS.lzten, bearbeiteten, das zeigen nns hente noch die 
Katastrophen, die sie hervorzurufen imstande waren, besonders 
die riesigen BergstUrze in den Alpen an der Gl&rnischkette, 
und im Vorderrheintal bei Flims. 

Auf zweierlei Art kann man sich die eiszeitlichen Schutt- 
und Felsrutschungen entstanden denken. Einmal dadurch, daB 
der Fufi des Berges von dem Gletscherbach untersp&lt wurde, 
oder dafi nach dem Ruckzuge der Gletscher der den Absturz 
hindernde Gegendruck beseitigt war und die gelockerten Massen, 
die sonst allmSlhlich abgebrOckelt w^ren, auf einmal fielen. 

Durch letzteren Umstand wird sowohl am Glftrniscb wie 
im Vorderrheintal, wo viele Millionen Kubikmeter Felsmassen 
sich losldsten und das ganze Tal verbarrikadierten, die Kata- 
strophe hereingebrochen sein. Hoch Uber dem heutigen Talboden 
lassen sich heute noch die Grenzen des zam See gestavten 
Vorderrheins konstatieren. 



— IBl* - 

Bedner g^bt nan, angeregt darch die UntersachuDgen von 
Heim and Oberholzer, die eine eingehende Monographie der 
Bergstilrze an der Gl&rnischkette gegeben haben, ein Bild dieser 
Erscheinnngen, nm dann seine eigenen Beobachtnngen 
fiber Felsbewegnngen in der n&heren und weiteren 
Umgebang von Frankfurt zn demonstrieren. 

Am Roderberg, der jedenfalls seit der Eiszeit beden- 
tend an H5he and Steilheit der GehUnge eingebilfit hat, sind 
Rntschangen zn konstatieren. Eingebettet zwischen eiszeitliche 
Bildungen (dilaviales Moor and L5fi) sind dort Schattmassen 
gefanden worden, die den iiberlagernden terti&rea Ealken ent- 
stammen. In Rheinhessen, wo Hhnliche geologische VerhUltnisse 
obwalten, sind die Untersnchangen gerade dieser Dilnvialer- 
scheinnngen noch nicht weit gediehen. Nnr die verratschten 
Cyrenenmergel am Zeilstilck bei Weinheim werden schon lange 
als eiszeitliche Bildungen angesehen. Anch bei Elm im Vogels- 
berg zeigen isolierte Hilgel in der Talsohle, die ans Bergsturz- 
schatt bestehen and zum Teil von Eies und Schotter bedeckt 
sind, dafi hier einstmals Bergbewegungen stattfanden und ein 
Stausee das jetzt nur noch von einem kleinen Bach durch- 
strOmte Tal bedeckte. 

In W&rttemberg sind es besonders zwei Horizonte der dort 
weit verbreiteten Trias- und Juraschichten, die 5fters Anlafi zu 
Felsbewegnngen gegeben haben. Es sind die Eeupermergel 
und die plastischen Impressatone, auf denen sich der Steilrand 
der Alb aufbaut. 

Auf den gipsfUhrenden Keupermergeln des Neckartales 
schossen einst grofie Schuttmassen in die Tiefe, die nun in dem 
bertthmten Mammutfeld von Cannstatt viele Meter m&chtig 
den Boden bedecken, die Knochen zahlreicher Mammute ein- 
h&Uend, die wahrscheinlich von der Katastrophe Uberrascht 
worden sind. 

Zahlreich sind die Beispiele, die man ffir Rutschungen an 
der Steilwand der Alb anftthren konnte. Bei Geislingen und am 
Michelsberg bei Ulm sind solche nachgewiesen. Leider lafit sich 
jedoch ihr eventnelles Alter nicht mehr genau feststellen. Am 
Galgenberg bei Weifienstein hat einst ein ganzer Schichtenkom- 
plex, in sich kompakt bleibend, den Weg nach dem Tale ein- 
geschlagen. Liegen auch gleich oft die Oebirge &u6erlich schein- 



- 1B2* - 

bar in bester Ordnang, so ist doch manches zerrBtteter als wir 
meinen. Besonders die Eiszeit hat umgestaltend gewirkt and 
Bberall sind noch ihre Spnren zu verfolgen. Sie ist yor alien) 
der Bildner der heutigen Formen in Berg- nnd Flachland ge- 
worden und in ihr waren es neben den Flfissen oft Bergstfirze, 
die uns den breiten, frnchtbaren Talboden mit Ackem nnd 
Wiesen geschaSen haben, anf dem sich die Kultnry51ker ans- 
breiten konnten. 

XYII. Sitzung Tom 1. April 1906. 

Vorsitzender : Stabsarzt Prof. Dr. Ernst Marx. 

Da heute der letzte Vortrag im ablanfenden Wiutersemester 
stattfindet, gibt der Vorsitzende einen knrzen Uberblick fiber 
die Vortragsreihe des letzten Winters. Anch diesmal war es 
in5glich, fast jeden Samstag eine wissenschaftliche Sitznng 
abzuhalten. Der rege Besuch sILmtlicher Sitznngen hat gezeigt, 
wie sehr dies dem W u n s c h e der Mitglieder entspricht. Wie 
die ^issenschaf tlichen Sitznngen so waren anch die V o r 1 e s n n g e n 
der Dozenten zahlreich besncht. Anch die Mitgliederzahl 
der Gesellschaft hat erfrenlicherweise in den letzten Monaten 
wieder bedeutend zngenommen. W&hrend Ende des vorigen 
Winters etwas ttber 600 Mitglieder der Gesellschaft angehOrten, 
sind es heute mehr als 730. Der Vorsitzende richtet zam 
Schlnfi an die Mitglieder die Bitte, anch fernerhin ihr Interesse 
der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft nnd ihren 
Bestrebungeu zu bewahren, denn nur dann kann die Gesell- 
schaft ihre groBen Aufgaben erf&llen, die noch viel Hilfe nnd 
ilittel erfordern. 

Hierauf halt Stabsarzt Dr. L. Drtiner einen durch liber- 
sicbtliche Tafeln erlauterten, hochinteressanteu, von den zahl- 
reichen Zuhorern mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag: 

„Uber die Wirbeltheorie des Sch&dels/ 

Goethe ist von seinen Zeitgenossen als Natnrforscher 
wenig anerkannt worden. Seine Pflanzenmetamorphose nnd 
seine Lehre vom Zwischenkiefer des Menschen wnrden sehr kUhl 
aufgenommen , ja vielfach abgelehnt. Dies mag vielleicht der 
Grund gewesen sein, weshalb er mit der Ver5ffentlichung seiner 
eiugeheuderen Begrundung der Wirbeltheorie so lange zur&ck- 



— 153* - 

gehalten hat. 1790 anf der italienischen Raise in Venedig kam 
ihm der Gedanke bei der Betrachtong eines Schafsch&dels. Er 
hat damals seine Ideen Uber den Freundeskreis hinaus nicht 
bekannt werden lassen. £in ganz &hnlicher Fund, der eines 
macerierten Sch&dels einer Hirschkuh, brachte unabhangig von 
Goethe 1806 Oken an! ganz &hnliche Ideen und 1807 wnrden 
dieselben von ihm yer5Sentlicht. So gehOrt Oken in der Ver- 
dffentlichnng zweifellos die Priorit&t. Oken nahm drei Wirbel 
als Bestandteile des Sch&dels an, Goethe sechs. In den fol- 
genden Jahren erfrente sich die Wirbeltheorie wechselnder An- 
erkennnng, bis 1858 Huxley ihre Haltlosigkeit nachwies. 

Hnxley zeigte anf Grund des durch zahlreiche Forscher 
gewonnenen Materials, dafi die Entwickelnng von Wirbeln nnd 
Schftdelknochen eine grnndverschiedene ist. Da die Gleich- 
artigkeit der Entwickelnng aber die Yorbedingung fUr die 
Homologisiernng sein mnfi, kann mit den Ansftthmngen Hnx- 
leys die nrsprUngliche Wirbeltheorie Goethes und Okens 
als endgttltig beseitigt angesehen werden. Erst Gegenbaur 
nahm 1872 die der Theorie zugrunde liegende Idee der nrsprOng- 
lichen Gleichartigkeit der Wirbels&ule nnd des Sch&dels wieder 
anf. Diese Gleichartigkeit ist aber nicht mehr in dem Zustande 
des Knochensystems zu suchen. Als Grundlage fttr die Be- 
urteilung der ganzen Frage studierte Gegenbaur den Knorpel- 
sch&del der Selachier. Seine Arbeiten stammeu aus der 
klassischen Epoche der vergleichenden Biologie; 5rtlich und 
zeitlich sind sie in innigem Zusammenhange mit den grund- 
legenden Arbeiten E. Haeckels entstanden. Gegenbaur 
beurteilte die Wirbeltheorie des Schftdels in umfasseuder Weise 
Yom Gesichtspunkte der Deszendenztheorie. Damit fiel ein 
nenes Licht anf alle die Fragen, die sie birgt. Sie ist da- 
dnrch fttr lange Zeit zu dem Hauptproblem der vergleichenden 
Morphologie geworden. Er unterschied am Sch&del einen 
hinteren vertebralen Tail, der bis znm vorderen Ende der 
Chorda dorsalis reicht, von dem pr&vertebralen Telle, von der 
Hypophysis bis zur Nasenspitze. Fttr den ersteren nahm er 
eine segmentale Gliederung an, fttr den letzteren schlofi er eine 
solche aus. Die wesentlichen Punkte dieser segmentalen 
Gliedemng sah er in den Beziehnngen der Kopfnerven und 
ihrer Moskulatur zu den Kiemenb5gen. Der Facialis und 



— 154^ - 

GlossopharyDgens stellen zwei derartige gleichfdrinige Kiemen- 
bogennerven dar. Mehr von dem Typas hat sich der Trigaminiis 
entfernt, der zn dem vordersten Visceralbogen , dem Kiefer- 
bogen gehSrt and vielleicht ans der Vereinignng zweier oder 
mehrerer segmentaler Visceralbogennerven entstanden ist. Ans 
dem Vorhandensein der Lippenknorpel ist dies zn vermnten. 
Anch der Vagus besteht ans der Vereinignng einer gr5fieren 
Zahl solcher segmental geordneter NeiTen, die am Dnrch- 
gang dni'ch die Sch&delwand zn einem Stamme vereinigt sind. 
Aus der Qleichartigkeit der peripheren Ansbreitnng der Eopf- 
nerven nnd der anf einen gemeinsamen Typns zur&ckznflUirenden 
Form der knorpeligen Kiemenbdgen vermutete Gegenbanr, 
dafi anch die Zusammensetznng der jetzt bei den Selachiem 
einheitlichen Enorpelkapsel im Bereiche der Chorda dorsalis 
wie bei den Wirbeln einst eine segmentale gewesen sei. Die 
im Bereiche der WirbelsHnle anstretenden Spinalnerven lassen 
sich nlcht ohne weiteres mit den segmentalen Kiemenbogennerven 
des Sch&dels vergleichen. Denn wUhrend bei den Kiemenbogen- 
nerven motorische and sensible Bestandteile vereint am Gtehirn 
entspringen and den Schftdel verlassen, sind die ventralen 
motorischen Warzeln der Spinalnerven von den dorsalen sensiblen, 
ein Ganglion fUhrenden, weit getrennt. Er verglich die dorsalen 
Warzeln der Spinalnerven allein mit denen der Kopfnerven 
and nahm an, dafi die einst anch fUr jeden Kopfnerven vor- 
handene ventrale motorische Wurzel bei einigen rftckgebildet 
worden sei, bei anderen in ihrem Verlauf anabh&ngig von der 
dorsalen Wurzel ge worden sei. So rechnete er znm Trigeminus 
den Oculomotorius, zum Facialis den Abducens nnd anch f&r 
den Vagus land er kleine, unabhUngig von ihm verlanfende 
motorische Wurzeln, die sich mit Spinalnerven vereinigt 
znr Zungenmuskulatur begeben. Elr bezeichnete sie als die 
ventralen Vaguswurzeln. Die die motorischen Muskeln des 
Visceralskeletts (Kiemenbogenskeletts) versorgenden Bestandteile 
der echten Kopfnerven schied er also aus dem Vergleich mit 
den ventralen Wurzeln der Spinalneren aus nnd verglich sie 
mit motorischen Fasem der Spinalnerven, die zur Darm- 
muskulatur gelangen. Anatomisch nnd physiologisch ist spftter 
das Vorhandensein solcher Nervenfasem in den dorsalen Warzeln 
der Spinalnerven best&tigt worden. So war die Ubereiastimmaiig 



— 166* - 

zwisohen Spinalnerven and KopfnerveD als eine weitgehende 
anzusehen and die Annahme, dafi die jetzt noch in alien Hanpt- 
sachen nbereinstimmende Gliedernag der Organe des Sch&dels 
and der Wirbelsftnle sich einst anf die Skeletteile des Sch&dels 
erstrecke, hatte ihre voile Berechtignng. Gegenbaur machte 
die entwickelangsgeschichtlich von vornherein einheitliche 
Enorpelanlage des Sch&dels dnrch die Anpassung an die Fnnktion 
als Schntzorgan fftr G^hirn nnd Sinnesorgane verst&ndlich. 

So ist dnrch Qegenbanr das Problem der Wirbeltheorie 
allm&hlich nnr ein kleiner Teil eines umfassenderen Problems, 
des Problems der Metamerie des Sch&dels, geworden. Von nan 
an sind beide von einander nicht zu trennen. Es fanden sicli 
bald neue Tatsachen, die Qegenbanrs Anschaaangen stUtzten. 
Bei Froschlarven wnrde die Ubereinstimmung der Entwickelnng 
des Hinterhanptes mit der des Wirbels zuei*st nachgewiesen. 
Dann folgte bald derselbe Nachweis bei Haifischen, Ganoiden 
nnd S&ngetieren, bei denen die Angliedernng von mehreren 
Wirbeln an das Hinterhanpt festgestellt wnrde. Gleichzeitig 
damit zeigte aber das Stadiam der za diesen Wirbeln geh5rigen 
Nerven, dafi die von Gegenbanr als venti*ale Vagnswarzeln 
angesehenen Gebilde mit diesen Kopfnerven nichts za tun habea, 
sondem dafi sie die mit den Wirbeln in den SchUdel ein- 
gewanderten Spinalnerven sind. Ja es fanden sich sogar die 
Rndimente von Spinalganglien and dorsalen Warzeln, die 
za ihnen gehOrten. 

Damit war der Beweis geliefert, dafi dieser hinterste Teil 
des Hinterhanptes, derjenige, der zum 12. Gehirnnerven, 
znm Hypoglossns, geh6rt, tatsd^hlich aas Wirbeln, die mit 
dem Schlldel verschmolzen sind, hervorgeht. Ihre Zahl ist 
nicht bei alien Klassen die gleiche nnd auch wenig sicher. 
M. Fnrb ringer, der die ganze Frage in einem wander- 
baren Werke nen behandelt hat, scheidet diesen aas Wirbeln 
bervorgegangenen hinteren Abschnitt des Sch&dels als Neo- 
kraninm von dem PaULokraniam, dem die echten alten Gehirn- 
nerven bis zam Vagas-Accesorias angeh5ren. Dieses letztere 
zeigt niemals eine segmentate Gliederang des Skeletts and hat 
wahrscheinlich nie eine den Wirbeln &hnliche Gliederang besessen. 
Wohl aber sind Nerven nnd Maskeln in dem Bereiche des 
PaUoli^raninms segmental gegliedert. 



~ 1B6* — 

Von der alten Wirbeltheorie Goethes and Ok ens ist 
wohi nicht viel fibrig geblieben. Aber dnrch alle neaen Unter- 
suchungen klingt die alte Idee von der nrsprttngUchen Gleich- 
artigkeit hindarch. Sie hat zahlreichen Arbeiten die Anregang 
gegeben. In den schwierigen and immer verwickelteren Pro- 
blemen der Metamerie des Wirbelk5rper8 hat 8ie immer fUh- 
rend gewirkt and den darch die Vertiefang der Forachang nea 
gewonnenen R&tseln gegenUber wird sie sich weiter bew&hren. 

„Alle Glieder bilden sich aus den ewigen Gesetzen 
Und die seltenste Form bewahrt im Geheimen das Urbild.* 

(Goethe.) 

XYIII. Sitznng Yom 7. April 1906. 

Erteilung des Soemmerring-Pretses. 

Vorsitzender : Dr. Angnst Jassoy. 

ZnrErteilang des Sommerring-Preises ist der grofie 
Horsaal des Bibliothekgeb&ndes mit Blattpflanzen geschm&ckt, 
ans deren Mitte die Bttste v. S5mmerrings hervorragt. Der 
Preis za Ehren des grofien Gelehrten worde 1837 zam erstea 
Male vergeben. Die Stiftang geht aber noch nenn Jahre weiter 
zarUck. Sie resnltiert aas den Uberschtissen einer Sammlang, 
aus deren Ergebnis nrsprBnglich dem gefeierten Samael Tho- 
mas yon S5mmerring zn seinem 50j&hrigen Doktorjabil&nm 
eine Medaille Uberreicht warden sollte. Da jedoch die zar Pr&- 
gung einer Medaille erforderliche Snmme weit ttberzeichnet 
warde, beschlofi man, ein ^PrSUninm^ zn stiften, das dem An- 
denken v. Sommerrings fUr alle Zeiten gewidmet sein sollte 
and das an dessen Ehren tag, am 7. April, in vierj&hrigen Perio- 
den demjenigen deatschen Natarforscher zaerteilt werden sollte, 
der die Physiologie im weitesten Sinne des Wortes in dem ver- 
flossenen Zeitraam am meisten gef5rdert hfttte. 

Preisgekr5nt warden bisher die folgenden Gelehrten: 
Ehrenberg, Schwann, Bischoff, Wagner, K5lliker, Mfil- 
ler, Helmholtz, Ladwig, de Bary, yoa Siebold, Voit, 
Sachs, Flemming, Ronx, Verworn, Born and Ni61. Die 
fUr die diesj&hrige Preiserteilang emannte Kommission bestand 
aas den Herren Dr. Albrecht, Prof. Edinger, Prof. Lepsias, 
Stabsarzt Prof. Marx, Prof. Mobias and Prof. Beichenbach. 



— 1B7* — 

Nach Er5Siiung der Sitzung durch den I. Direktor spricht Prof. 
Edingfer als Vorsitzender der Kommission fiber die zam Vor- 
schlag gebrachten Arbeiten^ die den Gebieten der Chemie, Physio- 
logie, Zoologie and Botanik entnommen waren. Auf ein- 
stimmigen Vorschlag der Kommission wnrde der Preis der bota- 
niscben Arbeit znerteilt, fiber die Prof. M 6 bins in folgender 
Weise berichtet: 

Von hervorragendem Interesse ffir die ganze Biologie ist 
das von dem ordentlichen Professor der Botanik and Direktor 
des botanischen Gartens in Graz Dr. G. Haberlandt im 
Jahre 1901 heraasgegebene Buch: „Die Sinnesorgane im Pflanzen- 
reich zur Perzeption meckaniscber Beize*^, Leipzig, 1901, an 
das sich weitere, ebenso interessante Untersuchangen auf diesem 
Gebiet anschlieBen. 

Von Sinnesorganen kann man ja bei Pflanzen nar in der 
Bedentang sprechen, dafi man darnnter eigene Perzeptionsorgane 
zar Aafnahme bestimmter auBerer Reize versteht, Reize, auf 
die die Pflanzen mit mehr oder weniger raschen Bewegangen 
reagieren. Als solche Organe sind die folgenden bekannt. Zu- 
n&chstbilden eine besondere Gr appe die, welche zar Wahrnehmung 
yon meehanischen Reizen im engeren Sinne des Wortes dienen 
and demnach den Tastorganen der Tiere vergleichbar sind. 
Hierher geh5ren die Borsten aaf dem Blatt der Venusfliegenfalle 
und der Aldrovanda, einer anderen insektenfressenden Pflanze, 
die steifen Haare an den Gelenkpolstern der Siunpflanze, 
Mimosa pudica, die sogenannten Ffihltfipfel an den Ranken der 
Rankengew&chse und an den DrusenkQpfchen des Sonnentaus 
and die Ffihlpapillen an den beweglichen StaubgefS.Ben, wie an 
denen der Berberitze. Ffir die zweite Gruppe kommen in 
Betracht die Pflanzenteile, die sich in bestimmter Richtung zur 
Wirkungsrichtung der Schwerkraft einstellen. Hier lafit sich 
nachweisen, dafi in den Zellen gewisser Gewebe die St&rke- 
kdmer die RoUe von Statolithen spielen und durch den Druck 
auf die eine oder andere Seite des Protoplasmaschlauches der 
Pflanze sozusagen das Geffihl der gegen die Schwerkrafts- 
richtung eingenommenen Lage beibringen und eine Eorrektion 
dieser Lage bewirken, was wir geotropische Krummung nennen. 
Die dritte Gruppe bilden die Sinnesorgane der Pflanze ffir 
Lichtreize. Bei gewissen mikroskopischen freibeweglichen 



— 168* - 

Pflanzen oder Entwickelangszust&nden von Pflanzen fasgiert 
der sogenaoDte Augenpunkt and das ihm angelagerte Plasma 
als solches Sinnesorgan. Bei den Graskeimlingen ist die Spitze 
der Keimblattscheibe ein Lichtperzeptionsorgan. Die Lanb- 
blatter vieler Pflanzen nehmen eine bestimmte Lage zum ein- 
fallenden Lichte ein and bier sind es die Zellen der Epidermis, 
deren Plasma infolge ihres an eine Sammellinse erinnernden 
Baaes zun&chst empfinden, in welcher Richtung das Licht ein- 
f&Ut, and darnach die meistens im Blattstiel aasgef&hrte KrOm- 
mang veranlassen. tJberall ist die Reizwahrnehmang eine 
Funkiion des lebenden, sensiblen Protoplasmas ; wie dieses imTier- 
and Pflanzenreich von gleicher Beschaffenheit, wie die Zelle der 
Elementarorganismas in beiden Reichen ist, so zeigt sich nan 
auch, dafi zur Reizwahrnehmang besondere Organe nicht nar 
bei den Tieren sondern anch bei den Pflanzen ausgebildet werden. 

Anfgestellte Pflanzen, Wandtafeln and mikroskopische 
Praparate erl&ntern den Bericht. 

Zam Schlafi dankt der Vorsitzende der Preiskommission 
f&r die aneigennUtzige MUhewaltang, der sie sich darch Pr&fong 
der gewaltigen Literatar anterzogen hat, and dem Referenten 
fUr die pr&gnante Darstellang des Ergebnisses der Beratnng. 



^ 159* - 



Miiseumsbericht. 



I. Zoologische Sammlnng. 

1. Die Sfta^etiere. 

Von deD aas dem Zoologischen Garten gelieferten Tieren 
wurde eiue ganze Anzahl gestopft and mouliert; auck warden 
aas den BalgvorrHten verschiedene Tiere fiir die Schausammlang 
an^estellt, a. a. Equus grevyi M. Edw. <? and Gobus defc^sa 
i and %. Namentlich wiirde die Aafstellung der von Carlo 
Freiherrn von Erlanger geschenkten S&ugetiere in AngriS 
genommen, za deren Erg&nzang ans von Fran Baronin von 
Erlanger noch ein Giraffenfell so wie zwei Felle vom Wasserbock 
nebst Sch&deln geschenkt warden. Ferner suckten wir durch Be- 
Btellangen and Ankaufe die Lttcken in manchen Saugetier- 
ordnungen aaszafUllen and &ltere StUcke darch neae za ersetzen. 

Geschenke: Earl Hagenbeck in Stellingen bei Ham- 
barg and J. Menges in Limbnrg: eine jange Giraffe, Camelo- 
pardalis giraffa L., etwa vier Jahre alt, die im hiesigen 
Zoologischen Garten verangltickt ist. 

Herzogl. S&chsische Jagdverwaltung in Hinterifi, 
Tirol: einen Gemsbock, Bupicapra tragus Gray. 

Neae Zoologische Gesellschaft: Myoxus dryas Schreb. 
and Mus barbarus L. Tunis, Dipus gerboa Olivier, Onychogale 
frenata Gould and ein wildfarbiges Meerschweinchen. 

Ingenieur Paul Prior: 3 Mus musculus L. var. flava. 

Karl Koch: Sciurus vulgaris L. var. nigra. 

Dr. H. Ehrmann: Balg von Felis tnarmorata Martens 
von Sumatra. 

H. A. Theophile, Seekamp: einen schonen Perttckeu- 
kopf vom Beh. 



— 160* — 

Franz Hasselhorst: Putorius vulgaris L. ad. von der 
deutsch-russischen Grenze. 

Dr. A. Seitz: eine Fledermaus von Serra Pablo di 
Tucuman, Argentinien. 

Karl Huth: Mus sylvaticus L. in Spiritus. 

H. M tiller: 2 Muscardinus avellanar'ms (L.). 

Frl. E. R5mer, Mors: mehrere Haasratten. 

Prof. R. Friese, Berlin: 7 Photographien von seinen 
grofieren Tiergem&lden. 

Kauf: Neue Zoologische Gresellschaft: Simia satyrus 
L. i juv., CercopUhecus campbelU Waterh., C. tdbigularis Sykes 
J*, Macacus pileatus (Sliaw) J, M, rhesus L. var., Celms hypo- 
leucus Humb., Ateles titer F. Cuv. ? und ein Galago spec, 
Paradoxurus leucomystax Gray $, Viverricula tnalaccensis Gmel. 
?, Uerpestes robustus Gray ^, Putorius africanus Desmar. ?, 
Galera barbara L. J, Hyaeyia striata L. ^, Fells planiceps Vig. 
et Horsf. J*, Frfw bengcUefisis Kerr. ?, Macropus biUardieri 
Desm. J*, Onychogah unguifera Gould ?, Myopotamus voypus 
Mol. ¥, DijMtis hirtipes L., Tragulus tnctninna Erxl. J, Cervicapra 
isabellina Afzel J*, Arddope cervicapra Pall. ^ juv., Pha^ochoerus 
africanus ?, Hyrax capensis Pall. $. 

J. Menges: Macropus afitilopintui Gould ^ u. f. 

Kustos Sparre Schneider, Tromso: eineu weiBen und 
einen blauen Polarfuchs, Cants lagopus L., and 2 Lemminge, 
Myodes lemmus L. J* und ?. 

Von Bildhauer Kiesewalter in Breslan wurde ein von 
ihm angefertigtes Modell des Gorilla- Weibchens , welches 
7 Jahre im Breslauer Zoologischen Garten gelebt hat, angekanft. 

Wissenschaftliche BenUtzung: Dr. M. Hilzheimer, 
Assistent am Zoologischen Institut in Strafibnrg i. Els., studierte 
vom 31. Mai bis 2. Juni die Canidenarten. 

Dr. Knud Andersen, London, Br. Musenm, entlieh den 
Typus und das Original von Rhinolophus fumigatus Rllppell, 
(bereits zurttckgesandt). 

Die Lokalsammlung. 

In der Lokalsammlung wurde hauptsachlich an der Her- 
richtung der Gruppen ans der einheimischen Tierwelt gearbeitet, 
die in der ueuen Schausammlung Aufstellung finden sollen. Der 



- 161* - 

Aofruf, den wir za Beginn des Winterhalbjahres an alle Freande 
des Weidwerks um Uberlassung von Wild and Jagdtrophslen 
gerichtet hatteo, hat schone Erfolge gezeitigt; denn gerade 
im letzten Jahre ist nns eine Reihe prachtvoller StUcke von 
jagdbaren Tieren zugegangen, auf die wir schon seit Jahren ge- 
fahndet batten. 

Um aber diese Gruppen bis zu der EroSnung unseres neuen 
Moseoms in der gewiinschten Vollstandigkeit fertigstellen zu 
kdnnen, bedttrfen wir noch weiterhin eines guten Materiales an 
verschiedenen Tieren, das moglichst frisch und unverletzt in die 
Bearbeitung durcb ansere Konservatoren gelangen mnfi. Wir 
richten daher an ansere jagdansiibenden Mitglieder und Freunde 
noch einmal die ergebenste Bitte, auch ferner zur VoUendung 
dieser Gruppen beizutragen. Zur Kenntnis diene, daB folgende 
Tiere ganz besonders erwUnscht sind: 

1. Im Sommerkleid: 

Edelhirsch, Cervus elaphus L., Mannchen mit starkem 

Geweih und Weibchen; 
Reh, Cervus capreolus L., Mannchen mit starkem Geweih ; 
Dachs, Meles taxus L., Jnnge; 

2. Im Winterkleid: 

Edelhirsch, Cervus elaphus L., Mftnnchen mit starkem 

Geweih ; 
Fuchs, Cams vulpes L., altes M&nnchen. 

Von V5geln (namentlich Nestvogel!) sind erwUnscht: 
Wasserhuhn oder BlftBhuhn, Fulica atra L. ; Kiebitz, VaneUus crir 
status L. ; Regenpfeifer, Charadrius pluvicUis L. ; Wachtel, Cotur- 
nix cotumix (L.); Birkhuhn, Tetrao tetrix L., M&nnchen und 
Weibchen; sowie einige Auerhennen. 

Mehrfach schon haben wir in unseren wissenschaftlichen 
Sitzungen betont, dafi dem Museum eine groBere Geweih- 
8 am m lung des einheimischen Rot-, Dam- und Rehwildes voll- 
st&ndig fehlt, und doch wUre es aufierordentlich wichtig, die 
Geweihbildung und Geweihentwickelung vom SpieBer bis zum 
alten Hirsch mit alien Abnormit§.ten und Ruckbildungen mog- 
lichst YoUst&ndig vorzuflihren. Erfrenlicherweise ist nun im 
verflossenen Jahre der erste bedeutende Grundstock zu einer 
solchen Sammlung dadurch entstanden, dafi Se. Exzellenz der 
Wirkl. Geheimrat Professor D. Dr. Moritz Schmidt-Metzler 

11 



- 162* — 

letztwillig seine hervorrageDde Greweihsammlang einheimifichen 
Behwildes dem Museam vermacht hat, mit dem ansdrttcklichen 
Wunsche, dafi andere Jagdliebhaber seinem Beispiel folgen mid 
die Sammlung vermehren mGchten. Dieser Erfolg ermatigt nns, 
onsere Mitglieder und Freande noch einmal aof dieses Desiderat 
anserer SammlaDg aafmerksam za machen. 

Geschenke: Seine Durchlaacht der Ftlrst zu 
L e i n i n g e n lieB ans 3 Frischlinge vom Wildsch wein seuden and 
versprach, im n&chsten Winter die Felle kr&ftiger Schweine zur 
AnfsteUang einer ganzen Familie zn schenken. 

Oberf ftrster von Gronefeld, Hoyerswerda : 2 Photogra- 
phien des am 27. Febrnar 1904 bei Neastadt im Kreise Hoyers- 
werda erlegten Wolfes, der mehrere Jabre lang dem Wild- 
stande im dortigen Revier starken Abbruch getan hatte. 

A. Sondermann, Paossen in OstpreaSen: Photographie 
des am 25. November 1901 in der OberfOrsterei Schorellen. 
Kreis Pillkallen, erlegten Lnchses. 

Robert de Neufville: einen prachtvollen Bronfthirsch, 
Cervtis elaphus L., Zehnender ans dem Tannus. 

Robert Osterrieth: einen Zehnender aus dem Spessart. 
Dr. von Pander: einen Sechsender aus Oberhessen. 
Dr. F. P a c h t e n : einen pr&chtigen Rothirsch ans dem 
Vogelsberg. 

RegiernngsbanfUhrer TheiB: einen Rehbock, Cervus 
capreolus L., aus dem Taunns. 

J. E^llreuter: Rehkitz und jungen Dacbs. 

Polizeipr&sident a. D. von Mfif fling: ein Rehkitzchen 
aus Oberhessen. 

Karl Acker, Wiesbaden: ein Rehgeweih. 

Forstmeister Ruths, Grofi-Gerau: einen starken Dam- 
hirsch, Dama dama (L.), aus dem Grofi-Gerauer Park. 

Generaldirektor H. Kleyer: Damhirsch $ and jungen 
Rehbock. 

H. Poppelbaum: einen alten, fetten Dachs, MeUsiaxus 
Schreb., f aus Oberhessen. 

Baron von Erlanger, Nieder-Ingelheim : einen Fuchs, 
Ga/nis vtdpes L., aus dem Schwanheimer Wald. 

Fr. Sommerlad: 2 junge Ftlchse. 



- 163* — 

HermannMttller: 2 HaselschlMer, Muscardinus aveUa- 
nanus (L.), <? and $. 

Dr. August Knoblauch: 2 juDge Hausratten und eine 
Ohrfledermaus, Plecotus auritus (L.). 

i. Die T5^el. 

Auch die VogelsammluDg ist iro verflossenen Jahr durch 
mancherlei Zuwendungen in dankenswerter Weise verroehrt 
warden. Es schenkten: 

Frau Gr&fin Schlippenbach geb. Metzler: eine Gruppe 
verschiedener Arten Kolibri. 

Direktor August Abele: Procnias tersa {Jj.) ^, Rampho- 
cadus brasilius{L,\ Pyranga satra (Spix), Icterus jamaicensis Gmel. 
von W.-Brasilien. 

Neue Zoologische Gesellschaft: PoephUa castanotis 
Gould, P. mirabilis des Murs., P. annulosa Gould <?, Gracticus 
destrudor Temm. ^, Plaiycercus flaveolus Gould, Geopelia cuneata 
(Lath.) Australien, G. humeralis (Temm.) ? Australien, Nothura 
maculosa (Temm.) Argentinien, Garrulax pedorcUis Gould $ 
Nepal, Dryonastes chinensis Scop. China, Carpophaga bicolor 
Scop., Geopelia striata L. ? Java, Nothura maculosa (Temm.) % 
Argentinien, Dendrocitta rufa Scop, cf Bengalen, Estrelda (Stid- 
ospiea) formosa Lath. <? Mittelindien, Columba livia L. cf Tunis, 
Thaumalea amherstiae Leadb. $. 

Louis Witzel, Comuna Barza, Rum^nien: Haliaetus 
aibicilla (L.) und 2 Corvus corax L. 

Freiherr von Beverforde, Grabenst&dt: Botaurus stel- 
laris L. <? juv. und Fuligulu marila L. J. 

F. Zeh: 2 Poephila actUicauda Gould cf N.- Australien, 
Brotogerys jugularis MttU. ^. 

J. Menges, Limburg: mehrere Poephila acuUcauda Gould 
(? N.-Anstralien. 

H. Schneider: PcUaeornis eupatrius L. <?. 

J. Kollrenter: Phasianus torquati^s L., hahnenfedriges 
Weibchen. 

K. Kullmann: Serinus musicus Vieill. <? W.-Afrika. 

H. Schumacher: Chrysomtris citrinella L. S.-Europa. 

Frau Gehring: Bastard von Fringilla canaria X carduelis , 

11* 



— 164* - 

Robert de Neufyille: 2 Pharomacrus auriceps Gould 
(T and $, Ph. arUisianus d'Orb. cT Venezuela, und Microdchla 
scouUri Vig. Himalaya. 

Eauf: Neue Zoologische Gesellschaft: Platycercus 
flaveolus Gould c? Australien, Brotogerys chiriri (VieilL) <r 
Brasilien, Ara ararauna (L.) $ Brasilien, Garpophaga aenea 
L. $ Molukken, Caccabis petrosa{Qme\,) $ Sardinien, Pavo muiicus 
L. (?, Porphyria ccdvus Vieill. <? Java, Geophaps plumifera Gould 
<y, Struthidea cinerea Gould <? Australien, Treron phoenicoptera 
(Lath.) (j* Bengalen, Ghrysotis viridigena Cass, f Mexico, 
Himantoptis himatUqptis L. 

J. Menges, Limburg: Ewblema picta Gould (in Spiritus) 
N. Australien. 

W. Schlflter, Halle: Chrysotis pretreiTeimm. Bio Grande 
do Sul, Tanygnathtis talatUensis M. et Vig. <? Earkelang, Talaut, 
PcUdeomis fasciata (Mfill.) % Insel Hainan, und Nasitema tristrami 
Salomon Island. (Vorstehende 4 Papageien-Arten sind aus den 
Zinsen der Cretzschmar-Stiftung erworben). 

Bitter yon Tschusi zu Schmidhoffen, Hallein: 
Parns communis tschusii Hellm. <? Ober-Italien, ^ Panarus 
biarmicus occidentcUis Tschusi cT und $ Venetien, 2 ChrysomUris 
cUrineUa corsicana K3nig Sardinien, 2 Oceanodroma Uucorrhoa 
Vieill. <r u. ¥ HoUand. 

Kustos Sparre Schneider, Troms5: 2 Somateria spec- 
iabUis (L.) c? u. ?. 

Hermann Bolle, Berlin: 2 Trichoglossas nigrogularis 
G. B. Gray c? u. $ Ai*u-Inseln, 2 Geoffroyus keyensis Schleg. 
(T u. $ Key Islands, 2 G. timorlaoensis Meyer <? u. $ Sarat 
Isl. Tenimber. (Ebenfalls aus den Zinsen der Cretzschmar- 
Stiftung erworben). 

K. Bock: Vanellus vaneUus (L.) cT. 

Die Lokalsammlung. 

Prof. Dr. M. M&bius schenkte: Ouculus canarus L. <f. 
Willy Balzar: Dryocopus m<irtius L. cT ad. 
F. W. Fix, Fechenheim: Anser albifrons Scop. 
Direktor W. Drory: GarrtUus glandarius L. cf, AcdpOer 
nisiis L. f. 

Bobert de Neuf ville: Scolopax rusticola L. <?. 



— 166* ~ 

Neue Zoologische Oesellschaft : Anser segetum h. <?, 
ASdan luscinia (L.) cT, Accentor modidaris (L.) cT. 

E. Kallmann: Ouculus canorus L. jay. aas dem Neste 
eines Botkehlchens. 

Die Nestersammlang warde darch folgende Gaben 
bereichert : 

L. Enhlmann: Nest yon Regulus ignicapUlus Temm. 

K. Kallmann: Nest and zwei Eier yon Sylvia hortensis L., 
Nest von Anorthura troglodytes (L.), Nest yon Acanthis linaria L. 
yon Mnettas marail ca. 2200 m hoch, and yon Sylvia currwa L* 
1950 m hoch. 

K. Koch: Nest yon Fringilla coelebs (L.). 

H. Bickhardt: Nest yon Chdidonaria urbica (L.) aas 
Nenwied. 

Polizeirat M. Kaschel, Gahraa: 2 Nester mit Gelegen 
von Acredida caudata L. and Sylvia sylvia (L.). 

Herr Kaschel besichtigte ferner in Neifie eine ans zam 
Kaaf angebotene, grofiere Sammlnng biologischer Vogelgrnppen 
and erstattete dartiber ein Oatachten, wofbr ihm anch an dieser 
Stelle der yerbindlichste Dank aasgesprochen sei. 

Wissenschaftliche Bentttzang: Dr. 0. Nenmann, 
Berlin, entlieh zam Vergleich 20 y(>gel, die bis aaf Atithus sor- 
didus Rtippell (2 Stflck) wieder zarlickgesandt warden. 

Prof. A. Reichenow, Berlin, entlieh Eremomela viridi- 
flava Hart, zam Vergleich, (bereits zarlickgesandt). 

Das Zoologische Institat in Mtinchen sandte 2 
entliehene Crcwp-Arten, C. blumenbachi and C. globulosa, znrttck. 

Robert de Neafyille. 
8. Die Reptlllen nnd Batrachler. 

Alle noch im Maseam stehenden Uteren Vorr&te — meist 
zarttckgestellte Dabletten — and alles, was im Laafe des Jahres 
nea einging, warde dnrchbestimmt and nea eingereiht oder dem 
Dablettenmaterial endgtiltig zagewiesen. In der nachfolgenden 
Aofis&hlang der Nenerwerbangen findet sich infolgedessen anch 
eine Anzahl yon Materialien, die, schon in frftheren Jahren 
geschenkt oder gekaaft, erst jetzt der Sammlung eingeffigt 
warden konnten. 



- 166* — 

Von besonderem Werte fUr ans war diesmal der Ankauf 
einer Lederschildkr5te (Sphargis coriacea h.\ einer Seltenheit 
ersten Ranges, die uns immer nocb gefehlt hatte, sowie das 
Geschenk Dr. Adolf Reichards seiner gesamten Aiisbeute 
an nordamerikaniscben und westindiscben Eriechtieren, woven 
namentlicb alle Arten der Cayman-Inseln fUr unsere Sammlang 
neu waren. Teilweise sebr kostbar sind aucb die uns von den 
Museen in LUbeck und Wien Uberlassenen StUcke und die yon 
Dr, Fr. Werner im Tauscb erworbenen Arten. 

Fttr unsere deutsche Fauna d&rften einige neue Fund- 
orte yon Interesse sein, die icb im Laufe der Jahre 1904 und 
1905 feststellen konnte. So fing icb am 23. April 1904 ein 
eiertragendes d von Alptes obstdricatis (Laur.) dicht am Forst- 
bause FriedricbsbrUck beiHessiscb-Licbtenau an der Sftd- 
spitze des Kauffunger Waldes in 490 m Meereshdbe. Bei 
Bickenbacb an der BergstraBe wurde von mir am 7. August 
1904 neben Bana temporaria L. und Hyla arhorea (L.) aucb 
PelobcUes fuscm (Laur.) in einem Stttck nachgewiesen. Von 
Pelobates erbielt icb aucb 1905 im Frttbjabr zwei lebende Stttcke, 
die in Bockenbeim und R5delbeim bei Frankfurt a. M. im 
Uberscbwemmungsgebiete der Nied gefangen worden waren. 
Ein Stttck von Tropidonotus tessellatus Laur. konnte icb am 
2. Sept. 1904 an der Labn zwiscben Nassau und Ems, dicbt bei 
dem St&dtcben Nassau, greifen. Am 21. April 1905 fand icb 
Coronella austriaca Laur. an der ,,Wasserlocbscbneise* im Walde 
bei Raunbeim a. M., am 21. Mai 1905 Bufo vulgaris Laur. 
auf der Rbeininsel nKttbkopf' bei Goddelau-Erfelden, am 
2. Juli 1905 und am 18. Juli 1905 Rana agilis Tbo. auf der 
„Kosakenscbneise^ sttdlicb vom Ebertsberg bei Dietzenbach 
und am ^Bucbscblag'' bei Sprendlingen in Starkenburg und 
am 2. Juli 1905 drei Stttck BombincUor pachtfpus Bonap. in den 
Steinbrttcben nordlicb von Dreieicbenbain. 

Gescbenke: Neue Zoologiscbe Gesellschaft: 
Bana catesbyana Sbaw und Bufo ktUiginosus Sbaw var. americana 
Holbr., Osll. Verein. Staaten ; 2 Molge hagenmulleri (Lat.), Oran 
(Algier); 2 Crocodilus porosus Scbneid., Ost-Indien; 2 Cinosiemum 
odoratum (Daud.), Ost. Ver. Staaten, Hardella thurgi (Gray) ^ 
Nordindien, Chrysemys picta (Scbneid.), Ostl. Ver. Staaten, und 
Chr. ornata (Gray), Mexiko, Ocadia sinensis Gray, Sttd-Cbina, 



~ 167* - 

Maktcodemmys terrapen (Sch5pff) and M, lesueuri (Gray), Ostl. 
Ver. Staaten, 2 Damama reevesi (Gray), China, Emys orbicularis 
(L.) <?, Eoropa, 2 Cyclemys amboinensis (Daud.) jnv., Borneo, 
Testudo argtfdina Sclat. f , Argentinien, T. elegans Sch5pff, Ceylon, 
r. ibera Pall, Syrien, and T. horsfieldi Gray f u. halbw., Tarkestan, 
CheUme imbricata (L.), Indischer Ozean, Thalassochelys caretta (L.) 
balbw., Mittelmeer, Sternothaerus nigricans (Donnd.), Madagaskar, 
and 2 St. derbyanus Gray, West-Afrika, Hydromedusa tedifera 
Cope and Hydraspis hUairei D. B., Brasilien, Trionyx muticus 
Leg. and 8 Tr. Bpinifer Les., Ostl. Ver. Staaten ; Ophisaurus ven- 
tralis (L.), Ostl. Ver. Staaten, Varanus nUoticus (L.), Agjrpten, 
V. gauldi (Gray), Aastralien, F. cumingi Mart., Mindanao (?), and 
2 F. ^ncto^fi^ (Gray), West- Aastralien, Iguana tuberculata (L.), 
S&d-Amerika, Ctenosaura acanthura (Shaw) typ. $, Mexiko, 
Cnemidapharus oceUifer (Spix), Brasilien, Amphisbaena plumbea 
Gray, Mendoza (?), Egemia stokesi (Gray) and Trachysaurus 
rugosus (Gray), West- Aastralien ; Python spikftes (Lac6p.) typ., 
Neos&dwales, Trqpidonotus natrix (L.) var. picturata Jan, SUdost- 
Earopa, and TV. fasciaius (L.), Ostl. Ver. Staaten, Zamenis mucosus 
(L.), Ostindien, Spilcies pullatus (L.), Brasilien, Caronella getula 
(L.) var. calif omiae Cope, Westl. Ver. Staaten, 2 Abasior erythro- 
grammus (Dand.), Mississippital, Heterodon platyrrhinus Latr., 
Ostl. Ver. Staaten, Trimerorhinus rhombeatus (L.), Natal, Acanlh- 
ophis antarcUcus (Shaw), Neasttdwales, and V^i)era ursinU 
Bonap., Laxenbarg bei Wien. 

KonsolEarl Fleischmann, Guatemala: Spelerpes varie- 
gaius (Gray) var. salvini Gray; Lygosoma (Liolepisma) assatum 
(Cope); Polyodontophis annukUus (D. B.), Streptophorus atratus 
(Hall.) var. sebae D. B. and Sir. labiosus Boct., Drymobius 
margaritifer (Schleg.) and Dr. boddaerti (Sentz.) var. D, Coluber 
lineaHcollis (Cope), 8 Rhadinaea godmani (Gthr.), Urotheca elap- 
aides (Cope), Leptodira albofusca (Lac^p.), 2 Himantodes cenchoa 
(L.), Oxybelis acuminata (Wied), Elaps fulvius (L.) tjrp. and 
5 var. nigrocincta Gir., Lachesis bicolor (Boct.) and 4 L. nummifera 
(Rflpp.), sftmtlich aus Guatemala. 

Prof. Dr. 0. Boettger: Bana agUis Tho. ? vom Eberts- 
berg bei Dietzenbach and Rana temporaria L. vom Deatschherrn- 
weiher bei Offenbach and ans der „Wanz^ bei Kelsterbach; 
Ckrysem/ys cinerea (Bonn.), Milwankee, Wis., Ischnognaihus lineatus 



— 168* — 

(Hall), St. Louis, Missouri, Helminthophis frontalis (Pts.)> Costa 
Rica, Coluber rufodorsattis Cant., Peking (Nord-China), und 
Simocephalus guiraii (Mocq.), Eamerun. 

Aus Venezuela: Zahlr. Dendrobates tmdorius (Schneid), 
2 Leptodadyltis pentadadylus (Laur.) juv. und 2 L. discocUu^lus 
Blgr. juv., 2 Paiudicola sp. juv., zahlr. Bufo crucifer Wied, 
mehrere B. typhonius (L.) juv., 5 Hyla crepitans Wied; 2 Cro- 
codilus americanus Laur. juv.; mehrere Hemidactylus mabuia 
(Mor. de Jonn.), Anolis fuscoauratus d'Orb. ? juv., Uraniscodon 
plica (L.) juv., Ophryoessa superciliosa (L.), Iguana iubercukUa 
Laur. juv., Centropyx calcaratus Spix, Amphisba^na fuliginosa L. ; 
Boa constrictor L. 2 Embryonen, Coluber corais Boie Kopf und 
Xenodon severus (L.) Kopf, Thamnodynastes naUereri (Mik.) 
var. strigata Othr., Leptodira aibofusca (Lac6p.), Oxyrrhopus 
neuwiedi (D. B.) und Homatocranium mdanocephcdum (L.) juv. 

Vom Oberen Amazonas: Bufo niarinus (L.) und Hyla 
granosa Blgr., Iquitos; Tupinambis nigropunctatus Spix, Rio 
Huallaga (Ecuador), Ameiva surinamensis (Laur.) <?, $ und juv., 
Iquitos; TypJdophis squamosus (Schleg.), Iquitos, Ilysia scytale 
(L.), Rio Tocantins, SpUotes pullatus (L.), Iquitos, Herpetodryas 
carinatus (L.) var. B und Leptophis ortani Cope, Tocantins, 
Atradus l<difrons (Gthr.) und A. elongatus n. sp., Iquitos, Oxyr- 
rhopus pdolarius (L.) var. digitalis Rss. und Oxybdis argentea 
(Daud.), Tocantins, Flaps corallinus Wied und Lachesis lancedUxta 
(Lac6p.), Iquitos. 

Naturalienh&ndler Hans Fruhstorfer, Berlin: Rhaco- 
phorus sp. und Gecko monarchus (D. B.) aus To ng king und 
Tropidonotus vittcUus (L.), Tr, trianguliger Boie, Tr. subminiatus 
Schleg., Tr, chrysargus Schleg. und 3 Tr. piscator (Schneid.), 
sowie Dryophis prasinus Boie aus Java. 

W. Post: Rana temporaria L. einj vom Konigsbr&nnchen 
bei Frankfurt a. M. und 2 Molge cUpestris (Laur.) von Egels- 
bach bei Darmstadt. 

Prof. Dr. med. L. Edinger: 3 Zamenis gemanensis (Laur.) 
typ., Italien. 

Oberingenieur Karl Brandenburg, Szeged (Ungam): 
Bufo viridis Laur.; Anguis fragUis L. var. colchica Dem., 
2 Lacerta viridis (Laur.) und 2 L. muralis (Laur.); Tropi- 
donotus natrix (L.) und 2 Tr. tessellatus (Laur.), 2 



— 169* — 

gemonensis (Laur.) var. trdbalis Pall., Caronella austriaca Laur. 
and 3 Vipera ammodytes (L.), s&intlich von Orsova im Ban at. 

Askott Eumss, Berlin: Glemmys caspia (Gmel.) var. 
rivukdaYai. ,Dalmatien ; 2 Tarentola maurUanica (L.), Nord-Afrika, 
Agama stellio L., West-Syrien, Scelaporus microlepidotusWiegm,^ 
Mexiko, Lacerta muralis (Laur.) var. tiligueria Gmel., Sttd-Europa, 
Algiroides nigropundatus (D. B.), Korfu ; Tropidonotus natrix (L.), 
Dalmatien, und Tr.piscator (Schneid.), Brit. Ost-Tndien, GMorophis 
hderolepidotus (Gthr.), Tropisches Afrika, und Oxyrrhopus trigemi- 
nus D. B., Brasilien. 

Lorenz Mtiller-Mainz, Kunstmaler in Mttnchen: 2 
Lacerta muralis (Laur.) var. hrn^ggemanni Bedr., Bologna (Mittel- 
italien), und Crotalus conflumtus Say var. atrox B. Gir., Texas. 

EonsulL. Ratazzi, Fremantle, West-Australien : Moloch 
harridus Gray, 400 engl. Meilen N.O. von Perth (West-Australien). 

Prof. Dr. L. v. Heyden, Major a. D. : 2 Draco volans L. 
(f, CkUotes juhatus (D. B.), Tropidonotus suhminiaius Schleg. juv. 
und Tr. vittatus (L.), Dendrophis pictus (Gmel.) und Doliophis 
intestinalis (Laur.) von Samarang auf Java. 

t The odor Kolb, Kaufmann in Madras: 2 Emyda vittata 
Pts. ; 2 Varanus hengalensis (Daud.) juv. ; Eryx conicus (Schneid.), 
Chersydrus grantdatus (Schneid.), 2 Tropidonotus pLsccUor (Schneid.), 
Helicops schistosus (Daud.), Zamenis mucosus (L.) juv., Dendrophis 
pictus (Gmel), Hydrophis fasciatus (Schneid.) und H, leptodirus 
Cant., Distira ornaia (Gray), Bungarus Candidas (L.) var. caertdea 
Daud. und 2 Vipera russelli (Shaw), sftmtlich von Madras, 
Brit. Ost-Indien. 

Karl Henrich, Brautechniker : Bufo marinus (L.); Tachy- 
menis peruviana (Wiegm.) und Philodryas elegans (Tschudi) von 
MoUendo, Slid -Peru. 

Hans MObius: Emys orbicularis (L.) juv. 

Dr. med. Paul Krefft, Steglitz bei Berlin: Rana limno- 
charts Wgm. <? von Kobe und R, buergeri (Schleg), Arimatal 
bei Kobe (Japan); 4 Rhinoderma darwini D. B. adult, und 4 
totgeborene Larven, sowie Leptodactylus kreffti Wern., Borboro- 
codes taeniatus (Gir.) halbw., 2 Paludicola bibroni (Tschudi) 
halbw. und Bufo spinulosus Wiegm. juv. von Corral in Chile, 
Bufo melanostidus Schneid., Uemidadylus bowringi (Gray) juv. 



— 170* - 

and Cerberus rhynchops (Schneid.) juv. von Singapore and 
Leptodira persanata Cope ana Mexiko. 

t Konsal Anton Stamp!! aas Homborg (H5he): Ein 
zweites halbwUchsiges SttLck des seltenen Urqplaks ebenaui 
Bttgr. von Nossib6. 

Kustos Dr. Fritz R5mer: Hana tempararia L. von 
Fj5sanger bei Bergen (Norwegen) and 3 Bufo vulgaris Laor. 
von EspevSlr (Norwegen), 2 Hyla arborea (L.) and 2 Salamandra 
maculosa Laar. aus der Umgegend. 

t Konsul Dr. 0. Fr. v. Moellendor!!: 16 Sana sanguinea 
Bttgr. and 6 halbw. R, tigrina Daad. von Calion (Calamianes), 
6 12. macrodon Tschndi, Ormoc aa! Leyte, 29 Micrixalus 
natator (Gthr.), Calion and Ormoc, zahlr. Rhacophorus leucamystax 
(Grav.), Calion and Samar ; Draco evereUi Blgr. <?, Dinagat, and 
Dr, omaius (Gray) and 7 Dr, spUopterus (Wiegm.), Montalban 
bei Manila (Lnzon); 15 Calotes marmoratus (Gray), Calioa; 7 
Oxyrhabdium modestum (D. B.), Samar, 9 Dendrophis pictus 
(Gmel.), Calion and Samar, Dendrelaphis caudolineatus (Gray), 
Calion, Dipsadomorphus angukUus (Pts.) and 2 Psammodgnastes 
puiverulentus (Boie), Samar, 9 Dryophis prasinus Boie, Calion 
and Samar, 14 Distira cyanocinda (Daad.), See Taal ao! Lazon, 
and 4 Doliophis bUineatt^s (Pts.), Calion, Philippinen. 

B. Kahn jan. : Philodryas psammophideus Gthr. von Salta, 
Prov. Tacaman (Argentinien). 

Fran Fischer: Tropidonotus natrix (L.) von Bad Boll 
in Wtirttemberg. 

t Franz Sikora, NataralienhUndler in Wien: Rana 
labrosa (Cope) and Megalixalus mocquardi n. sp , Fort Daaphin, 
and 2 Phelsuma Uneatum Gray, Mabuia gravenhorsti (D. B.) aad 
AcofUias holomelas Gtbr., Anvoka, zwischen Tamatave and Tana- 
narive, Ost-Madagaskar. 

Pro!. Dr. L. Kathariner, Freibarg (Schweiz): Qehyra 
muiil^ita (Wgm.) and 3 Lygosoma (Keneuxia) smaragdinum Less. 
Yap, Westliche Karolinen, nni Anolis nebulasus Vfiegm. ^, 
Mexiko. 

San.-Rat Dr. med. A. Libbertz; 2 E^er von Testudo 
graeca L. 

Eonservator Ad. Koch: Lacerta muralis (Laar.), Oberst- 
dor! im AlgHa. 



-• 171* — 

Dr. phil. Adolf Reichard: 

Aus der Umgebung der Mammath5hle in Kentucky, 
U. S. A. : Bufo vaUiceps Wiegm. ; Molge viridescens (Baf .) ; 
Ischnognathus occipUomacuUdus (Stor.), Zamenis constrictor (L.) 
var., Heierodon simus (L.) juv., Contia aestiva (L.), Coronella 
punctata (L.) var. pulchella Jan and Cemophora coccinea (Blum.). 

Von Grand Cayman, GroBe Antillen: Zablreiche 
Anolis conspersus Garm., 8 Liocephalus varius Garm. and Dromicus 
angidifer Bibr. var. caymana Garm. 

Aus Jamaika: Hylodes martinicensis Tschndi von Accom- 
pang and 5 H, luteolus (Gosse) von St. Andrews and Montego 
Bay, Bufo marinus (L.) ; Chrysemys scripta (Sch5pff) var. rugosa 
Shaw <?; 2 Sphaerodactylus argus (Gosse) and zahlr. Anolis 
^ayro^D.B., Montego Bay, zahlr. X. Uneatopus Gray, St. Andrews, 
and zahlr. A. grahami Gray and A. edwardsi Merr. von Accom- 
pang and Montego Bay ; Liophis callilaemus (Gosse), Montego Bay. 

Ans Haiti: Hylodes lentus Cope, Bufo gutturosus Latr. 
ond 4 Hyla ovata (Cope), Cap Haitien; zahlr. Anolis cybotes 
Cope von Cap Haitien and Port ao Prince, zahlr. A. chlorocyanus 
D. B., Cap Haitien, Port au Prince and Plaisance, A. ricordi D. 
B. <j*. Cap Haitien, and 4 A. distichus Cope von Cap Haitien and 
Plaisance, 8 Ameiva chrysolaenia Cope, Cap Haitien and Port 
an Prince; 3 Ungalia maculata (Bibr.) and Liophis melanonotus 
Shaw, Cap Haitien, 9 L. parvifrons (Cope), Cap Haitien and 
Plaisance, 10 Uromacer oxyrhynchus D. B., Cap Haitien, Plaisance 
and Fort Libert^, 4 U. catesbyi (Schleg.) and Hypsirhynchus 
ferox Gthr., Cap Haitien. 

Aas Surinam: Hyla boans Gthr. and Philodryas viridis- 
simus (L.) juv. 

Prof. Dr. A 1 f r. V o e 1 1 z k o w, StraBburg (Elsafi) : 6 Rana 
mascareniensis D. B., Majunga, 18 R. labrosa (Cope) und zahlr. 
Rhacophorus tephraeomystax (A. Dum.) und 21 Rappia renifera 
Bttgr., Majunga and Menabe; Phyllodadylus bastardi Mocq. and 
2 Blaesodactylus boivini (A. Dum.), Menabe, Hemidactylus frenatus 
D. B., H, mabuia (Mor. de Jonn.), 30 Mabuia elegans (Pts.), 64 
VoeUehowia mira Bttgr. und Hoplurus sebae D. B., Majunga, 
6 Chamaelean verrucosus Cuv. und 14 Ch. lateralis Gray, Menabe, 
9 Oh. oustaleti Mocq., Majunga und Menabe; 5 TypJdops braminus 
(Daad.), 6 T. boettgeri Blgr. und Folyodowtophis torquatus (Blgr.), 



— 172* — 

Majunga, Dromicodryas bemieri (D. B.), Troptdonatus lateraiis 
(D. B.) und Ithycyphus miniatus (Schleg.), Menabe, 4 Mimophis 
mahfalensis (Grand.), Majanga and Menabe, and Podocnemis 
madagascariensis (Grand.) typ. und var. bifilaris Bttgr., Panzer, 
Majanga, West-Madagaskar. 

A. W. Lindholm, Kauf mann, in Wiesbaden : Chrysemys 
scripta (Sch5pff) var. elegans Wied, Verein. Staaten. 

Paul Prior, HQtteningenieur : Molge cristata (heiVLr.) ytiT. 
karelini Str. ?, Italien (?), und M. marmorata (Latr.) ?, Spanien, 
M, aspera (Dug.) ?, Pyrenaen, und M, montana (Savi) <? und ?, 
Eorsika; Lacerta viridis (Laur.) <? und J, L.murdlis (Laur.) ?, 
und L. vivipara Jacq. f , s&mtlich von Braubach a. Rh. 

Dr. med . Aug. Knoblauch: Pelobates fuscus (Laur.) ohne 
Hinterbeine von Enkheim, Salamandra maculosa Laur. typ., gef. 
am 17. Apr. 1905 im Walde nahe bei der Mainneckar-Bahnstation 
Sprendlingenin dem Quadrat zwischen Wildscheuer-, Molken- 
born-, Brunnen- und Blechschneise, in n£lchster N^he der letzteren, 
sodann ein halbw. Sttkck vom Dachsteich bei Egelsbach n&chst 
Darmstadt, 1 Stuck von Allerheiligen im Schwarzwald 
1 Stuck von Schmitten im Taunus mit partiellem Albinismus 
und 2 Ste. der var. Corsica Savi vom Prunellital bei Bastelica 
auf Korsika. Weiter 6 Lacerta vivipara Jacq. von Niedern- 
hausen (Taunus), 3 Eier von Emys orbicularis (L.) und Sala- 
mandra Caucasia Waga <? vom Lomis-Mta bei Borshom, Trans- 
kaukasien, Sal. atra Laur. neugeborene Junge mit &ufieren 
Kiemen, Sal. inaculosa Laur. var. algira de Bedr. von Bone in 
Algerien, Chioglossa lusitanica Boc. von Coimbra mit abgeworfenem 
Schwanz und Bombinator pachypus Bonap. von Sprendlingen. 

A. Dubois: Vipera berus (L.) von Vilbach bei Bad Orb, 

F. Der lam: Vipera i^ru^ (L.) von K^mmerzell bei Fulda. 

t Oberlehrer J. B 1 u m : 3 Cylindrophis rufus (Laur.), Tropin 
donotus piscator (Schneid.) und Tr. vUtatus (L.), 2 DendrqpJUs 
pictus (Gmel.), 3 Hypsirhina enhydris (Schneid.) var. bilineata 
Gray und 2 H, plumbea (Boie), sowie 2 Dryophis prasinus Bole 
aus Java. 

Prof. L. V. M6hely, Budapest: Lacerta horvaihi v. M6h. 
<j* und f, Jasenka, Eapella-Gebirge, Sad-Croatien. 

Dr. med. K. V o h s e n : Molge hagenmuUeri (Lat.) juv., Tunis. 



— 173* - 

Eanf : W. T. H. Rosenberg, London: Atelopus elegans 
(Blgr.)) Paramba, 3500', Ecuador, und 2 Hylodes raniformis 
Blgr., 3 Hyla variabilis Blgr. and 3 Anolis rosenbergi Blgr., 
Buenaventura, U. S. C o 1 u m b i a. 

Dr. phil. Franz Werner, Wien: Chamaeleon fischeri 
Reichenow , Deutsch - Ostaf rika. 

Ferd. Weichberger, Naturalienh^ndler, Wien: Nedes 
pleurotaenia (Bleek.), Borneo; Sphargis coriacea (L.) junges 
Ezempl. in Spiritus, Atlantischer Ozean; Chamaeleon laevigattis 
(Gray) Torn. ?, Uganda, Brit. Ostafrika, und Epicraies augtdifer 
Bibr., Cuba. 

Dr. E. Hoffmann, Nttrnberg: Sceloporus spinosus Wiegm. 
<? und 3 J, Phrynosoma orbiculare (L.) var. cortezi Boct.; Boa 
imperator Daud., 2 Tropidonotas ordinaitis (L.) var. macrostemma 
Kenn. und Tr. melanogaster Pts., Zamenis Uneatus Boct., 2 Co- 
luber triaspis Cope, Coronellu regalis (B. Gir.), 2 Hypsiglena 
affinis Blgr. und Trimorphodon ypsilon Cope, s&mtlich aus 
Guadalajara, Mexiko. 

Albr. Haas in Curitiba, Staat Parana, Brasilien: Aniso- 
lepis unduUUus (Wiegm.), 2 Ophiodes striatus (Spix), Amphisbaena 
danvini D. B. ; 2 Helicops picHventris Wern. , Herpetodryas 
carinatus (L.) var. bicarinata Wied, 4 Liophis poecilogyrus 
(Wied) und L. typhlus (L.), 4 Rhadinaea jaegeri Gthr. und 
6 Rh, merremi (Wied), Aporophis flavifrenattis (Cope), Xenodon 
merremi Wagl., X, neuwiedi Gthr. juv. und 3 -X. gueniheri Blgr., 
Oxyrrhoptis doliatus D. B. und 2 0. haasi n. sp., 2 Phtlodryas 
aestivus (Schleg.), Ph, olfersi (Licht.) var. latirostris Cope und 
2 Ph. schotti (Schleg.), 4 Thamnodynastes nattereri (Mik.) var. 
A, B, C und D (= var. strigaia Blgr.), 3 Elaps frontalis D. B., 
Leptognathus mikani (Schleg.) var. B und 5 Lachesis lanceoUUa 
(Lac6p.), s&mtlich aus dem Staate Parana, Brasilien. 

Jul. Michaelis, Berlin: Elosia no^us (Licht.), ein neues 
Genus der Leptodactyliden, Leptodactylus ocellaius (L.), Palu- 
dicola olfersi (v. Mts.) und P. gracilis Blgr., Ceratophrys appen- 
diculaia Gthr. und C boiei Wied, Bufo crucifer Wied und B. 
marinus (L.), Hyla nasica Cope, H. faber Wied, H. aff. mesophaea 
Hens., H, marginata Blgr., H. bischoffi Blgr., Hyla 2 sp., Hylella 
aff. camea Cope, Phyllomedusa sp. ; Enyalius catenatus (Wied) 
var. paulista v. Jher. ; Urostrophus vauiieri D. B., Tupinambis 



— 174* — 

ieguiadn (L.)? Ophiodes striatus (Spix), Lepidostemum microce- 
phaium (Wagl.), Mabuia dorsoviitata Cope; Rhadinaea merremi 
(Wied) und BA. poecUopogon Cope, Herpeiodryas carinatus (L.) 
var. bicarinata Wied, Xenodon neumedi Gthr. und Philodryas 
serra (Schleg.) aus Theresopolis, Staat St a. Catharina, 
Brasilien. 

Askott Earn 88, Berlin: Oehyra oceanica (Less.), Tonga- 
tabu, Fidji-Inseln, Hoplurus quadrimaculatus A. Dam., Mada- 
gaskar, Eny alius catenatus (Wied) jnv., Brasilien; Typhlops 
reginae BIgr., Queensland, Leptodira annulata (L.), Trop. Stid- 
Amerika, und Denisonia nigrescens (Gthr.), Queensland. 

Tausch: Dr. phil Franz Werner, Wien: Rana mas- 
oareniensis D. B., Agypten, R. aequepli^ata Wern., Kamerun, R. 
modeaia Blgr., Celebes, R. novae-britanniae Wern., ^eogninea; 
4 Calotes brevipes Wern., Tongking, Hoplurus quadrimacukUus 

A. Dum., Ost-Madagaskar, Mabuia oxorii Boc, lusel Annabom, 
Westafrika, Lygosoma (Riopa) guineense (Pts.), Atakpame in Togo. 
Chamaeleon o'shaughnessyi Gthr. <? und Gh. brevicomis Gthr. 
<r und $, beide Arten aus Ost-Madagaskar ; Tropidonotus grahami 

B. Gir., New Orleans und TV. taxispilotus Say, Kalifornien (?), 
sowie Dryophis xanthoionus Boie Java. 

K. K. Naturh. Hof-Museum in Wien: Chamaeleon 
monachus Gray i vom Hagiergebirge auf Sokotra. 

Naturh. Museum in Li\beck durch Prof. Dr. Heinr. 
Lenz, daselbst, gegen Dubletten der Reiseausbeute Dr. Ad. 
Reichardts: Rana limnocharis Wiegm. cT und % und 2 OaUiula 
pulchra Gray aus Bangkok (Siam); Hyla pulcheUa D. B., Rio 
Grande do Sul ; Eunectes murinus (L.), Alto Amazonas (Brasilien), 
Tropidonotus laevissimtis (Gthr.), Kapland, Tr. ordinatus (L.) typ., 
Stid-Carolina, und Tr. compressicauda Kenn. (yermnttich aus 
Florida), Boodon inferncUis (Gthr.), Kapland, Simocephalus 
sthenophthalmus (Mocq.) vom Kamerungebirge in 8—900 m HOhe, 
Lysirophis dorbignyi (D. B.), Rio Grande do Sul, Oarphopkis 
amoenus (Say), Newport (? Florida), und Philodryas aestivus 
(Schleg.). Rio Grande do Sul. 

Naturhist. Museum in Basel durch Dr. phil. Jean 
Roux, daselbst: Rana hexadactyla Less, jny,^ Malabar, R.hale- 
cina Kalm $, Nord-Amerika, /2.^^(^;?9Schneid.,S&dost-Celebe8, 
R, cyanophlyctis Schneid. $, 2 Rhacophorus microiympanum 



— 176* - 

(Gthr.) ^ Rh. eqtus (Gthr.) ^ nnd $ und Ixalus leucorhintis 
v. Mts. $, sftmtlich von Ceylon, MegalixcUus madagascariensis 
(D. B.) ^ Madagaskar, Sphenophryne celebemis F. Mlill. $, Celebesi 
Ceratophrys americana (D. B.) ?, Uruguay, Bu/b kelaarti Gthr. 
? und juv., Ceylon, und B. canaUfer <? und jB. valliceps Wiegm. 
^, Guatemala, Hpla pulcheUa (D. B.) <?, Uruguay, und //. aurea 
(Less.) $, Sydney, Bombinator pachyptis Bonap. <? und $, Grofi- 
Hflningen bei Basel ; Molge hagenmuUeri (Lat.) f , Bona (Algerian), 
and Amblystoma Hgrinum (Green) <}*, Neumexiko ; Hemidactylus 
bowringi (Gray) ^ Prov. Kanton (Sttd-China), und H. gUadoun 
Murr. (?, Ceylon, Calotes nigrikU)ri8 Pts. cT, Sitana ponticeriana 
Cuv. <?^ Cophotis ceylanica Pts. <?, Oiocryptis biviitaia Wiegm. % 
and Ceraiophora stoddarii Gray c? und $, sftmtliob von Ceylon, 
BasiUscus vitiatus Wiegm. c? und Ameiva undulata (Wiegm.) ^ 
von Guatemala, Laceria laevis Gray c?, Pal&stina, Lygosoma 
{HinuUa) nigrilabre (Gthr.) juv. und L {Emoa) atrocostaium 
(Less.) juv. von Celebes, L, (Liolepisma) gwchenoti D. B., Neu- 
sftdwales, und L. {Homolepida) taprobanense (Eel.) <j*, Ceylon, 
Acontias monodactylus (Gray) f, Ceylon; Typhhps pundatus 
Leach var. Aa, Christiansburg, West-Afrika, und T, mirua Jan, 
Silybura melanogasira (Gray) ^ und Rhinophis planiceps Pts. <? 
und Rh. trevdyantis (Kel.) cT von Ceylon, Thamnodynastes natter eri 
(Mik.) f , Uruguay, Dendrelaphis tristis (Daud.), Ceylon, und Olig- 
odon bitorquatus Boie, Java. 

Wissenschaftliche Bentttzung: Der Verkehr des 
Sektion&rs mit anderen wissenschaftlichen Anstalten war auch 
in diesem Jahre sehr rege. Mit den zoologischen Mnseen und 
Instituten von Basel, Berlin, Budapest, Freiburg (Schweiz), 
Lttbeck, Magdeburg, M&nchen, Nttrnberg, Offenbach a. M., 
Strafiburg (Elsafi), Wien und Wiesbaden und mit der hiesigen 
Neuen Zoologischen Gesellschaft wurden Besuche, Briefe oder 
Objekte ausgetauscht oder von ihnen Sendungen erhalten. 

Dr. W. Wolterstorff, Magdeburg, sandte 10 frtiher 
entliehene Batrachier-Arten zurttck. 

Dr. A. Knoblauch entlieh Salamandra caucasia ( Waga) und 
Okioglossa bmtanica Boc. zum Vergleich (Bereits zurQckgeliefert). 

P. A. vanKempen, Amsterdam, entlieh die Original- 
Exemplare von Rhacaphorus javanicus Bttgr. (Bereits zurUck- 
geliefert). 



- 176* - 

Prof. Dr. Tornier, Berlin, entlieh das Original-EIiemplar 
von Agama sinaita v. Heyd. 

Prof. Dr. 0. Boettger. 

4. Die Fisehe. 

Fiir die Schausammlung der Fische warden bisher 112 Nam- 
mem fertiggestellt. 

Die haupts&chlichste Vermehrang eiiahr die Fischsamm- 
lang durch die Ausbeate von Dr. F. R5mer, der yon den li&nfig- 
sten Fischarten der Nordsee grofiere Stlicke f&r die Schaasamm- 
lung and die Lehrsammlang konservierte. Diese warden bereits 
alle montiert, die Stiicke fQr die Schausammlung meistens in 
viereckigen Gl&sern, und katalogisiert. Folgende Arten von 
Bergen, Alvaerstrommen und Espev^r sind in der Sammlung 
vertreten : 

Myxina glutinosa L., 60 Stttck in Formol und Sublimat. 

Pristiurus (Scyllium) melanostomum Bon., Spinax niger Bon., 
yiele, nebst Embryonen, Acanthias vulgaris Riss., Raja hatis L., 
B. fuilonica L., R. radiata Don., Chimaera nwnstrosa L., Gadus 
carbanarius L. nebst Entwickelungsstadien , Gadus fnorrhua L., 
G.pollachias L., (r. merlangus L., (r. aeglefinus L., Lophius piscor 
tortus L., Centronotus gunellus Bl. Schn., Liparis montagui Don., 
Anarrhichas lupus L., darunter ein grofies SchaustQck von Im 
L^nge mit gutem, starkem Gebifi, Cyclopterus lumpus L., Gastro- 
steus aculeaius L. aus dem Meere, G, spinachia L., AnguUla vul- 
garish., Conger vtUgaris Guy. f OnosmaculaiusRisao, 0. mustdah., 
Labrus mixtus L. (J* u. f , L, herggyUa Ascan., L, melops L., Gteni- 
labrus rupestris L., Mugil chelo Cuv., Scomber scomber L., Trigla 
hirundo B., Gallionymus lyra L., Syngnaihus acus L., Gobius 
minutus Gm., G. flavescens Tab., G. niger L., CoUus scarpius L., 
Entwickelungsreihe, Pleuronectes microcephala Don,, P.plaiessah,, 
P. limanda L., P. flesus L., Hippoglossus vulgaris Flem., Sehastes 
dadylopterus D., S. marinus (L.), S, viviparus Kr. (= S. marinus L. 
var. vivipara?), Brosmius brosme Ascan., Molva molva L., 3f. byr- 
kdange (Walb), Macrurus rupestris Gum., ArgentUa sUus Cuv. 

Die Zoologische Station in Triest sandte ScyUium 
canicula Cuv. 30 StUck in Formol zum Verbrauch im Praktikum. 

Geschenke: Dr. von Brunn, Hamburg: Petromyetm 
fluviatUis L. von Borstel, Unterelbe. 



- 177* — 

Ingeoiear P. P r i o r : Gambusia holbrooki cf und ^ , Mollie- 
nisia formosa d* und % in Formol konserviert. 

Dr. 0. Nordgaard, Bergen: Clupea harengus L., Laich 
vom Meeresboden an Steinen, Bryozoen u. s. w. angeklebt, von 
Rovar bei Haugesund. 

A. H. Wendt: Thymallns vulgaris Nils, Asche, Squalius 
c^halus L., D5bel, and Regenbogenforellen in schonen, groBen 
Exemplaren aos der Nargold im Schwarzwald fur die Schau- 
sammlang der einheimischen Fische, sowie Forelleneier in ver- 
schiedenen Stadien, in Formol konserviert, aus der Zttchterei 
des Forstmeisters Staubesandt in Konigstein. 

M. Oppenheim: Lophius piscatorius L. 1 m lang aus 
Helgoland. 

Max Qeller: junge Blau- und Silberfelchen. 

Kastellan Wagner: einen Scardinius erytrophthabnus L. 
mit Furoncnlosis. 

Wissenschaf tliche Beniltzung: Prof. Dr. A. Brauer, 
Marburg, erhielt Haut von Spinax niger Bon., in Sublimat kon- 
serviert, zur Untersuchung der Leuchtorgane. 

Frl. L. Kink el in, Bonn, erhielt verschiedene Amphioxus 
lanceolcUus (Pall.) in Formol und Sublimat konserviert. 

5* Die Tanicaten. 

Dr. F. R5mer sammelte an der norwegischen Kilste 
Boiryllus violaceus M. Edw., B, niarionis Giard, Porascidium 
crispum Huitf.-Kaas in grofien St5cken, die fur die Lehr- und 
Schausammlung aufgestellt wurden, sowie mehrere kleinere 
Ascidien. Dr. B. Hartmeyer, Berlin, hatte die Gtite, diese 
Arten zu bestimmen. 

Die Zoologiscbe Station in Rovigno sandte 20 Stiick 
PhaUusia mamilkUa, in Formol konserviert. 

6. Die MolluskeD. 
Die konchologische Sektion hatte auch im verflossenen 
Jahr darunter zu leiden, daB der Raum und die Schranke zum 
Anfstellen der Sammlungen nicht mehr ausreichen, so daB die 
Ubersichtlichkeit sehr erschwert und ein Einreihen der Neu- 
eing&nge nicht m5glich ist. Vor dem Umzug in das neue 
Museum l&Bt sich darin auch keine Besserung erzielen. 

12 



— 178* — 

Di\ F. R 5 m e r sammelte an der norwegischen Etkste eine 
KoUektion von trockenen Land- und SOfiwasserschnecken in 
vielen hondert Exemplaren und in 10—12 Arten von Bergen, 
Balholmen im Sognefjord und Espev&r im HardangerQord, in 
Spiritus Arion cUer, Litnax margincUus und LimcLX rufus var. 
heynemanni Fr. von Bergen. Ferner viele Meereskonchylien in 
Alkohol, darunter an grOfieren SchaustQcken Peden tnaximus 
L., Isocardia cor Lam., Lima hians, Nest mit Tier, NcUica catena, 
EischnUre, MytUus edtUis L. in dichten Klumpen an Tang, 
Steinen u. s. w., sowie mehrere Schalen yon MytUus mit Perlen- 
bildung. 

Geschenke: Paul Hesse, Venedig: eine Serie von ihm 
an der MUndung des Kongo gesammelter Siifiwasserschnecken, 
darunter manche flir unsere Sammlung neue Arten. 

Dr. Lu tz, S. Paulo in Brasilien: einen lebenden Bulimus ovatus 
aus Brasilien, der fUr die Schausammlung konserviert wurde. 

Karl Natermann, Hann. MQnden: Btdimus oHonguSy 
Helicarion aus Bojota (Columbien), Helix pomatia L., linksge- 
wunden, zwei StUck aus Offenburg. 

F. Winter: eine grofie PateUorSchale von den Kergnelen. 

Dr. August Knoblauch: Helix nemoralisJj, unA Helix 
hortensis L. , in je einem besonders grofien und 8ch5nen 
Exemplar vom MUhlberg. 

Willy Ochs: Flufimuschel vom Main mit abnormer 
Perlenbildung. 

FrauM. Sondheim: eine Kol«>nie zusammengewachsener 
Austern und Muschelschalen, von Algen zerfressen, vom Lido 
bei Venedig. 

Adam Koch: Landschnecken aus Oberstdorf im Allg&u. 

Frau Prof. Flesch: 25 Helix potnatia L. aus Anders 
in Graubfinden. 

Frau Regierungsrat Brandis, Soden i. T.: eine Kol- 
lektion Land- und Stkfiwasserschnecken vom Garda-See. 

Dr. A. Reichard: 20 Landschnecken und 6 Nackt- 
schnecken aus Haiti, Gap Haitien, in Alkohol. 

Prof. Dr. W. Kobelt: Pomatia aperta Bern, ans Tunis, 
lebend. 

Dr. 0. Schnaudigel: Verschiedene Schnecken aus Aqua 
acetosa bei Ponte molle, Campagna, Rom. 



— 179* — 

Taascb: Das Museum in Bergen sandte Omatostre- 
phes todarus, Neptuna antiqua Lam., Volutapsis norvegica L. aus 
dem Nordmeer in schonen grofien Stttcken und erhielt dafiir 
Landschnecken von deu Philippinen. 

G. K. Gudde, London, sandte 52 Arten japanischer Land- 
schnecken und erhielt dafttr Schnecken von den Philippinen. 

Das Naturhistorische Museum in Genf sandte 130 
Arten Landschnecken von den Philippinen aus der Original- 
ausbeute des Dr. August Brot und erhielt dafiir philippinische 
Schnecken aus der Sammlung v. Moellendorffs. 

Die Zoologische Station in Triest sandte 30 St&ck 
Sepia officinalis L., in Formol konserviert, zum Verbrauch im 
zoologischen Praktikum. 

Kauf : Marco Gialona, Messina: Tretnodopus violaceus 
i und Ij^, Onychoteuthis lichtensteini und hektocotylisierter Arm 
von Argonatda^ freischwimmend gefangen. 

J. F. G. Umlauff, Hamburg: ein prSlchtiges Exemplar 
von Pleurotomaria beyrichii Hilgend. mit Tier und Deckel, fiir 
die Schausammlung. 

S. Pallary, Oran: ein doppelter Anteil an einer Sammel- 
ausbeute aus Sftdtunis, die unsere Mittelmeersammlung erheblich 
bereichert hat. 

Dr. W. Kobelt. 

7. Die Insekten. 

Neben der Erledigung der laufenden Geschd,fte, die in der 
Einordnung der n6uen Erwerbungen, der Durchsicht der geord- 
neten Sammlung und der Erledigung des Tausches und des 
wissenschaftlichen Verkehres mit anderen Museen und Gelehrten 
bestehen, wurde mit der Prd,paration und Determination der 
noch vorhandenen Best£lnde sowie deren sammlungsgem&fien 
Aufstellung fortgefahren. Gegen Zerstorung durch Insektenfrafi 
wanderte die gauze Sammlung in regelrechter Folge durch den 
Schwefelkohlenstoffapparat. 

Hofrat Dr. B. Hagen, der seit dem 26. Marz 1898 die 
Schmetterlingssammlung verwaltet hat, sah sich nachUbernahme 
der Direktion des neubegrfindeten st&dtischen V51kermuseums 
bedauerlicherweise gen5tigt, sein Amt als Sektion&r mit Ende 
des Jahres 1904 niederzulegen. 

12* 



— 180* - 

Zum Sektion&r fttr Dipteren warde Oberlehrer Dr. Pius 
Sack emannt. 

Der Assistant Dr. Wilhelmi hat ans der Grappe der 
Insekten 80 anatomische and biologische Pr&parate ffir die 
Schaasammlung angefertigt, die aber wegen f ehlendeu Materiaies 
noch sehr der Erg&nznng bedOrfen. Die Anfertigang von Er- 
kl&rnngstafeln and Verbreitungskartchen fiir die Insekten steht 
noch aus. 

Dr. E. Wolf, der am 1. April die Assistentenstelle fiber- 
nahm, hat diese Sammlung durch eine Beihe von Prftparaten 
aus der einheimischen Insektenwelt bereits erheblich erg&nzt. 

Qeschenke: Prof. Dr. L. von H e y d e n : EUnige 
deutsche Schlapfwespen sowie europaische Orthopteren, daitinter 
Mantis religiosa S and $ von fYeibarg i. B., von ihm selbst 
1856 dort gefangen (BelegstUcke!); Glomeris spec. 3 StUcke in 
Alkohol aus Trafoi in Tirol; Ocypus olens MUll. mit einem 
Geotropus sUvatictis Panz., den er ergriffen und durch ZerbeiBen 
des Kopfes getotet hat; Tibicina naematodes Scop, von Schier- 
stein in Bheinhessen; CUadella montana Scop, mit Puppe von 
der Landskrone im Ahrtal ; Atelura formicaria v. Heyden, Typus 
und Original, aus Freiburg i. B. (Stettiner entomol. Zeitung 
1855, S. 368) 6 Stttck; ferner schenkte derselbe seine Blatt- 
wespen-Dubletten , von Konow bestimmt, sowie 3 Faszikel 
Insekten-Minen und Gallen auf PflanzeU; aus der Sammlung 
seines Vaters Senator Dr. von Heyden: 1.) 172 Nummern 
von Lepidopteren, Coleopteren, Tenthrediniden, Gypiden, Dipteren 
und Milben. 2.) 28 Nummern desgl. 3.) 140 Niunmern desgl., 
geschenkt 1849 von Bremi in Zurich (1791—1857) an Senator 
Dr. von Heyden, zus. 340 Nunmiern. HystrichopsyUa oUu- 
siceps Bitsema (= talpae Curtis) von Arvicola arvaiis Pall, 
3 Stttck Frankfurt, 1899 von J. von Arand gesanunelt; 
Trichonaspis megaptera Panz. von Falkenstein. 

Albrecht Weis: 111 Dipteren in 54 Arten von Bozen, 
Piora, Engelberg und der Herzegowina; eine Puppenwiege von 
Bhagium mordax Deg.; Nest von Vespa saxcnica Fabr. var. 
norwegica Fabr. aus Piora, 1830 m hoch, fttr die Schausammlung. 

Dr. August Knoblauch: HaUica devacea L., kleine 
K&fer vom Kohl in Alkohol ; Baupeu von Sphinx dpenor L, und 



— 181* — 

Acherontia airopos L. ; Nepa cinerea L., Notoneda glauca L. und 
Ranaira linearis L. vom Egelswoog bei Egelsbach. 

Frau Dr. Knoblauch: Phryganiden-Larven, GoniotauUus 
b^punctaim Curtis, aus einem Tiimpel bei Sprendliugen, in dichten 
Elumpen an einer alien Kohlenschaufel und an einem grofien 
Holzst&ck sitzend, die sch5ne SchanstUcke abgaben. 

H. Sondheim: EphiaUes manifestator L. <? und ?. 

Ingenieur P. Prior: Psophus stridulus L., Schnarrheu- 
schrecke; Aromia moschata L., vom NeuntSter aufgespiefit. 

Earl Kullmann: Gletscherflohe in Alkohol. 

H. Bickhardt: F15he aus dem Nest von Chelidonaria 
urbica (L.) aus Neuwied. 

Earl Eoch: Grofie Ahomstllmme, von einer Ameise, 
Formica fusca L., ausgefressen. 

E. Buchka: Cimex variabilis L. <?. 

Frau G. Winter- V. Moellendorff : CeratopsyltiS'lteLTyen 
vom Hund in Alkohol. 

Dr. E. Meyer: Melipona spec, Honigtopfe einer argen- 
tinischen Biene, mit Farbholz lebend eingeschleppt. 

FrL H. B5rig: MytUaspis fulva Targ. auf Apfeln aus 
der Umgebung von Frankfurt. 

Dr. L. R e h , Hamburg : Lecanium bituberctdatum Targ. auf 
Apfelbaum, L, rehi Eing. auf Ribes rubrum, Aspidiotus ostrea- 
formis Eent auf Apfelbaum, A. nerii BouchS auf Oleander 
und A.pyri Licht auf Birnbaum. 

Prof. Dr. H. Schinz, Zttrich: diverse Lepidopteren und 
Orthoptei*en aus Togo. 

Dr. E. Vohsen: eine Anzahl praparierter Eftfer, Hymeno- 
pteren und Dipteren aus Ungarn. 

Prof. Dr. W. Eobelt: Ast eines Apfelbaumes, von der 
Raupe von Cossus aesculi L. zerfressen. 

Eauf: Prof. Dr. 0. Schmiedeknecht, Blankenburg 
i. Th&r. : 190 Arten Ichneumoniden. 

H. Fruhstorfer, Berlin: QroBe Stabheuschrecken fftr 
die Schausammlung. 

Wissenschaftliche Bentttzung: Oberlehrer Dr. G. 
Breddin, Berlin, erhielt 82 Dipteren zur Bearbeitung. 



— 182* — 

Oberst a. D. vonSch5nfe]d, Eisenach, sandte 134 Arten 
Ontopluigus zuruck, die er zur Revision erhalten hatte, and 
schenkte zwei Arten seiner Sammlung dazn. 

H. Friese, Jena, erhielt 79 Bienen zur Determination, 
die bereits zar&ckgesandt warden. 

Dr. K. Schlea finer entlieh eine Anzahl mikroskopischer 
PrUparate von Insekten za photographischen Versachen. 

Sanitatsrat Fleischer, Briinn, sandte die zar Revision 
erhaltenen K&fer der Oattung Liodes zarfick. 

Dr. med. Gastav Mayr, Wien, erhielt 163 trockene 
Ameisen and eine Eollektion Ameisen in Spiritas, die F. Winter 
1902 in Rovigno gesammelt hatte, zar Bestimmnng. Dieselben 
warden mit Namen versehen bereits zarDckgesandt. 

Pfarrer F. Konow, Teschendorf, erhielt 7 Kasten mit 
Tentrediniden zar Revision and sandte dieselben mit Namen 
versehen zariick. 

Lehrer J. Schilski, Berlin, revidierte die KMer der Gat- 
tang Apion. 

Dr. Q. Enderlein, Berlin, iibernahm die Darcharbeitang 
der in den letzten Jahren gesammelten and za mikroskopischen 
Pr&paraten verarbeiteten Pedkidi and Mallophaga and sandte die- 
selben determiniert zariick. Wir m5chten nicht vers&amen, Herrn 
Dr. Enderlein auch an dieser Stelle fQr seine grofie Mfthe 
nnseren besten Dank aaszasprechen. 

Prof. Dr. L.v. Hey den. A.Weis. Dr.J. Gnlde. Dr. P. Sack. 

8. Die Grustaceen. 

Dr. J. Wilhelrai begann mit der Aafstellang einer Schaa- 
sammlung and fertigte dafUr liber 200 Praparate, daranter eine 
aasftthrliche Darstellang der Anatomie des Flafikrebses. Der 
Aafstellang der Crustaceen liegt die Bearbeitung von Ortmann 
in Bronns „Klassen and Ordnangen*' zagrande. FttrdieseGrappe 
warden bereits Erkliirangstafeln and Verbreitangsk&rtchen an- 
gefertigt, die aber noch der ErgHnzang bedttrfen. 

Dr. F. R5mer konservierte aaf seiner Reise in Bergen 
and Espevftr folgendes: Lepas ancUifera L. von einem Fisch- 
kasten, L, fascicularis Ell., freischwimmend, viele Kolonien, 
Balanus balanoides L , grofie Stein e mit dichten Kelonien be- 
wachsen, trocken, Cancer pagurus L., altes, grofies M&nnchen, 



— 183* - 

trocken, sowie ein kleineres StUck mit regenerierter Schere, 
Carcmus maenas L., frisch geh&ntet, Hyas aranea Lesch., Litho- 
des maja L., gro£es SchaustUck, Hommarus vulgaris M. Edw., zwei 
abgeworfene H&ute, Galaihea strigosa L., Praunus negledus G., 
Hemimysis lamorae Const, and viele andere kleine Arten, Ciro' 
lana barealis Lillj. von Myxina gltUinosa L., Anonyx nugax Phipps, 
sowie von diesen kleinen Amphipoden in einer Nacht an der 
Tiefseeangel aosgefressene Spinax niger Bon. and Chimaera mon- 
strosa L. ; zwei grofie Holzstficke von Holzasseln Limnoria ligno- 
rum Bathke, nebst Teredo navalis L. zerfressen; Mageninhalt 
von Gadus carbanarius juv., ans kleinen, roten Krebschen be- 
stehend. 

Geschenke: Prof. Dr. L. von Heyden: Schalen von 
Cypris spiniger Heyden nnd C. subarmcUa Heyden aus Brasilien. 

. Dr. August Knoblauch: 6 St&ck Astacus fluviatilis 
M. Edw. aus dem Thei£bach bei Niedernhausen im Taunus, da- 
ranter einer mit regenerierter Schere und ein Bntterkrebs. 

M. Oppenbeim: Cancer pagurus L. mit Laich von Buc- 
dnum bewachsen, Homarus vulgaris M. Edw., alter Hummer 
mit kr&ftigen Scheren, Lepas anatifera L. an einem Balken, 
gro£es sch5nes Schaustttck, Lithodes maja L. von Helgoland, 
f&r die Schausammlung aufgestellt. 

Ingenieur P. Prior: Telphusa fluviatilis^ L., lebend. 

Frau M. Sondheim: Paguriden in SchneckenhSlusern vom 
Lido bei Venedig. 

Prof. Dr. F. Richters: Lernaeonema woneTam M. Edw. an 
einem Sprott, darunter ein Exemplar, das auf beiden Seiten mit 
einem langen Parasiten besetzt ist, ferner 14 OriginalprHparate 
von Branchipus australiensis Richters. 

Tausch: Museum in Bergen : Colossendeis proboscidean 
2 StUcke fftr die Lehr- und Schausammlung aus Spitzbergen, 
Pagurus bernhardus in Buccinum^ grofies Exemplar, Corystes 
cassivellamus aus dem Nordmeer gegen Landschnecken von 
den Philippinen. 

Kaaf: Zoologische Station inNeapel: eine gr5Bere 
Anzahl von Erebsen, teils Arten, die bisher in unserer Samm- 
long noch nieht vertreten waren, teils gr5fiere StUcke zur Auf- 
stellnng in der Schausammlung. 



- 184* — 

Wissenschaftliche Beniitzung: R. Nobili, TariD, 
erhielt die Originalexemplare von Myra variegcUa B&ppell and 
Ebalia grantUata Rttppell zum Vergleich and sandte dieselben 
bereits znrttck. 

Dr. C. Zimmer, Breslau, sandte 12 Gl^er mit Schizo- 
poden zurUck, die er zur Bearbeitang erhalten hatte and in 
Band III der „Faana arctica** verwertet hat. 

Dr. Jean Roax, Basel, entlieh das Originalexemplar yon 
Nectophryne exigtm de Man aas Nord-Borneo. 

9. Die Arachnoideen and Mjrriopoden. 

Dr. Wilhelmi begann mit der Aufstellung der Solif agen, 
Pedipalpen, Skorpione and Pseadoskorpione fttr die Schaasamm- 
lung, ftir die 43 Pr&parate mit 9 Zeichnangen, 4 Erkl&rongs- 
tafeln and 18 Verbreitangskllrtchen angefertigt warden. Mafi- 
gebend fttr die Systematik, geographische Verbreitang etc war 
Kraepelins Bearbeitang der Skorpione im „Tierreicb^. Diese 
Gruppen bediirfen nur einer geringen Erg&nzung darch anato- 
mische PrUparate, za deren Herstellang aber frisches Material 
notwendig ist. 

Dr. E. Wolf revidierte and erg&nzte die ftbr die Schaa- 
sammlung bereits fertig gestellten Pr&parate von Skorpionen and 
begann mit der Aafstellung der Arachnoideen f&r die Schan- 
sammlang. 

Geschenke: Prof. Dr. F. Richters: Mikroskopische 
PrUparate von Canestrinia dor cicala Berlese., eine seltene Milbe, 
von H. Bickhardt gesammelt; mikroskopisches Prftparat vom 
Gelege des Milnesium tardigradum aus Isenbarg. 

Wissenschaftliche Beniitzung: Dr. K. Schleafiner 
entlieh einige mikroskopische PrUparate von Milben and Psendo- 
skorpionen zu photographischen Versachen. 

10. Die Wilrmer. 

Die Parasitensammlang hat namentlich im verflossenen 
Jahre eine Vermehrung darch sch5ne and grofie Schaost&cke 
erhalten. Dr. F. R5mer konservierte anf seiner norwegischen 
Reise folgendes : Ascaris rigida Rad. auf den Appendices pyloricae 
von Oadus carbonarins L., Ascaris molvae nov. spec larva Lin- 
stow (Typus and Original) in der Wand des Magens yon Mobm 



— 185* - 

byrkelange (Walb), Echinorhynchus acus L. am Darmkanal von 
Gadus carbonarif^ L. und von Pleuronedes microcephala Don., 
Ascaris spec, larva, am Darmkanal and an den Hoden von 
Brosmius brosme Asc. in dichten Nestem, Distomeen an der 
Eopfhaut von Acanthias vulgaru; Risso, Ascaris spec, an und in 
der Leber von Gadus carbonarius L. 2 Stflcke; Regenwiirmer 
aus der Stadt Bergen, Hyalinoecia tubicola (Mtill.), Nereis pela- 
gica L., Piscicola von Anarrhichas lupus L., div. andere Poly- 
chaeten, alle in Sublimat-Alkohol konserviert; Spirorbis spec. 
anf Fucus vesiculosus L., grofies Schansttick ; Serpula vermicula- 
ris L., Pomatocerus triqudar M5rch anf Modioh modiola L., an 
Steinen and eine groBe Eolonie desselben anf einem Dachziegel, 
der l&ngere Zeit im Meer gelegen hat. 

Von dem Material desZoologischen Gartens warden fttr 
die Schansammlung schone ParasitenstUcke anfgestellt: Magen 
von Didelphis marsupialis L. mit Physaloptera turgida Rnd. and 
Muskelst&ck von Macropus antilopinus Qonld mit einem Nest 
von FUaria romeri Linstow (Typus und Original). 

Geschenke: Palmengarten-Gesellschaft: Bipalium 
kevense, lebend aus dem Gew&chshaus. 

Dr. Adolf Strubell, Bonn: 4 tiber IVsm lange Warm- 
r5hren, wahrscheinlich (nach gfitiger Bestimmnng von Prof. Ehlers 
in G5ttingen) zn einer Acoetide, Panthalis spec, gehorig, aus 
Amboina. 

Dr. W. Michael sen, Hamburg: Balania (Dichogastra) 
ehrhardii Mich, aus Bissao in Portugiesisch West-Afrika, viele 
Stacke. 

Fran M. Sondheim: Kohlenstttcke mit Wurmr5hren be- 
wachsen vom Lido bei Venedig. 

Prof. Richlers: Bunonema richtersi Jftjerskiold, Typus 
and Original, in 2 mikroskopischen Prd^paraten aus dem Blind- 
bach tal im Schwarzwald, beschr. im Zoologischen Anzeiger 1905 
von Jlljerski5ld. 

Dr. A. Reichard: 9 Oligochaeten aus Haiti. 

Dr. J. Guide: Piscicola geometra (L.), lebend. 

Earl Eoch: Eolonien von Serpulidenrohren an Topf- 
scherben vom Trttmmerfeld in Earthago. 

Wissenschaftliche Bentt t zung : Generaloberarzt 
Dr. von Linstow, G5ttingen, bestimmte verschiedentlich Mate- 



— 186* — 

rial von parasitischen Nematoden, wofUr wir ihm aoch an dieser 
Stelle unseren besten Dank abstatten mochten. 

Dr. P i n t n e r , Wien, erhielt Material von Echinorhynchus 
ans dem Darm von Pleuroneeks microcephala. 

Gelieimrat Prof. Dr. Ehlers, Gottingen, erhielt eine von 
Dr. St ru bell in Amboina gesammelte, lange WurmrOhre und 
bestimmte sie als Rohre eines Acoetiden, Panthalis spec. 

Bryozoen und Brachiopoden: Dr. F. R5mer kon- 
servierte an der norwegischen KUste fiir die Schau-und Lehrsamm- 
lung groBe Stlicke von Memhranipora pilosa L. und M. membra- 
nacea L., mehrere grofie Kolonien auf Bl&ttern und Stengeln 
von Laminarien und Fucus serratus L., Alcyanidium hirsutum 
Flem. an Fucus serratus L., A, gelatinosum Johnst. an Lami- 
narien in groBen Kolonien und Biocoenosen, Flustra securifrons 
Tab., F. membranacea-truncata Smith, groBes Schaustttck, Buguh 
murruyana Johnst., Wurzelstock von Laminarien mit Ealkbryo- 
zoen fiberzogen. Terebraiulina caput serpentis L. und Crania ano- 
mala (Miill.), in Sublimat-Alkohol konserviert. 

Geschenke: Prof. F. Blochmann, Tiibingen: Terebra- 
tula septentrionalis Conth., 10 StQck, Terebraiulina caput serpentis 
L., viele Stlicke, Waldheimia cranium 0. F. Mttll, 2 Stftck, von 
Bergen. 

11. Die Echinodermen. 

Dr. F. Romer konservierte an der norwegischen KQste: 
Cucumaria hispida Parr., C, hyndmanni Thomp., Mesothuria in- 
tesiinalis A. et R., Stichapus nutans M. Sars, Holothuria tubu- 
losa L., kleine ftir Schnittserien , Echinocyamus ptisiUus (MftU.), 
Schizaster fragUis D. et K., Echinus drobachiensis (M&U.), E. acu- 
tus L., E, esculentus L., Echinaster sanguinolentus ^ Ophicioma 
nigra M. et Tr., Ophiapholis aculeata Gray, Pentagonaster irre- 
gularis, Solaster endeca L., Porania pulvillus 0. F. Mttll., alle in 
grofien Stttcken fiir die Lehr- und Schausammlung. Femer 
Asterias rubens L., viele in alien Stadien der Regeneration, in 
mehreren kompletten Serien fttr die Lehr- und Schausammlang. 

Tausch: Museum in Bergen: Ldhmogane violacea^ 
Astenosoma hystrix, Spereosoma grimmaldii K., Gargonocq^halus 
eucnemis, G. linckii gegen Landschnecken von den Philippinen. 



- 187* — 

Die Zoologische Station in Triest sandte zum Ver- 
brancb in dem zoologischen Praktikum Holothuria tubtdosa L. 
30 Stack in Formol. 

WissenschaftlicheBeniitzang: Prof.Dr.L.Doderlein, 
Stra£barg, erhielt das Originalstilck von Psammechinus cupreus 
Troschel aus Neu-Seeland zumVergleich (bereits zurttckgesandt.) 

12. Die Coelenteraten. 

Dr. F. R5mer konservierte auf seiner norwegischen 
Reise: Facelia vefUUabrum Bow., 2 schdne Stticke, Isodidia 
infundibulum t Stiick, Alcyonium digitatum L. mebrere Stilcke, 
diverse grofie Spongienstdcke, Biocoenosen an Laminarienstengel. 
Ferner Virgularia mirahUis D. et K., Serttdaria pumUa L., 
Gampanalaria flextwsa L. , grofie Kolonien von Laminarien, 
Cyanea capilaia G., Aurdia aurita L. and diverse kleinere 
Medusen., 5jpon^i22a lacustris (aut.) ans der Umgebnng von Bergen. 

Gescbenke: Carl Rompel: Euspongia officinalis L., 
vom Meeresboden abgerissen and dann dnrch Rollen kngelig 
and fest geworden. 

Haaptmann von Plonnies, Tientsin: 2 Tubiporiden- 
st6cke aus China. 

Tausch: Museam in Bergen: Alcyonidium auf einer 
Sabellidenr5hre gewachsen, Funictdaria quadrangtdaris (Pall.) 
1,25 m lang, aus Odda, Anthotela grandiflora, Korsfjord Istdella 
hippois, Korsfjord, A. Grieg Sammler, gegen Landschnecken von 
den Philippinen. 

Kanf: J. F. G. Umlauff, Hamburg: An grofien Schau- 
stiicken von Hexactinelliden : HoUenia spec, Crateronmrpha 
meyeri, Walteria leuckaHi, 

Biologische A nstalt, Helgoland: Tiara pileata Forst., 
Pleurobrachia pUeus Fl., Euchilota nMctdata, Eutonina socialis, 

13. Die Protozoan. 

Dr. F. R5mer konservierte auf seiner norwegischen 
Reise : Foraminiferen, Saccamina, Astrorrhiza, Stortosphaera, 
Rhabdamina, Baihysiphon u. s. w., mit Sublimat-Alkohol ; Cer- 
atien-Plankton, bauptsHehlich aus Geratium tripos, C. longipes 
and C, fusum bestehend, ElspevSlr, 16. 8. 04. in Formol und 
Sablimat-Alkohol. 



— 188* — 

Kauf: Von P. Klavsen, Odense: eiue Serie von 
Diatomeen-Praparaten. 

E. Thum, Leipzig: eine Serie von Foraminiferen- 
Prtlparaten. 

Von Haeckels ^Kunstformen der Natur** warde ein 
Exemplar angeschafft, dessen Tafeln in der Schaosammlnng 
Aafstellnng finden soUen. 

Die Sammlung der ansl&ndischen Tiere warde darch 
Honigt5pfe einer argentinischen Biene, Melipona spec, die mit 
Farbholz lebend eingeschleppt waren, vermehrt. 



14. Die Tergleictaend-anatomisclieii nnd entwickelmigBflreMhichtltcheB 

Pr&parate. 

Wohl keine Abteilang des Museams hat im verflossenen 
Jahre eine so reiche Vermehrnng erfahren wie die Sammlnng 
an vergleichend-anatomischen and entwickelangsgescbichtlichen 
Pr&paraten. Die zahlreichen Kadaver, die aas dem Zoologi- 
schen Qarten eingeliefert warden, and das Tiermaterial, das 
nns sonst reichlich zuflo£, warden nach Kr&fteu aosgenntzt nnd 
hditten nicht so reichlich and schon verwertet werden4c5nnen, wenn 
wir nns dabei nicbt der regelm&fiigen Hilfe von Fraa M. Sond- 
heim za ei-freaen gehabt h&tten. Fiir die Schansammlang allein 
warden 93 PrUparate fertig gestellt. 

Die hauptsllchlichste Vermehrnng ergaben die Tiere des 
Zoologischen Gartens, die oben bei den S&agetieren nnd V5geln 
bereits namentlich aafgeffihrt warden. Von diesen mag noch 
besonders ein Beateltier hervorgehoben werden, Onychogale fre- 
nata Gould, das wir mit angesaagtem Beateljangen erhielten, 
so dafi ein hervorragend sch5nes Prd,parat vom Bentel mit einem 
an der Zitze festgesangten Jangen auf gestellt werden konnte; 
ferner ein ZwillingspHrchen von HapcUe jacchus lUiger mit Uteras 
and Placenten and ein nengeborener Pierapus medius Temm. mit 
Placenta. Von der Giraffe warde ebenso wie von verschiedenen 
anderen Tieren das Gehirn konserviert. Einzelne Organe and 
Organteile wanderten anch in die Materialsammlnng, falls sie 
nicht ffir Schan- oder Lehrsammlang anfgestellt warden. 

Die Sammelreise von Dr. F. R5mer an die norwegische 
Kttste brachte eine grofie Aasbeate an PrUparaten ana der 



— 189* — 

Anatomie and Entwickelnngsgeschichte der hauptsachlichsten 
Nordseefische : 

Eiemen, Lebern, MILgen, Darme, namentlich Spiraldarme 
der Haie and Rocheii; Urogenitalapparate, Mllgen mit Inhalt, ver- 
schiedene Organe mit daransitzenden WnrmparasiteD, namentlich 
gro£e Lebern vom KShler, Gadus carbonarius L., u. a., lieferten 
pracht voile Pr&parate, die meistens gleich an Ort und Stelle 
zurecht gemacht and aaf Pappe befestigt warden, so dafi sie 
hier nar aaf entsprechende Glasscheiben montiert zu werden 
braachten. Von Spinax niger Bon. and Myxinea gltdinosa L. 
waren yiele Exemplare konserviert worden, aas denen Fran 
M. Sondheim eine vollstd,ndige Serie von anatomischen Pra- 
paraten ffir die Lehr- and Schaasammlang herstellte. Von Spi- 
nax niger Bon. warde aach eine Entwickelangsreihe von Em- 
bryonen flir die Lehr- and Schaasammlang aafgestellt. 

Sch&del warden genommen von Simia satyrus L. juv., 
Gercopiihecus campbelU Waterh., C, albigidaris Syk., Cebus hypo- 
leucus Hamb., Macacus pileatus Shaw, Ateles ater F. Cav., Viver- 
riciUa mal(iccensis Gmel., Herpestes robustus Gray., PtUorius afri- 
canus Desm., Galera barbara $, Felis planiceps Vig. et Horsf., 
F. bengcUensis Kerr., Macropus antilopifms Goald, M. billardieri 
Desm., Onychogale frenata Goald, Didelphys marsupialis L., Myo- 
potamus coypus Mol., Tragulus metninna Erxl., Phacochoerus afri- 
canus and Hyrax capensis Pall. Das Skelett von Paradoxurus 
leucomysiax Gray. 

Geschenke: Jnstizrat Dr. Schmidt-Polex: Schadel 
einer Rehgeis mit Hornansatz. 

Dr. H. Weber: verschiedene menschliche Embryonen and 
Placenten. 

Prof. Dr. M. Flesch: 3 menschliche Embryonen. 

Fran Regierangsrat Br and is in Soden: verschiedene 
Schadel von ASen, Handen und Hirschen, die meistens fur die 
Lehrsammlung verwertet wurden. 

Prof. Dr. L. E dinger: Gipsmodelle von Gehirnen von 
Amia ccUva L. 1 : 8, Qadus morrhtia L. 1:6, Spindx niger Bon. 
1:6, Mustdus vulgaris M. H. 1:3, Squatina angelus L. 1:6, 
Myxine ghUmosa L. 1 : 6 Sagittalschnitt. 



— 190* — 

Kauf : W. Ehrhardt in Brasilien: verschiedene Embryo- 
nen, Uteri and Gehirne von Mycetes seniculus L. and Gebus 
faiueUus . Wagner. 

J. F. G. Umlanff in Hamburg: ein ca. 3m hohes Ele- 
fantenskelett, das erst im nachsten Jahr nach Fertigstellung 
des neuen Museums pr&pariert nnd montiert geliefert vnrd. 

Wissenschaftliche BenUtzung: Prof. Edinger er- 
hielt 160 Gehirne von ca. 30 Arten Fischen, die Dr. F. Romer 
in Bergen konserviert hatte. 

Dr. 0. Schnaudigel erhielt Augen von 15 Arten Fischen, 
die Dr. F. Romer nach besonderer Angabe in Bergen kon- 
serviert hatte. 

Dr. G. Ave His entlieh verschiedene Affen-, Hirsch- nnd 
Hasensch&del zu einem Vortrage (bereits wieder zurQckgeliefert). 

Die alte Lehrsammlung wnrde einer gllnzlichen Um- 
ordnung und Neuaufstellung unterzogen. Die PrSlparate wnrden, 
soweit sie noch brauchbar waren, in neue, rnnde und eckige 
Gl&ser aufgestellt und durch zahlreiche, neugefertigte St&cke 
vermehrt. Fur die Lehrsammlung wurde ein gesonderter Katalog 
in doppelter Ftihrung angelegt, ein alphabetischer Zettelkatalog 
und ein Journal mit systematischer Einteilung und Eintragung 
der Prtlparate und zwar wurden die Kataloge und Joumale 
ftkr die Lehrsammlung der Wirbeltiere und der vnrbellosen Tiere 
getrennt gehalten. Diese neue Lehrsammlung umfafit bisher 
an Wirbeltieren 496 Nummern, 
an wirbellosen Tieren 506 Nummern. 

Ftir die Schausammlung wurde ebenfalls eine Reihe 
von neuen Journalen angeschafft und eingerichtet, in welche 
die bereits fertiggestellten Pr&parate eingetragen wurden. Die 
Glaser werden, sobald sie zugekittet sind, sorgfllltig in Papier 
verpackt und nach Tiergruppen geordnet auf provisorische 
Regale gestellt, da die Schr&nke zur Aufnahme nicht mehr 
ausreichen. 

Wissenschaftliche Auskunft wurde 19mal erteilt 
und zwar handelte es sich 9 mal um Insekten, 1 mal urn Zecken, 
Imal um Muscheln und Schnecken, 4 mal um WUrmer, Imal um 
menschliche Haare und 3 mal um botanische Gegenst&nde. 

Dr. F. Romer unternahm vom 17. Juli bis 8. September im 
Auftrage der Gesellschaft aus den Mitteln der vonReinach- 



— 191* — 

Stiftung eine Sammelreise an die norwegische Kiiste, tiber 
welche in der Verwaltuugssitzung vom 15.0ktober 1904Bericht er- 
stattet uud in der wissenschaftlichen Sitzung vom 7. Jauuar ein 
Vortrag mit Aasstellnng eines Teiles der Ausbeute gehalten 
wurde. Die Aufz&hluDg der Beiseresultate findet sich im 
Maseumsbericht anter den betreSenden Tiergruppen. 

Mit diesem Vortrag war gleichzeitig eine Muster- 
ausstellung der in den letzten Jabren erworbeuen Schaustiicke 
f&r die Crastaceensammlang verbnnden, die eine Vorstellung von 
der Etikettiemng and der Anordnung der Erkl&rnngstafeln 
and Verbreitongskarten geben sollte. Daraus ergab sich die 
Notwendigkeit, die Etiketten a. s. w. fUr die Schaasammlung im 
Maseum selbst zu dracken, wozu eine Drackerpresse mit 
einem groBeren Vorrat von Typen angeschafft warde. 

Fttr die Werkstatte wurde u. a. eine groiJere Bohr- 
maschine angeschafft and ein Elektromotor zam Betrieb der 
verschiedenen Maschinen anfgestellt. 

Far die Handbibliothek des Maseums wurde wieder- 
am eine Beihe von Lehr- and Handbftchern angeschafft and die 
Sammlang der Arbeiten, die sich auf die deatsche Fauna be- 
ziehen, fortgesetzt. 

Fran Regierungsrat Brand is, Soden, schenkte eine 
grdfiere Anzahl Broschfiren and Separate aus dem Nachlafi 
ihres Sohnes Dr. med. F. Br and is in Halle. Ferner erhielten 
wir zahlreiche Separate nnd Bttcher fUr die Handbibliothek als 
Geschenke: von Karl Hopf in Niederh6chstadt i. T., Prof. 
Dr. C. B. Klnnzinger in Stuttgart, Geh. Rat Prof, Dr. 
MO bias in Berlin, Pfarrer W. Schuster in Gonsenheim, 
Prof. H. Engelhardt in Dresden, Dr. J. de Man in lersecke 
(Holland), Geh. Rat Prof. Dr. Spengel in Giefien, Geh. Rat 
Prof. Dr. W. Donitz in Berlin, Prof. Dr. L. von Heyden 
and Dr. E. Teichmann; im Tausch: von Prof. Dr. C. Chun 
in Leipzig, Dr. L. Reh in Hambnrg, Prof. Dr. A. Lang in 
Zttrich and von dem Zoologischen Institut der Universitat 
Breslaa. 

F&r die Tafelsammlang fertigte Dr. J. Wilhelmi 
drei Tafeln vom Ban des normalen menschlichen Auges, eine 
Tafel vom Ban des kurzsichtigen Auges, eine Tafel von der 
Regeneration and Heteromorphose bei Sufiwasser-Planarien nach 



— 192* - 

Morgan und Voigt, eiue Tafel von der Autotomie des 
Krabbenbeines nach Weismann, eine Tafel von der Ent- 
wickelnng von Plnnorbis nach Rabl, eine Tafel von der Sper- 
matogenese and zwei Tafeln vom Auge der Tiefseekrebse 
(Stylocheiron). 

Dr. August Knoblauch schenkte eine farbige Tafel 
von der Entwickelung der Frosch- und Schwanzlurche, von 
ihm selbst gefertigt. 

F. Winter schenkte eine Tafel von der Anatomic von 
Cidex pipiens nebst Trypanosoma und eine kolorierte Tafel, die 
Liebesspiele der Molche darstellend, von ihm zu einem Vortrage 
des Herrn Dr. August Knoblauch gezeichnet. 



II. Botanlsehe Sammlang. 

Von den unterzeichneten Sektion^ren hat der eine (D&rer) 
sich besonders der Ordnung und VervoUkommnung des Herba- 
riums gewidmet, wahrend der andere (Mobius) einige Objekte 
fttr die Schausammlung praparierte. Au£erdem hat Herr Karl 
Koch den im letzten Bericht schon erw&hnten Katalog der 
Schausammlung im wesentlichen vollendet, so da£ 12 Katalog- 
kapseln mit einzelnen Zetteln fur jedes Objekt vorliegen. F&r 
diese seine Bemuhungen und fiir sein warmes Interesse an der 
Sammlung sei ihm auch hier aufrichtig gedankt. Aus der groSen 
Zahl der Geschenke, ffir die wir bestens danken, ist diesmal 
keines besonders hervorzuheben ; wir f ilhren sie in alphabeUscher 
Beihenfolge der Geber auf: 

Botanischer Garten: 1. DickeWurzeln von Taa?ti^ bac- 
cara mit Verwachsungen* 2. Frttchte von MagnoUa Yulan. 

F. E. Clotten: 1 Faszikel getrockneter Pflanzen mit hand- 
schriftlichen Notizen von James Stirling, Nord-Queensland. 

Deutsche Fucolwerke, G. m.b.H., Bremen: 1 Flasche 
Fncol nebst dem Rohmaterial und Erliiuterungsheften. 

Frau Wwe. G&nger: 1 Blomenkohl mit merkw&rdig regel- 
mafiiger, spiialiger Anordnung. 

Dr. H. Geisow: Getrocknete Meeresalgen aus der Nordsee. 

B. Haldy, Gelnhausen: Eine Anzahl von ihm photogra- 
phisch aufgenommener Vegetationsbilder aus der Gegend von 
Gelnhausen. 



— 193* — 

G. Hen rich: Frucht von Atwna Cheirimoya. 

Prof. Dr. L. v. Hey den: 1. BimbanmblMter mit Gitter- 
rost. 2. MaserknoUen aus der Binde des Ahom. 

Helene Hiller: Das aus 22 Mappen bestehende Herba- 
rium ihres f Vaters, Dr. med. B. Lorey. 

Ludwig Kanper: Stammstiick von AlsophUa austraiis. 

Prof. Dr. F. Kinkelin: Zweige and Frttchte von Buxus 
sempervirens var. myrtifolia und var. angustifolia. 

Prof. Dr. W. Eobelt: Abnorme Tannzapfen aus dem 
Schwanheimer Wald. 

K. Koch: 1. Verschiedene Pilze, trocken und in Formol. 
2. In Formol konservierte Frfichte von Punica granatum und 
Doppelfrlichte von Pirus mains. 3. Verschiedene Zweige mit 
Frttchten (Koniferen, Casuarina u. a.), die der Geber trocken 
konservieren lie£. 

F. Loos: 2 abnorm lange Fruchtst&nde von Plantago 
major. 

Assessor Adolf Meyer: 1. Abnorme BlUten. 2. Hexen- 
besen you Syringa. 3. Querscheibe eines Astes von Robmia 
pseudacacia. 

J. Mftller-Enatz: 1 Mappe Gef&fikryptogamen. 

FrauEaroIine Pfeiffer, geb. Belli, und Fran Anna 
Weise, geb. Belli aus dem Nachla£ ihres f Bruders und 
Onkels, Dr. L. Belli: 2 Mappen Phanerogamen , 1 Mappe 
Algen und 1 Mappe Flechten. 

Dr. A. Reichard: 1. Eine EoUektion tropischer efibarer 
Frfichte aus Jamaika, in Formol konserviert. 2. Mehrere GlUser 
und Blechb&chsen mit verschiedenem Pflanzenmaterial aus West- 
indien (Haiti), in Alkohol konserviert, besonders Blttten und 
junge Frdchte der EokosnuB. 

Dr. F. Rdmer: 1. Eine EoUektion Meeresalgen von Bergen 
(Norwegen), in Formol konserviert. 2. Geratien-Plankton aus 
Norwegen in Formol. 

Prof. Dr. H. Schenck, Darmstadt: 1. Frisches Exemplar 
von Lathraea dandestina. 2. Einige Pilze in Alkohol. 

A. Vigener, Wiesbaden: 1 Mappe getrockneter Pflanzen 
aus Deutschland, Savoyen, Schweiz, Frankreich, Stkdamerika. 

F. Wirtgen, Bonn: 1 Liefer nng Gef&fikryptogamen. 

13 



— 194* - 

Tausch: Miss Elisabeth Day Palmer, Los Angelos, 
Kalifornien: Getrocknete kalifornische PflaDzen, Frfichte and 
Samen gegen dentsche Herbarpflanzen. 

Eanf: 1. W. Migula, Karlsruhe: Cryptogamae Germa- 
nic, Austriae et Helvetiae exsicccUae, Fasc. XVI— XXV. 

2. 0. Pazschke, Leipzig: Rabenhorst, Fungi Europaei, 
Editio nova, Series II, centuria 45. 

3. J. Kaulfufi, NUrnberg: ca. 35 Nummern ausgew&hlter 
Herbarpflanzen. 

4. Otto Leonhard, StOssen i. S. : ca. 115 Nammem 
Herbarpflanzen. 

5. Ed. M. Reineck, Sangerhausen am Harz: ca. 65 Num- 
mern Herbarpflanzen. 

M. Mobius. M. Dfirer. 

III. Mineralogisehe and Petrographisehe Sammlang. 

I. Dr. F.R()mer,dessenStudien inNorwegen haupts&chlich 
der Zoologie gewidmet waren, hat auch flir die petrographisehe 
Sektion, z. T. unter Leitung des Geologen G. F. Kolderap, sehr 
eifrig in der Umgebnng von Bergen gesammelt. Qanz besonders 
mufi betont werden, da6 Dr. R5mer einen Abstecher in das 
Gebiet des Ulvensees aof der Sfidspitze der Bergenhalbinsel 
gemacht hat, um dort die fossilfUhrenden kristallinen Schiefer, 
die seinerzeit (1883) von R e u s c h beschrieben warden, aafzasachen. 
Leider konnten an dieser klassischen Stelle keine organischen 
Reste mehr gefunden werden, aber far die Sammlang des 
Museums sind immerhin die 5 Belegstflcke aus diesem Gebiet, 
die nach ihrer petrographischen Beschaffenheit ebensogut aus 
dem Grundgebirg stammen k5nnten, ein h5chst erfrealicher 
Zawachs. Aus der Granit- und Schieferregion der Umgebung 
von Bergen liegt eine Reihe von Graniten vor, die alle eine 
mehr oder minder ausgesprochene Parallelstruktur zeigen and 
z. T. Sericit f&hren. Manche haben den Gharakter eines ^Aagen- 
gneiBes^, 2 Stufen sind stark gefaltet and von glimmerreichen 
Lagen durchzogen. Ebenso wie diese gneifiartigen Gesteine 
von Reusch und Kolderap ffir gepreBte Granite (Granitschiefer) 
erkllLrt werden, gelten auch einige dunkle Schiefer f&r drnck- 
metamorphe Eruptive, insbesondere erwiesen sich die Hom- 
blendeschiefer, die ostlich von Bergen in breiter Zone auftreten, 



- 195* — 

als Sanssaritgabros ; 1 Stiick zeigt fast richtungslos - kdrnige 
Strnktar; ein andrer dieser Amphibolite tritt gangartig im Granit 
aaf. Von ehemaligen Sedimenten sind 2 Quarzite zu erwahnen, 
die darch wechselnde Lagen hellgrauer, dunkelgrauer und brauner 
Bander noch ausgezeicbnete Schichtung erkennen lasseu; 
ferner quarzreicher GneiB, wohl auch ein Biotitschiefer von 
der „Lange Vand^. Von Vadheim im Soguefjord stammt ein 
GneiS, von Jordals im Nerotal bei Stahlheim ein Labradorit, 
von VoB, 108 km ostlich von Bergen, dunkler, gianzeuder Phyllit ; 
3 Schiefer von EspevlLr im Hardangerfjord machen den Eindruck 
eines Diabasschiefers oder Kalksilikathornfelses. Aus einem 
Steinbruch von L5hne bei VoB kommen 4 pr&chtige, graue, 
gl&nzende Pyllite, die in ovaler Form mit gerader Abstompfung 
als Dachschiefer behauen werden. 

Herr Prof. E o 1 d e r u p war so liebenswttrdig, dem Museum 
spd.ter noch eine weitere Serie norwegischer Gesteine zukommen zu 
lassen, daronter ein imposantes Faltungsst&ck, bezeichnet als 
,Augengranitschiefer" aus dem Museumsgarten in Bergen. Der 
Granit wird von stark gefaltetenBd-ndern eines schwarzenGesteines 
(Homfelses?) durchzogen, und das Stfick eiinnert an manche 
von Granit injizierte gefaltete Schiefer aus dem Odenwald und 
Spessart. Von Os bei Bergen kommt schwarzer Marmor mit 
^SyringophyUum^ ^ fiir unsere Sammlung ein ttberaus wert voiles 
Geschenk, da f ossilf tthrender Marmor nicht vertreten war ; ferner 
sind zu erw&hnen weifier Marmor von Hop bei Bergen und 
granat- und pyroxenreiche magmatische Differentiationsprodukte 
des Labradorfelses n5rdlich von Bergen. 

II. Geschenk e. 

Von der An thropologischen Gesellschaft, hier: 
ein 18 g schweres StUck Seifengold aus Californien. 

Von Fran M. Borgnis, hier: Kunzit von Pala, San Diego 
Co., Californien. Dies erst seit einigen Jahren bekannte Mineral 
ist ein farbloser oder violetter Spodumen, der durch R5ntgen-, 
Radium- und ultraviolette Strahlen leuchtend wird ; ein schones 
gescbliSenes und poliertes, konzentrisch-schaliges Stiick Malachit- 
Eupferlasur von Clifton, Arizona. 

Von W. Bucher, hier: 2 prftchtige Lavastiicke von 
Dittesheim bei Hanau; das eine ist typische, ganz frisch aus- 
sehende Stricklava, das andre ein mit Zapfen und Willsten 

13* 



— 196* - 

versehenes Sttick, das vortreffliche Stammrindenabdr&cke zeigt; 
ferner mehrere Quarzkristalle von Pforzheim. 

Von C. Ditter erhielten wir abermals eine Eollektion 
von Gesteinen und Mineralien : Hornstein, B&desheim ; Phonolith, 
Milseborg; Basalt, bei Eberstadt, Wetterau; Pinitporphyr, 
Lichtental bei Baden-Baden; 5 Porphyrschiefer mit scb5nem 
Fluorit von Dotzheim, Taunus; Rotliegendes , Engelskanzel bei 
Baden-Baden; zelliger Gangquarz von Bremtal, Taunus. 

Von Dr. F. Drevermann: Brauneisenerze vom Wingerts- 
berg bei Griedel. 

Von K. Fischer, hier: Bimssteinbombe, Quarz- and 
Bimsstein fUhrende TuSe, Quarzkonglomerat aus dem Brohltal; 
Pegmatit mit grofien Turmalinen, Stra£e AschaSenburg— Gailbach; 
2 vulkanische Tuffe von Boll und Basalt vom Bandecker Maar. 

Von E. Frank, hier: Flaseriger Biotitgranit und grob- 
korniger Marmor aus dessen Hangendem, Eabylien; Gips von 
Hammam Salahin bei Biskra. 

Von J. Fritz, Hanau: Bohnerz, Bulauer Wald bei Hanau. 

Von Dr. J. Guide, hier: 2 Bosetten flachlinsenfOrmiger 
Gipskristalle, Biskra. 

Von L. Henrich, hier: Dolerit, Trachyt, rhyolithischer 
Pechstein, Euganeen. 

Von Eonsul S. Gahn, hier: 2 grofie Enhydros von Uru- 
guay und 2 kleine br&unliche Chalcedone von der Form einer 
plankonvexen Linse, auf der ebenen Seite mit einem Z&pfchen 
im Zentrum und ringfdrmigen konzentrischen Wttlsten. 

Von Prof. F. K i n k e 1 i n , hier : Kalkspat aus dem Bregenzer 
Wald; Sericitkalkphyllit, Basel. 

Von F. Ed hier, hier: Kakozen, Quarz -Galcitmandel, 
Oberstein; Achat; Uranpecherz, Marienberg; Wolframit, Zinn- 
wald; Quarz in Steinsalzf orm ; Quarzgruppe. 

Von R. Maas, hier: Eleiner, verletzter COlestin (,Berg- 
kristall von Catania"); Lavastflckchen vom Vesuv (^Schwefel"); 
Granitstttckchen von einem griechischen Tempel; glimmer- 
flihrender Marmor, angeblich Pentelikon; rotes Steinsalz. 

Von W. Melber, hier: Gold auf Quarz. 

Von Berginspektor Mil Her, hier: 2 Sttkckchen Malachit 
von glasigem Aussehen, Minera de Pe&oles, Mapimi (Mexiko); 



— 197* — 

Mfinzenberger Sandstein mit Baryt in stengelig-fiedrigen Ske- 
letten; angeschliffener nassauischer Diabas. 

Yon Dr. Edm. Naumann, hier: Gangstufe mit Baryt, 
Calcit, Eisenspat, WeiBblei von Tarsos. 

Von L. Pfeiffer, Darmstadt: Bohnerz mit Calcitdruse, 
Ilsede bei Peine (Hannover). 

Pfeiffer-Bellische Schenkung: Wie schon ander- 
weitig mitgeteilt wnrde, haben die Erben des im vorigen Jahr 
verstorbenen Dr. L. Belli, n&mlich Frau E a r o 1 i n e Pfeiffer, 
geb. Belli, and Frau Anna Weise, geb. Belli, die ca. 1000 
Nommem z&hlende Mineraliensammlung ihres Bruders and 
Onkels der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellscbaft 
zam Gescbenk gemacbt. Eine kleine Auswahl gnter and wert- 
voUer Stficke war bei der Jahresfeier, eine gr5fiere Anzahl 
l&ngere Zeit im Vogelsaal des Museams aasgestellt. Die ganze 
Sammlang warde nen etikettiert and irrige Fandortangaben 
warden, soweit es geschehen konnte, berichtigt. Bei der 
systematischen Aufstellnng wnrde der Sektion&r dnrch Herrn 
Hfitteningenienr P. Prior wesentlich nnterstfitzt, wofttr Herrn 
Prior aacb an dieser Stelle verbindlichster Dank ansgesprocben sei. 

Die folgende Aofz&hlang mag in flfichtigen Umrissen die 
Reichhaltigkeit dieser Schenknng kennzeichnen. 

Element e. 3 Diamantoktaeder, Eimberley; 1 kleiner, ge- 
randeter Kristall in Eimberlit. Graphit. Schwefel. Arsen : Joa- 
chimstal, Marienberg mit Proastit, Echizen. Wismnt, pr&cbtiges 
Stack in gestrickten Formen vom Scbneeberg. Kupfer: Lake 
superior, darunter gate Pyramidenwttrfel, ferner Ealksp&te mit 
eingewacbsenem Knpfer, auch ein gr5fierer Klnmpen, vermatlicb 
von ebendaher, mit radialstengeligen Aggregaten, die den Ein- 
drack einer Psendomorphose machen, aber das Mattermineral 
ist nicht mehr erkenntlich ; Corocoro ; Broken Hills ; Rheinbreit- 
bach u. a. Eisen in Basalt von Ovifak. Silber : Broken Hills, 
moosfdrmige Aggregate ; Kongsberg ; Murcia ; Chaiiarcillo ; 
Copiapo. 

Gold: mehrere gate Stafen ans Siebenbttrgen, daranter 
ein sch5nes banmfdrmiges Silbergoldaggregat von Verespatak ^), 
aas platten Kristallen mit . ooOoc . ^oO aufgebant ; Kremnitz ; 



^) Orthograliie der Osterr.-nng. Fandorte nach Zepharoviob. 



— 198* — 

Magurka ; Coolgardie (W.-Austr.) ; grofie Stnfe in Qnarz, angeb- 
lich von Australien, mit z. T. ausgeh5hlteii Eristallen; Cripple 
Creek, schone Stufe mit zahlreichen Kligelchen. Platin : 4 Roll- 
stUcke im Gewicht von 390 g, 155g, 74 g, 24 g, wohl die kost- 
barste Nummer der Sammlung. 

Sulfide und Sulfosalze. Pyrit, namentlich groBe 
Kristalle von Blba uDd Dognacska. Magnetkies, Kristalle vom 
Schneeberg (Passeyr). Arsenkies. Speiskobalt. Glanzkobalt. 
Antimonnickelglanz. Lautit (CuSAs). Kupferglanz, Bleiglanz: 
Rodna (0-Rodna), SLhnlich dem Gondersbacher ; Przibram ; Dog- 
nacska; Joplin, 2 gute Stufen, eine mit Wtlrfeln von 4 cm 
Kantenlange. Silberglanz, Zinkblende (und Wurtzit): besonders 
von Rodna, Schemnitz, Joplin und vom Binnental 8ch5ne 
Kristalle; von Stollberg angeschliffene Platte von Schalen- 
blende mit Pyritlagen. Millerit. Rotnickelkies. Antimonnickel. 
Sylvanit und besonders Nagyagit in schonen Stttcken. Zinnober. 
MolybdHnglanz. Realgar und Auripigment. Antimonit, nament- 
lich grofie japanische Kristalle. Kupferkies. Buntkupfer. 
Emplektit. Jamesonit. Antimon- und Arsensilberblende. Fahlerze. 
Kylindrit. 

Oxyde and Hydroxyde. Rotzinkerz, darunter ein 
rosafarbenes, bl&tteriges StUck and ein gr&ngelbes aafier dem 
gew5bnlichen blutroten von Franklin. Rotkupfer: Cornwall, 
scharf e and ocOoc ; grSBere . ocOoo . ocO von Bisbee ; eine 
Prachtstufe mit zahlreichen scharfen roten Oktaedern von Clifton, 
Arizona. Korund and Sapphir (Rollstttcke). Eisenglanz, gat 
von Elba und Cleator Moor ; Roteisen. Titaneisen. Senannontit. 
Unter den Quarzen mehrere schone, wenn auch fl&chenarme 
Kristalle; von Arkansas ein grofier klarer Kristall mit ±R 
und autfallend langem ePs; mehrere mit EinschlUssen, darunter 
besonders bemerkenswert eine von Telkibanya mit bohnengrofier 
Libelle. Avanturin. Jaspis. Katzenauge. Tigerauge. Chalcedon, 
darunter ein grofier Enhydros. Zirkon: mehrere St&cke mit 
weifien Kristallen vom Pfitschtal mit P . ocPoc . cxP ; Frederiks- 
vkrn. Zinnstein. Rutil. Brookit, grofier, leider stark verletzter 
Kristall von Pregratten. Anatas in vielen gnten Stafeu, 
namentlich von Rauris. Pyrolusit, eine vortreftliche Stufe an- 
geblich aus dem sSlchsischen Erzgebirge. G5thit. Brauneisen. 
Opal : mehrere ansehnliche Edelopale von Queensland, angeblich 



- 199* — 

Cserwenitza (VSrQsvagas), z. T. mit herrlichschillernden Stellen; 
Hyalit; Halbopal. 

Haloidsalze. Steinsalz. Salmiak, ^t vom Aetna. 
Embolit. Fluorit, eine grofie Serie englischer, Freiberger, auch 
Gottharder Kristalle; aufier and ocOoc nebst flachen ocOu 
keine Fl&chen. Eryolith und Thomsenolith auf Kryolith. 

Aluminate and Ferrate. Chrysoberyll (Alexandrit). 
Spinell: ansehnliche Okta^der, N. Jersey. Magnetit. 

Borate: Borazit Lad^vigit. 

Karbonate. Kalkspat ist reichlich vertreten, namentlich 
dai^b eine stattliche Anzahl Egremonter Stafen, unter denen 
wasserhelle langpr